Bauer Willi
Kommentare 57

Urlaub vom Bauernhof

Nein, ich habe mich nicht verschrieben und ich meine nicht das Angebot von Landwirten, Feriengäste bei sich zu beherbergen und damit ein weiteres Einkommen zu generieren. Also den klassischen „Urlaub auf dem Bauernhof“.

Ich will viel mehr einmal darüber berichten, wie schwierig es für Bauernfamilien ist, selbst Urlaub zu machen. Die Idee dazu ist mir gekommen, als ich die Titelseite der Maschinenring-Zeitung Oberösterreich gelesen habe.

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Die Überschrift des Leitartikels muss man übersetzen: „heute fahrn wir einmal ein paar Tage fort“.  Als ich dann noch die Forderung der Grünen-Politikerin Britta Hasselmann gelesen habe, war dies ein weiterer Anlass, denn offensichtich haben einige Politiker vollständig den Sinn für die Realität verloren.

https://x.com/BriHasselmann/status/1939981161465258322

Im Untertitel des Bildes ist zu lesen, dass „die Bundestagsfraktion der Grünen Hitzefrei für Arbeitnehmer ab 26 Grad fordern“. 

Ich habe mich gefragt, wann dann in der Landwirtschaft überhaupt noch gearbeitet werden „darf“. Die Getreideernte würde dann in der Regel vollständig ausfallen.

Von den Medien wird dies dann auch entsprechend kommentiert:

https://www.focus.de/politik/meinung/hitzefrei-im-job-ab-26-grad-diese-idee-ist-bezeichnend-fuer-die-weltsicht-der-gruenen_7f001b18-c2ef-4c8f-a4bd-1b1ef84c59d8.html

Doch wann machen eigentlich Bauern Urlaub? Diese Frage stellt sich vor allem für Nutztierhalter, denn sie müssen sich an 365 Tagen im Jahr um ihre Tiere kümmern. In der Umfrage, die der Maschinenring unter den Mitgliedern gemacht hat, antworteten 45% das sie keinen oder eher keinen Urlaub machen. Bei den Milchviehhaltern gönnen sich nur 14% eine Auszeit. Häufigste Gründe, die genannt wurden waren auf Platz 1 „keine Zeit“ und auf Platz 2 „keine geeignete Ersatzarbeitskräfte“. Platz 3 belegte die Aussage, dass „Kurzurlaub und Tagesausflüge ausreichend sind“.

Doch ist das wirklich so? Ich weiß aus eigener Erfahrung und von Schilderungen von Berufskollegen, wie schwer es ist, Haus und Hof für länger zu verlassen und in die Obhut einer Vertretung zu legen. Schließlich kennt sich niemand mit den Tieren, den Maschinen oder dem Acker so gut aus wie man selbst. Doch genau das ist es, was den Urlaub außerhalb des Hofes so wichtig macht: man wechselt die Perspektive, bekommt im wahrsten Sinne des Wortes „Abstand“. Das müssen nicht hunderte Kilometer sein. Wir haben in 2024 mit Kindern und Enkel Urlaub in der Eifel gemacht. Das war nur eine Stunde Autofahrt entfernt und doch eine andere Welt. Und mit der Großfamilie natürlich ein besonderes Erlebnis…

Es klingt für Nicht-Landwirte möglicherweise etwas seltsam, aber es braucht Mut und Entschlossenheit einen zweiwöchigen Urlaub zu unternehmen. Was übrigens in der Umfrage auch herauskam: fehlendes Geld wurde als Hinderungsgrund fast nie genannt.

Sicherlich ist der Sommer kein günstiger Zeitpunkt für Landwirte, weil hier für den Ackerbauer eine absolute Arbeitsspitze ist. Aber auch der Herbst hat noch seine schönen Tage….

Der Grund „keine Zeit zu haben“ gilt nicht. Zeit kann und muss man sich nehmen.

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57 Kommentare

  1. Topfheiler sagt

    Das Thema bringt wieder einiges hervor bei mir .Da sehe ich Bilder aus Urlausregionen höre von geplanten Kreutzfahrten ,Urlaub in den USA usw..Selbst habe ich die Spargelernte mit 7 Tagewoche und Die Frükartoffeln auch mit Sontagsarbeit hinter mir.Vieles ist Paradoks .Dann sind die Maschinen und Gebäude alt koste auch viel Reperaturzeit . IM Kleinbetrieb ist soviel zu erledigen da bleibt für Urlaub wenig Zeit.

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  2. Pälzer Buh sagt

    Vor 31 Jahren hat meine Mutter angefangen mich in Jugendfreizeiten anzumelden. Wenn ich den Preis gesehen habe, wurde mir Unwohl, meinen Eltern gegenüber, dass Sie nicht mit in Urlaub konnten. Rückblickend muss ich sagen es mir und meiner Entwicklung gut getan. Auch die örtliche Landjugendzeit mit kurzen Arbeitspausen sprich Kurzurlaub hat mir damals echt gut getan. Es war eine gute, eine schöne Zeit.

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  3. Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

    Ich verstehe jetzt nicht was die Forderung nach Hitzefrei mit dem Urlaub von Landwirten zu tun hat.

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  4. Pälzer Buh sagt

    Wenn ich dieses Thema ( Nutztierhalter Urlaub und Arbeitszeit) in einem reinen Winzerdorf zur Diskussion gestellt habe, kam doch ein leider kurzes Nachdenken….. so Gefühlt …. 2 Sekunden, leicht auch 3, mehr aber auch nicht. Das ärgert mich …. . In meinem Gedanken frage ich mich immer noch:“ Für WAS sind Wir damals, aus „Allen“ teilen Deutschlands, in Berlin gestanden? Wir opfern unsere Freizeit, wir opfern unseren Urlaub, wir opfern unsere Familie, wir opfern unsere Freunde. Nur um den Betrieb am laufen zu halten.

    Ein paar Tage Urlaub für mich, einsechstel dessen eines „Normalen“ Arbeitnehmer. Nein, ich liebe meinen Beruf.
    Da wo andere Menschen Urlaub machen, bin Ich zuhause!
    Urlaub mit den Kindern in den Schulferien,unmöglich! Der Pflanzenschutz hat
    Vorrang! Gleich danach folgt ja schon die Ernte. Die Frau muss mit den Kindern alleine in Urlaub fahren.

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  5. Einachser sagt

    Ich habe als selbstständiger Betriebshelfer auch öfter Urlaubsvertretungen gemacht. Aber man bekommt schon ein schlechtes Gewissen, wenn man nach 2 Wochen teurem Urlaub (vielleicht dem ersten in 10 Jahren) dann direkt eine Abrechnung über 2000€ auf den Tisch legt (Ich habe vor 5 Jahren 15€ brutto und ein bisschen An- und Abfahrt genommen, was als Selbstständiger natürlich auch vorne und hinten nicht reicht).

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  6. Ehemaliger Forenteilnehmer sagt

    Meine Frau und ich fahren sehr gerne in den Urlaub weil das auch dem Zusammensein sehr gut tut. Bei manchen scheint die Ehe schon so abgenützt zu sein, dass sie gar nicht wissen wie schön Urlaub sein kann. Auch der Abstand zum Betrieb ist für meine Frau und mich so wichtig. Man will endlich einmal Abstand halten zum alltäglichen Krimskrams. Das entspannt Körper und Seele. Wenn andere aus dem Alltagsleben nicht ausbrechen können oder wollen ist das für mich kein Problem. Vorfreude auf eine schönen Urlau gibt immens viel Kraft! Es gibt eben viele Menschen, die am Leben vorbei gehen.

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  7. Kemetbauer sagt

    Was ist Urlaub und welchem Zweck dient er? Will man Abstand gewinnen, einfach mal rauskommen, sich erholen, andere Regionen/Nationen und andere Menschen kennenlernen, will man einer alternativen Freizeitgestaltung nachgehen oder was sonst evtl. noch und ist es deshalb notwendig, sich räumlich zu verändern? Viele Außerlandwirtschaftliche reden davon, dass sie mind. 2 bis 3-mal im Jahr in den Urlaub fahren/fliegen müssen. Zu groß ist der Druck am Arbeitsplatz. Angeblich sind es die schönsten Wochen des Jahres. Arme Leute sind das für mich. Klar, wenn man fremdbestimmt arbeiten muss und die Tätigkeit an hohes Maß an Entfremdung besitzt, ist es wahrscheinlich dringend angeraten. Aber reicht der Urlaub da aus?
    Fremdbestimmung und entfremdendes Potenzial, damit haben wir in der Landwirtschaft i.d.R. nichts am Hut. Wir haben uns freiwillig entschieden und wir wussten, worauf wir uns einlassen würden. Nein, wenn man seinen Alltag strukturiert und diese Struktur diszipliniert umsetzt, bietet gerade der landwirtschaftliche Job eine Menge Freiraum, Und wenn wir ehrlich sind, wer arbeitet in seinem ldw. Beruf von früh bis spät; Ausnahmen bestätigen die Regel. Ist es wirklich Arbeit, wenn man am Weidetor steht und seinen Rindern zuschaut? Wenn man bei der Arbeit kurz innehält und die Wildtiere auf seinen Flächen beobachtet? Was ist mit dem Gespräch mit dem Flächennachbar in der Flur? Der smaltalk mit dem Händler? Was ist, wenn man kurz anhält, um den Titel der sich gerade aus dem Lautsprecher des Schleppers quält, voll genießen zu können? Wer hat nicht schon mal angehalten um den Sonnenauf- oder untergang vom Schlepper aus zu beobachten? Es gibt so viele Situationen in unserem Berufsleben, die Genuss aber eben nicht Arbeit sind. Man muss allerdings lernen, sie als Genuss zu begreifen. Mein letzter Urlaub mit räumlicher Veränderung liegt lang zurück. Ich mache Urlaub vom Hof hier auf meinem Hof. Einfach mal fünf gerade sein lassen. Pirschen ohne Waffe, einen halben Tag auf der Kanzel verbringen nur um zu beobachten. Kollegen zum geselligen Zusammensein einzuladen. Klönen, Ratschen, Lästern u.a.m., bei Kaffee und Kuchen und einem herrlichen Blick auf die Flächen des Betriebes. Das ist für mich Entspannung und Erholung zugleich. Ich möchte hier gar nicht weg und wenn ich mal in die ehemalige Heimat fahre, dann wissen dort alle, der wird heute Abend wieder zurückfahren. Mittlerweile können sie es verstehen. Richtig wohl, fühle ich mich nur zu Hause.

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    • Stadtmensch sagt

      Schön beschrieben.
      Wenn alles läuft wie am Schnürchen, kann es auch bei „fremdbestimmter“ Tätigkeit jenseits der Urproduktion, sehr erhebende Momente geben.
      Man muss sich nur erfolgreich einreden können, dass die gegen Geld getauschte Lebenszeit einem „Guten Zweck“ dient.

      Klönen, Ratschen, Lästern, Leute gucken gibt es auch hier in der Betonwüste.

      Das Streben nach Glück ändert sich evtl. im Zuge der neuen Technologien.
      Vielleicht erscheint es vielen Zeitgenossen mittlerweile angenehmer, die eigene Individualität auf die Spitze zu treiben und lieber an ihrem virtuellen Alter Ego zu werkeln, als echte Kontakte zu pflegen:
      https://www.happiness.hks.harvard.edu/february-2025-issue/the-friendship-recession-the-lost-art-of-connecting

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    • Andreas Lübkemann sagt

      👍 sehe ich auch so, allerdings haben wir auch Fremdbestimmung duch die Politik und die Auslegung vom Land und Kommunen. LG Andreas

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    • Arnold Krämer sagt

      Selbstständige Landwirte haben so wie alle anderen Menschen auch unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche, Träume, Vorstellungen, Werte, Selbstbilder und MÖGLICKEITEN.

      Sie haben das nicht nur „schön“, wie Stadtmensch das schreibt, sondern auch ziemlich umfassend und gut beschrieben.

      Ich möchte den Blick ergänzend noch auf die Möglichkeiten lenken:
      Diese sind
      1. finanzieller Art und – wie bei den meisten – mehr oder weniger begrenzend. Darauf will ich aber nicht weiter eingehen.
      2. In Familienbetrieben ist oft entscheidend, wie eng die Generationenfolge ist und ob ggfls ein oder zwei Mitarbeiter vorhanden sind. In Einzelfällen können/werden auch ehemalige Lehrlinge den Vertretungspart übernehmen.
      3. Der viehlos wirtschaftende Landwirt mit schulpflichtigen Kindern kann einen Erholungsurlaub eigentlich nur in die Winterferien legen. Da wird dann teuer, egal ob die Familie passioniert Ski fährt oder sich lieber in der Südsee vergnügt.

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    • firedragon sagt

      Kemetbauer,

      das hast Du gut beschrieben.

      Ergänzend dazu ein Gedanke von mir: Urlaub soll der Erholung dienen. Erholung ist auch Zufriedenheit. Zufriedenheit bekommt man täglich umsonst, wenn man sich an kleinen Dingen erfreuen kann.
      Bspl. Heuzeit bei 38°C kürzlich, es läuft einem Schweiß aus jeder Pore, selbst warmes Wasser schmeckt auf einmal köstlich, auf der Haut eine Staubsalzkruste und heiße Luft, die man schneiden kann … und so fährste an einem Gemüsefeld vorbei und die Sprenger laufen … tja, ich kann nur sagen die Dusche unter einem defekten Sprenger ist Welten besser, als ein Strandurlaub 😁

      Und wenn dann Politiker sagen, der AN darf nicht mehr arbeiten, wenn das Thermometer 26°C anzeigt … wie sehr soll der Mensch eigentlich noch verweichtlich werden. Als ich in die Schule ging, gab es Hitzefrei, wenn es um 10h 30°C anzeigte. Das war einmal in meiner Schulzeit.

      Zurück zum „Utlaub“, ich verstehe jeden, der sich für andere Regionen interessiert und dort urlaubt. Sobald das für einen allerdings in Stress ausartet, ist der Landwirt auf seinem Hof besser aufgehoben.

      Außerdem, laut einer Studie kann sich jeder fünfte in Deutschland lebende Mensch keinen einwöchigen Urlaub leisten.

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    • Bauer Willi sagt

      @Kemetbauer, Sie können ja richtig sentimental sein! Und toll schreiben. Danke! 🤩

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    • Jürgen Donhauser sagt

      @Kemetbauer
      Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher ob dieser Kommentar ironisch gemeint war. Aus der Seelsorge und Coaching von Landwirten kenne ich auch diese vordergründige Argumentation. Sie fußt aber darauf, dass sie sich Jahrzehnte eingeredet hatten ein Urlaub wäre aus betrieblichen Gründen gar nicht möglich. Jetzt den Gedanken zu zulassen, dass es zur Selbstfürsorge auch nötig wäre Zeit ausschließlich für sich zu nehmen, würde ihr ganzen Gedankenmodell zum Einsturz bringen. Deshalb glorifizieren sie ihren Ist-Zustand und bestreiten irgend eine Notwendigkeit von Urlaub/Freizeit. Dieses Verhalten ist 1 Punkt von 3, die bei Coaching-Gesprächen mit Landwirten häufig auftauchen. Von Kindesbeinen an wurde ihnen beigebracht, dass über den persönlichen Bedürfnissen die notwendige Arbeit auf den Betrieb steht. Kein Geburtstag, keine Krankheit, kein Feiertag steht über der Pflicht für den Betrieb (Ernte oder Versorgung der Tiere). Es wurde ihnen also von Anfang an beigebracht mit den eigenen Bedürfnissen sich hinter den betrieblichen Bedürfnissen anzustellen. Das erzeugt auf Dauer mangelnde Selbstfürsorge!

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      • Arnold Krämer sagt

        @ Donhauser
        Das was Sie schreiben hatte in meiner Region (südliches Weser- Ems) weitgehend Gültigkeit vor 30 und mehr Jahren. Das gilt aber heute überhaupt nicht mehr für die Mehrzahl der Betriebe und Familien. Es gibt eine Ausnahme: Die Versorgung von Vieh und die Ernte stehen natürlich an 1. Stelle. Sonst ständen die Betriebe nicht da, wo sie heute stehen.

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        • Bauer Willi sagt

          @A.K.
          Schön, wenn das in Weser-Ems nicht mehr so ist. Aus meinem Erleben von den Vorträgen ist es aber in vielen Teilen Deutschlands (vornehmlich im Süden) noch so. Und dann ist da noch „Bauer sucht Frau“.
          Klar, in Ostdeutschland sind andere Strukturen und die Landwirtschaft weniger auf Familienbetriebe ausgerichtet und deshalb planbarer.

      • Kemetbauer sagt

        Schmunzelnd habe ich Ihren Kommentar gelesen und etwas in diese Richtung gehend eigentlich schon früher erwartet. Nein, es ist keine Ironie und Ihr Beitrag ist natürlich provozierend.
        Nein, ich war nie komplett eingebunden in den Familienbetrieb unter der Regie meiner Eltern. Und nein, ich habe nicht die Not zur Tugend gemacht. Nicht in die Ferne zu entfliehen war früher für mich kein Thema. Ein mehrmonatiger Aufenthalt in der Karibik, natürlich zu Studienzwecken, schließlich war der Landbau der Tropen und Subtropen ein Schwerpunktfach, hatte mir sehr gut gefallen. Motorradfahrten in den Staaten des Maghreb und zu Konzerten in fast ganz Europa, standen da auf dem Plan. Ich habe nicht die Welt gesehen aber einen kleinen Teil davon. Und mit/auf dem Motorrad nimmt man seine Umgebung auch noch etwas unmittelbarer wahr.
        Meine Eltern haben mich auch nicht vor die Frage gestellt Ja oder Nein. Nach einer Schleife durch den ÖD, stand die Entscheidung. Wer mich kennt, der weiß, dass ich konsequent bin. Familie hat mir nie viel bedeutet. Außerdem sagt man ja, dass alle Bauern die heiraten Bigamisten sind, da sie ja schon mit dem Hof verbandelt sind. Ich war frei und konnte, ohne mit jemandem Rücksprache zu halten, nach meinem Befinden auch weitreichende Entscheidungen fast spontan treffen. Der Grad der Freiheit allerdings bestimmt auch den Grad der Verantwortung. Ob ich alle Risiken noch einmal eingehen würde, weiß ich nicht.
        Ich kann hier mein direktes und mittelbares Umfeld nach meinen Vorstellungen gestalten. Das ist ein Traum! Einfach mal am Fuß einer 400-jährigen Eiche sitzen oder unter einer Birke das Spiel der Blätter als Schattenspiel auf dem Boden zu verfolgen ist für mich Ruhe und Entspannung. Dafür benötige ich nicht die Abwesenheit vom Betrieb und schon gar nicht eine weite Reise
        Ich weiß, dass es nicht viele Kollegen gibt, die das nachvollziehen können und ich möchte hier auch keine Begierden dahingehend wecken. Gehen wir einfach tolerant miteinander um.

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        • Der Brandenburgbauer sagt

          @ Kemetbauer , das was sie in den letzten beiden Absätzen ihres Kommentares beschreiben ,kann ich nur bestätigen . Auch ich kenne das super Gefühl so zuentspannen. Trubel und hecktisches Treiben , nein sowas brauche ich nicht.

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      • Peter Appel sagt

        Wieso fällt mir bei Ihren Argumenten gerade der Sozialismus oder Kollegtivismus ein?
        Soll hier den Menschen nicht auch beigebracht werden, dass nicht ihre individuellen Bedürfnisse im Vordergrund stehen sollten, sondern das Kollektiv?
        Wenn also die von Ihnen geschilderte Einstellung von Bauern, die sich angeblich ihrer Selbsttäuschung hingeben, indem sie ihre Situation glorifizieren, wie muss es dann den Menschen in sozialistischen Systemen gehen? Sie die am Ende alle psychisch und seelisch gestört? Ist das vielleicht der Grund, warum bisher alle sozialistischen Systeme früher oder später gescheitert sind?

      • Peter Appel sagt

        @Donhauser
        Wieso fällt mir bei Ihren Argumenten gerade der Sozialismus oder Kollegtivismus ein?
        Soll hier den Menschen nicht auch beigebracht werden, dass nicht ihre individuellen Bedürfnisse im Vordergrund stehen sollten, sondern das Kollektiv?
        Wenn also die von Ihnen geschilderte Einstellung von Bauern, die sich angeblich ihrer Selbsttäuschung hingeben, indem sie ihre Situation glorifizieren, wie muss es dann den Menschen in sozialistischen Systemen gehen? Sie die am Ende alle psychisch und seelisch gestört? Ist das vielleicht der Grund, warum bisher alle sozialistischen Systeme früher oder später gescheitert sind?

    • Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

      Eine vernünftige Sicht der Dinge. Führt auch nicht zu verstopften Straßen und Flughäfen und ist unschlagbar umweltfreundlich.

  8. Ehemaliger Landwirt sagt

    „Hitzefrei für Arbeitnehmer ab 26 Grad fordern“

    Nur für Arbeitnehmer, nicht für den Betriebsinhaber! Zugegeben, bei über 35 Grad war es schon unangenehm in der prallen Sonne.

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    • Inga sagt

      Ja, der Arbeitnehmer hat ja zugesicherte Rechte, von der Gewerkschaft erkämpft.
      Das ging leicht, weil die Produktion in der Fabrik, Industrie ja selten was mit der Natur zu tun hat.

      Bauern haben keine Gewerkschaft.
      Die sind selbstständig und ihr eigener Arbeitgeber.
      Die müssen unter Berücksichtigung der Ökologie arbeiten.
      Also Prioritäten anders setzen.

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      • Der Brandenburgbauer sagt

        @ Inga , es gibt eine Gewerkschaft für Landwirte . Die IG Bauen – Agrar – Umwelt .
        Im Osten sind es besonders die Agrargenossenschaften , GmbH und andere
        Organisationsformen der Landwirschaft die sich an das dort beschlossene halten.

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        • Inga sagt

          Ja, ich weiß,

          bei Euch, weil da ja die Lanndwirtschaft anders strukturiert war, aber bei waren wir doch selbstständig, unsere eigenen Chefs, Betriebsinhaber, da gab es keine Gewerkschaft!

          Alles aufs eingene Risiko!
          Auch die Wetterphänomene“

          Urlaub ,Krankheit auch.

          Da gab/gibt es aber Hilfe von der Berufsgenossenschaft, bzw, der landw. Rentenkasse,
          in Bayern vom Maschinenring!

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          • Der Brandenburgbauer sagt

            @ Inga , bei uns trug eine größere Gruppe das Risiko . Wetterphänomene gab es hier genau so wie bei euch. Als Abteilungsleiter, der für 3200 ha und die dazugehörigen Mitarbeiter verantwortlich war , war ich AG ( Vorstandsmitglied ) und AN in einer Person. Meine Abteilung habe ich so geführt als wäre es mein eigener Betrieb.
            In den Vorstandssitzungen , wir waren 4 Personen die den Gesamtbetrieb von ca. 9000 ha geleitet haben, mußte ich mir oft diesen Vorwurf gefallen lassen .
            Das ist nicht dein Betrieb allein , wir sind ein Vorstand und entscheiden gemeinsam. Ich habe so gearbeitet und entschieden wie bei euch ein Betriebsleiter in einem Familienbetrieb. Ich war mit Herz und Seele Landwirt. Das mit über 50 Berufsjahren.
            Viele von euch , im Westen unseres Landes verstehen das aber nicht . Oder, wollen es nicht verstehen.

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            • Christian Bothe sagt

              Brandenburgbauer: sehr gut erläutert! Aber so hat man sich engagiert! Für mich waren das eben immer leitende Funktionen im Volksgueterbereich! Mir wurde sogar mal von der übergeordneten Dienststelle ( BD-VEG) vorgeworfen, das das VEG nicht mein Privatbetrieb sei… Irgendwie lustig zumal ich als VEG Direktor nie in irgendeiner Partei gewesen bin…

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                • Limes sagt

                  Peter, Vielen Dank für den link zu Spiegel Artikel „DDR / MANAGER Hemd kürzer“ von 1969. Habe mir das sozialistische System anders vorgestellt.
                  Artikel gibt interessanten Einblick in die „neue Wirtschaftspolitik“ und die Anforderungen an die Leiter (neudeutsch Manager). Erstaunt bin ich insbesondere über diese Passage:
                  „Doch das neue Führungskorps — Spitzeneinkommen erreichen bei hohen Leistungszuschlägen bisweilen die Sechstausend-Mark-Grenze, DDR-Durchschnittseinkommen: 662 Mark — achtete mit wachsender Verantwortungsfreude nicht allein auf volkswirtschaftlichen Nutzen. Zwar führte es die DDR-Wirtschaft zu einer Expansion« die Manager widmeten sich aber zudem ihrem individuellen Fortkommen. Sie verlangten »personengebundene Dienstwagen«, standesgemäße Unterkünfte und steigende Einnahmen.“
                  Irgendwie klingt das nicht nach Sozialismus, alle sind gleich und solidarisch.

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                • Der Brandenburgbauer sagt

                  @ Peter, Ein Manager ( von englisch to manage “ handhaben ,
                  bewerkstelligen , leiten “ )
                  Warum also nicht Manager ? Und jetzt keine fadenscheinigen Ausreden .

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                • Christian Bothe sagt

                  Peter: wo ist der Unterschied, Sie Schlauberger? Falls Sie des englischen mächtig sind, sollten Sie eigentlich die Übersetzung von “to manage” kennen…

                • Peter sagt

                  Председатель Фольксгут 😉

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                • Christian Bothe sagt

                  Peter: das Sie Russisch können, ist ja mal was! Würde Putin freuen…Aber doch lächerlich und ziemlich kleinbürgerlich!

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            • Inga sagt

              Wollen es vielleicht nicht verstehen.

              Jeder identifiziert sich mit seinem Betrieb oder Verantwortungsbereich.

              Nur hier im Westen glaubt man zu wissen, dass das anerzogen ist.
              Weil eben Familienbetrieb oft im Autrag der Vorfahren weitergeführt wird. Und an Eigentum hängt man eben mehr, es fordert größere Verantwortung, die man freiwillig auf sich nimmt.

              Aber egal, mit was man umgeben und beauftragt ist, man gibt sich Mühe und gibt sein bestes.
              Gerade als verantwortliche Person und Betriebsführer.

              Aber sie Menschen sind unterschiedlich.

              Die in ihrem Bwtrieb. nur halbherzig arbeiten, gibt es hier auch.

              Diese Betriebe wechseln früher oder später ihre Besitzer oder laufen als Betrieb nicht mehr weiter.

              Was aber stimmt ist, das man als Arbeiter oder Angestellter in einem fremden Betrueb arbeitet, gibt sich eben etwas weniger Mühe und ihre Priorität gilt eher dem Privatleben, im Unterschied zu den Angestellten

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              • Kemetbauer sagt

                @ Inga
                „…oft im Auftrag der Vorfahren….“
                Es ist wohl genau diese Aussage, die zu den vielen unerquicklichen Situationen, die wir in der Landwirtschaft, im Gegensatz zur gewerblichen Wirtschaft haben, verantwortlich ist. Da wird schon im Kindesalter oder evtl. schon pränatal über die Hofnachfolge entschieden. Das Kind wächst in die ihm zugedachte Rolle hinein, ob es will oder nicht. Der Hof muss weitergeführt werden, ist da oft zu hören. Schließlich haben schon Generationen an diesem Standort gewirtschaftet. Dabei ist oft längst klar, dass es für den Betrieb immer schwieriger wird. Zusätzliche Einkommen müssen her, um ihn halten zu können. Über den Nebenerwerb scheiden dann auch viele Betriebe aus. Bis dahin ist oft schon Vermögen liquidiert worden und Familien sind zugrunde gegangen an der misslichen wirtschaftlichen Situation. Sich der Familientradition verpflichtet fühlen ist das eine, sein Leben gegen den eigenen Willen daran auszurichten das andere.

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  9. Joachim Kaiser sagt

    Guten Morgen, ich bin einmal in Neuseeland gewesen, leider nur 21 Tage, davon zwei im Flugzeug. Andere Länder interessieren mich nicht, Großstädte faszinieren mich auch nicht.
    Hamburg ist eine die ich mehrmals besucht habe weil meine Schwester in der Nähe Zuhause ist. Mallorca haben wir mit unseren Kindern auch zwei mal besucht zum Glück außerhalb der Hochsaison.
    Das beste war aber immer drei Tage Europapark, Gutes Hotel und großer Spielplatz für groß und klein.
    Aber das schlimmste war immer der Stress in der Woche vor und nach dem Urlaub, ich war deshalb im Urlaub des öfteren auch krank.
    Zuhause ist es halt am schönsten, als ich das in Neuseeland mit meinem Schulenglisch gesagt habe war die Reaktion meines gegenüber schon beängstigend.
    Ich mutmasse mal, der hat gedacht, warum kommst Du dann hier her.
    Ich spreche hier nur für mich, ob es anderen genau so geht weiß ich nicht.
    Zu Hause auf dem Hof ist es halt am schönsten und man kann sich ja die Arbeit einteilen und zwischendurch entspannen.
    Ich gönne jedem seinen Urlaub.
    Was mir noch in Erinnerung ist: als ich auf dem Rückflug von Neuseeland gewesen bin, saß ein Ehepaar aus Berlin neben mir. Beim Landeanflug Zürich Kloten konnte ich auf meinen Hof runterschauen und habe das gesagt.
    Die Antwort war, warum geht man von so einem schönen Ort freiwillig weg.
    Die Frage stelle ich mir selbst auch des öfteren.

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  10. Christian Bothe sagt

    Ist eben unterschiedlich in Ost und West! Schon zu DDR-Zeiten war es in der LW möglich Urlaub zu machen! Es gab im VEG sogar einen Anspruch darauf und der setzte sich auch in den LPG fort! Auch heute ist das in den Großbetrieben der LW ( AG, GmbH) als Nachfolgebetriebe so und wird organisiert! Sicher nicht in der Ernte… Das zeigt den Vorteil von Großbetrieben gegenüber den Familienbetrieben, was u.a. auch die Feriengestaltung betrifft! Wichtig ist es auf jeden Fall für die AG und AN in der LW, welche 365 d/a Arbeiten im Betrieb oganisieren muessen!

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    • Stadtmensch sagt

      „Schon zu DDR-Zeiten war es in der LW möglich Urlaub zu machen! […] Das zeigt den Vorteil von Großbetrieben gegenüber den Familienbetrieben“

      Bloß nicht! Unrechtsregime! Da wäre man ja auf einer Stufe mit landlosen Lohnabhängigen!
      Lieber Abenteuerspielplatz und schön gegen Dekadenz, Verantwortungslosigkeit, Weltfremdheit und überhaupt Faulheit der Städter ätzen…

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      @ Christian Bothe , die meisten hier im Blog , sind nicht so vertraut mit den Organisationsformen , wie sie zum großen Teil im Osten unseres Landes vorherschen.
      Auch in der Ernte , haben wir es in Abstimmung mit dem jeweiligen Arbeitskollektiv ,
      Eltern und Familien mit schulpflichtigen Kindern gestattet , in der Ernte Urlaub zu machen.
      Meine Familie, mein Frau war auch in der Landwirtschaft tätig, ich sowieso haben
      unseren Urlaub in die sogenante arbeitsärmere Zeit verschoben .
      Zu 90 % war unser Urlaubsziel immer ein Bauernhof . Im Friedrich – Wilhelm – Lübckekoog in Nordfriesland haben wir Urlaub 8 Jahre hintereinander gemacht. Wir gehörten dort schon zur Familie . Oberbayern , Östereich , Südtirol und so weiter , immer
      mußte es der Bauernhof sein. Bereut haben wir es nie.
      Es gab aber auch Jahre , wo kein Urlaub , arbeitsbedingt mit verreisen möglich war . Das ging
      auch. Da wurde ebend wenn es möglich war tageweise von zu Hause aus was unternommen.

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    • Christian Bothe sagt

      Zum Urlaub nochmal: Ich hatte ja als Manager in Ostzeiten in der Primaerproduktion und Westzeiten in der NGW immer die Urlaubsplaene meiner AN zu genehmigen! Sowohl in meinem 1000 ha Betrieb als auch in der 10000er Mastanlage wurden die Urlaube anfangs des Jahres geplant! Viele AN fuhren a die Müritz zum betriebseigenen Wohnwagen, nutzten prophylaktische Kuren oder blieben daheim! Die Arbeit habe ich dann aufgeteilt auf das Restpersonal einschließlich Büro…Später als GF in meinem Kartoffelbetrieb gab’s dann eine Urlaubssperre zur Ernte oder in den Spitzenzeiten der Produktion! Urlaub bekam jeder auch als in der LW ganzjährig Beschäftigter und war selbstverständlich für AG und AN zu Ost-und Westzeiten!

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  11. k. land sagt

    …schickt doch endlich mal ein paar von den klugscheisser politikern – die zwar dauernd sinnentleerte vorschriften FÜR (bzw. oft eher GEGEN) die landwirtschaft machen ohne die geringste ahnung VON der landwirtschaft zu haben – IN die landwirtschaft zu arbeiten 🙏🙏🙏 vielleicht gibt es dann endlich mehr VERNUNFT in der plotik…

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    • Christian Bothe sagt

      K.Land: gut gedacht…Wird aber für die Betriebe eine Katastrophe, wenn ich mir die für unsere landwirtschaftlichen Belange verantwortlichen Politikertypen so anschaue! Den neuen Bundeslandwirtschaftsminister kann ich noch nicht “bewerten”, aber in der EU diese Typen und deren”Ergüsse” schon… Was die BL betrifft, haben wir in Thüringen eine Dame aus der Wirtschaft als Minister für LW. Bin mir allerdings nicht sicher, ob sie das auch weiss…Wir hatten mal einen Minister in Thüringen vom Fach( früher VEG, LPG),der 19 Jahre einen hervorragenden Job gemacht hat! Ich finde es für unsere LW und deren Weiterentwicklung katastrophal, wenn Leute dieses Ressort verwalten ohne Ahnung davon zu haben, betrifft sowohl die BRD als auch die EU!!!

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      • Der Brandenburgbauer sagt

        @ Christian Bothe , du hättest in deinem Kommentar, Volkmar Sklenar ruhig beim Namen nennen können. Auch als Nichtthueringer habe ich diesen Minister sehr geschätzt. Habe ihn oft , auf Generalversammlungen des sächsisch – thüringischen Zuckerrüben -Anbauerverbandes erlebt und mich auch mit ihm unterhalten. Sehr kompetenter Minister. Stelle ich mit Edwin Zimmermann,
        ehemaliger Landwirtschaftsminister von Brandenburg , auf eine Stufe. Trotz der sogenannten “ Backofenaffäre “ . Er war bisher der beste Fachminister den wir hatten.

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        • Christian Bothe sagt

          Brandenburgbauer: dachte nicht, das er so bekannt war außerhalb Thüringens!Freut mich natürlich…War ja ein VEG Kollege kurzzeitig! Er ist leider letztens verstorben! Dem LW-Ministerium habe ich später auch meine Förderung ( Marktstruktur) für mein neugegründetes Kartoffelunternehmen zu verdanken…Fand es auch gut, das er in einer Person das LW- und Umweltministerium verwaltete!

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  12. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Wann machen Bauern Urlaub?

    Nun, spätestens dann, wenn sie in die Kiste springen. Dann für immer; nach einem harten arbeitsreichen, bisweilen durchaus zufriedenen Leben.

    Natürlich kann man jetzt drauflospoltern – für so einige Betriebsleiter ist aber genau das ihr eigenes Lebensmodell…, sie kannten es nie anders.

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    • Inga sagt

      Das glaube ich nicht.
      Früher war das so.

      Heute gibt es doch Kuren und Urlaub kann sic auch jeder besorgen, na ja, meist mit Hilfe von Familienangehörigen.

  13. Rathje Clasen sagt

    Mir erzählte eine Bekannte , wie reich wir Landwirte gegenüber Anderen eigentlich sind .
    Ich habe dazu gesagt , das da natürlich was dran ist .
    Aber was ist Arm und Reich?
    Wenn man 365 Tage über 30 Jahre im Jahr die Verantwortung für einen Betrieb mit Viehaltung hat, oder wenn man auch mal 30 Tage Urlaub hat, und machen kann , was man will?
    Sie hat es verstanden.

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