Bauer Willi
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Trinken Sie die „richtige“ Milch!?

Haben Sie auch das Problem, das mich gerade umtreibt? Neulich war ich im Supermarkt, mit dem echten Vorsatz, jetzt aber bewusst die richtige Milch zu kaufen. Da stehe ich dann vor den Glastüren des Kühlregals, in denen Milch angeboten wird. Damit eines schon mal klar ist: Die Billig-Milch der Handelsmarke kommt mir nicht in den Einkaufskorb. Und die mit 1,5% Fett auch nicht, da kann ich ja gleich Wasser trinken. Wozu hat sich die Kuh denn so angestrengt, eine Milch mit 4,1% Fett oder mehr in ihr Euter zu pumpen, wenn die anschließend verdünnt wird? Nein, 3,5% müssen es schon sein, besser 3,8% Fett, denn Fett ist schließlich ein Geschmacksträger und schmecken soll sie ja schließlich (auch).

So, eine erste Negativ-Auslese hat schon mal stattgefunden. Am liebsten würde ich ja die Milch so trinken, wie sie von der Kuh kommt. Das wäre dann Rohmilch. Doch die gibt es im Laden nicht zu kaufen, dafür müsste ich zum Bauern fahren. Doch der muss ein Schild aufhängen: Rohmilch – vor dem Verzehr abkochen. Warum? Es könnten Keime darin sein, die der Gesundheit abträglich sind. Als wir selbst noch Kühe hatten (bis 1964) waren wohl keine Keime drin, denn die ersten 10 Jahre meines Lebens habe ich schadlos überstanden. Vielleicht bin ich aber auch heute so gesund, weil da Keime drin waren und mein Immunsystem schon früh gelernt hat, damit umzugehen. Letzteres (das Bauernkinder ein gutes Immunsystem besitzen) ist übrigens wissenschaftlich bewiesen! Kann aber auch daran liegen, dass wir im Dreck spielen durften…

Der Rohmilch am nächsten kommt die Vorzugsmilch. Die war (im Normalfall) schon in einer Molkerei, wo sie lediglich gefiltert, also nicht erhitzt wurde. Deshalb sind auch mehr Keime drin als bei erhitzter Milch. Und sie hat auch einen höheren Gehalt an Vitaminen. Betriebe, die Vorzugsmilch herstellen, müssen besondere hygienische Voraussetzungen erfüllen. Leider führt mein Supermarkt keine Vorzugsmilch. Übrigens bildet sich auf Vorzugsmilch, genau wie bei Rohmilch, mit der Zeit eine Rahmschicht. Vorzugsmilch muss 4 Tage nach der Erzeugung verbraucht werden. (Verbrauchsdatum)

Kommen wir zur Frischmilch, die schonend bei rund 75 Grad erhitzt (pasteurisiert) wird und so 6 bis 10 Tage haltbar ist. Manchmal steht dann auch auf der Packung „traditionell hergestellt“, was ich, ganz ehrlich, nicht kapiere. Traditionell? Um den gewünschten Fettgehalt einzustellen, wird das Ausgangsprodukt in Rahm und Magermilch getrennt und anschließend wieder zusammengefügt. Ist zwar noch etwas komplizierter, aber soll fürs erste so reichen. Durch das Homogenisieren wird das Fett gleichmäßig in der Flüssigkeit verteilt. Es kann sich keine Rahmschicht mehr bilden.

ESL-Milch haben Sie im Supermarkt so wohl noch nie gefunden. Steht auch meist nicht so drauf, dass wird vom Hersteller verschlüsselt dargestellt und diese Milch heißt dann „länger haltbar“ Dazu wird die Milch wesentlich höher erhitzt (bis zu 127 Grad) um mehr Keime abzutöten. Pasteurisiert und homogenisiert hält ESL-Milch mindestens drei Wochen. Immer alles im Kühlschrank und ungeöffnet, klar.

Wem das nicht reicht, kann auch zur UHT-Milch greifen, die man landläufig auch H-Milch nennt. Die wird, im Unterschied zur ESL-Milch bis zu 150 Grad erhitzt (pasteurisiert) und so für drei Monate haltbar gemacht. Da können Sie getrost vor dem Sommerurlaub noch mal zugreifen. Könnte ja danach teurer werden!

Womit wir beim Preis wären. Derzeit kostet ein Liter Milch der Handelsmarke sowohl bei Aldi, Lidl, Rewe und Edeka exakt 0,55 €, bei 3,5% Fett. Mit 1,5% Fett sind es 0,51 €/l.  Nein, das ist keine Preisabsprache, das hat sich rein zufällig so ergeben. Funktioniert ungefähr so wie bei uns im Dorf an den zwei Tankstellen, die haben auch immer den exakt gleichen Preis. Reiner Zufall und das mehrfach am Tag. Da kaufe ich doch lieber das Markenprodukt. Zum Beispiel von Weihenstephaner, das ist diese sympathische, blau-weiße Verpackung. Die kommt aus Bayern und die verstehen was von Milch. Wussten Sie, das Weihenstephaner Milch zu einem großen Milchkonzern gehört? Das ist Müller-Milch. Da bestände doch, rein theoretisch die Möglichkeit, dass die Handelsmarken-Milch für 0,55 €, die Müller-Milch für 0,99 € und die Weihenstephaner Milch für 1,19 € alle aus der gleichen Molkerei, vielleicht sogar aus dem gleichen Euter kommt. Rein theoretisch natürlich. Wahrscheinlich haben die da viele verschiedene Tanks, schön nach Kühen getrennt. Wahrscheinlich.

Gut, dann eben Weide-Milch oder Heu-Milch. Meines Wissens alles keine geschützten Begriffe, aber klingt gut. Das sind dann auf der Verpackung auch Kühe mit Hörnern drauf (Ist nur bei Demeter Pflicht, bei anderen Bioverbänden nicht), die Milch ist gentechnikfrei (nochmal: die Milch ist gentechnikfrei!? Oder meinen die die Kühe oder das Futter? Steht nicht drauf!) und das Bild zeigt, dass die Kühe auf der Weide stehen. Wie lange? Ganzjahres-Freilandhaltung ja wohl nicht, das halten nur sehr robuste Rassen aus. Also nur im Sommer? Was ist, wenn der verregnet oder super heiß ist? Müssen die Tiere dann trotzdem raus, weil es Vorschrift ist? Dürfen Weidemilchkühe im Winter in einem Stall mit Anbindehaltung gehalten werden? Und was ist mit Heu-Milch? Wenn man Gras trocknet, wird das ja anschließend Heu. Das Gras kommt von der Weide. Ist dann Heu-Milch auch Weidemilch?

Jetzt kaufe ich Bio-Weidemilch, die echt lecker schmeckt. Biobetriebe verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leichtlösliche Düngemittel. Was das Futter angeht so zitiere ich von der Internet-Seite der Upländer Bauernmolkerei, deren Bauern nach Bioland-Richtlinien arbeiten: „Der hohe Futterbedarf wird neben dem Grundfutter Gras, Klee, Mais und Ganzpflanzensilage mit Bio-Kraftfutter aus Getreide, Lupinen, Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und/oder Ölkuchen sowie Mineralstoffen ergänzt“.

Jetzt schaue mir die Verpackung von der Bio-Weidemilch an, die ich im Supermarkt gekauft habe. Da ist ja oben so eine Falz und da seht drauf, woher meine Milch kommt. Bei mir steht MV 16005. Wenn man das im Internet nachsieht, stößt man auf die „Gläserne Molkerei“ in Mecklenburg-Vorpommern. Dorthin dürfen nur Betriebe liefern, die in einem Bio-Verband sind. Auch die aus Polen und Tschechien. Dabei sind auch Betriebe mit mehr als 1.500 Hektar  Ackerfläche und mehr als 300 Milchkühen. Kann also durchaus sein, dass die deutsche Bio-Weidemilch, die ich in der Nähe von Köln gekauft habe, von einem Bio-Betrieb mit 350 Kühen in Polen stammt. Angegeben ist ja nur die Molkerei, und die ist in Mecklenburg-Vorpommern und das ist in Deutschland. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Regional-Fenster und der Schwindel wäre komplett. Ist aber nicht drauf, drum ist es auch kein Schwindel. Der Jurist kann sich also wieder hinsetzen. Doch nochmal zur Heu-Milch. Da lese ich bei einem Handelsunternehmen, das die Heu-Milch von Heumilchkühen gewonnen wurde, ohne präventive Zugabe von Antibiotika. Ohne präventive Zugabe? Also kriegen die Kühe doch Antibiotika?! Oder? Gut, ist auch richtig, falls die Tiere erkrankt sind und das ist ja nur tiergerecht. Finde ich.

Was mache ich jetzt nur? Ich will doch alles richtig machen! Aber das ist verdammt schwer!Könnt ihr mir helfen?

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Was wird in Deutschland denn so am meisten verkauft? Der Anteil von H-Milch liegt im Mittel der Jahre bei rund 70%, der von Frischmilch bei 30%. (Quelle: MIV) Der Anteil von Bio-Milch lag 2013 bei etwas mehr als 2%.

Euer Bauer Willi

P.S: Danke an Palla und Andreas für ihre fachliche Unterstützung. Sonst hätte ich ein paar „Klopse“ drin gehabt und die Community hätte mich gesteinigt  🙁

 

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86 Kommentare

  1. Christof Niehaus sagt

    Im Artikel und soviel ich beim Scrollen gesehen habe, auch in den Kommentaren, fehlt der Hinweis auf die Homogenisierung. Der Verdacht besteht, dass sie die Fettstruktur des Milchfetts so verändert, dass es die Darmwand leichter passieren kann. Wozu das langfristig führt, ist weitgehend un-untersucht. Die Werbung nennt das natürlich „leichter verdaulich“…

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  2. Mein Onkel ist auch Bauer und hat Milchkühe. Hier kommt der Rindertierarzt natürlich regelmäßig, um die Qualität der Milch zu kontrollieren. Ich bekomme von ihm auch öfter mal die hier auch erwähnte Vorzugsmilch und muss sagen, dass man den Unterschied wirklich schmeckt. Schade, dass man sie nicht im Supermarkt kaufen kann.

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  3. gabimarie sagt

    Ich trinke am liebsten Rohmilch vom Bauern. Und wenn ich dann noch weiß, daß das Futter für die Kühe im Sommer einfach nur Weidegras ist, ist mir die Milch umso lieber. Am liebsten wäre mir, wenn Bauern ganz auf Kraftfutter verzichten würden, aber das geht wohl an der Realität vorbei.
    In Ostfriesland gibt es immer mehr „Milchtankstellen“. Für Biomilch zahle ich lieber dem Bauern direkt 1,- € pro Liter Milch als mir diese pasteurisierte Biomilch im Laden zu kaufen.
    Ich finde es klasse, daß immer mehr Bauern wieder „Elternzeit“ für Kuh und Kalb einführen.
    Das sind meine persönlichen Gedanken als Milchtrinkerin.

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  4. fleckviehzüchter sagt

    Die richtige Milch, gibt es die nicht, die Frage ist wohl eher wenn Du mit dem Kauf deiner Milch unterstützen willst, wie man ja auch an den zahlreichen Kommentaren hier sieht.
    Ich will euch in diesem Zusammenhang mal auf ein anderes Problem hinweisen, die Regionalität. Wir haben unseren Hof in Bayern genauer gesagt in Mittelfranken, unsere Molkerei (wir sind Genossen) ist in Baden-Württemberg und liegt im Gebiet Hohenlohe Franken und ist von uns 60 km entfernt. Sowohl München als auch Stuttgart sind beide wesentlich weiter von beidem entfernt. Was lag da näher als eine regionale Marke für Produkte aus „echt Franken“ anzubieten. Aber genau darüber gab es Debatten, darf eine Milch die im fränkischen Baden-Württemberg produziert wird, sich „echt Franken“ nennen wo doch Franken in Bayern liegt. Ist regional nicht auf Bundesländer beschränkt, vorallem wenn es um die gute bayerische Milch geht? Seitdem sehe ich genauer hin wenn irgendwo „aus der Region“ draufsteht. Bei den Milchprodukten aus unserer Molkerei steht es zumindest genau drauf welche Bauern die produzieren und der Verbraucher im Rewe Markt kann sich selbst entscheiden ob er lieber die Bauern die im nächsten fränkischen Dorf Milch produzieren oder z.B. die Berchtesgadener Bergbauern unterstützen möchte.

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  5. Palla sagt

    Willi hat das Thema sehr gut zusammengefasst: Es ist nicht so einfach, die Milch zu kriegen die man möchte, bzw. das mit seinem Kauf zu beeinflussen, was man für richtig hält.

    Dennoch sind die Beträge hier auf der Seite wiedermal sehr geprägt von einer sehr menschlichen Sicht der Dinge.

    Leute, die Welt ist nicht nur gut oder böse, oder nur schwarz oder nur weiß!!

    Welche Art von Milch man kaufen möchte ist doch sehr subjektiv und hat wenig mit der Gesundheit der Kühe oder den Inhaltsstoffen zu tun. Wie gut oder schlecht es Tieren auf einem Betrieb geht und wie gut oder schlecht die Produkte sind, die daraus entstehen, hängt rein von Engagement des Betriebsleiters und seiner Familie/Mitarbeiter ab!

    Weiter ist natürlich die Frage welche Einstellung man zur Weiterverarbeitung der Produkte hat. Meine ganze Familie trinkt nur Rohmilch von konventionellen, mit Silage gefütterten Kühen und ist davon noch nie krank geworden! Ich würde aber auch nur Rohmilch von einem Betrieb trinken, den ich kenne, bei dem ich weiß, dass das Management und die Sauberkeit stimmt und bei dem es auf dem Hof nicht nach Silage stinkt! Diese Silage mit Fehlgärungen macht die Kühe krank und die Milch schmeckt komisch. Silage sollte aber appetitlich riechen!

    Vermutlich werde ich jetzt gesteinigt, aber ich kann trennen, ob ich es mit Menschen oder mit Nutztieren zu tun habe. Ich finde es bei den Nutztieren völlig normal, dass das Kalb innerhalb der ersten paar Stunden von der Kuh weggenommen wird, noch bevor sich eine starke Bindung aufbaut und es wird sofort mit Biestmilch versorgt um ihm einen optimalen Start zu bieten. Tiere haben einen artgerechtes Leben verdient, aber Tiere sind keine Menschen!

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    • Andreas Fendt sagt

      Ich finde Deine Sicht der Dinge sehr gut, obwohl ich sie nicht komplett teile. Besonders das Trennen der Kälber von den Mütter halte ich für inakzeptabel und den Verbrauchern kaum vermittelbar und für eine fachlich schlechte Lösung.

      Was ich auch so sehe, es gibt sehr gute Betriebe, wo Umgang mit Tieren, Futterqualität, Hygiene stimmt und solche wo das zu wünschen übrig lässt. Und die gibt es auch innerhalb der Systeme, also sowohl bei Bio, als auch bei Konventionell.

      Das Problem dabei: in der Milchtüte im Supermarkt ist alles gemischt und der normale Verbraucher hat keine Chance irgendwie Einfluß zu nehmen, sprich die besseren zu unterstützen und die schlechteren aufzufordern, sich zu verbessern.

      Ein Lösung für dieses Problem habe ich auch nicht, teilweise könnte man die Richtlinien/Bestimmungen verschärfen, aber das bringt wieder mehr Kontrollen und Bürokratie und von der haben wir alle genug.

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      • Bauer Christian sagt

        Andreas, das eine Problem ist, dass der Verbraucher nicht mehr den natürlichen Geschmack von Lebensmitteln kennt. Wie soll er daher gut von besser und schlechter auseinanderkennen? Andererseits ist eine hohe Verarbeitung der Produkte doch gewollt (vom Konsumenten und/oder Verarbeiter, LEH), oder doch nicht? Die gleiche Marke sollte überall gleich schmecken.
        Weil gerade die Wurst wieder in aller Munde ist: bei einer richtig guten Wurst erkennt man die Struktur und dort passt auch die Qualität. Wennst sie schön fein häckselst, dann kannst alles reinmischen…..

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    • Bauer Christian sagt

      @Palla, ich habe auch die Rohmilch überlebt, wo noch mit der Hand gemolken wurde.
      Hat eine gut vergorene Silage auch Einfluß auf die Keimzahl? Bakterien müssen ja nicht zwangsläufig schlecht sein. Wir leben ja in einer überhygienisierten Umwelt.

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      • Palla sagt

        @Christian: Die Keimzahl gibt Auskunft über die Melkhygiene im Einzelbetrieb. Also z.B. ob die Tank- oder Melkanlagenspülung korrekt funktioniert und kann auch ein Hinweis darauf sein, dass die Kühe bzw. deren Euter sauberer sein sollten. Sie hat nichts mit Fütterung oder Haltungsform zu tun.
        Es sind immer Keime in der Rohmilch und die sind auch unproblematisch, die Frage ist nur, wie viele!

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        • Andreas Fendt sagt

          würd ich widersprechen wollen, durch Silage kommen Buttersäurebakterien über die Stallluft in die Milch. Diese blähen dann z.B. Hartkäse, das ist ja gerade der Grund warum nur Heumilch an gute Emmentaler-Käsereien geliefert werden darf.

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          • Palla sagt

            Das hat nun aber auch nichts mit der Keimzahl, sondern mit der Art der Keime zu tun. Auch gehts bei der Emmentaler-Herstellung nicht um gesundheitsschädliche Keime, sondern darum, das der Käse nicht wie gewünscht werden könnte!

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        • Bauer Christian sagt

          @Palla: Hygiene im Stall beim Melken ist mir schon klar. Aber gibt es auch einen Einfluß von der Fütterung? (ich dachte du als Spezialisten weißt schnell eine Anwort). Ich glaube dass da es schon einen Zusammenhang gibt/geben kann. Die Zellzahl ist ja auch von der EUtergesundheit abhängig.

          Meines Wissens ist die Keimzahl ein allgemeiner Parameter und keiner der angibt wie viele „böse“ Keime (die wir nicht wollen) drinnen sind. Man geht davon aus, wenn viele Keime drinnen sind, dass auch viele unerwünschte drinnen sind – kling auch logisch.

          Wie auch Andreas schon erwähnt hat, muss die Milch ja etwas vom Futter bekommen, denn sonst würde die Silage keinen Einfluss auf die Emmentalerproduktion haben.

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          • Palla sagt

            Ihr bringt da was durcheinander!

            Die Keimzahl als Parameter für die Sauberkeit der Milchgewinnung wird mehrmals im Monat aus den Tankproben bei der Milchabholung ermittelt. Sie gibt lediglich die absolute Zahl der Keime wieder. Liefert man z.B. Milch der Güteklasse „S“, muss der mittlere Keimgehalt bei unter 50.000 Einheiten pro Milliliter Milch liegen. Liegt er höher, wird man sofort benachrichtigt und wenn sich nichts verändert, droht Milchgeldabzug!

            Die Fütterung hätte nur dann einen Einfluss, wenn Futter unmittelbar in die Milchleitung gelangen würde und somit die Anzahl der Keime steigt!

            Die Zellzahl gibt Auskunft über die Eutergesundheit und damit auch über den momentanen Gesundheitszustand der Kuh. Man erfährt, z.B. dass im Euter einer bestimmten Kuh Entzündungsprozesse ablaufen. Darauf hat auch die Qualität und die Zusammensetzung des Futters Einfluss. Sie ist aber auch nur eine Zahl, z.B. 150.000 Zellen. Will man die Art der Keime in der Milch bestimmen muss man, so man will, gezielt eine Erregerbestimmung machen. Das macht man z.B. im Rahmen eines Antibiogramms mit der Milch einer Einzelkuh mit Euterentzündung um das richtige und damit wirksame Antibiotikum einzusetzen.

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            • Bauer Christian sagt

              @Palla jetzt bin ich wirklich verwirrt:
              1) Keimzahl und Zellzahl werden synonym verwendet, oder?
              2) Ist die Heufütterung bei Emmentalererzeugung nur deswegen worgeschrieben, damit es keine „Infektion“ mit den falschen Bakterien über das Futter direkt in die Milch gibt? Ich dachte immer, dass bei Silofütterung einfach der Nährboden für die „falschen“Bakterien in der Milch bevorzugt werden und diese sich dann dort besser etablieren können. Und eben über das Milieu im Stall die unerwünschten Bakterien (zur Emmentalerproduktion) automatisch in der Milch vorhanden sind. Liege ich richtig, oder falsch?

              Der Traum von der Keimfreiheit ist meiner Meinung nach sowieso ein blödsinn. Wir sind umgeben von Bakterien. Je mehr vielfalt, desto besser und umso weniger können sich unerwünschte durchsetzten.

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  6. Schweinebauer Piet sagt

    Mit Vollmilch schmeckt der White Russian am besten! ! Müsli und Kakao auch.

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    • bauerhans sagt

      …..und wenn man den kühen wodka anbieten würde…….
      vanilleeis stellt man ja auch so her,indem man in die tmr vanille einmischt……
      die kühe müssen aber nicht eingefroren werden……
      ich möchte noch sagen,dass ich von kühen keine ahnung habe,
      aber weiss,dass schweine sehr gern bier trinken….bierschnitzel.

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      • Alois Wohlfahrt sagt

        Als Austauschlehrling habe ich in meinem Lehrbetrieb erlebt, wie man zänkische Schweine unter Kontrolle kriegt: Der Bauer hat einfach ein Faß Most in den Futterbarren laufen lassen. Die Schweine haben gesoffen, torkelten umeher und schliefen dann selig ein. Am nächsten Morgen dürften sie Kopfweh gehabt haben. Ob das wohl mit den heutigen Tierwohlstandard vereinbar wäre? 😉

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  7. Krick sagt

    Dieser Wahnsinn zieht sich doch durch alle Lebensmittel durch. Eine Chance hat so etwas nur in einer Überfluss-Gesellschaft. Letztendlich entscheidet dann bei den meisten doch der Preis, weil der die einzige ehrliche, unmissverständliche und vergleichbare Produktdeklaration ist.

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  8. Kai Schleyerbach sagt

    Schade! Wenn selbst du keinen guten Tipp geben kannst … Ich hatte mir genau diese Frage auch schon oft gestellt. Gelandet bin ich letztlich bei der Ammerländer Molkerei, deren Milch mit einem „Initiative Weidemilch“ Label gekennzeichnet ist. Das mit der Weidehaltung ist zwar nicht gesetztlich definiert aber deren Kriterien sind ganz klar auf der Packung beschrieben: mindestens 120 Tage im Jahr, für sechs Stunden am Tag auf der Weide frisches Gras fressen können. ESL ist es außerdem und in meiner Familie herrschen unterschiedliche Geschmacksvorlieben, die alle über die verfügbaren Fettgehalte erfüllt werden können. Darüberhinaus ist die Molkerei, die einzige im Norden, die einen Milchauszahlungspreis oberhalb des Bundesdurchschnitts hat (stand neulich mal in der top agrar). Ich hoffe also, das ist kein völliger Fehlgriff.
    Kai

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  9. Bauer Christian sagt

    Willi, ich finde du hast es ganz gut auf den Punkt gebracht. NIcht mal einer von der Branche (praktizierender bzw. gelernter Landwirt) kann wirklich genau unterscheiden was dem Konsumenten da vorgespielt wird (Heumilch, Weidemilch etc.). Sicher ist alles irgendwo juristisch gesehen niedergeschrieben bzw. richtig ettiketiert. Wer nimmt sich schon die Zeit alles zu lesen. Gekauft wird nach Optik (wie ist die Aufmachung udn die Werbung dazu). Und wenn jetzt jemand nicht mal von der etwas Ahnung von den einzelnen Produktionsschritten hat, wird gleich mal eine Vorstellung, dass die Kuh der Weidemilch ganzjährig auf der Weide gehalten wird.
    Da stelle ich mir die Frage: wie weit darf WErbung gehen und gezielt, legal täuschen.

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  10. bauerhans sagt

    „…..Der Anteil von H-Milch liegt im Mittel der Jahre bei rund 70%……….“

    d.h. die deutschen legen besonderen wert darauf,dass die milch lange haltbar ist,nicht schlecht wird,der geschmack scheint wohl nicht wichtig zu sein!

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    • Richtig, der Geschmack ist grottenschlecht gegenüber Frischmilch (die von den Milchtankstellen). Abgesehen davon hält die 3,5 %-ige Milch seit einiger Zeit auch deutlich länger im Kühlschrank als noch vor einigen Jahren und schmeckt irgendwie nicht nach Milch.

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