Alois
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Reinheitsgebot für Milch

Es gibt heute schon einige Milchbauern und Molkereien, die ihre „kostbare Milch“ mit Erfolg vermarkten. Kostbarkeit hat etwas zu tun mit begrenzter Verfügbarkeit. Im Marketing spricht man von Segmentierung des Marktes. Ein Segment ist nur ein Teil des Marktes. Es ist das Gegenteil der Gleichmacherei des Weltmarktes. Da wird die Milch als massenhafter, beliebiger Rohstoff behandelt. Die Norm ist 1 Liter weisse Flüssigkeit mit standardisiertem Fett- und Eiweisgehalt. Solche standardisierte, unter Mengen- und Preisdruck austauschbare Rohstoffe braucht die Industrie. Dem haben sich leider auch die meisten bäuerlichen Milch-Genossenschaften verschrieben, die ihren Bauern erzählen, dass sie nur mit den niedrigsten Kosten im Weltmarkt bestehen können. Darum setzten die Bauern massiv auf Technik. Sie investieren und intensivieren in schlagkräftige Maschinen und High-Tech-Roboter und High-Tech-Zucht, um die Kühe auf Höchstleistung zu bringen. Die ganze Produktion wird  effizient gemanagt, um das Futter möglichst günstig zu erzeugen und selbstverständlich wird auch der Einkauf optimiert mit den günstigsten Futtermitteln. Letztlich muss die Produktionsmenge aber steigen damit sich die immensen Investitionen auf viele Millionen Stückkosteneinheiten (je Liter) verteilen lassen. Das Ergebnis ist eine Massenprodukion mit einem Massenprodukt, das nicht mehr geschätzt wird und für das auch nicht mehr kostendeckend von der Industrie bezahlt wird.

Dabei wäre die Lösung so einfach: Ein Reinheitsgebot für Milch ähnlich dem der Brauer, das die deutschen „High-Tech-Brauer“ excellent nutzen um den Weltmarkt zu ihren Gunsten zu segmentieren.

Das ist meine Sehnsucht:

„In die Kuh kommt nur Wasser, Gras, Heu und heimisches Kraftfutter“.

Damit würde diese Milch automatisch kostbar, weil sie nicht mehr unbegrenzt produziert werden kann. Und zu guter Letzt würde eine derartige Selbstverpflichtung den Bauern und der gesamten Branche ein mächtiges Marketing-Schwert in die Hand geben.

Euer Alois

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60 Kommentare

  1. Eva-Maria sagt

    Passt nur am Rande zum Thema, aber:
    Mir, als Nicht-Milchbäuerin fällt auf, dass es in aller Munde ist, dass Kaffee ohne Milch besser verdaulich ist. Stimmt das wirklich oder will man mit dieser Aussage die Milchbauern gezielt reduzieren?

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  2. Altbauer Jochen sagt

    OK Alois, in diesem Sinne gebe ich dir Recht !
    Wird sicher ein mühsamer Weg bis an dieses Ziel.
    Aber wenn man es erreichen kann lohnt sich die Mühe !!

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  3. Andreas Schmid sagt

    Alois, du hast die wertvollen Kräuter und den Klee vergessen. Aber ich vermute, das das beim Gras mitgemeint war. ???

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  4. Grundsätzlich halte ich diese Initiative für sehr richtig. Sie kommt auch aus der richtigen Richtung, die Bauern die in der Herstellung etwas davon verstehen. Es geht aber auch in die richtige Richtung, wenn das Ziel damit verbunden ist, deutliche erhöhte Qualitätsmerkmale zu setzen. Die Unterscheidbarkeit (USP) wird über den Erfolg
    entscheiden. Dass der Milchmarkt zu unübersichtlich sei, habe ich am wenigsten in Sorge.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, entsteht durch das Konzept der Reinheit in der Herstellung eine praktisch natürlich wirksame Begrenzung der Menge. Das politisch jetzt hochgespielte Thema der Nachhaltigkeit erfüllt sich dabei fast nebenbei. Ich halte diese Idee für so einfach wie klug, wenn die Umsetzung so zu bewerkstelligen ist. Das können Bio-Milchbauern sicher am besten beurteilen.

    Der Begriff „Gebot“ lässt jedoch den Wunsch einer gesetzlichen Regelung vermuten. Das wird gegen die Lobbyisten und dem schwer zu lenkenden Massenproduktionssystems schwierig sein bzw. lange eine Vision bleiben. Besser finde ich es mit überschaubaren Schritten anzufangen und mit wachsenden Erfahrungen ein Konzept am Markt zu entwickeln.

    Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man Bio-Bauern noch für exotische Spinner gehalten. Die ersten dieser Gattung hatten sicher in der Gesellschaft und der Branche über Jahrzehnte ein dürftiges Ansehen gehabt. Heute hätte sich der eine oder andere Milchbauer gerne früher für Bio entschieden.

    Es entspricht genau meiner Meinung, anstatt sich in staatlicher Abhängigkeit und lobbyistischer Unterwanderung einen Markt simulieren zu lassen, sich ein passendes Stück eines real existierenden Marktes selbst zu entwickeln.

    Nur so kann eigene unternehmerische Kontrolle entstehen. Damit sind wir jedoch an einem Schwachpunkt, der sicher längst erkannt ist, aber bisher nur durch einzelne geschickte Treffer überwunden wurde: Das Marketing und der Vertrieb.

    Es ist einfach der Spielplatz, auf dem Landwirte noch das Laufen lernen müssen. Es beginnt mit der Entscheidung und einem ernsten Willen dazu. Bisher sehen sich Landwirte mehr als reine Produzenten und haben sich deshalb historisch zu verlängerten Werkbänken gemacht. Da heraus zu kommen, erfordert Zeit, Durchhaltekraft und Lernfähigkeit.

    Um sich diesen Weg zu erleichtern macht es Sinn externe Hilfen zu holen. Bitte nicht für das was Sie los werden wollen, sondern für das war Sie erreichen wollen. Also raus aus dem Branchentrott!

    Eine völlig unterschätzte Chance sind die sogenannten weichen Schlüsselfaktoren, die ein indirektes Merkmal darstellen. Das sind Faktoren wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Tiergesundheit und Tierwohl. Durch das Verbraucherinteresse daran und die politische Grundströmungen werden diese Faktoren zu immer härteren Verkaufsargumenten.
    Gehen Sie voran und überlassen Sie das nicht der bunten TV-Werbung der Industrie.

    Setzt Euch mit Experten zusammen und entwickelt eine einfache sogenannte Balanced Scorcard (Kalplan und Norten). Mit diesen vorzüglichen Argumenten könnt Ihr Euch Rückenwind von Interessensgruppen (Stakeholder) holen. Zeitgleich habt Ihr für den Vertrieb starke Argumente, wenn Ihr Sie in Nutzen für Eure Käufer übersetzt (USP).

    Denn auch deren Sehnsucht müsst Ihr wecken:

    Eine tolle Nachbarschaft beim Sonntagsspaziergang mit natürlichen Wiesen und ruhigen neugierig entspannten Kühen am Zaun. Ein bedenkenlos klares sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Die Kinder werden diese Natur auch in Zukunft genießen. Und zum Abschluss einen Milchschake, mit einer Milch, die einen unglaublichen runden vollen Geschmack hat, eine tolle natürliche Farbe hat und super zu frischen Früchten für eine selbstgemachten Shake passt.

    Ich hoffe, ich habe hier nicht den Rahmen gesprengt. Aber wie ist es nun mit der Sehnsucht, lieber Alois?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Diese excellente Analyse sprengt sicher nicht den Rahmen dieses Blogs, der seine „Sehnsucht“ darin hat etwas zu bewegen, altes Denken zu überwinden und mit Dialog zu lernen. Ein Netzwerk zu gründen, dem auch Taten folgen werden. Sie sind herzlich eingeladen sich weiter einzubringen. Wir sind auf dem Weg. Das Reinheitsgebot ist ein Baustein davon.

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      • Vielen Dank! Ich kann das Kompliment nur zurückgeben. Es braucht für neue Wege aus dieser bisherigen riesigen Einbahnstraße sehr viel Mut und der ist definitiv da.
        Sprengt die Ketten der Komfortzone!

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    • Mark sagt

      Einfach mal googeln: die faire Milch , Sternenfair
      Dort wird schon seit Jahren versucht, genau dies umzusetzen. Mit sehr viel Herzblut und Engagement. Es wurde versucht neue Wege zu gehen in der Produktion (z.B. 60% Grasanteil in der Ration wg. Omega3Fettsäuregehalt einschl. wissenschaftlichen Studien dazu, jeder Milchlieferant macht ein Ökoprojekt, welches im Internet veröffentlicht wird, Milcherzeuger werden ins Marketing und in die Distribution direkt mit einbezogen ect.pp.). Die wussten zwar nichts von Stakeholdern und Balanced Scorcard, fuhren aber intuitiv genau diese Strategie. Das Ergebnis ist bei beiden Projekten ernüchternd. Woran liegts?? M. E. daran, dass es sich bei der Milch im Gegensatz zu Bier oder gar Wein um ein „schnödes“ Grundnahrungsmittel handelt. Zu ihm wird kaum eine emotionale Bindung aufgebaut. Dies ist allenfalls bei hochveredelten Milchprodukten noch in gewisser Weise gegeben (Käsespezialitäten, Dessertbereich etc), dort schöpfen in der Regel aber die Hersteller/Verarbeiter die zusätzliche Wertschöpfung ab, nicht der Rohmilchproduzent. Mein Fazit aus fast 40 ig – jähriger Erfahrung im Milchmarkt. Für das Gros der Milcherzeuger ist es fast unmöglich aus der Rolle des blosen Rohstofflieferanten herauszukommen. Ob ihr Produkt einen „Wert“ hat oder nicht ist abhängig von den Mengenverhältnissen zwischen Angebot und Nachfrage. In ungeregelten Märkten herrscht hier eine enorme Volatilität vor, z.B. wie tagesaktuell der Milchfettmarkt, was den Milcherzeugern z.Z. gegönnt sei. Solche Entwicklungen sind aber erfahrungsgemäss von sehr kurzer Dauer, die hohe Volatilität geht zwangsläufig zu Lasten der Rohstofflieferanten.

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  5. Milchbauern sollten wie die Winzer stolz auf Eigenart und Geschmack ihres Produktes sein und nicht auf ihren Fendt oder die Milchleistung ihrer Kühe.

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  6. Altbauer Jochen sagt

    Wasser, Gras …. wenn es für alle gilt, wird es dann nicht wieder
    ein „Einheits-massenprodukt“ ?
    Erzeugt man diverse „Sorten“ Milch aus verschiedener Produktionsrichtung
    fahren noch mehr Milchtankwagen durch die Dörfer um die unterschiedlichen Milchen abzuholen.
    Dieser fährt zur Molkerei im Lande, jener in andere Bundesländer . „Konventionelle Milch“ GVO freie, Bio und Weidemilch haben wir schon ,
    Noch ein paar Sorten gefällig?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Jochen,
      es geht mir wirklich nicht darum eine weitere Milchmarke zu initiieren. Es geht um die Wertschätzung für das eigene Produkt. So, wie es jetzt ist, dominiert die Betriebswirtschaft die Produktion. Ist alles erwünscht, was effizienter und billiger macht. Nur um hinterher ein Massenprodukt zu haben, für das nach Marktgesetzen nur noch ein ruinöser Ramschpreis gezahlt wird.

      Die Umkehr beginnt mit der eigenen Einstellung. Wenn ich das Ziel habe die gesündeste, wohlschmeckendste oder beste Milch zu erzeugen, dann werde ich anders an mein Werk gehen. Dann werde ich aber auch den Wert, von dem ich überzeugt bin, diesen Wert werde ich einfordern. Bzw. ich werde Wege und Kunden finden, die mir diese Wertschätzung auch bezahlen.

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      • Andreas Schmid sagt

        Alois, da muss man aber verkaufen können. Das kann man lernen. Aber ich hatte das nicht in der Landwirtschaftsschule. Ohne Wissen etwas aufziehen fungtioniert meist nicht.

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        • Das ist absolut richtig. Aber dazu lernen ist immer möglich, auch außerhalb der Landwirtschaftsschule. Das kann sogar spannend und zufriedenstellend sein. Man gewinnt dazu ohne das andere zu vergessen.

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  7. Die Segmentierung bzw. „Verwirrung“ des Verbrauchers mit zu viel Milchsorten könnte auch dazu beitragen, einfach wieder der eigenen, regionalen Milchmarke zu vertrauen. Vorausgesetzt, dass auch die nach dem Reinheitsgebot produziert wird. Das wäre besser, als die Milch in einem Radius von hunderten von km einzusammeln und hinterher wieder ebenso weit in die andere Richtung auszuliefern. Auch hier kann man vom Bier was lernen. Bayerische Milch kann ich in Niedersachsen ja auch in Form von Käse genießen.
    Weiß eigentlich jemand, wie viele km die Milch heute durchschnittlich zwischen Erzeuger und Verbraucher unterwegs ist?

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  8. Den Markt zu segmentieren, heißt doch, beim Verbraucher wieder neue Bedürfnisse und wieder neue Unzufriedenheit zu wecken.

    Also mir geht es so, dass ich inzwischen dermaßen mit allem übersättigt bin, dass diese Masche nicht mehr zieht. Ich lasse mich nicht mehr drauf ein, dass irgendwer bei mir wieder neue Bedürfnisse und wieder neue Unzufriedenheit weckt. Als Verbraucher will ich, dass der Markt mich endlich mal in Ruhe lässt, damit ich mal wieder durchschnaufen kann. Ob zu den bereits vorhandenen zwanzig Milchsorten noch zwanzig weitere dazukommen, ist mir eigentlich egal. Ich vergleiche weder zwanzig noch vierzig Milchsorten miteinander, sondern höchstens fünf. Und ich habe auch nicht vor, endlos Milchsorten miteinander zu vergleichen, die letztendlich doch alle fast gleich schmecken.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Eine Selbstverpflichtung in dieser Art nicht mehr nur ausschließlich das billigste zu verwenden und die Absatzmärkte nicht mehr mit Überproduktion zu fluten, wäre das erste Ziel wieder ein kostbares Produkt zu haben. Die Qualitätsunterschiede sind aber doch zu schmecken, wenn man noch die Möglichkeit hat ein solches Produkt zu bekommen. Dazu empfehle ich Dir mal eine Maibutter von einer der kleinen Sennerein im Oberallgäu. Wenn die Kühe im Mai wieder auf den Weiden stehen und frisches Gras fressen anstatt Heu. Man sieht es schon an der goldgelben Farbe der Butter, dass hier etwas Besonderes auf dem Teller liegt. In meiner Jugend wurde diese Maibutter noch in 10 und 20 kg Blöcken hergestellt und z.B. von Konditoreien eingefroren um zu Weihnachten damit Plätzchen zu backen. Aber dieses Qualitätsdenken ist lange her. Heute macht man das alles aus Indiustrieware und das Aroma durch Zusatzstoffe.

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      • Ich glaube dir gern, dass die Maibutter besser schmeckt. Aber der Aufwand, an diese Maibutter zu kommen, ist für mich als Verbraucher zu groß. Ich kaufe auf dem Markt, in dem kleinen Laden am Ort und im Supermarkt im nächstgelegenen Ort. Das genügt mir. Wenn die Maibutter an einem von diesen drei Orten nicht zu bekommen ist, kaufe ich sie sowieso nicht, weil ich nicht extra wegen Maibutter irgendwohin fahre.

        Im Supermarkt kann ich vielleicht zwischen zehn Sorten Butter wählen, aber das tu ich nicht. Ich wähle eben nicht jedes Mal neu. Ich kaufe dieselbe Butter, die ich letztes und vorletztes Mal und seit drei Jahren gekauft habe. Ich bin ein Gewohnheitstier. Wenn jetzt fünf neue Buttersorten ins Regal kommen würden, gucke ich die gar nicht an, weil ich bei einem Wechsel des Angebots nicht jedes Mal von vorne mit dem Vergleichen anfange.

        Im Supermarkt gibt es fünfzig verschiedene Sorten Marmeladen oder noch mehr. Der Aufwand, alle Marmeladenmarken in allen Marmeladensorten durchzuprobieren, ist mir zu groß. Ich nehme eine, von der mir der Deckel gut gefällt.

        Als Gewohnheitstier will ich was Bekanntes auf meinem Frühstückstisch haben. Ich will nicht jeden Tag neue Marmeladensorten, neue Buttermarken, neue Kaffeesorten ausprobieren. Ich probiere nur was Neues aus, wenn ich mit dem Alten unzufrieden bin. Aber dafür müsste das Alte eben schlecht sein, und das ist nicht der Fall. Die konventionellen Industrieprodukte sind ja eben gar nicht so schlecht, wie gern behauptet wird. Zum Teil schmecken mir konventionelle Industrieprodukte besser als Bio. Im Bio-Laden sieht die „frische Ecke“ oftmals angegammelt aus, sodass ich schon gleich gar keine Lust auf die halb verwelkten, unvitalen Sachen habe.

        Ich finde, die Butter, die ich seit Jahren wähle, bereits so gut, dass ich mir nicht so eine große Qualitätsverbesserung verspreche, wie mir das vom Hersteller der neuen Produkte versprochen wird. Industrie-Baguette schmeckt mir oft besser als Bäcker-Baguette.

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Marian, „das Gute ist der Feind des Besseren“ 🙂
          Ich glaube, ich werde Dir mal ein Päckchen Maibutter schicken.
          Dann wirst du vielleicht weiter deine Butter kaufen. Aber du wirst die Sehnsucht spüren, dass es noch etwas Besseres gibt.
          Alois

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  9. Martin Grube sagt

    Wir sollten den Mais dann auch einbürgern. Der lebt schon fast 40Jahre hier….

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      ich meine damit auch das Futter, das bei uns erzeugt wurde. Weil wir hier einfach andere Qualitätsstandards haben als in anderen Teilen der Welt. Also wenn der Mais hier wächst, dann sollte das kein Problem sein.

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  10. Sabine sagt

    „Einen Kaffee, bitte“, sagt da jemand in der Werbung und aus der Verkäuferin sprudelt:“ au Lait, Latte Macchiato, Cappuccino, Soy, Americano, Mocca, flavoured, Decaf, Extra, groß, klein, xxl?“ Kompliziert…
    Aber damit hat sich ne Kette mit Meerjungfrau im Logo aus einer Nische zum Konzern hoch gefragt. Wer hätte das Gedacht? Schließlich kamen die auf den Markt als die klassischen Cafes hier im Sterben lagen. …. villt auch, weil „Kollege kommt gleich.“ oder ein gerannstes „Draußen nur Kännchen!“ irgendwie nicht
    mehr zu den Kundenerwartungen passten, wenn jemand einen Kaffee bestellen wollte.
    Vllt. kann man Milch auch so kompliziert und teuer verkaufen wie Kaffee und ich kann zwischen Holstein Klassik, Jersey A2-Label, Heumilch mit und ohne Hörner, Mama-Cow (wär nen schöner Markenname für Milch aus Mutterkuh-gebundener Kälberaufzucht, oder?), Pasteur Only (für nicht homogenisierte Milch) … und Moggele – Original Allgäuer Almmilch, wählen.
    Ich denke, man sollte auf keinen Fall warten, bis irgendein geschäftstüchtiger Nordamerikaner die Nische für sich entdeckt.

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    • Paulus sagt

      Hallo Sabine, ein ähnlicher Gedanke kam mir auch.

      Die Erzeuger liefern schlichtweg nur ab und beklagen sich über schlechte Preise. Gleichzeitig hat sich herumgesprochen, dass Kühe nicht mehr auf die Weide kommen und wer z.B. durch die Eifel oder durch das Bergische Land fährt, sieht Fahrsilos und folierte Ballen aber keine Rindviecher mehr. Die Tankwagen der MUH sieht man selbst im Sauerland. Das lässt eher nicht darauf schließen, dass es sich bei der Milch um ein höherwertiges Produkt handelt.

      Bei Nestlé z.B. mutiert ganz gemeiner Kaffe in Alukapseln zu einem Grand Cru. Damit nicht genug, um diesen Kaffe überhaupt kaufen zu dürfen, ist auch noch die Mitgliedschaft in einem angeblich exklusiven Club erforderlich.
      Irgendwann versuchte ein sogen. Barista mir Kaffee näher zu bringen …, und ja, das hat mich schon beindruckt; ich meine jetzt das Gelabere, nicht den Kaffee.
      Die Weinexperten können das ja auch ganz gut. Was bei Verkostungen von den Sommeliers für ein Stuss abgesondert wird ist z.T. unfassbar.
      Vielleicht sollte man seitens der Milcherzeuger mal eine Lait supérieur des Alpes oder Lait supérieur de l’Eifel oder so kreieren.

      In Anlehnung an die Sprüche der Sommeliers:
      „Im Frühjahr erschließt sich unsere Milch auf der vorderen Zungenpartie noch zögernd, mit sanften Einflüssen von jungen Gräsern sowie Aromen von Melone und Papaya. Im hinteren Bereich spürt man deutlich die ersten Kräuter des Jahres, gepaart mit einem sanften Anflug der ersten Gänseblümchen – und im Abgang entfaltet sich ein nahezu explosives Gemisch aus den Gräsern der Region mit einem Hauch von Kastanie und jungem aufwachsenden Wegerich.“

      Eröffnen sie sich und ihren Kindern die Welt des wahrhaft kulinarischen Milchgenusses und verzichten sie nicht auf Joghurt und Käse aus ihrer Region.
      Für die lieben Kleinen gibt es unser Gewinnspiel: Wer erkennt die Gräser und Kräuter der Region? Sammeltüten und eine 4-fach vergrößernde Lupe, erhalten Sie kostenlos unter http://www.die glückliche Kuh.de. Die Preise 1 bis 100 beinhalten den Besuch eines Bauernhofes einschl. tränken der Kälbchen und eine kulinarische Brotzeit, gemeinsam mit den Eltern.
      Das mit den Glasflaschen so wie früher wird schwierig, aber auch einen Tetrapak kann man gut gestalten. Die supérieur Beurre könnte man schlicht in Pergamentpapier eingerollt anbieten.
      Reinheitsgebot hin oder her, wer sagt, dass man der Trinkmilch nicht auch Aromastoffe zufügen kann? Bei Joghurt ist das doch übliche Praxis.

      OK, jetzt halten mich mal wieder alle für den größten Spinner aller Zeiten. Aber gilt es nicht auch Denkverbote zu überwinden?

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        >>Die Weinexperten können das ja auch ganz gut. Was bei Verkostungen von den Sommeliers für ein Stuss abgesondert wird ist z.T. unfassbar.<<

        So etwas kann nur von einem eingefleischten Biertrinker kommen.

        Ein wirklich guter Weinkenner schmeckt heraus, von welchen Winzer der Wein stammt, wie viel Töchter der Winzer hat und ob sie noch alle Jungfrauen sind. 😉

        Muss zu meiner Schande gestehen, diese Fähigkeiten besitze ich auch nicht. 🙁

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        • Paulus sagt

          Hallo Ehemaliger, so etwas Ähnliches hatte ich mir schon gedacht.
          Muss dich aber enttäuschen, wir trinken vorzugsweise Kraneberger Wasser.
          Nitrat (NO3) = 6,3 mg/l und das in einem durchaus landwirtschaftlich geprägten Umfeld.
          Schmeckt je nach Temperatur auf der vorderen Zunge leicht nach Biozid, entfaltet dann einen leichten Anflug von Cyanid, ist im Abgang aber durchaus köstlich und erfrischend.
          Ob die Tochter des … noch Jungfrau ist versuchen wir anhand einer olfaktorischen Prüfung herauszufinden. Ich krieg das mit den Smileys nicht hin, aber Du verstehst mich schon.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Hallo Paulus, war mal in Sipplingen, genau genommen im Sipplinger Berg, bei dem Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung. Dort bekamen wir ein Fläschchen geschenkt, als Kostprobe. Zu meiner Überraschung, das Wasser schmeckte wie Kirschwasser. So ähnlich werden die Großwildjäger es auch handhaben, mit dem Kraneberger Wasser. 😉

            Mit der olfaktorischen Prüfung sehe ich ein Problem, ob Frau Staatsanwältin da zustimmt, die Zielgruppe soll ja sehr jung sein. 😉

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      • Alois Wohlfahrt sagt

        Hallo Paulus, das war jetzt die Bewerbung für den „Senior Marketing Director“ der Initiative „Reinheitsgebot für Milch“ 🙂 🙂 🙂

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      • Bauer Willi sagt

        Hallo Paulus
        das schick ich dem Milchindustrieverband, den Molkereien und dem BDM! Großartig, wie du den Milch-Sommelier beschreibst…
        Ich habe bei einem Vortrag vor 100 Molkerei-Vorständen mal den Vorschlag gemacht, auf die Packung zu schreiben „Zu 96,5% frei von Fett“.
        Ergebnis: Gelächter.
        Bauer Willi

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  11. Moritz sagt

    Das wäre doch mal eine gute Idee mit dem Reinheitsgebot Bauer Willi, Menschen die sich mit dem Thema Ernährung beschäftigen kaufen außer Biomilch sowieso schon lange nicht mehr die von ihnen beschriebene Industriemilch.

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  12. Alfons Balmann sagt

    Eigentlich ein guter Ansatz. Ich sehe allerdings zwei Schwachpunkte: zum einen denke ich, dass der Ansatz für eine gewisse Nische funktioniert. In der Masse wird der Vorteil schnell wieder reduziert. Auch passt es kaum zu den nord- und ostdeutschen natürlichen und strukturellen Gegebenheiten.

    Das größere Problem sehe ich aber im Beispiel Bier. Ich war kürzlich einige Tage in der Ukraine unterwegs. Ich war total angetan, welch große Auswahl an Bierspezialitäten es selbst in einer kleineren Stadt oder in Biergärten außerhalb des Kiewer Zentrums gab. Auch aktuell im Trentino finde ch in vielen Cafes Bierangebote von denen man zumindestens im nördlichen Teil Deutschlands träumt. Und interessanterweise sind es hier sogar oft deutsche (fränkische) Bierspezialitäten – und zwar nicht nur Standardbiere, sondern auch Pale Ale oder Zwickl aus Franken. Und selbst meine Lieblingsweißbiere kriege ich hier vom Fass. In Halle bin ich schon froh sie in einem gut bestückten Getränkemarkt überhaupt zu finden. Die Lokale in vielen Teilen Deutschlands bieten durchweg das gleiche Einerlei. Die Konsequenz daraus ist doch, dass tolle Produkte alleine nicht ausreichen, wenn sie in der Kette bis hin zum Verbraucher nicht gewürdigt werden. Ich denke, das ist nicht nur eine Folge eines Geiz ist geil, sondern vielleicht ein kulturelles Problem.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Natürlich sehe ich ein solche Reinheitsgebot zunächst als Nische. Bei den Bierbrauern waren bestimmt auch nicht von Anfang an alle dabei. Es hängt letzlich davon ab, ob eine solche Selbstverpflichtung sich in Marktanteile umsetzen lässt.
      Die zweite Einschränkung oder Frage verstehe ich nicht. Sollte es die Frage nach der Vermarktung sein, kann ich ganz klar sagen, dass der Vertrieb und Markenstrategien mindestens so entscheidend sind, wie die Produktion.

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      • Alfons Balmann sagt

        Der zweite Punkt wird oben von Marian Finger teilweise auch diskutiert: es reicht nicht ein gutes neues Produkt zu haben. Die eigentliche Herausforderung ist eine Kette zu organisieren, die bis zum Verbraucher reicht. Das deutsche Brauereiwesen mit dem Reinheitsgebot ist m.E. kein gutes Beispiel. Zwar haben Biere nach dem Reinheitsgebot in Deutschland nach wie vor einen Marktanteil von fast 100 %. Allerdings wird dieser Markt zum großen Teil von einigen Konzernen dominiert, die zwar aus internationaler Perspektive klein sind, gegen die jedoch die vielen kleineren Brauer, die den Kunden etwas Besonderes bieten wollen kaum durchkommen. Zumindest sind sie jenseits enger lokaler Grenzen in Deutschland kaum sichtbar. Dazu trägt vielleicht auch bei, dass das Reinheitsgebot beim Bier ja keine neue Innovation ist und es nur darum ging Marktanteile zu sichern, statt beim Verbraucher etwas zu verändern.

        Interessant sind mit Blick auf die Idee der Reinheitsmilch aus meiner Sicht momentan einige Aktivitäten im Fleischbereich, wie von der Frau Mörixmann mit dem Aktivstall, ihrer Vermarktung über eine Schlachterei mit Qualitätsanspruch, Weiterverarbeitung zu handwerklich hergestellter Wurst bis hin zu Vermarktungskonzepten, wie Kalieber. Auch die Idee des Supermeatboy von Harm Böckmann, mit dem wir beide in Berlin beim Fleischforum auf dem Podium saßen, passt in diese Kategorie. All das funktioniert aber nur, wenn man in der Lage ist, eine Kette zu organisieren, bei der auf vielen Ebenen bzw. Wertschöpfungsstufen innovative Ideen zusammen kommen, die letztlich auch beim Verbraucher zu einem Mehrwert und einer Sichtbarkeit führen. Das Internet eröffnet hierbei vielleicht neue Perspektiven.

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Wir waren uns ja schon in Berlin einig, dass nur „Kettenprozesse“ zum Erfolg führen. Es muss also die Sehnsucht nach der „kostbaren Reinheitsmilch“ bei allen Beteiligten der Kette geweckt werden. Dies müsste nun ein nächster Schritt sein, die Kette zu organisieren, bzw. Verbündete zu suchen.
          Ich finde das Reinheitsgebot der Brauer trotzdem eine gute Vorlage. Die Brauer haben es damit für Ihr Kernprodukt und ihre Arbeitsweise geschafft ein unangefochtenes Zertifikat zu etablieren. Die Brauer gelten in der Bevölkerung als „Bewahrer“ einer ureigensten deutschen Kultur. Trotzdem sind sie High-Tech in allen Bereichen. Die „moderne Landwirtschaft“ hingegen wird größtenteils kritisch gesehen oder sogar abgelehnt. Es fehlt dieser starke Bezug zur bewahrenden Kultur. Diesen Bezug bei der Landwirtschaft ist zwar mit der bäuerlichen Tradition noch da. Er wird aber nicht mehr gelebt und mit neuen Inhalten gefüllt.
          Die „Reinheitsmilch“ wäre ein starker Anfang die Kompetenz der „bewahrenden Progressivität“ wieder zu uns zurückzuholen. „Wir wollen die reinste und gesündeste Milch produzieren“ wird mit Sicherheit besser von unseren Mitbürgern wahrgenommen, als die jetzige Leitidee der billigsten Milch.
          Ich bin mir auch sicher, entlang dieser „Prozesskette Reinheitsmilch“ lassen sich alle Probleme wie Tierwohl, Nitrat und Wertschöpfung mit der Zeit einvernehmlich lösen, weil sich alles dem kostbaren Gut unterordnen würde.

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          • Alfons Balmann sagt

            Dem letzten Punkt würde ich nicht zustimmen. Es gibt immer Zielkonflikte: Tierwohl, Umwelt, Ökonomie und Soziales lassen sich nur bis zu einer gewissen Grenze, der sogenannten Paretomenge, steigern. Darüberhinaus geht immer eines auf Kosten der anderen Ziele. Alleine die Beschränkung auf lokales Kraftfutters hat gesellschaftliche Kosten, nicht nur individuelle. So ist es auch beim Reinheitsgebot des Bieres. Es gibt traditionelle deutsche Biersorten, wie z.B. die Gose, der Salz und Koriander zugesetzt werden. Insofern könnte Reinheitsmilch eine bestimmte Zielgruppe von Produzenten wie Konsumenten ansprechen. Eine Lösung für alle Probleme wäre sie nicht. Aber das ist ja eigentlich auch nicht der Anspruch.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              OK, alle Probleme lösen ist ein bisschen hochgegriffen. Aber in einer Prozesskette sind die „Glieder“ aufeinander angewiesen. Da besteht zumindest das essentielle Interesse gemeinsam Erfolg zu haben. Heute sind die Milcherzeuger als anonyme Rohstofferzeuger erpressbar und austauschbar. Die Tierwohl- Umwelt- und Akzeptanzprobleme der Bauern sind den Herren Müller, Zott und Co. egal.

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            • Sie sind richtig gut in diesem Thema drin. Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, dass die „Kette“ bis zum Kunden eine entscheidende Rolle spielt.

              Die von Ihnen genannten Zielkonflikte können nach meiner Meinung neben den qualitativen Merkmalen zusätzlich „positiv mit verkauft“ werden.

              Das bedeutet jedoch, dass die interessensgelagerten Vorteile (der „Stakeholder“ inkl. Kunden) in der Produktionskette nicht verwässert werden dürfen und bis zum Kunden als Merkmal transparent mit transportiert werden.

              Will heißen, wenn ein Produkt gefragte Alleinstellungsmerkmale hat und damit grundsätzlich ein deutlich höherer Preis erzielbar ist, sind solche Eigenschaften wie Nachhaltigkeit, Tierwohl, Umwelt usw. noch zusätzliche Verkaufsargumente.

              Die Mehrkosten dafür sind bei einem höheren Preis besser unterzubringen. Deshalb sind Premiummärkte in der Regel in der Vorreiterrolle. Das passt wiederum bisher zum Vorhaben.

              Das auszubalancieren wird die Kunst sein.

              Die wesentliche Veränderung dabei ist, die Sicht des Kunden als Ausgangspunkt der Kette mehr in den Vordergrund zu stellen.

              Das war in der Milchproduktion bisher umgekehrt. Viel machen – sicher abnehmen – dann schauen wer es zu welchem Preis kauft.

              Dieses System sehe ich als gescheitert an!

              Es gibt ein Beispiel aus der Industrie:

              In den 90ern haben uns Deutschen die Japaner in der Automobilindustrie ordentlich gezeigt wo der Hammer (sprichwörtlich) hängt.

              Durch die Entwicklung des LEAN-Managements (LEAN-Production) und des sogenannten Pullprinzips haben wir mit unserer bisherigen Massenproduktion, auch in der Qualität, recht alt ausgesehen. (TPS = Toyota-Production-System)

              Die Konzeptidee der „Kette“ entstammt diesem Pullprinzip (Kanban-Systeme).

              Vielleicht beginnt auch hier in der strategischen Denkweise eine kleine Revolution. Vielleicht beginnt sie hier und jetzt!

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