Bauer Willi
Kommentare 49

Nahrungsmittel werden teurer!

Außer in der Landwirtschaft wird kaum wahrgenommen, dass die Preise für Getreide, Mais und Ölfrüchte gerade explodieren. (Für die Börsenkurse auf die jeweiligen Begriffe klicken.)

Dies gilt nicht nur für Europa, sondern weltweit. So steigen auch die Preise in den USA, wie in dieser Grafik ersichtlich: https://www.zmp.de/boersenpreise/cbot/cbot-mais_future

Die möglichen Gründe für diese Preisrally werden hier beschrieben:

https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/getreidepreise-nichts-scheint-unmoeglich-euphorie-hysterie-580630?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2021-04-27

Mögliche Gründe deshalb, weil einige Analysten unumwunden zugeben, dass sie die wirklichen Gründe auch nicht kennen und nur Vermutungen anstellen können. Mein Anruf bei Daniel in Brasilien hat mir allerdings bestätigt, dass die Trockenheit viele brasilianische Bauern bisher davon abgehalten hat, Weizen zu säen. Andere wiederum haben gesät, warten jetzt aber auf Regen.

Lieferengpässe im vor- und nachgelagerten Bereich

Wer nachfolgenden Artikel liest, kann einen gehörigen Schrecken bekommen. Aus verschiedenen Gründen sind einige Lieferketten doch deutlich unterbrochen. Das wird sich mit Sicherheit auf die Erträge negativ auswirken. Dabei denke ich weniger an Europa als vielmehr an Staaten wie Indien oder den gesamten afrikanischen Kontinent. Dort leben immerhin fast die Hälfte der Weltbevölkerung!

https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/agrarchemie-preisexplosion-lieferprobleme-pflanzenschutz-580753?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2021-04-29

Die Kosten für Betriebsmittel steigen auch!

Besonders die Energiepreise sind in den letzten Wochen gestiegen. Damit verteuern sich Dünger und Pflanzenschutzmittel. Laut einer Umfrage wollen 44% der Landwirte bei diesen Mittel sparen. Den teuren Diesel werden wohl alle kaufen müssen. Für Tierhalter sind die aktuellen Preise für Futtermittel gestiegen.

https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/kosten-lawine-erdrueckt-bauern-betriebsmittel-preise-explodieren-580786

Im Supermarkt kommt das erst später an

Die Preise, die jetzt an der Börse gehandelt werden, sind für Ackerbauern erst einmal erfreulich. Für Tierhalter bedeutet es, dass nun bald auch Futter teurer wird. Futter-Kontrakte, die vor einigen Wochen gemacht wurden, bilden diese hohen Preise noch nicht ab. Bei höheren Futterpreisen müssen in Folge auch die Preise für tierische Produkte steigen. Aber erst in einigen Wochen.

Für den Verbraucher gilt dies in gleicher Weise. Supermärkte und Discounter haben auch Vorkontrakte mit ihren Vorlieferanten. Doch die Kontrakte müssen irgendwann erneuert werden und das wird nicht ohne Preiserhöhungen abgehen. Und, wie immer, werden Bäcker die steigenden Preise für Getreide anführen, auch die Preise für Brot und Backwaren anzuheben.

Was passiert in ärmeren Ländern?

Manch einem ist der Begriff  „Tortilla-Krise“ noch in Erinnerung. Im Jahr 2007 führten die stark ansteigenden Preise für Mais zu Protesten in der Bevölkerung. In diesem Jahr kommt zu den steigenden Lebensmittelpreisen noch die Corona-Krise. Das alles könnte sich zu einem explosiven Gemisch entwickeln, deren Folgen heute noch nicht absehbar sind. So warnen Experten vor sozialen Unruhen.

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/nahrungsmittelpreise-steigen-weltweit-101.html

Gleichzeitig wird in Europa über eine Ökologisierung, also eine Verringerung der Produktivität diskutiert. Wertvolle Ackerflächen sollen dem Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Angesichts der sich anbahnenden Nahrungsmittel-Krise sollte darüber nachgedacht werden, ob das wirklich eine gute Idee ist.

Was werden die Medien daraus machen?

Ich schreibe diesen Artikel auch deshalb, weil sich die Medien sicherlich bald Gedanken darüber machen werden, welche Gründe sie für die steigenden Preise heranführen können. In 2007 waren es die „bösen Amerikaner“ mit ihrem „bösen Biosprit“, die die „armen Mexikaner“ auf die Strasse trieben. Das auch eine unfähige Regierung an der damaligen Situation nicht ganz unschuldig war, wurde nur von wenigen Journalisten aufgegriffen.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/massenprotest-in-mexiko-biosprit-boom-treibt-tortilla-preise-in-rekordhoehen-a-463692.html

Welche Story diesmal erzählt wird? Ich weiß es nicht, aber ich könnte es mir denken… Was halten Sie von: „Wir sollten weniger Fleisch essen…“

Unsere Berufsvertretung täte gut daran, jetzt schon aufzuklären. Noch ist es unsere „Story“. Noch sind wir „vor der Welle“…

 

 

 

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49 Kommentare

  1. Arnold Krämer sagt

    Höhere Preise für Futtermittel führen zu höheren Produktionskosten bei Milch und Fleisch. Diese seitens der Ernährungswirtschaft auf den LEH und dann den Verbraucher zu überwälzen, gelingt nur, wenn das Angebot wirklich knapp ist. Ich konnte das sehr gut beobachten und habe das auch v. F-J. Rothkötter (Emsland- Frischgeflügel) bestätigt gefunden. 2008/09 konnten die steigenden Futtermittelpreise beim Hähnchen überwälzt werden, weil damals die Ware (Frischfleisch) knapp und begehrt war. Die damalige Frischfleischvermarktung war noch rlativ neu, Rothkötter hatte dén neuesten Schlachthof in ganz Europa , die Ställe der Landwirte waren auch überwiegend neu. Das Produkt Hähnchenfleisch war damals qualitativ führend und begehrt.
    Bei späteren Futtermittelpreisanstiegen war eine Überwälzung der höheren Produktionskosten (Futter machen 50-60 % der Gesamtkosten in der Hähnchenmast aus) nicht mehr möglich, weil u. a. die Polen mittlerweile sehr viele neue Mast- und Schlachtkapazitäten aufgebaut hatten (u.a. mit erhöhter Förderung durch die Konvergenz-Programme der EU). Die Kostensteigerungen ging wie das bisher in fast allen Märkten der Fall ist, zu Lasten der Landwirte.

    +2
  2. Ehemaliger Landwirt sagt

    Derzeit gehen die Schittholzpreise durch die Decke, weil die Chinesen und die USA alles kaufen, was auf dem Markt ist.

    Nur, bei den Waldbesitzern ist das Geld noch nicht angekommen.

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    • firedragon sagt

      Für Herrn Suhr eine einfache Frage

      Was hat die nichtfunktionierende Infrastruktur (Lagerung und Transport) in afrikanischen Länder mit der hiesigen Landwirtschaft zu tun, was zu der Annahme führt, wir hier könnten es uns leisten, von Blümeleins (Luft und Liebe) zu leben ?

      +2
      • Reinhard Seevers sagt

        Versuch es nicht firedragon. Frei nach dem Motto „Die Dummheit stirbt zuletzt“ wird der linke Flügel der Gesellschaft dauerhaft Probleme bei anderen suchen.
        Als Meadows seine ersten mit Computer simulierten Voraussagen machte, die sich 1:1 auf heute projezieren lassen, da hatte er drei Szenarien für die Menschheit durchgespielt. Diagramm 42 als best-of der möglichen Szenarien zum Überleben der Menschheit, bzw. zum Erreichen des größten Zeitgewinns, ging von 4 Annahmen aus: Gleichbleibende Rohstoffversorgung, Reduzierung der Umweltverschmutzung, Verringerung des Bevölkerungswachstums und Stabilisierung auf dem Niveau von 1972, Vervierfachung der Nahrungsmittelerzeugung.
        Die Landwirtschaft in unseren Breiten hat als einziger Bereich geliefert….alle anderen Bereiche sind grandios gescheitert. Nun versucht man die Schuld am Scheitern der Gesellschaft denjenigen unterzuschieben, die die doppelte Bevölkerungszahl seit 1972 ernährt….ist das nicht absolut schizophren?

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          • Reinhard Seevers sagt

            Ich glaube, das ist vergebene Lebenszeit, sich mit denen auseinanderzusetzen.
            Der Halbsatz: …“ aufgrund der Gleichgültigkeit der Reichen und der unabsichtlichen Nachernteverluste in Entwicklungsländern …“
            zeigt doch, dass die Reichen Schuld haben und die Armen unbeabsichtigt in der Situation sind.
            Das ist ein Systemkampf und der wird niemals der Einsicht und der Vernunft weichen, niemals. Sie sehen sich als Korrektiv des „falschen“ Menschen.

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            • firedragon sagt

              Die zwanghafte Problemsuche und dazugehörigen Schuldzuweisungen sind gesellschaftszerstörend.

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  3. Christian Suhr sagt

    Bedenkt man, daß man in den USA und weltweit massiv auf Pflanzenschutzmittel bis hin zu 2,4-D und Agro-Gentechnik setzt … außer Spesen, nichts gewesen.

    Wie war das noch mit gentechnischer Dürreresistenz?!
    https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2019-gefaehrliche-scheinloesungen-der-agrar-gentechnik/

    Hier übrigens Kritik aus Afrika zu Nachernteverlusten, die massiv waren immer schon:
    https://www.fluchtgrund.de/2016/11/subsahara-afrika-milliardeneinbussen-durch-nachernteverluste/

    Die Frage ist: Welche Schlußfolgerungen will man jetzt daraus ziehen, den Weg der USA auch hier forcieren, wenn man Gentechnik als Züchtung verkauft und meint, man könne Photosynthese (Wasserbedarf) wegzüchten?

    Hoffnungsschimmer für Industrienationen: Einfach nicht 50 Prozent der Lebensmittel wegwerfen, spart einiges.

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    • Bauer Willi sagt

      Der Artikel von Brot für die Welt ist unterirdisch. Der junge Mann schreibt zusammengelesene Behauptungen zu einem Text zusammen, der natürlich zu Conclusio kommt, das Gentechnik keine Lösung ist. Dass aber CrisprCas etwas anderes ist als die „alte“ Gentechnik hat er nicht begriffen. Und Du willst es wohl nicht verstehen. Schade.

      +3
    • Reinhard Seevers sagt

      Hoffnung gibt es erst, wenn Design und Werbung abgeschafft sind…sonst wird’s nix mit Weltrettung.

      +1
    • Thomas Apfel sagt

      Langsam ist das nicht mehr witzig, Herr Suhr, den selben Müll immer wieder zu erzählen.
      Falsches wird durch Wiederholung nicht wahrer.
      Es entstehen in den Industrieländern etwa Abfälle in Höhe von 20 % des Gesamtverbrauches an Lebensmitteln. Etwas mehr als 40 % davon waren Stand 2012 noch voll verwertbar. Das sind 8 – 9 % des Gesamtverbrauchs an Lebensmitteln im Durchschnitt.
      Durch die eingeleiteten Maßnahmen seit der Feststellung dürfte sich der Anteil fast halbiert haben (5 %). Das sind in Summe immer noch rund 3 mio Tonnen voll verwertbare Lebensmittel, aber eben nicht 50 % sondern 5 % !!
      Aber vielleicht ist das ja bei Ihnen immer noch nicht angekommen und sie werfen 25 % ihrer Einkäufe weg und fühlen dann gut, weil das nur die Hälfte Ihrer behaupteten Menge ist, oder wie geht Ihre Logik ?

      +4
    • Reinhard Seevers sagt

      Aus dem link von Herrn Suhr:
      „So erschreckend es auch ist, so ermutigend ist es in gewisser Weise auch, dass derzeit aufgrund der Gleichgültigkeit der Reichen und der unabsichtlichen Nachernteverluste in Entwicklungsländern Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln verderben. Es bedeutet schließlich, dass es vergleichsweise einfach sein dürfte, sehr viel mehr Nahrungsmittel zugänglich zu machen.“

      Ja, wenn es so einfach ist, warum schaffen es linksorientierte, ökobasiserte, klerikale, spendengeile Orgas nicht, dieses simple Problem zu lösen? Seit Meadows „Die Grenzen des Wachstums“ hätte man Zeit gehabt, die bereits damals angesprochenen Probleme zu lösen, seit 1973. Neee, nich auf andere zeigen Herr Suhr, da gibt es nun keine Ausrede mehr.
      Wir haben auch die Nachernteverluste der Kolchosen bis zum Ural verbessern geholfen. Und da waren nicht Subsistenzlandwirtschaft und Hitze das Problem, sondern Alkohol, Moral und Know how. Also, wieder einmal: Machen!!

      +1
  4. Ludwig sagt

    Es gibt sicherlich viele Einschätzungen für die höheren Rohstoffpreise. Einmal durch die Unsicherheit der Lieferketten ausgelöst durch die Coronakrise. Diese Krise hat allen Importländern gezeigt , daß „Just in Time“ nicht mehr klappt und jetzt alle Importlager immer voll gehalten werden und schon dadurch die Nachfrage höher ist. Dazu kommen natürlich die Wetterturbulenzen und die sind noch nicht ausgestanden. Nicht nur das es hier oder da zu trocken oder zu kalt ist , sondern auch das man heute noch nicht weis , ob durch die Frosteinbrüche (Texas, Mittlerer Westen) in den USA in den Winterweizengebieten der Winterweizen nicht verfroren ist. Pauschal kann man sagen , daß Winterweizen gegenüber Sommerweizen erheblich mehr Ertrag bringt. Auch die spätere Saat der Früchte , wie in diesem Jahr und lückiger Auflauf durch Trockenheit lassen die Erträge runtergehen. Normalerweise wäre diese Preisexplosion nur bei Mais zu erwarten , aber da Mais durch Weizen ersetzt werden kann , zieht natürlich überall der Preis an. Das ganze gilt natürlich auch für Soja und Raps. Die Bauern haben davon nichts , denn die Ernte 2020 ist schon von den Höfen verkauft. Dafür bekommen wir jetzt vom Handel schon die hohen Betriebsmittelpreise aufgedrückt. In der Pflanzenproduktion können wir die höheren Verkaufspreise per Lieferkontrakt auch schon absichern , aber bei Milch und Fleisch sind die Verkaufspreise zu niedrig um die höheren Futtermittelpreise abzupuffern. Als Beispiel sei hier _Sojaschrot genannt . Preissteigerung um rd. 110 Euro/to. Also rd. 40%. Das ist auch bei Düngemitteln so. Pflanzenschutzmittel rd. 10%. Gut dran ist , wer schon im letzten Jahr vorgekauft/kontrahiert hat. — Vielleicht denken unsere Politiker mal über diese Situation nach, denn Vorräte gibt es ja fast nicht mehr und wenn dann nur noch für die Stadtbevölkerung. Dazu kommt noch unser selbstgemachtes Energieproblem , denn mit jedem abgestellten Konstantkraftwerk wird es auch hier immer brenzliger. Deshalb kann ich nur jedem raten bei Nahrungsmitteln und Energie schnell Vorsorge einzuplanen , denn auf unsere Regierung ist da kein Verlaß. Deshalb gilt für jeden selbst was zu machen , denn die Politik will immer noch Kraftwerke abstellen und die Landwirtschaft fertigmachen.

    +9
  5. Ferkelhebamme sagt

    „Bei höheren Futterpreisen müssen in Folge auch die Preise für tierische Produkte steigen.“
    Willi, das interessiert die Discounter nicht. Mit ihrer Marktmacht drängen sie gerade auf Jahreskontrakte für Fleisch.
    Neben den hohen Futterkosten kommen noch die kostenintensiven neuen gesetzlichen Regelungen dazu, dabei produzieren wir schon seit einem halben Jahr unter Kostendeckung.
    Wir schaffen das nicht!

    +9
    • Karl Timme sagt

      Gleiches gilt beim weißen Segment und bei der Butter, die Abschlüsse werden zur Zeit geschoben.

      +2
    • Bauer Willi sagt

      Ich hätte schreiben sollen: „müssten steigen“. Aber ist das nicht absurd? Jeder weiß, dass sich höhere Futtermittelpreise in den tierischen Produkten wiederfinden müssen. Wenn der Diesel teurer wird, wird ja auch die Pendlerpauschale angepasst! Warum schaffen wir das nicht? Bzw. Molkereien und Schlachtbetriebe….

      +7
      • Karl Timme sagt

        Die Marktmacht liegt nun mal beim LEH, die höheren Margen verbleiben zunächst dort.
        Wie war das doch bei der letzten Verhandlungsrunde mit den 60 Cent höheren Preisforderung nach den Sperrungen der Handelsläger?
        Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte (Arla), nichts mit Preissteigerung, sowat.

        +3
      • Wilfried Furchert sagt

        Letzte Woche im Werbeblatt von Kaufland: Frau Antje-beste Butter, 57% günstiger, 1,11 €/250g. So wird den Molkereien klar gemacht was passiert, wenn diese „unverschämte“ Preisforderungen stellen. Und Wasser saufen gehen da die Milchbauern.

        0
  6. Wolfgang sagt

    Ich weiß noch nicht, ob ich mich als Ackerbauer über die Nachricht freuen soll, oder ob es wieder nur ein Strohfeuer ist wie 2008, als bei mir auch Pachtverträge zur Verlängerung anstanden, und binnen 1 1/2 der Weizenpreis an der MATIF von knapp 30 € wieder auf die Hälfte sank.
    Ich gehe mal davon aus, dass das nur ein vorübergehender Ausschlag ist. Ob ich meinen Verpächter wohl überzeugen kann?
    Die Mehrkosten bei Energie und Düngung habe ich jedenfalls schon…

    +5
    • Bauer Willi sagt

      Was heißt „Strohfeuer“? Natürlich werden die Preise wieder sinken. Denn bei diesen Preisen wird die Nachfrage auch wieder sinken. Dann wird tatsächlich weniger Fleisch gegessen, aber auch ganz anderen Gründen.
      Gestern kam in den Nachrichten, dass in Brasilien 18 Mio. Menschen hungern. Die Lebensmittel sind physisch verfügbar, die sozial Schwachen können sie sich aber nicht mehr leisten. Und das kann auch in Deutschland kommen.

      +10
      • Wolfgang sagt

        „Strohfeuer“ hatte ich deshalb geschrieben, da es in 2008 auch so war, dass diverse Faktoren zusammengekommen waren. Tatsächlich hatte jeder die 300 € / t im Kopf, zu einem Zeitpunkt, zu dem aber kaum mehr Getreide verkauft wurde. Mein höchster Abschluss lag damals um 24 €/dt. Wegen einer verregneten Ernte war aber auch nur ein Bruchteil der Ware überhaupt als Brotgetreide verkehrsfähig. Und außerdem musste ich dann noch wegen Insolvenz der Mühle fast 2 Jahre warten, dass mein verlängerter Eigentumsvorbehalt am Ende anerkannt wurde. Sonst wäre das nicht der höchste, sondern mein niedrigster je erlöster Preis geworden.

        Die Verpächter und wohl auch einige um die Pachtflächen konkurrierende Kollegen hatten den hohen Betrag aber als Trendumkehr interpretiert, und auch die Betriebsmittelpreise hatten sofort darauf reagiert. Spätestens die übernächste Ernte wurde aber wieder nur zur Hälfte dessen abgerechnet, was sich die Landwirte und auch viele „Experten“ kurz zuvor noch als sicher ausgemalt hatte.

        Mal sehen, ob wir in nem halben Jahr noch über hohe Erzeugerpreise reden.

        +2
        • Brötchen sagt

          @Wolfgang

          Die Erntemengen in D. werden sich doch sicher verringern, durch die Auflagen?!
          Düngung, Pflanzenschutz usw.

          Was tier. Prod. betrifft, sehe ich da schon einen extremen Trend zur Betriebsaufgabe oder Verringerung/Abstockung.
          Selbst die Betriebe die umbauen wollen, werden auf alle Fälle ihren Bestand verringern.

          Meines Erachtens geben das die Tierbestandserfassungen nicht richtig wieder, zumal die für bestimmte Tierarten auch zu ungenau sind bzw. die Zeiträume zwischen den Erfassungen sind zu lang.

          Dann kommt ja noch dazu das andere Maßnahmen auch Kostentreiber sind, wie die CO2 besteuerung die die Energiepreise hochtreibt. Das kommt ja erst noch richtig in Fahrt und schlägt auf alle Preise……und und und

          Wahrscheinlich hängt das alles noch von den Erntemengen ab, wird es eine gute Ernte, schlägt das nicht so durch, wird es eine schlechte extrem….

          0
  7. Thomas Apfel sagt

    Abgesehen davon, dass jetzt ein par ungünstige Faktoren zusammenkommen, gehen die Getreidepreise ungefähr im 10-Jahresrythmus rauf und runter (Beispiel Weizen):
    2005 96 €/t 2006 114 €/t
    2011 208 €/t 2012 218 €/t
    2015 161 €/t 2016 141 €/t
    2020 198 €/t 2021 245 €/t ?

    2014/15 „erkannten“ doch Prof. Taube, Prof Spillner und Co., auf Grund der Preise der letzten 3 Jahre davor, „eine Trendwende in der Wertschöpfung“ in der Landwirtschaft. Mit der Konsequenz, dass „die Bauern in Umwelt- und Extensivierungsfragen mehr belastet werden könnten“. Selbst 2018 wurde diese Feststellung noch aufrecht erhalten, obwohl die Preise z.B. bei Weizen 2014 – 2017 durchschnittlich nur noch bei 75 % des Zeitraumes 2011-2013 lagen.
    Bei aller Hoffnung auf stabil höhere Preise, bleibt bei mir: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ !
    Ich denke, der Abwärtstrend wird spätestens 2022 wieder einsetzen, so sicher wie das „Amen“ in der Kirche.

    +6
    • Bauer Willi sagt

      Die Volatiliät ist immer da. Aber derzeit kommt der Faktor „Corona“ dazu. Lieferketten sind unterbrochen. Fendt legt Werke still, weil Gussteile fehlen, die in Deutschland hergestellt werden. Die Baubranche kann trotz voller Auftragsbücher nicht arbeiten, weil kein Bauholz verfügbar ist. Die Automobilbranche hat keine Halbleiter.
      Logisch, dass nach 250 € die Preise auch wieder fallen. Aber 250 € ist ja auch einfach ein irre hohes Preisniveau.

      +1
      • Karl Timme sagt

        Die Rohholzverarbeiter waren ja auch nicht bereit, ihre Preise den Weltmarktpreisen anzupassen, in dem Bewustsein es gibt ja soviel Käferholz, das muß ja irgendwo hin. Nun ja warum nicht ins Ausland?

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          • Karl Timme sagt

            Das Ausland hat immer schon über Holzaufkäufer Holz eingekauft. Eine Preisbildung , ähnlich dem Weizenpreis als Eckpreis fürs Getreide, bilden die Submissionen (Versteigerungen von für diesen Zweck gesammeltes Holz auf einem Platz). Hier hat der Chinese sehr stark Laubholz nachgefragt.
            Ein Punkt warum der Holzmarkt gedreht hat.

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      • Karl Timme sagt

        Was hier ein querliegendes Schiff im Sues Kanal anrichten kann, zeigt uns gerade Fendt,die Autoindustrie und andere Bereiche unserer Wirtschaft.
        Die Logistik lebe hoch, just in Time spart Lagerraum.
        Alles knapp getaktet, KI machts möglich.
        Sollte mann ganz schnell auf die Energiewirtschaft übertragen, das Netz ist keine Batterie!

        +3
    • Mark sagt

      „Ich denke, der Abwärtstrend wird spätestens 2022 wieder einsetzen, so sicher wie das „Amen“ in der Kirche.“ So ist es. An hohen Nahrungsmittelpreisen hat niemand Interesse, selbst die Bauern reagieren mit Mehrproduktion, die die Preise wieder unter Druck setzen werden. Nach der internationalen Preishausse im Jahr 2007/8 wurde allein in Russland 1 Mio ha Ackerland (Grenzertragsböden) wieder unter Pflug genommen, deren Bewirtschaftung vorher unwirtschaftlich war (Bickert 2009). Steigende Preise lassen auch bei Politkern, egal welcher Couleur, die Alarmglocken läuten und sofort Gegenmassnahmen ergreifen. Sollte das Preisniveau tatsächlich für den Verbraucher spürbar steigen, werden z.B. Bioenergie etc. sofort zurückgefahren. Wie sich sowas auf das ganze Extensivierungsökotransformationsgedöns auswirkt wird spannend werden.

      +6
      • Reinhard Seevers sagt

        Alles hat immer zwei Seiten….jede Änderung bewirkt eine weitere Änderung. Das war immer so, das wird immer so bleiben.

        0
        • Paulus sagt

          Reinhard Seevers, jou so isset!
          Nur mal ein ganz kleines Beispiel: Aufgrund verminderten Absatzes (angeblich coronabedingt) kann z.B. eine größere Eisengießerei die CO2-Zertifikate kaum noch bezahlen; ohne diese drohten ihr aber kräftige Strafzahlungen. Ist doch klar, dass die ihre Produktion herunter fahren und in Wartestellung verharren. Die Lieferkette geht nun mal vom sehr teuer gewordenen Roheisen, über Gießereien und Motorenhersteller bis hin zu Fendt. Wenn dann noch Halbleiter fehlen, müssen die Bauern halt mal auf einen schicken neuen Trecker verzichten. Mit just in Time und selbst mit Logistik hat das alles herzlich wenig zu tun.
          Die Reedereien klagen über den Mangel an Containern, vergessen aber das es zu Zeiten in denen der Welthandel brummte mehr als genug davon gab. Millionen davon dürften vollgepackt auf irgendwelchen Betriebsgeländen herumstehen …

          +1
  8. oberländer sagt

    Pssst ,
    das muss doch bis zur Buntentagswahl im September
    unter dem Teppich bleiben.

    Das könnte doch zu Irritationen führen.

    Der geneigte Wähler könnte doch Lügen , äh , Antworten
    und Lösungen zu diesen Problemen fordern .

    Idiotologische Kartenhäuser könnten gefährdet werden .

    Diese Probleme müssen gutmenschisch klein geredet werden.

    Wür schaffen tass

    +8
    • Wolfgang sagt

      Und das wird bei Weitem nicht nur die „Wir schaffen das“-Fraktion tun. Eher wird der Druck auf die bösen Konventionellen noch erhöht. Und aus Kostengründen schwenken noch mehr Bio-Kunden auf Supermarktware um, die irgendwo produziert wird, nur nicht vor der Haustüre.

      +3
  9. fingerphilosoph sagt

    Immer noch denken wir gern in den alten Schablonen: Uns „Reichen“ in Europa wird bei einer Lebensmittelverknappung schon nichts passieren, stattdessen wird es die Armen in der Dritten Welt treffen. Diese Schablone passt jedoch nicht mehr auf die Realität.

    Europa ist auf dem absteigenden Ast. Und es geht so schnell abwärts, dass man nur noch staunen kann. Marktwirtschaft funktioniert nicht mehr. Die aufdämmernde Planwirtschaft allerdings auch nicht. Bei Madrid gibt es bereits einen Slum, der sich nicht groß von indischen Slums unterscheidet. Wir in Europa sind bei einer gravierenden Lebensmittelverknappung mitnichten auf der sicheren Seite, dies umso weniger, je mehr der klassischen Landwirtschaft das „Aus“ droht.

    +10
    • Paulus sagt

      fi-phil, mir scheint du bist ein Pharisäer erster Güte. Hier redest du der klassischen LW das Wort; gleichzeitig bekennst du diesen Bioschwindel zu kaufen. Das passt doch alles nicht so richtig zusammen.

      +1
      • fingerphilosoph sagt

        Ich richte meine Einkäufe doch nicht nach Bio oder Klassisch aus, sondern mache das an der Qualität des Angebots fest. Ich bin da völlig ideologiefrei, bedenken- und gewissenlos. In letzter Zeit lässt Bio hier auf dem Wochenmarkt deutlich an Qualität nach, entsprechend kaufe ich mehr klassisch. In der Vergangenheit war es auch schon mal umgekehrt. Was dagegen?

        +1
  10. Jochen Böhrer sagt

    Ein kleiner geschichtlicher Exkurs unter anderem in Sachen „Tortilla-Krise“:

    2005 schrieben die „Menschenrechtsorganisation“ FIAN und Misereor Folgendes: „Die Anzahl der Hungernden ist in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern auf den Höchststand von 852 Millionen angestiegen“. Was sie dabei verschwiegen: Aufgrund des Bevölkerungswachstums war im gleichen Zeitraum die Anzahl der SATTWERDENDEN wesentlich stärker gestiegen. Und anstatt die moderne Landwirtschaft für diese Leistung zu würdigen, gaben sie ihr indirekt eines auf den Deckel:

    „Lokale Märkte in Entwicklungsländern dürfen nicht mit unfairen Billigexporten der EU und USA überflutet werden“.

    Und man wurde demütig und kappte die Exportsubventionen und ließ die nahrungsmittel im Land verstromen, anstatt mit ihnen unfair die 3. Welt zu überfluten. Und man war foh und glücklich und betete noch ein Vaterrunser.. überzeugt, in den Himmel zu kommen, weil man auf Misereor gehört hatte.

    Und trotzdem landet man in der Hölle, denn 2007 schrieb Misereor:

    „In Mexiko kam es bereits Ende 2006 zu einer extremen Knappheit und Preissteigerungen beim Grundnahrungsmittel Mais, weil die USA ihren Mais zunehmend zu Treibstoff umwandeln und ihre Exporte nach Mexiko drosseln. Berechnungen haben gezeigt, dass für eine 95-Liter Tankfüllung eines US-amerikanischen Wagens mit reinem Ethanol ca. 200 kg Mais nötig sind – genug, um eine Person ein Jahr lang zu ernähren“.

    Gleichzeitig begann in Nordafrika der arabische Frühling, der mit Chaos, Terror und Elend bis heute nachwirkt. Eine der Hauptursachen war der teuer gewordene Weizen, der darüber hinaus von den nordafrikanischen Staaten mit Schutzzöllen künstlich noch mehr verteuert und für die Bevölkerung unbezahlbar wurde. Schuld waren nach Meinung der Spendenbettelorganisationen und Medien die Bauern in den westlichen Ländern, die den Hals nicht vollbekamen.

    In den folgenden Jahren sanken die Weizenpreise wieder kontinuierlich. Und die Hetze gegen die Bauern drehte in der Argumenation um 180 Grad. ZDF Zoom behauptete 2019 im Zusammenhang mit Weizenexporten:

    „Die Lieferungen machen einheimischen Produkten Konkurrenz und torpedieren Entwicklungshilfe“

    und stützte die Behauptung mit folgender Lüge:

    „Der Weizen aus teuren deutschen Anbauflächen kann nur deshalb so viel billiger angeboten werden, weil deutsche Bauern Subventionen aus Steuermitteln erhalte“.

    Keine Ahnung davon, dass die Ausgleichszahlungen von der Produktion abgekoppelt sind und sich die Produktion deshalb selber tragen muss. Und jetzt kann man Wetten drauf abschließen, wann die Argumentation wieder die 180-Grad Wende zu

    „Ist viel zu teuer für die armen Menschen“

    macht.

    Fazit:

    An allem sind die Bauern schuld!
    Die Bauern sind an allem schuld!
    Wieso, warum sind sie dran schuld?
    Kind, das verstehst du nicht, sie sind dran schuld.
    Und Sie mich auch! Sie sind dran schuld!
    Die Bauern sind, sie sind und sind dran schuld!
    Und glaubst du’s nicht, sind sie dran schuld,
    an allem, allem sind die Bauern schuld!
    Ach so!

    +12
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Bin erschüttert über deinen Betrag wo ich doch Misereor unterstützt habe, Wie Du vorgeschlagen hast, mit einem Cent. Mehr war nicht drinne, bin Rentner. 😉

      0
      • firedragon sagt

        Lass die Finger von dem Verein … der Guru ist in meinen Kreisen bekannt.

        0
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Als Verwendungszweck habe ich Bauernbashing geschrieben. Die Idee kam vom Jochen Böhrer.

          Der Spaß war mir einen Cent wert.😉

          +1
  11. Reinhard Seevers sagt

    „Bereits vor einigen Monaten hatte das Welternährungsprogramm vor einer toxischen Kombination aus Konflikt, Klimawandel und Covid-19 gewarnt, die Millionen Menschen in den Hunger treiben könne. Dominique Burgeon, FAO-Direktor für Nothilfe und Resilienz, äußerte sich „zutiefst besorgt über die zusammenwirkenden Folgen mehrerer Krisen, die die Fähigkeit der Menschen, Nahrungsmittel zu produzieren sowie ihren Zugang zu Nahrungsmitteln untergraben“.

    Die haben keine Ahnung…..WIR retten die Welt mit Hilfe unserer Agrarwende. Weniger ist mehr, weniger Agrochemie, weniger Fleisch, weniger Soja, weniger Menschen. Das Ziel ist erreicht! 🙋

    +5
  12. Arnold Krämer sagt

    Der Rohstoffanteil an den Lebensmittelpreisen liegt doch nur noch bei 20-25 %. Bei Fleisch und Eiern ist er noch am höchsten, beträgt aber auch deutlich weniger als 50 %. Der Handel wird sich auf die steigenden Rohstoffpreise aufschwingen und den Preisanstieg verstärken, seine Hände aber in Unschuld waschen und den Landwirten die Schuld zuschreiben. Die Welt- und Klimaverbesserer wird’s Klammheimlich freuen, denn weniger Fleischkonsum wird vor allem über steigende Preise und weniger über Appelle bewirkt. Nach außen hin werden sie die Konsequenzen für die armen Menschen in der Dritten Welt aber auch bei uns beklagen und höhere Hartz4- Sätze fordern.

    +6
  13. johannes sagt

    In China ist die Schweinehaltung nach ASP von Hinterhofhaltung auf „moderne“ Stallhaltung nach westlichem Muster umgestellt worden. Vor zwei Jahren waren die Bilder der neuen Schweinehochhäuser im Umlauf. Damit einher geht die Umstellung des Futters von Abfall auf Getreidegrundlage. Wenn man sich die Dimensionen verdeutlicht, wird einem klar, um was für Mengen es da geht. China hat etwa zehnmal soviel Schweine wie Deutschland.
    Für mich sind diese Zusammenhänge eine mögliche Ursache für den Anstieg der Getreidepreise. China hat selbst keine Anbauflächen, um die nötigen Mengen dort zu erzeugen.

    +3
    • Reinhard Seevers sagt

      Ist ein rein mathematisches Phänomen: Wenn der Wohlstand von 1,2 Milliarden Chinesen sich erhöht, erhöht sich der Konsum von allem……Der Zusammenhang ist auch beim Klimaschutz übertragbar. Diesen Zusammenhang will man bei uns aber nicht sehen, unsere Argumentation beruht auf der individuellen Schuld des Einzelnen vor dem Hintergrund der Sünde.
      Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein…….egal wie viel Schuldige auf der anderen Seite stehen, ich muss bei mir anfangen. Jepp, viel Spaß bei der Selbstzerstörung.

      +2

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