Die Agrarfakultät der Universität Göttingen und die DLG-Mitteilungen (das Fachorgan der DLG) hatten Anfang Juli zu einer Tagung unter dem Motto „Nachhaltige Anbausysteme der Zukunft“ nach Göttingen geladen. Namhafte Referenten wie der DLG-Präsident Hubertus Paetow sowie die Professoren Enno Bahrs (Uni Hohenheim) und Robert Finger (ETH Zürich) und weitere Redner (siehe nachstehenden Link)
https://events.gwdg.de/event/1137/contributions/
hatten Arnold Krämer neugierig gemacht, der nachfolgend einige seiner Eindrücke wiedergibt:
Transformation und Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Schlagworte der agrarpolitischen und teilweise auch der agrartechnischen Diskussion in Deutschland.
Verschiedene Bundesministerien (nicht nur das BMEL, jetzt BMLEH) haben u.a. deshalb der Uni Hohenheim (Prof. Bahrs), der Uni Göttingen (Prof. Spiller) und dem JKI Braunschweig (Dr. Kehlenbeck) Forschungsmittel bewilligt, sich Gedanken zu machen über „Nachhaltigere Landwirtschaft 4.0 – Ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz – NOcsPS 2.0“. Einbezogen sind auch eine Vielzahl von Akteuren in der Wertschöpfungskette Agrar und Ernährung.
Ein solches Anbausystem mit optimiertem Einsatz von Mineraldünger und ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel trägt nach Ansicht der Initiatoren/Beteiligten dazu bei
- die Ernährung mit gesunden Nahrungsmitteln sicherzustellen,
- die Biodiversität zu fördern,
- planetare Grenzen einzuhalten und natürliche Kreisläufe zu schützen,
- eine standortgerechtere und resilientere und damit nachhaltigere Biomasseproduktion und Landwirtschaft zu ermöglichen,
- die Implementierung von NOcsPS-Anbausystemen in der Praxis zu fördern und dazugehörige Produkte marktreif zu gestalten.
Der DLG-Präsident Hubertus Paetow zeigte sich skeptisch hinsichtlich eines (zusätzlichen) Anbausystems. Er meinte, dass die politische Agenda (EU, Bund) nicht (mehr) für eine ambitionierte Transformation der Landwirtschaft spreche. Sein Verband betrachtet die Treibhausgasimmissionen und Biodiversitätsverluste zwar nach wie vor als problematisch, spricht sich aber für eine „nachhaltige Produktivitätssteigerung“ der Agrarerzeugung aus.
Die Vorträge von Prof. Bahrs (Hohenheim) und von Prof. Finger (ETH Zürich) machten unmissverständlich deutlich, dass zwischen (politischen/gesellschaftlichem) Wunsch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft, die schwer zu schließen ist. Konventioneller Anbau und Bio-Landwirtschaft liegen in ihren jeweils auch unterschiedlichen Ausprägungen weit voneinander entfernt. Nur eine Vielzahl von technischen (z.B. Roboter), agrarökologischen (z.B. Sorten, Fruchtfolgen) Maßnahmen und die moderate Nutzung von Mineraldünger kann dazu führen, dass ein „Mittelweg“ beschritten wird. Nicht zu unterschätzen sind auch die notwendige Bildungs- und Beratungsarbeit.
Das grundlegende Problem ist (und bleibt m.E.) aber die fehlende Zugwirkung in der Kette. Mit Zertifizierung und „bescheidener“ Marktabgrenzung kann man Landwirte kaum dazu bewegen, Pflanzenproduktion wesentlich anders als bisher zu betreiben, auch wenn es im Kleinen Ansätze und Projekte (z.B. das Anbausystem IP Suisse) gibt, gerade dieses zu bewirken. Schon jetzt geht der (oft bescheidene) Mehrwert aller bereits installierten Labelprogramme weniger an die Landwirte als vielmehr an die Zertifizierer und die sonstigen „Mitesser“ in der Wertschöpfungskette.
Einige Vorträge in der Veranstaltung wurden fast ausschließlich für Eigenwerbung und Selbstdarstellung (z. B. Vertreter von Aldi, Food Watch, Bioland) genutzt und brachten wenig bis keinen Erkenntnisgewinn.
Mein Fazit:
- Im Wissenschaftsbetrieb werden die Themen „abgearbeitet“, die in den 2010er Jahren dringlich und wichtig – komprimiert und umfassend dargestellt in den Zielen des Europäischen Green Deal – erschienen. Mittlerweile sind manche Grundlagen dafür entfallen. Es hat eine Energiekrise, die Coronakrise, den Krieg in der Ukraine und Veränderungen in den meisten europäischen Parlamenten gegeben.
- Die Hoffnungen auf eine Transformation landwirtschaftlicher Erzeugung richten sich an den Verbraucher bzw. den LEH. Dabei wird allerdings oft übersehen, dass wesentliche Teile der Nahrungsmittel über die Außer-Haus-Verpflegung (Großküchen, Restaurants etc.) konsumiert werden.
- Die alte Erkenntnis bleibt: Eine Kette entfaltet nur Wirkung, wenn an ihr gezogen wird. Dieser Gedanke scheint manchen Transformations-Akteuren wenig vertraut zu sein.
Wer allerdings mehr wissen und erfahren will, findet hier die wichtigsten Vorträge der Veranstaltung:
https://owncloud.gwdg.de/index.php/s/IZolD8BHj41qaHu


Wenn die Nachhaltigkeit nicht weltweit vorangetrieben wird, sondern nur in Europa, dann sind wir mit der Landwirtschaft in Europa raus.Wenn die Nachhaltigkeit weltweit vorangetrieben wird, sind wir Menschen raus.Ist nur meine Meinung.
„Wenn die Nachhaltigkeit nicht weltweit vorangetrieben wird, sondern nur in Europa,…“ Nachhaligkeit was ist das?
Die Crux ist das weltweite Verständnis von Nachhaltigkeit ist divers und wird ständig neu definiert. Es deckt sich wohl häufig nicht mit dem europäischen bzw einem noch spezielleren deutschen Verständnis von Nachhaltigkeit. Mit anderen Worten es gibt keine definierte einheitliche Nachhaltigkeit weltweit sondern jeder produziert wie es ihm passt. Das vielfältige Angebot „nachhaltiger Produkte“ wird mit diversen Siegeln versehen und jeder wählt sich das für ihn genehme. Das ist die Realität und wird sich nicht ändern. Keine leichte Situation für ldw Produzenten die in langen Zeiträumen denken und investieren (Bsp Fruchtfolge, Einsatz Betriebsmittel, Maschinen, Gebäude…).
Nachhaltigkeit ist nur eine leere dumme Worthülse. Was ist hier passiert ist die bewußte nachhaltige Schädigung des Systems einer menschlichen Zivilisation durch Rüstung, Krieg und völlig falsche Prioritäten. Mir braucht niemand damit zu kommen im Zusammenhang mit der Erzeugung von Lebensmittelrohstoffen und Ernährung, solange diese Hausaufgaben nicht gemacht sind. In Deutschland ist man nicht in der Lage einen Waldbrand zu löschen…up`si, da ist ja Munition im Boden…Wir finanzieren die Verlängerung eines Krieges, welcher hofffentlich nicht auf unser Staatsgebiet überschwappt. Irgendwie ist aber alles im Tiefschlaf. Ich hätte bitte gerne den aktuellen CO2-Abruck vom Brand in der Gohrischheide und von der durch die EU gelieferten und eingesetzten Waffen und Munition; soviel kann zivil in mehreren der nächsten Generationen weder ausgstoßen noch eingespart werden. Also was soll der Sch. ??? Hier mal eine besonders „tolle“ Seite zum Thema: https://www.nachhaltigkeit.info
…und da war die letzte Aktualisierung 2015; allein der Aufwand für solche Machwerke dürfte wenig nachhaltig sein.🤮
Peter, dein Kommentar sagt alles. Liest hier niemand mehr mit oder wo sind die fehlenden 50 Likes?
so ist es und unsere Landwirtschaft ist nur ein kleiner Teil der weltweiten Landwirtschaft!
Aber davon eine Ökonische
Das darf msn nicht vergessen, auch die Polituker nicht.
Das ist ja alles ganz toll mit den nachhaltigen Anbausystemen. Mag ja auf einigen Standorten auch klappen , aber wenn man das im Allgemeinen bis auf die Vollkosten runterrechnet , dann kommt da überall eine negative Lage bei heraus. Auch das nieders. Statistikamt hat die Vollkosten im Getreideanbau auf 22 – 24 Euro/dt errechnet , aber wer hat das schon in den letzten Jahren beim Getreide erreicht ? Die Getreidepreise lagen in der Ernte doch im Bereich von 13 – 20 Euro/dt. Das Ergebnis kann man doch beim Invetitionsverhalten und der Kurzarbeit bei der Landmaschinenindustrie erkennen und bestätigt sehen.
Die Bauern brauchen mehr Subventionen, damit sie mehr in Landmaschinen investieren können.
Denn dann wird in dem Bereich mehr investiert und die Kurzarbeit dort wird verhindert.
Das sind einfach nur Wohlstandsprobleme gepaart mit gaaaaanz viel Ideologie. So wie fast alles was die Politik anpackt. Man kann es einfach nicht mehr hören.
Im Weinbau gibt es das Pheromon Verwirrungsverfahren
gegen Insektenfrass durch Traubenwickler.
Das ist modernste High Tech Chemie.
Absolut künstlich mit voller Bio Zulassung.
Das Verfahren ist nunmal völlig nebenwirkungsfrei.
Für 2 verschiedene Subtypen des Traubenwicklers
werden zwei verschiedene Pheromon Wirkstoffe benötigt.
Spezifischer geht nicht mehr.
Es wird also mit Sicherheit keine andere Art geschädigt,
nur der Schädling wird nahezu 100%ig getroffen,
ohne Giftwirkung, denn das Verfahren ist eher eine Geburtenkontrolle.
Das verwenden Bio und konventionelle Winzer dann gemeinsam.
Dahin müsste der ganze Pflanzenschutz kommen.
Die Pheromon Methode für den Weinbau
war halt zufällig schon entwickelt,
bevor der ideologisch verirrte Umweltschutz zuschlagen konnte.
Heute müssen Chemie Firmen alle Mühe darauf richten
längst veraltete Produkte noch ein paar Jahre im Markt zu halten,
weil die Angst vor dem Pikogramm nicht mehr zu bändigen ist.
Keiner investiert unter solchen Bedingungen noch in Weiterentwicklung.
Mit weniger Hürden,
wäre der Pflanzenschutz schon viel nachhaltiger.
Unlogischer Umweltschutz verhindert die Lösung.
wenn ich die Informationen im BASF Beitrag richtig interpretiere haben wir in absehbarer Zeit eh ein NOcsPS Anbaussystem (Nachhaltige Landwirtschaft Ohne chemisch synthetischen PflanzenSchutz aber mit Mineraldünger) da die vorhandenen Wirkstoffe/Wirkmechanismen kontinuierlich verschwinden und in der EU keine neuen folgen.
Lt BASF gibt es Stand 2025 noch 77 Wirkmechanismen, 216 Wirkstoffe. 97 Wirkstoffe wurden seit 2020 nicht wiedergenehmigt und seit 2020 ist kein neuer in EU (UK 4) hinzu gekommen. Geht es in dem Tempo weiter kann sich jeder ausrechnen wie schnell wir das NOcsPS Anbaussystem erreicht haben werden.
Ob dann Landwirtschaft mit Produkten aus der Alchemisten Küche betrieben werden kann bleibt offen.
Ergänzend noch: Ich bin (auch bei der Bebilderung der Vorträge) erstaunt, wie wenig die Feldhygiene und Unkrautbekämpfung eine Rolle spielen. Ich halte die Erzählung von „mehr Resilienz durch mehr Biodiversität“ innerhalb der Kulturflächen für nicht nachvollziehbar.
Das permanente Vorhandensein von vielen verschiedenen „Unkräutern und Ungräsern“ schafft lediglich Übertragungsbrücken für Krankheiten und Schädlinge aller Art und setzt damit den Grundgedanken der Fruchtfolge eigentlich außer Kraft.
Wir haben hier gerade einen Versuch auf 1 ha am laufen.
Erbsen/Hafergemenge auf 18 er Boden.
Da ist ordentlich Biodiversität von unten durchgewachsen, so das wir das als Zwischenfrucht durchlaufen lassen. Mit dem Drescher fahr ich da nicht rein.
Vielleicht muss da ein Schild am Feldrand ,
So sieht es beim Bioanbau jedes Jahr aus . Mahlzeit.
@Rathje Clasen
Vielleicht sollten wir unseren Mitmenschen einmal klar machen, dass es das Ziel eines jeden Landwirten (auch Bio!) ist, auf seinem Acker möglichst wenig Biodiversität zu haben. Das Unkraut muss weg! Vor 12.000 Jahren zwischen Euphrat und Tigris hat man das von Hand rausgezogen (und ich habe das mit der Melde in den Rüben vor zwei Wochen auch so gemacht)
Wie sagte mein Doktorvater: „Landwirtschaft ist der ständige Kampf des Menschen gegen die Natur“. Klingt nicht schön, ist aber so.
Ja man gewinnt nicht jeden Kampf
Das mal vor vielen Jahren an der Uni gelernt: die Biodiversität eines Agrarökosystems entscheidet sich nicht auf der Nutzfläche sondern daneben.
Ja,
das muß Ottonormalverbraucher verstehen.
Und dass er immer seine Dummheit präsentiert, wenn er in diesem facettenreichen Thema mitredenoder gar bescheidwissen möchte.
„Nur eine Vielzahl von technischen (z.B. Roboter) agrarökologischen (z.B. Sorten, Fruchtfolgen) Maßnahmen und die moderate Nutzung von Mineraldünger kann dazu führen, dass ein Mittelweg beschritten wird.“
Ein „Mittelweg“ ist aber von den Bio-Verbänden nicht gewollt, weil er ja die Marktabgrenzung torpediert. Dem LEH ist es ziemlich wurscht unter WELCHER Erzählung sich die Ware am besten verkauft. Die folgen dem jeweilig medial transportierten Trends und Erzählungen. Wenn die Erzählung ist, dass der „Mittelweg“ der bessere und nachhaltigere Weg ist, werden sie dieser Erzählung folgen, zumal wenn die Einkaufspreise für „Mittelweg“ niedriger sind als für Bio.
Von der Bio-Seite wird dann die Karte „Vergiftung“ stärker gezogen, was wir ja aktuell schon beobachten können. Die Erzählung von der „besseren Biodiversität“ bei Bio zerlegt sich gerade, deshalb ist der Pflanzenschutzrückstand zum Hauptthema geworden. Ist nur dumm, dass Bio auch spritzen muss , chemisch oft mit den selben Wirkstoffen … halt nur aus Pflanzen gewonnen.
Ich denke, dass diese Entwicklung zu einem „Mittelweg“ objektiv längst stattfindet und eher für Bio ein Problem wird, denn für moderne Landwirtschaft.
Die kleineren Strukturen werden schon deshalb verschwinden, weil auch in der Direktvermarktung längst akzeptierbare Preisschwellen übertreten sind und das System (DV) im Rückmarsch ist. Sieger ist zum Schluss immer der, der in der Lage ist möglichst viele Kunden an seinen „Point of Sale“ zu holen. Das sind in dem Falle eindeutig die Großen des LEH. Also: Nischen und Bio und Wochenmärkte werden weiter schrumpfen … der Trend bleibt … die Kleinen gehen, die Großen übernehmen.
Ich war am vergangenen Wochenende in Waren an der Müritz. Auf dem „Frischemarkt“ war ein polnischer Obst- und Gemüsestand mit Großmarktware, die sich nicht von der in Supermärkten unterscheidet. Der einzige Stand mit Selbsterzeugtem bot Marmeladen und Säfte an … zu Preisen, die selbst ich nicht zahlen würde.
@T.Bröcker
Schauen Sie sich unter den Links einmal den Vortrag des BASF-Mitarbeiters an. Sind nur 8 Folien. Da sieht es so aus, als hätte die BASF die regenerative Landwirtschaft erfunden. Der Vortrag des NESTLE-Mitarbeiter ist noch doller. Auch nur 6 Folien.
Ich weiß bis heute noch nicht, was genau „regenerative Landwirtschaft“ ist, behaupte aber mal frech, dass ich seit 40 Jahren eine solche betreibe. Soll mir doch einer das Gegenteil beweisen.
Ich habe mir die Vorträge reingezogen und sehe genau das selbe Problem: Nestle, BASF und Co. schmücken sich schon mal schnell mit Federn, die noch gar nicht gewachsen sind und schon gar nicht auf deren Haut. Probleme habe ich sowieso mit der Abgrenzung von „chemisch-synthetisch“ und nicht chemisch synthetisch. Zumal die Stoffe aus der Natur, die für Weiterentwicklung „natürlicher PSM“ gefunden werden in der Regel einen Ticken zu giftig für eine Zulassung sind. Um die „Alternative“ RNA-basierte PSM ist es ja auch sehr ruhig geworden … ist bei genauer Betrachtung wohl doch zu viel Missbrauchsrisiko.
Interessant auch, wie sich die Kontrolleure, Zertifizierer und sonstigen „Begleitmitesser“ schon in Stellung bringen.
@ Bröcker, Sie haben CRISPER als Züchtungsmethode vergessen.
Den letzten Satz, bitte näher Erläutern.
Säfte im Halbliterbereich zwischen 3,80 bis 6,00 €, Marmeladen im 190 – 220 g Glas zwischen 4,00 und 6,00 €. Ich habe etwas Saft gekauft und probiert … nicht mal die Qualität war überzeugend.
Schwellenpreise sind m.E. 2,80 € bei Apfel, 3,50 € bei Birne (essreif), 3,50 € je Schale Erdbeeren, 8,00 €/kg Süßkirschen. Nicht das diese Preise gar nicht gezahlt würden … nur geht die abgesetzte Menge zurück. Da rechnen sich dann nur noch „A-Plätze“ mit genügend zahlendem Publikum (Stadtnähe mit guter Verkehrsanbindung).
So zu mindestens meine Erfahrung (Berliner Raum).
Thomas, vielen Dank. Schon vor einigen Jahren habe ich darauf hingewiesen, dass es für die DV merklich enger wird. Die Preise im LEH und auch die Präsentation der LM sind darauf ausgerichtet, die Konkurrenz (hier bäuerliche Erzeugung) zurückzudrängen. Dazu passen die „aggressiv weltenretterischen Erzählungen“ und auch die massiv steigenden Produktanforderungen des LEH. Es läuft eine durch den Handel mitproduzierte, massive Marktbereinigung. Sollte dies von der Politik sogar gutgeheißen werden? Ich denke ja, denn die Fakten sind von den Berufsverbänden mehrfach adressiert worden. Das Problem sind Erzählungen, die komplett an der Realität vorbeigehen. Thomas hat es gut auf den Punkt gebracht. Dazu kommen die Ansprüche der Nutznießer der Transformationen. Denn Transformation heißt auch Umbau der bestehenden Wirtschaft, was die Geldflüsse massiv verändert und diese in andere Taschen lenkt. Eins wird bei den vielen „Wandeln“ immer vergessen: Wird es kompliziert, fehlen die Fachleute – wie auch immer man diese definiert. Geht es um Umbau und Neuaufbau fehlen die Malocher. Nur ein Beispiel hierzu: die Installation der Glasfasernetze in unserer Region dauert sehr viel länger, als geplant, weil die europaweiten Ausschreibungen an Firmen fielen, die nur Schaden und Chaos hinterlassen haben. Hiesige Firmen, die technisch und menschlich dazu in der Lage gewesen wären, guckten in die Röhre und hatten keine Möglichkeit, Schlagkraft für das jetzt beschlossene Infrastrukturprojekt aufzubauen. Es fehlen in allen Bereichen die notwendigen Handwerker – sie wurden im Vorfeld vergrault. Transformationen können am grünen Tisch tausendmal als sinnvoll erachtet werden. Wenn Infrastruktur und Menpower fehlen wird das nix. Die Professoren müssen diesen Weg schon mit denjenigen gehen, die ihn umsetzen sollen. Dies wird bei der „Intelligenz“ komplett übersehen. Ist es Arroganz, Anmaßung oder einfach Unwissen?
Oder das Fehlen von praktischer Erfahrung in den Denkfabriken?
Ich habe letzte Woche 2,50€ für Marmelade geeignete Aprikosen gekauft, 5kg, unseren Trauben Direktsaft 0,75L Verkauf Ich ab Hof für 3€ die Fl. Rot und Weiß. Ist das zuviel?
@Thomas Bröcker
wie „Transformation“ unter der Regie der Lebensmittelhandelskonzerne funktioniert, wird derzeit auch in den Reihen der „Agrarwendebefürworter“ kritisch diskutiert. (z.B. in der „Bauernstimme“ der AbL).
Auf der Grundlage der in den vergangenen Jahren geschaffenen Imagewerte werden Biolebensmittel gehandelt, wenn sie in ausreichenden Mengen und günstigen Preisen zur Verfügung stehen. Ob und wie lange dieser Trend anhält, wird sich zeigen.
Auch Biolieferanten werden nach Marktlage ein- und ausgelistet.
Das geht im Wachstumsmodus zulasten der bisherigen konventionellen Lieferanten und Liefergemeinschaften. die sich verständlicherweise über die Wirksamkeit der „Bioerzählungen“ beklagen.
Wenn sie unter dem Einfluß der Abnehmer groß genug geworden sind, liefern sie ideologiefrei bio und konventionell.
Ebenso leiden die Direktvermarktung und die regionalen Vermarktungssysteme des BioFachhandels.
Die Revitalisierung des ursprünglichen Ideals einer handwerklich und regional profilierten Biolebensmittelwirtschaft hat nach den eigenen unternehmerischen Erfahrungen durchaus eine Chance als „Nische in der Nische“ .
Ob sie im Sinne der „Graswurzelbewegung“ der Achtziger Jahre in den nächsten Jahren als Reaktion auf die Kaperung und Konventionalisierung des Biomarktes durch die Lebensmittelkonzerne entsteht, wird sich zeigen.
Entscheidend dafür wird auch sein, wie sich die Meinungsbildung bei den Umwelt- und Verbraucherverbänden sowie bei den Oppositionsparteien weiterentwickelt.
„wenn sie unter dem Einfluss der Abnehmer groß genug geworden sind, liefern sie ideologiefrei bio- und konventionell.“
Das ist an sich richtig, ich kenne einige solche Betriebe, die beide Produktionsrichtungen bedienen, mit den Inhabern kann man sich auch ideologiefrei unterhalten. Von der in den letzten Jahrzehnten aufgebauten Marktabgrenzungsstrategie der Medien und der Bio-Landwirtschaft profitieren sie trotzdem. Nur sind sie gleichzeitig auch der Sargnagel für Wachstum in der Nischenecke der kleinen Bio´s und des Bio-Fachhandels. Der wirksamste Faktor auf die Preisbildung ist hierbei die Einsparung von Handarbeit durch an teure Präzisions-Maschinen anpassbare Flächengrößen und Absatzmengen. Das sind einfach Trend´s, die objektiv da sind. Trotzdem gibt es ja Betriebe, die auch in der Nische und der DV noch sichere Existenzen haben und auch aufbauen. Das ändert m.E. aber nichts an den Trends.
Das ist wie mit dem Einfluß von Individualentscheidungen einzelner Herrscher auf den Lauf der Geschichte. Die Entwicklungen beruhen auf ökonomischen Gesetzen, die durch solche Entscheidungen beschleunigt oder ausgebremst werden. Die direkten Wirkungen sind immer temporär. Auch das Höfesterben geht mal langsamer und mal schneller, aber die über 200.000 aufgebenden Betriebsleiter der letzten 30 Jahre waren nicht zu dämlich, sondern im Wesentlichen zu klein.
Ich kenne auch einige Betriebsleiter, die ganz „schmerzfrei“ Bio- und Konviware (in steuerlich getrennten Einheiten) produzieren. Das funktioniert am besten offensichtlich da, wo auch in der Bioschiene vollkostendeckend gearbeitet werden kann. Beispielhaft nenne ich hier den Geflügelsektor.
Vollkommen „schmerzfrei“ geht das in den Systemen des LEH auch, wenn man in die Unternehmensstrukturen die Kostenvorteile der Billiglohnländer einbezieht; d.h. nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien, Marokko, Südosteuropa und vielleicht auch in der Ukraine produziert.
Möglicherweise auch noch mit den Logos der etablierten Bioverbände.
Einige KundInnen wird das stören, wenn es bekannt wird.
Vielen ist es egal.
Und wenn sich das Marktgeschehen ohne politisch gesetzte Leitplanken weiterentwickelt, werden sich auch vermeintlich größere und leistungsfähigere Betriebe noch darüber wundern, welcher Strukturwandel technologisch und organisatorisch noch möglich wird.
Sehe ich genauso … nur wo ist der Ausweg ?
Ein wichtiger Ausweg nicht nur für den Agrarsektor ist der konsequente Verzicht auf nationale Sonderregelungen über EU-Standards hinaus. Die vielen Alleingänge hat es vor 40 oder 50 Jahren ja nicht gegeben. Der Wettbewerb innerhalb der EU war akzeptabel und auch zu bestehen.
Der Rest muss über angemessene nicht-tarifäre Handelshemmnisse erfolgen. Wenn das nicht passiert, ist in zwanzig Jahren in D nicht nur die Agrarproduktion unbedeutend. Die Industrieproduktion wird ihre nationale Bedeutung sowieso verlieren, weil ……. Die vielen Gründe hier aufzuführen, würde zu weit führen. Nur 3 Stichworte: Demographie, Bildung, Energie,
Ja, aber die Musik wird in den LEH-Ketten gespielt und diese bestimmen die Musikrichtung. Das ist unser größtes Problem. Wird HeavyMetal gefordert und Schlager geliefert wird das nix. Übersetzt: die Vorgaben des LEH haben ein Niveau erreicht, das auch in Zukunft deutlich über dem gesetzlichen liegen wird. Das gilt selbstverständlich nur für deutsche Lieferanten – fehlt Ware oder der EK (Preis) ist einfach zu verlockend, spielen die Anforderungen nur auf gesetzlichen Niveau eine Rolle.