Alois, Tilman
Kommentare 94

In der Sackgasse…?

Ein Gastartikel von Tilman Ziegler, der sicherlich in landwirtschaftlichen Kreisen (und nicht nur da) für Diskussionsstoff sorgen wird. Eine etwas andere Sicht der Dinge, die wir aber gerne zur Diskussion stellen wollen. Schließlich ist der Kopf ja so konzipiert, dass man auch mal die
Blickrichtung wechseln kann…

Warum noch Bauernverbände? Für Freiheit und Selbstverantwortung!

Was ist eigentlich Sinn und Aufgabe von Bauernverband oder BDM? Ist doch klar, sie sollen die Interessen der Bauern und Milcherzeuger vertreten, gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Sie sind der Ansprechpartner der Politik bei Gesetzesvorhaben und versuchen ihrerseits der Politik Geld und Zugeständnisse abzupressen. Aber liegt das im Interesse ihrer Mitglieder?

Enttäuschung ist vorprogrammiert.

Für Außenstehende sieht das nach Lobbyismus aus, das mag man nicht. Und für Landwirte besteht die Versuchung, mit der Vertretung ihrer Interessen auch unternehmerische Verantwortung an die Verbände abzutreten.
Eigentlich muss jeder Unternehmer selbst entscheiden, was er in welcher Qualität für welchen Markt produzieren will. Das ist unternehmerische Kernkompetenz, aus der sich ganz unterschiedliche Interessen ergeben.

Unternehmerische Kompetenzen dürfen nicht an Verbände oder Verarbeiter delegiert werden.

Für Interessenverbände und ihre Funktionäre ist es sehr schwierig, unternehmerische Einzelinteressen unter einen Hut zu bekommen. Gemeinsame Forderungen an Dritte, zumeist an den Staat, schweißen die Mitglieder am besten zusammen. Aber so entstehen oft unrealistische Vorstellungen, die nicht durchgesetzt werden können, von der Außenwelt zu Recht als Partikularinteressen wahrgenommen werden, das Ansehen der Milcherzeuger schmälern und zuletzt zu Enttäuschung und Frustration führen müssen.

Die Bauernverbände haben sich in die Sackgasse manövriert.

Seit Jahrzehnten geht das schon so: Die Verbände stellen Forderungen, damit die Politik den Geldhahn aufdreht. Besonders gut funktioniert das in Wahljahren. Aber im Gegenzug beansprucht der Staat natürlich das Recht, Landwirtschaft und Tierhaltung “im Interesse der Allgemeinheit” zu regulieren. Was im Interesse der Allgemeinheit liegt, entscheiden letzten Endes die Wähler, die zu über 80 % in Städten leben und von Landwirtschaft keine Ahnung haben.

Es erscheint uns inzwischen selbstverständlich, dass Staat oder EU immer neue Vorschriften oder Richtlinien zur Tierhaltung herausgeben. Gibt es denn in der Milchviehhaltung überhaupt weiteren Regelungsbedarf? Kuhkomfort, tiergerechte Haltung und natürliches Futter von eigenen Flächen liegen im wirtschaftlichen Interesse jedes Milchbauern, manche wissen es nur noch nicht.

Statt staatliche Reglementierung grundsätzlich abzulehnen, fordern die Verbände lieber schon einmal vorsorglich finanziellen Ausgleich für verschärfte Richtlinien zur Tierhaltung. Schade! So führt der Weg immer tiefer in die Abhängigkeit vom Staat.

Der “Erfolg” der Verbandsvertreter wurde zu lange daran gemessen, welche finanziellen Leistungen sie für ihre Mitglieder herausholen konnten.

Die Verbände könnten der Politik ja auch sagen: Ihr braucht das nicht zu regeln, wir machen das selbst:

Warum einigen sich die Bauernverbände nicht selbst auf Qualitätsstandards für die Tierhaltung und nehmen ihre Mitglieder in die Pflicht? Je strenger die Qualitätsstandards, desto knapper und kostbarer wird die Milch. Wer nicht mitmachen will, mag irgendwann auf seiner Billigmilch sitzenbleiben.

Milchbauern könnten ihre Angelegenheiten selber regeln, viel besser als Staat oder EU das können.

Eigentlich sollten die Verbände die Bauern aus der Abhängigkeit vom Staat befreien …

… und sich anschließend auflösen!

Wer von anderen etwas will, sollte ein Angebot machen.
Am besten ein Angebot, das die anderen nicht ausschlagen können.

Wenn die anderen glauben, dass Tierhalter Tiere quälen und zu sehr subventioniert werden, dann könnte die Lösung heißen:

Steuerzahler und EU brauchen nicht zu zahlen und zu regeln, sie sollten aber Binnenmarkt und Eigentum schützen.

Sie sollten Freiheit und Eigenverantwortung durch wirksame Zollschranken schützen, damit Märkte ihr Gleichgewicht finden können. Ausgleichszahlungen und Umverteilung wären dann gar nicht nötig. Mit der Deckung des eigenen Proteinbedarfs aus eigenen Flächen hätte die europäische Landwirtschaft gut zu tun. Für eine nachhaltigere Lebensweise wäre damit mehr erreicht als mit Agrarexporten oder veganen Lebensmitteln aus Übersee.

Dieser Artikel erschien im Original auf http://liegeboxen.de/warum-noch-bauernverbaende/

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94 Kommentare

  1. Alois Wohlfahrt sagt

    Die Bauernverbände sind sicher nicht überflüssig und werden sich auch nicht auflösen. Vor allem auf regionaler Ebene wurde und wird auch gute Dienstleistung für die Mitglieder gemacht. Jedenfalls ist das in Bayern so.
    Dennoch ist diese Kritik an den Verbänden notwendig:
    >Der “Erfolg” der Verbandsvertreter wurde zu lange daran gemessen, welche finanziellen Leistungen sie für ihre Mitglieder herausholen konnten.

    Diese Form des Lobbyismus hat lange Zeit gut funktioniert. Die BV Funktionäre sind ja nicht selten auch politisch engagiert und die sog. Förderungen binden ganz vortrefflich die Wähler. Der Pferdefuß aber ist die hohe passive Erwartungshaltung an die Politik, die ein maßgeblicher Teil des „Gordischen Knotens“ ist.

    Es wäre an der Zeit, dass die B-Verbände sich als richtige Unternehmer-Verbände entwickeln. Bei den unzähligen IHK’s und Handwerksinnungen könnten die B-Verbände viel lernen. Diese machen auch politische Lobby-Arbeit, doch fordern sie von ihren Mitgliedern sehr viel Eigenverantwortung ein. Und sie kümmern sich selbst um ihre „eigenen, schwarzen Schafe“. Schließlich kommt noch dazu, dass der Vertrieb ihrer Produkte das absolute Hauptanliegen ist, das zwangsläufig dazu führt, dass sich diese Unternehmer-Verbände um Marktstrategien und Marketing intensiv kümmern.

    Letzteres sucht man bei den landwirtschaftlichen Verbänden leider vergebens.

    4+
    • Christian Krupp sagt

      @Alois: Bioland macht letzteres meiner Meinung nach vorzüglich! Und ist auch ein „Bauernverband“
      Viele Grüße Biobauer Christian

      1+
      • Alois Wohlfahrt sagt

        Stimmt: Die Bioverbände kümmern sich von Anfang an um die Vermarktung der Produkte ihrer Mitglieder. Und damit nehmen die Produzenten automatisch die Kundenwünsche wahr. Eine Symbiose zwischen Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter entsteht.

        2+
  2. BerndK sagt

    So ganz genau weiß Herr Ziegler nicht was er will. Hier zwei Zitate aus dem Artikel, die sich doch eigentlich widersprechen:

    „Warum einigen sich die Bauernverbände nicht selbst auf Qualitätsstandards für die Tierhaltung und nehmen ihre Mitglieder in die Pflicht? Je strenger die Qualitätsstandards, desto knapper und kostbarer wird die Milch. Wer nicht mitmachen will, mag irgendwann auf seiner Billigmilch sitzenbleiben.“

    „Eigentlich muss jeder Unternehmer selbst entscheiden, was er in welcher Qualität für welchen Markt produzieren will. Das ist unternehmerische Kernkompetenz, aus der sich ganz unterschiedliche Interessen ergeben.“

    Hier zeigt sich doch sein(das) Dilemma. Einerseits sollen nach seiner Meinung die Landwirte als Unternehmer wirtschaften und andererseits sollen die Verbände als „Gewerkschaften“ die Interessen der Landwirte gegenüber dem Staat und der weiterverarbeitenden Industrie vertreten und zur Not auch mal „Streiks“ organisieren.
    Da bringen seine Vorschläge keinen neuen oder auch nur überlegenswerten Ansatz.
    Zum Beispiel geht sein Vorschlag, durch „wirksame Zollschranken“ die Märkte ins „Gleichgewicht“ zu bringen vollkommen an der Realität vorbei. Wo will er denn die Zollhäuschen aufbauen? Innerhalb der EU Zwischen den neuen und den alten Bundesländern? Der gute Unternehmer ist doch immer für Konkurrenz und eine Volks(Land)wirtschaft die sich abschottet wird früher oder später den Berg runtergehen.

    1+
    • lieber H,

      ich habe lange in Oberbayern gelebt, die dortigen Verhältnisse sind mir ganz gut bekannt.
      Bodenbeläge für Laufställe sind nur ein Teil meiner früheren Tätigkeit. Mich würde ja interessieren, wieso Sie die Grenzen meines Horizontes einzuschätzen zu können meinen?
      Die Seite liegeboxen.de wendet sich im übrigen an Milchviehhalter, ich erhebe nicht den Anspruch, Experte für alle landwirtschaftlichen Themen zu sein. Für sachliche Hinweise und Anregungen bin ich immer sehr dankbar, weil mir die Zukunft der Landwirtschaft am Herzen liegt.

      1+
    • Lieber Bernd K,

      Zollgrenzen gibt es nach wie vor an den Außengrenzen der EU, falls das nicht bekannt sein sollte. Ihren Proteinbedarf importieren die Länder der EU zu einem großen Teil von außerhalb der EU. Die Entwicklung des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes war der Kern der europäischen Einigung. Erklären Sie doch einmal, warum wir mit Tierfutter aus Südamerika mehr Milch und Fleisch erzeugen müssen, als wir in Europa selbst verbrauchen können? Schwellenländer mit steigendem Bedarf investieren in ihre Selbstversorgung, wer soll denn unsere Überschüsse abnehmen?

      Mit Abschottung hat das nichts zu tun, Deutschland und andere Länder Europas haben die Welt auch schon mit Hightech und Qualität beliefert, als es noch wirksame Zollgrenzen gab und niemand von Weltmarkt und Globalisierung sprach.
      Vielleicht geht die Wirtschaft eines Tages den Bach runter, weil die anderen nicht mehr zahlen können?
      Im übrigen bin ich nicht der Meinung, dass die Verbände Gewerkschaften sein und Streiks organisieren können sollten. Wie Sie das meinem Artikel entnehmen konnten, ist mir rätselhaft. Es ist immer schade, wenn konkrete Vorschläge und Anregungen mit solch pauschalen Behauptungen gekontert werden. Sind Sie vielleicht Politiker?

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      • BerndK sagt

        Lieber Herr Ziegler,

        ich habe nicht von der Außengrenze der EU geschrieben. Es ist mir also bekannt, daß es Zollgrenzen gibt.

        Warm mit Tierfutter aus Südamerika in der EU Milch und Fleisch erzeugt wird? Weil es sich scheinbar für beide Seiten lohnt!

        Ich bleib bei der Meinung, dass offener Handel den Wohlstand Aller steigert.

        Gewerkschaften habe ich in „“ gesetzt. Aber die Unzufriedenheit mit den Verbänden kommt auch daher, dass sie nicht wie NGOs effekthascherich arbeiten.

        Politiker bin ich nicht–wäre zu schön 😉

        1+
        • Sie beschreiben das Grundproblem unserer Wirtschaftsweise: auch Raubbau lohnt sich, solange die Förderung weniger Ressourcen und Energie verschlingt, als dabei gewonnen werden. Die Gegenwart konsumiert auf Kosten von Zukunft und Vergangenheit. Ich bin Marktwirtschaftler reinsten Wassers, deshalb verstehe ich nicht, warum die Anreize so unsinnig gesetzt sind: Warum wird der Faktor Arbeit mit Steuern und Abgaben belastet und nicht der Import knapper Ressourcen? Weil der Staat qua Mehrwertsteuer an Konsum und Verschwendung mitverdienen will? Oder weil eine nachhaltigere Wirtschaftsweise unsozial wäre, weil dann nur noch Reiche autofahren könnten?

          Wohlstand stellt sich nur ein, wenn auch Rechtssicherheit und Privateigentum gewährleistet sind. Die Länder, in denen das nicht funktioniert, werden durch offenen Handel und Korruption nur ärmer. Siehe Argentinien, wenn wir in Südamerika bleiben wollen.

          Ich befürchte, dass uns Überschuldung und die wachsenden Ungleichgewichte im Welthandel nur Kriege und Migration bescheren werden, den Wohlstandsgewinn haben wir schon hinter uns.

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          • Mark Rössler sagt

            Argentinien stand vor dem Bankrott, damals hat man sich gewandelt und macht leider nur kleine Schritte vorwärts.
            Brasilien zeigt wie Investitionen in die Forschung und Beratung, weit gefächert, Wohlstand bringen können. Als Entwicklungsland hat Brasilien die postitivste Entwicklung des Pro-Kopfeinkommens in den letzten 25 Jahren. Selbst Russland wurde überholt.
            Nach Eisenerz ist die Soja-Branche die treibende Kraft für Lohn und Brot.

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  3. ich empfehle dem Autor, der ja in Bodenbeläge für Laufställe macht, einmal eine Exkursion nach Bayern oder Baden-Württemberg zu unternehmen.
    Und sich dort mit ein paar Milchviehhaltern zu unterhalten, die noch immer – häufig im Nebenerwerb – ihre 20 oder 40 Milchkühe in Anbindehaltung halten.

    Und sich dann noch ein wenig Gedanken darüber zu machen, dass Landwirtschaft nicht nur aus Milchwirtschaft besteht.

    Das würde seinen Horizont womöglich ein wenig erweitern.

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  4. Paulus sagt

    Ganz so einfach wie Tilmann Ziegler es beschreibt scheint es mir nicht zu sein. Sein Beitrag bezieht sich auch zu sehr auf die Milchviehhaltung. Gleichwohl ist es zu begrüßen, dass Tilmann Denkverbote ignoriert, das muss man ihm schon hoch anrechnen.

    Natürlich betreiben Verbände Lobbyarbeit, das ist nach meiner Auffassung u.a. deren Aufgabe. Wir alle wissen, dass politische Entscheidungen von Interessensgruppen, welcher Art auch immer, wesentlich beeinflusst werden. Daran ist zunächst mal nichts verwerflich, gehört es doch zum Wesen einer lebendigen Demokratie.

    Man stelle sich vor, die LW wäre über die Verbände in dem politischen System nicht mehr vertreten. Dann würden zweifelsfrei z.B. die Verbände des Handels, irgendwelche NGO’s oder sonstige ihre Interessen durchsetzen und die Oberhand gewinnen. Damit würden staatliche Reglementierungen schlicht ohne Beteiligung der LW und möglicherweise zu deren Nachteil eingeführt. Ob man damit glücklicher wäre wage ich zu bezweifeln.
    Was im kleinen (regionalen) Maßstab möglicherweise sehr gut funktioniert, kann man nicht so einfach auf die EU übertragen. Tilmanns Aussage zu den Zollschranken halte ich angesichts der ach so geschmähten Globalisierung für zu kurz gedacht.

    2+
  5. Danke Christian,
    Du sprichst mir aus der Seele. Viele unserer Kollegen sind die Marionetten der Industrie Gesellschaft geworden. Nichts ist so stätig wie der Wandel!!!
    Gruß vom Bio-Bauer Reinhard

    2+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Viele Betriebe werden, – um zu überleben – auf BIO umstellen. Wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, werdet ihr die selben Probleme, wie die konv. Landwirtschaft bekommen.

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      • Christian Krupp sagt

        Wenn die gesamte Milchwirtschaft auf Bio umsteigt erübrigt sich​ das Mengenproblem in Europa und ganz nebenbei fluten wir keine afrikanischen Länder mehr mit Milchpulver und die Bauern dort können auch wieder von ihren Produkten leben.

        Vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht aber ein Ansatz, der genauso wie das Importverbot auf Eiweiß-Futtermittel, die Auswüchse der Globalisierung angeht, welche hier bei uns wie auch auf den anderen Kontinenten Schaden bei Landwirten anrichtet!

        „Deutsche Kühe weiden in Paraguay und scheißen auf die Bauern im Senegal“

        Etwas platt aber mit wahrem Kern. Zitat der Aktion 3. Welt Saar.

        Viele Grüße Biobauer Christian

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        • bauerhans sagt

          „Deutsche Kühe weiden in Paraguay und scheißen auf die Bauern im Senegal“

          deutsche kühe werden mit TMR gefüttert und der anteil südamerikanischen futters daran ist sehr sehr gering!

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          >>Wenn die gesamte Milchwirtschaft auf Bio umsteigt erübrigt sich​ das Mengenproblem in Europa und ganz nebenbei fluten wir keine afrikanischen Länder mehr mit Milchpulver und die Bauern dort können auch wieder von ihren Produkten leben.<<

          Wenn, wenn, wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man auf die Bäume reiten.

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        • Inga sagt

          Sehr gut, am Anfang steht immer ein Gedanke:
          Diese Uni hat sich folgende Gadanken gemacht und forscht nun dran:
          Acrocomia: Öl der Zukunft?

          Herkömmliche Öle sind bisher kein gleichwertiger Ersatz für Palmöl. Das Öl der Acrocomia-Palme könnte es vielleicht einmal sein. Die Acrocomia Palme hat ganz ähnliche Früchte wie die afrikanische Ölpalme.

          Ihr großer Vorteil: Sie wächst nicht nur in feuchten, tropischen Gebieten entlang des Äquators, sondern auch in den trockeneren, subtropischen Regionen von Florida bis Argentinien. Deswegen könnte sie helfen, den weltweiten Hunger nach Pflanzenöl zu stillen, ohne dass tropischer Regenwald vernichtet werden muss. Bislang ist die Acrocomia jedoch noch nicht so ertragreich wie die Ölpalme.

          http://www.planet-wissen.de/natur/landschaften/regenwald/palmoel-acrocomia-palmen-100.html

          Das habe ich gestern in Planet-Wissen gesehen!

          Jedenfalls muß in der 3. Welt was getan werden, sonst kommen die Menschen dann alle zu uns. Kein Milchpulver dort hin, um die eigenen Molkerreien vor Ort zu fördern.

          Und wo könnte alles die Acrocomia Palme wachsen, deren Fett dann unser Schokokrem schön geschmeidig macht.

          Vielleicht kaufen die dnan auch mal irgendwann unsere Schokokrems und andere Industriegüter, usw???

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  6. AdT sagt

    Wer fordert, wird gefordert. Wer nicht fordert, wird nur gefordert. Tierwohlforderungen gibt es so oder so. Die Mensch-Tier-Beziehung ändert sich. Meine Generation lernte im Biologieunterricht noch, dass Tiere mehr oder weniger gefühllose Reflexautomaten sind, Fleisch war ein Stück Lebenskraft. Das lernt keiner mehr, was (mit Verzögerung) nicht ohne Wirkung auf die Ansprüche an die Ernährung bleiben wird. Parteien, nicht nur die Grünen, greifen das auf und wirken verstärkend (Willensbildung).

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    • Tiere waren lange Zeit die Partner des Menschen, und der Mensch hat dafür Sorge getragen, dass die Tiere, von denen er lebt, ein gutes Leben haben. Das ist erst im Rahmen der Industrialisierung anders geworden, als man Tiere und Pflanzen mechanisiert und zu Rädchen eines Produktionsbetriebes degradiert hat. Erst ab da wurden Tieren zu gefühllosen Reflexautomaten. Erst ab den 1950er Jahren sind durch künstliche Besamung etc. auch die Züchungsmethoden technisiert worden und damit eskaliert.

      Aber der Mensch geht mit sich selber ja auch nicht anders um als wie mit den Tieren. Was bei Tieren als grausam gilt, praktiziert der Mensch freiwillig und mit Begeisterung: er lebt in einer künstlichen Umgebung bei künstlichem Licht und künstlicher Wärme. Er isst künstliche und gentechnisch veränderte Lebensmittel. Er nimmt Kraftfutter zu sich. Er wird immer dicker. Er bewegt sich immer weniger. Sein Nachwuchs wird vorzeitig abgestillt und mit Fläschchen und Brei versorgt oder gleich in den Hort gegeben. Er nimmt Medikamente. Er treibt sich zu immer höherer Leistung an. Er optimiert sich selber. Warum ist das bei den Menschen alles gut und prima und bei den Tieren schlecht, grausam und widernatürlich?

      4+
      • AdT sagt

        Falsche Frage, und wohl eine rhetorische. Außerdem gibt es Belege, dass sich die Einstellung des Menschen zum Tier ändert. Daher müssen Sie mich gar nicht fragen. Die Konsequenzen daraus können Sie selbst prognostizieren. Die Motive sind den Menschen überlassen (oder wollen Sie die Menschen umerziehen, nicht doch).

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        • Wieso falsche Frage? Die Frage ist ernst gemeint. Ich will die Menschen nicht umerziehen, aber ich hätte schon gern eine Antwort, um die Sie sich jetzt herumdrücken.

          Wie sich die Einstellung des Menschen zum Tier ändert, ist in sich selber total widersprüchlich. Entweder ist das Tier fühlend und intelligent und damit dem Menschen vergleichbar, dann wird es sich in einer künstlichen Umwelt mit künstlichem Futter wohl fühlen. Oder fühlt sich der Mensch in der von ihm geschaffenen Welt etwa nicht wohl?

          Wie Tiere in Agrarfabriken, werden Menschen von Konzernen ausgebeutet. Jeder Mitarbeiter bei Amazon hat einen Handscanner. Wenn er ein paar Minuten untätig ist, löst das einen Alarm aus. Stört das irgendwen? Wenn ein Mensch einem fremdem Takt unterworfen wird, geht heute niemand mehr auf die Barrikaden. Das finden wir offensichtlich normal. Wenn Tiere einem fremdem Takt unterworfen werden, ist das Geschrei groß. Warum?
          Haben Menschen denn nicht dieselben Rechte wie Tiere?

          Menschen erzählen einander ständig, dass ein sinnvolles Leben darin besteht, dass sie einander nützen und dienen. Wieso soll das Tier dem Menschen dann nicht nützen dürfen?

          Wenn ein Tier dem Menschen aber nicht vergleichbar ist, warum soll man es dann nicht essen?

          Das sind ernst gemeinte Fragen, auf die ich bislang noch keine vernünftige Antwort bekommen habe.

          2+
          • AdT sagt

            Um in Ihrem Stil zu bleiben: Es ist eben jedes Nutztier Amazon-Lagerkraft, eher sogar Näherin in Bangladesch – ohne Möglichkeit, zu gehen. Mal eine fiese Gedankenprobe: Wenn Sie sicher wüssten, dass Ihr Kind sein ganzes Arbeitsleben im Lager bei Amazon knechten müsste, von 16 bis 67, dann stirbt es, meinetwegen kurz und schmerzlos – möchten Sie dann Vater werden? Es ist ein bisschen schmerzhaft, darüber nachzudenken. Ich wäre mir jedenfalls nicht sicher.

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            • Viele Nutztiere haben ein „schöneres“ Leben als so manche Menschen. Was wäre das wohl für ein Geschrei, wenn ein Schwein acht Stunden täglich hinten an ein Müllauto gebunden würde? Beim Müllmann hat niemand ein Problem damit. Was wäre das für ein Geschrei, wenn ein Schwein an den Hochofen oder ab ins Bergwerk müsste. Beim Gießer und beim Bergarbeiter hat niemand ein Problem damit. Warum produzieren Sie weiterhin Müll und benutzen Produkte, die aus Stahl sind? Warum benutzen Sie Kohle?

              Ich sag ja nicht, dass die Tierhaltung deswegen grundsätzlich „gut“ ist. Es hat ja schon was zu bedeuten, wenn Muttersauen ihren Nachwuchs killen und man deshalb Kastenstände braucht. In der Natur killen Mütter ihre Kinder nur dann, wenn sie massiv unter Stress stehen.

              Es gibt mir indessen zu denken, wenn man sich mehr für Tiere einsetzt als für Menschen. Stehen andere Menschen uns im Prinzip nicht doch näher als Tiere? Müsste man nicht zuerst das Problem mit den Menschen lösen? Müsste man nicht dann zuerst den Bauern unterstützen? Oder den Bergarbeiter, Gießer und Müllmann, indem man das, was sie für die Gesellschaft leisten, finanziell honoriert? Müsste der Bauer nicht doppelt so viel verdienen wie der Rechtsanwalt? Und der Müllmann nicht dreimal so viel? Bauer, Müllmann, Gießer und Bergarbeiter sind mit existenziellen Aufgaben befasst und deshalb unabdingbar. Der Rechtsanwalt ist das nur insoweit, als die Menschen eine verstrittene Bande sind.

              Wenn ich sicher wüsste, ob mein Kind sein ganzes Arbeitsleben im Lager bei Amazon knechten müsste, möchte ich dann Vater werden? Wenn ich in diesem Fall die Vaterschaft ablehne, dann müsste ich sie ja auch ablehnen, wenn ich sicher wüsste, dass ein Unfall das Kind mal an den Rollstuhl fesseln wird. Ich denke, ich würde Vaterschaft nicht von dem Kriterium abhängig machen, was mal aus dem Kind wird.

              Ich kann nicht für das Kind entscheiden, ob es sein Leben als lebenswert empfindet oder nicht. Ebensowenig kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob das Nutztier, wie auch immer es gehalten wird, sein Leben nicht doch als lebenswert empfindet.

              Die Lösung, durch Fleischverzicht letztendlich alle Nutztiere zu beseitigen, halte ich persönlich für falsch. Hingegen könnte man einen Teil der natürlichen Bedingungen als gegeben akzeptieren: nicht mehr Kühe halten, als durch die vorhandene Grasfläche ernährt werden können. Nicht mehr Schweine oder Hühner halten, als durch die eigene Produktion ernährt werden können.

              6+
            • bauerhans sagt

              „gerade junge Menschen…“

              wachsen gerade in einem nie gekannten materiellen wohlstand auf und nutzen ihre freizeit,sich selbst zu verwirklichen,auch halbjahrestrips nach AU oder NZ werden gemacht,während die omma zuhaus von der polin betreut wird,weil das der günstigste weg der betreuung ist und man selbst wenig machen muss und von ommas häuschen bleibt auch noch was übrig!!
              (wir werden eh wie die alten römer enden)

              2+
          • AdT sagt

            „Menschen erzählen einander ständig, dass ein sinnvolles Leben darin besteht, dass sie einander nützen und dienen.“ Diese Einstellung geht auf den Fürsorgeinstinkt zurück. Der wird bei Nutztieren unterdrückt bzw. dafür gesorgt, dass er nicht ausgelebt werden kann. Der Mutterkuh werden am Tag der Geburt oder am nächsten Tag die Kälber weggenommen. Die Sau kann sich nicht zu ihren Ferkeln bewegen, weil sie im Ferkelschutzkorb eingesperrt ist. Der Käfig soll nur so hoch und breit sein, dass die Sau stehen und auf der Seite liegen kann; Umdrehen ist nicht mehr drin. Die Sau ist 40-45 % ihres Lebens ab der Besamung im Kastenstand und Ferkelschutzkorb gefangen. Wussten Sie das? (Eigentlich ist das ja nicht das Thema, aber wenn Sie so nach Antworten suchen…)

            3+
            • Die Sau kann sich nicht zu den Ferkeln hinbewegen, weil sie die Ferkel sonst killen würde. Die Sau hat also gar nicht den Fürsorgeinstinkt, den Sie ihr unterstellen, weil der Fürsorgeinstinkt durch die Züchtung auf Fleischproduktion hin auf der Strecke geblieben ist. Das ist dann allerdings keine Frage von Leid. Wenn der Fürsorgeinstinkt abgezüchet wurde, hat das Muttertier an den Ferkeln kein Interesse.

              Es ist eine Frage von Respekt gegenüber dem Tier und dem Leben: inwieweit darf der Mensch es bzgl. seiner eigenen Wünsche verändern und manipulieren. Und da finde ich schon, dass der Mensch es an diesem Respekt vermissen lässt und zu weit gegangen ist.

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            • AdT sagt

              Falsch, der Fürsorgeinstinkt wurde nicht abgezüchtet. Das ist überhaupt nicht Zuchtziel. Dann müsste ja die Oxythocin-Ausschüttung abgezüchtet werden. Dieses Treue- und Fürsorgehormon steuert aber auch geburtsrelevante körperliche Vorgänge. Zuchtziele sind: viele Ferkel pro Wurf, Wachstum, Fleischansatz, geringer Fettgehalt. Die Sau tötet vielmehr die Ferkel „aus Versehen“, vor lauter Körpermasse, und weil sie bei einem Schmerzschrei eines Ferkels vor Schreck Ferkel erdrückt. Das ist wiederum der Enge und der harten Unterlage geschuldet.

              2+
            • Inga sagt

              „weil sie bei einem Schmerzschrei eines Ferkels vor Schreck Ferkel erdrückt. Das ist wiederum der Enge und der harten Unterlage geschuldet.“

              Das hat mit der engen und harten Unterlage nichts zu tun.

              Die harte Unterlage ist auch auch ausgeforscht und geheizt.
              Man hat ja die engen Ställe erfunden, damit die Sauen nicht so viele Ferkel tot liegen und treten.

              Früher in den größeren Ställen mit Stroh, da hat die Sau beim Aufstehen und Rumdrehen dann Ferkel zu tote getreten.

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            • bauerhans sagt

              die ferkel können zur sau,womit das bedürfnis nach nähe erfüllt ist.
              da aber ca.12 ferkel rumwuseln,muss die sau daran gehindert werden, beim hinlegen diese zu erdrücken,deshalb der kastenstand.
              wenn die neuesten vorschriften zum tragen kommen,wird die sau ca.20% ihres lebens im kastenstand verbringen.

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              • Inga sagt

                „wenn die neuesten vorschriften zum tragen kommen,wird die sau ca.20% ihres lebens im kastenstand verbringen.“

                Was sind das für neue Vorschirften, Bauerahns?

                Und warum werden sie erlassen?

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            • AdT sagt

              Beim Wildschwein ist es so (Wikipedia):

              „Das Weibchen wählt dabei vor der Geburt sorgfältig den Ort für ein Geburtsnest aus. Diese Wurfkessel[17] sind häufig in Richtung Süden exponiert, so dass sie von der Sonne erwärmt werden. In sumpfigen Regionen sucht das Weibchen nach Bodenerhebungen, damit das Nest trocken ist. Sie polstert [!] das Nest mit Gras aus und baut anschließend eine Art Dach. Im Durchschnitt bringen Weibchen etwa sieben [!] Jungtiere zur Welt.“

              Das daraus gezüchtete Hausschwein bekommt im Schnitt also etwa 70 % mehr Ferkel und kann kein gepolstertes Nest bauen. Keine Ursache für höhere Verletzungsgefahr der Ferkel?

              Das Muttertier kann sich nicht mit dem Kopf zu den Ferkeln wenden.

              1+
            • @ AdT

              Die Jäger und Sammler lebten in Gruppen von ca. 40 bis 100 Personen, die meist miteinander verwandt waren. Eine Gruppe hatte ein Gebiet für sich, das einen Durchmesser von Stuttgart bis Karlsruhe hatte. Ein Kind wurde drei bis vier Jahre lang gestillt. Sie waren mit Fell bekleidet. Ein Erwachsener war ungefähr fünfmal so stark wie ein heutiger gut trainierter Erwachsener.

              Durch die Symbiose mit dem Menschen hat sich das Hausschwein verändert. Das Wild- und das Hausschwein haben etwa so viel Ähnlichkeit miteinander wie der Jäger/Sammler-Typ und der moderne Stadtbewohner.

              Die Symbiose, die Hund, Schwein, Ziege und Huhn mit dem Menschen eingegangen sind, war ursprünglich mal freiwillig. Ebenso wie der Mensch hatten auch die Tiere ihren Vorteil davon.
              Es gibt Länder, da zäunt man die Getreide- und die Gemüsefelder ein und lässt die Schafe und Kühe frei rumlaufen. Die Tiere laufen nicht weg, obwohl ihnen die Milch weggenommen wird und ein Ende auf dem Teller so gut wie sicher ist. Wenn Kühe auf der Weide sind, sammeln sie sich abends am Ausgang und warten auf den Bauer, der sie in den Stall holt.

              Dann fing die Geschichte mit der industriell-technischen Züchterei an. Innerhalb von 30 oder 40 Jahren verdoppelte sich die Milchleistung einer Kuh von 4000 auf 8000 Liter und das Schwein wurde zu einem Fleischberg verzüchtet, der den Nachwuchs zerdrückt. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass Muttersauen aggressiv auf ihre Ferkel losgehen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Industrielle Landwirtschaft und Symbiose schließen einander jedoch offensichtlich aus.

              0
              • Inga sagt

                Ja Marian,

                „dann fing die Geschichte mit der industriell-technischen Züchterei an. Innerhalb von 30 oder 40 Jahren verdoppelte sich die Milchleistung einer Kuh von 4000 auf 8000 Liter und das Schwein wurde zu einem Fleischberg verzüchtet, der den Nachwuchs zerdrückt. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass Muttersauen aggressiv auf ihre Ferkel losgehen.“

                Diese Geschichte müßte 1950 bei Beginn der Grünen Revolution angefangen haben.
                Was ist an Züchtung industriell?
                Deck- oder Besamungsstationen?
                Aber in den 30igern gab es auch schon Herdbücher, zwecks Züchtung auf Milchleistung.

                Eine Sau erdrückt schon immer Ferkel, schon immer gehörte auf einen Bauernhof zur Kinderarbeit, dass sie bei der Sau sitzen bleiben mußten um die Ferkel nach der Geburt in den Ferkelkorb zu lesen, wo es schön warm war, denn die Sau war in einem größeren Stall mit Stroh, wo es nicht so warm war. Wenn alle auf der Welt waren, hat man sie bei die Sau gelassen!

                Ach, und viele Sauen ferkeln auch über Nacht, da waren dann die Erwachsen dabei geblieben! So ist es heute auch noch!

                Ach ja, wir hatten auch mal eine Sau, die ihre Ferkel gefressen hat, der Tierarzt hat ihr immer eine Beruhigungsspritze gegeben!
                Er meinte das läge am Hormonumschwung.

                Ein anderer Bauer erzählte mir, dass er dafür die Tierarztkosten spart und der Sau ein Schälchen Schnaps während des ferkelns, dem Geburrtsvorgang hinstellt, dann würde sie sich auch beruhigen.

                Nach dem Geburtsvorgang konnten die Ferkel wieder dabei.

                Also das Phänomen gibt es!

                0
              • Inga sagt

                und so reagieren Menschen, die nicht richitg damit umgehen können:

                http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/belgien-baby-stirbt-durch-mangelernaehrung-eltern-verurteilt-a-1152149.html#ref=nl-dertag

                Quinoa statt Milch Baby starb an Mangelernährung – Eltern schuldig gesprochen

                Ein belgisches Gericht hat ein Paar schuldig gesprochen, dessen Baby im Alter von sieben Monaten an Mangelernährung starb. Die Eltern meinten, der Junge vertrage weder Gluten noch Milchzucker.

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            • bauerhans sagt

              „…und kann kein gepolstertes Nest bauen.“

              mittlerweile gibt man der sau nen jutesack vor der geburt zum „nestbauen“,wodurch die ruhiger wird.

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            • AdT sagt

              „Eine Gruppe hatte ein Gebiet für sich, das einen Durchmesser von Stuttgart bis Karlsruhe hatte.“

              Ihre Vergleiche mit heute finde ich nicht überzeugend. Der Bewegungs- und Erlebnisdrang von Menschen ist ungebrochen. Es werden nicht mehr alle Strecken zu Fuß zurückgelegt. Aber Motorrad- und Autofahren am Wochenende sind ebenfalls Ausdruck des Erkundungs- und Bewegungsdrangs. Und dennoch gehen Menschen zusätzlich spazieren, wandern, fahren Rad. Auch der Amazon-Lagerarbeiter hat übrigens hierzu die Möglichkeit. Und er tut es. Wer wäre ich denn zu behaupten, Lagerarbeiten seien auf Innenräume mit Neonlicht und Monotonie spezialisierte Wesen. Allgemeiner: Menschen suchen Abwechslung. Erfüllend ist der Wechsel von Konzentration/Anstrengung und Entspannung. Bewegung und soziale Kontakte sind ein wesentlicher Faktor für Wohlbefinden.

              Trächtige Hausschweine bauen sich im Freien einen Wurfkessel. Wenn man ihnen einen Jutesack hinwirft, „hantieren“ sie auch mit dem. Wie sollten die Befürfnisse abgezüchtet worden sein? Die Gene passen sich ja nicht automatisch den Umständen an wie ein Muskel.

              0
            • Motorrad- und Autofahren zur Darstellung des menschlichen Bewegungsdrangs kann ja wohl bloß ironisch gemeint sein. Warum nicht auch Fernsehen?

              Wandern und Radfahren: eine Stunde am Feierabend und zwei am Wochenende.

              0
            • AdT sagt

              Das meine ich todernst. Ein Jurist muss sich aber gar nicht auf Einordnungen festlegen, wenn es darauf nicht ankommt. Dann bedient er sich des „Jedenfalls“-Stilmittels. Er wird ja nicht fürs Abschweifen bezahlt (ähem). Also: Es kann dahinstehen, ob Motorrad- und Autofahren Ausdruck menschlichen Erkundungs- und Bewegungsdrangs sind. Jedenfalls unterscheiden sich diese Aktivitäten von dem Verweilen(müssen) an einem Ort in reizarmer Umgebung und sind geeignet, die Monotonie zu durchbrechen. Viele Menschen verbinden Motorrad- und Autofahren sogar mit Freiheit an sich. Dass einige Philosophen das als Illusion ansehen, ist unerheblich.

              Und Fernsehen? Nun ja, fragen Sie mal einen Knacki nach dessen Bedeutung.

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            • Zum menschlichen Erkundungs- und Bewegungsdrang kann man ganz bestimmt auch verbal-inhaltliches Abschweifen zählen. Und deshalb ein kleiner Exkurs(ion): 🙂

              Ich wohne hier an einer Ecke, wo ziemlich viele Jogger, Radfahrer und Wanderer vorbeikommen. Die allermeisten wirken, als hätte der Arzt ihnen Bewegung verordnet. So, als würden sie ein Programm absolvieren, um gesund, fit oder schlank zu bleiben. Wenn man mit Wanderern und Joggern spricht, erzählen sie einem, wie viele Kilometer sie mal wieder gemacht haben. Wie anders verhalten sie doch da ein junger Hund oder ein Kind, denen man die Freude an der Bewegung auch anmerkt.

              Meine Erfahrung: Was heute übers Tierwohl gesagt wird, hat man genauso schon vor 20 Jahren gesagt. In derselben Zeit haben sich die Mega-Fabriken, Turbo-Kühe und Fleischbergschweine erst so richtig herausgebildet. Jetzt kann man hier in diesem Thread von den Super-Mega-Fabriken in der Ukraine lesen. Kein Fleisch-Boykott hat irgendwas verhindert. Es wird im Gegenteil immer schlimmer!

              Das ist das Leitbild-Syndrom. Im Leitbild eines Unternehmens wird bejubelt, was NICHT verwirklicht ist. Wenn man im Leitbild lesen kann „Wir pflegen eine wertschätzende Streitkultur“ heißt das konkret auf gut deutsch: „hier wird gemobbt“. Oder: „Wir freuen uns über konstruktive Vorschläge zur Verbesserung der Produktion“ heißt das: „Wagen Sie es ja nicht zu kritisieren.“

              So verstehe ich halt auch diese ganzen Tierwohl-Diskussionen und die vegetarisch-vegane Bewegung. Die Schweine, Rinder und Kühe haben nichts davon. Es gibt eine Menge Bauern, denen das Wohl ihrer Tiere schon immer am Herzen lag und die ihre Freude daran haben, mit Tieren umzugehen, und denen schaden diese Diskussionen und Anklagen mehr als sie nützen. Und diejenigen Bauern, die in ihren Tieren bloß Fleisch- und Eierlegmaschinen sehen, ändern sich nicht im Geringsten.

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            • AdT sagt

              Die Diagnose „Leitbild-Syndrom“ kann ich nur unterschreiben. Anspruch und Wirklichkeit. Was Unternehmen schreiben (oder Interessenverbände), da kann man nichts drauf geben. Wirklich gar nichts!

              Der Strukturwandel der letzten Jahrzehnte (!) und der vegane Trend, der nach Beginn meiner veganen Zeit erst einsetzte, so vor 3, 4 Jahren, stehen in keinem Zusammenhang. Die Anpassung des Tieres an Produktionsverfahren (und nicht umgekehrt) hat ohne explizites Wissen und Wollen der Bürger stattgefunden. Erst in den letzten 2, 3 Jahren wird es in Tageszeiten und im Fernsehen zum Thema gemacht. Es wirkt aber das Beharrungsvermögen fort. Das Beharrungsvermögen bewirkt, dass viele Menschen die Bilder nicht an sich heranlassen, verdrängen, um einen Entscheidungskonflikt erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das steht in gewissem Widerspruch zu der Annahme, dass geheime Stallaufnahmen Quote oder Auflage brächten (ist es eigentlich wirklich so oder spielt hier Kampagnenjournalismus und kalkulierte Unbequemlichkeit zur Imagepflege eine Rolle?), entspricht aber meiner bewussten Beobachtung meiner Mitmenschen als (Fast-)Veganer. Hier kann noch viel passieren. Ein Paradigmenwechsel könnte uns noch bevorstehen. Wegen der oben angesprochenen zeitlichen Verhältnisse halte ich Ihre These für überprüfenswert.

              Es hat wohl einen Grund, weshalb nicht mit Bildern aus Ställen geworben wird. Bei Kühen mag es Verbesserungen gegeben haben, infolge Ersetzung der Anbindehaltung durch Boxenlaufställe, wobei wiederum die Abschaffung der Weidehaltung nachteilig ist. Bei Hühnern und Schweinen: zweifelhaft, hygienisch vielleicht, aber für die Tiere?

              Auch wenn manche beim Joggen schwerfällig sind. Jeder fühlt sich doch gut danach (wenn die Gelenke nicht überlastet wurden). Übrigens kommen die Schlachttiere über das „Kindesalter“ nicht hinaus.

              1+
            • bauerhans sagt

              „Auch der Amazon-Lagerarbeiter hat übrigens hierzu die Möglichkeit. Und er tut es.“

              was ich bei spiegelonline dazu gesehen habe,bringt mich zu der sicheren erkenntnis,dass der amazon-lagerarbeiter es nicht tut,da ers den ganzen tun muss.

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            • Die Diskussionen gegen die Massentierhaltung begleiten die Entwicklung der Massentierhaltung von allem Anfang an. Es gab sie schon in den 80er Jahren. Der vegane Trend ist die Fortsetzung des vegetarischen Trends von damals mit exakt denselben Argumenten, die damals in den 80ern schon benutzt wurden. Wenn Sie glauben, dieser Protest sei was Neues, dann irren Sie sich. Das wird nicht erst seit 2 bis 3 Jahren zum Thema gemacht, sondern seit 30, 40 Jahren!

              Parallel zu diesen Protesten haben sich seit 1970 knapp 30.000 Bio-Betriebe herausgebildet, während gleichzeitig ca. 700.000 Höfe aufgegeben haben. Der Nutzen von 30.000 Bio-Höfen gegenüber dem Schaden von 700.000 verschwundenen Höfen steht in keinem Verhältnis. Und da haben die Proteste eben auch ihren Anteil daran.

              Diese endlosen Diskussionen zwischen Tierschützern und Tierhaltern dienen hauptsächlich als Ventil. Tatsache ist doch, dass der Protest gegen Massentierhaltung nicht nur im Nichts verhallt, was die Zahlen ja ganz offensichtlich beweisen, sondern dass der Protest der Tierschützer die Giganten unter den Massentierhaltern fördert. Die großen Agrarfabriken und Massentierhaltungsbetriebe können sich über diese Zuarbeit der Tierschützer freuen.

              Kennen Sie die griechischen Tragödien, wo die Tragik genau darin besteht, dass die Menschen das Schicksal, das sie unbedingt vermeiden wollen, gerade durch ihre Vermeidungstaktiken hervorbringen? So ist das auch im Fall der Massentierhaltung.

              0
            • Sabine sagt

              Also… soweit ich weiß bauen auch Hochleistungssauen noch Nester, so man sie denn lässt. Die mögen nicht wo perfekt sein wie die Wurfkessel der wilden Verwandtschaft, aber das kennt man ja auch von anderen Arten, die ohne Vorbild durch ältere Tiere oft den Bauplan im Kopf haben, aber es nicht so ganz umsetzten können. Ich erinnere mich an eine Strupphuhn-Henne aus Kunstbrut sich in eine Ecke verkrümelte und zwei Hälmchen Stroh über ihrem Rücken drapierte und das dann für ein Nest hielt…. bis einer der Hähne, die Gelegenheit beim Schopf ergriff und die große Nestschau für sie abzog.

              0
            • AdT sagt

              @ Marian

              „Was heute übers Tierwohl gesagt wird, hat man genauso schon vor 20 Jahren gesagt. In derselben Zeit haben sich die Mega-Fabriken, Turbo-Kühe und Fleischbergschweine erst so richtig herausgebildet. Jetzt kann man hier in diesem Thread von den Super-Mega-Fabriken in der Ukraine lesen. Kein Fleisch-Boykott hat irgendwas verhindert. Es wird im Gegenteil immer schlimmer!“

              Tierwohl war da noch nicht im Mainstream angekommen (Mainstream nicht im abwertenden Sinne einer „vorgeschriebenen Meinung“, sondern im eigentlichen Sinne als in der Breite in Politik und Wirtschaft diskutierter Aspekt). In den vorigen Dekaden stieg der Fleischkonsum. Der Meat Peak ist aber inzwischen, seit ein paar Jahren, überschritten. Was geschieht, wenn der Fleischkonsum weiter sinkt? Ich denke schon, dass sich die hiesigen Betriebe über Marktsegmentierung in Bezug auf Haltungsformen ernsthaft Gedanken machen.

              Betriebsgröße ist kein Tierwohlkriterium. Ich bin nicht der Meinung, klein ist gut und groß ist schlecht. Umweltschäden können auch viele kleine Betriebe anrichten, die nicht über die neuesten Erkenntnisse und die präziseste Dünge- und Pflanzenschutztechnik verfügen. Entsprechend gilt das für Tierwohl.

              Ein kapitalkräftiger, prozessoptimierter Betrieb kann sich eher vollautomatische Melkstände, in die die Kühe von sich aus gehen, in doppelter Ausführung leisten: für den Stall und für die Weide. So könnte der Weidegang wieder eingeführt werden, ohne dass dieser effizientem Melken entgegenstehen würde. Weidegang würde dann aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen zum Produktionsprozess gehören, den es zu optimieren gilt.

              Veganismus ist nach meinem Eindruck am stärksten in Ländern mit starker Zivilgesellschaft vertreten: in angelsächsischen Ländern, Israel und Deutschland. Mit „Super-Mega-Fabriken“ in der Ukraine spielen Sie sicherlich auf die vielfach beschworene Gefahr an, dass unter schlechteren als deutschen Bedingungen erzeugtes Fleisch eingeführt wird, wenn die Fleischerzeugung in Deutschland durch „zu viel“ Tierwohl zu teuer wird. Hier ziehen Bauern und Veganer an einem Strang, um das zu verhindern. Außerdem gehört die Ukraine nicht zur EU und ist auch nicht voll mit dem EU-Binnenmarkt assoziiert. Daher darf aus der Ukraine nicht Fleisch zu geringeren Preisen als im jeweiligen Zielland der EU eingeführt werden. Die Preisdifferenz würde vom Zoll abgeschöpft (Marktordnung).

              1+
              • Inga sagt

                „Ein kapitalkräftiger, prozessoptimierter Betrieb kann sich eher vollautomatische Melkstände, in die die Kühe von sich aus gehen, in doppelter Ausführung leisten: für den Stall und für die Weide. So könnte der Weidegang wieder eingeführt werden, ohne dass dieser effizientem Melken entgegenstehen würde. Weidegang würde dann aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen zum Produktionsprozess gehören, den es zu optimieren gilt.“

                Gute Idee,
                aber zu kurz gedacht, denke ich!

                Denn wenn einer so eine Melkanlage hat, der auch eine Menge Kühe!
                Jetzt würde ich gerne mal wissen, ob hinter jedem großen Stall eine so große Weide für so viele Kühe ist.
                Die muss doppelt so groß sein, denn wenn die erste Hälfte abgefressen ist, dann gehen die Kühe auf die 2. Hälfte, damit das Gras aug der 1. Hälfte weide rnachwachsen kann.

                Ob das überall geben ist?

                0
            • AdT sagt

              @ Inga
              Ja, das ist schlimm. Vegane Ernährung von Kindern gilt jedoch als möglich. Die US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics, AND, die weltgrößte Organisation für Ernährungsfachleute, betont in ihrem Positionspapier:

              „Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugend.“

              Die Betonung liegt auf „gut geplant.“ Die Eltern hatten offensichtlich überhaupt keinen Plan. Sie führten einen „Naturkost“-Laden, waren fromm und verließen sich auf Gott. Und als das Kind schon halb so viel wog wie normal gewesen wäre, gingen sie immer noch nicht zum Arzt, sondern zum Homöopathen.

              Man kann einem Kind auch mit Mettwurst und Vanilleeis letale Mangelerscheinungen zufügen. Dann käme wohl keiner auf die Idee, den Schwerpunkt des Verschuldens auf der Mischkost zu sehen. Aber es bleibt zu hoffen, dass dies für Dumme eine Warnung ist. Aber gegen Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen.

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            • Inga sagt

              Vegane Ernährung, AdT

              „Man kann einem Kind auch mit Mettwurst und Vanilleeis letale Mangelerscheinungen zufügen. Dann käme wohl keiner auf die Idee, den Schwerpunkt des Verschuldens auf der Mischkost zu sehen. Aber es bleibt zu hoffen, dass dies für Dumme eine Warnung ist. Aber gegen Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen“.

              Ja, das ist für alle dumme eine Warnung.

              Wenn ein Säugling, egal von welcher Tierart Milch braucht, dann braucht er Milch, weil er erst mal nichts andres Verdauen kann. Die ist extra leicht für Säuglinge gemacht und deswegen leicht verdaulich.
              Denn wenn du im Supermarkt schaust, da sind die Babygläschen je nach alter gestaffelt, und das hat seinen Sinn.
              Ich denke ab da, wo die Babies Gläschen haben dürfen, ab da kann man ihre Ernährung auf Vegan umstellen, aber Milch aus dem Fläschchen oder Muttermilch muß noch dabei bleiben, denke ich.
              Jedenfalls ist es wie du auch erkannt hast, eine Wissenschaft für sich.

              Früher als es noch mehr soziale Kontorolle gab, wäre es auch aufgefallen, wenn ein Baby Wurst und Vanilleeis bekommt.

              0
          • Zenzi sagt

            Oje ich seh es kommen: Marian sitzt auf seinem Kastenstand ähnlichen Stuhl, so ca 0,5 m2 und gebärd wieder mal Buchstaben. Er könnte zwar aufstehen, sich umdrehen und raus an die Sonne aber nein, er MUSS schreiben… 😉
            Vergleiche zwischen der Nutztierhaltung und der Arbeitskraft Mensch kommen auf dem Level nie zusammen. Ein Tier kann sein Los nicht wählen, es wird ihm oktroyiert. Der Mensch hat immer Wahloptionen.

            Die Haltung des Menschen zur Stellung des Tiers wäre sehr wohl diskussionswürdig, denn „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ entspricht einer signifikanten Unlogik. Dahinter steht wohl an 1. Stelle, dass damit Geld zu verdienen ist. Ob Mäntelchen für Hunde, Männer-Grillzeitschriften, oder schicke Schuhe, das Spiel ist immer das gleiche. Es werden Bedürfnisse kreiert um Kaufimpulse zu erreichen. Und kommt mir jetzt bitte nicht wieder mit Bambi & Disney, das ist seit „Antz“ sowas von gestern und überholt.

            1+
            • Man kann zwischen Mensch und Nutztier schon Vergleiche ziehen. Was beim Elefanten der grüne Strick, beim Nutztier die Anbindung oder der Käfig, ist beim Menschen entweder das Geld oder die Konditionierung (sein geistiger Käfig).

              Das mit den Wahloptionen ist eine Illusion. Die Wahl besteht bei vielen höchstens darin, Müllmann oder Gießer zu werden und oft hat ein Mensch nicht mal diese Wahl.

              Der Mensch hat schon Hunde geliebt, Schweine gegessen und Kühe angezogen, lange bevor das Geld erfunden wurde.

              Irgendwo wurde der Begriff „Symbiose“ ins Spiel gebracht. Genau darum geht es: um Symbiose. Der Hund hat seine Wachinstinkte in die Symbiose eingebracht, das Schwein sein Fleisch und die Kuh Milch und Fleisch. Der Mensch hat das Tier im Gegenzug vor Fressfeinden, Krankheiten etc. geschützt und es ernährt. Das ist immer noch so, aber es ist trotzdem keine Symbiose mehr, weil der Mensch aus den Tieren bloße Objekte seines Herrschaftsdenkens gemacht hat. Symbiose geht anders.

              Ich bin ja mal gespannt, welche Tiere einen Verein zu meinem Schutz gründen, um mich von meinem Buchstabengebärstuhl und meinem Kastenstand zu „erlösen“ 🙂 .

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            • Sonnenblume sagt

              Es gibt Zeiten im Leben eines Menschen, in denen er keine Wahloptionen hat. Das betrifft Kinder und Jugendliche und vor allem viele Senioren die in Pflegeeinrichtungen leben. Gerade im letzten Bereich mangelt es nach meiner Erfahrung sehr oft an der entsprechenden Fürsorge. Reine medizinische und pflegende Betreuung ersetzt keine menschlichen Beziehungen. Wenn man die Presse oder auch andere Medien beobachtet, wird man das Gefühl nicht los, das diese Gruppen aus dem täglichen Leben ausgeblendet werden. Nach meiner Meinung besteht unsere wichtigste und erste Verpflichtung darin, diese Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu stellen und nicht in irgendeiner Versorgungseinrichtung unterzubringen. Tierschutz und Naturschutz ist wichtig. Aber wir sollten ihn nicht über die Sorge um unsere Mitmenschen stellen. Denn genau dieser Trend ist aktuell in der Gesellschaft deutlich vorhanden.

              5+
            • AdT sagt

              Sonnenblume, gerade junge Menschen interessieren sich zunehmend für Natur- und Tierschutz. Das ist doch eine schöne Sache. Die haben noch keine Eltern und Großeltern zu pflegen. Sollte es mal so weit sein, haben Sie vielleicht auch hierdurch das nötige Verantwortungsgefühl eingeübt. Das ist jetzt etwas optimistisch, ich weiß. Aber man muss auch nicht immer das eine (Tierschutz) gegen das andere (Pflege der Eltern) ausspielen. Hier wird gern alles willkürlich miteinander in Beziehung gesetzt. Genau so gut könnte es sein, dass junge Menschen sich für Ernährung zugunsten ihrer Gesundheit und Lebensgrundlagen und zu Lasten von Rauchen und Mopedfahren interessieren. Es stimmt, dass es einfach ist, einfach seinen Konsum umzustellen. Man spricht auch vom Low-cost-Paradigma. Menschen neigen dazu, dort etwas Gutes zu tun, wo es am leichtesten ist. Aber dann liegt es ja nahe, das Leichte auch umzusetzen. Kopf frei für das nächste Ziel.

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            • Inga sagt

              Das Verhältnis des Menschen zu Tieren ist individuell unterschiedlich wie die Begabung von Musik und Sport!

              Das habe ich als Kleinkind schon in unserer Großfamilie auf dem Bauernhof festgesteltl!

              Und Sonnenblume, du hast Recht;
              „Tierschutz und Naturschutz ist wichtig. Aber wir sollten ihn nicht über die Sorge um unsere Mitmenschen stellen. Denn genau dieser Trend ist aktuell in der Gesellschaft deutlich vorhanden“.
              Man kann ja alles irgendwie integrieren, oder?

              Man kann in einem Altersheim auch durch Bauliche Maßnahmen Energie sparen!
              Und auch dafür Sorgen, dass die tierfreundlichen Bewohner ein kleines Haustier halten darf, oder wenigstens ein Computergesteuertes!

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          „Außerdem gibt es Belege, dass sich die Einstellung des Menschen zum Tier ändert.“

          Eine Berlinerin hat zu mir gesagt, sie isst kein Fleisch von gequälten Tieren. Diese Einstellung musste sie nicht ändern, die ist vollkommen in Ordnung und entspricht auch meiner Einstellung.

          Ich fragte sie, ob sie schon mal in einem Stall war, um die Tierquälerei in Augenschwein zu nehmen, nein sie war noch nie in einem Stall.

          Aber gelesen hatte sie, dass Tiere gequält werden, jetzt fehlt nur noch, dass die Bauernfamilie die Kühe mit in das Bett nehmen müssen, wie manche Hundehalter es auch tun.

          1+
          • Paulus sagt

            Und wenn ich dieser Dame tief in die Augen schaue und ihr versichere, dass unsere Bio-Freilandrinder das höchste Glück auf Erden erfahren und auch noch nitratfrei scheißen und schiffen, glaubt sie das auch.
            Mein Hund kriecht übrigens auch zu mir ins Bett. Immer wenn ich zu zur Jagd eingeladen werde und nach diversen Bieren und Schnäpsen mit diesem Tier aufs Zimmer gehe, werde ich morgens wach – und wer liegt neben mir auf dem Rücken und schnarcht? Nein, er bekommt dann keinen Tritt von mir. Ich betrachte das als Symbiose zwischen Mensch und Tier. Zuhause würde unser Hund das selbstverständlich nicht wagen.

            0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Die Dame ist eine hochintelligente Frau, auch die plappern manches nach, ohne es zu überprüfen.

              Ps.
              Ich schütte nicht so viel Alk rein, dass ich Beistand brauche.

              0
          • Zenzi sagt

            @Ehemaliger: „Eine Berlinerin hat zu mir gesagt, sie isst kein Fleisch von gequälten Tieren.“
            Woher will die gute Frau denn wissen, dass das Tier nicht gequält wurde? Wenn sie gern Hühnchenfleisch ißt, selbst wenn sie „Bio“ kauft, stehen die Chancen schlecht. Und was heißt schon „quälen“? Ein Huhn unter andern 6000 oder 20000 empfindet es wahrscheinlich nicht als Qual dort im Stall zu sein, es kennt nix anderes.

            Es ist einfach nicht mehr Artgerecht.

            Wenn das geändert werden soll, hilft es nicht, die Zustände zu vermenschlichen und „das Huhn mit ins Bett “ zu nehmen.
            Diese Geschichten kannst du deinem Enkelkind höchstens als Gutenacht-Geschichte vorlesen, lieber Ehemaliger.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Erklären sie mir mal, was bei Hühnchen Artgerecht ist und wie viel der „artgerecht“ gehaltenen Hühnchen der deutsche Verbraucher zugewiesen bekommt.

              Übrigens, die billigsten Hühnerbrüste bei Metro kommen aus Tschechien, oder Ungarn, glauben sie ernsthaft, dass die meisten deutschen Verbraucher dies interessiert?

              Ukraine:
              Beispiel: MHP (Myronivsky Hliboproduct) strebt an, der größte Hühnerfleischproduzent Europas zu werden, und ist ein bevorzugtes Ziel von Kapitalvergaben durch IFIs und ECAs.

              Das Unternehmen, das seinen Sitz in Luxemburg und seine Hühnermastanlagen in der Ukraine hat, erhielt seit 2003 mehr als 770 Mio. US-Dollar von IFIs (IFC: > 500 Mio., EBRD: 185 Mio., EIB: 85 Mio.). ECAs (v. a. die Niederlande) übernahmen Bürgschaften über mehr als USD 100 Mio.. Dieses Kapital ermöglichte es MHP, zusätzlich zu den bestehenden Kapazitäten eine Megafarm mit 111,7 Mio. Masthühnern bei Vinnytsia zu errichten. Ab 2016 soll die Anlagengröße am selben Standort trotz Bürgerprotesten noch verdoppelt werden. MHP lieferte von Juni 2014 bis September 2015 insgesamt 36 150 Tonnen Geflügelfleisch an EU-Staaten, darunter die Niederlande, Deutschland, Belgien und Italien.

              Mit einer Produktion von 6300 Millionen Eiern im Jahr 2014 bezeichnet sich Avangardco Investments (Avangard) als größten Eiererzeuger Europas. Das Mutterunternehmen hat seinen Sitz auf Zypern, die Tierhalteanlagen befinden sich in der Ukraine.

              2012/13 errichtete Avangard 2 neue Anlagen zur Käfighaltung von 11,2 Mio. Legehennen sowie für 5 Mio. Elterntiere und Junghennen. Die Ausrüstung der Anlagen wurde u. a. von Big Dutchman (DE), Salmet (DE) und Officine Facco (IT) geliefert. Mehrere Exportkreditagenturen übernahmen Bürgschaften –

              Deutschland 26,4 Mio.,
              Italien 22 Mio.,
              Niederlande 14,3 Mio. Euro –,

              1+
            • Andreas Schmid sagt

              Zenzi, das was bei uns der Verbraucher und Tierschützer als Artgerecht bei Hühner verkaufen will ist Tierquälerei.
              Das Huhn kommt ursprünglich aus dem Wald und ist bei Gefahr durch Fuchs oder ähnliches auf den nächsten Ast geflattert. Deshalb berichten alle Freilandhühnerhalter davon dass Hühner sich nicht weit von einem schützenden Hühnerstall wegbewegen. Einen großen Freilauf finden Hühner nun mal nicht so toll.

              0
            • Zenzi sagt

              @Ehemaliger + @Andreas: Auch wenn es derart große Hühnchenproduzenten gibt, sagt das doch nix über das obengesagte aus. Versteh deine Stellungsnahme nicht. Vielleicht sollten wir im Schlagabtausch trennen in A: Artgerecht und B: Tatsächliche Haltbedingungen/ Marktgeschehen.
              Mir ist klar woher das Huhn kommt und dass sogar „Biohaltung“ ob Ei oder Fleisch von meinem Verständnis des artgerechten Umganges mit dem Huhn weit entfernt ist.
              Meine Definition von Artgerecht beim Huhn sind kleine Herden damit die Hackordnung gelebt werden kann. (ein paar Hundert nicht Tausend) Mulden für Sandbäder, offene Scharrflächen, Bewuchs im Freilauf zur Deckung, Aufsitzmöglichkeiten, dunkle Nischen für Eiablage usw. Das mit diesen Anforderungen kein großer Markt bedient werden kann, ist mir klar. Jede Tierhaltung ist ein Kompromiss zwischen den Ansprüchen der Tiere und dem Produktionsgeschehen. Beim Huhn oder dem Schwein werden aber keine Kompromisse mehr für das Tier gemacht. Wenn die jeweilige Industrie es könnte, gäbe es quadratische Eier, dann könnte man das Produkt wie Tetra lagern…

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            • Andreas Schmid sagt

              Zenzi, Artgerecht ist nur die Freiheit. Die bedeutet gejagt und gefressen werden. Die bedeutet auch das langsame dahinsiechen und qualvolle sterben der Tiere. Da haben es unsere Nutztiere viel besser. Die werden gesundbehandelt wenn sie krank sind. Es werden auch inzwischen viele Kompromisse für das Tier eingegangen. Manche lohnen sich aber nur wenn sie der Kunde finanziert.

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              • Inga sagt

                Natürlich muß das Tier durch sein Produkt (Eier Milch Fleisch), dass es dem Menschen liefert finanziert werden,

                Die Tiere im Zoo werden ja durch die Eintrittsgelder. durch den Menschen finanziert!

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              • Inga sagt

                Ja, und dann hätten wir zum Teil auch das Glyphosatproblem gelöst, denke ich!

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      • Moritz sagt

        Sehr geehrte Frau Marian E. Finger, sie haben recht mit ihrer Bemerkung das die Nutztiere ab dem Zeitalter der Industrialisierung der Agrarwirtschaft nur noch fast einen ökonomischen Wert für viele Nutztierhalter darstellen. Bei dem Rest der Bevölkerung sieht das jedoch völlig anders aus. Hier ist der Hund z.B. fast zum Partnerersatz geworden. Und diesen Sprung ( Vermenschlichung der Tiere) haben große Teile der Nutztierhalter völlig ignoriert bisher, und darum ist die gefüllte Distanz zwischen Landwirten und der Bevölkerung auch fast unüberwindlich groß geworden.

        1+
        • Eine sehr zutreffende Bemerkung, liebe Frau Moritz. Das Tier nur als ökonomischen Wert zu sehen, ist ebenso frag- und kritikwürdig, wie es als Partnerersatz zu vermenschlichen.
          Die Lösung liegt darin, über diese beiden Ansätze hinauszugehen und einen dritten Weg zu gehen.

          Wobei ich schon denke, dass es doch noch eine Reihe von Bauern gibt, die das Tier nicht unter rein ökonomischen Standpunkt sehen, aber mit dem Problem konfrontiert sind, ihren Hof ökonomisch führen zu müssen.

          1+
          • Inga sagt

            Bei den vielen Tieren im Stall zu jedem eine persönliche Bindung haben?

            Früher, als man noch 10 – 20 Sauen hatte, da konnte man eventuell zu denen ein persönliche Verbindung eingehen, aber zu den über 100 Mastschweinen schon nicht mehr.
            Dann wäre man ja ein Unmensch!!!
            Verlangen das die Fleischkonsumenten von uns?
            Ist das eine Unverschämtheit?

            Und wie viel Schweine braucht man für ein Familieneinkommen?

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          • Inga sagt

            Ich denke ab einer gewissen Anzahl von Tieren im Stall, kann man nicht merh so eine persönliche Bindung zu jedem Tier aufmehmen, wie zu einem Schoßhündchen!

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          • Sabine sagt

            Nun, Hund im Bett ist nicht nur aus hygienischen Gründen ungünstig, es könnte beim Hund auch zu Missverständnissen führen. Wo geschlafen wird, hat immer noch viel damit zu tun wie die Stellung im Rudel ist. Das Problem, dass größenwahnsinnige Yorkis z.B. Ehebetten in Beschlag nehmen und einen der Ehepartner nicht im Bett haben wollen, ist ja nicht ganz unbekannt. Wobei die herkömmliche Hauskatze meist nicht versteht, warum man – wenn man sie denn mag – das großzügige Geschenk ihrer Körperwärme und abendlichen Körperpflege ablehnt.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Bin vor mehr als 40 Jahren als Lieferant mehrfach in ein Haus im Schwäbischen gekommen, da hatten die Hühner Familienanschluss.

              Die pickten auf dem Esstisch die Kochtöpfe leer., klingt zwar unwahrscheinlich, war aber so.

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            • Sabine sagt

              Ja, das gibt es immer mal wieder. Ich bin da kein Fan von. Wenn sie krank oder verletzt sind oder wenn Küken in einer Kälteperiode schlüpfen, nun, dann bekommen sie nen alten Kaninchenstall an die Heizung gestellt. Wenn sie da raus wollen, sind sie gesund und besser draußen aufgehoben. Allein der Staub, den die entwickeln macht mich wahnsinnig und mir reicht es, wenn sie im Garten jede Tasche und jede Tüte nach fressbarem durchwühlen.

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  7. Dazu muss man erst mal wissen warum und vor allem wer den Bauernverband gegründet hat.
    Hat da jemand eine Jahreszahl oder den eigentlichen Gründungszweck?

    2+
    • Zenzi sagt

      @ Reinhard N.: Oha. Das war eine gute Frage, denn wenn man die Ursprünge des DBV nachforscht, kommen staatliche Verknüpfungen zum Vorschein. Die Abhängigkeiten des DBV haben sozusagen „Tradition“ https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernverband Gegründet wurde der DBV 1948 aus dem Reichsnährstand (räusperräusper) dieser ist hervorgegangen aus dem Reichslandbund in der Weimarer Rep. davor war es die Monarchie und Großagrarier usw.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Manchmal sollte man nachforschen, ob die Altforderen auch tatsächlich Widerstandskämpfer waren. Archive bringen manchmal unerfreuliches zu Tage.

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      • Inga sagt

        Was hat der Reichsnährstand schlechtes? Er hatte doch eine große Aufgabe, wenn das Reich autark leben wollte!?!

        Es mußten doch alle satt werden, oder?

        Damals waren Bauern noch gefragt!

        Danach hatte man sie vergessen und sie waren das Stiefkind der Volkswirtschaft!
        Wahrscheinlich heute noch, oder?

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  8. Da gibt es irgendwo im Archiv einen schönen Artikel von Bauer Willi, was er tun wird, wenn das Öl ausgeht und Energienotstand herrscht. Da stellt er den Bauern plötzlich so dar, als könnte sich der Bauer im Notfall selbst versorgen.

    Und ja, das denke ich auch. Der Bauer gehört dem einzigen Berufsstand an, der sich selber versorgen und damit unabhängig sein könnte. Der Bauer könnte sagen: Ich bau meine Wirtschaft so um, dass ich mich im Notfall selbst versorgen und damit jederzeit von welchem Verhandlungstisch auch immer aufstehen kann.

    Wenn sich der Bauer zuerst selbst versorgt und dann erst die Mitmenschen, ist er nicht mehr erpressbar. Dann kann er zu den Bedingungen produzieren, die er selber festlegt, und die anderen müssen akzeptieren. Denn in Wahrheit ist es doch so, dass alle Anderen, ob Politiker, Händler oder Stadtbewohner vom Bauern ABHÄNGIG sind und nicht umgekehrt.

    Ja, der Preis ist hoch. Aber das wäre ein Ausweg aus der Sackgasse. Im Unterschied zum Stadtbewohner und zum Veganer sitzt doch der Bauer an dem Platz, von wo aus die Veränderung der Gesellschaft ihren Anfang nehmen könnte. Und zwar ohne dass man ANDERE umerzieht oder hirnwäscht, sondern indem sich die Bauern auf sich selbst und ihre Kernkompetenz besinnen. Zu dieser Kernkompetenz gehört eben auch die Selbstversorgung und damit die Unabhängigkeit.

    Ich bin gespannt, ob die Bauern irgendwann merken, was für Möglichkeiten sie eigentlich haben und dass die Macht zur Veränderung der ganzen Gesellschaft bei ihnen liegt und nirgendwo sonst.

    9+
    • Lieschen Müller sagt

      Die Bauern in Europa versorgen sich seit mindestens 100 Jahren nicht mehr selbst, das wäre ein sehr großer Umbau.

      2+
      • Inga sagt

        Wenn wir uns nur noch selbst versorgen müßten, bräuchten wir keinen Traktor mehr, die Arbeit könnte dann die Kuh übernehmen.
        Die brauchte dannauch wenig Milch zu geben!

        Aber so einen und das knowhow dazu müßte dann jede Familie haben, um sich selbst zu versorgen.

        Aber weil wir mit Arbeitsteilung leben, haben das die Bauern für alle übernommen! Damit sich nicht jede Familie eine Kuh in die Autogarage stellen kann.
        Und auf die Rasenfläche daneben muß Gemüse für die Familie angebaut werden.
        Ein paar Öbstbäume und -sträucher wären auch nicht schlecht.
        Und einen Einkochkeller mit vieen gefüllten Gläsern!
        Und Bauern mit dicken Traktoren brächten wir dann nicht mehr!
        🙂

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    • bauerhans sagt

      „als könnte sich der Bauer im Notfall selbst versorgen.“

      NEIN,das kann er nicht,weil dann sofort NOTSTANDSGESETZE des staates greifen.
      ohne dieseltreibstoff ist der bauer absolut hilflos.

      0
      • Christian Krupp sagt

        In Italien gibt es seit eigene Jahren einen (Bio-) Betrieb der sich gezielt energieautark ausgerichtet hat. Der Metan-Traktor von New Holland (Prototyp) wurde dort mitentwickelt soweit ich weiß.

        Viele Grüße Biobauer Christian

        2+
    • Leider finde ich den entsprechenden Artikel von Bauer Willi nicht mehr. Da beschreibt er anhand seines Hofes, wie er im Falle einer Energiekrise vorgehen würde.
      Das ist ja aber der Extremfall.

      Im obigen Artikel geht es darum, ob und wie der Bauer seine Unabhängigkeit wieder zurückerlangen kann. Und ich sage: wenn es dem Bauern nicht gelingt, dann gelingt es keinem.

      Dann wird die Abhängigkeit von der Technik, von der Geldwirtschaft, von der Politik, sprich von diesem industriell-technisch-bürokratischem Superkomplex immer noch größer werden. Dieser industriell-technische Superkomplex ist eine Maschine, die der Mensch nicht kontrollieren und damit irgendwann auch nicht mehr reparieren kann.

      Es ist ziemlich blauäugig, darauf zu vertrauen, dass diese Maschine immer weiterlaufen und sich bei Bedarf selbst reparieren wird.

      Klar gibt es Widerstand und einfach ist es auch nicht. Und klar kann man auch den bequemen Weg gehen und immer so weiter machen wie bisher.

      Der Bauer kann seine Wirtschaft ja auch umbauen, ohne dass es einen Notstand gibt. Dann greifen auch keine Notstandsgesetze. Das Problem ist übrigens nicht der Mangel, sondern der Überfluss, der durch die Technisierung entsteht.

      1+
      • Lieschen Müller sagt

        Handel und Ausstausch hat immer etwas mit Vertrauen zu tun. Der Bauer kann sich sicher erstmal selber versorgen, möchte er etwas, was er nicht selber herstellen kann (z.B. einen Hosenknopf) muss er etwas verkaufen. Er wird nur verkaufen können, wenn sich der Kaufende nicht erpresst vorkommt. Der kauft dann woanders. Man kann sich jetzt gegenseitig erpressen (Krieg, Generalstreik) oder versuchen, miteinander auszukommen.

        2+
        • Ohne Hosenknopf kann man überleben. Nicht aber ohne Nahrungsmittel. Über Krieg und Generalstreik erpresst man sich gegenseitig schon seit einer Weile nicht mehr. Sondern über Geld.

          2+
    • Paulus sagt

      Den Beitrag habe ich auch gesucht und nicht gefunden. Vielleicht gibt Willi uns einen kurzen Hinweis.

      0
  9. bauerhans sagt

    da bauern immer hauptsächlich ihrer kernkompetenz,nahrungsmittel zu produzieren,nachgegangen sind,brauchten sie eine institution,die die verwaltungsarbeit übernimmt und das ist noch heute so,der bauernverband kümmert sich darum.
    auch kann man feststellen,dass bis vor ca. 20 jahren die märkte soweit reguliert waren,dass der bauer im schnitt der jahre sein auskommen hatte,aber heute eben zu weltmarktbedingungen wirtschaften muss,abgefedert durch staatliche agrarzahlungen,die aber gerade so zum überleben reichen.

    1+
    • Bauern sind heute abhängig vom Weltmarkt, wenn sie sich selbst nur als Produzenten von Agrarrohstoffen betrachten. Wer sich als Unternehmer und Hersteller von Nahrungsmitteln versteht, wird sich nicht gerne auf Vermarkter und Weltmarkt verlassen und Alternativen entwickeln. In der Milcherzeugung gibt es gute Beispiele dafür. Die Verbände könnten die Regionalisierung der Märkte aktiv fördern, statt einfach das Weltmarkt-Mantra der Industrie zu übernehmen.

      2+

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