Bauer Willi
Kommentare 87

Im Treibhaus schuften – Verbraucher profitiert

Ist das Europa? Ja, auch das ist Europa. Eine bedrückende Reportage über die Arbeit und das Leben von etwa 80.000 Migranten im Treibhaus-Meer von Almeria. Für unser billiges Gemüse und Obst in Westeuropa.
Faire Arbeitsbedingungen sind das nicht! Doch wer kümmert sich drum? Und wen interessiert es überhaupt?

http://info.arte.tv/de/spanien-im-treibhaus-schuften

Bildquelle: Facebook

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87 Kommentare

  1. Eckehard Niemann sagt

    Hallo, Bauer Willi, das finde ich gut, dass Sie dieses Thema behandeln. Nur würde mir – statt „Verbraucher profitiert“ – erstmal einfallen „Agrarindustrielle profitieren“ – statt den Verbrauchern indirekt eine Mitverantwortung zuzuschieben…

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  2. Schmeckt gut sagt

    Bin auch geschockt. Und habe gleich kontrolliert, ob es ein älterer Beitrag ist. Dies Thema wird schon seit etlichen Jahren immer wieder angesprochen und anscheinend passiert nichts. Von uns kann ich nur berichten, dass die hiesigen Auflagen mittlerweile absurde Züge annehmen. Die von uns verlangten Zertifizierungen nach QS-GAP haben eine Kontrolle auf Sozialstandards integriert, die alle Bereiche abdeckt. Auch die Bereiche Arbeitsschutz, Unterkünfte, Informationspflichten… werden intensiv überprüft, obwohl dies schon durch die deutsche Berufsgeno und Ordnungsamt… abgedeckt ist, die auch kontrollieren und bei Verfehlungen hart bestrafen. Ja, tatsächlich – wir sind ja nur kleine Fische, die sich nicht wehren können und wehren sollen. Für die Preisfindung wäre es besser, wenn die Kontrolldichte noch deutlich dichter wäre, um schwarze Schafe auszumachen (s.a. Fleischbranche). Die Einkäufer kaufen nur nach vorliegendem Zertifikat und billigstem Preis. Wie aber kann dies bezogen auf Spanien funktionieren, wenn doch ganz offensichtlich die Erntehelfer auf der Strasse leben? Wo bleiben die Sozialstandards, die bei GlabalGap hoch bewertet werden und die Hygieneanforderungen, die besonders bei QS hoch sind? Liebe Auditoren der QS-Systeme, passt besser auf, sonst fliegt euch der ganze Salat um die Ohren. Es wird mal Zeit, dass über GlabalGap und QS Druck ausgeübt wird. Mit den gleichen Kontrollanforderungen, wie in Deutschland. Der spanische Staat scheint wegzuschauen.

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  3. Schweinebauer Piet sagt

    Schrecklich diese Bedingungen. Spargel wird viel besser gestochen in Niedersachsen und Schweine besser gehalten. Da gibt es in Spanien aber auch schlimme Bedingungen.

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  4. Ich seh das so sagt

    Es ist vieles hier ja schon richtigerweise ge- und beschrieben worden. Die Hauptfrage von Willi „Wen interessiert es , wer kümmert sich darum“ bleibt unbeantwortet und wird es vermutlich weiter bleiben. Wenn ich bei Youtube filtere nach „Almeria Gewächshäuser“ sind die ältesten Beiträge 8 Jahre alt, bei Google ist zu dem Thema der älteste vorhandene Artikel 10 Jahre alt. Ich war vor 15 Jahren in der Gegend, da wurde auch schon darüber unter den Berufskollegen berichtet und diskutiert. Alles beschreiben die selbe Problematik wie heute.

    Ich weiß nicht wer sich zuständig fühlt oder fühlen soll. Ist es ein Problem der EU (also des Agrarkommissars, oder der europ. Bauernorganisationen COPA-COGEGA oder der europ. Gewerkschaften oder……), ist es ein Problem SPANIENS oder ist es ein Problem von ALMERIA ?

    Ich habe halt das Gefühl es ist einer von den „Systemfehlern“ die zwar in den reichen Staaten dieser Erde manchmal aufflackern (wie Sodbrennen oder Juckreiz), das aber morgen wieder vergessen ist, (wenn man wieder billig oder auch teuer shoppen war – egal ob Lebensmittel, Schuhe, Kleidung, Handys …….).
    Es gibt Hochlohnländer und Billiglohnländer und Billigstlohnländer und Subsistenzländer und meinetwegen Diktaturen (wenn ich daran denke, daß angeblich Nordkorea seine Bevölkerung nach China „verleiht“ gegen Wirtschaftshilfe (oder war es Waffentechnologie), weil die dort Arbeiten machen, die auch kein Chinese mehr macht, mit z.B. 15 Euro Monatslohn.

    Also wer fühlt sich zuständig oder wer sollte sich zuständig fühlen ?

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    • Jeder sollte sich zuständig fühlen für sein eigenes Verhalten. Aber man möchte nicht gerne immer wieder an die schlimmen Folgen eigenen Verhaltens erinnert werden. Der politische Konsens ist doch überall der, dass man Ausbeutung jedweder Art zwar schlimm findet, aber doch nicht auf Lebensstandard verzichten möchte. Früher haben in Andalusien Tagelöhner unter ähnlichen Bedingungen Baumwolle gepflückt, noch in den 1980er Jahren haben die Landarbeitergewerkschaften gegen die Einführung der ersten Erntemaschinen protestiert. Die „Ausbeutung“ hat sich mit der Technik auf Bodenschätze und Rohöl verlagert, die schädlichen Folgen sind weiter weg. In irgendeiner Weise lebt der Mensch im Industriezeitalter immer über seine Verhältnisse und auf Kosten von Zukunft und Vergangenheit.

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  5. Veränderungen wären so leicht, wenn man einfach mal akzeptieren würde, dass jeder Mensch zuerst mal an sich selber und an seine Familie denkt und nicht an irgendwelche Menschen, die er gar nicht kennt, oder an ein anonymes Gebilde wie der Staat, die Gesellschaft oder was auch immer. Es ist ganz einfach: wenn man etwas verändern will, muss man nur zusehen, dass derjenige, der sich ändern soll, einen konkreten Vorteil davon hat. Das klappt so gut wie immer.

    Was für einen konkreten Vorteil hat der Konsument davon, wenn er fortan keine Tomaten aus Almeria mehr kauft? Was hat der Migrant davon, wenn Almeria vom Konsumenten geächtet würde? Was für einen Vorteil hat der Politiker von einem Gesetz, das Tomaten aus Almeria erheblich verteuert? Ich würde mal sagen, keiner der drei an diesem Spiel Beteiligten hat einen konkreten Vorteil. Der Konsument muss mehr für seine Tomaten bezahlen. Der Migrant ist arbeitslos. Der Politiker wird nicht wieder gewählt.

    Dies hier ist eine Variante vom Schwarzen-Peter-Spiel. Jeder versucht, dem Anderen den Schwarzen Peter unterzujubeln. Der Bauer dem Konsumenten, der Linke dem Rechten, der Veganer dem Karnivoren, der Stadtbewohner dem Landmensch und umgekehrt natürlich auch: der Konsument dem Bauer, der Rechte dem Linken, der Karnivore dem Veganer, der Landmensch dem Stadtmensch.

    Mit diesem Spiel ist man so beschäftigt, dass man nicht dazu kommt, wirklich etwas zu verändern. Das ist der Vorteil, den jeder von uns hier hat. 🙂 Und warum auch nicht? Heute trifft man sich halt an einem virtuellen Stammtisch und spielt mit virtuellen Karten. Das nennt man dann Fortschritt.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      >>Was für einen konkreten Vorteil hat der Konsument davon, wenn er fortan keine Tomaten aus Almeria mehr kauft? Was hat der Migrant davon, wenn Almeria vom Konsumenten geächtet würde? Was für einen Vorteil hat der Politiker von einem Gesetz, das Tomaten aus Almeria erheblich verteuert? Ich würde mal sagen, keiner der drei an diesem Spiel Beteiligten hat einen konkreten Vorteil. Der Konsument muss mehr für seine Tomaten bezahlen. Der Migrant ist arbeitslos. Der Politiker wird nicht wieder gewählt.<<

      Warum kommt niemand auf die Idee, für diese Menschen einen gerechten Lohn zu fordern?

      Ach ja, das würde die Tomaten für den Verbraucher verteuern.

      Meine würde es nicht verteuern, wir warten bis die ersten Reif werden, im eigenen Garten. 🙂

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      • AdT sagt

        „Warum kommt niemand auf die Idee, für diese Menschen einen gerechten Lohn zu fordern?“

        Ich bin für Abschiebung.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Das finde ich gut, das Problem ist, dass trotz 18 %iger Arbeitslosikeit, kein Spanier bereit ist, diese Arbeit zu tun.

          In Deutschland ist es nicht anders,.

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  6. Friedrich sagt

    Von diesen Leuten kommt unser Wohlstand. Wenn das Gemüse in einem anderen Land noch billiger zu produzieren ist, dann gehen die Einkäufer des deutschen LEH dort hin. Denen ist es egal woher das Gemüse oder andere Produkte kommen , hauptsache man kann den Verbrauchern alles noch billiger anbieten. In der TAZ in Berlin stand mal : Und wenn das Huhn mit Beton gemästet wäre und noch billiger wäre ,der Verbraucher würde es kaufen. Also ist das Verbraucherverhalten doch nicht ganz zu vergessen , auch wenn sich alle über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufregen. Diese Doppelmoral haben doch fast alle und ist halt menschlich , oder ? oder nicht ?

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  7. AdT sagt

    Der Verbraucher ist nicht schuld (s. auch unten Sandra). Die Plantagenbetreiber beschäftigen die Migranten illegal. Bei vielen der in den Gewächshäusern arbeitenden Migranten handelt es sich um Wirtschaftsflüchtlinge. Sie halten sich illegal in Europa auf, und zwar ebenso frewillig, wie sie dort arbeiten – oder sagen wir angesichts der Sachzwänge: eigenverantwortlich. Ich maße mir nicht an, ihnen einen Vorwurf zu machen – fast jeder hält sich nur an Ge- und Verbote, solange die Vorteile die Risiken einer Rechtsverletzung nicht überwiegen.

    Warum geht der spanische Staat dagegen nicht entschieden vor? Befürchtet er Wettbewerbsnachteile für die Agrarwirtschaft in Almera, oder dass die Migranten auf der Straße rumlungern? Ein überaus komplexes Problem, das bis nach Afrika reicht.

    Sicher ist nur: Man wird dem Problem nicht dadurch Herr, dass man kein Obst und Gemüse aus dem Ausland mehr kauft.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Bei uns stehen 5 Zollbeamte am frühen morgen auf dem Spargel, oder Erdbeerfeld, ob die auch ihren Mindestlohn bekommen, dennoch wird die korrekte Bezahlung heftigst kritisiert.

      Wenn diese Kritik noch von deren kommt, die ohne jegliche Verantwortung der illegalen Arbeiter in Almeria gegenüber erklären, damit habe ich nichts zu tun, das hat schon ein Gschmäkle, würde der Schwabe sagen.

      Vielleicht könnte mal der Herr „Anwalt“ denen sagen, unter den Bedingungen werde ich in Zukunft keine spanische Tomaten mehr kaufen. Das macht man nicht gerne, dann würden die Tomaten 1.- Euro je Kg mehr kosten, gell?

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  8. Ottmar Ilchmann sagt

    Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der überwiegend osteuropäischen Arbeitskräfte in der Schlachthofbranche in Südoldenburg sind auch nicht viel besser. Es geht bei der gesamten europäischen Agrar- und Ernährungsindustrie immer um Billigproduktion entlang der gesamten Kette. Das beginnt bei den Bauern (respektive ihren Tieren), geht über die Beschäftigten in der verarbeitenden Branche und endet bei den Kolleginnen, die in den Supermärkten die Regale einräumen. Ziel ist einerseits die Weltmarktfähigkeit und andererseits die Gewinnmaximierung für einige wenige Konzerne.

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    • bauerhans sagt

      auch hier wurden einzelfälle medial aufgebauscht,weils quote bringt,wie die stalleinbrüche.
      die grossen schlachthöfe können sich das überhaupt nicht erlauben,wenn über osteuropäische mitarbeiter im fernsehen negativ berichtet wird.

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      • Ottmar Ilchmann sagt

        Einfach mal informieren! Da gibt´s eine Fülle von negativen Berichten, das juckt die Schlachtkonzerne gar nicht. Ein Clemens Tönnies z.B ist nicht so zart besaitet.

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        • bauerhans sagt

          gerade ct lebt von seinem ruf,weshalb er sich gerade mit seinem neffen geeinigt hatte.

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          • AdT sagt

            Das halte ich für gutgläubig. Sind Sie doch sonst nicht. CT hätte es dann wohl kaum auf den Rechtsstreit ankommen und ihn so lange schwelen lassen. Der Notar hat nach meiner Erinnerung bei der streitgegenständlichen Anteilsübertragung die falsche Firma im Vertrag aufgeführt. Dann zu beweisen, dass eine andere Gesellschaft gemeint war, ist schwierig. Der Prozessausgang war offenbar deshalb schlicht ungewiss. Das Gericht hat dann auf Umstände zu Gunsten des Neffen hingewiesen, sich dabei aber nicht festgelegt, wie das Gerichte während des Verfahrens eben machen. Daher die Einigung.

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  9. Sabine sagt

    Das Problem ist auch hier, das Gemüse schreit die Ungerechtigkeit nicht raus, wenn es in unseren Regalen liegt. Sicher kann man sich denken, dass ein T-Shirt für fünf Euro nicht ohne Schweinereien hergestellt werden kann, aber das für fünfzig ist oft unter den selben Verhältnissen produziert. Das zieht sich durch von den Nahrungsmitteln bis zur Elektronik. Ich bin als Verbraucher auf Mutmaßungen angewiesen. Kein Verkäufer vor Ort kann da Auskunft geben, kein Konzern lässt sich da in die Karten gucken. Der Wahnsinn ist, denke ich, jedem bekannt. Nur eine informierte Kaufentscheidung kann ich nicht treffen, weil mir die Infos schlicht fehlen. Ich kann Rohrzucker aus Südamerika dem Weg gehen, der ja oft eben als Rohrzucker beworben wird, wenn ich Zucker kaufe, weil ich aus erster Hand weiß, dass da Kinder in die noch brennenden Zuckerfelder geschickt werden. Wenn ich Kekse kaufe, kann ich nur hoffen, dass der Hersteller deutschen Rübenzucker nutzt. Der beißende Rauch, der aus den Feldern aufsteigt, fehlt da einfach in den Endprodukten, sonst wären die allein schon aus dem Grund unverkäuflich. … und ich frag mich immer, warum daraus unsere heimische Wirtschaft sich daraus keine Alleinstellungsmerkmale bastelt. Made in Germany ist ein Qualitätsversprechen in mehr als nur einer Hinsicht. So und jetzt guck ich mal was die Erdbeeren so machen. Da kann ich die nächsten Tage selber pflücken und das sind die besten Erdbeeren der Welt. Ich hab mich für Mara de Bois entschieden, die tragen oft bis in den Oktober.

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    • AdT sagt

      Zustimmung, wobei man natürlich auch bei teuren Sachen nicht weiß, ob sie unter besseren Bedingungen hergestellt wurden. H&M, oder war es Kik, soll sich mehr um bessere Produktionsbedingungen kümmern als „Nobel“-Marken wie Louis Vitton und Prada. Deren Kundschaft interessiert es überhaupt nicht (oder verachtet sogar Menschen- und Arbeitnehmerrechte).

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    • bauerhans sagt

      die zuckerrohrernte ist heute weitgehend mechanisiert,auf kuba wohl nicht,was einige schreiberlinge dazu bringt,von bioanbau zu schwärmen.

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      • Sabine sagt

        Es ist keine fünf Jahre her, dass ich das letzte Mal da war. Ja, es gibt die Erntemaschinen, aber die schneiden das Rohr zu hoch ab und im unteren Bereich ist halt der meiste Zucker. Offiziell gibt es diese Kinderarbeit übrigens nirgends mehr, die ist schon lange gesetzlich verboten. Auf den Haciendas aber niemanden, auch weil die Familien oft ohne die Arbeit der Kinder nicht über die Runden kommen würden.

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  10. Die Damen und Herren, die immer wieder für mehr Gerechtigkeit und immer wieder für bessere Gehälter in Deutschland wettern, kaufen sehr gerne Obst und Gemüse aus andren Ländern egal wann und woher…..
    Über die Folgen vor der Ladentheke kümmern Sie sich kein bisschen, genau wie bei Kleidung, Elektronik usw.
    Desweiteren sind die Lebensqualitäten in dem vereinten Europa schon sehr unterschiedlich, wohlgemerkt ein gemeinsames vereintes Europa…..schon das ist doch Abartig….

    Gruß Klaus Weber

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