Bauer Willi
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Im Märzen der Bauer…

Sandra bewirtschaftet einen Betrieb in der Lüneburger Heide. Und sie hat eine Frage, die sie an euch weitergibt. Wie würdet ihr entscheiden?

In Märzen der Bauer… Das Lied kennt wohl jeder und die ersten Landwirte haben bereits mit der Frühjahrsbestellung begonnen.

Sie haben sicher schon den ein oder anderen Landwirt in den letzten Tagen auf dem Acker gesehen und sicher auch einige Stellen, wo noch Wasser auf dem Acker steht und regional in den Morgenstunden sogar Frost. Nun stellen Sie sich die Frage: „Ist das nicht viel zu früh, was die Landwirte da treiben? Nach was richten sich die Landwirte denn, dass sie jetzt schon bestellen, düngen und spritzen?“

Und genau über die Frage, wonach wir entscheiden, wann wir mit der Frühjahrsbestellung beginnen, möchte ich heute einmal einige Wege aufzeigen, nach welchen viele meiner Kollegen und ich unsere Entscheidung treffen.

Die alles entscheidenden Kriterien sind: Ist der Acker befahrbar? Ist der Boden trocken genug für eine Bearbeitung? Ist dies gegeben, folgt der Blick auf den Kalender und auf die Wettervorhersage – in diesem Fall auch meist auf eine 14-Tage Prognose, denn stärkerer Frost könnte die keimenden Pflanzen abtöten, insbesondere die Zuckerrüben. Nun ist so eine 14-Tage Prognose nicht´s weiter, als eine Prognose… Also folgt im nächsten Schritt der Blick auf den Mondkalender, denn der Mond, konkreter gesagt, der Vollmond hat Einfluss auf die Temperaturen, also damit auch auf den Frost. Ebenso geben Wetterfahne und Barometer Aufschluss auf das zu erwartende Wetter und Temperaturen.

Viele Kollegen richten sich aber auch nach den sogenannten „Bauernregeln“: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bauernregeln

Diese beruhen zum größten Teil auf Jahrzehnte langen Wetterbeobachtungen und sind regional oftmals zutreffend. Andere richten auch gerne ihren Blick auf den „Hundertjährigen Kalender“: http://kalender.rohrmann.com/cms/2016

Auch dieser stimmt oftmals und gibt evtl. Hinweise auf den richtigen Zeitpunkt. Und nicht zu vergessen sind die persönlichen Erfahrungswerte die ein jeder Landwirt hat.Wenn man das nun alles so liest, könnte man meinen, das alles sei eine Wissenschaft für sich. Ganz so ist es nun aber auch nicht, wie ich es anhand meines Beispiels erläutern will:

Ich trage mich mit dem Gedanken, die ersten Zuckerrüben in die Erde zu bringen; nun hatten wir hier in der Lüneburger Heide am 14.März morgens minus 5 Grad. Der nächste Vollmond ist am 23. März, die Windrichtung ist Nord bis Nord-Nord-Ost. Ich schließe daraus, dass ich in den nächsten Tagen mit trockenem, aber weiterhin kühlem Wetter und mit Frost am Morgen rechnen muss. Die Rüben brauchen je nach Bodentemperatur in der Regel zwischen zehn und 20 Tage, bis sie aufgelaufen sind und rund weitere 5 Tage, um Frost in den Morgenstunden zu überstehen. Daraus schließe ich, dass der ideale Termin zum Drillen der Rüben direkt zum Vollmond liegt, also um den 23 März, damit die Pflänzchen beim nächsten Vollmond am 22. April groß genug sind, um eventuellen Frost zu überstehen. Nun ist es aber hier oben in Niedersachsen eine Gratwanderung, bereits im März Rüben zu drillen, das kann auch mal daneben gehen .

Ich könnte jetzt auch nur einen Teil der Rüben eindrillen, da der Boden nicht überall schon trocken genug dafür ist, also würde ich in zwei Etappen eindrillen. Der nächste ideale Termin wäre dann etwa Mitte April.

Nun frag ich euch, was würdet ihr machen? Jetzt im März starten oder lieber bis Mitte April warten?

Ich bin gespannt, was ihr mir nun ratet! Wie ich mich entscheide, könnt ihr nachlesen, wenn es soweit ist:

https://www.facebook.com/Heute-auf-dem-Bauernhof-1135782126446438/?fref=ts

 

Eure Sandra

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12 Kommentare

  1. Gurkenhobel sagt

    Grundsätzlich hängt der Aussaattermin sehr von der betrachteten Region und den dortigen klimatischen Verhältnissen ab. Ich habe die phänologischen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seit 1951 bis heute dahingehend ausgewertet. Alle sprechen davon, dass immer früher gedrillt würde, zusätzlich wird diese Tendenz von Zuckerindustrie und Verbänden gepusht. Das mag auch darauf zurück zu führen sein, dass das in den letzten Jahren meistens gut ging, und der Focus richtet sich oft auf die jüngere Vergangenheit.
    Schaut man lange zurück und analysiert den gesamten Datensatz des DWD, stellt man fest, dass nicht wirklich immer früher gedrillt wird, sondern die späten Aussaaten abnehmen, d. h. die frühen Aussaaten in der Wahrnehmung normal werden. Leider kann ich hier keine Grafiken einstellen, da sieht man das ganz gut.

    Regional gibt es aber deutliche Unterschiede, jeweils bei Betrachtung der Daten von 1951-2015. Folgende Daten sind die Trends in den Regionen in Tage pro Jahr, die früher (negativ) oder später (positiv) gedrillt werden. Die zweite Zahl gibt den Trend für den Betrachtungszeitraum 2006-2015 an. Vergleicht man diese beiden Werte, sieht man, ob die Region eine Tendenz zur Verfrühung zeigt, oder umgekehrt:

    Hildesheim: -0,19/-0,08 => werden vorsichtiger
    Köln-Bonner Rheinebene: 0,16/-0,02 => werden mutiger
    Braunschweig: -0,04/-0,09 => werden mutiger
    Dithmarschen: -0,29/0,03 => werden vorsichtiger
    Uelzen: 0,05/-0,9 => werden deutlich mutiger
    Wetterau: -0,13/-1 => werden deutlich mutiger
    Göttingen: -0,04/-1,08 => werden deutlich mutiger
    Schladen: -0,32/-0,39 => werden mutiger
    Angeln: -0,29/-0,63 => werden mutiger
    Plattling: 0,01/-1,54 => werden deutlich mutiger

    Die Werte sind Angaben in Tag pro Jahr. Bsp. Hildesheim: Langfristig betrachtet haben die jedes Jahr 0,19 Tage früher gedrillt. Kurzfristig betrachtet drillen sie jedes Jahr 0,08 Tage früher. Werden also etwas zurückhaltender.

    Warum ist die Zeit um Ende März so günstig? Auch das kann man grafisch schön darstellen, ich versuche es mal zu umschreiben. Strahlungsintensität bedeutet Erwärmung und Nutzen für die junge Pflanze im Sinne der Photosynthese. Ab dem 22. März (DWD-Station Braunschweig, 1958-2015) steigt die Globalstrahlung, die auf der Erde ankommt, massiv an (wg. Sonnenstand, Zenit und so…), und mit ihr der enthaltene Anteil der photosynthetisch aktiven Strahlung. Grafisch sieht man das toll! Das muss man als Pflanzenbauer unbedingt mitnehmen!

    Es gilt, die „4 magischen Zahlen“ des erfolgreichen Zuckerrübenanbaus zu realisieren: 90.000 Pflanzen pro Hektar, in den 90 Tagen nach der Saat einen Blattflächenindex von 4 qm/qm zu erhalten und in dieser Zeit eine Temperatursumme von 1200 °C (Basis 3 °C) einzusammeln. Der Landwirt kann natürlich nicht alles beeinflussen, aber ein wenig mit Wahl von Sorte und Aussaattermin steuern. Dazu gehört auch viel Erfahrung, jeder Bauer kennt seinen Standort selbst am besten.

    Wenn der Boden es zulässt und die Kurzfristprognose gut ist, sollte man ab der dritten Märzdekade niemanden mehr vom Drillen abhalten.

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  2. Stephan Becker sagt

    Gibt es eigentlich wissenschaftliche Studien über die positive Wirkung des Mondes auf das Pflanzenwachstum?
    Von Bäumen her kenne ich das mit dem Saft hoch- bzw. herunterziehen durch den Mond. Wird die gleiche Wirkung beim Aussäen berücksichtigt?

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    • Andreas Schmid sagt

      Kann man berücksichtigen, aber wenn der Boden zum Idealzeitpunkt nicht befahrbar ist und er zum weniger idealen Zeitpunkt trocken ist und befahrbar ist, kann man auf so was keine Rücksicht nehmen. Du kannst nun mal nicht auf alles Rücksicht nehmen.
      Du kannst bei Kreisregner beim Bewässern anhand dem Stand des Mondes bei Windstille an einem unförmigen Kreis auf die Uhrzeit Rückschlüsse ziehen. Das sind aber nur nette Spielereien. Wenn die Sonne noch richtig steht wird der Kreis noch unförmiger.
      Ich halte es mit dem Mond so: Es gibt Dinge, die wissenschaftlich nachgewiesen sind, und es gibt Dinge mit dem Mond das ist Hokuspokus. Dazwischen gibt es Dinge die noch nicht nachgewiesen sind, und solange es keinen ordentlichen Nachweis gibt ist das für mich Glaubenssache, sprich Hokuspokus

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  3. Friedrich sagt

    Hallo Sandra,wir hier in Südhannover drillen auf keinen Fall vor dem 20. März. Frost , Regen
    und die Gefahr von Rübenschossern ist uns zu groß. Im Jahre 2014 hat die frühe Rübensaat
    Anfang März funktioniert. Im letzten Jahr hatten die vor dem 1. April gesäten Rüben maßenhaft
    Seitenschosser.
    Wir haben immer etwas später gedrillt und vom Ertrag keine Unterschiede festgestellt.Aber
    man muß auch das Risiko sehen. Rd. 400 Euro/ha für eine zweite Saat ist auch nicht ganz
    ohne. Der Saatzeitpunkt ist sicherlich sehr unterschiedlich zu sehen. Wie ist das Frostrisiko,
    oder die Gefahr der Verschlämmung des Bodens bei längerer Regenzeit . Ich kenne Landwirte die drillen nie vor dem 20. April wegen der Spätfröste. Diese sind bei Sandböden gefährlicher als bei Lehmböden. Das Rheinland drillt wegen der Wärme immer früher als wir hier. Wo Hähnchenmist , Gärsubstrat und Gülle wie bei uns ausbringen sind , ist man halt immer einige Tage später, aber die Rüben und Regenwürmer mögen das halt gerne und es spart Kosten. Solange wie z. Zt. keine Aussicht
    auf wärmeres Wetter ist, sollte man erst einmal abwarten. Heute ist ja erst der 16. März.

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  4. Schweinebauer Piet sagt

    Moin Sandra, wir sind am Rande der Lüneburger Heide und werden nachher in der Marsch anfangen das Rübenland zu bearbeiten. Das Wetter sieht gut aus die nächsten Tage, so dass sich der Boden gut absetzen kann und dann werden die Rüben gelegt. Wenn der Boden trocken ist würde ich das bei Dir im Nordosten genauso machen.

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    • Bauer Willi sagt

      Und was hat das jetzt mit der Frage von Sandra zu tun? Beantwortet doch ihre Frage nicht. Ach so, Du wolltest wieder mal nur Deine Meinung zu einem nicht gestellten Thema abgeben….
      Bauer Willi

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    • Johann Meyer sagt

      Plabst Christine,
      in Ihren link wird die biodynamische Bodenbearbeitung thematisiert. Stichwörter (Mond, Kompost, Gründüngung und Präparate). Selbstverständlich gehört das hierher. Die segensreiche Wirkung von Kompost hat B. Willi ja schon beschrieben. Die förderliche Wirkung von Gründüngung für einen erfolgreichen Frühjahrsstart ist ebenfalls unstrittig. Über Mond und Präparate kann man sehr geteilter Meinung sein. Ein rationaler Umgang mit diesen Faktoren wäre aber wünschenswert. Gute Demeterbauern haben die vitalsten Böden in Bezug auf die oben gestellte Frage bezüglich befahrbarer und trockene Böden. Auch wenn Ihre Frage anscheinend nicht ins Drehbuch passt, machen sie einfach weiter.

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  5. Bauer Willi sagt

    Hallo Sandra,
    wir warten noch darauf, dass Gärsubstrat gefahren wird. Wir wollen ja organisch düngen. Wird dann sofort eingearbeitet und danach entscheiden wir, ob die Bodenstruktur es zulässt, dann auch gleich Rüben zu säen.
    Bauer Willi

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    • Martin Grube sagt

      Moin.
      Wenn du organischen Dünger geliefert bekommst, ist da die Technik zum Ausbringen dabei?
      Und wie kontrolliert ihr was drin ist, nicht das man nur Wasser kauft?
      Und was ist eigentlich Champost?

      Gruss in den Süden

      Martin

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      • Bauer Willi sagt

        Hallo Martin,
        Technik ist dabei, entweder mit Grubberinjektion oder mit 27 m-Schleppschläuchen bodennah. Wir stehen dann mit dem Grubber daneben und arbeiten direkt ein. Zur Qualität: wir bekommen eine aktuelle Analyse mitgeliefert und außerdem ist der Lieferant ein Bekannter von mir. Wenn der mich bescheißt, hat er ein ernsthaftes Problem.

        Champost ist Champignonsubstrat, dass nach der Champignon-Ernte sterilisiert wird und vergleichbar ist mit gut verrottetem Pferdemist. Der Stickstoff fließt sehr langsam, P und K ist so viel drin, dass wir keine mineralische Düngung mehr benötigen. Bildet außerdem sehr gut Humus, deshalb kommt er ab und zu zum Einsatz. Seitdem wir Champost einsetzen, ist die Wasserhaltefähigkeit gestiegen und die Verschlämmungsgefahr (schluffiger Lehm) deutlich gesunken.
        Bauer Willi

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  6. bauerhans sagt

    hier gibts kollegen,die jedes jahr so früh wie möglich ihre rüben drillen,einige haben dann pech,andere glück.
    da ich erst gülle ausbringen muss,stellt sich mir die frage nicht,da ich erst fahren kann,wenn der boden abgetrocknet ist.
    höchsterträge von 85 bis 90to rüben pro ha hatte ich noch nie erreicht,ich werde in 2016 das letzte mal rüben anbauen,da die neuen preisangebote der zuckerfabrik sich für mich nicht rechnen.

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