Bauer Willi
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Gleiche Standards bei Agrar-Importen!

Ein Gastbeitrag von Jürgen Donhauser, der jüngst ein sehr interessantes Papier erhalten hat, das nicht nur den derzeitigen Bundeslandwirtschaftsminister interessieren sollte. Hier seine Ausführungen:

Immer wieder wird die Forderung aufgeworfen, warum andere Länder mit geringeren Produktionsstandards im Bereich Arbeitsschutz, Entlohnung, Umwelt, Tierschutz etc. ungehindert ihre dadurch billigeren Waren in die EU liefern dürfen. Mit diesem Vorwurf konfrontierte ich unlängst den ehemaligen Europaabgeordneten Albert Deß. Zu meiner Überraschung teilte er mir mit: „Wir demokratisch gewählten EU-Abgeordneten haben unsere Hausaufgabe diesbezüglich gemacht und dies auch so beschlossen!“ – und übermittelte mir folgende Unterlagen:

In Vorbereitung auf die GAP-Reform hat das Europäischen Parlaments am 23. Juni 2011 beschlossen (Nr. P7_TA-PROV(2011)0297 unter :

R: in der Erwägung, dass die Aufnahme neuer und ehrgeiziger Ziele in die GAP, insbesondere in Bezug auf Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz sowie territoriale Kohärenz, zu befürworten ist und dass diese anspruchsvollen Standards auf internationaler Ebene verteidigt werden sollten, um die Existenzfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirte zu sichern, deren Erzeugerkosten auf einem hohen Niveau liegen, und dass die langfristige Produktivität und Ernährungssicherheit, insbesondere im Hinblick auf Störungen des Weltklimas, von einem schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen, vor allem dem Boden, dem Wasser und der biologischen Vielfalt, abhängen,

noch schärfer unter:

G: in der Erwägung, dass die Weltwirtschaft stärker zusammenwächst und Handelssysteme durch multilaterale und bilaterale Verhandlungen stärker liberalisiert werden und dass bei Übereinkommen auf multilateraler und bilateraler Ebene gewährleistet werden muss, dass die Produktionsverfahren von in Drittstaaten erzeugten Waren, die in die EU ausgeführt werden, den europäischen Verbrauchern dieselben Garantien hinsichtlich Gesundheits-, Lebensmittelsicherheits-, Tierschutz-, Nachhaltigkeits- und Sozialstandards bieten wie die innerhalb der EU angewendeten Produktionsverfahren,

Hier beschließen also die von uns gewählten EU-Parlamentarier eindeutig und unmissverständlich, nur Güter in die EU zu importieren, die auch unseren Standards entsprechen – eine eindeutige, demokratische Willensbekundung, wie ich meine. Da aber das Parlament ein Gesetz nicht verabschieden kann, liegt dieser Beschluss seit dem 23. Juni 2011 bei der EU-Kommission und wird nicht weiterbearbeitet!

  • Regeln auf für Deutschland

Bevor sich aber nun Deutsche Bundespolitiker genüsslich zurücklehnen und sich darüber freuen, dieses Mal nicht betroffen zu sein, möchte ich an ein deutsches Gesetz erinnern:

1 – Landwirtschaftsgesetz (LwG) Inkrafttreten am: 6. September 1955

Um der Landwirtschaft die Teilnahme an der fortschreitenden Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft und um der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit Ernährungsgütern zu sichern, ist die Landwirtschaft mit den Mitteln der allgemeinen Wirtschafts- und Agrarpolitik – insbesondere der Handels-, Steuer-, Kredit- und Preispolitik – in den Stand zu setzen, die für sie bestehenden naturbedingten und wirtschaftlichen Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen auszugleichen und ihre Produktivität zu steigern. Damit soll gleichzeitig die soziale Lage der in der Landwirtschaft tätigen Menschen an die vergleichbarer Berufsgruppen angeglichen werden.

Und da sie in den Folgeparagraphen aufgefordert werden dies auch jährlich statistisch zu erheben, bestätigen und dokumentieren sie jährlich ihr eigenes Versagen und ihren Gesetzesbruch. Angesichts der dramatischen Lage vieler Schweinehalter derzeit und den vielen menschlichen Tragödien die sich auf den Betrieben abspielen, kann man wohl nicht von Einhaltung des Gesetzesauftrages und Sorgfaltspflicht der Politik sprechen.

Deshalb gleiches Recht für alle! Wenn die Politik offensichtlich Beschlüsse und Gesetze nicht beachtet, wird es wohl den Landwirten schwer zu vermitteln sein, auch ihrerseits jede Verordnung oder Gesetz bis zum letzten „i“-Tüpfelchen zu befolgen.

Gastartikel stellen die Meinung des Autors dar

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97 Kommentare

  1. Ferkelhebamme sagt

    @RW: für mehr Verständnis, versuche ich Ihnen mal die Sicht aus meiner Lage zu erläutern: Für mich ist es “die” Politik und “die” Gesellschaft. Sie schreiben selbst, egal welche Regierung, es wird sich nicht viel ändern. und für uns heißt das seit Jahren zig z.T. schwachsinnige Verordnungen, die wir umsetzen MÜSSEN und die viel Geld kosten, was wir nicht haben und gleichzeitig mit Ware konkurrieren müssen, die das nicht erfüllen muss. Ja, und es ist “die” Gesellschaft, das Gros, das konsumiert und nicht der Klitzekleine Anteil, der wirklich ehrlich nach seinen moralischen Ansprüchen handelt. Mir erzählt ungefragt jeder, wirklich jeder, dass er ja nur gutes Fleisch kauft, wo er weiß wo es herkommt, oder direkt vom Bauern. Blablabla. Machen Sie sich mal ehrlich. Ist das so? Nicht nur das gute Sonntagsstück, sondern auch Würstchen und Aufschnitt und Co? Sie sagen sie essen alles vom Schwein: Schwänzchen, Pfötchen, Ohren, Zwerchfell, alle Innereien? Glaub ich nicht. das sind die Teile, die gen Osten gingen und für Wertschöpfung sorgten, und nicht wie jetzt beschämend in der Tonne landen. Übrigens, auch als wir hier den größten Schweinebestand und den höchsten Export hatten, wurde tonnenweise Schweinefleisch eingeführt: die Edelteile, Lieblingsstücke der Deutschen, für die unsere Tiere nicht ausreichten.
    Meine Wirklichkeit sieht so aus, dass 99% unserer Schweine in einen großen Schlachter und somit in die großen Läden für “die” Verbraucher gehen, Herkunft, Haltung interessieren da nicht, nur der Preis. Ein klitzekleiner Anteil hochwertiger Durocs geht in den Direktverkauf an Kunden wie Sie. Verlässlich und planbar sind diese Kunden aber nicht, von alle paar Wochen mal ein Stück Fleisch kann ich kein Schwein schlachten. Wäre die Kundschaft so, wie Sie sie beschreiben, käme ich vor Lachen nicht mehr in den Schlaf. Ist aber nicht so. Es trägt sich, ist aber verdammt viel Aufwand, inkl. notwendigen Marketings. Von Leben kann man nicht, ist als Hobby anzusehen, die schönen Schweine machen einfach Spaß.
    Samstag bei unserem Sauenschlachter haben wir einen Biobauern mit Direktvermarktung getroffen, der dort gerade einen ganzen Zug Schweine abgeliefert hat, zum Konvi-Preis. Seine Kunden sind ihm untreu geworden, er wird seine Schweine nicht mehr los.
    Für sich haben Sie eine einfache Wahrheit gefunden, was die Schweinekrise ausgelöst hat. Die Wahrheit ist aber sehr viel komplexer und von Laien kaum nachvollziehbar. Sie bestätigen meine persönlichen Erfahrungen mit Lehrern, deren Wissen fußballfeldweit, aber nur spatentief ist. Leider versuchen sie trotzdem ständig, die Fachleute zu belehren (eine Erfahrung, die ich bereits in verschiedenen Berufsfeldern machen durfte), momentan verleiden außerdem ihre Kollegen meinen Kindern die LW, weil sie jeden Tag von allen Seiten “gelehrt” bekommen, wie schlecht diese ist. Dabei verwenden sie ganz unkritisch NGO-Propaganda. Das macht wütend.
    Sie haben noch nicht mitbekommen, wie Tierhalter angegangen werden? Wie lange folgen Sie Dirk Nienhaus schon? Schauen sie sich seine Beiträge zur Besamung oder Ferkelkastration mit Kommentaren an und Sie lernen eine sehr hässliche Fratze der deutschen Gesellschaft kennen.
    Stimmt es Sie gar nicht bedenklich, dass selbst Dirk Nienhaus, sinnbildlich für viele Schweinehalter hier im Land, mit Vorzeigebetrieb, gut aufgestellt, hochmotivierter Schweinefachman sich andere Einkommensquellen sucht? Ist Ihnen gar nicht bewusst, was das letzendlich für Sie bedeuten wird?

    In diesem Land müssen wir jetzt retten, was noch zu retten ist und dann können wir via Gesellschaftsvertrag festlegen, wie die Tierhaltung denn sein soll. Inkl Verpflichtungen für den Verbraucher und nicht alleiniges Risiko beim Landwirt.

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  2. Rudolf Weishaupt sagt

    @Dorfmensch bezieht sich auf „Wählerstimmen für die Grünen:innen und gleichartige politische Gruppen“. Gleichzeitig unterstellt sie/er derzeit beabsichtigte „niedrigere Standards bei Agrar-Importen“ und „Schädigung der deutschen bzw. EU-Landwirtschaft und Zusatzgewinne bei den Profiteuren“. Das ist eine klare und auch parteipolitisch fokussierte politische Stellungnahme.

    Ich vermeide politische Stellungnahmen. Aber nun mal im Ernst und ganz abgesehen davon, ob @Dorfmensch mit ihren/seinen Unterstellungen Recht hat: Wer glaubt denn wirklich daran, dass die Dinge sich unter einer anderen, dann neuen, Bundesregierung entscheidend ändern würden? Ich glaube das nicht.

    Die Fakten sind einfach zu klar! Klima-, Arten- und Bodenschutz müssen unbedingt priorisiert werden. Das wird auch eine von CDU/CSU geführte Regierung nicht anders machen können. Etwas anderes zu glauben, wäre naiv. Was also hilft es, sich da querzustellen?

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    • Schmeckt gut sagt

      Lustig, wir sollen also kampflos diese “Billigstandards” akzeptieren und die Klappe halten zu politischen Entscheidungen, die den Tod der deutschen LW bedeuten. Ganz schön arrogant und herablassend. Ach ja. Und Sie sind natürlich der Beste 😉

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  3. Ehemaliger Landwirt sagt

    “Was ist für das Tierwohl gewonnen, wenn die Produktion von Ferkeln oder Kücken aus dem Land getrieben wird, so wie es nun geschehen ist?”

    Im Spiegelforum hat mir mal einer erklärt, das interessiert ihn nicht, das ist nicht in Deutschland.
    Meiner Meinung nach, ist der nicht alleine mit seiner Meinung.

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    • Brötchen sagt

      Du Ehemaliger, das ist hier sowieso nur noch zum Plündern frei gegeben. Keiner ist für nix verantwortlich und jede Wahl gewinnen die Sozis und die Trampolinspringer, egal mit welchem Ergebnis. eben 360°

      Du hast wenigstens noch Deinen Schnaps 🙂

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Hab im Moment noch 200 Liter reiner Alk auf Lager, jetzt überlege ich mir, ob es nicht besser wäre, ihn im Lager zu halten, für schlechte Zeiten, nach 45 war Schnaps die Währung, für den gab es Zucker und Speck.😉

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        • Ach, jetzt weiß ich, warum meine Schwiegerfamilie und andere nach dem Krieg Schnaps aus Zuckerrüben gemacht haben.

          Die noch Rinder als Zugtiere hatten, könnten den Treber davon verwerten, aber wehe, man hat sie danach angespannt.

  4. Ludwig sagt

    @R.W. und Willi. Um noch einmal zur Arbeitszeit/Mastschwein zu kommen. Ein Mastschwein auf Vollspalten , autom. Fütterung , wird mit 18 Minuten (15-20) Arbeitszeit von 28 – 120 kg gemästet. Darin sind täglich zwei Stallbesuche , sowie die eigene Futterherstellung enthalten. Bei einem Strohschwein kann mit mehr als einer Stunde , einschll. der Strohbergung gerechnet werden und die Abnehmer müssen bereit sein entspr. mehr zu bezahlen. — Noch einmal zum Politik/LEH-Monopol. Hierfür spielt die ZMP (Zentrale Markt-Preisberichtsstelle) eine wichtige Rolle. Die ermittelt ständig die Kosten der Schweineproduktion , sowie die Bestandszahlen. Dazu werden mind. zweimal im Jahr die Tierbestände abgefragt. Anhand dieser Datenermittlung wird dann der Import gesteuert.
    Das ganze hatte bis zum Jahr 2000 geklappt. Es gab gute, mittlere und schlechte Jahre. Danach , also in den letzten 20 Jahren gab es nur schlechte und mittlere Jahre für die Schweinebauern und jetzt dient das ganze System dazu die Schweinehaltung platt zu machen bis das gewollte Niveau der Politik erreicht wird. Also ein pervides System der Staatswirtschaft und Ideologie. Jedenfalls von Marktwirtschaft keine Spur.

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    • Smarti sagt

      Unter Strohschweine stellt sich der Käufer einen lichtdurchfluteten, neu gebauten Stall mit sauberen Ferkeln und kniehoch goldgelbem Stroh vor. Einen Auslauf, möglichst mit natürlichem Grasbewuchs, Bäumen und einer Suhle. Die Gemüseauswahl im Napf klein geschnitten… das wäre dann die Vorgabe.
      Die Realität ist: Einbrecher, die Kameras installieren und wochenlang laufen lassen – dann werden alle braunen “Strohklos” zusammengeschnitten, zusammen mit dem humpelnden Schwein und dem mit einer Schwellung… sollte es zuwenig “gute” Bilder geben ? Wassertränke manipulieren…
      Ein Direktvermarkter hatte jahrelang eine treue Kundschaft, Metzgermeister mit eigener Haltung von Rindern und ein paar Schweinen. Dann Umstellung auf Bio, Strohschweine und im Winter Tretmist bei den Fleischrindern… der Rest siehe oben.
      Einen Riesenärger von heute auf morgen mit dem Veterinäramt, Steueramt und alles was man sonst noch so aufbieten kann wie Fernsehen, Brandstiftung… schlussendlich gibt es die Metzgerei und die Landwirtschaft noch immer… aber die Familie ist durch mit der Welt.

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  5. Ludwig sagt

    @Rudolf Weishaupt. Die monopolartige Marktmacht wurde im Laufe der Jahrzehnte von der Politik geschaffen. Das ganze läuft immer nach dem selben Muster ab. Ein Tengelmann , Kaisers o. ä. steht zum Verkauf. Z.B. EDEKA will übernehmen und jedesmal sagt das Kartellamt Nein ! Dann gibt es seit Jahrzehnten immer eine Ministererlaubnis mit der Auflage ein Teil der Märkte an die Kunkurrenz abzugeben und das Geschäft läuft ab. So haben die vier großen LEHs sich ständig monopolartig mit dem Segen der Politik vergrößert. Die Marktmacht läst die Preise auch mit dem positiven Blick der Politik für die Agrarprodukte selten steigen und wenn , dann wird importiert. Zur Zeit wird Schweinefleisch aus Chile importiert, damit hier kein Mangel eintritt. Mit dem jetzigen Strukturbruch von über 40% sind sich LEH und Politik einig und das wird auch noch auf das politische Ziel von 50% Bestandsminderung so weiter gehen. Erst dann wird es wieder Spielraum geben. So gibt es hier zur Zeit keinen Markt sondern Staatswirtschaft. Die Erzeuger haben ihre Bestände permament erhöht , um die Stückkosten zu senken und dann noch mit immer größeren Erzeugergemeinschaften die Mengen gebündelt, aber trotzdem der Marktmacht nichts entgegen setzen können , weil politisch nicht gewollt und wenn es nicht geklappt hat , wurde importiert. Dieselbe Aussage geben übrigens auch die “Freien Bauern” aus. Ein Monopol kann nur mit Zerschlagung gebrochen werden , um dem Markt wieder eine Chance zu geben. Auch wird von der Politik der Verkauf von unter Erstellungskosten nicht umgesetzt. Warum wohl ?

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    • Rudolf Weishaupt sagt

      Nett, dass Sie mich adressieren. Was halten Sie von dem Beitrag “Neue Perspektive für Schweinehalter – dank Strohschweinen” (BR, YT-Kanal “Unser Land”, dauert nur 5:30 Minuten). Sind diese Leute wahnsinnig, dass sie so viel Geld in die Hand nehmen?

      • Bauer Willi sagt

        @R.W.
        Es gibt sogenannte Leuchtturmprojekte wie auch das von Jan van Bebber: http://offenstall.com/jb2/
        Ich kenne Jan persönlich und weiß, warum es funktioniert. Er hat von einem großen Discounter einen mehrjährigen Vertrag mit der Zusage, immer einen Zuschlag auf den aktuellen Marktpreis zu erhalten. Ich kenne die Details und Jan kann damit sehr gut leben. Aber auch nur Jan, denn der Markt ist für solche Produkte nicht groß genug.

        Ich kenne auch Landwirte, die Weideschweine vermarkten. Wir reden dann von Stückzahlen um 150 bis 300 pro Jahr.

        Schön, dass es solche Nischen gibt. Ansonsten gilt, was Hans Gresshöhner immer sagt: die Leute wollen billig essen und nach Malle fliegen.

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        • Rudolf Weishaupt sagt

          Erst mal danke für den Link und schön, dass der „Chef“ mich erwähnt! Ich wünsche Jan van Bebber, dass sein Vertrag hält und er weiterhin gut damit leben kann. Es stimmt aber nicht, dass „die“ Leute billig essen und nach Malle fliegen wollen, mag sein, dass viele, wahrscheinlich sogar die Mehrzahl der Leute so denken. Ich jedenfalls gehöre nicht zu denen.

          Jan van Bebber macht ja nicht nur Strohhaltung, sondern Offenstallhaltung, was, worauf @Reinhard Seevers hinweist, mit zusätzlichen Risiken verbunden ist. Und das Bunte Bentheimer Schwein ist ja auch nicht irgend ein Schwein, sondern eine alte Nutztierrasse, die unter anderem auch von Slowfood und Mediengrößen wie Helmut Gote sehr protegiert wird. Es muss also nicht unbedingt immer gleich Fleisch vom spanischen Iberico Schwein sein, wenngleich es jetzt auch Versuche gibt, dieses in Deutschland zu halten.

          Mittlerweile beschäftige ich mich zwischen ein und drei Stunden am Tag mit dem Thema Landwirtschaft. Es sei mir erlaubt, ein wenig darauf einzugehen, wie ich dazu gekommen bin. Vor etlichen Jahren kam ich (mittlerweile 71) in die Situation, selbst regelmäßig für mich und meine Familie zu kochen. Als relativ internet-affiner, aber kochtechnisch ganz unerfahrener Mensch habe ich natürlich alles ausprobiert, Thermomix, Chefkoch, HelloFresh etc. Seit ungefähr fünf Jahren entdecke ich, dass das Thema Qualität bei den Ausgangsstoffen fast gar nicht berücksichtigt wird.

          So kam ich zurück auf Ralf Roesberger (YT, Der Selbstversorgerkanal), auf den ich gestoßen war, als ich mich vor mehr als zehn Jahren einmal für den Kauf einer Sense interessierte. Roesberger, sozusagen der Ur-Vater der YT-Selbstversorger, hat mittlerweile ein eigenes Buch geschrieben, das sehr unterhaltsam, sachlich und erfreulich unideologisch ist. Durch ein Interview, dass er mit dem Bocholter Landwirt Dirk Nienhaus* (YT Bocholter Landschwein) führte, wurde ich neugierig.

          Ich habe dann die YT-Beiträge vom „Bocholter Landschwein“ regelmäßig verfolgt. Beeindruckend, wie offen und transparent Nienhaus damit umging, dass er ein „Massentierhalter“ ist. Er zeigte einfach Bilder und Videos aus seinen Ställen, so nach dem Motto: Hier muss niemand einbrechen, ich zeige selbst, wie es ist. Gleichzeitig erklärte er, dass er auf seinen Anbauflächen eine bodenschonende Wirtschaftsweise versucht. Sein Motto dabei: Uns Landwirte muss niemand zwingen, mehr Nachhaltigkeit zu bewirken, das tun wir schon selbst.

          Deutlich wurde bei Nienhaus auch, wie hoch die Anforderungen an landwirtschaftliche Betriebsleitung heute sind und wie viel Wert auf gute Ausbildung in seinem Betrieb gelegt wird. – Leider ist es bei YT still geworden beim „Bocholter Landschwein“. Nienhaus hat wohl im Moment sehr viel damit zu tun, seinen Betrieb grundlegend umzustrukturieren. So bleibt ihm wohl nur noch wenig Zeit für YT. Ich wünsche ihm viel Erfolg!

          * Den Klarnamen habe ich aus dem FB-Kanal. Dort hat er ihn selbst veröffentlicht.

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          • Schmeckt gut sagt

            Er hat nicht nur Schwierigkeiten damit, seinen Betrieb umzustrukturieren. Er wird Schwierigkeiten haben, seine “Kröten” zusammen zu halten. Jedenfalls geht es allen bekannten Höfen so in Branchen, die stark in der Kritik stehen (Schweine, Hühner, Tierhaltung im ganzen) und/oder die Möglichkeiten des Verzichts oder der Austauschbarkeit ins Billigere ermöglichen (Bio, Obst und Gemüse, hochpreisige Marken…). Im Alten Land sind Kriseninterventionsteams der Banken unterwegs, um möglichst vielen Betrieben ein Überleben zu ermöglichen. Sicherlich auch z.B. am Bodensee. Herr Weishaupt, sie wollen einfach nicht kapieren, dass sie es durch ihren Blick eines ausreichend versorgten Pensionärs (?) komplett falsch einschätzen.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Mir juckte es in den Fingern, ihn zu fragen, was er in der Richtung die letzten 50 Jahre getan hat….hab mich aber zurückgehalten.😀

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              • Rudolf Weishaupt sagt

                Gut, dass es Sie nur in den Fingern gejuckt hat und Sie nicht wieder gleich Brechreiz bekommen haben. Tja, 50 Jahre sind eine lange Zeit, ich bekenne, dass ich mir zu wenig Gedanken gemacht habe über das Essen, das mein Körper Tag für Tag gebraucht hat und auch weiterhin braucht. Nun denke ich anders. Kritisieren Sie mich dafür? – Sie sehen, ich versuche, Sie als Gesprächspartner ernst zu nehmen.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Selbsterkenntnis ist ja auch schön. Leider kann man das Rad nicht zurückdrehen und die Verfehlungen nicht ausradieren. Warum Sie nun Ihr Heil in einer anderen Landwirtschaft suchen, versteh ich aber nicht.
                  Die Landwirtschaft hat Sie ja nicht zu Ihrem Handeln gezwungen. Aber nun soll die Landwirtschaft Sie von diesem Makel freisprechen, in dem sie sich ändern muss?
                  Das scheint mir das Motiv vieler Bürger zu sein…so wie ich immer sage: Ein Ablasshandel.

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            • Rudolf Weishaupt sagt

              Naja, ich bin Rentner, kein Pensionär. Mir geht es gut, aber nach den letzten Strom- und Gasrechnungen sind meine Konten wie die vieler anderer Menschen alle im Minus. Ich versuche, zu sparen, wo es geht, vor allem natürlich auch bei Strom und Gas. Aber nicht bei den Lebensmitteln! Da versuche ich, möglichst aus hiesigem Anbau zu kaufen, gern auch in Bioqualität.

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              • Reinhard Seevers sagt

                Also wir haben sogar Geld zurück bekommen beim Strom….und der Abschlag ist reduziert. Alles gut soweit.

            • Rudolf Weishaupt sagt

              Noch eins, @Schmecktgut. Ich kapiere das erst jetzt. Wie kommen Sie darauf, mich nach meinen Einkommensverhältnissen zu fragen? Frage ich Sie nach ihren Einkommensverhältnissen? Frage ich @ReinhardSeevers oder @BauerWilli danach? Es ist so ein billiger Trick, um von einer sachlichen Auseinandersetzung abzulenken.

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              • Schmeckt gut sagt

                Nein, dass ist es nicht. In der Art, wie sie kommunizieren, müssen wir uns soo oft mit landwirtschaftsfernen Leuten auseinandersetzen und immer klingt im Unterton mit: ihr Bauern seit Profitgierig oder alternativ: ihr seit zu blöd, die Zeichen der Zeit zu erkennen und setzt weiter auf die moderne, “umweltzerstörerische” LW oder ihr “müsst” nur wieder die Hacke in die Hand nehmen und alles wird gut. Aus diesem Grund habe ich in einem Nebensatz ein Fragezeichen gesetzt, ob sie eher Rente beziehen oder eine Pension, die in den meisten Fälle ja höher ausfällt. Ihre Reaktion war zu erwarten, weil Menschen, die meinen, viel von “besserer” LW zu verstehen, genau so reagieren. Wenn wir Bauern auch nur andeuten, wir machen unseren Buckel krumm für zu wenig Kröten und Nicht-LW verdienen die Mücken für den Lebensunterhalt ohne große Anstrengung, setzt ein “Beißreflex” ein. Leider. Ob ein Grund ist, dass Bauern Grund und Boden besitzt? Ich weiß es nicht und entschuldige mich schon einmal im Voraus für mein “unanständiges” Benehmen.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  “Ihre Reaktion war zu erwarten, weil Menschen, die meinen, viel von “besserer” LW zu verstehen, genau so reagieren.”

                  Genauso ist es. Die Landwirte haben sich gefälligst alles anzuhören, es verbietet sich jedwede Relativierung, und wenn man das Verhalten des Gegenüber auch nur leicht in Frage stellt erfolgt diese Reaktion. Solange man ihnen nach dem Mund redet und natürlich Fehler der Vergangenheit eingestehen muss, ist alles gut,aber wehe, man versucht nur den Spieß leicht in die andere Richtung zu drehen….dann kommt sofort dieser Beißreflex.

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                • firedragon sagt

                  Ehm … Schmeckt gut, Herr Seevers,
                  ich glaube Herr Weißhaupt ist hier, um Zusammenhänge kennenzulernen und eher nicht, um Besserwisserei kundzutun.

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                • Schmeckt gut sagt

                  Ach wirklich. Seine Äußerungen zu “Dorfmensch” sind doch sehr eindeutig. Danach haben wir zu “spuren” und sollen uns nicht beschweren, dass die “Marktkräfte” uns an die Wand drücken, sondern Wege aus der Misere finden. Wäre schön, wenn Herr Weisshaupt erkennt, dass wir schon seit vielen Jahrzehnten genau diesen Marktkräften hinterherlaufen, weil Landwirtschaft nicht so schnell reagieren kann (darf), wie gesellschaftlich, politisch oder individuell gefordert. Wenn wir nicht gegen diese Marktkräfte ankämpfen, sind wir innerhalb eines Jahrzehnts pleite. Es wäre schön, wenn Herr Weißhaupt aus unseren, zugegeben oft provozierenden Äußerungen, erkennen kann, wo uns der Schuh drückt. Die leisen Hintertöne, die ich übrigens immer wieder in Diskussionen heraushören, sind wenig hilfreich, denn hier liegt genau das Problem: wir haben von Anfang an nicht deutlich genug gemacht, wann genug einfach genug ist. Herr Weißhaupt sollte sich hier nicht den Schuh anziehen, wir müssen es schon selber lösen, aber wir erwarten Unterstützung von der (wie auch immer gearteten) Gesellschaft, genau wie diese es mit ihren Anliegen erwartet. Sollte die Unterstützung weiterhin verweigert werden, wird die Gesellschaft eine ganze Generation Bauern verlieren – genau die Familienbetriebe, die sie angeblich erhalten möchte. Dies geht an erster Stelle an die Adresse des BMEL, Herr Weißhaupt und firedragon.

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                • firedragon sagt

                  “… Dies geht an erster Stelle an die Adresse des BMEL, …”
                  Schmeckt gut, das weiß ich.
                  Jetzt stellvertretend Herrn Weißhaupt alles um die Ohren zu hauen, wofür sich 50 Jahre der Großteil der dt. Bevölkerung nicht interessiert hatte …
                  Ich bin selbst oft genug gefrustet, kannst mir glauben und ich hab mit Menschen, wie Herrn Weißhaupt zu tun.
                  Es ist ein sehr großer Unterschied, ob Du betriebliche Strukturen und Probleme mit einem Selbstständigen diskutierst oder mit einem Geldempfänger.

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          • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

            Dirk hat ein neues Projekt am Start.
            Renovierung eines kleinen Schlosses,Herrenhauses,Damensitzes.
            Finder man auf YT.

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      • Ferkelhebamme sagt

        LW ist grundsätzlich sehr kapitalintensiv, jeder Ackerbauer ist im Prinzip wahnsinnig, wenn er für die Bestellung der Felder ein Jahr in Vorleistung geht, mit dem Risiko, dass Wetter alles vernichtet.
        Sie könnten sich auch fragen, wie hoch der gesellschaftliche/psychische Druck sein muss, dass Bauern diese Traumställe bauen, die nicht unwahrscheinlich wirtschaftliches Harakiri bedeuten. Oder, wie gerade massenhaft geschieht, die Tore für immer schließen. Sie haben doch auch hier im Forum schon ansatzweise mitgekriegt, wie Tierhalter angegangen werden.
        Es ist nicht der Bauer, der wahnsinnig ist, sondern die Gesellschaft, die die Bauern dorthin treibt.

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        • Rudolf Weishaupt sagt

          Dass „Tierhalter angegangen werden“, habe ich in den sozialen Medien, denen ich folge, noch nicht erlebt. Klar, jeder lebt in seiner „Blase“ und ich habe mich noch nicht bei den Vegetariern und den Tierschützern umgetan. (Missstände im Tierschutz gibt es bestimmt auch.) Wogegen ich mich wehre: Es ist nicht „die“ Gesellschaft, es ist auch nicht „die“ Politik, die dazu führt, dass schweinehaltende Betriebe nun oft vor dem Ruin stehen.

          Beispiel Rinderhaltung: Ich bewundere das Team von „My Kuh Tube“, das nicht aufgibt und weiter versucht, mit sehr sachlichen Informationen und ohne unnötige Polemik Vorurteile zu bekämpfen. Unser @BauerWilli ist ja längst auch – und verstärkt durch die Publikation seines neuen Buchs – eine angesagte Größe im Bereich der sozialen Medien.

          Fazit: Genauso wenig wie eine pauschale Kritik an „der“ Landwirtschaft gerechtfertigt ist, möchte ich als schlichter Verbraucher auch nicht mit dem Etikett „satt und unzufrieden“ ausgestattet werden. Die Social-Media-Kanäle, denen ich folge, stehen der Landwirtschaft, und gerade auch der heimischen Landwirtschaft, durchaus positiv gegenüber. Es gilt, dieses Potenzial zu nutzen!

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          • Reinhard Seevers sagt

            ” Wogegen ich mich wehre: Es ist nicht „die“ Gesellschaft, es ist auch nicht „die“ Politik, die dazu führt, dass schweinehaltende Betriebe nun oft vor dem Ruin stehen.”

            Ja Herr Weishaupt, das ist interessant. Wenn Politik mit dem angeblichen Wunsch der Gesellschaft eine Agrarwende unterstreicht, dann sollen die wenigen Bauern sich nicht gegen Gesellschaft und Politik wenden? Gegen wen wohl sonst? Was soll man tun? Weiter mit dem Büßergewandt rumlaufen und mantramäßig sagen, …ja wir haben gesündigt, bestraft uns, wir haben es verdient!
            Ich glaub, ich muss schon wieder brechen.

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          • Aber satt und zufrieden kann Langeweile und Eintönigkeit erzeugen und das macht
            UNZUFRIEDEN

            Der Bauer macht satt und zufrieden,
            Also ist er auch an der Unzufriedenheit Schuld

            Und deswegen wird er angegangen.

            Das ist ganz schön teuer,
            Denn wie lange hat es gedauert, bis unsere Vorfahren diese satte und zufriedene Welt durch Arbeit und Forschung in verschiedenen Disziplinen aufgebaut haben?
            Die Soziologie gehört auch dazu.
            Was das alles für Steuern und Forschungsgelder gekostet hat.
            Wollen wir das alles aus Unerfahrenheit und Dummheit in den Sand setzen?
            Unsere Vorfahren würden sich im Grabe umdrehen, weil wir das alles, was sie aufgebaut haben nicht ehren und stattdessen mit dem A…. umwerfen.

            Über Generationen hat das gedauert, wie auch der Auf- und Weiterbau eines Bauernhofes. Was das alles neben Müh und Arbeit auch Geld gekostet hat, während andere dafür in den Urlaub flogen und interessante Freizeitbeschäftigung nachgehen könnten.

            Soll dieser Verzicht nutzlos gewesen sein!
            Nein,
            Wer mit uns und der Umwelt spielt, um ein Beweis seines Daseins zu haben, denen dürfen wir nicht auf den Leim gehen.
            Denn mit der Land- Forstwirtschaft und können wir unsere Umwelt lenken um alles noch zu Guten retten zu können.
            Das lässt sich alles noch ausbauen.

      • Reinhard Seevers sagt

        Ja, Herr Weishaupt, diese Leute sind wahnsinnig. So wahnsinnig, wie jeder, der mit Aktien spekuliert. Diese Investitionen in alternative Verfahren basieren auf der Hoffnung oder Spekulation, dass der Absatz auf die Dauer der Abschreibung so läuft, wie es laufen sollte.
        Ich plane solche Strohställe, glauben sie mir, die Unsicherheit ist groß, und die Finanzierer sind entweder sehr skeptisch, weil sie sich auskennen, oder sie geben das Geld gerne, weil sie die gleiche erfolgreiche Geschichte gelesen haben, wie Sie Herr Weishaupt. Bauen Sie doch mal ein Mietshaus nach ökologischen Kriterien – nachhaltig, mit dem Nachweis des Lebenszyklus, mit recycelten Baustoffen, mit allem technischen Schnick-Schnack …..und dann versuchen Sie es für die Gestehungskosten zzgl. Ihres Gewinnwunsches an die Frau zu bekommen….nicht am Starnberger See, sondern in Hintertupfingen.

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        • Brötchen sagt

          Reinhard die benannten Ställen wurden doch schon vor mind. 4 Jahren gebaut.
          Zu der Zeit herrschte noch viel Aufbruchstimmung.
          Allein für die Bewirtschaftung wurde ein Mehraufwand von 0,35 Cent je kg geschätzt, der immer auf den Basispreis dazu kommt.
          Aktuell wären wir dann bei einer Verdoppelung des “Rohstoffpreises” für den Landwirt.

          Die Krux bei diesen Umbauten ist ja, so schön das alles ist:
          Es gibt keine Erkennbaren (nachweisbaren) Vorteile ausser einer “ideellen Zuweisung” !

          Gut jetzt wären auch Konzepte denkbar mit extrem niedrigem Energieeinsatz.
          Bloss heute weiss auch keiner wo die Energiepreise in 3 Jahren sein werden und ob nicht in wärmeren Ländern Produktion ausgeweitet wird.

        • Jürgen Donhauser sagt

          Möchte nur noch hinweisen, dass vieler dieser “modernen” Ställe (Stalleinrichtung mit Holz, Stroh und Auslauf) gegen geltende Vorschriften verstoßen:
          In der SchweinehaltungshygieneVO wird vorgeschrieben, dass die Oberflächen leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind. Holz ist ein Baustoff der definitiv nicht darunter fällt. Öffnungen nach draußen, sind bei allen von mir besichtigten “Vorzeigeställe”, nicht rechtskonform gelöst worden. Weder Vogel- noch Schadnagerdicht. Wieso haben wir dann noch eine SalmonellenVO? Warum sollen wir noch Schadnagerbekämpfung nachweisen, wenn wir gleichzeitig das ganze Jahr “Tag der offenen Tür” für Ratten und Mäuse bauen?

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          • Arnold Krämer sagt

            Die Menschen, die die Landwirtschaft medial und politisch vor sich her treiben, sehen die vielen Zielkonflikte und Widersprüche entweder nicht oder blenden sie bewusst aus, weil sie letztlich den Sektor und damit auch bisher gesunde ländliche Räume zerstören wollen.

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              • Arnold Krämer sagt

                Das Problem bei gesellschaftlichen Bewegungen sind immer die dummen Mitläufer, die Masse und Wucht beitragen, aber letztlich nur nützliche Idioten für einige wenige Ideengeber sind. Das war immer immer schon so.

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            • sonnenblume sagt

              Diese Probleme werden in ihrer Vielfalt und dem Ausmaß sicher nicht gesehen. Sie sehen nur den Stall mit Stroh und Auslauf, alles toll mit Wohlfühlcharakter und Idylle. Die anderen Probleme sieht man nur bei der täglichen Arbeit und den Analysen die vom Schlachthof kommen. Das wird aber nirgendwo kommuniziert. Es würde zuviel an dem System in Frage stellen.

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            • Ja,
              So weit denken die gar nicht
              Und dann ist das der Beweis, dass die sich nur behaupten wollen,
              Damit ihr innerer Frieden im Gleichgewicht bleibt, das sorgt auch für den Volks-, bzw. Den Sozialfrieden in unserem Land,

              Also wird von den Bauern verlangt dass sie das Volk physisch und auch
              Psychisch satt machen.
              Was sind wir denn für eine arme Nation!

      • Arnold Krämer sagt

        Ein produktiver Arbeitsplatz in der Tierhaltung kostet weit über 1 Million €, und ist damit einer der teuersten Arbeitsplätze in der Wirtschaft überhaupt. Im Nordwesten werden viele Ställe nur noch gebaut mit Geld aus dem Verkauf von Grund und Boden an die öffentliche Hand, das hoch zu versteuern wäre, aber investiert in Stallanlagen vor dem Finanzamt gerettet werden kann. Die Bewertung ist immer vom Einzelfall abhängig. Es ist viel ökonomische Irrationalität und berufliche Emotionalität im Spiel.

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        • Jürgen Donhauser sagt

          @Krämer – für Außenstehende ist dieser “finanzielle Wahnsinn” rein rational nicht nachvollziehbar. Zudem werden viele Investitionen generationsübergreifend getätigt – eine Vorgehensweise die in unseren modernen Gesellschaft und Wirtschaft inzwischen verloren gegangen ist. Zwei Punkte zur gedanklichen Annäherung:
          1. Viele Betriebe bestehen schon seit Jahrhunderten über x Generationen. Kein Hofnachfolger möchte in dieser Ahnenreihe derjenige sein, der aufgibt und für immer den Schlüssel umdreht. In meinen seelsorgerischen Gesprächen erlebe ich immer wieder welche Last, welcher Erwartungsdruck auf ihnen liegt. Demjenigen dann deutlich zu machen, dass er dass nicht als persönliches Versagen zu werten hat, sondern einfach die äußeren Rahmenbedingungen die Ursache sind, ist das Schwierigste in diesen Gesprächen.
          2. Der Betrieb ist nicht nur einfach Arbeitsstätte. Der Beruf Landwirt nicht einfach nur ein Job. Es ist ein Lebensgefühl, ein soziales Gefüge, eine Weltanschauung, eine Werteeinstellung. Eigentlich ein Lösungsmodell für unsere Gesellschaft in Sachen Nachhaltigkeit, soziale Verträglichkeit, Ressourcenschonung und, und, und. In meinen Vorträgen sage ich immer: “Die Landwirte sind nicht die Letzten von Gestern. Nein, mit ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise sind sie eigentlich die Ersten von morgen!”

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          • Arnold Krämer sagt

            fast 100% Zustimmung.
            zu 1) Die emotionalen Bindungen werden aber schwächer, selbst wenn die Ahnentafel bis 16xx im Flur hängt.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Die Frage ist, was kann man den Kindern noch zumuten, nur dass die weiterhin eine Ahnentafel mit der Berufsbezeichnung Landwirt hängt?

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              • Arnold Krämer sagt

                Nicht wichtig ist, was andere (Eltern, Berater, Aussenstehende) mir mit derWeiterbewirtschaftung des elterlichen Hofes zutrauen, sondern was ich mir selbst zutrauen (zumuten) kann und darf. Der Grat zwischen unternehmerischem Mut und Übermut ist sehr schmal.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Wenn dann in der Regionalprawda ein Beitrag über ein Ehepaar gebracht wird, dass angeblich “erfolgreich” mit Permakultur Gemüse regional anbaut, dann wird der etablierte, seit Generationen wirtschaftende Kollege unsicher und sagt sich. “Wenn das stimmt, warum soll ich dann mit der althergebrachten Form nicht verdammt noch eins auch Erfolg haben…?”
                  Er weiß nicht, dass das veröffentlichte Projekt mit einem Förderprogramm der EU gefördert und als Pilotprojekt seit einem Jahr läuft und wenn die Fördergelder ausgehen, das Projekt wieder verschwindet. DAS wird nämlich nicht veröffentlicht. Die Öffentlichkeit ist bestens informiert, wie es gehen kann, der alteingesessene ist verunsichert und der Fachmann staunt nur noch. Wir leben in einer Pipi Langstrumpf Gesellschaft.

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  6. Smarti sagt

    Herr Donhauser, dieser Artikel hat die Brisanz, um in einen “Monitor” oder eine ähnliche Sendung zu kommen !
    Dieses Unter-den-Tisch-fallen-lassen aus Gründen ist eine Riesen-Sauerei !
    Danke für die Recherche – Super !

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  7. Arnold Krämer sagt

    Was der Politiker Dess als quasi verbindliche Politikbeschlüsse darstellt, sindPräambeln zu verbindlichen Gesetzen. Diese Präambeln sind aber nichts weiter als unverbindliche Willenserklärungen.
    Im ersten Text ist in Zeile 3 von „sollten“ die Rede, im zweiten Text in Zeile 3 von „muss“. Und was ist, wenn nicht ?

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    • Jürgen Donhauser sagt

      Der Begriff “Beschluss” wurde nicht von H. Deß gewählt, sondern ist die offizielle Bezeichnung. Aber wie sie richtig betonen und im Artikel auch erwähnt wurde, besitzt das EU-Parlament keine Möglichkeit ein Gesetz eigenständig zu verabschieden. Ergo, entweder das EU-Parlament ist überflüssig, oder es kann sehr wohl einen “Gesetzes-Auftrag” an die Kommission geben – die diesen Auftrag aber bisher ignoriert. Es liegt also auch an uns Bürger und Medien die Kommission an diesen Auftrag zu erinnern, der durch demokratisch gewählte Vertreter erteilt wurde!

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  8. Jann Petersen sagt

    Moin, an dieser Stelle möchte ich daran erinnern das die aktuellen WTO Regeln es nicht zulassen den Marktzugang aufgrund fehlender Nachhaltigkeit zu verwehren.
    Sogenannte ” Moral concerns” können zwar geltend gemacht werden, bringen uns aber nichts.
    Deshalb ist es z.b. auch nicht möglich die Einfuhr von z.b. round Up ready Soja zu unterbinden .
    Unsere verarbeitungsindustrie könnte imagekampagnen in unserem Sinne fahren, unterlässt dies aber sehr wohl, da am Ende der Gewinn für diese Betriebe im rohstoffeinkauf liegt. Der Milchindustrie ist es am Ende egal ob sie Gewinne einfährt auf Basis von Kuhmilch, auf Basis von pflanzenmilch oder auf Basis von Labor Milch.
    die ganze Logik des Klimaschutzes über die CO2 Reduzierung liegt darin die Produktion in den westlichen Ländern und hier vor allem in Europa zurückzufahren und in sogenannte “entwicklungsländer”auszulagern, da es hier keine CO2-Reduktionsziele wie bei uns gibt . Dass der CO2 Footprint je produzierter Einheit am Ende um den Faktor 23 oder 4 höher ist und damit unser gemeinsames weltklima deutlich stärker belastet wird bewusst aus der Diskussion herausgehalten Punkt dieses Land befindet sich aktuell im Rückbau ob das noch zu stoppen ist wird die Zukunft zeigen.

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    • Thorens sagt

      “…Dass der CO2 Footprint je produzierter Einheit am Ende um den Faktor 23 oder 4 höher ist und damit unser gemeinsames weltklima deutlich stärker belastet wird bewusst aus der Diskussion herausgehalten…”

      Ein Hinweis darauf, dass es nicht um CO2-Reduzierung geht, dieses mithin nicht die Gefahren birgt, wie kolportiert, sondern um Umverteilung zu Lasten Europas, was die Politik den Menschen aber nicht sagt? Das wäre doch der einzige Schluss, den man daraus ziehen könnte.

      5
  9. Ludwig sagt

    @Rudolf Weishaupt. Der Kollaps des Systems ist jetzt schon da , bloß die merken das noch nicht. Inzwischen wissen doch schon heute unsere ldw. Berater nic ht mehr richtig zu beraten , weil sie selber mit der Gesetzesflut nicht mehr den Überblick haben. — Auch der politisch reduzierte Schweinebestand wird den Politikern um die Ohren fliegen, weil im Winter keine Lagerhaltung für die Grillsaison stattfinden kann und entsprechend dann im Sommer nicht genügend Fleisch vorhanden sein wird. Statt jetzt die Schweinepreise auf 2,50 – 3.00 Euro/kg hochzutreiben wird weiterhin politischer Marktdruck über die LEHs betrieben. In den letzten Wochen hat der Kampf um die Schweine begonnen. Selbst EDEKA ruft jetzt die Schweinebauern direkt an , um sich Schlachtschweine zu sichern , aber vom Preis redet keiner dabei. Zum Sommer wird dann 50% des deutschen Schweinebestandes nicht mehr vorhanden sein , denn das wirtschaftliche Durchhalten der Schweinebauern ist erschöpft . Genauso läuft das im gesamten produzierenden Mittelstand ab. Der hohe Energiepreis läst rd. 80% der stahlverarbeitenden und chemischen Industrie hier ihre Tore dicht machen und ins preiswertere Ausland abwandern. Inzwischen gibt es schon die Initiative “Rettet unsere Industrie” und damit des gesamten mittelständischen Wirtschaftbereiches. Das scheinen unsere weltrettenden Politiker aber noch nicht zu merken.

    19
  10. Rudolf Weishaupt sagt

    Sorry, aber ich muss noch was loswerden, bevor ich mich hinter den Kochtopf stelle und zum ersten Mal ein „Szegediner Gulasch“ zubereite, mit Gemüse aus dem Bioladen und Fleisch vom Metzger vor Ort, der noch selbst schlachtet und die Tiere auf seiner eigenen Weide stehen hat oder von regionalen Betrieben bezieht.

    Meine These zum Thema Schweinehaltung: Die Probleme dort sind Fakt! Und das, obwohl die Bedingungen, unter denen in Deutschland Schweinefleisch erzeugt wird, zu den strengsten und besten in Europa gehören.

    Es stimmt aber nicht, dass diese Probleme in erster Linie auf die Regelungswut „der“ Politik zurückzuführen sind, auch nicht auf „die“ Vegetarier, deren Anteil leicht zunimmt und wahrscheinlich auch weiter zunehmen wird.

    Die aktuellen Probleme hängen mit der ASP zusammen. Im Vertrauen darauf, dass hochwertiges deutsches Schweinefleisch auch im Ausland gut verkauft werden kann, vor allem auch das berühmte „Fünfte Viertel“, das größtenteils nach China exportiert wurde, ist die Schweinefleischproduktion in Deutschland zu sehr ausgeweitet worden. Nun hat China wegen ASP den Import von europäischem Schweinefleisch verboten und konzentriert sich stattdessen auf die Errichtung eigener „Fleischfabriken“.

    So sehe ich die Ursachen! (Ich freue mich sehr auf sach- und fachkundige Kritik.)

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    • Kleine - Klatte Paul sagt

      Herr Weishaupt, Sie haben vollkommen recht mit der Aussage zu den fehlenden Absatzmärkten in China oder anderen Drittländern. Das wird sich auch in absehbarer Zukunft nicht ändern, da ein Özdemir in keiner Weise interessiert ist, es zu ändern aber genau da liegt das Problem. Wir Schweinehalter brauchen ein Regionalisierungsabkommen mit Drittländern, dass es uns möglich macht, aus nicht von der ASP betroffenen Gebieten Schweinefleisch oder zumindest Nebenprodukte wie Pfötchen und Innereien in diese Länder zu exportieren. Außerdem müssen die Veterinärzertifikate zwischen ASP in Hausschweinebeständen und bei Wildschweinen unterscheiden. All das muss verhandelt werden aber ich sehe nicht, dass die aktuelle Regierung auch nur den Hauch von einem Interesse daran hätte. Somit ist die Debatte um Lebensmittelverschwendung einmal mehr ihrer Scheinheiligkeit überführt worden, denn viele für die asiatischen Märkte sehr wertvolle Produkte, werden hierzulande in Konfiskatcontainern entsorgt, weil sich eine Weiterverarbeitung hier mit dem „Arbeitszeitschutzgesetz“ , welches speziell für fleischverarbeitende Betriebe verschärft worden ist, nicht lohnt, da diese hier nicht zu kostendeckenden Preisen vermarktet werden können. Es bleibt festzuhalten: Die Politik nimmt nicht nur das verheerende Höfesterben billigend in Kauf, sondern ist auch maßgeblich für die massenweise Lebensmittelverschwendung verantwortlich.

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      • Stadtmensch sagt

        “Die Politik nimmt nicht nur das verheerende Höfesterben billigend in Kauf, sondern ist auch maßgeblich für die massenweise Lebensmittelverschwendung verantwortlich”

        Diesen Trend gabs aber auch schon unter CDUCSU Ägide in den Merkel-Jahren. Die gelten ja als “wirtschaftsnah”.

        Warum fasst das Thema Lebensmittelverschwendung kein Journalist und kein Vertreter aus irgendwelchen schwarzen Lobbygremien (Wirtschafsrat usw.) am richtigen Ende an? Ist Populismus und Fähnlein im Wind im Spiel?

        Dann bleibt wohl tatsächlich nur noch “Transhumanismus” als Motivation für die Abschaffung der Tierhaltung übrig. Der moderne Mensch will mit seinen Wurzeln, die tatsächlich aus einer Art koevolutionärer Symbiose mit Nutztieren bestehen, nix mehr zu tun haben.

        Body-Waxing, Exo-skellet, Drogen, synthetische Nährmittel, Verdrängung von Tod, Krankheit, Siechtum aus der öffentlichen Wahrnehmung…

        Hier hilft nur Mangel aufgrund Verteuerung von Energie. Da sind wir auf dem richtigen Weg. Alles wird gut.

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      • Rudolf Weishaupt sagt

        Über das Importverbot entscheiden allein chinesische Politiker. Und die haben kein Interesse daran, sich mit irgendwelchen regionalen Differenzierungen hier in Deutschland auseinanderzusetzen.

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    • Arnold Krämer sagt

      Alles richtig, was sie schreiben, Herr Weißhaupt. Aber es lassen sich noch viele weitere Gründe anführen, wie z. B. die rückläufige Inlandsnachfrage (Schweinefleisch ist schlecht geschrieben/geredet worden, wird in Gemeinschaftsverpflegung mit Rücksicht auf Moslems nicht mehr angeboten, Schweinefleischesser werden älter und weniger, u.a. Gründe mehr.). Es ist aber nicht nur die wirtschaftliche Lage, die zur Aufgabe der Sauenhaltung/Schweinemast führt, sondern eben auch die unattraktive Perspektive, arbeitswirtschaftlich nachteilige Verfahren einführen zu müssen, Umbauten mit unsicherer rechtlichen “Lebensdauer” durchführen zu müssen, Baugenehmigungen nur sehr aufwendig/teuer oder erst garnicht genehmigt zu bekommen.

      Und nicht zu vergessen: Der permanente psychische/mediale Druck, der von vielen nicht mehr verkraftet wird oder junge potentielle Hofnachfolger von vornherein abschreckt, so dass man sich jetzt aus sehr unterschiedlichen finanziellen, gesundheitlichen, familiären, persönlichen Ausgangssituationen heraus “verabschiedet”.

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    • Stadtmensch sagt

      Vielleicht nicht ganz sach- und fachkundig:

      Wenn Vegetarier Milchprodukte und Eier zu sich nehmen, sollten sie bedenken, dass sie keine “besseren” Menschen sind (im Gegenteil). Zu jedem Liter Milch gehören 80g Rindfleisch bei BIO-Haltung und 50g bei konventioneller Haltung. Für ein Kilogramm Käse braucht man ca. 10l Milch.

      Probleme mit Tiergesundheit haben eigentlich nur etwas mit der Kompentenz des Tierhalters zu tun. Und mit seinen finanziellen Möglichkeiten natürlich. Oder mit der Ablehnung von entsprechenden Stallumbauten durch Anwohner oder Behörden.

      Was ist für das Tierwohl gewonnen, wenn die Produktion von Ferkeln oder Kücken aus dem Land getrieben wird, so wie es nun geschehen ist?

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      • Arnold Krämer sagt

        Gesundheit oder Krankheit bei Tier/Mensch ist nie monokausal zu erkären.
        Es entsteht vielmehr immer aus dem Zusammenspiel/Zusammenwirken von
        5 M’s (in Anlehnung an das Management-Modell des Japaners Ishikawa)
        1. “Maschine” = z.B. Ferkel, Kalb , hier die Genetik oder das was zusätzlich an “Vorbelastungen” aus dem Herkunftsbetrieb (bei Arbeitsteilung) mitgebracht wird
        2. Milieu = die Haltungsbedingungen, Stall, Weide etc.
        3. Material = alles, was in die “Maschine” “gesteckt” wird, z.B. Futter, Wasser, Impfstoffe, Medikamente
        4. Methode = die Art und Weise, wie oder wann z.B. gefüttert, versorgt, behandelt wird
        5. MENSCH = der EINZIGE, der das Zusammenwirken der 5 M’s (ja die Selbststeuerung/Selbstkontrolle beim Mensch gehört auch dazu!) durch seinen Einkauf, seine Beobachtungen, sein Eingreifen, sein Einstellen der technischen Systeme usw. steuern und lenken kann.
        In letzter Konsequenz hängt tatsächlich alles, aber auch wirklich alles vom Faktor Mensch ab.
        UND DER MENSCH IST NIE PERFEKT

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      • Thorens sagt

        “Was ist für das Tierwohl gewonnen, wenn die Produktion von Ferkeln oder Kücken aus dem Land getrieben wird, so wie es nun geschehen ist?”

        Eben nichts. Weshalb man auch in dem Punkt darauf kommen kann, dass es nicht um proklamierte Gründe wie Tierschutz geht. Wenn man der Bevölkerung aber sagte, dass Umverteilung das Ziel ist, ginge dafür niemand auf die Straße. Bei Tierwohl ist das anders, wie wir wissen. So verschafft man sich mit Nebelkerzen Rückhalt beim Wahlvolk.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        “Was ist für das Tierwohl gewonnen, wenn die Produktion von Ferkeln oder Kücken aus dem Land getrieben wird, so wie es nun geschehen ist?”

        Im Spiegelforum hat mir mal einer erklärt, das interessiert ihn nicht, das ist nicht in Deutschland.
        Meiner Meinung nach, ist der nicht alleine mit seiner Meinung.

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    • Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

      Krise der Schweineproduktion? Ja sicher, aber der aktuelle Stand ist folgender:
      Schweine knapp, Ferkel ausverkauft! , so titelt Top Agrar. Händler suchen selbst Partien von 30 Ferkeln. Vor einem Jahr noch undenkbar.
      Der “normale” Staat mit “normalen ” Politikern würde jetzt unterstützen um die Produktion aufrecht zu erhalten. Aber das Gegenteil ist der Fall und das ist so gewollt.
      Meine Empfehlung an alle Schweinehalter: baut bloß nicht für viel Geld die Ställe um, die Verlässlichkeit ist gleich null! Und auf keinen Fall vergrößern.

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      • Jürgen Donhauser sagt

        Die Ferkelknappheit wird sich auch noch weiter verschärfen, denn derzeit ist kein junger Landwirt mehr bereit zu investieren, wenn er keine Planungssicherheit hat – geschweige ein Stall überhaupt genehmigt wird. Es scheitert als derzeit nicht am Preis der Ferkel, sondern an den beschlossenen Verschärfungen der Tierhaltung! Deshalb meine Forderung genau wie bei den AKW verfahren – solange keine Klarheit über Versorgungssicherheit, Genehmigungsfähigkeit und langfristige Finanzierbarkeit von Seiten der Politik neu geprüft und verlässlich beschlossen wurde – AUSSETZEN der nächsten Termine zur Umsetzung der neuen Haltungsvorschriften um Zeit zu gewinnen. Ansonsten hören jeden Tag weitere Betriebe aus Unsicherheit auf.

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  11. Dorfmensch sagt

    Niedrigere Standards bei Agrar-Importen haben doch nur zwei Ziele:
    1. Schädigung der deutschen bzw. EU-Landwirtschaft und Zusatzgewinne bei den Profiteuren und
    2. Wählerstimmen für die Grünen:innen und gleichartige politische Gruppen.

    7
  12. Rudolf Weishaupt sagt

    Gesetzliche Regelungen müssen möglichst einfach und klar sein, und ihre Einhaltung muss überwacht werden, weil sonst die Geltungskraft solcher Regelungen erlischt. Beispiel: In allen dicht besiedelten Gebieten der Erde gibt es Verkehrsampeln, aber in den meisten Ländern ist es üblich, auch bei Rot über eine Kreuzung zu fahren. Ganz einfach deshalb, weil eine Kontrolle nicht stattfindet.

    Bezogen auf die Landwirtschaft: Regeln müssen sein. Aber Politik sollte sich mit neuen Regelungen so lange zurückhalten (Moratorium?), wie nicht gewährleistet ist, dass die bereits bestehenden Regelungen konsequent und möglichst unbürokratisch umgesetzt werden können. Immer mehr und neue Regelungen, das führt letztendlich zum Kollaps des Systems.

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    • Arnold Krämer sagt

      “Immer mehr und neue Regelungen, das führt letztendlich zum Kollaps des Systems”.

      Das Land ist auf dem “besten” Weg dorthin und das Tempo nimmt atemberaubend zu.
      Aber was will man machen, wenn das dumme Volk immer dieselben Typen an Politikern wählt, die die Zusammenhänge nicht kapieren und in erster Linie politische Mandate zur Selbstoptimierung anstreben. Das Ergebnis der letzten Berlinwahl ist doch das krasse Beweis für meine letztlich deprimierende Feststellung.

      Und noch eins: Die bereits bestehenden Regelungen für die landwirtschaftliche Produktion sind in vielen Teilbereichen nicht mehr kontrollierbar und unbürokratisch (in D ein Ding der Unmöglichkeit, ein Unwort sozusagen) umsetzbar.
      Die Gleichheit vor dem Gesetz ist ebenfalls nicht mehr gewährleistet, weil die Agrar- und Veterinärverwaltungen in den Ländern und Kommunen qualitativ und quantitativ sehr unterschiedlich ausgestattet sind und darüber hinaus unterschiedlichen individuellen Diensteifer entfalten.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Ich schlage ein Gesetz zur Abschaffung von Verpackungen für Duschgel und Haarshampoo vor. Das Stück Kernseife reicht aus und damit ist viel Umwelt- und Klimaschutz erreicht. Überprüfen muss man das nicht einmal, weil es ja keine Plastikspender mehr gibt.
      Warum geht das nicht, aber die Reduzierung von PSM muss umgesetzt werden….wer kann mir das schlüssig beantworten?

      5
      • Rudolf Weishaupt sagt

        Interessanter Vorschlag. Aber keine Antwort auf meine Anregung. Wie kann man den Wildwuchs an Regelungen in der Landwirtschaft sinnvoll “zurückschneiden”?

        Schrittweise (!) weg von der Flächensubventionierung, hin zu mehr qualitativ orientierten Subventionen, was ja auch Bauer Willis Forderungen entspräche (“Landwirtschaft kann alles, es muss nur bezahlt werden”)? Aber das bedeutete dann wieder zusätzliche Regelungen und Kontrollen (“Wer bekommt wie viel und wofür?”).

        • Bauer Willi sagt

          @Rudolf Weishaupt,
          Das ist einfach, ohne Regelungen. Macht mir ein Angebot für das, was ihr von mir wollt. Wenn das Angebot interessant ist, nehme ich es an und schreibe dem Auftraggeber eine Rechnung. Fertig.

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  13. Willy Toft sagt

    Es wäre zu schön, wenn alles zu unseren Standards hier reinkommen würde. Die Politische Verantwortung lässt da mehr als wünschen übrig! Wir brauchen endlich mal Klarheit darüber, was die Politiker wirklich wollen! Im Moment stellt es sich so da, und das über Jahrzehnte, das hier alles auslaufen soll, und wir von sonst wo her ernährt werden sollen! Das wäre früher oder später eine Katastrophe, wird aber nicht so gesehen!

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    • Jürgen Donhauser sagt

      “Wir brauchen endlich mal Klarheit darüber, was die Politiker wirklich wollen! ” – Die Politiker wollen wiedergewählt werden. Mein örtlicher Landtagsabgeordneter sagte einmal zu mir “Jürgen, auf welchem Stern lebst denn Du. In der Politik geht es doch nicht darum Ideale zu vertreten. In der Politik geht es darum Wahlen zu gewinnen um Macht zu erhalten” – damit ist wohl alles gesagt!

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      • Und daran sollen sie sich erinnern:
        “Landwirtschaftsgesetz (LwG) Inkrafttreten am: 6. September 1955”

        Demnach muß ja die Landwirtschaft ein ganzer Pfeiler unserer Volkswirtschaft sein oder nicht?

        Das kann man weiterdenken, wenn man ihre Vielfältigkeit berücksichtigt, dass sie uns auch bei der Bewältigung de4r Energiekrise behilflich sein kann, nicht nur in PV und Solaranlagen,sondern auch in Biogas und CO2verschlucker.

      • Smarti sagt

        Herr Donhauser, ja, Geld und Macht. Oder es sind immer mehr auch sogenannte “Schützer” ( Klima – Tier – Insekten…), die bemerkt haben, dass sie nur etwas bewirken können, wenn sie direkt am Hebel sitzen.
        Und da jeder nur an seinem eigene Hebel remwerkelt, wird der ganze Brei immer klebriger und ungeniessbar.

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  14. “gewährleistet werden muss, dass die Produktionsverfahren von in Drittstaaten erzeugten Waren, die in die EU ausgeführt werden, den europäischen Verbrauchern dieselben Garantien hinsichtlich Gesundheits-, Lebensmittelsicherheits-, Tierschutz-, Nachhaltigkeits- und Sozialstandards bieten wie die innerhalb der EU angewendeten Produktionsverfahren,”
    Selbst wenn dies beschlossen werden sollte, wie will man so etwas jemals kontrollieren??? Da tut sich doch lediglich eine Spielwiese für dubiose Zertifzierer und Korruption auf. Wäre es nicht angebrachter, die EU passt ihre Standards an die der Drittstaaten an??

    7
    • Jürgen Donhauser sagt

      ….wäre der logische Schluss. Da aber Ideologen nicht von ihren Weltbild lassen können, wird die Realität (Zerstörung der eigenen Produktion und dann Verlagerung in andere Länder mit schlechteren Standards) verdrängt. Man gibt sich der Illusion hin, dass der Rest der Welt unseren “Beispiel” folgen wird. Eine andere Ideologie hat es einmal so formuliert: “Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen” – die Welt wollte aber Gottseidank nicht……

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    • “Wäre es nicht angebrachter, die EU passt ihre Standards an die der Drittstaaten an?? ”

      Das ist nicht nur logisch sondern entspricht doch auch dem Kaufverhalten der Verbraucher!
      Der Verbraucher pfeift offensichtlich auf die hochgelobten Standards . Sonst wäre es doch für die Bauern kein Problem. Die Nachfrage sucht sich in einer marktwirtschaftlichen Ordnung das passende Angebot.
      Auch hier sehen wir wieder den Unterschied zwischen dem, was der Bürger sagt und dem, was er als Verbraucher macht.
      Ich halte es für eine absurde Idee, jetzt unsere Regelungswut noch ins Ausland zu tragen. Darauf hat wirklich niemand gewartet.
      Zumal das Resultat wäre, dass die Produkte teurer werden. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: Bauernlobby erneut Preistreiber.
      Mercosur ist doch nicht euer Problem, sondern die Bürokratie, der Kontrollwahn und die insgesamt wirtschaftsfeindliche Haltung der Politik. Und vieles anderes. Aber bestimmt nicht Freihandelsabkommen von übermorgen.

      5
  15. Ludwig sagt

    Überall nur Lügenberichte und zweierlei Maß der Politiker. Vor Corona war das Cetaabkommen noch böse und jetzt ist es plötzlich abgeschlossen. Jetzt kommt die Zeit der Realitäten für die Politik der letzten zwanzig Jahre und damit die vielen gebrochenen Verträge. Ob das nachhaltig die Politik von heute überleben wird ? Maastrichtvertrag – gebrochen, Lissabonvertrag – gebrochen, Verschuldungsvertrag der EU – gebrochen, Verbot der Staatsfinazierung durch die EZB – gebrochen,Schengenvertrag – gebrochen, usw. . Wenn von uns einer mal falsch parkt , dann kommt sofort ein Knöllchen, wenn ich die GEZ-Gebühren nicht zahlen will dann droht , wie bereite passiert , Gefängnis. Wenn ich diese Grundlage heranziehe , dann müßten alle gesetzbrechenden Politiker ins Gefängnis. Letztlich dienen doch die nach Willkür gefaßten Vertragsbrüche nur dazu das eigene politische Überleben abzusichern. Die Lage ist doch derzeit , auch ohne Corona und Krieg, so brisant , daß der Tanz auf der Rasierklinge in der Politik abläuft. Energiewende vergeigt, Energienotstand herbeigeführt, Staatsverschuldung im Euroraum auf 120% vom BIP hochgejagt und damit den Euro in den Niedergang treibend. Obwohl die Alarsirenen überall heulen , werden weiterhin Knebelgesetze zum Wirtschaftniedergang weiter beschlossen. Das wird nicht gutgehen können. Leider lassen sich die Bürger von der Politik ein X für ein U vormachen und wählen sogar noch ihren Niedergang selber.

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    • Jürgen Donhauser sagt

      Richtig erkannt Ludwig. Es werden pausenlos irgendwelche heroischen Ziele formuliert um dann relativ schnell an der Realität zu scheitern. Entweder ehrlich eingestehen, dass man es auch per Gesetz nicht ändern kann, oder sich den ganzen “Apparat” sparen. Doch werden die Frösche ihren eigenen Sumpf trocken legen?

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  16. evo.... sagt

    Die Bauern wollen Unternehmer sein, und da trägt man ein gewisses Risiko. Mal geht einer pleite, mal schließen sie sich zusammen oder mal wird einer übernommen. Einige verdienen viel Geld, andere schleppen sich so durch.

    Insofern hat die Politik für gleiche Rahmenbedingungen gesorgt. Also “richtiger” Unternehmer werden.

    Was man abschaffen sollte sind z.b. Gebührenordnungen für Archtikten, Rechtsanwälte u. A. Oder das Beamtentum. Ein beamteter Lehrer wird kaum unternehmerische Fähigkeiten bei seinen Schülern fördern können.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Evo, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure ist bereits teilweise reformiert. Man kann nun leichter Pauschalhonorare verhandeln. Die Leistungen basieren allerdings ausschließlich auf Vertrauen, denn fachliche Kompetenz wird qua Qualifikation vorausgesetzt.
      Wie willst du also verschiedene Angebote vergleichen können, wenn nicht über eine regelbasierte Ordnung? Die Komplexität der Ordnung ist das Problem, die Durchschaubarkeit. Für den öffentlichen Auftraggeber aber ist die HOAI unerlässlich.
      Für den privaten Kunden bleibt immer noch die pauschale Vereinbarung, die man auch ablehnen kann, wenn man eine Alternative sieht.

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    • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

      “Oder das Beamtentum.”

      Niemals wird das Beamtentum abgeschafft!
      Gibts seit dem Alten Fritz und sitz fest im Sattel.
      Immer wieder lustig wenn insbesondere ein Lehrer mir erzählt,was ich als Bauer alles falsch mache.

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      • Gerade Lehrer müssten das doch verstehen,
        denn wie viel Lehrer erleben in der Elternversammlung, wie von berufsfremden Eltern Fehler in ihre Unterrichtsgestaltung vorgeworfen werden.
        Oder mischen sich sonst wo ein, das sie nichts angeht.

        Da sollen sich doch mal die Chemielehrer auf die Socken machen und beim Pflanzenschutzamt erfragen, was für ein Gift in den verschiedenen Pflanzenschutzmitteln drin steckt und was die einzelne Gifte bekämpfen sollen oder müssen. Und wie oder wer das früher gemacht hat, als es noch keine PSM gab.
        Und wer die Mittel herstellt.
        Oder ist das die Pflicht der Bauern?
        Nee, der Lehrer, denn wenn die das Vermitteln können dann ist Ruhe im Karton und der Verbraucher ist aufgeklärter.
        Und so lange, wie die das nicht leisten, haben die uns Bauern keine Vorwürfe zu machen,
        Denn so lange sollen die sich was schämen.

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        • Jürgen Donhauser sagt

          @Inga – bei einem Vortrag unlängst in einem Gymnasium behandelte ich das Thema: “Wie man durch manipulative Fragen beeinflusst werden kann” mit folgenden Beispiel (ursprünglich von der Uni Freiburg durchgeführt):
          “Wir haben festgestellt, dass in in jedem Lebensmittel Di-Hydrogen-Monoxid nachgewiesen wurde. Wenn man diesen Stoff als Reinsubstanz einatmet, dann führt es in wenigen Minuten unweigerlich zum Todeskampf und Tod. Würden Sie uns unterstützen, dass dieser Stoff unbedingt verboten wird?”
          Die Schüler und Lehrer stimmten zu, bis ich Ihnen die chemische Formel auf die Tafel schrieb – H2O – Wasser
          So viel zur Kenntnis der Lehrer……

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  17. Christian Bothe sagt

    Alles Makulatur, aber interessant was Koll.Donhauser publiziert! Wie sagt man: “Papier ist geduldig”und Mercosur lässt grüßen …Waere natürlich wünschenswert, den (un-)sinnigen EU-Standard für die Produktion von Lebensmitteln auf die Welt zu übertragen? Aber es ist wie mit vielen Regularien der EU, die deutschen Bauern knebelt man und Importe finden trotzdem statt…Das wird in einer globalen Welt immer bleiben und eine Abschottung wird’s nicht geben, trotz diverser nichts sagender Schriftstücke der EU…

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    • Jürgen Donhauser sagt

      Genau das ist mein Ansinnen. Machen nationale Vorgaben Sinn, wenn man damit die Produktion im Land abwürgt und die mangelnde Versorgung anschließend durch Importe schlechteren Standards ausgleicht? Wenn man also damit keine Verbesserung für Umwelt- und Tierschutz erzielt, bzw. sogar verschlechtert, muss man doch grundsätzlich kritisch Hinterfragen, ob weiterer Verschärfung von Produktionsstandards die Lage nicht noch verschärfen!

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  18. oberländer sagt

    Das Landwirtschaftsgesetz ist schon so alt , gilt das überhaupt noch ?
    Können unsere Politiker das überhaupt lesen , und wollen sie es
    dann auch verstehen ?
    Das könnte ja unbequem sein und manchem grünischem
    Mainstream widersprechen .
    Ob man überhaupt Zeit hat so etwas zu lesen ?

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  19. Frikadellen piet 44 sagt

    moin schönen Sonntag ein toller rosaroter Plan den müssten wirklich alle Länder auf der Erde unterschreiben auch Herr Putin und es gibt noch viele andere Quertreiber die da zustimmen müssen ich bin gespannt was die anderen sagen auf der Erde kann leider nicht in jedem Land jedes Produkt produziert werden ja und das mit dem Schweinehaltern ist wiederum ein anderes Problem was ich halt sehr schwer ansehe
    . ich bin sehr gespannt was ich hier heute lerne

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