Bauer Willi
Kommentare 57

Gedankenaustausch – mit Eckehard Niemann

Vor kurzem habe ich mich mit Eckehard Niemann getroffen, weil ich den gerne mal persönlich kennenlernen wollte. Wer nicht weiß, wer das ist: er ist der Pressesprecher der AbL in Niedersachsen.

Um es gleich vorweg zu sagen: es war ein sehr lebendiges und offenes Gespräch, das wohl beiden Seiten gut gefallen hat. Themen waren unter anderem Gentechnik, Düngung, Pflanzenschutz und die Strukturen der Agrarbranche.

Man mag mich für verrückt erklären, aber nach dem Gespräch konnte ich dem Grundgedanken „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ durchaus etwas abgewinnen. Die Geschäftsmodelle Straathof und KTG Agrar sehen vermutlich auch viele Berufskollegen eher kritisch, weil sie dem Ansehen der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit nicht zuträglich sind. Dieser Konzentration auf wenige Mega-Betriebe ist auch der AbL ein Dorn im Auge, sie erwartet von den Obergrenzen für weitere Groß-Tierhaltungsanlagen und von den Umwelt- und Tierschutz-Gesetzen einen  EU-weiten Abbau der preisdrückenden Überschussproduktion und damit überproportionale Erzeugerpreissteigerungen. Schwierig wird es meines Erachtens nur mit der Definition, ab wann aus einem Bauernhof eine Agrarfabrik wird. Darüber haben wir kontrovers, aber sehr sachlich gesprochen. Die AbL sieht hier klare Grenzen bei den Tierzahlen pro Betrieb. Mir persönlich ist das eine etwas starre Sicht der Dinge. Dennoch muss ich zugeben, dass man an Grenzen, die gesetzt werden, nicht vorbeikommt, denn mit einer immer höher werdenden Konzentration an Tierzahlen pro Betrieb entstehen zunehmende Aufgabenstellungen an die Betreuung der Tiere. Auch die „Entsorgung“ der tierischen Ausscheidungen wird schwieriger. All dies ist durchaus lösbar, aber die Anforderungen werden höher.  In diesem Punkt haben wir zumindest ein Verständnis für die jeweilige Sichtweise erreicht.

Gleiches gilt auch für das Thema Gentechnik. Ich konnte Herrn Niemann klar machen, dass ich kein „Verfechter“ oder „Verteidiger“ der grünen Gentechnik bin, mir aber unter kontrollierten und klar definierten Bedingungen einen Einsatz von grüner Gentechnik durchaus vorstellen kann. Beispiel: genetisch verankerte Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln, die ja vegetativ vermehrt werden. Seine Meinung: wenn man die „Büchse der Pandora“ öffnet, wird es weitere Anwendungen geben, die dann nicht mehr aufzuhalten sind.

Die Nitratproblematik ist stark mit der Tierhaltung verbunden. Hier ist der Gesetzgeber gefordert zu verhindern, dass es zu missbräuchlichen Anwendungen kommt. Das Problem ist erkannt und wird hoffentlich auch gelöst, weil dies letztlich im Interesse der Landwirte ist. Hier gab es nur wenige Differenzen.

Interessant und bemerkenswert fand ich die Aussagen von Herrn Niemann zum Thema Glyphosat. Er ist der Meinung, dass dieser Wirkstoff nach bisheriger Kenntnis toxikologisch vermutlich weniger bedenklich ist als viele andere Wirkstoffe (ist auch meine Meinung)  und dass er in bestimmten Bewirtschaftungssystemen (Beispiel Mulchsaat) kurzfristig bei der Erosionsvermeidung durchaus auch ackerbauliche Vorteile bringen könne (langfristig seien die  Auswirkungen auf das Bodenleben negativ).  Seiner Meinung nach beruhe der gesellschaftliche Widerstand gegen Glyphosat  wesentlich auf dessen enger Verbindung mit dem System von Gentechnik und Gentechnik-Konzernen. Glyphosat gelte außerdem zu Recht als Symbol für acker- und pflanzenbauliche Fehlentwicklungen und Missstände (Ersatz von Fruchtfolgen, Sortenwahl, Bestandsführung und mechanischer Unkrautregulierung durch chemischen Pflanzenschutz, fehlende Vielfalt in der Feldmark, fehlender Schutz von Wegeseitenräumen, Förderung von Resistenzen  etc.).

Die konventionelle Landwirtschaft sei zu einer umfassenden Initiative aufgerufen, den Einsatz des chemischen Pflanzenschutzes (und auch von Glyphosat) national und  EU-weit drastisch auf deutlich weniger Bereiche zu reduzieren – dann würde vermutlich die Glyphosat-Debatte an Schärfe abnehmen.

Wenn dies eine gemeinsame Vereinbarung ALLER  Bauernverbände würde, wäre doch etwas erreicht. Es lohnt sich also, nicht nur zu diesem Thema im Gespräch zu bleiben…

…meint Bauer Willi

 

 

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57 Kommentare

  1. Bauer Willi sagt

    Ich würde mir wünschen, dass auch darüber diskutiert würde, ob es gut ist, dass sich zwei Menschen aus unterschiedlichen „Glaubensrichtungen“ einmal zivilisiert unterhalten, wo es Gemeinsamkeiten und wo es unterschiedliche Ansichten gibt. Nach dem Lesen einiger Kommentare hier hätte ich mir das auch sparen können.
    Von „angedeuteten Allianzen“ und „klüngeln“ zu sprechen ist schon arg weit hergeholt…
    Was meine Naivität angeht, so stimmt das wahrscheinlich: Ich glaube immer noch, dass jeder Dialog auch irgendwie jeden ein kleines Stück weiterbringt.
    Dazu mein Lieblingszitat von Watzlawik: „Der Andersdenkende ist kein Idiot, er hat sich nur eine andere Wirklichkeit konstruiert“. Trifft das nicht für jeden von uns zu?
    Bauer Willi

    12+
    • crux.chaos sagt

      Natürlich ist reden gut! Ich habe das nicht behauptet. Weder schadet die Suche nach Gemeinsamkeiten, noch die Auseinandersetzung. Im Gegenteil. Und wenn man dabei noch zuhört, umso besser. Das ändert aber wenig an der Frage, wie man sich gegenüber denjenigen positioniert, die nicht am Tisch sitzen.

      1+
        • Bauer Willi sagt

          Herr Kruse
          ich wiederhole meine Bitte, hier nicht ständig irgendwelche Links zu veröffentlichen. Ich habe mir das Video zu Cowspiracy angesehen und weiß leider immer noch nicht, was der Film angeblich aufdecken soll. Das kommt im Trailer nicht zum Ausdruck.

          Auch das Herauskopieren von Texten bringt die Diskussion nicht weiter. Dialoge sind immer interessengeleitet. Sie sind doch selbst das lebende Beispiel dafür. Sie haben nur Ihr eigenes Interesse im Auge: Den Mitkommentatoren Ihre Meinung als die allein seligmachende zu verkaufen. Andersdenkende sind nur zu blöd, sich Ihrer Meinung, die ja die „Wahrheit“ ist, anzuschließen. Mir persönlich bringen Ihre Kommentare nichts. Wahrscheinlich geht es anderen auch so.
          Bauer Willi

          7+
    • Dialog geht aber nur auf Augenhöhe, wie man heute sagt! Watzlawik hat leider nicht berücksichtigt, dass Dialoge oft interessegeleitet sind. Und da haben Aktionäre bei Bayer nun mal andere Ansichten über die Gefährlichkeit der Bayer-Produkte als Umweltschützer.
      Nur dass die Bayer-Leute die Mittel haben, alle Entscheidungsträger massiv zu beeinflussen und ggf. auch zu kaufen. Gefährlich wirde es dann, wenn die Konzerne nun auch die Wissenschaft bezahlen und einkaufen und anschließend so tun, als hätten die gesponsorten
      Wissenschaftler emsig und unabhängig nach „Wahrheit“ gesucht!

      5+
      • Mark Rössler sagt

        Ja, die ganze Welt wird von Konzernen gekauft.
        Dann können wir die Diskussion ja beenden, die wahre Wahrheit haben dann Umweltschützer, aus der IT, Philosophie und Germanistikerinnen.

        Wundert mich, dass Monsanto das Geld ausging als es um das lohnenswerte Geschäft, dem Anbau von GVO ging oder Bayer nicht mal seine Neonicotiode durchsetzt…
        Ihre Wahnvorstellungen weisen erhebliche Lücken auf, den Widerspruch erkennt man in den Kreisen der Wahrhaftigen vermutlich nicht.

        Und ich schließe mich Willi an, es nervt.

        8+
    • Ottmar Ilchmann sagt

      Gedankenaustausch funktioniert dann, wenn beide „Tauschpartner“ was im Kopf haben. Das ist hier definitiv der Fall, und dann kommt auch was dabei raus. Etliche Vertreter der unterschiedlichen „Glaubensrichtungen“ fühlen sich aber im eigenen Saft, in dem sie schmoren, besonders wohl und vermeiden deshalb den Austausch mit Andersdenkenden. Dann landet man schnell in der Wagenburg. Das führt uns nicht weiter.

      3+
  2. crux.chaos sagt

    Mir erscheint die vorsichtig angedeutete mögliche Allianz mit der AbL ziemlich gefährlich und naiv. Es wird ein gemeinsames Feindbild konstruiert (KTG und Straathoff), dass vielleicht dabei hilft, gemeinsam zu klüngeln. Keineswegs hilft es hinsichtlich der Herausforderungen, mit denen die reale „moderne“ Landwirtschaft konfrontiert ist. Genau genommen ist die AbL genauso randständig wie KTG und Straathoff. Sie schreit nur lauter und träumt von der guten alten Zeit.

    2+
    • Mark Rössler sagt

      Ideologien leben von Kampfbegriffen,
      ob Straathoff, KTG oder Monsanto, ohne diese läuft nichts.

      1+
    • Andreas sagt

      „Gefährlich“ finde ich das Internet, wo man sich als „Crux.chaos“ äußern darf. Wer oder was sind Sie? Ein fauler Beamter einer Genossenschaftsmolkerei der die Milchlieferanten finanziell ausziehen möchte? Ich habe was gegen Parasiten die nur bequem Geld abziehen wollen und dumme Bauern suchen und auch finden, wie man sieht.

      Ich sehe zwei Gefahren. Sicherlich die pauschale undifferenzierte Pauschalkritik der AbL und andererseits eben die agrarindustriellen Parasiten die was gegen unabhängige Bauern haben, die NICHT so überschuldet sind, dass sie sich nicht mehr wehren können.

      5+
      • crux.chaos sagt

        Die Neugier treibt uns alle… Und das ist vielleicht gut so.

        Das Internet ist eher aus einem anderen Grund gefährlich: Freunde klopfen sich ständig gegenseitig auf die Schultern und merken dabei gar nicht, dass ihnen jenseits des eigenen Klüngels niemand zuhört.

        Zu Ihrem zweiten Punkt: Die Agrarindustrie ist kein Parasit. Sie lebt in Symbiose mit Landwirtschaft und LEH. Als Parasit wäre sie schnell weg vom Fenster. Parasiten können nur in Nischen überleben. Überschreiten sie ihr Nischendasein, zerstören sie durch ihr Parasitentum ihre eigene Lebensgrundlage. Vielleicht ist das das Schicksal des homo sapiens auf planet earth.

        PS: Ich wusste gar nicht, dass Genossenschaftsmolkereien Beamte einstellen.

        0
        • Andreas sagt

          @Crux.
          Ihre Antwort verblüfft mich ein wenig.
          Meine Sie diese Freunde die sich auf die Schulter klopfen?
          https://www.youtube.com/watch?v=c1NUCB5_ep8

          Von Symbiose würde ich nicht sprechen. Besonders im Hinblick auf den LEH nicht. Unser Vertragspartner ist auch nicht der LEH sondern Agrarkonzerne im Vor und Nachgelagerten Bereich. Und die Besucherzahlen auf der Messe in Hannover werden zeigen, dass bei Bauern bald nichts mehr zu holen sein wird.

          2+
          • crux.chaos sagt

            Ich finde die Aktionen der Gruppe toll! Dennoch müssen sie sich mit dem Problem der gegenseitigen Selbstbestätigung auseinander setzen. Das kann schnell nach hinten los gehen, wie die dämliche Rügenwälder Aktion.

            Hier auf Willi’s Seite eine ähnliche Problematik: ein enormes Pro und Contra. Kaum jemand hört zu.

            Zur Symbiose: Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

            0
            • Andreas sagt

              Die „Aktionen der Gruppe“ ist pure Selbstverstümmelung und das Peinlichste was Bauern je zuvor hervorgebracht haben. Ich kann nun appellieren, so etwas zu lassen.

              Zuhören, @ Crux. , ist ein gutes Stichwort. Wer hört uns Bauern zu?
              Der DBV? Nein. Die Parteien? Nein. Medien? Nein.

              Gut ist, das Bürger den Medien auch nicht zuhören.

              4+
  3. Der Brandenburgbauer sagt

    Hallo Bauer Willi,
    in deinem Beitrag, gehst du auch auf die Problematik ab wenn ein Bauernhof zur Agrarfabrik ein. Was Straathof und KDG Agrar betrifft, keine andere Meinung, diese schaden unserem sowieso schlechtem Ruf erheblich. Als Landwirt in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb, im Osten dieser Republik, der eine Fläche von 6.000 ha bewirtschaftet, so sind nun mal die historisch gewachsene Strukturen finde ich es schon sehr arg mit Agrarfabriken in einem Atemzug genannt zu werden. Diese Fläche bewirtschaften 110 Mitarbeiter was ist daran so verwerflich. Es besteht also noch genügen offener Diskussionsbedarf.

    4+
    • Gepard sagt

      Willi schrieb doch, dass auch er mit starren Grenzen so seine Probleme hat. Offenbar geht es hier aber hier vor allem um die Anzahl der Tiere und nicht um die Größe der Ackerflächen.

      0
    • Bauer Willi sagt

      Frage: Wer ist „wir“? Sie schreiben doch hier als „Jürgen Kruse“ oder gehören Sie einer Organisation an?
      Der Artikel von mir wurde von Herrn Niemann gegengelesen, er hat noch Änderungen eingebracht und mir dann sein Einverständnis gegeben. Soll ich den Mail-Verkehr hier dokumentieren oder glauben Sie es mir auch so?
      Bauer Willi

      4+
      • Mark Rössler sagt

        Der werte Herr Kruse ist attac Aktivist.
        Hält sich gerne an Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaft.

        2+
        • Das ist ziemlicher Unfug! Wer legt fest, was Verschwörungstheorie ist? Was ist Pseudo-Wissenschaft? Wahrscheinlich das Festhalten an Lobby-Gefälligkeitsgutachten, wenn z.B. schon lange die Gefahren der Gentechnik auf dem Acker und die Unverantwortlichkeit der Genehmigungen für Pestizide durch eine ganze Reihe von Forschungen erwiesen sind!

          2+
            • Was soll der Hinweis auf die Anti-Atom-Politik?
              Die Gentechnik auf dem Acker ist mindestens genau so gefährlich!
              Siehe auch diesen Bericht:
              Fatale Kombinationswirkungen von Umweltgiften erfordern andere Grenzwerte und Zulassungsverfahren und neutrale toxikologische Forschung,
              so das Ergebnis einer Informationsveranstaltung „Kombinationswirkung von Umweltgiften-Wir machen uns Sorgen!“
              zu der die Bürgerinitiative „Für Mensch und Vieh“ (www.fuermenschundvieh.de) die Biochemikerin Prof. Dr. Irene Witte (Uni Oldenburg) nach Emsdetten eingeladen hatte.
              Sie hat herausgefunden, dass harmlose Konzentrationen von Umweltgiften (z.B. von Pestiziden) in der Kombination mit anderen Stoffen giftig wirken
              können. Ihre Arbeitsgruppe stellte erstmals quantitativ heraus, in welchem Ausmaß sich verschiedene Schadstoffe – abhängig von ihrer Konzentration – in ihrer toxischen Wirkung im menschlichen Körper verstärken können. Sie zeigte, daß ungiftige Konzentrationen von Einzelstoffen im Gemisch giftig wirken und zwar um so giftiger, je mehr Einzelstoffe das Gemisch enthält. Dies gilt für alle Chemikalien.
              Heute werden Grenzwerte nur auf der Grundlage einer toxikologischen Einzelstoffbeurteilung festgesetzt. Nicht berücksichtigt werden die unendliche Vielfalt möglicher Wechselwirkungen der verschiedenen Schadstoffe und ihrer Abbauprodukte im menschlichen Körper und die fatalen Kombinationswirkungen der Pestizide
              im Wasser bzw. in den Böden.
              In einer lebhaften Diskussion zwischen Umweltschützern, Wasserwirtschaftern und Landwirten stellte Frau Dr. Witte heraus, dass neue Kombinationspräparate umfangreicher getestet werden müssen. Die Zulassung von Pestizidmischpräparaten darf nicht mehr nur auf Grund der Einzelwirkungen der enthaltenen Stoffe erfolgen. Es müssen neben der akuten Giftwirkung auch mutagene und krebserzeugende Wirkungen des Gemischs untersucht werden. Kombinationswirkungen müssen bei der Ermittlung von Schadstoffgrenzwerten in Zukunft eine Rolle spielen, da alle bisher üblichen Verfahren den realen Bedingungen nicht gerecht werden, so daß es zwangsläufig zu Unterschätzungen von Zusammenhängen zwischen Umweltgiften und Erkrankungen kommt. Die Untersuchungsergebnisse müssen endlich folgenschwere Konsequenzen haben. Schon der Toxikologe Otmar Wassermann hat 1990 in dem Buch „Die schleichende Vergiftung“ eine unabhängige/öffentliche und gut ausgestattete toxikologische Forschung an Hochschulen gefordert. Doch leider ist die eher abgebaut und im Interesse der Konzernprofite (Bayer usw…) privatisiert worden. Folgerichtig wurde in der Diskussion eine pestizid- und güllefreie
              Landwirtschaft gefordert, damit -angesichts des rapide voranschreitenden Artensterbens (Tiere und Pflanzen)- die Lebensgrundlagen auch für nachfolgende Generationen
              gesichert werden können.
              (Jürgen Kruse, Legden)
              ————————————————-
              Literatur dazu u.a:
              I.Witte: Krebs durch Kombinationen aus Chemikalien, physikalischen Noxen und körpereigenem Stress. Umwelt Medizin Gesellschaft 2, 2012, S.100-106.
              Otmar Wassermann u.a., Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht, Fischer TB 4126, Frankfurt/ 1990.
              ——————————————————————————
              Meinungsäußerungen von Landwirten (die z.T. die Nitratproblematik und die Gefährlichkeit der Pestizide leugneten) in der Diskussion:
              *Wenn wir das Oberflächenwasser nicht zur Bewässerung der Felder nehmen sollen, dann sollen die Wasserwerke das auch nicht als Trinkwasser nutzen dürfen.
              *Wenn Glyphosat verboten werden sollte, stehen schon neue Gifte bereit, dann holen wir ggf. im Ausland erwerbbares Gift und versprühen das dann auf den
              Feldern. (Kontrollen scheint es für die Landwirtschaft wohl gar nicht zu geben!?)

              2+
          • Gepard sagt

            Was eine Verschwörungstheorie ist, muss man gar nicht festlegen. Wenn jemand meint, ein paar wenige Menschen haben die Geschicke der Welt fest in ihren Händen und könnten es sogar verheimlichen, dann steckt dahinter eine Verschwörungstheorie. Es ist der Glaube, ein paar Menschen haben sich heimlich gegen der Rest der Welt verschworen. Ein weiteres klares Zeichen einer Verschwörungstheorie ist die Logik, dass Menschen, die der Theorie nicht zustimmen, Teil oder Opfer der Verschwörung seien und somit die Theorie bestätigen. Der Verschwörungstheoretiker lehnt die Idee ab, dass es mehrere Wahrheiten geben kann und sie vom Kontext sowie vom Bezugspunkt abhängig sind. Dazu passt ausgeprägtes dichotomes Denken, bei dem es nur Wahr oder Falsch, aber keine Zwischenstufen und Unschärfen gibt. Gerne suchen Verschwörungstheoretiker auch die Maden im Speck. Menschen, denen man einen Fehler nachweisen konnte sind dann pauschal nichts mehr wert und alles was sie sagen kann ebenfalls keinen Wert mehr haben. Nach dem Motto, wer einmal lügt, lügt immer.

            1+
            • Eine wunderschön aus dem Lexikon zitierte Definition für „Verschwörungstheorien“.
              Hat aber nun gar nichts zu tun mit dem Phänomen, dass interessegeleitet viele Lobbyisten der Agrarindustrie Forschungen, die von den Vorgaben der Chemiekonzerne abweichen, nicht so gern zur Kenntnis nehmen wollen. Auch mag es für Landwirte unbequem sein, wenn sie feststellen müssen, dass sie von ihren Verbandsvertretern in eine verhängnisvolle
              Richtung gedrängt worden sind!

              0
      • Wir, das sind Aktive aus NABU, BUND usw., die sich Sorgen um unsere Lebensgrundlagen machen und nicht länger zusehen wollen, wie im Interesse der Profite weniger Konzerne
        Böden, Wasser und Luft verseucht werden. Dioe auch nicht schweigen angesichts des rasanten Artensterbens (Tiere und Pflanzen)!

        2+
        • bauerhans sagt

          „Böden, Wasser und Luft verseucht werden.“

          das ist aber sehr starker tobak,entspricht aber nicht der realität.

          4+
          • Gepard sagt

            Ob es der Realität entspricht, hängt von der Definition von „versucht“ ab. Streng genommen trifft das alles auf jeden einzelnen Menschen zu.

            0
      • Mark Rössler sagt

        „umstritten“
        Sehr diplomatisch ausgedrückt, Wissenschaftler aller Richtungen halten den für ein Problem, denn so geht Wissenschaft nun mal nicht. Solche Protagonisten schaden der Wissenschaft.

        2+
      • Eine gezielte Strategie der Konzerne besteht in der Desinformation über ihre Gifte!
        Ein wesentlichger Punkt dabei ist, die Demontage und Verfolgung von Wissenschaftlern, die „abweichende“ Meinungen äußern oder die Infragestellung von Gutachten, die mit den Profitinteressen nicht vereinbar sind! Siehe auch das http://www.cbgnetwork.de/1.html !!!!

        0
  4. Nach diesen Ausführungen scheinen Glyphosat und das Giftproblem überhaut von Herrn Niemann auch völlig unterschätzt zu werden. — Siehe zu den brisanten Kombinationswirkungen der Umweltgifte: „Fatale Kombinationswirkungen von Umweltgiften erfordern andere Grenzwerte und Zulassungsverfahren und neutrale toxikologische Forschung“!:
    Fatale Kombinationswirkungen von Umweltgiften erfordern andere Grenzwerte und Zulassungsverfahren
    und neutrale toxikologische Forschung, so das Ergebnis einer Informationsveranstaltung „Kombinationswirkung von Umweltgiften-Wir machen uns Sorgen!“
    zu der die Bürgerinitiative „Für Mensch und Vieh“ (www.fuermenschundvieh.de) die Biochemikerin Prof. Dr. Irene Witte (Uni Oldenburg) nach Emsdetten eingeladen hatte.
    Sie hat herausgefunden, dass harmlose Konzentrationen von Umweltgiften (z.B. von Pestiziden) in der Kombination mit anderen Stoffen giftig wirken
    können. Ihre Arbeitsgruppe stellte erstmals quantitativ heraus, in welchem Ausmaß sich verschiedene Schadstoffe – abhängig von ihrer Konzentration – in ihrer toxischen Wirkung im menschlichen Körper verstärken können. Sie zeigte, daß ungiftige Konzentrationen von Einzelstoffen im Gemisch giftig wirken und zwar um so giftiger, je mehr Einzelstoffe das Gemisch enthält. Dies gilt für alle Chemikalien.
    Heute werden Grenzwerte nur auf der Grundlage einer toxikologischen Einzelstoffbeurteilung festgesetzt. Nicht berücksichtigt werden die unendliche Vielfalt möglicher Wechselwirkungen der verschiedenen Schadstoffe und ihrer Abbauprodukte im menschlichen Körper und die fatalen Kombinationswirkungen der Pestizide
    im Wasser bzw. in den Böden.
    In einer lebhaften Diskussion zwischen Umweltschützern, Wasserwirtschaftern und Landwirten stellte Frau Dr. Witte heraus, dass neue Kombinationspräparate umfangreicher getestet werden müssen. Die Zulassung von Pestizidmischpräparaten darf nicht mehr nur auf Grund der Einzelwirkungen der enthaltenen Stoffe erfolgen. Es müssen neben der akuten Giftwirkung auch mutagene und krebserzeugende Wirkungen des Gemischs untersucht werden. Kombinationswirkungen müssen bei der Ermittlung von Schadstoffgrenzwerten in Zukunft eine Rolle spielen, da alle bisher üblichen Verfahren den realen Bedingungen nicht gerecht werden, so daß es zwangsläufig zu Unterschätzungen von Zusammenhängen zwischen Umweltgiften und Erkrankungen kommt. Die Untersuchungsergebnisse müssen endlich folgenschwere Konsequenzen haben. Schon der Toxikologe Otmar Wassermann hat 1990 in dem Buch „Die schleichende Vergiftung“ eine unabhängige/öffentliche und gut ausgestattete toxikologische Forschung an Hochschulen gefordert. Doch leider ist die eher abgebaut und im Interesse der Konzernprofite (Bayer usw…) privatisiert worden. Folgerichtig wurde in der Diskussion eine pestizid- und güllefreie
    Landwirtschaft gefordert, damit -angesichts des rapide voranschreitenden Artensterbens (Tiere und Pflanzen)- die Lebensgrundlagen auch für nachfolgende Generationen
    gesichert werden können.
    (Jürgen Kruse, Legden)
    ————————————————-
    Literatur dazu u.a:
    I.Witte: Krebs durch Kombinationen aus Chemikalien, physikalischen Noxen und körpereigenem Stress. Umwelt Medizin Gesellschaft 2, 2012, S.100-106.
    Otmar Wassermann u.a., Die schleichende Vergiftung. Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht, Fischer TB 4126, Frankfurt/ 1990.
    ——————————————————————————
    Meinungsäußerungen von Landwirten (die z.T. die Nitratproblematik und die Gefährlichkeit der Pestizide leugneten) in der Diskussion:
    *Wenn wir das Oberflächenwasser nicht zur Bewässerung der Felder nehmen sollen, dann sollen die Wasserwerke das auch nicht als Trinkwasser nutzen dürfen.
    *Wenn Glyphosat verboten werden sollte, stehen schon neue Gifte bereit, dann holen wir ggf. im Ausland erwerbbares Gift und versprühen das dann auf den
    Feldern. (Kontrollen scheint es für die Landwirtschaft wohl gar nicht zu geben!?)

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Herr Kruse
      was ist die Konsequenz aus Ihren Ausführungen. Ich zweifele nicht daran, dass eine ganze Reihe von Chemikalien giftig ist. Dazu brauche ich mir nur Haushaltsreiniger wie „Domestos“ anzusehen. Und auch Pflanzenschutzmittel sind giftig, denn sie töten Blattläuse und Pilze.
      Ich will Ihnen sagen, was die Konsequenz Ihrer Ausführungen sind: Verzicht auf chemisch-synthetische Wirkstoffe und Düngemittel. Wir Bauern können auch Bio! Es muss nur jemand kaufen und bezahlen! Und daran scheitert es doch, oder?
      Bauer Willi

      6+
      • Lieber „Bauer Willi“, was sollen immer diese Fingerzeige auf andere Umweltvergehen??
        Natürlich müssen wir in allen Lebensbereichen zu einer echten Nachhaltigkeit kommen!
        Bio scheitert eben nicht, ist weltweit sogar weit verbreitet. Es kommt auf politische Rahmenbedingungen an. Die notwendigen werden leider in Deutschland und in der EU immer wieder verhindert ganz im Interesse einer übermächtigen Lobby für die Profite der Chemie-, Saatgut-, Agrar- und „Nahrungsmittel“-Industrie!!!

        2+
    • bauerhans sagt

      ich kenne jemanden vom ADFC (fahrradclub),der leidenschaftlich über den strassenverkehr referiert.
      mit zahlen über tödliche unfälle kann der sogar belegen,dass autos und insbesondere lkw sofort verboten werden müssten.

      4+
        • bauerhans sagt

          die menschen geben weniger fürs essen aus,werden älter und bleiben beweglicher,was ja der landwirtschaft,sprich ernährung zu verdanken ist.

          6+
  5. Andreas sagt

    Zitat Herr Niemann: „Seiner Meinung nach beruhe der gesellschaftliche Widerstand gegen Glyphosat  wesentlich auf dessen enger Verbindung mit dem System von Gentechnik und Gentechnik-Konzernen.“

    Es gibt diesen gesellschaftlichen Widerstand überhaupt nicht. Man musste „der Gesellschaft“ (Stadtmenschen) das Glyphosat wegnehmen.

    Ich habe selbst mal zwei Jahre in die AbL eingezahlt. Grund dafür war eine sehr gelungene Veranstaltung zur Agrarpolitik die von der AbL organisiert wurde mit Vertretern der Kammer u.v.a. Zu dem Zeitpunkt war mir die Person Ostendorff unbekannt und den Herrn Niemann lernte man erst kennen durch seine fast täglichen Pressemitteilungen die dann von topagrar gern übernommen werden. Natürlich schäme ich mich etwas dafür, dass ich da naiv rein getappt bin. War aber nicht lange. Es gibt in der AbL einige korrekte Leute mit denen man normal reden kann.

    Sich über Herrn Niemann ein Urteil zu bilden, ist schwierig. Man soll auch nicht Personen diskutieren sondern Ideen. Er macht viele Parolen statt Ideen. „Der Schwanz bleibt ganz“ hat er in Berlin geschrien. Was soll das? Die Frage ist doch, wie man das schafft. Dazu ist von Herrn Niemann wenig zu hören.

    Ich finde es gut, dass Willi mit ihm gesprochen hat. Ich hoffe aber, dass auf dieser Seite bald darüber gesprochen wird wie glaubwürdig unsere Entscheidungsträger und Meinungsmacher sind. Der Bauernverband läuft den Dingen hinterher und Populisten bestimmen die Agrarthemen. Machbarkeitsstudien? Fehlanzeige. Und der Bäuerliche Familienbetrieb verschwindet leise aber sicher.

    5+
    • bauerhans sagt

      „Es gibt diesen gesellschaftlichen Widerstand überhaupt nicht.“

      es gibt verbalen widerstand,angefeuert durch medienberichte der ngo,die gesamtzusammenhänge sind aber unklar.

      6+
      • Andreas sagt

        @ Bauer Hans
        Genau deshalb sprach ich von Populismus. Stimmungen statt Fakten, wie bei der AfD.

        In 2015 hatten wir eine Zuwanderung von 1 Mio. Menschen, 2016 werden es 200000 sein. Die AfD macht aber unverändert Stimmung was so oder so verwerflich ist, selbst wenn wir dieses Jahr 1 Mio. hätten.

        Wir brauchen eine Allianz der Anständigen die mit Empathie für Mensch und Tier + Umwelt. Da ist auch beim Bauernverband noch viel Luft nach oben.

        3+

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