Ich kenne viele Menschen, die mir erzählen, dass sie keine Nachrichten mehr hören oder sehen. Oft mit der Begründung, dass die Fülle an schlechten Nachrichten zunimmt und „es immer schlimmer wird“. Genau zu diesem Thema hat der Bayrische Rundfunk einen Podcast gemacht, den ich mir neulich bei der Arbeit über meine Ohrstöpsel angehört habe. Das war ganz praktisch, weil ich mit der Schleifmaschine gearbeitet habe und so auch gleich einen Gehörschutz hatte.
Die 20 Minuten sind sehr hörenswert, weil mit dem Mythos aufgeräumt wird, dass früher alles besser war, wobei nicht wirklich definiert ist, was mit „früher“ gemeint ist. Es wird aber auch erklärt, warum unser Gehirn so reagiert, wie es eben reagiert und warum die Erinnerung sehr selektiv ist.
Übrigens: die Meinung, dass es einen moralischen Verfall vor allem bei Jugendlichen gibt, ist mindestens 2000 Jahre alt.
Und: die Antwort auf die Frage, ob die Kriminalität zugenommen hat, wird seit Jahrzehnten mit „ja“ beantwortet, unabhängig davon, ob dies auch statistisch belegt ist.
Also: investieren Sie die zwanzig Minuten und werden ein wenig schlauer…


Früher- heute
gab es früher arme Leute, ja Reiche ebenso aber alle dazwischen hatten in der Regel ein Auskommen mit dem Einkommen. Heute haben aber nicht gerade wenige trotz Arbeit kein Auskommen mehr, das ist schon mal ein Punkt und zwar ein ganz wichtiger denn der zieht viele Probleme erst an, dazu unser einst gut gedachtes Sozialsystem das heute überwiegend der Allimentierung von Faulenzer und Gästen zugute kommt. Und bitte nicht, “ die meisten wollen ja arbeiten“
Die Steuer und Abgabelast ( ja Steuern sind genau genommen auch Abgaben), wird immer höher ohne eine Verbesserung sehen zu können, noch nicht mal Bestandserhalt.
Es heißt wir sind nicht Platz 1 bei Steuern/Abgaben, ich bezweifle das absolut denn sie Lohnsteuer ist nur ein Teil, dazu die MwSt, die Mehrfachsteuern, die neuen Steuern, die versteckten Steuern wie die Kaffeesteuer, die ‚Gez‘ ob man diese nun Steuer oder Zwangsabhabe nennt macht keinen Unterschied.
Man braucht heute eine eigene BU natürlich inkl Versicherungssteuer, Aktien die früher nach einem Jahr Haltedauer frei waren kommt heute gleich der 27% Abzugshammer.
Und anstatt das man Abends wenigstens ein gemütlichen Bummel in der Stadt machen kann denkt man man ist am FRA nur ohne Sicherheitspersonal…
Von den meisten bisherigen Kommentaren habe ich den heftigen Eindruck:
„Zerstör mir meinen Glauben nicht mit Fakten.“
Unser agrarminister Özdemir hat sich in der Welt geäußert.Die Doppelmoral ist zuviel für mich. Alles was er nicht gelöst hat, wo im Gegenteil gegen die Landwirte gearbeitet wurde, wird als Erfolg verkauft. Weltweit können Landwirte ihre vollkosten nicht decken, Logistik und Handel florieren. Scheinheilig und ohne Selbstzweifel wird Bilanz gezogen . Normalerweise müssen Anzeigen wegen Betrug erstattet werden.
Dass hier im Blog gern pauschalisiert wird, ist nun wirklich nicht neu. Da wird von „der“ Landwirtschaft geschrieben und dabei meinen die meisten Kommentatoren sicherlich ihr landwirtschaftliches Umfeld. Dass jetzt auch schon Aussagen zur weltweiten Landwirtschaft kommen, ist aber nur noch mit einem Schmunzeln zu quittieren. Viele landwirtschaftliche Betriebe in Russland, Kanada, vereinzelt auch in den USA, Südamerika, Australien und in vielen anderen Regionen dieser Erde, arbeiten sehr wohl Kosten deckend und Gewinn bringend. Selbst hier in D. gibt es genügend Betriebe die wirtschaftlich sehr gut situiert sind. Aber in der deutschen Landwirtschaft wird man vermutlich nur ernst genommen, wenn man jammert.
Ich schmunzele auch, wenn der eine von Vollkosten spricht, der andere von kostendeckender Arbeit und dann meint, sich lustig machen zu müssen.
Kommt das „Kemet“ im Alias von der schwarzen Erde, auf der man nur das säen nicht vergessen darf?
moin und schönen Sonntag hab noch keine Meinung dazu
Und gleich unter dem Interview mit Bauer Willi auf Tichys Einblick:
https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/vancouver-autolenker-rast-mit-wagen-in-menschenmenge/
Zu letzterem , lieber B.Willi nur soviel: was meine Heimatstadt Gera betrifft, ist es so das die Kriminalität alarmierend hier und in Thüringen gestiegen ist( OTZ vom 26.4.25 : Kriminalitätsatlas).Das war eben früher nicht so, insbesondere zu DDR-Zeiten. Für mich ist das ein Manko im System der sonst eigentlich lobenswerten bürgerlichen Demokratie! Es hat nichts mit „Gehirn und früher war alles besser“ zu tun! Das ist eben ein Faktum!!!
Nicht unterschätzen, sollte man die modernen Medien in der Jetztzeit…
Natürlich ist heute nicht alles gut was früher schlecht war.
Den Podcast brauche ich mir erst gar nicht anzuhören da ich sehr oft ÖRR höre und weiß was da ab geht. Dafür sind die da, um Probleme zu relativieren. Oder aufzubauschen, siehe Corona.
Klimawandel, Weltuntergang, neuerdings auch „Kriegstüchtigkeit“. Hören sie mal „Quarks“ auf WDR5! Die mediale Indoktrination war „früher “ auf jeden Fall kleiner. Obwohl bei James Bond schon immer die Russen böse waren, das wirkt bis heute.
Auf das heutige Thema möchte ich noch nicht eingehen, zu jetzigen Zeitpunkt. Dafür habe ich den heutigen TE-Wecker am Sonntag gehört:
https://youtu.be/Y2WsTeFEtUQ?si=hfI9YtQ9VSgCyjXU
Holger Douglas im Interview mit Bauer Willi.
@BW: „Wie zufrieden sind Sie mit der heutigen Ausstrahlung?“ Gibt es auch Kritik (positiv/ negativ)?
Die Frage ist immer, welche Konsequenz man daraus zieht.
Der moderne Mensch hat das bislang höchste Niveau seelischer Heilung erfahren,
und darum sind Kriminalitätsraten niedrig wie nie zuvor,
vor allem sichtbar, wenn man mehr als die letzten 5 Jahre
mit der Corona Delle betrachtet.
Mein Bruder (deutlich älter als ich)
ging in den 70er Jahren zur Schule,
und wurde damals noch auf der Strasse zusammengeschlagen.
Das wurde damals nicht angezeigt.
Offenbar nahm man das damals so hin als normal.
Zum Glück ist das heute anders,
wenngleich es auch heute noch Luft nach oben gibt.
Es sollte unser Ansporn sein,
die seelische Heilung all denen zu ermöglichen,
die noch Täter sind,
die sie noch nicht haben.
„Der moderne Mensch hat das bislang höchste Niveau seelischer Heilung erfahren,“
Genau, deshalb gewinnen Aktien von Rüstungsbuden auch so an Wert.
„Übrigens: die Meinung, dass es einen moralischen Verfall vor allem bei Jugendlichen gibt, ist mindestens 2000 Jahre alt.“
Dieser Satz kriegt man regelmäßig von Leuten zu hören, die glauben (wollen), dass wir heute in Sachen Moral besser dran sind als vor 2.000 Jahren. Wie im Podcast klopft man sich dann auf die Schultern, indem man auf Kriminalitätsstatistiken, Rückgang der Armut und dergleichen verweist.
Vor 2.300 Jahren formulierte Aristoteles (384-322 v. Chr.) in der „Nikomachischen Ethik“ die damaligen Vorstellungen eines moralischen und damit „guten“ Lebens. Moral war damals eine Sache der charakterlichen Bildung, die den Menschen in seiner Gesamtheit betraf. Aristoteles formulierte das, was heute in der Philosophie als „Tugendethik“ bekannt ist, weil es ihm um Tugenden wie Tapferkeit, Besonnenheit, Freigebigkeit und dergleichen ging. Diese Ethik war bis zu Beginn der Neuzeit vorherrschend.
Mit Immanuel Kant (1724-1804) wurde die Aristotelische Tugendethik durch die Handlungsethik abgelöst. Im Mittelpunkt von Kants moralischen Überlegungen stand nicht mehr der Charakter, also nicht mehr der ganze Mensch, sondern lediglich seine Handlungen. Kant ging es weder um die Motivation noch um die Konsequenzen einer Handlung, sondern um die Handlung als solche. Damit verliert die Moral ihre ursprüngliche Erdung, was in solchen Sprüchen wie „fiat iustitia et pereat mundus (es möge Gerechtigkeit walten, auch wenn die Welt darüber zugrunde geht)“ zum Ausdruck kommt. Diese Ethik ist deutlich abstrakter als die doch recht konkrete Tugendethik, dafür universalisierbar, und man kann darüber streiten, ob das nun als moralischer Fortschritt zu werten ist.
Die Kant’sche Handlungsethik wurde etwas später durch den Utilitarismus abgelöst, eine Ethik, die sich am „größtmöglichen Nutzen für alle“ orientiert, wobei „Nutzen“ mit „Glück“ gleichgesetzt wird. Erfunden wurde diese Ethik u.a. von Jeremy Bentham (1748-1832), der bezeichnenderweise auch das Panoptikum erfunden hat, ein Modell-Gefängnis, wo jeder Gefangene glauben muss, dass er pausenlos unter Beobachtung steht. Was Nutzen ist, wird durch solche Sachen wie Kriminalitätsstatistiken, Lebenserwartung, Reichtum usw. bestimmt. Was also mal eine Sache des Charakters war, wird nun durch ökonomische Kategorien ersetzt. Moral ist also nichts Subjektives mehr, sondern eine objektiv erfassbare, berechenbare Größe. Im Grunde befinden wir uns mit dem Utilitarismus aber im Bereich von Scheingefechten, denn eigentlich kann man das Glück des Einen nicht mit dem des Anderen vergleichen und niemand kann real vorhersehen, wie das „größtmögliche Glück für alle“ denn aussehen soll. Damit wird das, was man unter Moral versteht, der Beliebigkeit und Willkür preisgegeben. Oder anders: Moral wird zu einem Gut, das man ebenso konsumiert wie eine neue Waschmaschine oder ein neues Auto bzw. wird zu einem Statussymbol, mit dem man sich schmückt. Ich persönlich glaube, dass der Utilitarismus und das Panoptikum die beiden Seiten derselben Medaille sind, denn wer das größtmögliche Glück für alle anstrebt, muss ja alle anderen pausenlos beobachten.
Fazit: Betrachtet man also die Geschichte der Moralphilosophie über die vergangenen 2.000 Jahre, kann man dies durchaus als eine Geschichte des Verfalls lesen, unabhängig davon, was Kriminalitätsstatistiken und dergleichen aussagen.
„Was also mal eine Sache des Charakters war, wird nun durch ökonomische Kategorien ersetzt.“
„Moral wird zu einem Gut, das man ebenso konsumiert wie eine neue Waschmaschine oder ein neues Auto bzw. wird zu einem Statussymbol, mit dem man sich schmückt.“
Dickes Lob! Du machst dir wirklich Gedanken über die Menschen! Dazu ein Zitat aus „Schwarzbuch Kapitalismus“:
Nicht nur das Essen, auch die Gewalt der Selbstbehauptung ist in der marktwirtschaftlichen Durchsetzungsgeschichte armselig geworden. Hobbes hatte wenigstens (wie später Nietzsche) die düstergrandiose Fiktion eines genuinen Raubtiers vor Augen, während die Vollmersche Mauskonkurrenz um Käse-, Liebes-, »Arbeits«- und womöglich Luftbröcklein sogar noch die ehrliche Menschenfeindlichkeit beleidigt. Der konstitutionelle (und später im 20. Jahrhundert der demokratische)
Liberalismus markiert einen nicht mehr zu unterbietenden Tiefpunkt der Geistesgeschichte, indem er sowohl die Motive der Gewalt als auch deren Kritik auf das Niveau kleinbürgerlicher Geldgehässigkeit und staatstreuer, verkniffener »Scheißangst« vor der Polizeibehörde herunterbringt.
Jetzt kommen gleich wieder alle angerannt und werfen einem neurechte Menschenfeindlichkeit und Demokratieverachtung vor – nur weil man mit einer Moral der Pflicht (Haltung), die über Leichen geht, nichts anfangen kann.
Aber es scheint immer noch das alte Muster zu sein, dass alles (Religionen, „Marktkonforme Demokratie“ (Merkel) und sonstige Vehikel ideologischer Systemstützen) immer abstrakter wird. Die Begründungen für die Herrschaft Weniger über Viele werden immer weiter sublimiert und sind kaum noch angreifbar.
Oh tempora oh mores !
„Tatsachen muß man kennen bevor man sie verdrehen kann“, wußte schon Mark Twain. Es war nicht alles besser, aber jeder und jede konnten unbeschwert am Abend mit der Straßenbahn fahren. Welche Frau traut ich noch in der Dunkelheit nach Hause zu gehen. No go areas kannte ich früher nur aus den USA.
Mir reichen 10 Jahre mit Statistik; beruhigend ist das nicht: https://www.polizei.sachsen.de/de/dokumente/Landesportal/HandoutXPKSXneu.pdf
Stimmt. Wenns so weiter geht ist die politisch motivierte Kriminalität von rechts bald viermal so hoch wie die von links. 2020 war sie nur doppelt so hoch. Seite 17
Mit dieser Einordnung wäre ich vorsichtig. Bei „rechts“ reicht eine unbedachte Äußerung, bei „links“ hast du es mit Lina`s Hammerbande zu tun…
2024 gab es über 29.000 polizeilich erfasste Messerangriffe. Tendez steigend. ( Quelle Statista). Das waren selbstverständlich in der Mehrheit rechte Gewalttäter. Ironie aus.
@ Stadtmensch, da es z.B. offizielle Praxis ist antisemitische Straftaten, die nicht aufgeklärt sind, automatisch der rechten Kriminalität zuzurechnen, ist der Vergleich fehlerhaft. Kriminalität, die – neutral ausgedrückt – religiös motiviert ist, fällt beim Rechts-Links-Vergleich unter den Tisch oder wird falsch zugeordnet. Hier mal ein Beispiel aus Frankreich mit der Frage an dich: Sind das jetzt linke oder rechte Straftaten?
https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-04/frankreich-kirchenschaendung-entweihen-vandalen-brand-notre-dame.html