Bauer Willi
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Düngeverordnung. Was man noch besser machen kann.

Ich bin gefragt worden, was mir an der neuen Dünger-Verordnung nicht gefällt und was ich mir anders wünschen würde. Hier mal ein paar Hinweise. Und zum Schluss noch ein Vorschlag, wie man es besser machen kann.

Wenn ich eines hier im Blog gelernt habe: stänkern kann jeder, Vorschläge für Lösungen sind schon schwieriger. Drum liefere ich die gleich mit.

– Eine absolute Höchstgrenze unabhängig vom Ertragsniveau ist nicht besonders logisch. Wenn ich zum Beispiel 100 kg pro Hektar dünge, auf dem einen Feld aber aufgrund der natürlichen Gegebenheiten wenig, auf dem anderen viel ernte, können die 100 kg auf dem einen Feld schon zu viel sein, auf dem anderen Feld mit dem höheren Ertragsniveau ist es definitiv zu wenig. Gilt übrigens auch für Bio-Betriebe. Deshalb: flexible Höchstgrenzen nach potentiellem Ertragsniveau

– Die Grenzen für die Düngerausbringung an ein festes Datum zu binden, macht wenig Sinn. Wenn es am letzten Tag vor dem Datum gutes Wetter ist und der Boden ohne Bodenschäden befahrbar ist, mache ich mich strafbar. Wenn es dann erlaubt ist und es regnet zwei Wochen, habe ich ein Problem. Nicht die Behörde. Die hat nur ein Problem mit der Kontrolle. Gilt übrigens auch für Bio-Betriebe. Deshalb: kein fixes Datum

– Wir hatten letztes Jahr eine miserable Ernte, weil es im Juni nur geregnet hat. Die letzte Düngung im Mai kann ich aber nicht mehr runterholen. Ich habe aber so gedüngt, als würde es eine normale Ernte. Was jetzt? Bin ich schuld, dass das Wetter so scheiße war? In der Bilanz sieht das dann so aus. Gilt übrigens auch für Bio-Betriebe. Deshalb:  Ausnahmeregelung, die ich ja auch mit Lieferscheinen belegen kann. 

–  Der Stickstoff in Komposten (auch Gülle, Champost oder Gärsubstrat)  ist organisch gebunden und wird erst durch die Umsetzung der Bodenlebewesen langsam frei. Das kann Jahre dauern. Das weiß jeder aus seinem Garten. In der Bilanz muss aber der Gesamtstickstoff gleich im ersten Jahr eingerechnet werden. Wenn man die Kreislaufwirtschaft unterstützen möchte, sollte das geändert werden. Gilt ganz besonders für Bio-Betriebe. Deshalb: Nährstoffbilanzierung über mehrere Jahre verteilen. Das entspricht der realen Freisetzung.

– Bei 8 Wochen Trockenheit (wie im Frühjahr 2017) werden die Nährstoffe auch im organischen Dünger nicht mobilisiert, weil das Wasser fehlt. Da ruht auch sämtliches Bodenleben, was für die Umsetzung sorgen sollte. Ohne Wasser nimmt die Pflanze auch keine Nährstoffe auf. Das versteht jeder, kann ich aber in der Bilanz nicht unterbringen. Gilt übrigens auch für Bio-Betriebe. Deshalb: Mir fällt da nix ein, außer ich mache Wetteraufzeichnungen. Aber soll das  jeder machen?

– Klar ist auch, dass Nährstoffe bei extremen Niederschlägen (wie im Sommer 2017) nach unten ausgewaschen werden (können). Getreide und Raps sind ja reif und nehmen nichts mehr auf. Bei 200 mm in zwei Tagen ist die Auswaschung auch logisch und natürlich. Wie soll ich denn dann die Nährstoffe fixieren? Gilt übrigens auf für Bio-Betriebe. Und im Wald und auf der Heide. Deshalb: Mir fällt da nix ein, vor allem nicht beim Wald und auf der Heide.

– Seit dem letzten Herbst müssen wir eine Düngebedarfsermittlung machen. Dazu schreibe ich auf ein Formular (das übrigens in jedem Bundesland ein wenig anders aussieht) die Felder drauf, die in diesem Herbst gedüngt werden. Das sind bei mir Winterraps und Zwischenfrüchte. Wintergerste dürfte ich auch im Herbst düngen, habe ich aber noch nie gemacht. Gerade wenn, wie bei mir, das Stroh auf dem Acker bleibt (wegen Humusaufbau!) muss ich dem Bodenleben was zu futtern geben, damit die das Stroh zersetzen können. Klar, dass ich jetzt das Formular ausfülle, abloche und für 7 Jahre aufbewahre. Muss ja sein, wegen der Kontrollen. Aber den Sinn dahinter kann ich nicht wirklich erkennen.  

Und irgendwie erinnert mich das alles gefährlich an einen Überwachungsstaat…Hatten wir ja schon mal…

Ich hätte da aber einen Vorschlag, der wesentlich praxisnäher ist und die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Acker wiedergibt: Den Stickstoff im Boden messen! Ob nun N-min oder eine andere Messmethode spielt keine Rolle. Viele Bauern machen das auch jetzt schon. Dazu ziehen alle Bauern  (auch Bio-Bauern) im Frühjahr vor der Düngung von jedem Acker Bodenproben (kann auch ein Dienstleister machen) und lässt die in einem akkreditierten Labor auf den Stickstoff-Gehalt untersuchen. Denn das sind tatsächliche Werte, gemessen auf meinem Acker. Und nicht irgendwelche Kalkulationen oder Ableitungen.

Mit diesem (persönlichen) Wert mache ich meine Düngeplanung. Im Normalfall ernten wir zum Beispiel bei uns im langjährigen Schnitt 10 t/ha Weizen mit 12,5% Protein. Dafür benötige ich x kg Stickstoff pro Hektar. Nehmen wir hier mal 240 kg N/ha an. Davon ziehe ich den Wert aus dem Boden, beispielsweise 60 kg N/ha ab, darf ich 180 kg N/ha düngen. Ob organisch oder mineralisch spielt keine Rolle, Stickstoff ist Stickstoff. Da ich den Düngereinkauf ja ohnehin schon seit vielen Jahren dokumentiere, die Abfuhr über meine Ernteprodukte auch (belege ich mit den Lieferscheinen) habe ich eine Hoftorbilanz, in der alles was an Nährstoffen in den Betrieb hinein und hinaus geht, erfasst wird. Nicht nur für Stickstoff, sondern auch für die anderen Nährstoffe. Ein einzelnes Jahr gilt aber, wie oben schon erläutert, nichts. Erst das Mittel vieler Jahre zeigt, ob ich in meinem Betrieb vernünftig mit Nährstoffen umgehe. Denn mein Boden ist kein Auto, bei dem ich beliebig bremsen oder Gas geben kann. Die Vorgänge laufen sehr viel langsamer ab.

Übrigens bekomme ich bei diesem Verfahren im Laufe mehrere Jahre einen guten Anhaltspunkt für die Nährstoffdynamik in meinem Boden.  Dort, wo Futter zugekauft wird, geht das genau so, ist aber etwas mehr Arbeit. Die Erstellung der Bilanzen kann man übrigens auch von einem zuverlässigen Dienstleister machen lassen. Und das “Schöne” für Vater Staat: kann man alles kontrollieren.

Einziger Nachteil: Das was an Nährstoffen im Wald und auf der Heide und aus defekten Kanalisationen ins Grundwasser sickert, lässt sich damit nicht erfassen. Es sei denn, man zieht dort auch Bodenproben…Sollten wir mal diskutieren…

Und wer sonst noch gute Vorschläge hat: immer her damit, wir brauchen Menschen, die (mit)denken… 🙂

Euer Bauer Willi

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30 Kommentare

  1. Eckehard Niemann sagt

    Lieber Willi,
    Deine Überlegungen und Vorschläge sind wichtig und bedenkenswert – aber was soll der folgende Satz: “Und irgendwie erinnert mich das alles gefährlich an einen Überwachungsstaat…Hatten wir ja schon mal…” Das ist voll daneben.

    • Mark sagt

      “Und irgendwie erinnert mich das alles gefährlich an einen Überwachungsstaat…Hatten wir ja schon mal…“””
      Das ist durchaus nicht daneben.

  2. Brandenburgbauer sagt

    Bei allen hier gegebenen Meinungen,stellt sich für mich folgende Frage?
    Sollte bei der GAP ab 2021, die Agrarförderrung wie vorgesehen, im laufe der Jahre auf ein gefordert Niveau von einheitlich 100,00€/ha in jedem EU-Land zutreffend sein,könnte man aus ökonomischer Betrachtung,darauf verzichten!
    Wir Landwirte wären dann frei ,von dem Vorwurf: Öffendliches Geld nur noch für öffendliche Leistungen.Vom Ansatz her sind wir nur noch der Gesetzgebung in Deutschland
    verpflichtet. Wäre das eine Opption zu sagen EU – Ihr könnt mich mal.

  3. Paulus sagt

    Schade, dachte ich beim lesen des Beitrags doch gleich daran, dass die Analyse von Bodenproben einschl. Düngeempfehlung eine schöne Aufgabe für mein leider nahendes Rentenalter sein könnte, selbstverständlich nur gemeinsam mit einem jungen studierten Agrarier der nach Alternativen sucht. Mit speziellem Wissen über hochempfindliche techn. Sensorik und deren Einsatzmöglichkeiten kann ich beitragen und Kapital könnte ich auch vorstrecken. Die Sensorik und Analysetechniken sind nicht allzu teuer und können auch in mobilen Labors vor Ort eingesetzt werden, incl. Übergabe der Daten und aller relevanten Formulare, sowie neutraler Empfehlungen z.B. per USB-Stick oder so. Einen Spaten und Tütchen mit Bodenproben benötigt man im Grunde schon jetzt nicht mehr.
    Und dann fand ich die Seite von Raiffeisen Laborservice. Gegen deren Preise kommt man ggf. an, aber wohl kaum gegen deren Marktmacht und Reputation.
    Immerhin, wenn so ein Start-Up 4.0 halbwegs Erfolg verspricht, steht man bei Bayer/Monsanto, Claas und ähnlichen Playern wahrscheinlich weit oben auf der Einkaufsliste. Um eine präzise Analytik mit daraus folgenden Empfehlungen/Konsequenzen werden die Landwirte in naher Zukunft jedenfalls nicht mehr herum kommen.
    Waren jetzt nur mal so meine Gedanken während der kurzen Mittagspause und ein sinnführender Beitrag ist dies wohl auch nicht. Wollte ich nur mal loswerden. Sorry also.

    • Bauer Willi sagt

      @Paulus
      wír sollten ernsthaft darüber reden. Das mit den Tütchen ist nämlich richtig Arbeit, so rein körperlich, und da ich arbeitsscheu bin, bin ich einer modernen Sensorik gegenüber aufgeschlossen. Deine Mittagspause war also durchaus zielführend. Du solltest öfter Pause machen… 🙂
      Bauer Willi
      P.S,: Wieso Start-Up 4.0? Wie heißen denn deine drei anderen Startups???

  4. Friedrich sagt

    Die Landwirtschaft und die Bauern sind multifunktional und damit kaum vergleichbar, weder vom Boden , Klima , Anbau , Managment usw. . Daher ist es schwierig mit dem Düngeverordnungsgesetz das regulieren zu wollen. Für mich , auf unseren Lehmböden, ist es kaum verständlich warum wir nach Weizen zu Weizen keine organische Düngung ausbringen dürfen, aber bei Gerste und das obwohl Gerste und Weizen bei uns im Herbst zeitgleich gedrillt werden. Hier wäre z. B. eine Nachkontrolle an Hand von Nmin-Proben angesagt. Je mehr Nmin-Proben , desto besser für die Umwelt. Aber so ist das , wenn Idelogen Gesetze machen. So wie die Düngeverordnung sich darstellt , ist das Gesetz für Sondergebiete mit dringenden Handlungsbedarf , aber nicht für über 90% der Betriebe , wo alles ok. läuft. Also reine Schikane. Als Maßstab für ordentliches Wirtschaften gilt eh die Hoftorbilanz, denn die muß stimmen. Mit diesen Daten können alle arbeiten, sowohl die Betriebe und die Kontrolleure. Der Rest ist nur Bürokratie.

  5. Heinrich Steggemann sagt

    Hätte Deutschland alle Messtellenergebnisse bzgl. Nitrat zur EU gemeldet wie die anderen Mitgliedsstaaten und nicht nur die Ergebnisse aus dem Belastungsmessnetz (Zusammenfassung einer Auswahl bereits nitratmässig vorbelasteter Messstellen), so gäbe es auch kein Vertragsverletzungsverfahren der EU und wir müssten uns nicht mit der neuen Düngeverordnung rumschlagen. Das soll uns aber nicht von Verbesserungen abhalten. Die Standortverhältnisse sind so unterschiedlich in Deutschland, die Vorgänge im Boden so komplex, aber trotzdem versucht man es in ein einheitliches bürokratisches Monstrum zu zwängen, das sicherlich noch weiter anwachsen wird. Meine Vision für die Zukunft ist eine stärkere industrieunabhängig e Forschung und ein Versuchswesen, das sich zuallererst mit der möglichst effizienten Nutzung der am jeweiligen Standort verfügbaren Ressourcen befasst. Basis dafür sollte das Wissen über das Zusammenspiel von Bodenleben und Pflanzen von vor dem zweiten Weltkrieg sein. Dem sollten aktuelle Forschungergebnisse und der Erfahrungsschatz experimentierfreudiger Praktiker hinzugefügt werden(Bildung von Netzwerken und deren finanzielle Unterstützung). Das Ziel sind stabilere Böden, die z.B. kurzfristige Stickstoffüberschüsse besser bis zum nächsten Pflanzenbedarf speichern.

  6. fingerphilosoph sagt

    Die Düngeverordnung ist das Ergebnis des Glaubens, dass es zwischen Natur/Leben und Technik keinen prinzipiellen Unterschied gibt: Die Regeln, die für die industriell-technische Produktion gelten, kommen auch in der Landwirtschaft zur Anwendung, deshalb heißt es folgerichtig ja auch “industrielle Landwirtschaft”.

    Die Fertigungsschritte in der industriellen Produktion sind überall gleich, ergo gelten auch überall dieselben Prozessschritte und Gesetzlichkeiten. Eine Autofabrik in Stuttgart unterscheidet sich prinzipiell nicht von einer in Wolfsburg.

    Eben diese Denkweise liegt auch der Düngeverordnung zugrunde.

    Planwirtschaft ist nichts anderes, als dass die Verfahren, die in den Betrieben angewendet werden, wiederum auf die Betriebe und auf die Gesamtheit der Betriebe selbst angewendet werden. Was dem jeweiligen Betriebsinhaber die Maschinen für die einzelnen Produktionsschritte, sind dem Bürokraten eben die Betriebe selbst.

    Wer was ändern will, muss bei den Ursachen ansetzen, sonst doktert er bloß an Symptomen herum. Letztendlich sind die Verbesserungsvorschläge von Willi oder Mark bloß Herumdoktern, solange der Glaube an die Technisierbarkeit der Natur/des Lebens nicht selber auf den Prüfstand kommt.

    Erst, wenn der Glaube an die Technisierbarkeit der Natur/des Lebens aufgegeben wird, kommt man dahin, jeden Boden samt seinen Lebewesen individuell zu betrachten und die individuelle und damit beste Lösung für die Behandlung genau dieses Bodens zu finden. Nur auf dieser Basis kommt man dahin, es dem Bauer, der seinen Boden von allen sogenannten “Experten” durch seine Erfahrung ja wohl am besten kennt, selber zu überlassen, wie er diesen behandeln will, ob nun düngen mit oder ohne Frost oder was auch immer.

    Im Moment wird jedoch auch von den Bauern geglaubt, dass einer, der die technisch-wissenschaftlichen und damit abstrakt-allgemeingültigen Gesetzlichkeiten kennt, besser über den jeweiligen konkreten Boden Bescheid weiß als einer, der diesen Boden seit zwanzig Jahren bewirtschaftet oder womöglich sogar damit aufgewachsen ist.

    Die Digitalisierung der Landwirtschaft ist übrigens keine Lösung, sondern verabsolutiert den Glauben, dass es zwischen Natur/Leben und Technik keinen prinzipiellen Unterschied gibt. Mit der Digitalisierung wird der Bauer, der seinen Boden aus Erfahrung kennt, total überflüssig. Der Bauer hört auf zu existieren. An seine Stelle tritt ein Computerfachmann bzw. der Manager, dem es egal ist, ob er eine Schule, ein Krankenhaus, eine Bank, eine Autofabrik oder einen landwirtschaftlichen Betrieb managt.

    • Paulus sagt

      Auch wenn mir jetzt mal wieder Feinde mache: Der Bauer, der seinen Boden allein aus Erfahrung kennt, handelt subjektiv und wäre wahrscheinlich nicht einmal im Stand den Humusgehalt festzustellen. Mein Vater kannte seinen Boden so ca. 60 Jahre lang, der hatte als gelernter LW (Winterschule) z.B. weder Ahnung von Chemie noch von dem Nitratgehalt im Trinkwasser. (Die Wasserversorgungsgenossenschaft übrigens auch nicht)
      Da wurden ganz einfach im Frühjahr Festmist und anschließend NPK verteilt, mehr oder weniger nach Gefühl oder auf Empfehlung des Statthalters der bäuerlichen Genossenschaft, eher nicht nach tatsächlicher Erfordernis. Ist auch immer irgendwie gut gegangen. Wer sich diese Zustände allerdings zurückwünscht muss weltfremd sein.
      Nach meiner Auffassung hört der Bauer mit zunehmender Digitalisierung eben nicht auf zu existieren, sondern bedient sich zeitgemäßer Technik um Aufwand und Ertrag unter gleichzeitig Berücksichtigung der Umweltaspekte in Einklang zu bringen. Das ist nicht verwerflich sondern dient zu unser aller Wohl. Selbst die Vertreter der AbL vertreten die Auffassung, dass es sich bei Betrieben bis zu 700 Milchkühen und Melkrobotern noch um „bäuerliche Betriebe“ handelt. Falls ich hier irre, korrigiere man mich.
      Insofern wäre es interessant zu erfahren wer hier die ganzen +punkte vergibt.

      • sonnenblume sagt

        Genau so ist die moderne Technik eine wertvolle Unterstützung sein. Sie soll die Arbeit optimieren, kann aber nicht den Bauern ersetzten, denn alle Eigenheiten der Böden kann die Technik auch nicht erkennen. Leider spielt der Preis auch immer eine Rolle und hier muss man schon selber tätig werden. Mit handwerklichem Geschick und etwas Kenntnis kann man auch für kleine Betriebsgemeinschaften einiges realisieren.

      • Mark sagt

        @ Paulus
        Ob der Bauer in der Lage ist, den Humusgehalt seines Bodens auf 4 Stellen hinter dem Komma genau festzustellen ist völlig irrelevant. Entscheidend ist, das der Bauer beurteilen kann, ob er einen humusreichen oder humusarmen Boden vor sich hat und vorallem ob der Humusgehalt zu oder abnimmt. Ein guter Ackerbauer kann das beurteilen, vor Ort, und dann auch seine Entscheidungen treffen. Wenn dies nicht so wäre, hätte sich die Fruchbarkeit (mit allem was dazu gehört) der Böden von früher bis heute nicht flächendeckend, sigifikant verbessert, und das auch ohne digitalen Analysekrimskrams!
        Die Düngeverordnung wird dafür sorgen, dass sich die Bodenfruchtbarkeit in den nächsten Jahrzehnten signifikant verschlechtern wird (wenn nicht irgend ein Vernünftiger den Quatsch wieder abschafft).
        Ein Beispiel für den Schwachsinn sind die Sperrfristen, ich habe es schon erwähnt. Nach der DüngeVO darf man auf Grünland bei uns bis 15.11. Gülle ausbringen, danach ist Schluss. Ich habe die Gülle im letzten Jahr bis zu dem Termin ausbringen lassen. In diesem Jahr habe ich noch keine Düngung auf Grünland ausbringen lassen, weder organisch noch mineralisch. Die Erträge beim jetzigen 1.Silageschnitt waren trotz der Trockenheit überraschend sehr gut. Für mich der eindeutige Beweis, dass die Nährstoffe der Gülle vom 15.11. zu 100% in Ertrag umgesetzt wurden. Und nun die Frage, was wäre denn passiert wenn ich am 15.12. oder am 15.01. die Gülle ausgebracht hätte?? Antwort: genau das Gleiche. Bei unseren Böden (TL heißt hier toniger Lehm und nicht Trollinger/Lemberger) mit entsprechenden A und B Horzizonten gibt es de facto keine Auswaschung, und damit keinen Grund für eine Sperrfrist auf Böden mit einer geschlossenen Pflanzendecke (GL o.Acker). Im Gegenteil, die Sperrfrist nimmt mir die Möglichkeit, die Güllegaben in kleine Teilmenge zu splitten und damit noch effizienter zu sein!! Ich könnte jetzt noch eine Seite lang über den Unsinn der Schleppschlauchtechnik bei Grünland,der sinnlosen Bilanziererei (Papiertigervermehrung) und sonstigen Unsinn referieren, das spar ich mir jetzt. Weil hier die Digitalisierung so gepriesen wird, eine Frage in die Runde, was fang ich eigentlich mit einer digitalen Ertragskartierung an??

      • Mark sagt

        @Paulus
        “Insofern wäre es interessant zu erfahren wer hier die ganzen +punkte vergibt.” Na bei 102+ müsstest Du es eigentlich wissen …

        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Mark, die > 100 Punkte erstaunen mich auch. Allerdings bezweifle ich, dass ein einzelner User den Wert hochgepusht hat. Ich hoffe mal, dass das keine technische Fehlfunktion des Plugins ist. Das wäre blöd… 🙁

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Hallo Alois,
            du hast ja auch zehn. 😉 🙂

            Es ist keine technische Fehlfunktion des Plugins,
            die 10 Stück hast Du von mir bekommen. 🙂

            Mit den > 100 vom Paulus habe ich nichts zu tun. 🙂

            • Brötchen sagt

              Man kann über mehrere Geräte schummeln, habe ich auch schonmal aus jux gemacht. Welche Zahl wollt ihr 😉

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              2018 hätte ich gerne. 😉

              Vorausgesetzt du hast nichts anderes zu tun.
              Ich auf jeden Fall werde mich in den Garten setzen und ein Eis essen. 🙂

              Aber woher weißt du, dass ich 10 PC in Betrieb habe?

        • Paulus sagt

          Hallo Mark, ich habe Alois diesbezüglich per E-Mail kontaktiert und auf meine Bedenken hingewiesen. Bis zur Klärung halte ich mich aus diesem Blog heraus. Einverstanden?

          • Brötchen sagt

            @ also hier geht es nicht so leicht…;)

            Es gibt aber dafür Generatoren…..das Tool hier heißt wp-ulike

          • Bauer Fritz sagt

            @ Paulus
            Warum raushalten ?
            Nur keine falsche Bescheidenheit …
            Brauchst dich einer Fangemeinde nicht zu schämen.
            Es wird für dich halt nur immer schwieriger dich der Aufforderung von Willi bzw. Alois zur Beisteuerung eines ganzen Artikels zu einem Thema eigener Wahl zu verwehren 😉

            • Alois Wohlfahrt sagt

              Naja, so lustig finde ich das jetzt nicht. Ich vermute mal, dass da jemand sich einen Scherz erlaubt. Die “Cookie-Sperre” für mehrfache Likes ist sicher überwindbar. Wenn das ausufert, dann habe ich nur noch den Schalter “Likes nur für angemeldete Benutzer”, was letztlich eine Abschaltung der Funktion bedeuted. Weil hier keine Kommentator angemeldet sein muss…

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Sicherlich erlaubt sich einer einen Scherz.

              Die 10 Stück habe ich dir gegeben, beim Paulus war ich nicht beteiligt. 🙂

    • Mark sagt

      @ f…ph
      Ich würde die “Digitalisierung der Landwirtschaft” nicht so eindimensional verabsolutieren. Das von Dir angesprochene ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber eben nur einer. Meine Meinung dazu ist durchaus kritisch, ich würde es mal so zusammenfassen: 1/3 der Digitalisierung mag sinnvoll sein, 1/3 ist Quatsch und 1/3 ist Missbrauch durch Firmen und Behörden!

      • fingerphilosoph sagt

        Die Domestikation des Feuers hatte für den Menschen ungeahnte Folgen: die kognitive Revolution und damit verbunden die Entwicklung von Sprache. Just zu dem Moment, in dem der Mensch mit Zählen anfing – auf Knochenstäben vor 50.000 Jahren – begann er mit einer ersten großen Zerstörungswelle: Die Ausrottung von Großtieren. Der Zusammenhang ist für Australien und Neuseeland belegt. Als besagter Homo vor 12.000 Jahren dann nach Amerika kam, verschwanden auch dort die Großtiere.

        Vor 10.000 Jahren dann die Sesshaftwerdung, der Ackerbau und damit verbunden, die Verstädterung und die Schrift sowie die zweite große, vom Menschen verursachte Zerstörungswelle inklusive Desertifizierung weiter Landstriche rund ums Mittelmeer, die bis heute andauert und trotz gegenteiliger Reden von der “Begrünung der Wüsten durch CO2” fortschreitet.

        Vor 300 Jahren gabs die Aufklärung mit der Entwicklung der Wissenschaften, deren sprachlich-mathematisches Korrelat zur Kontrolle der Gesellschaft ähnlich wie Sprache und Schrift die Digitalisierung mit ihrer Datensammelwut ist. Seitdem hat sich die Zerstörung des Planeten in ungeahntem und geradezu erschreckenden Ausmaß beschleunigt. In nur 300 Jahren hat der Homo sapiens zahlreiche, in Millionen von Jahren entstandene und eingespielte Fließgleichgewichte durcheinandergebracht, teilweise irreparabel zerstört. Dazu gehören nicht nur die von CO2 und Stickstoff, sondern auch von Wasser, vor allem Trinkwasser.
        Ein anderes dieser Fließgleichgewichte ist das zwischen Leben und Tod, das regelt, wieviele Menschen der Planet ernähren kann. Dank Wissenschaft und Technik haben wir unsere Anzahl innerhalb von nur 200 Jahren (!) versechsfacht, mit der Folge, dass wir den Planeten kahl fressen. Ob das mit konventioneller oder biologischer LW geschieht, ist völlig unerheblich: das Ergebnis ist dasselbe.

        Zu Aussagen wie der von Dir mit der Drittelung von Nutzen, Quatsch und Missbrauch der Digitalisierung kann man nur kommen, wenn man vergisst, was der Mensch ist und diesen seinen Hintergrund vollkommen ignoriert. Und dazu habe ich inzwischen keine Lust mehr.

  7. Harald Müller sagt

    Für einen Rheinländer mag es relativ einfach und sinnvoll erscheinen, für jedes Feld eine Bodenprobe zu ziehen, um den Stickstoff im Boden zu messen. Ihr habt homogene Böden und recht ansehnliche Schläge.

    Willi, geh mal auf die Verwitterungsstandorte weiter südlich. Dort findest Du auf einem Hektar oft mehrere grundverschiedene Böden, und die Schläge sind zum Teil auch wesentlich kleiner.

    Der Nachbar bewirtschaftet 150 Hektar – verteilt auf rund 100 Schläge. Soll der wirklich jedes Jahr 200 Bodenproben ziehen und analysieren lassen, wenn er dann doch nicht jeden 1-ha-Schlag mit drei verschiedenen Dosierungen düngen kann?

    (Bevor der Einwand kommt, dass flexible Düngung mit der modernen Technik doch automatisch ginge: Diese Technik kann sich bei dem hiesigen Ertragsniveau auch der “große” 150-ha-Bauer auf absehbare Zeit nicht leisten.)

    • Bauer Willi sagt

      Hast Du einen anderen Vorschlag? Ich bin lernfähig…Nur zu sagen, was nicht geht, ist natürlich einfacher.
      Bauer Willi

      • Harald Müller sagt

        Die derzeitige Regelung, sich alternativ zur Nmin-Analyse der eigenen Schläge an den Messwerten vergleichbarer Schläge in der Region zu orientieren, ist sicher nicht perfekt, aber praktikabel. Mein Vorschlag ist, daran festzuhalten.

        Mit der Verbreitung digitaler Lösungen wird sich die automatisierte teilflächenspezifische und bedarfsgerechte Düngung ohnehin langfristig etablieren, ganz ohne staatliches Eingreifen.
        Erfahrungsgemäß hinkt Süddeutschland allerdings Norddeutschland bei der Einführung neuer Techniken rund zehn Jahre hinterher. Wenn das der Politik zu langsam geht, soll sie eben derartige Lösungen fördern.

  8. Mark sagt

    Die Düngeverordnung ist getragen von dem Irrglauben, mit staatlichen Reglementierungen, Bürokratie- und Kontrollwahn die Kompetenz der Landwirte vor Ort ersetzen zu können. Die Planwirtschaftsfetischisten a la DDR kommen in Hochstimmung.
    Keine Frage, es gibt sicherlich Problembetriebe (max 5%), für die eine stringende Überwachung der Düngepraxis sinnvoll ist.
    Die Düngeverordnung gilt sinnloserweise für die große Mehrheit derjenigen Landwirte, die seit jeher verantwortungsbewusst düngen. Mit ihren Vorschriften über Lagerkapazitäten, Ausbringungsfristen, Einarbeitungstechniken, Aufzeichnungspflichten und Stoffstrombilanzen kostet sie unser Geld und beschränkt, oftmals ohne Fachverstand, unsere Handlungsspielräume: Warum, wenn die Bedingungen stimmen, soll Gülle nicht auch im Winter auf eine geschlossene Pflanzendecke ausgebracht werden? Warum soll Festmist nicht auf Frost gefahren werden, obwohl manche Böden nur dann ohne Schäden befahrbar sind? Als Landwirt habe ich doch selber ein hohes ökonomisches Interesse daran, dass die Nährstoffe nicht verloren gehen, sondern genau bei der Kulturpflanze landen.
    Warum muss man einem selbständigen ortsansässigen ausgebildeten Landwirt mit Flächen im Umkreis von zehn Kilometern und Tierhaltung unterhalb aller Grenzwerte überhaupt vorschreiben, wann, wo und wie er zu düngen hat? Ich plädiere dafür, den Geltungsbereich der Düngeverordnung zu beschränken auf anonyme Großbetriebe und Betriebe mit hoher Viehdichte. Mehr als neunzig Prozent der deutschen Bauern brauchen sie jedenfalls nicht. Im Wesentlichen geht es bei der Düngeverrdnung ohnehin nur darum, dass die “Papiere” stimmen, die einzelnen “Schlamper” die es wie wie jedem Bereich leider auch in der Landwirtschaft gibt, lassen sich damit nicht fassen. Das heisst, trotz des ganzen Aufwandes werden die Effekte auf die Umwelt nahe null gehen!

  9. Heinrich Steggemann sagt

    An die Mitbürger: Einfach mal freiwillige Stadttorbilanzen von den Verwaltungen rechnen lassen. Wie ist die Rückführungsquote der anfallenden Düngesalze an die Pflanzenwurzel? Wo müssen langfristig Änderungen am System vorgenommen werden, um diese zu verbessern? Aktuell läuft’s nach dem Motto: Stark verdünnt und zum grössten Teil weggeschmissen.

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