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Die Sehnsucht nach der kostbaren Milch

“Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.”

Zitat: Antoine de Saint-Exupery

Vielleicht hilft ein wenig Science-Fiktion auch bei den Milchbauern um die Sehnsucht nach der kostbaren Milch zu wecken…

Milch 2030 – kostbar und frei von Staatsknete!

 

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41 Kommentare

  1. Schon vor zwanzig Jahren sagte mir ein sächsischer Milchviehhalter:

    “Wir machen uns in Deutschland doch selbst kaputt. Wir schützen unsere Güllesilos gegen Flugzeugabstürze und machen sie erdbebensicher, aber wenn die Milch in Mexiko zwei Pfennig billiger erzeugt werden kann, dann fliegen wir sie ein.”

    Und genau das muss und wird sich ändern.

    • bauerhans sagt

      “sächsischer Milchviehhalter”

      ähnlich äusserte sich mir gegenüber ein brandenburger,ich denke,beide haben wenig erfahrung mit marktwirtschaft.

      • Bitte nicht persönlich nehmen. Die Landwirte vergangener Generationen haben leider keine Glanzleistungen in Sachen Marktwirtschaft hingelegt. Das Problem ist, dass diese bis heute glauben, alles richtig gemacht zu haben. Nein – Sie haben das getan, was man Ihnen eingeflüstert hat. Das ist kein Vorwurf und sicher historisch soziokulturell gut erklärbar. Es ändert jedoch nichts am Ergebnis. Der Wegfall der Quoten 2015 hat Ihren Markt nicht zerstört, sondern gezeigt! Die neue Generation erkennt, dass Sie Marktteilnehmer sind. Gerade hier tauchen immer mehr richtige Erkenntnisse auf – auch von Verbrauchern.
        Junge Landwirte sind sicher selbstbewusster und das ist gut so. Begleiten Sie diese mit Ihrer Erfahrung im Fachlichen und lassen Sie neue Ideen zu.

      • Jeder Unternehmer sollte selbst entscheiden, ob er einen Rohstoff für den Weltmarkt oder eine Spezialität herstellen will, die er nicht an Hinz und Kunz verkauft. Die Milcherzeuger dürfen unternehmerische Kernkompetenzen nicht den Verarbeitern oder Verbänden überlassen. Anbieter von Agrarrohstoffen haben auf dem Weltmarkt nur eine Chance, wenn sie Kostenführer sind.

  2. Helge Flöter sagt

    In der Analyse der gegenwärtigen Situation herrscht wie so oft große Einigkeit. Auch das anzustrebende Ziel scheint klar zu sein. Stellt sich für einen Nicht-Landwirt die Frage: Warum ändert sich seit Jahrzehnten nichts? Vielleicht sollte man neben dem notwendigen Klagelied überlegen wie etwas geändert werden könnte. Die Verbände sollten doch die Interessen der Mitglieder vertreten und diese in die Politik einbringen. Wenn große Unzufriedenheit mit der Situation der Milchbauern und weitgehende Einigkeit besteht, wohin der Weg gehen muss (zum Wohl der Milchbauern und der Kühe!), dann sollten alte Strukturen aufgebrochen werden, wenn sie nicht hilfreich sind. Durchaus mögliche Wege werden im Artikel Milch 2030 angesprochen. Vielleicht ist die Enttäuschung aber auch noch nicht groß genug und so kann es sein, dass es noch etwas dauern wird, bis genügend Milchbauern sich ernsthaft mit möglichen anderen Wegen beschäftigen (und noch mal den Artikel Milch 2030 daraufhin lesen werden. Einerseits ist ja noch “lange” hin bis 2030, so dass man hoffen kann – andererseits stellt sich die Frage wieviele Milchbauern es dann noch gibt bzw. wie weit die Industrialisierung der Milchproduktion bis dahin fortgeschritten sein wird.

    • Aus meiner Sicht ist das gut analysiert. Landwirte zeigen nach meiner Erfahrung gern mit dem Finger auf Ihre Interessenvertretungen. Das reicht nicht, denn sie sind für ihre Interessenvertretungen verantwortlich. Nach meiner Meinung ist der erste Schritt, wieder in eine echte Solidarität zurück zu finden, an der sich Verbraucher aus gutem Grund beteiligen sollten. Dann hoffe ich, dass die Freude an der eigenen Initiative zunimmt. Vielleicht wird dann aus dem “…die da oben…” ein selbstbewusstes “…wir machen jetzt…” Das Jahr 2015 hat schon wachgerüttelt, aber warum noch auf 2030 warten?

  3. Horst Seifert sagt

    Hallo Bauerhans,

    Bitte die Jungen in allen Bereichen gut ausgebildeten nicht vergessen.
    Bauer Willi hat genau das richtige und wegweisende Thema angesprochen.
    Nur eine wache Sehnsucht ,gekoppelt mit rationalen Möglichkeiten beendet das grausame Höfesterben überall. Und hierzu müssen die Jungen eingeladen werden.

    • Bauer Willi sagt

      “Wache Sehnsucht gekoppelt mit rationalen Möglichkeiten” trifft es auf den Punkt. Und da sehe ich aber auch heute schon viele, meist junge Menschen, die dieses Ideal anstreben. Bauer Hans und Bauer Willi sind vielleicht schon etwas zu alt dafür, weil viele ihrer Sehnsüchte enttäuscht wurden.
      Bauer Willi

    • bauerhans sagt

      “Bitte die Jungen in allen Bereichen gut ausgebildeten nicht vergessen.”

      meine ehrliche meinung dazu:
      die aus der landwirtschaft wollen alle FENDT fahren.
      (ok,ich kenne nicht alle)

      • fred huber sagt

        Bauer hans, ich befürchte da hast du recht…
        drum gibt´s auch mehr Fendt- als kuhvideos online zu sehen.
        obwohl ich persönlich kühe sympathischer finde.
        schade eigentlich.
        wir Bauern sollten die Technik wieder mehr als mittel zum zweck begreifen, und nicht als etwas das man haben muß um größer, schneller, effizienter, … zu werden. (um uns die teure Technik leisten zu können)

        dann könnten sich uns auch fingerphilosophen wieder annähern…

        drum: postet mehr kuhvideos!!

        • Josef sagt

          Oft hat man leider den Eindruck, am Anfang stehe der 930er Fendt mit Tridemkipper. Erst danach kommt die Frage: Wieviel Hektar muss ich pachten, damit es nicht so blöd aussieht ? Leider sind da die sog. “gut Ausgebildeten” nicht auszunehmen.

          • bauerhans sagt

            hier gibts tatsächlich den fall,wo die wohlhabenden eltern dem sohn den Fendt finanziert haben,damit der bei den biogasern mitfahren kann.

        • Alois Wohlfahrt sagt

          Vor ein paar Tagen habe ich im Radio (Vorarlberg) eine Diskussion zum Tierwohl mitbekommen. Da sagte ein Tierschützer: “Tierschützer und Landwirte reden beim Begriff Tierwohl nicht vom Selben. Die Landwirte reden immer von Haltungssystemen, von technischen Verbesserungen, von Melkroboter usw. Aber dem Verbraucher ginge es in erster Linie um das Wohlbefinden des Tieres. Die Landwirte hätten dafür aber kein Verständnis und keine Gefühle.”

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Die junge Generation wird immer das Video mit dem Fendt lieber ansehen, als eines mit einer Kuh. Wer dreht die Videos, sicher nicht der Altbauer mit seinen 80 Jahren.

          Die andere Frage wäre, ob ein paar Ps weniger reichen würde, wenn ich die heutigen PKW sehe, dann frage ich mich auch, ob nahezu jeder einen SUV Allradantrieb mit 265 braucht?

          Die einzigen, die so ein Gerät nicht fahren dürfen, sind diejenige, die aufs Feld fahren müssen.

          • fred huber sagt

            ehemaliger: mich hat ein 5-minuten video einer im morgentau grasenden kuh zum weidefan gemacht. warum sollte das mit anderen jungbauern nicht auch so sein? das “der Verbraucher” sowas sehen will, steht glaube ich, außer frage.
            manchmal gilt: der beste köder schmeckt dem fisch UND dem angler!

  4. bauerhans sagt

    dass gerade milchbauern es hinkriegen sollen,ihr produkt als kostbar zu “verkaufen” ,glaube ich nicht.
    bauern produzieren gern,überlassen die vermarktung aber meistens anderen.
    solange sich daran nichts ändert,ändert sich gar nix.

    • Alois Wohlfahrt sagt

      Es gibt heute schon einige Milchbauern und Molkereien, die ihre “kostbare Milch” mit Erfolg vermarkten. Kostbarkeit hat etwas zu tun mit begrenzter Verfügbarkeit. Im Marketing spricht man von Segmentierung des Marktes. Ein Segment ist nur ein Teil des Marktes. Es ist das Gegenteil der Gleichmacherei des Weltmarktes. Da wird die Milch als massenhafter, beliebiger Rohstoff behandelt. Die Norm ist 1 Liter weisse Flüssigkeit mit standardisiertem Fett- und Eiweisgehalt. Solche standardisierte, unter Mengen- und Preisdruck austauschbare Rohstoffe braucht die Industrie. Dem haben sich leider auch die meisten bäuerlichen Milch-Genossenschaften verschrieben, die ihren Bauern erzählen, dass sie nur mit den effizientesten Techniken im Weltmarkt bestehen können. Und weil die Bauern die Technik lieben, investieren und intensivieren sie in Maschinen und High-Tech-Roboter und High-Tech-Zucht, um die Kühe auf Höchstleistung zu bringen und am effizientesten zu managen, um das Futter möglichst günstig zu erzeugen und selbstverständlich wird auch der Einkauf optimiert mit den günstigsten Futtermitteln. Letztlich muss die Produktionsmenge steigen damit sich die immensen Investitionen auf viele Millionen Stückkosteneinheiten (je Liter) verteilen lassen. Das Ergebnis ist ein Massenprodukt, das nicht mehr geschätzt wird und für das meist auch nicht mehr kostendeckend von der Industrie bezahlt wird.
      Dabei wäre die Lösung so einfach: Ein Reinheitsgebot für Milch ähnlich dem der Brauer, das die deutschen “High-Tech-Brauer” excellent nutzen um den Weltmarkt zu ihren Gunsten zu segmentieren.
      Das wäre meine Sehnsucht: “In meine Kuh kommt nur Wasser, Gras, Heu und heimisches Getreide”. Damit würde diese Milch automatisch kostbar, weil sie nicht mehr unbegrenzt verfügbar ist. Und zu guter Letzt würde ein derartiges Reinheitsgebot den Bauern und der gesamten Branche ein mächtiges Marketing-Schwert in die Hand geben.
      Alois

      • rebecca sagt

        Hallo Alois, „In meine Kuh kommt nur Wasser, Gras, Heu und heimisches Getreide“ Das gibts doch schon mit der Heumilch. Was fehlt ist nur ein entsprechendes Marketing um der Heumilch und den daraus produzierten Lebensmitteln die entsprechende Wertigkeit zu geben.

        • Alois Wohlfahrt sagt

          Ja klar. Habe ja am Anfang meines Kommentares geschrieben, dass die Segmentierung schon einige erfolgreich umsetzen. Nur die “Branche” und auch die meisten Milcherzeuger haben derartige Chancen noch nicht erkannt.

          • rebecca sagt

            Für eine gesamte Branche wird das in einer globalisierten Welt nicht funktionieren.
            Die standartisierte Flüssigkeit importiert die Industrie einfach aus anderen Ländern wenn einheimische Erzeuger die nötigen Paramater nicht erfüllen.

            Da hilft auch das Reinheitsgebot nicht. Guck mal den Brauereimarkt bischen genauer an. Viele bekannte deutsche Brauereien sind Nischen von internationalen Großkonzernen. Nur Regionale Betriebe sind in ihrer jeweiligen Region noch gut im Geschäft. Aber eben nur in ihrer Region. Größeres Wachstum und der Versuch überregional Fuß zu fassen wäre für viele der schnellste Weg in die Pleite. Man muss eben auch mal den Hals voll bekommen und wissen wo die individuellen Grenzen sind. Etwas womit sich viele offenbar schwer tun.

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Es sind auch nur wenige Brauereien, die überlebt haben.
              Gerade in der Landwirtschaft fehlt manchmal die Einsicht über das nahende Ende.

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