Bauer Willi
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Die Blockade

Was bisher geschah (bzw. was ich davon mitbekommen habe): Am vergangenen Sonntag haben sich Landwirte im Raum Cloppenburg entschlossen, ein Auslieferungslager des Discounters Lidl zu blockieren.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-sendungen/landwirte-demonstration-lidl-lager-cloppenburg-video-100.html

Zum Protest und der Blockade äußerte sich Bundesminister Klöckner in einer Videobotschaft und zeigte Verständnis für die Landwirte

https://www.facebook.com/watch/?v=206448050949178

 

Nachdem die Blockade mehrere Tage durchgezogen wurde, kam es zu einem Telefonat mit dem Firmenchef Klaus Gehrig, der darauf hin ein Angebot über 50 Millionen € machte.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Lidl-hilft-Landwirten-mit-Millionenspritze-article22213091.html

Kurz darauf erfolgten Pressemeldungen von diversen Organisationen, (die sich weder mit den Landwirten in Cloppenburg abstimmten noch im Detail informiert waren). Der DBV bezeichnete den Betrag als “Trostpflaster”. Ähnlich äußerten sich auch andere Organisationen, in Unkenntnis, dass die Landwirte in Cloppenburg das Angebot am Nachmittag ablehnten. Hier die Pressemitteilung:

Pressemitteilung Fair Trade für Bauern

Hier dazu ein sehenswerte Beitrag des NDR:

https://www.ardmediathek.de/ndr/video/hallo-niedersachsen/landwirte-lehnen-50-millionen-angebot-von-lidl-ab/ndr-niedersachsen/Y3JpZDovL25kci5kZS8wNjg5NzdhMC0wMTVjLTQyYzAtOTI5OS0wZWRkMGIzZjc0NWI/

Übrigens äußerten auch Greenpeace, Foodwatch und der BUND ihr Verständnis für die Aktionen der Landwirte und unterstützten deren Forderungen. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben?

  • Meine persönliche Bewertung der derzeitigen Sachlage

Die jungen Landwirten in Cloppenburg haben etwas gewagt und sie haben Erfolg gehabt. Sie haben den Chef eines Unternehmens mit rund 26 Milliarden € (26.000.000.000) Umsatz dazu bewegt, spontan eine Summe von 50 Millionen € für die Landwirtschaft bereitzustellen.  Mir ist nicht bekannt, wer das bisher innerhalb von wenigen Tagen und in dieser Höhe fertiggebracht hätte. Hut ab!

Doch es ist nicht alleine die Höhe des Betrages, die bemerkenswert ist. Bemerkenswert ist, dass eines der vier großen Lebensmittelunternehmen erkennt und anerkennt, dass die Situation für die Landwirte bedenklich ist. So forderte der LIDL-Chef auch einen Dringlichkeitsgipfel mit den Geschäftsführungen aller Lebensmittelketten und dem BMEL. Ob dies stattgefunden hat und wie der Ausgang war, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Aber sicher wird es in irgendeiner Form zu Gesprächen kommen und das ist wichtig. Wer hat es erreicht? Die Basis!

  • Wie geht es weiter?

Die Entscheidung, die einmalige Zahlung von 50 Mio. € (an die ITW) abzulehnen, halte ich für sehr klug. Ebenso ist die Forderung, jetzt über Grundsätzliches in den Lieferbeziehungen, dem Umgang miteinander und der zukünftigen Form der Preisfindung zu diskutieren, vorausschauend.

Da die allermeisten Landwirte keine direkten Vertragsbeziehungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) pflegen, müssen in diese Gespräche schließlich auch die Abnehmer und Verarbeiter der landwirtschaftlichen Rohstoffe eingebunden werden (Molkereien,Schlachthöfe, Mühlen etc.)  Der LEH kann und sollte aber dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Einkäufer die heimische Landwirtschaft fair behandeln und dass dort, wo sie existieren, die gemeinsam vereinbarten Verträge buchstabengetreu eingehalten werden (was bisher oft nicht der Fall ist!)  Desweiteren sollten die Produkte der heimischen Landwirtschaft im Laden einen deutlich höheren Stellenwert bekommen.

Gut finde ich es auch, dass die Vorschläge der Landwirte an den LEH für diese neue Form der Zusammenarbeit nicht jetzt schon in die Öffentlichkeit getragen werden. Da ich einige Vorschläge kenne, kann ich versichern, dass die geforderten Maßnahmen den Betrag von einmalig 50 Mio. € deutlich überschreiten, nachhaltig sind und der gesamten deutschen Landwirtschaft (Tierhalter, Ackerbau, Obst- und Weinbau, Imkern, Schäfern etc.) zugute kommen. Aus Sicht des LEH sind sie akzeptabel, weil sie einem Win-Win-Modell entsprechen.

Nach meiner Kenntnis gibt es derzeit Sondierungen zu Gesprächsterminen, an denen Vertreter der Landwirte (keine Verbände!) und des LEH zusammenkommen um die oben genannten Gespräche zu führen.

Von daher fände ich persönlich weitere Blockaden nicht zielführend. Unbedingt vermieden werden müssen aber Situationen, die unsere Mitbürger verärgern könnten.

An dieser Stelle ein großes Lob und Dankeschön an alle Landwirte, die heute abend unter der Überschrift “Ein Funken Hoffnung” mit ihren weihnachtlich geschmückten Traktoren nicht nur Krankenhäuser und Altenheime besucht haben sondern auch Kindern eine Freude gemacht haben. Eine wirklich tolle Idee!

Bauer Willi

 

 

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11 Kommentare

  1. Sie, dke LEH-Konzerne müssen dafür sorgen, dass das Produkt für den Verbaucher durchsichitg wird, also auf welche Art und Weise es hergestellt wurde, auch wie mühsam es ist, dieses von Acker oder Stall zu holen
    und was dem Bauern davon übrig bleibt.

    Dann hat die Bevölkerung auch ein beseres Gefühl und nicht mehr so viel Bedenken über die landw. Erzeugnisse, denke ich!
    Die LW verliert z.T. den “Schwarzen Peter”

  2. Karl Timme sagt

    Frau Klöckner: „Wir sind dran.“
    „die unlauteren Handelspraktiken, die sind uns bekannt und deshalb gehen wir gegen sie vor, aber auf der ….“

    Frau Ministerin, auch Ihre Vorgänger waren über Jahrzehnte dran, aber gescholten wurden die Erzeuger durch das Kartellamt, während die Konzentration des LEH durch das aktive Eingreifen der Politik, gegen das Kartellamt gefördert wurde (Die Berufsvertretung hat zugesehen, zu eng die
    Verflechtung über die Parteien)

    Die UTP – Richtlinien werden von Deutschland seit Jahren nicht umgesetzt.

    Die Basisbewegung LSV hat die Archilesferse des LEH erkannt und dadurch eine schnelle Reaktion des Lidl Geschäftsführers hervorgerufen.
    Die, die da für Ihre Rechte kämpfen, sind nicht die „dummen Bauern, mit den dicksten Kartoffeln“, sondern gut ausgebildete, junge Manager Ihrer Agrarbetriebe, die durchaus in der Lage wären ein Unternehmen wie Lidl zu führen. Daher ist Ihre Forderung auf Augenhöhe zu Verhandeln legitim. Der Versuch des Herrn Gehrig, die Bauern mit Geld zu beschwichtigen, war nichts anderes wie die Bauernmilliarde der Regierung im Frühjahr dieses Jahres ein Ablenkungs- Manöver, um nicht die wahren Probleme besprechen zu müssen. Hat nicht der LEH die größten Gewinne seit Jahren in der Corona-Krise eingefahren?!

    • Fritz seiler sagt

      Hallo,
      das Bundeskartellamt hat bereits im September 2015 das Ungleichgewicht und die Handelspraktiken des LEH moniert und in einem Schreiben an die Regierung aufgefordert dies ab zu stellen, sprich den Landwirten und deren Verarbeitern mehr Marktmacht zu zu gestehen.
      Darauf wurde bis zum Julia Video bis heute nicht reagiert.
      Wir werden weiter agieren und Druck machen, Das sich Lidl und Co mit kleinen Summen abspeisen wollen ist klar, Die Landwirtschaft ist nicht der Sponser einer Gesellschaft und schon gar nicht von Handelskonzernen.
      Die Landwirtschaft ist die Grundfeste einer Gesellschaft. Nur wenn die stabil ist und funktioniert kann sich eine stabile Gesellschaft aufbauen, bzw halten.

  3. Friedrich sagt

    Willi , gut zusammen gefasst. Wenn wir mal zurückblicken , dann haben wir Bauern auf die wirtschaftliche Lage schon über Jahre hingewiesen. Auch der DBV hat sich mit “es hätte ja viel schlimmer kommen können ” begnügt. Das geht jetzt seit fast 50 Jahren so . Wir älteren Bauern haben Demos gescheut, warum auch immer. Unsere jungen Leute zeigen uns jetzt , wie es geht . In diesem Land zählt nicht mehr das Wort in der Diskussion , sondern die Abstimmung/Protest mit den Füßen. Schlechte Presse will sich heute keiner mehr antun. Ob Politik oder LEH sind da sehr dünnhäutig und sind dann erst bereit in die Verhandlung zu treten. Eine schlimme Situation für unsere Demokratie. Deshalb sind auch die NGOs so erfolgreich , weil die mit Straßen-,Brücken-,Waldblockaden usw. diese
    Leute in die Knie zwingen. Wir dürfen uns jetzt bei den Verhandlungen nicht über den Tisch ziehen lassen. Nicht das erstbeste Angebot von Politik und LEH ist anzunehmen. Die wollen erst einmal vor Weihnachten ihre Ruhe haben , denn Blockaden vor LEH-Lagern schaden dem Geschäft des LEH und dem Freizeitvergnügen der Politiker. Deshalb muß in diesem Jahr noch ein Erfolg durchgesetzt werden , denn jetzt geht es vor Weihnachten um große Umsätze beim LEH und das muß genutzt werden . Im neuen jahr ist dann das Druckmittel der Demos nicht mehr so hoch . Also tankt die Schlepper , daß jederzeit bundesweit die LEH-Lager blockiert werden können , wenn die Verhandlungen nur rausgezögert werden sollen. Zuerst will ich erst einmal schlagartig die Erzeugerpreise kräftig steigen sehen , sozusagen als erstes Zeichen.

    • Friedrich: Wie sollten denn die Erzeugerpreise kräftig steigen?
      Die Landwirte bieten doch dem LEH ihre Ware so billig an.
      Das Problem liegt doch einzig und allein in der Politik.
      Produkt, die nicht nach unseren Standards produziert worden ist,
      dürfte bei uns auch nicht auf den Markt.
      Das gelaber von Frau Klöckner kann ich nicht mehr hören,
      diese Frau – diese Politik ist unser Problem!
      Lesen Sie doch nur mal den Gesetzesentwurf ” Entwurf eines Zweiten Gesetzes
      zur Änderung des Agrarmarktstrukturgesetzes” § 11 und § 16 genau durch.
      Was ist daran neu?
      Da ist alles genau so wie es vorher auch war, und den Bauern wird es als
      Errungenschaft der Politik verkauft. – Eine Lachnummer ist das!

  4. Christian Asendorf sagt

    Wie kann es überhaupt zu der großen Marktmacht der LEHs?
    Entweder hat das Kartellamt oder das Ministerwort die großen Möglich gemacht. Vielleicht sollte dort mal der Hebel angesetzt werden.
    Zerschlagung der großen LEH-Konzerne, das wäre es was auch helfen könnte.
    Der Markt muss wieder breiter aufgestellt werden!

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