Bauer Willi
Kommentare 18

Das Bundesumweltministerium zu Glyphosat

In einer Facebook-Diskussion auf der Seite des Bundesumweltministeriums (BMU) fordert ein Kommentator mehr oder weniger deutlich ein sofortiges Verbot von Glyphosat. Das BMU antwortet wie folgt:

„Lieber Herr B.,  wir arbeiten an einem grundsätzlichen Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung bis zum Ende dieser Legislaturperiode. Von heute auf morgen geht der Ausstieg aus Glyphosat nicht, und dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Glyphosat ist ein mengen- und flächenmäßig besonders bedeutendes Pflanzenschutzmittel – aber es ist eben nur eines von vielen. Daher greift ein Ansatz, der rein auf die Reduzierung von Glyphosat setzt, zu kurz: Wenn Glyphosat erst einmal weg ist, wird diese Lücke womöglich mit einem ähnlich bedenklichen oder noch bedenklicheren anderen Pflanzenschutzmittel ausgefüllt. Das kann nicht die Lösung sein. Generell soll die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln umwelt- und naturverträglich ausgestaltet werden, nicht zuletzt durch eine deutlich stärkere Berücksichtigung der biologischen Vielfalt bei der Zulassungspraxis und den Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel. Zweitens: Der Wirkstoff Glyphosat kann nur auf EU-Ebene verboten werden. Auf nationaler Ebene geht es aber nicht um den Wirkstoff, sondern um die darauf basierenden Pflanzenschutzmittel. Derzeit arbeiten wir an Möglichkeiten, die Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf dem Verordnungswege einzuschränken bzw. grundsätzlich zu untersagen, und setzen uns innerhalb der Bundesregierung für eine ambitionierte Regelung ein. Angesichts der Komplexität des Themas lässt sich hier allerdings nicht „von jetzt auf gleich“ eine Patentlösung finden und umsetzen. Darüber hinaus müssen wir auch pflanzenschutzrechtliche Zulassungsverfahren als geeignetes Mittel für Einschränkungen mitdenken. Die zuständigen Behörden prüfen hier, ob ein Pflanzenschutzmittel die im geltenden Pflanzenschutzrecht festgelegten Zulassungsvoraussetzungen erfüllt. Dazu gehört auch, dass das betreffende Mittel keine unannehmbaren Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben darf. Nur dann kann es zugelassen werden. Wir können nun allerdings nicht einfach die zuständigen Behörden anweisen, die Zulassung von bestimmten Pflanzenschutzmitteln abzulehnen. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist ein Verwaltungsakt, dessen Erlass von der Erfüllung spezifisch festgeschriebener Bedingungen abhängt, was in einem ebenfalls rechtlich spezifisch determinierten Verfahren geprüft wird. Weitere Infos dazu finden Sie hier: www.bmu.de/faqs/glyphosat/. Viele Grüße vom Social-Media-Team des BMU“

Meine Meinung: Es ist alles daran zu setzen, das BMU und das BMEL zu verpflichten, machbare und praktikable Alternativen aufzuzeigen, bevor ein Verbot ausgesprochen wird.  Das Drama um den Termin 1.1.2019 bei der Ferkelkastration zeigt, dass man damit nicht früh genug anfangen kann. Das Verbot der Neonicotinoide ist ein weiteres Beispiel, bei dem keine Alternativen aufgezeigt und die Landwirte mit dem Problem alleine gelassen wurden.

Und noch eines: jede Form der Nahrungsmittelbeschaffung, ob Jäger und Sammler oder durch Ackerbau und Viehzucht sind ein Eingriff in die Natur und verändern die biologische Vielfalt. Das sollte allen bewusst sein.

Bauer Willi

(Aufrufe 1.884 gesamt, 1 heute)

18 Kommentare

  1. Mausschubser sagt

    Bei uns möchte jetzt der Gemeinderat Glyphosat verbieten. Als erstes auf den landwirtschaftlichen Flächen, die die Gemeinde verpachtet. Dabei übersehen sie den wahrscheinlich größten Anwender vollkommen. Bahn und Nahverkehrsverbund können derzeit überhaupt nicht auf Glyphosat verzichten. Möchte sehen was die städtischen Betriebe zusätzlich noch klammheimlich anwenden.

    0
  2. Thomas Apfel sagt

    irgendwie hat man keine Lust mehr zum Thema Glyphosat zu diskutieren. Es ist alles schon einmal gesagt, nur noch nicht von Jedem. Die Fronten sind verhärtet, in der Landwirtschaft ist eine Art frustrierter Lethargie eingetreten.
    Trotzdem müssen wir uns in unserem Interesse weiter zu diesem Thema zu Wort melden.
    Eine von unserer Gegenseite anvisierte Extensivierung in der Fläche wird für den Artenrückgang null Effekt bringen, weil das Feld mit Glyphosat bereinigen, oder alles Grüne unterpflügen, in der Wirkung dasselbe ist, nur dass beim Pflügen die Bodenstruktur stärker geschädigt und mehr Mineralisierung in Gang gesetzt wird.
    Beides hat zum Ziel unseren ertragreichen Pflanzen die Konkurrenz vom Halse zu halten.
    Konventionelle und erfolgreich geführte Öko- Bestände unterscheiden sich nicht und haben keinen Platz für Beikräuter im Bestand. Ich empfehle daher einen Schritt auf die Konvi-kritische Seite zuzugehen. Arten- und Insektenschutzmaßnahmen müssen neben den Flächen der landwirtschaftlichen Kulturen auf separaten Flächen durch die Landwirte mit finanzieller Unterstützung realisiert werden.
    Derzeit wird eine Spezialberatung für Artenschutz und Biodiversitätsmaßnahmen aufgebaut. Wir müssen dafür sorgen, das diese Beratung neutral bleibt und bei den Kammern und Ämter im Offizialbereich angesiedelt wird. Die NGO´s sollten hier maximal als eine Art Beirat aktiv werden dürfen. Die Vorschläge über die Art und den Umfang der Maßnahmen müssen aus der Landwirtschaft kommen. Eine abwartende Haltung nach dem Motto „es wird schon nicht so schlimm kommen“ wird uns auf die Füße fallen.
    Hier also mein Vorschlag: Es sollten 2 – 5 % der Flächen für Strukturelemente, Blühstreifen und Resilienz-Habitate genutzt werden. Für die konkreten Flächen sollte eine Fördersumme je ha in Höhe der durchschnittlichen Nettowertschöpfung (abzüglich des Subventionsanteils an derselben) zusätzlich zur Betriebsprämie gezahlt werden.

    0
    • Thomas Apfel sagt

      ergänzend: – wenn die Landwirtschaft nicht mit eigenen Vorschlägen zur Risikominderung beim Pflanzenschutzmitteleinsatz kommt, werden noch viele weitere Mittel verlorengehen und neue Insektizide kaum noch zur Zulassung gelangen. das Vetorecht der Umweltbehörden wird bei Zulassungen von PSM in nächster Zeit nicht verschwinden! Von dieser Entwicklung ist die Öko-Branche im Übrigen nicht ausgenommen (z.B. Kupfer und Spruzit).

      0
  3. Friedrich sagt

    Die sachliche Antwort kann auch heißen , daß man inzwischen gemerkt hat , daß man auf den Bauern genug herum getrampelt hat , ohne Sinn und Verstand und nur mit haltlosen Behauptungen. Behauptet hat die Vorgängerin von Frau ML Schulze ,Frau Hendriks , immer viel , war aber immer nur heiße Luft . Die Quittung mit dieser Umfragepolitik hat die SPD ja auch bekommen. Wie kann man die Landwirtschaft bei 7% Anteil an der Klimabilanz auch nur als Hauptschuldigen darstellen und bis zur Menschenverachtung entwürdigen. Auch das unsere „Grüne Energieproduktion“ uns nicht angerechnet wird , ist schon eine Schweinerei. Mit dieser Anrechnung wären wir dann sogar Klimabilanzneutral, also nicht schädigend. Statt immer auf Glyphosat , MRSA, Nitrat , Tierschutz usw. auf uns rum zu hacken , sollte sich die Politik mal lieber ums Land , Landbevölkerung und Landwirtschaft kümmern. Mit dieser städtischen Politik gehen die Strukturen auf dem Land kaputt. Immerhin leben in Deutschland noch 55 % auf dem Land. Handyempfang, Internet , Ärzteversorgung usw.
    sind genug auf Aufgaben die erledigt werden müßen und bislang einfach in der politischen Arroganz aus Sicht der Stadt nicht für wichtig erachtet wurden. Dafür werden sich die Landmenschen bei den nächsten Wahlen auch bedanken. Ich höre das Gejaule heute schon.

    21+
    • Inga sagt

      Immerhin hat Frau Hendriks dann zugegeben, dass die Bauern die meiste Arbeit mit der Umwelt haben, weil sie beruflich damit umgehen.
      Wenn sie das weiß, warum hackt sie noch als ehemaliger Landwirtschaftsministerien in NRW auf den Bauern rum?
      War sie da auch gegen Bauern?

      Um ihre privaten Umweltsündern zu kaschieren?
      Um sich wichtig zu machen?

      Also geht es ihr nicht um Fakten sondern um Selbstdarstellung, aber das darf man bei einer ernstzunehmenden Politik nicht hinnehmen!

      Ob man mit Handyempfang, Internet und Ärzteversorgung bei der Wählerschaft auch punkten kann?

      2+
  4. Obstbäuerin sagt

    „…und setzen uns innerhalb der Bundesregierung für eine ambitionierte Lösung ein.“ Eine ambitionierte Lösung muss nicht unbedingt auch eine intelligente Lösung sein, davon kann man ausgehen. Sie ist eindeutig auf eine Verschlechterung der Produktionsbedingungen außerhalb der Bioschiene angelegt und sie setzen sich auch nicht nur innerhalb der Regierungsebene dafür ein, sondern unterstützen NGOs und Initiativen, die ihre Meinung nicht nur teilen sondern auch propagieren. Am besten geht das, wenn Angst geschürt wird. Alles wird vergiftet – die Umwelt, das Bier, die Muttermilch, das Wasser, die Bienen, die Wildbienen, die Schmetterlinge, die Insekten, die Biodiversität, die Wildpflanzen, die Vögel uvm. Inzwischen ist es auch bei sonst normalen Menschen angekommen, das Glyphosat „höchstwahrscheinlich“ Krebs erregt. Und im Januar werden wieder zig tausende dieser Verbände, Initiativen und NGOs zusammen mit ein paar Bio-Bauern bei WIR HABEN ES SATT für das Verbot demonstrieren und in den Medien wird es mit wohlwollenden Kommentaren gesendet.

    14+
  5. Berthold Lauer sagt

    Wenn ich heute ein Haus baue oder wenn irgendwo eine Straße gebaut wird,so ist dies ein massiver Eingriff in die biologische Vielfalt. Und der bleibt für die nächsten Jahrzehnte bestehen! Wenn ich Glyphosat einsetze, kann ich zwei Wochen später die gesamte biologische Vielfalt wieder etablieren oder sie etabliert sich selbst! Aber Glyphosat soll verboten werden! Logisch!!!

    14+
  6. Ostendorf ( Am Ende mit nur einem "F" ) sagt

    Bei Glyphosat wird gelogen, bis sich die Balken biegen.
    Solange Öko-NGOs und Grüne angebliche Glyphosattest verwenden , die aber in Wirklichkeit auf AMPA ( Aminomethylphosphons), einem Abbauprodukt von vielen mit Glyphosat verwannten Waschmittel reagieren, ist die ganze Debatte um angebliche Glyphosatfunden ein Betrug !

    “ Da Phosphonate in Waschmitteln, als Inhibitoren gegen Korrosion und Kesselsteinbildung in Kühl- und Kesselspeisewässern, und in der Textil- und Papierindustrie in großen Mengen eingesetzt werden, kann beim Nachweis von AMPA in Gewässern nicht ohne weiteres geklärt werden, auf welche Quelle dies zurückzuführen ist“
    Quelle :
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aminomethylphosphons%C3%A4ure

    https://mobil.bfr.bund.de/de/presse/presseinformationen/2016/08/bfr_studie_bestaetigt__kein_glyphosat_in_muttermilch_nachweisbar-196563.html

    19+
    • Inga sagt

      „Angesichts der Komplexität des Themas lässt sich hier allerdings nicht „von jetzt auf gleich“ eine Patentlösung finden und umsetzen. Darüber hinaus müssen wir auch pflanzenschutzrechtliche Zulassungsverfahren
      als geeignetes Mittel für Einschränkungen mitdenken.
      Die zuständigen Behörden prüfen hier, ob ein Pflanzenschutzmittel die im geltenden Pflanzenschutzrecht festgelegten Zulassungsvoraussetzungen erfüllt. Dazu gehört auch, dass das betreffende Mittel keine unannehmbaren Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben darf. Nur dann kann es zugelassen werden.“

      Vergleicht man es mit der Zulassung im Straßenverkehr?
      Da darf auch nichts zugelassen werden, dass uns Menschen gefährdet.
      Außer mit der Abluft!
      Aber da muß noch genau so dran gearbeitet werden.

      Wenn die Zulassung der PSM so gehabt wird, dann ist doch das ganze Thema von Nichtfachmännern entfacht worden, oder?

      0
    • Ostendorf ( Am Ende mit nur einem "F" ) sagt

      !! NACHTRAG !!
      Schon am 27.Sept.2011 war es der Bundestagsfraktion der Grünen bekannt, daß die angeblichen Glyphosatfunde auf auf Test begründeten, die in Wirklichkeit auf einem AMPA Nachweis beruhten !
      Aber des war kein Grund, die Medienkampanie „Bauern vergiften unsere gestillten Kleinkinder mit Glyphosat“ zu starten .

      Quelle : Palamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag:
      Seite 12

      http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/071/1707168.pdf

      4+
      • Mausschubser sagt

        Bei vielen Wählern der Grünen geht es um eine Art modernen Ablasshandel. Man glaubt mit seiner Stimme sich freikaufen zu können. Der Staat soll sich darum kümmern. Dazu gehört auch genügend Themen zu generieren, damit die Wähler nicht glauben es wäre alles gut.

        1+
  7. bauerhans sagt

    ich bin überrascht,dass seitens des BMU direkt auf solch strikte verbale forderung eines einzelnen eingegangen wird.
    die antwort ist sehr umfangreich und mit fakten belegt.

    1+
    • Mark sagt

      Aus Sicht des BMU eine dankbare Frage, vielleicht wurde die Frage auch selbst initiiert …

      10+
    • Bauer Willi sagt

      Auf der Facebook-Seite des BMU wird immer sehr schnell und auch ausführlich geantwortet. Übrigens (ohne Polemik, sondern fachlich sauber. Das finde ich gut, weil es zeigt, dass das BMU die Kommentatoren ernst nimmt und um Aufklärung bemüht ist.
      Ein Vergleich mit der Facebook-Seite des DBV ist interessant. Dort findet man Reaktionen auf Kommentare sehr selten.
      Bauer Willi

      2+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Hans
      hier noch ein Auszug aus der Seite des BMU:

      „Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat?

      Ackerbaulich vollwertige chemische Alternativen für Glyphosat gibt es derzeit nicht. Ein bloßer Austausch Glyphosat-haltiger Pflanzenschutzmittel durch Mittel mit gleicher Wirkweise würde zudem zu den gleichen negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt führen. Von wesentlicher Bedeutung im Ackerbau sind deshalb nicht-chemische Methoden und Maßnahmen: Ein Verzicht auf Glyphosat erfordert aus acker- und pflanzenbaulicher Sicht zu allererst eine grundsätzliche Änderung der Anbaumethoden. Das zentrale Element ist die Anpassung (Diversifizierung) der Fruchtfolge (hier macht der Ökolandbau mit deutlich mehr Diversität in der Fruchtfolge es vor). In ausgewogenen Fruchtfolgen ist der Unkrautdruck deutlich geringer als in engen Fruchtfolgen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass der Einsatz von Glyphosat bereits von sich aus nicht mehr erforderlich ist oder für den faktischen Ausstieg zusätzlich nur eine geringe Anpassung in der Bodenbearbeitung notwendig ist. Neben der Fruchtfolge ist noch der Anbau von Zwischenfrüchten sowie konkurrenzstarken Pflanzenbeständen von Bedeutung. Eine mechanische Alternative zu Glyphosat ist auf nicht- bis wenig erosionsgefährdeten Flächen eine intensivere Bodenbearbeitung. Aber auch die in der Praxis bisher wenig verbreiteten thermischen Verfahren (Abflammen, Dämpfen, heißes Wasser, Infrarot und Lasertechnik) zählen dazu. Diese thermischen Alternativen sind aber im Vergleich zur Glyphosat-Anwendung häufig mit höheren Kosten verbunden. Auf stark erosionsgefährdeten Böden sollte hingegen kein Ackerbau betrieben werden, sondern Grünland erhalten werden.“

      Man macht sich beim BMU also schon Gedanken über Alternativen. Die Lösung: intensivere Bodenbearbeitung, thermische Verfahren etc.

      Sogar von höheren Kosten ist die Rede. Leider fehlt der Zusatz, wer diese Kosten tragen soll. Das würde mich sehr interessieren. Ich glaube, ich kenne die Antwort…
      Bauer Willi

      0
      • Brötchen sagt

        Willi guck mal auf die Seite von der isn, da steht heute eine Meldung zur Entwicklung tierbestände.
        dgfz Tagung

        0
  8. Heinrich Steggemann sagt

    Jeder Mensch greift mit seiner Anwesenheit (je nach Lebensstil mehr oder weniger) in die Natur und die biologische Vielfalt ein.

    9+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.