Alle Artikel in: Palla

Einkaufstipps für den Alltag

Wieder ein Gastbeitrag von Palla Fragen Sie Sich auch regelmäßig, welche Lebensmittel Sie denn nun kaufen sollen? Sie würden ja gerne die deutschen Bauern unterstützen, aber Sie wissen nicht bei welchen Produkten auch ein angemessener Preis beim Erzeuger ankommt? Zunächst einmal: Toll, dass Sie Sich darüber Gedanken machen! In der Vergangenheit waren die Themen Erzeugerpreis und Regionalität für alle Marktbeteiligten eher nebensächliche Themen, was dazu führt, dass es derzeit für Kunden der Discounter und Supermärkte kaum zu erkennen ist, mit welchen Produkten ein fairer Erzeugerpreis verbunden ist. Nicht mal wir Bauern können genau sagen welche Produkte uns nach den vielen Verarbeitungsstufen wirklich was bringen. Wenn wir aber ein gemeinsames Interesse daran haben die deutsche Landwirtschaft in ihrer Vielfalt zu erhalten, muss sich das ändern! Hier ein paar Tipps für den Einstieg in den bewussten Einkauf, wenn Sie nicht regelmäßig direkt beim Bauern einkaufen können oder wollen: Es wird das angeboten was nachgefragt wird. Nutzen Sie ihren Einkauf um den Einkäufern ihres Discounters/Supermarktes klarzumachen, was Sie wünschen! Fragen Sie sich, ob sich ihr Einkaufziel in ihrem …

Hofchips – oder wird Verbraucherfeedback nicht ernst genommen?

Liebe Firma Lorenz Bahlsen Snack-World, kürzlich habe ich beim Einkaufen Ihre „Hofchips“ entdeckt. Kartoffelchips in verschiedenen Geschmacksrichtungen, bei denen 100 g immerhin 1,81 Euro kosten! Auf der Verpackung und auf der dazugehörigen Website werben Sie sehr stark mit Regionalität, sprich Anbau und Bauernhöfen aus der Lüneburger Heide, der Oberpfalz und Niederbayern. Außerdem setzen Sie voll auf das deutsche Bauernhofklischee, verbunden mit dem sympathischen Bauern von nebenan mit dem Spitznamen „Erdäpfel-Sepp“.  So weit, so gut! Nachdem die stinknormalen Marken-Kartoffelchips ohne Herkunftswerbung daneben 85 Cent pro 100g kosten, wollte ich vor über einem Monat von Ihnen wissen ob und wenn ja, wie sich der viel höhere Verkaufspreis auch über höhere Auszahlungspreise für ihre Kartoffellieferanten auswirkt. Eine freundlich Dame hat mir kurz nach meiner Anfrage für mein Interesse an den Produkten und dem Unternehmen gedankt, betont wie wichtig jedes Verbraucherfeedback ist und versprochen meine Anfrage an den zuständigen Produktmanager weiterzuleiten. Nehmen Sie meine Anfrage nun ernst, oder nicht? Ich warte bis heute auf eine Antwort auf meine sehr ernst gemeinte Frage, weil ich hoffe, dass es sich nicht …

Perspektive wechseln – Urlaub in der Stadt

Wir Landwirte beschäftigen uns viel mit dem Thema wie wir der Stadtbevölkerung die Produktion von Grundnahrungsmitteln und nicht zuletzt unser Leben auf dem Betrieb wieder nahe bringen können. Es gibt viel Unverständnis in unseren Reihen dafür, wie weit sich der Stadtmensch mittlerweile in seiner Lebensweise von uns entfernt hat und wir erwarten doch alle irgendwie, dass sich Herr und Frau Stadtmensch endlich wieder mit uns beschäftigen. Aber möglichst unkritisch natürlich! Wir bieten mit großem Engagement „Urlaub auf dem Bauernhof“ an oder öffnen unsere Hoftore über Webcams oder Hoffeste und zeigen was wir für zeigenswert halten. Tolle Sache, aber habt ihr euch schon mal gefragt, wie eigentlich die Sichtweise eines Stadtmenschen aussieht von dem wir so gerne verstanden und akzeptiert werden wollen? Hand aufs Herz, wer von uns Landwirten hat schon mal Urlaub in einer Großstadt gemacht? Wer hat bewusst versucht einen Eindruck davon zu bekommen welche Dinge für einen Stadtmenschen wichtig sind und wie dessen Alltag aussieht? Habt ihr schon mal einen Perspektivwechsel gemacht? Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit mal bewusst ein …

Forsa Umfrage: Meinungen und Einstellungen der Bürger zur Milchwirtschaft in Deutschland

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Initiative Dialog Milch im November 2015 eine repräsentative Umfrage unter 1001 deutschen Bürgern durchgeführt. Ziel war herauszufinden welches Bild sie von der Milchwirtschaft haben, welches Vertrauen sie der Branche entgegen bringen und welche Erwartungen sie bezüglich ihrer künftigen Entwicklung und Positionierung am Markt haben. Um es vorweg zu sagen: Es besteht offensichtlich ein großes Informationsdefizit, aber auch eine hohe Wertschätzung von Milch und Milchprodukten. Im Folgenden einige Widersprüchlichkeiten und einige bemerkenswerte Punkte aus der Auswertung der Umfrage: Es besteht eine hohe Wertschätzung von Landwirtschaft und Milchwirtschaft, aber ein Viertel der Befragten war noch nie auf einem Milchviehbetrieb. Milch und Milchprodukte haben einen hohen Stellenwert in der alltäglichen Ernährung Für 65 % der Befragten ist ein Marken- bzw. Herstellerprodukt entscheidender als der Preis Ein Drittel der Befragten bevorzugt Milch / Milchprodukte aus biologischer Herstellung Weniger als die Hälfte aller Deutschen wissen in etwa, was ein Liter Milch ungefähr kostet Nur ein Viertel aller Deutschen hat eine korrekte Vorstellung vom Milchauszahlungspreis für   deutsche Landwirte, obwohl 81 % der Befragten von …

Liebe Milchbauern, was für eine Milch soll ich kaufen?

Nachdem unsere Kühe ja weg sind und wir keine eigene Milch mehr haben, stehe ich nun regelmäßig vor der Frage was für eine Milch ich kaufen soll. Meine Familie trinkt viel und gerne Kuhmilch und bisher natürlich die eigene Rohmilch. Ich habe aber festgestellt, dass es mir in meinem Alltag zu umständlich ist, nur wegen recht kurz haltbarer Rohmilch zum nächsten Milchviehbetrieb zu fahren. Der ist ja auch ein paar Kilometer weg und leider bietet hier kein Betrieb neben der Milch noch weitere Lebensmittel an. Einen Betrieb mit einer eigenen Molkerei und entsprechender Vermarktung gibt es in meiner Gegend auch nicht, aber ich habe gelesen, dass es Betriebe, wie die Hemme-Milch gibt, die ihre Milch in Norddeutschland und in Brandenburg erfolgreich selbst verarbeiten und vermarkten. Gibt es da noch mehr davon und wie finde ich die? So stehe ich nun, wie jeder Andere auch, vor dem Kühlregal mit den verschiedenen Milchsorten und –marken und suche nach frischer, konventioneller Vollmilch. Nachdem ich aber gerade jetzt meine Berufskollegen unterstützen möchte, würde ich gerne Milch von einer Molkerei …

Milchvermarktung aus der Sicht einer Bäuerin – ein gescheiterter Versuch

Der Hauptgrund, warum wir die Milchviehhaltung aufgegeben haben, war ohne Frage der schlechte Milchpreis. Wir wollten aber schon vor Jahren das bestehende Milchablieferungssystem so nicht akzeptieren und wollten etwas ändern. Leider ohne wirklichen Erfolg! Wir hatten früher, wie allgemein üblich, einen Vertrag mit der nächstgelegenen Molkerei, die sich damit verpflichtete die gesamte Milchmenge abzunehmen. Im Gegenzug mussten wir der Molkerei unsere gesamte Milch, soweit sie nicht auf dem Hof benötigt wurde, dieser Molkerei zur Verfügung stellen. Das nennt man Andienungspflicht. Zudem wurden wir über leider unverzinste Geschäftsanteile an der Molkerei beteiligt. Preisvereinbarungen gab es keine, es war lediglich vom jeweils gültigen Auszahlungspreis zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Rede. Als Kündigungsfrist waren 18 Monate zum Jahresende vorgesehen. Die Milch wurde also abgeholt und alles andere bestimmte die Molkerei. Vor ein paar Jahren waren wir so unzufrieden mit dem niedrigen Auszahlungspreis und unserer schwachen Position gegenüber der Molkerei, dass wir den Vertrag gekündigt haben und diese lange Kündigungszeit auf uns genommen haben. Wir sind zum Glück in einer Region, in der noch eine Vielzahl von Molkereien als mögliche …

Weißes Wasser

Neulich war ich beim Netto. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht so mein Laden, aber es ist die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit. Also geht man da halt auch mal hin. Ich habe zufällig eine Frau beobachtet, die aus dem Regal bei den verschiedenen H-Milchsorten mehrere Milchpackungen herausnahm. Nun bin ich ja ein neugieriger Mensch und habe genauer hingeschaut. Es war H-Milch der Marke „Leichter Genuss“ mit höchstens 0,3% Fett für 55 Cent/Liter und sogar mit dem goldenen Preis der DLG ausgezeichnet. Ein Woche zuvor hatte sich bereits eine Freundin beim gemeinsamen Kaffeetrinken (Ich habe ja jetzt – ohne Kühe- mehr Zeit!) darüber aufgeregt, dass sie beim Milcheinkauf nicht ganz genau hingesehen hatte und nun eine „Frühstücksmilch“ mit 0,7% Fettgehalt erwischt hatte. Ja geht´s noch? Jetzt haben wir schon zuviel Milch auf dem Markt und baden-württembergische, bzw. bayrische Molkereien verkaufen sie als weißes Wasser? So werden wir die Milch niemals los! Wobei, ist das weiße Wasser überhaupt noch weiß, wenn die Fett-Tröpfchen nicht mehr drin sind? Schmeckt das dann noch nach irgendwas? Ich konnte mich ehrlich nicht überwinden …

Palla – Altes und Neues Jahr

Die Zeit zwischen den Jahren ist die Zeit der Jahresrückblicke und der guten Wünsche fürs nächste Jahr. Ich möchte nun nicht mehr zurückschauen. Es war ein schwieriges Jahr, aber es liegt hinter uns. Natürlich wandern die Gedanken noch oft zu den Kühen, aber nur kurz. In schwierigen Situationen merkt man verstärkt, wie wichtig die Menschen sind, die einen begleiten. Zwischenmenschlich ist es in belastenden Lebenssituationen häufig nicht einfach, aber ich danke nun von Herzen für unsere Großfamilie und unsere Freunde, die uns so oft mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Vielen Dank an Bauer Willi und Alois, die mich eines Tages fragten, wie es uns als Milchbauern denn so geht. Das brachte mich dazu, die ganzen Dinge aufzuschreiben, und das hat gut getan. Ich kann das nur weiterempfehlen. Meine Wünsche für das neue Jahr nicht nur für uns selbst sondern auch für die ganze Landwirtschaftsbranche habe ich zufällig in meiner Weihnachtspost entdeckt: Ein bisschen mehr Frieden und weniger Streit Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass Ein …

Der Kuhstall ist leer! – Es ist vorbei!

von Palla Nun haben wir unsere Entscheidung mit dem Milchvieh aufzuhören in die Tat umgesetzt und unser Kuhstall ist leer – gähnend leer! Es ist vorbei! Gibt es damit nun weniger Kühe und damit weniger Milch auf dem Markt und bald einen kostendeckenden Milchpreis? Wie geht es den Kühen? Was bedeutet die Aufgabe unseres Milchviehbetriebes für den Markt, unser Umfeld und was eigentlich für uns persönlich? – für den Milchviehbestand in Deutschland: Nichts, denn wir haben so gut wie all unsere Kühe an einen größeren, moderneren Betrieb verkauft. Unser Ziel war, die Kuhherde möglichst als Ganzes zu verkaufen und es war kein leichtes Unterfangen einen geeigneten Betrieb zu finden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir nicht gezwungen waren die Kühe schnell loszuwerden. – für die Milchmenge in Deutschland, bzw. die Entwicklung des Milchpreises: Nichts, denn der neue Betrieb hat ein ähnliches Milchleistungsniveau wie wir und lässt die Milch ganz herkömmlich von einer Molkerei abholen. – für unsere Kühe: Sie leben nun in einem nach aktuellen Erkenntnissen gebauten Stallgebäude, das nicht nur weitaus größer, sondern …

Ich beneide euch so…

Palla aus dem Alpenvorland  trennt sich gerade von ihrem Milchvieh. Es ist ihr und ihrer Familie nicht leicht gefallen. Was sie aber nachdenklich macht, ist ihr Gespräch mit einer Nachbarin. Ein Einblick in eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht. Vielleicht auch, weil sich der oder die andere wiedererkennt…?   Neulich traf ich eine Milchbäuerin aus unserer Gegend und das erste was sie sagte war:  “Ich beneide Euch so, dass ihr den Entschluss gefasst, habt mit dem Milchvieh aufzuhören“. Ich war erstaunt über diese Aussage, weil unsere Entscheidung, mit den Kühen aufzuhören, bisher bei Berufkollegen eher auf Unverständnis gestoßen war und hakte nach. Was nun kam, war ein Bericht über ihr Leben als Ehefrau eines überzeugten Milchviehhalters: Sie kommt ursprünglich, wie heute viele Partnerinnen von Landwirten nicht aus der Landwirtschaft und hatte sich vor Jahren in einen Landwirt verliebt und sich von seiner Begeisterung für seinen Beruf anstecken lassen. Nachdem ein tierhaltender Landwirt ja auch stets in der Nähe seiner Tiere sein muss, hatte sie sich nach kurzer Zeit entschlossen zu ihm auf den Betrieb …