Bauer Willi
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Wenn der „Stoff“ strömt…

Nein, hier geht es nicht um Karneval und den „Stoff“ der dann strömt. Es geht vielmehr um die neue „Stoffstrombilanz“, die nahezu alle Bauern (Ausnahmen siehe Link) ab diesem Jahr erstellen müssen. Zwar habe ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt eine sogenannte „Hoftorbilanz“ gemacht, um den Import und Export der Nährstoffe in meinem Betrieb zu belegen, aber das reicht jetzt nicht mehr. Neben dem Dünger, den ich bisher ausgebracht habe (egal, ob mineralisch oder organisch) müssen jetzt auch noch das Saat- und Pflanzgut und andere Faktoren als Nährstoffimport/export aufgeführt werden. Wenn man bedenkt, dass ich etwa 170 kg Weizen auf 10.000 Quadratmeter aussäe (17 g pro Quadratmeter) kann man sich vorstellen, welche ungeheuren Nährstoffmengen da zusammenkommen (Ironie!)

Für die Erstellung der Stoffstrombilanz werden etwa 1-3 Bürotage veranschlagt. Im einem Betrieb mit Viehhaltung ist es aufgrund der Futtermittel und des Exportes von Milch, Fleisch, Eiern etc. natürlich wesentlich aufwändiger als in einem reinen Ackerbaubetrieb. Hier mal ein kleiner Einblick. Für den schnellen Leser reicht das Video rechts auf der Seite.

http://www.stoffstrombilanz.com/

Wenn ich die Stoffstrombilanz erstellt habe, loche ich die ab, hefte sie in meinen Ordner und bewahre sie sieben Jahre auf. Falls der Kontrolleur kommt.

Derzeit finden überall Schulungen und Unterrichtungen statt, damit wir Bauern nur ja nichts verkehrt machen. Ist wieder ein halber Tag. Wenn ich damit fertig bin, mache ich mich an den Antrag für die Gasölverbilligung und an das Formular für die Saatguttreuhand. Und wenn ich damit fertig bin, kommt der EU-Antrag dran. Dafür veranschlage ich auch mindestens zwei Tage, weil ich den mit meinem Kooperationspartner abstimmen muss. Und der mit mir.

Ihr seht, irgendwie bekomme ich die Karnevalstage schon rum. Und damit rufe ich euch

vun Hätze e dreimol kräftijes  Kölle Alaaf

zu. Mad et jott und nit zu off.

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 625 gesamt, 1 heute)

24 Kommentare

  1. Ehemaliger Landwirt sagt

    Hallo Willi und Alois,
    könntet ihr auf eurer Facebook Seite darauf hinweisen,
    dass die Poster, die dauernd Kommentieren, ihren Namen unter ihre Post schreiben, damit man weiß, wer geschrieben hat?

    EL= Facebook Verweigerer. 🙂

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  2. Friedrich sagt

    Die ganzen Angaben zur Jahreswende kosten mich die ganze Freizeit im Januar. Als Schweinehalter mit einem Kombibetrieb (Sauen + 100%Mast) hat man immer gut ausgefüllte Tage. Da ist diese Bürokratie über, gerade auch deshalb , weil die angegebenen Daten alle gegen uns verwendet werden. Mit den Flächenanträgen haben die die genauen Anbauflächen. Diese Angaben bekommen dann die Berufsgenossenschaften usw.. Auch in der Schweinehaltung müßen wir zu den Stichtagen die Stückzahlen angeben, aber dazu muß mit Datumsangabe die Stückzahl der Ferkel bei Aufstallung in die Feraufzuchtställe und bei Einstallung in die Mastställe angegeben werden. Der Viehhändler muß die abgeholten Mastschweine und Sauen die er zum Schlachthof fährt ebenfalls angeben. Auf diese Weise wird überall auf unsere Daten zugegriffen. Alle wissen wann und wo, wieviel Tiere sind ,wann die Schlachtung ansteht usw. .Auch wird so der Import gesteuert. Markt gibt es doch garnicht mehr, da alles konrolliert und reglementiert wird. So wird in unserem Verwaltungsbeamtenstaat Politik gemacht. Rechtsanwälte , Beamte, Öffentl. Dienst ,Politiker usw. kassieren , während alle anderen die Gelder erarbeiten. Mit der ganzen Dokumentation werden alle in Schach gehalten und klein gemacht. Nur die Großindustrie , mit der man sich gerne umgibt, wird gehätschelt. Wie man in der Politik arbeitet , können wir alle gerade erleben. Herr Gabriel hat mal über die Pegidaleute von „Pack“ gesprochen. Ich glaube fast , daß das „Pack“ im Regierungsviertel in Berlin sitzt und sich selbst nur der „Nächste“ ist.

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  3. Heinrich Steggemann sagt

    Gleiches Recht bzw. Pflicht für alle. In Deutschland fallen jährlich ca. 320 Millionen Tonnen Mist, Gülle und Gärrest an. Würden alle Bürger ein Plumpsklo benutzen, jeden Tag max. einen Liter Wasser zum Nachspülen nutzen, so hätten wir jährlich eine Menge von ca. 80 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger menschlichen Ursprungs. Wo bleiben die darin enthaltenen Düngesalze beim heutigen System der Wasserspültoilette? Grob überschlägig finden weniger als 10% den Weg zurück an die Pflanzenwurzel. Bei den landwirtschaftlichen Wirtschaftsdüngern arbeiten wir bereits am Feintuning. Anstatt den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb mit noch mehr Bürokratie zu überschütten, sollten Städte und Gemeinden freiwillig damit beginnen, Stadttorbilanzen zu rechnen. Die Ergebnisse sollten Ansporn genug sein, Konzepte für eine deutlich höhere Düngesalzrückführungsquote in die Praxis umzusetzen.

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  4. Die Tierhaltung wird in Deutschland immer weniger, Klärschlämme dürfen praktisch nicht mehr eingesetzt werden, d.h. der Einsatz organischer Düngemittel geht massiv zurück (Probleme gibt es nur noch punktuel in Veredlungregionen und konzentrieten Biogasstandorten), die Grundbodenuntersuchungen weisen mehr und mehr Gehaltslassen A und B aus, die Grund- und Oberflächengewässer werden immer sauberer Nährstoffärmer, (Bodenseefischer fordern z.b. eine Düngung des Bodensees) und dann kommt man mit so einem bürokratischen Schwachsinn wie der Stoffstrombilanz daher und tut so als sei diese für die Menschheit überlebenswichtig. In Wahrheit hat dieser Schwachsinn ganz andere Aufgaben, die Politik kann Handlungsaktivität vorweisen, zu der sie von durchgenallten NGO´s getrieben wurde, die Studienabgänger von Prof. Taube finden sofort einen Job, Softwarehersteller und Landhandel wittern neue Geschäftsfelder, staatliche Institutionen erweitern ihre Daseinsberchtigung und stocken Personal auf (das in anderen Bereichen viel sinnvoller eingesetzt werden könnte) usw. Man kann sich nur noch wundern …

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    • Dieser Tage war in der F.A.Z. eine Aufstellung der 10 glücklichsten Länder. Platz 1 belegte Norwegen. Abgesehen von NL und Dänemark waren es fast lauter Länder mit relativ geringer Bevölkerungsdichte: Finnland, Australien, Kanada, Neuseeland, Schweden.

      Je dichter bevölkert, desto weniger Raum bleibt dem Einzelnen, um sich frei zu entfalten. Je mehr Menschen sich einen Raum teilen, desto mehr muss der Einzelne sich zurücknehmen und desto mehr muss das Zusammenleben reglementiert und kontrolliert werden. Ebenso natürlich der Impact auf die Umwelt.

      Irgendwie schon logisch, dass sich bei gleichbleibender Fläche 7.500 Millionen Menschen mehr einschränken und an die Kandare nehmen lassen müssen als 75 Millionen. Insofern sind wahrscheinlich alle Bestrebungen in Richtung Eigenverantwortung und Selbständigkeit sowieso hinfällig. Das ist ein Punkt, dem ich in meinen Überlegungen bislang zu wenig Beachtung geschenkt habe.

      Ich wünsche mir eigentlich den eigenverantwortlichen Bürger, der selbst entscheidet, wie er sein Leben gestaltet und wie er die gewählte Aufgabe am besten erfüllt. Ich frage mich jedoch gerade, ob das bei ständig wachsender Weltbevölkerung überhaupt möglich ist. Man kann vom eigenverantwortlichen Bürger verlangen, dass er auf die 100 oder vielleicht 1000 Leute in seiner unmittelbaren Umgebung Rücksicht nimmt, aber man kann von ihm nicht erwarten, dass er auf 7.500 Millionen Mitmenschen Rücksicht nimmt und sich entsprechend einschränkt.

      Wenn der Reglementierungswahn die Folge von zu dichtem Aufeinanderleben ist, gibt es wohl keinen Ausweg daraus. Im Gegenteil. Vielleicht stehen wir da sogar erst am Anfang.

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      • bauerhans sagt

        „Ich wünsche mir eigentlich den eigenverantwortlichen Bürger…“

        davon gibts nicht viele,die meisten leben nach vorgaben:
        das smartphone weckt sie,dann stolpern sie zur arbeit,nebenbei an der tanke nen frühstück für 6€ (ein brötchen und ein kaffee) und machen ihren job,aber bloß nichts neues,dann wieder nachhaus,im discounter schnellessen einkaufen,mikrowelle anwerfen und dann netflix einschalten.
        nebenbei noch was gegen irgendwas in foren schreiben,weil eben per app was übermittelt wurde.
        wochenendtripp und urlaub sind wichtig,aber billig muss es sein,für 9,90 nach rom
        und dann geht die fluggesellschaft pleite……….
        (ohne gewähr)

        3+
      • Kaffee auf sagt

        Dann bedenken Sie bitte auch noch die gewollte zunehmende Bürgerbeteiligung, Mitspracherechte, ehrenamtliche Tätigkeit, citizen science, Ausbau direkter Demokratie etc. pp. Und berücksichtigen Sie dabei gleichwohl die vermutlich nicht zu leugnende zunehmende Überforderung des menschlichen Denkapparates durch die Reizüberflutung der Digitalisierung. Gepaart aber wiederum mit einer möglicherweise latenten, partiellen Selbstüberschätzung dank Suchmaschinen Nutzung. Neben einer beruflichen Tätigkeit, versteht sich. Wenn Sie das logisch zusammen kriegen sind Sie gut.

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      • Es gibt Regionen, die wesentlich dichter besiedelt sind als Deutschland und trotzdem wesentlich weniger reglementiert sind. Ich glaube eher, dass wir in hohem Maße „over educatet“sind, Diese (Pseudo-)Intelektuellen suchen sich Betätigungsfelder, da bietet sich der Regelmentierungs- und Bürokratiewahn geradezu an, zumal dieser dann auch noch der ausufernden Juristerei nahezu unerschöpfliche „Aufträge“ zuschanzt.

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      • Der Zug in Richtung Vermassung rollt ja schon seit über hundert Jahren, parallel zur Bevölkerungsentwicklung haben sich auch die Mittel der Massenspychologie weiterentwickelt. Letzte Reste von Individualität finden sich noch auf dem Land und in Strukturen, wo jeder jeden kennt. In solchen Strukturen konnte Führung noch auf gegenseitigem Vertrauen und Loyalität beruhen, in der Masse setzen sich die Schauspieler und Verführer durch, oder die Hampelmänner, wie an den Schalthebeln von Politik und Wirtschaft.

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  5. Landwirtschaftsmeister Hans Nauert sagt

    Alle Bauern sollten für die Arbeitsstunde die sie für diesen übertriebenen Bürokratismus einsetzen, dem Finanzminister eine Rechnung schicken. Denn die Politiker lassen sich doch auch jeden Federstrich sehr gut bezahlen.

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  6. Mausschubser sagt

    Was passiert eigentlich mit dem Bauern, der in sieben Jahren kontrolliert wird und dem die Behörde Fehler in der Bilanz von vor Jahren nachweist? Wie wird das kontrolliert? Kann das kontrolliert werden oder ist das nur eine Fleißaufgabe.

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    • bauerhans sagt

      der wird sanktioniert und kann sich dann vorm verwaltungsgericht wehren.
      passiert hier gerade auf einem betrieb,der seit 6 jahren wiederholt aufgefallen war.
      die tierhaltung,um die es geht,gibts gar nicht mehr.

      1+
    • Was wird überhaupt mit den gesammelten Daten für die Stoffstrombilanz gemacht, sind die für irgendetwas nütze? Zieht man irgendwelche Lehren daraus?

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      • bauerhans sagt

        dasselbe wie mit der erzeugererklärung am schlachthof,nämlich abgeheftet.
        neulich hatte ich mal ärger,weil ich TIERWOHL ja/nein nicht angekreuzt hatte.

        1+

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