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Vorstellung und die Realität

Ziegenkäse ist beliebt. Der Verbraucher stellt sich oft eine kleinbäuerlicher Haltung vor. Aber die Realität ist eine Andere…

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66 Kommentare

  1. Ist eine Abschaffung dieser Massentierhaltung nicht möglich, falls Sie Markt umfassend ist? Ziegenmilch, Ziegenkäse, usw. würden dann halt teurer werden. Für die Bauern wäre dies zwar eine Umstellung, aber wäre diese nicht möglich.

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  2. Tja, leider ist es hier so das es fast keine Klein Bauern mehr gibt, Also sehe ich zu das ich von den Hutterites kaufe, das meiste auf dem Markt kommt hier von der „Holden Colony“. Diese beliefern meistens Geflügel und Gemüse.Ansonsten kaufe ich das Fleisch vom einen Holländischen Laden, beim Deutschen Metzger in Bruderheim, (60 km) entfernt, oder auch beim Italiener oder Bio Laden. Zwar sind die alle teurer, aber wenigstens bekommen die das Fleisch von kleineren Bauern. Und deren Obst, Gemüse und Fleisch ist noch nicht so extrem belasted durch GMOs, obwohl ich weiß das dort auch die Saat oft aus solchen Ressourcen stammen und die meisten Roundup benutzen. Auch die Tiere sind nicht so voll gepumpt mit Antibiotika und Hormonen und werden wenigstens noch einigermaßen artgerecht gehalten. Alle meiner Freunde und Bekannten schütteln oft den Kopf über mich weil ich mir solche Umstände mache um nur dort zu kaufen. Und kaufen freudig weiterhin ihr Fleisch und Gemüse bei Walmart oder Superstore. Kann ich nicht, dann lebe ich lieber von Schokolade und Keksen. Aber es ist wirklich sehr umständlich und teuer hier noch was einigermaßen anständiges zu ergattern, und achtet man dann noch auf die Art der Tierhaltung wird es noch schwieriger. Da kann ich die Menschen verstehen welche keine Zeit haben sich noch darum kümmern zu müssen. Nur- am Ende sind es nicht nur die Tiere welche darunter leiden müssen, sonder auch sie selber da durch derartige Machenschaften auch die Qualität der Nahrung darunter leidet.

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  3. Friedrich sagt

    @Oliver Sassenberg. Ihre Vorstellungen hatten wir einmal in den 1970er Jahren. Da sagten uns die lieben Mitmenschen , daß wir aber mal zack, zack moderner werden müßten. Diese Rückständigkeit müßte aufhören. Die Fachschullehrer und Dozenten wurden voll auf Wachstum getrimmt , um es den Schülern und Studenten weiter zugeben. Das ist ja dann in den nachfolgenden Jahrzehnten auch passiert. Mit dem Ergebnis , daß der Bauer nur noch heute 10% und früher 25% vom Produktpreis den der Verbraucher bezahlt erhält. Dafür wurden die LEH – Leute MRDe und die Bauern haben in der Überzahl die Höfe aufgegeben.
    Beim Verbraucher stehen heute dafür Urlaub , Auto und Freizeit hoch im Kurs. Vergangene Zeiten kommen auch nicht wieder. Verbraucher wie sie es sind gibt es heute auch fast nicht mehr. Die Bauern in den Dörfern sind doch heute auch schon fast Exoten.
    Interesse an der Landwirtschaft haben , wenn nur noch die Älteren Mitbürger. Dafür wissen die Jüngeren es immer besser , wie man Landwirtschaft betreibt und welche Fehler gemacht werden.

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  4. Ich glaube fast, wenn das da auf dem Karussell Menschen statt Ziegen wären, würden eine Menge Menschen sagen: „Ey, cool, was’n das für’n geiles Event? Wo gibt’s da die Eintrittskarte?“
    Und dann würden alle Schlange stehen. Wenn ich das richtig gesehen habe, machen die Ziegen das übrigens auch.

    Ist es nicht widersinnig? Als Menschen suchen wir ständig die Masse. Je mehr ins Fussballstadion drängen, desto besser.
    Je mehr Menschen in eine Stadt reingequetscht werden, desto besser. Hongkong, Shanghai, New York. Wow!
    Je mehr Menschen sich auf derselben Einkaufsstraße drängeln, desto größeren Ruhm, desto teurer die Preise. Wir Menschen sind verrückt nach Massenmenschhaltung.
    Je enger, desto besser.
    Wir Menschen wollen das!

    Einsame Waldspaziergänge? Haha. Wer macht denn so was bis auf ein paar Verrückte? Nein, wir gehen sogar in Gruppen einsam wandern.
    Besser noch: Wir machen einen Massenmarathon. Zehntausend zur selben Zeit. Wow!

    In Tokyo gibt es Wohnungen, die sind grad mal bessere Särge. Stört doch offensichtlich niemand. Schon mal ein Menschengedränge in Indien oder Nepal erlebt? Da bleibt einem weder Raum noch Spucke.

    Während wir Menschen uns also geradezu lustvoll in der Masse suhlen, gehen wir auf die Barrikaden, wenn wir dasselbe bei Rindern, Schweinen und Ziegen sehen. Ist das nicht ein bisschen arg seltsam? Mal provokant gefragt: Warum sind wir felsenfest der Ansicht, dass für die Tiere eine Qual ist, was für sehr viele Menschen offensichtlich eine Lust ist?

    Und jetzt sagt nicht, das kann man nicht vergleichen. Denn dann frage ich knallhart zurück: Und warum nicht?

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    • Inga sagt

      Und warum nicht?

      Weil wir Menschen noch eine Wohnung haben, wo wir usn zurückziehen können.!
      Wir brauchen die Geborgenheit im Zuhause!

      Auch Tiere gehen, wenn sie in Gruppen leben mal in ihre Box zurück und ruhen sich aus.
      Schweine jedefalls.

      Vielleicht sind Ziegen extra Herdentiere, wie Kühe auch.
      Dann fühlen die sich in der Herde wohl!

      Solche Fragen muß man sich stellen, wenn man über Massentierhaltung urteilen will!
      Und nicht unbedingt mit dem Verhalten des Menschen vergleichen!

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      • bauerhans sagt

        „Schweine jedefalls.“

        schweine,die sich bis aufs blut ums futter kloppen,kuscheln sich in der ruhe/schlafphase eng aneinander.

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    • Inga sagt

      Habe ich mich auch gefragt, aber wer sagt denn, dass da niemand mit einem Eimerchen Wasser vorgelaufen ist und alles abgewaschen und vorgemolken hat.

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  5. Mein Ziegenkäse-„Lieferant“ (wobei Lieferant der falsche Terminus ist, da er nicht liefert, sondern ich selber abhole) hat derzeit rund 15 Ziegen. Allerdings habe ich auch ein anderes Verhältnis zu vielen Produkten: Vieles von dem, was bei uns zu den Mahlzeiten auf dem Tisch landet, hat seine „Geschichte“ und „Geschichten“, die ich kenne – und dir mir wichtig sind.

    Es sind die Gespräche mit den Bauern, der kleine Schwatz nebenbei. Ich kenne die Tiere, die Höfe und den Antrieb. Ich weiß, wo „meine“ Imker ihre Bienenstöcke stehen haben, kenne die Ziegen, die die Milch liefern. Im übrigen steht diesen rund 15 Ziegen eine rund 2ha große Weide zur Verfügung…

    Ich liebe die Quittenmarmelade von einer „meiner“ „Bauersfrauen“, warte jetzt schon wieder auf den frischen Rosen- oder Grünkohl vom Feld, ein anderer Bauer hat unfassbar leckeres Milcheis aus eigener Produktion.

    Und obwohl wir seit geraumer Zeit eigene Hühner haben, hole ich trotzdem noch gelegentlich Eier vom Hof – einfach, weil es sich eingebürgert hat, dass man – ausgenommen z.B. Erntezeit, noch kurz einen Kaffee zusammen trinkt und etwas klönt.

    Bin ich mal nicht da und kaufe bei „meinem“ Apfelbauern mal ein oder zweimal keine Äpfel auf dem Markt, kommt beim nächsten Besuch unter Garantie ein „wo warst Du?“. Und dann gibt es noch auf einem anderen Hof eine Hofmolkerei inkl. „Milchtankstelle“, aber auch eigenen Joghurt, Buttermilch, Quark und andere Dinge.

    Ich denke: Gerade bei dem, was uns am Leben erhält, ist das wesentliche verloren gegangen. Das Angebot aus industrieller Produktion ist groß, billig und immer verfügbar. Schnell mal mit dem Auto vorgefahren, Einkaufswagen voll und Plastikkarte ins Lesegerät geschoben. Einheitsgeschmack mit großem Werbedruck, haltbar gemacht und für „Geschmack“ sorgen zugesetzte Aromen, „pappiges“ wird einfach mit Zucker überdeckt.

    Übrigens: Auch hier wieder meine Kritik an der Kritik am „Verbraucher“, denn das, was uns von Plakatwänden, Werbespotts und sonstigen Formen der Werbung entgegen und anspringt, ist nichts anderes, als Indoktrination und Ablenkung. Da geht es dann auch nicht mehr um Individualität, Charakter und eigene „Geschichte“, die man bei einem anderen Einkaufsverhalten quasi als „Beigabe“ erhält – sondern nur noch um Masse und am Ende: Geld.

    Frage: Wer wundert sich dann noch, wenn viele den Bezug zur Landwirtschaft verlieren? Unsere Esstische sind von Marken, Verpackungen, Labels und Konzernen dominiert. Nicht von Landwirten. Nicht von Individualität oder eigenem Charakter.

    Leider ist eine sehr beunruhigende Tendenz zu beobachten: Mehr und mehr Landwirte schimpfen auf den Verbraucher, der „unverschämte“ Forderungen stellt: Mehr ökologisches Handeln, mehr Tierwohl. Und genau hier ist in vielen Fällen die einzig verbliebene Schnittstelle zwischen Verbrauchern und Landwirten: Der Disput, gegenseitige Beschimpfungen und verhärtete Fronten. In unserer Konsumwelt, zwischen allen bunten Labels/Marken/ idyllischen und oft nicht der Realität entsprechenden Werbebildchen ist der direkte Bezug verloren gegangen: Der zwischen Verbraucher und Erzeuger, denn der verschwindet völlig aus dem Sichtfeld.

    Nur, was dominiert dieses Sichtfeld, was rückt in den Fokus? Kühe namens „Paula“. Grenzdebil grinsende „Köche“, die in einem kleinen Holzbottich fröhlich mit Blick auf grüne Wiesen im Frischkäse rühren. Anonymität, überdeckt mit falscher Realität. Der Landwirt, der überhaupt anbaut, erzeugt, liefert steht nicht im Fokus. Und daher sind auch die Produkte austauschbar. Selbst der Landwirt ist austauschbar, denn: Man kennt ihn nicht.

    Und das ist doch das eigentliche Problem. Mit meiner Milch im Kühlschrank, meinen Kartoffeln auf dem Teller, meinen Eiern und meinem Ziegenkäse verbinde ich etwas anderes. Es ist nicht „nur“ der Geschmack. Es sind Eindrücke. Die Ziegen, der Hof des Kartoffelnbauerns (einer hat übrigens einen „Bücherschrank“, aus dem man mitnehmen – kostenlos – und auch hineinstellen kann. Finde ich total klasse!), die Kälber des Milchbauern mit eigener Hofmolkerei.

    Und: „Keine Zeit“ ist kein Argument. Denn dann macht man irgendetwas falsch. Kaum etwas ist mir (persönlich) wichtiger, als die paar Minuten auf dem jeweiligen Hof – oder auch die paar mehr, wenn man sich noch unterhält. Und genau das nehme ich auch mit – was die Produkte ausmacht, die ich konsumiere. Die Menschen, die Tiere, die Höfe, die Geschichte und Geschichten. Und unter den Aspekt betrachtet ist keines dieser Lebensmittel „teuer“, denn das gesamte Paket ist wertvoll.

    Und das ist genau das, warum ich industriell wirtschaftende Großbetriebe nicht mag. Es gibt dort keinen Bezug, sie sind anonym. Sie haben keine Zeit für Verbraucher, wollen es auch gar nicht – aber schimpfen auf ihn. Hausgemachte Probleme – und sie werden zunehmen.

    Realität und Bezug zum Erzeuger und dessen individuellen Produkten mit eigenem Charakter, eigener Geschichte wurden ersetzt. An ihrer Stelle füllen Werbe- und PR-Agenturen gegen teures Geld die fiktive „Geschichte“ der Produkte, die – wie oben erwähnt, lediglich nur noch anonyme Konsumprodukte für die möglichst breite Masse darstellen und die Erzeuger der Rohstoffe austauschbar und somit erpressbar sind. Ein paar bunte Bildchen drauf, ein Label hier, eines da und ein gut klingender Markenname, der irgendwo im schicken und teuren Design-Loft einer noch schickeren und teureren Werbeagentur in Frankfurt, Düsseldorf oder der HafenCity entwickelt wurden. Von Marketingprofis, die zwar Geländewagen fahren – aber das Gelände nicht mal kennen. Geschweige denn ihre Designerschuhe aus einen Hof setzen würden, damit sie nicht dreckig werden. Auch sie kennen den Bauern nicht. Sie kennen nur ihre Auftraggeber der Konzerne, die ihnen vorgeben, welches Bild welche „Marke“ transportieren soll.

    Und am Ende des Tages sagt der Sprecher der Tagesschau: „Und nun zur Börse. Der DAX ist wieder auf Rekordjagd!“

    Das ist alles, was zählt. So leid es mir tut – aber der Traum ist ausgeträumt, der Kampf gekämpft. Der Verbraucher zählt so wenig, wie der Erzeuger. Konsum ist, was zählt. Und wenn viel konsumiert wird, muss mehr konsumiert werden. Man braucht Wachstum. Unendliches Wachstum. Und das geht zu Lasten der Bauern und der Verbraucher. Wo es Gewinner gibt, muss es Verlierer geben. Und was machen (leider) viele Landwirte? Sie schimpfen auf den Verbraucher und stellen sich schützend vor die, die am Ende das große Geld machen wollen. Die, die mit Gewalt GVO durchdrücken wollen und noch mehr Pestizide verkaufen wollen. 66 Milliarden Übernahme-Angebot. Wow. Und wer muss das bringen? Die Landwirte. Und deshalb braucht man Akzeptanz beim Verbraucher. Kritisiert man das, wird es als „Angst vor GVO“ abgetan. Vor dem, was wirklich passiert, verschließt man die Augen.

    Höfesterben? Gewollt. Denn nur, wenn Höfe kaputt gehen, können Großerzeuger Land hinzugewinnen. Investoren Kapital daraus schlagen. Agrarland ist mittlerweile nichts anderes mehr, als Spekulationsobjekt. Gut für die Rendite. Und wie kommt man an das Land? Wenn kleinere Betriebe kaputt gehen. Dann werden Schläge zusammen gelegt, noch mehr produziert – und an die Industrie geliefert. Hofläden? Märkte? Direkter Bezug zum Verbraucher? Pah. Romantisches Geschwafel. Keine Lust, keine Zeit, zuviel Arbeit. Wir sind längst in einer katastrophalen Spirale gefangen – da bingen auch Gegenseitige „Schuldzuweisungen“ nichts. Zumindest nicht, wenn man am eigentlichen Kern um Welten vorbei diskutiert.

    Sorry für den langen Text – aber das musste jetzt mal raus.

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    • Hallo Herr Sassenburg,
      Sie haben eine tolle Einstellung zu ihren Lebensmitteln.
      Ich frage mich nur, wie sie deren idyllische Beschaffung noch mit einem stressigen Job vereinbaren können.
      Trotzdem: Machen Sie weiter so!

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    • Mit etwas Planung. Viele „meiner“ Landwirte haben auch an Wochenenden die Möglichkeit, dort einzukaufen. Für meine Tochter ist es zudem auch ein anderes „Einkaufserlebnis“, wenn sie auf dem Hof die Eier selber in die Schachtel packt oder gar kurz bei den Hühnern vorbei schaut oder mit „Elli“, dem betagten Hofhund spielen kann. Spart mir zudem die Diskussion bei den „Quengelwaren“ an der Kasse oder gar dem bunten China-Plastik-Spielzeug Überangebot.

      Ich empfinde für mich, rein subjektiv, dieses erst als Lebenswert. Supermarkt oder gar Discounter haben für mich nichts mit „Leben“ zu tun, sondern nur mit Abfertigung. Leben ist für mich eben auch, was bei mir auf dem Tisch, dem Teller und dem Topf landet.

      Und, wie gesagt: Ein wertvolles Produkt ist für mich mehr, als „nur“ das Produkt. Es ist eben die Geschichte darum – und das ist auch oft Gesprächsthema, wenn wir Gäste zum Essen haben. Da geht es dann nicht um: „Gekauft beim Supermarkt für 1,99“, sondern „Gekauft beim Bauer XYZ, schöner Hof und netter Typ. Hat ’nen kleinen Hund, auch die Umgebung sehr schön – kann man mal spazieren gehen. Die Tiere stehen da und da, der Hof in soundsovielter Generation bewirtschaftet, ausserdem bekommt man da auch noch XYZ“. Grob gesagt, aber Sie wissen schon, was ich damit sagen will.

      Ich stimme Ihnen zu – viele haben „keine Zeit“ mehr, weil der Job sie fordert. Hinterfragen das aber nicht, sondern „funktionieren“. Aber ist das „Leben“? Ich denke nicht. Es ist vielleicht das, was viele mittlerweile als „Leben“ verstehen. Aber für mich gehört auch „Er-leben“ dazu. Sich auch mal Zeit zu nehmen. Auch der Kontakt mit „meinen“ Bauern ist ein wichtiger sozialer Kontakt, den ich nicht missen möchte. Es macht einfach Spaß. Übrigens auch Kulturell – denn genau das ist ja auch Kultur. Regionale, mit ihren Eigenarten und Besonderheiten.

      Und wer vor lauter Arbeit keine Zeit mehr für das eigentlich wesentliche findet, sollte mal darüber nachdenken. Landwirtschaft ernährt uns. Und was ist, neben Wasser, wichtiger als Nahrung? Und ich finde: Auch besagte Kultur ist Nahrung, wenn auch geistige. Und wenn man sich derartiges bewusst macht, ist die Nahrung auf dem Teller auch eben Nahrung für den Geist. Bewusstsein und Identität schaffend.

      Übrigens ja nichts anderes, als was Werbung macht: Sie versucht auch „Identität“ zu schaffen: Über Markenbildung, Logos und Image. Nur ist genau das eben keine echte Identität, wenn man sich darüber definiert. Es ist eine fiktive, entwickelte und im „Pitch“ vergebene Auftragsentwicklung einer „Identität“. Nichts echtes. Und deshalb dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Bezüge verloren gehen.

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    • Übrigens würde ich nicht so weit gehen, es als „Idylle“ zu bezeichnen. Immerhin bin ich ja bei den Erzeugern vor Ort und kenne die Umstände. Eine „Idylle“, also eine Verklärung, ist eher das, was uns das teuer bezahlte Packaging Design und die dazu gehörigen Kampagnen vermitteln sollen. An deren Ende eben nicht der Erzeuger profitiert, sondern eben andere.

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    • Ach, sorry wenn ich noch etwas nachschiebe. Ich brachte in einer anderen Antwort mal das Beispiel „Bratkartoffeln aus dem Supermarkt“.

      Kaufe ich diese Kartoffeln, kenne ich den Erzeuger nicht. Daher ist er mir dann auch egal. Kann oder will der Erzeuger nicht liefern oder den Preis akzeptieren, wird er ausgetauscht – und ich als Verbraucher bekomme das nicht mal mit. Ich kenne den Hof nicht, nicht den Landwirt, nicht mal die Region oder ähnliches. Ich weiß auch nicht, was der Landwirt für seine Kartoffeln bekommt – aber auch das ist mir egal. Ich bezahle ja schließlich nicht wenig Geld: Wie im Beispiel beschrieben rund 4,-EUR/kg.

      Bei mir persönlich läuft es eben anders. Ich weiß, was „mein“ Bauer für die Kartoffeln bekommt. Ich bezahle es ihm ja. Direkt. Und ich weiß auch, wie die Ernte war. Und manchmal auch, welche Probleme es gab. Sagt er dann: Tut mir leid, aber ich muss den Preis erhöhen – was soll ich sagen? Das ist absolut okay. Da ich immer gleich 25kg Kartoffeln kaufe, zahle ich derzeit 1,60 EUR / kg. Das ist immer noch weit entfernt zum Supermarkt-Preis – obwohl ich oben beschriebenen Mehrwert erhalte.

      Setze ich das mal in den Vergleich: Ein Landwirt, der ausschließlich an die Industrie liefert und, sagen wir mal 0,01 EUR/kg erhält (Die Summe, die Bauer Willi in seinem Brief an den Verbraucher erwähnte) muss dieser Bauer – ganz grob gerechnet 160x mehr anbauen und liefern, als mein Bauer, um auf dieselbe Summe zu kommen. Dafür braucht es mehr Fläche, mehr Zeit, mehr Arbeitsaufwand. Ergo deutlich höhere Kosten bei ungleich geringeren Ertrag.

      Sagt man da jetzt, diesem Beispiel folgend: „Lieber Verbraucher, zahl mehr!“ Sagt dieser: „What? Ich zahle schon knapp 4,- EUR/kg! Wie viel mehr soll ich denn noch zahlen?“ Dann sagt der Landwirt: „Ja, aber ich bekomme gerade mal einen Cent pro Kilo!“ Woraufhin der Verbraucher dann sagen wird: „Was kann ich denn dafür? Ich zahle schon 4,- Euro! Verkauf sie doch teurer!“ und der Landwirt erwiedert: „Dann nimmt man mir die Kartoffeln aber nicht mehr ab!“.

      Und genau hier sind wir wieder beim eigentlichen Problem. Der faire Gewinn und der Profit sind ja nicht weg – den machen nur andere. Im Grunde kann man durchaus von Ausbeutung sprechen. Wie Bauer Willi schrieb: LEH und Industrie wurden schon öfters thematisiert – hatte ich allerdings so bewusst nicht mitbekommen. Wohl einfach zu selten. Obwohl ja genau das das Geld versickert und eben nicht beim Erzeuger ankommt.

      Aber, es ändert nichts. Je größer ein Betrieb, um so mehr muss er liefern. Um so höher meist die Belastungen. Ich denke: Die deutsche Landwirtschaft wächst sich kaputt – und am Ende bleiben nur noch wenige übrig – bis hin zum Fast-Monopol. Aber je größer, um so größer auch die Abhängigkeit von Industrie und LEH. Vom Preisdiktat und dem Zwang, immer mehr zu liefern, bei gleichbleibend niedrigen oder noch niedrigeren Preisen. Klar, dass man da auf die „Segnungen“ der Agrochemi- und/oder Saatgutkonzerne setzt in der Hoffnung darauf, diesem Mechanismus weiter Futter geben zu können. Dieses mittlerweile pervertierte System weiter zu füttern.

      Aber, wie gesagt: Der einzelne Landwirt bleibt dadurch auf der Strecke, er verschwindet aus dem Fokus, wird anonym und austauschbar. Nur denke ich: So lange dieses System unterstützt wird, so lange dieses Spiel mitgespielt und lediglich auf die Kritiker dieses Irrsinns geschimpft wird – so lange wird sich nichts ändern, die Spirale sich schnelle drehen und irgendwann, zwangsläufig, kollabieren. Aber dann ist der Zug längst abgefahren. Was dann noch prägt, ist nicht das Gesicht des Bauerns, der Hof oder irgendeine Form von identitätsstiftender, regionaler Kultur – sondern Schauspieler, die als Köche verkleidet besagt grenzdebil grinsend in einem kleinen Holzbottich rühren, um zur besten Sende- und teuersten Werbezeit Frischkäse im Fernsehen verkaufen. Mit einer fiktiven Realität und eben „Idylle“, die es so eben tatsächlich nicht gibt, sondern der Fantasie von gut bezahlten Werbeagenturen entsprungen sind.

      Meine Realität ist da eben eine andere. Sie ist nicht fiktiv, sondern real. Ich kenne meinen Frischkäse-Lieferanten persönlich. Weiß, wie der Hof „riecht“, wie die Tiere aussehen, kenne die Hofmolkerei. Meinen Frischkäse kaufe ich in schmucklosen Bechern, die ich selber mitbringe. Ohne überflüssige und teure Werbezeit, ohne gestellte, mit Photoshop bearbeitete Fotos. Warum auch? Ich muss keine Kuh auf einem Foto sehen. Wenn ich sie sehen will, gehe ich zur Weide oder zum Stall. Und das ist eben mehr Wert, als jedes Werbebildchen.

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  6. Sophus sagt

    Hinter all dem Preisdumping von veredelten Agrarprodukten, steckt doch der gnadenlose Wettbewerb des Lebensmitteleinzelhandels auf der einen Seite und der Konkurrenzkampf der Landwirtschaft auf der anderen Seite! Gehen wir nach Skandinavien/Schweden z.b. dort gibt es meines Wissens nur 2 Einzelhändler im Lebensmittelbereich und die Preise für den Verbraucher sind hoch, aber die höheren Verkaufspreise werden bestimmt nicht an den Produzenten weitergegeben?! Die Verhandlungsposition der Landwirtschaft gegenüber dem Verarbeiter/Aufkäufer etc. muss/müsste sich ändern, ansonsten wird weiter Geld verbrannt!

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    • bauerhans sagt

      „Die Verhandlungsposition der Landwirtschaft gegenüber dem Verarbeiter/Aufkäufer etc. muss/müsste sich ändern“

      wie denn,wenn bauern nichtmal untereinander kostensenkende zusammenarbeit durchhalten.

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  7. Auch bei den Ziegen muss nunmal eine gewisse Menge vorhanden sein um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Ziegen sind sehr unkompliziert zu halten, geben aber auch nur ein paar liter Milch. Z.b.kann eine Person über 200 tiere pro Stunde melken. Und da müssen keine Tiere zum melken geholt werden, sie bekommen Lockfutter und alle gehen von alleine. Wenn ich von 200 Ziegen leben könnte würde ich das sofort machen, dann gäbe es kaum leichter verdientes Geld.

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  8. Das ist der größte Ziegenhalter in den Niederlanden, vielleicht auch in Europa. Echt ein Top Betrieb (kenne ich persönlich und war auch schon dort). Würde man Bilder aus dem eigentlichen Stall zeigen würde jeder sagen so stelle ich mir Tierhaltung vor. Da fällt auch nicht einmal auf das dort ein paar Tausend Tiere gehalten werden.

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  9. Wenn jemand das nun Agrarfabrik nennt dann hat er sicher Recht. Aber sagt das irgendetwas über die Haltungsbedingungen und das Leben der Ziegen aus? Der nächste Schritt ist das vollautomatische Ansetzen. Beim billigen Handy ist das normal und jeder freut sich. Beim billigen Ziegenkäse sollen dann Menschen für Hungerlöhne rund um die Uhr arbeiten? Handys rollen in gleicher Geschwindigkeit vom Band und kosten hunderte pro Stück. Und Ziegenmilch? Da kommt ja noch nicht einmal Käse aus der Anlage. Der Herstellungsprozess kommt ja noch hinterher. Und dann für ein paar Euro das Ganze. Wenn hier etwas krank ist dann der Verbraucher.

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    • Gephard sagt

      Ich glaube du hast ebenso eine idealisierte Vorstellung von der Handyproduktion, wie viele Verbraucher von der Ziegenhaltung. Maschinen kommen ich China nur dort zum Einsatz wo es nötig ist oder Geld spart. Meist sind dort aber die Menschen günstiger, die zu unwirtlichen Bedingungen für einen Hungerlohn schuften müssen ohne soziale Absicherung und meist herausgerissen aus ihrem sozialen Gefüge, weil sie nahe der Produktionshallen hausen müssen. Und weil sich die Verhältnisse langsam verbessern, besonders auch durch die vielen kritischen Berichte, suchen sich einige Unternehmen halt die billigen Wegwerfarbeiter in einem anderen Land, wie etwas die Textilindustrie in Afrika.

      Und die Schuld dem Verbraucher in die Schuhe zu schieben, ist zu kurz gegriffen. Die Verbraucher werden gezielt getäuscht, direkt über die Werbung und Herstellerinfos oder indirekt durch geschmierte Studien. Diese mutwillige Täuschen kann man nicht dem Verbraucher nicht anlasten, allenfalls dass er sie glaubt. Damit bekommt man aber letztlich einen Verbraucher, der niemanden mehr traut und dem es dann möglicherweise egal ist, wenn er das Gefühl hat, alle agieren so und er könne nichts mehr machen.

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    • Gephard sagt

      Fändest du es auch klasse, wenn du so leben müsstest? Wenn jemand über deinen Kopf hinweg entscheidet, du bist minderwertiges Leben, über das man bestimmen kann wie man will?

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    • Warum „daneben“? Die Ziegen werden doch nur gerade gemolken und sehen sehr entspannt dabei aus, finde ich. Und die Anzahl der Tiere sagt ja nicht aus, daß die Haltung schlecht ist…

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      • Gephard sagt

        Haben Sie eine Wahl? Sind sie freiwillig auf dem Hof? Dürften sie ihn verlassen? Ich empfinde es als vermessen, die Haltung unter dem Deckmantel des freien Willens als ideal zu empfinden. Die Tiere werden ausgebeutet und zusammengepfercht gehalten, so wie sie es in der freien Wildbahn nicht freiwillig tun würden. Steht doch dazu, dass das der Preis ist, um seinen täglichen Käse zu bekommen. Man kann ja über das Für und Wider der Tierhaltung diskutieren, aber die Befürworter sollten den Kritikern nicht weismachen wollen, dass das toll ist oder die Tiere es so wollen. Sie sollten selbstbewusst zu dem stehen, was sie tun: Lebewesen zu benutzen, um Lebensmittel zu produzieren und selbst davon leben zu können. Das ist ihr Job.

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        • bauerhans sagt

          „Die Tiere werden ausgebeutet und zusammengepfercht gehalten“

          wenn wir sie so laufen liessen wie in indien oder afrika,würden wir auch so leben wie in indien oder afrika.

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          • Inga sagt

            Ja,
            die Massentierhaltung im Stall entspricht der Anzahl der Menschendichte in der Stadt und den Kaufhallen, Discountern und Supermärkten!

            Nur die Masschentierhaltung muß spezifisch auf die Tierart abgestellt sein.
            Und das wissen nur Wissenschaflter oder Landwirte, bzw. Bauern!

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      • bauerhans sagt

        die bekommen „lockfutter“, wohlschmeckendes kraftfutter,weshalb sie da „freiwillig“ rein gehen.

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        • Inga sagt

          Ist Kraftfutter für die wohlschmeckend?

          Kann sein.

          Das Kraftfutter ist im Besonderen dafür da, dass die Kraft, die dem Tier genommen wird, indem man die Milch abpumpt, wieder gegeben wird.

          Wie dem Boden der Dünger!

          So etwas nennt man Intensivbewirtschaftung, denke ich!
          Intensivbewirtschaftung, damit man kostengünstig Rohstoffe für usnere billigen Nahrungsmittel in kürzester Zeit erzielt.

          Natürlich wird deswegen der Boden ausgesaugt und das Tier ausgenützt!

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    • Inga sagt

      Es muß ja jedem zugänglich gemacht werden!

      Deswegen doch die Massentierhaltung, oder?

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      • AdT sagt

        Nein, weder Nahrungs- noch Genussmittel müssen jedem zugänglich gemacht werden, die Versorgung regelt allein der Markt (jedoch verzerrt durch Subventionen). Das Betriebswachstum ist allein dem wirtschaftlichen Interesse des Inhabers bzw. der Gesellschafter des Unternehmens geschuldet. Je größer der Betrieb, desto größer die Stückgewinne (Gewinn je Menge Fleisch oder Milch), weil sich Kosten für Gebäude, Maschinen und Verwaltung auf mehr Tiere bzw. Kilogramm Fleisch und Milch verteilen.

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        • Inga sagt

          Ja, logisch!

          Natürlich müssen die Nahrungs- und Genussmittel jeden zugänglich gemacht werden, sonst wäre es ja

          echt unsozial!

          Der Staat sorgt schon für soziale Gerechtigkeit.

          Wie willst du es anders machen?
          Dein Betrieb oder Unternehmen wirtschaftet auch wirtschaftlich, auch im Interesse des Inhabers na ja und dem Aktionär.
          Entschuldigung, ich dachte wir wären hier alle per „Du“ hier!

          Und es ist überall so, dass Massenherstellung am Band herrscht und so sind die Stückgewinne am größten und der Inhaber kann sie darüber freuen, wenn der Mitarbeiter deswegen keine Lohnerhöhung bekommt.

          Aber im landwirtschaftlichen Betrieb ist das etwas anderes.
          Und die Subventionen bekommt er nur, damit er die teuren Maschinen auch Gebäude kaufen kann, denn der Anschaffungs- und Reparaturpreis steht nicht im Verhältnis zu den Erlösen!

          Das mit der Milch ist doch ein schönes Beispiel!

          Weil ja alle landw. Erzeugnisse billig auf den Markt kommen sollen.

          Warum ist der Nahrungsmittelmarkt verzerrt durch Subventionen?
          Ja, wenn die Nahrungsmittel teurer wären, könnten sie sich nicht alle leisten!
          Dann gäbe es bei vielen nur Sonntags Fleisch auf den Tisch.

          Und viel Schnellimbisse gäbe es gar nicht!

          Wie viel Arbeitsplätze stehen dahinter?

          Aber nur die Bauern werden deswegen angepöbelt!
          Ist das richtig?

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