Bauer Willi
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Twitter, Scheinwelten und Traditionen…

Der nachfolgende Artikel ist ein Gemeinschaftswerk von Bauer Fritz (Oberösterreich), Alois (Allgäu) und mir (Rheinland). Also quasi ein grenzüberschreitendes Opus. Gut, Bayern ist kein Ausland…

Aber Achtung: er ist philosophisch, vielleicht auch etwas abgehoben, also nix für jeden. Und er ist lang, sehr lang. Und damit für Facebook eigentlich nicht geeignet. Es geht uns aber auch nicht um Klickraten, sondern um eine vernünftige Diskussion. Also wieder nix für Facebook, oder?

Gibt es eine Ausbildung, die so eine breite Zusammenschau von Naturwissenschaft und Technik, von Ökologie und Ökonomie, von Kultur und Politik ist wie die Landwirtschaft? Twitter hat seine Zeichenzahl auf 240 verdoppelt. Was für ein Fortschritt! Um die elementaren Zusammenhänge von Chemie, Physik, Mathematik, Ökonomie, Meteorologie, Bodenkunde und mindestens weiterer 30 Fachgebiete auch nur im Ansatz zu beschreiben reichen die 240 Zeichen wohl sicher nicht. Sie reichen anscheinend aber manch fernem Betrachtern aus, mir als Landwirt klar zu machen, was ich besser machen soll. Aber es sind nur Bruchstücke aus einer komplexen Welt, die aus einer allgemeinen Vergessenheit an naturwissenschaftlichem Verständnis und Zusammenhängen herrührt, das seine Auswüchse dann findet in Chemtrail-Anhängern oder Verschwörungstheorien.

Es gibt Berufsgruppen, denen die Abschätzung zwischen Risiko und Gefahr nicht der Kick beim Freizeitvergnügen sind, wo Differenzen bei Maßeinheiten zwischen Tonne und Mikrogramm nicht Größenordnungen ohne Relevanz sind, wo „faktenbasiert“ und „wahrscheinlich“ nicht das gleiche Paar Schuhe sind, wo Beobachtungen sich nicht als Studien daherschummeln können, weil sie sich solche Vergessenheiten oder Ignoranzen nicht leisten können. Statiker ist ein z.B. solcher Beruf.

Aber auch ein Bauer kann sich so eine Vergessenheit oder Ignoranz nicht leisten, weil er jeden Tag in der Natur, mit der Natur und auch teilweise gegen die Natur arbeitet – sie zeigt ihm alles, wenn er was vergessen oder ignoriert hat. Wenn nicht sofort, dann doch einige Tage später.

Heimatmuseum

Die überall anzutreffenden und gerne besuchten Bauernmuseen zeigen uns eine erhaltenswürdige Schönheit und Vielfalt an Kultur und Kulturgütern. Selten zeigen sie aber auch die Rohheit, die Brutalität, ja sogar die Grausamkeit und Willkür der “guten alten Zeit”, die man nur nachvollziehen kann, wenn man sie von Eltern und Großeltern, von Verwandten oder anderen Menschen gehört hat. Und die uns ein Bewusstsein dafür vermitteln, dass man solche Zustände nicht mehr haben will.

Tradition

Bauern werden oft als traditionell dargestellt. Aus gutem Grund. Bauern haben ihre ganz persönliche Geschichte, oft über hunderte von Jahren. Generationen vor ihm haben sich dem jeweils Neuen angepasst, um den Betrieb zu dem zu machen, wie er heute da steht und ihn für die Zukunft gerüstet an die nächste Generation weitergeben zu können. Sie haben Tradition nie als Bewahrung der Asche verstanden, sondern als Weitergeben des Feuers.

Scheinwelten

Wenn alles da ist, im Überfluss da ist, wer Mangel nie erlebt haben (was für ein unglaubliches Glück !!), kaum wirklichen Existenzängsten ausgesetzt ist (was für ein unglaubliches Glück !!) kann sich Scheinwelten aufbauen. Er/Sie kann davon träumen, dass alle „Pestizide“, aller „Kunstdünger“, Monokulturen und Grüne Gentechnik abgeschafft oder erst gar nicht erlaubt sind. Träumen darf man davon, jedoch bedeutet Träumen aber auch eine Abwesenheit von Realität. So wie im Schlaf.

Teile der Zivilgesellschaft sind dabei, ihre Scheinwelten aus Befindlichkeiten und Beliebigkeiten zur Grundlage einer Entwicklung zu machen, die eines Tages zu einem Erwachen führen könnte, das niemandem gefällt.

Erwachsener Realitätssinn versus Social Media Infantilität 

Es wird trotz – oder gerade wegen – immer mehr Mitsprachemöglichkeiten immer schwieriger „vernünftig und normal“ zu reden. Auch – aber nicht nur – über Landwirtschaft. Immer öfter gibt es nur Schwarz oder Weiß, immer seltener Fakten, immer öfter nur Emotionen oder Emotionalisierungen.

Es war etwa ein wesentliches Ziel der Aufklärung, daß mündige Bürger sich fortbildeten um sich dann in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Dass sie lernten, sich nicht von persönlichem Befinden, sondern von der Relevanz der Argumente leiten zu lassen.

Heute ist unübersehbar, daß öffentlicher Diskurs damit immer weniger zu tun hat und mit der Lebenswelt des normalen Menschen oft gar nichts mehr. Die Diskussionen verkommen zu Spielwiesen von öffentlichsgeilen (Schein-)Eliten oder pseudoprogressiven Selbstdarstellern. Viele scheinen es irgendwie zu spüren, können es aber oft nicht in Wort fassen. Am sichtbarsten wird dies immer öfter bei Wahlen, wo die Diskrepanz zwischen (Wunschergebnis-)Prognosen der „Eliten“ und den Endergebnissen der Wähler immer häufiger und immer deutlicher auseinanderklaffen.

Soziologen, Psychologen, Medienwissenschaftler beginnen sich darüber (endlich) zunehmend Gedanken zu machen, weil sie wohl auch sehen, daß Scheinwelten eben als Potemkinsche Dörfer ohne Fundament und Hintergrund empfunden werden. Die Bevormundung Erwachsener durch Political-Correctness samt unvermeidlicher moralisierender Sprachpolizei gehört ebenso dazu, wie die ständigen Politikerklärer in TV und Medien, die von sich meinen, sie müssten dem (damit zeitgleich als zu blöd gestempelten) Zusehern oder Lesern jeden Satz erklären und deuten, den sie gerade gehört oder gelesen haben. Unabdingbar sind heute auch die täglichen Medienhypes für Empfindlichkeitspolitiken und Luxus-Sorgen-Produktion, aufgekocht mit größtem Pathos für jeden kleinsten Humbug. Und auch der Alarmismus um die Angst der Woche darf nicht fehlen.

Als Bauern können wir uns keine Scheinwelten bauen und schon gar nicht darin leben. Es braucht wieder Realitätssinn und Sinn für das Mögliche statt verordnete Phantastereien. Es braucht einen vernünftigen und normalen Dialog. Als Bauern brauchen wir Realitäten und Stabilitäten – wirtschaftlich und politisch. Wenn man sich die Realitäten der Welt ansieht noch viel mehr. Damit es für die europäische Landwirtschaft nicht ein böses Erwachen gibt, womöglich eines in einem Albtraum.

Ein berühmtes Bild von Francisco de Goya (1746–1828) heißt „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Geht der Schlaf der Vernunft weiter oder gibt es ein rechtzeitiges Erwachen ?

Die Bauern Fritz, Alois und Willi

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31 Kommentare

  1. Ja, sicherlich kann man euer Anliegen kuerzer oder anders beschreiben. Aber dennoch ist es eine treffende Beschreibung des gesellschaftlichen Diskurses ueber unsere Landwirtschaft. Die Frage ist ob wir weiter kommen? Die Einstellungen der Akteure zur Tradition, sollten unbedingt auch in Richtung Innovation und Technisierung hinterfragt werden. Zentrale Frage bleibt: wird durch den Diskurs eine Rueckkehr zu einer Normalität in der Begutachtung dessen was Landwirte tun moeglich sein. Ich fuerchte nicht. Denn eine praktisch philosophische Erkenntnis ist, dass heutzutage kaum noch jemand nach seiner Herkunft, Bildung oder Umfeld in einer bestimmten Art reagiert oder sich ansprechen laesst. Und ob er vorgeschobene oder verdeckte Agenden erkennt und ihnen auf den Grund gehen will, oder nicht. Daher muss die Kommunikation ungleich vielschichtiger werden.

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  2. Den entrollten Lügenfahnen | Folgen alle …. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Welchen Fahnen folgt Ihr Bauern?

    Es tut mir leid, aber einiges von dem, was hier gesagt wird, treibt mich zum Widerspruch. Nicht die Behauptung, dass Ihr Bauern Zehnkämpfer Plus X seid. (Das sind übrigens andere Berufsgruppen auch.) Nicht die Feststellung, dass viele Menschen sich nicht die Mühe machen, die Komplexität der Welt zu verstehen, auch die der Landwirtschaft, und sich trotzdem vorschnelle Urteile bilden. Auch nichts gegen die Klage, dass zuviel Schwarz-Weiß im öffentlichen Diskurs erscheint. Und ich stimme zu, dass Ihr einen wichtigen „Job macht“. Aber ich fürchte, dass ihr euch hier mit eurer „Philosophie“ in einer selbstgestrickten Informationsblase befindet.

    Gerade habe ich auf meinem eigenen Blog von dem „Traum, dass alle „Pestizide“, aller „Kunstdünger“, Monokulturen und Grüne Gentechnik abgeschafft oder erst gar nicht erlaubt sind“ geschrieben. Dort steht die Passage: „Die Welt braucht einen Paradigmenwechsel in der landwirtschaftlichen Entwicklung: von einer ‚Grünen Revolution’ hin zu einem Ansatz ‚ökologischer Intensivierung’. Dies beinhaltet einen schnellen und bedeutenden Übergang von der konventionellen, von Monokulturen geprägten und stark auf externe Inputs angewiesenen industriellen Produktion hin zu einem Mosaik nachhaltiger, erneuerbarer Produktionssysteme, die auch die Produktivität von Kleinbauern erheblich verbessern.“

    Das stammt nicht von mir, auch nicht von den Grünen oder Linken oder Autonomen oder was auch immer. Auch nicht von einer hier immer wieder gegeißelten NGO, ich bin da auch nirgendwo Mitglied. Diese Sätze stehen im Weltagrarbericht 2008, der den Fahrplan, heute sagt man die Roadmap, für die weltweite landwirtschaftliche Entwicklung ist.

    Aus der EU gab es gegen die wissenschaftsübergreifende Mammutarbeit, bei der die Vernunft hellwach war, keinen Widerspruch oder Vorbehalte. Wohl aber aus den USA, Kanada und Australien. Warum, das ist schnell erklärt: Global aufgestellte Mega-Agrarkonzerne aus diesen Ländern (auch aus der Schweiz) zerstören mit Landgrabbing, Bestechung, und ähnlichen Mafiamethoden gerade diese erhaltenswerten kleinbäuerlichen Strukturen, auf die die Weltgemeinschaft ihre Hoffnungen bei der Ernährungsfrage setzt.

    Auch die seit einigen Jahren von der Bundesregierung intensiv geförderte Exportpolitik tut ihren Anteil an der Zerstörung der Märkte in der sogenannten dritten Welt. Darüber haben wir alle genug gesehen, gelesen und gehört. Mir fällt da das Augenöffner-Buch eures Kollegen Felix zu Löwenstein ein mit dem sprechenden Titel: „Es ist genug da für alle – Wenn wir den Hunger bekämpfen und nicht die Natur. “

    Der Autor und praktizierende Biobauer und Politiker schwimmt nicht in dem hier erkennbaren „Mainstream“, und ich weiß jetzt schon, wie einige, die hier mitdiskutieren, wieder “ aber die mit ihrem Kupfer“ schrei(b)en werden. Aber in der Sache und auch in seiner Vision von Landwirtschaft hat er völlig recht.

    Worauf ich hinaus will: Ihr deutschen Bauern, und auch die europäischen Bauern werdet die Welt nicht vom Hunger retten, und ihr solltet das auch nicht als euer Glaubensbekenntnis hochhalten oder als Begründung für euer Wirtschaften angeben.

    Die Zukunft der Landwirtschaft liegt nicht im einer beschleunigten Industrialisierung der Landwirtschaft, sondern im Erhalt der vorhandenen Betriebe, das ist meine Meinung. Und ich glaube auch, dass diejenigen Kräfte in der Landwirtschaft, die ein Weiter-So propagieren, uns als Gesellschaft jetzt schon kurz vor die Grenze der ökologischen Belastbarkeit geführt haben. und an die Grenze des (ökologisch vernünftigen) Wachstums in der Landwirtschaft

    Was die Hungersnöte der Vergangenheit betrifft: Die waren nicht Ergebnis mangelhafter musealer Anbautechniken – die Hungersnöte bis ins 19. Jahrhundert waren Ergebnis schreiender sozialer Ungerechtigkeiten, die meiner Großmütter und -väter einer kurzsichtigen Politik der damaligen Siegermächte des ersten Weltkriegs (Stichwort: Reparationszahlungen) und die der (auch meiner) Mütter und Väter einer mehrheitlich abgenickten Politik der Nationalsozialisten.

    Gute Nacht

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    • bauerhans sagt

      „Titel: „Es ist genug da für alle – Wenn wir den Hunger bekämpfen und nicht die Natur. ““

      der mann hat visionen,aber wie setzt man diese weltweit praktisch um,wenns schon in D nicht funktioniert.

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    • Bauer Willi sagt

      @Marcellus
      auch ich habe Felix zu Löwenstein gelesen. Food Crash sogar zweimal. Und ich habe mehrfach mit ihm in Podiumsdiskussionen gesessen. Seine Prämisse für all seine Überlegungen sind: die Menschheit muss weniger Fleisch essen, dann reicht es für alle. Wie er das erreichen will, schreibt er nicht.

      Zur ökologischen Intensivierung: Ich bitte um Beispiele, was da gemeint ist. Wir können ja mal den Versuch starten, ohne Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger zu arbeiten. Weltweit! Und bei weniger Fleisch auch mit weniger Vieh. Wird sicherlich ein interessanter Versuch.

      Wer hat den Weltagrarbericht geschrieben? Waren das unabhängige Wissenschaftler? Vielleicht mal nachsehen…

      Zur Exportpolitik habe ich schon viel geschrieben. Besonders bei Geflügelfleisch und Milchpulver. Es tut einfach gut, sich mit den Zahlen zu beschäftigen. Somalia hat 2016 exakt 8,3 t Geflügelfleisch von uns bekommen. Göring-Eckhardt hat sich darauf hin korrigiert mit ihrer Behauptung, wir würden den somalischen Markt überschwemmen.

      Mit meinem 40 ha-Betrieb bin ich weiß Gott für einen Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe. Sagen Sie mir jetzt, wie das geht. Kritik ist immer sehr einfach. Unser Sohn hat seine Masterarbeit über die Umstellung unseres Betriebes auf Bio geschrieben. Mit ernüchternden Ergebnissen. Seitdem ist seine Euphorie sehr gebremst.

      Lieber Marcellus, bitte konkret werden. Lösungen, Fakten, Vorschläge und nicht so ein Gejammere, wie schlecht die Welt ist. Das hilft mir nicht weiter.

      Bauer Willi

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      • Ich wüsste nicht, wo ich hier jammere. Noch einmal: die hierzulande praktizierten Anbaumethoden sind kein Modell für die Sicherung der Welternährung. Natürlich gibt es dafür Modelle, im Großen aber vor allem im Kleinen. etwa die Permakultur. Hier setzt man auf die Erhaltung und Förderung von Biodiversität. Im Großen z.B. die Laguna Blanca in Brasilien, ein 1000 Hektar Betrieb.

        Im Kleinen möchte ich nennen die vielen Back Yard Farming Modelle z.B. aus den Usa oder GB wie das von Charles Dowding der auf 3/4 Hektar erstaunliche Ergebnisse erzielt. Das ist ein Modell, das auf der Idee basiert, die enorme Produktivität sich gegenseitig fördernder Pflanzengesellschaften für erstaunliche Erträge nutzt. https://www.youtube.com/watch?v=QVY4SJt4mzg

        Was davon übertragbar ist, kann ich nicht sagen, aber das letzte Modell ist für mich ein realistischer Weg für die dritte Welt. – Und darum geht es in meinem Beitrag, Ich werde das mal im kleinen Maßstab ausprobieren, wenn ich in eineinhalb Jahren in Rente gehe. Mein Gartengelände ist 650 qm, für mich und meine Kinder und Enkel gibt es sicher gute Ergebnisse in Richtung Gutes Essen. Garten kann ich!

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        • Rene Rempt sagt

          Herr Marzellus sie schreiben im Grund mit Ihrer Kritik schon die Antwort. Das Thema Permakulturen funktioniert für den Weizen-, Mais-, Reis- und Sojaanbau nicht, doch nur mit diesen hoch Ertrag- und Energiereichen Früchten lassen sich Städte ein New York, Peking, Tokio, Paris usw. ernähren.

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        • bauerhans sagt

          „….ein realistischer Weg für die dritte Welt.“

          die politischen verhältnisse in der „dritten welt“ müssen sich erst ändern,weg von korruption und familieclans,dann funktioniert auch dort die ernährung durch die eigene landwirtschaft.

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  3. Mit Beginn des Christentums wurde den Menschen eingeredet, dass das Wort Fleisch geworden ist, dass der Geist mächtiger ist als die Materie, dass ein Geistwesen wie Gott die Welt erschaffen hat, dass Materie und deshalb auch die Realität bloß flüchtig und eine Illusion ist.

    Eine Variante dieser Haltung sind die „grünen“ Ideologien wie sie gerade im Mainstream en vogue sind: Pflanzen brauchen keinen Dünger, ein paar Windräder genügen für die Energie, ein paar wild gepflückte Beeren genügen für eine gesunde Ernährung und der Wolf liegt friedlich neben dem Lamm. Jaja.

    Da braucht man sich doch überhaupt nicht zu wundern, dass die Menschen das seit 2000 Jahren Erziehung und Nudging nun endlich verinnerlicht haben und daran glauben.

    Mit Beginn des Christentums wurde den Menschen eingeredet, dass die Realität mit Blut, Schleim und Scheiße „pfui bäh“ ist, dass man sich nach höheren Zielen wie einer lichtvollen Existenz im Jenseits sehnen soll, dass der Geist diese „Realität“ überwindet, dass der wahre Mensch nicht von dieser Welt ist. Tja, und jetzt überwindet der Mensch dank Technisierung endlich die Realität und hält Potemkinsche Dörfer für wesentlicher als die Realität und dann ist es auch wieder nicht Recht.

    Und irgendwas müssen die Leute, die dank Technisierung in der Realität sowieso keinen Platz haben, ja tun. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt: die reale Welt ist aufgeteilt, es gibt für künftige Generationen nichts mehr zu erobern, nichts mehr zu entdecken, nichts mehr zu besitzen, es sei denn, sie erben was. Und das sind nicht viele.

    Der Samen der Weltverleugnung und Weltverachtung, der seit 2000 Jahren in die Köpfe der Menschen gesät wird, geht eben irgendwann auf. Man erntet, was man gesät hat.

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  4. Berthold Lauer sagt

    Treffend beschrieben. In Zeiten, wo die eigene, wie auch immer gewonnene, Überzeugung mit hohem Absolutheitsanspruch zum Teil militant vertreten wird, ist es schwierig, sachliche Diskussionen zu führen. Auch wir Bauern sind da nicht ganz gefeit davor. Wenn reale, existenzielle Probleme fehlen, wird jede Banalität genutzt, um Angst zu erzeugen bzw. Angst zu empfinden und wie zahlreiche Untersuchungen bestätigen, sind offensichtlich gerade die Deutschen sehr empfänglich. („German Angst“)

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    • Inga sagt

      „German Angst“?
      Wenn es die gibt, doch dann nur, weil die Einwohner von Germany sehr gewissenhaft und nachdenklich sind!?!

      Daraus resultiert, dass sie erfinderisch sind; also sind die meisten oder bedeutesten Erfindungen in Deutschland gemacht worden?

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  5. „Und auf vorgeschriebenen Bahnen
    Zieht die Menge durch die Flur;
    Den entrollten Lügenfahnen
    Folgen alle. – Schafsnatur!“

    Diese Zeilen aus dem Faust II hatte Herbert Gruhl der Taschenbuchausgabe von „Ein Planet wird geplündert“ vorangestellt. Die Alten hatten schon damals das Gefühl, dass alles immer kurzsichtiger, oberflächlicher und dümmer wird. Aber heute geht auch das immer schneller – im gleichen Maße, wie die Weltbevölkerung wächst und die Zahl der Bauern abnimmt. Schön, dass wenigstens noch auf einer Plattform von Bauern für Bauern über den Tag hinaus gedacht wird. Herzlichen Dank Euch dreien!

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  6. bauerhans sagt

    “ immer seltener Fakten, immer öfter nur ……. Emotionalisierungen“

    das ist die kernaussage!
    emotionalisierungen lassen sich mit argumenten nicht widerlegen.

    3+

    • Inga sagt

      oder doch, Bauerhans,

      nur nicht, weil die Argumente keiner hören will? Weil sie nicht ins positive Gefühle passen!?!

      Wer das positive haben will, muß auch mit dem negativen fertig werden, so ist das irdische Leben eben.

      Vielleicht ist das eine alte Baurnweisheit, oder?

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  7. Super Ihr 3.
    Aber wenn man jetzt euren Text unter dem Gesichtspunkt des Beitrages von Udo Walz bewertet, habt ihr alles falsch gemacht .
    Der normale (Medien ) Konsument hat vermutlich nach 2-3 Sätzen aufgehört zu lesen, weil er nichts aus seinem persönlichen sozial Media Sprachgebrauch wiederfindet und somit auch keinen Ansatz für Kritik. Ich gebe zu , auch ich musste manchen Satz 2 x lesen um den Hintergrund zu erkennen. Aber alles in allem ein Beitrag, der uns in vielfältiger Weise einen Spiegel vorhält! !

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  8. Lieschen Müller sagt

    Vom „Club of Rome“ erschien ein neues Buch: „Wir sind dran“. Eine Kapitelüberschrift hat mich sehr zum Denken angeregt: „Die Aufklärung kam zu einer Zeit der leeren Welt“. Damals gab es sehr viel weniger Menschen, und eben auch Hungersnöte und Krankheiten. Damals mag der Fortschrittsgedanke richtig gewesen sein. Jetzt ist die Erde aber „voll“. Das meine ich jetzt nicht nur auf die Anzahl der Menschen bezogen, sondern auch voller vom Menschen gemachter Dinge und Landschaften. Aber auch voller Ideen und Meinungen. Alles wurde schon mal gesagt, durch Kunst die Aufmerksamkeit der anderen zu erringen ist heute sehr schwer, bei 7,5 Mrd Mitbewohnern.

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      • Lieschen Müller sagt

        Was denkst du zu dem Thema? Ich denke, ein bißchen wird noch rausgequetscht aus den Menschen und der Natur. Es ist ja absurd. Die Mieten in den Städten steigen, die Kommune muss helfen, damit sie dafür Geld hat, muss sie die Gebühren, Steuern oder was auch immer erhöhen. Das Geld geht dann an Immobilien-AGs. So wie die Deutsche Wohnen, die angeblich über eine halbe Millionen Wohnungen verfügen. Was machen die eigentlich mit ihrem Gewinn?
        Dann werden mehr Wohnungen gebaut, weil ja soviel Bedarf da ist. Damit die bewohnt werden, muss die Bevölkerung Deutschlands wachsen. Damit müssen aber mehr Lehrer und Polizisten eingestellt werden, damit die Bevölkerung nicht frei dreht. Wann ist denn das Ende erreicht? Wie wollen wir leben?

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  9. Sehr richtig und hellsichtig – leider ist man, wenn man daran erinnert, was wissenschaftlich Fakt ist, nichts als der Rufer in der Wüste und es gibt eben auch jede Menge Menschen, die genau wissen, wohin der Hase läuft und sich diese ungute Entwicklung sehr eloquent zu Nutze machen, indem sie rethorisch alle Probleme kunstvoll klein reden….

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    • Lieschen Müller sagt

      Für wen oder gegen was sind Sie denn? Also auf was wollen Sie mit der Aussage „sie wissen, wohin der Hase läuft“ denn ausdrücken?

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