Bauer Willi
Kommentare 126

Traditionelle Landwirtschaft

In den Diskussionen um die Art und Weise der Landwirtschaft wird oft verglichen. Da ist viel von Bio-Landbau die Rede, der heute in Deutschland etwa 6% ausmacht. Der ganz überwiegende Teil unserer Lebensmittel kommt aber aus der traditionellen Landwirtschaft, also der Form, wie ich sie gelernt habe. Ich stehe ja in der Tradition meines Vaters und bewirtschafte meinen Betrieb herkömmlich, etabliert, klassisch, der gängigen Praxis entsprechend.

Den bisher gebräuchlichen Begriff der konventionellen oder modernen Landwirtschaft werde ich nicht mehr benutzen, denn schließlich sind auch Bio-Bauern modern. Nur dass sie halt andere Methoden nutzen, die für sie konventionell (= allgemein gebräuchlich) sind. Sie sind eben konventionelle Bio-Bauern.

Wenn ihr also, wie ich, die Form der Landwirtschaft betreibt, die schon eure Vorfahren praktiziert haben, seid auch ihr traditionelle Landwirte. Und dann sagt das auch so. Und sagt es weiter.

Euer traditioneller Bauer Willi

http://synonyme.woxikon.de/synonyme/traditionell.php

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126 Kommentare

  1. Hans-Günter Felser sagt

    Auch wenn ich nicht der Befürworter der „konventionellen“ Landwirtschaft (Giftspritzerei finde ich nicht konventionell, sondern abartig) bin, habe ich zum Schutz der deutschen Bauern die Petition gegen den Mercosur-Handelsvertrag mit Brasilien und Argentinien unterzeichnet. Dieser steht kurz vor Abschluss. Mit ihm kommen Massen an Billigfleisch in die EU . Billigfleisch, welches unter noch fragwürdigeren Methoden „erzeugt“ wurde, als es hier der Fall ist. (Esse ich künftig noch Fleisch?) Wenn einer der „Konventionellen“ sich für diese Unterstützung erkenntlich zeigen möchte, so möge er dieses Jahr für die Mitlebewesen einen Streifen Saumbiotop stehen lassen. https://aktion.campact.de/mercosur/appell/teilnehmen

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    • Inga sagt

      ach,
      damit die Brasilianer unsere Konsumgüter wie z.B. Autos kaufen?

      Und die Landwirtschaft mit der gasamtgen Ökologie muß daruntger leiden?
      Ist das richtig?

      Kann man das auf sein Gewissen nehmen?

      Wer ein Gewissen hat, unterzeichnet den Vertrag nicht!
      Was sollen denn unsere Enkel dazu sagen?

      Danke für den Beitrag

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      • Inga sagt

        Danke an Hans-Günter Felser

        „An Inga: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil… Ich habe die Petition GEGEN den Mercosur-Handelsvertrag unterzeichnet.“

        Ich habe sie schon richtig verstanden, es war doch ein Dank an sie , dass sie den Mercosur-Handelsvertrag nicht befürwortet, sondern eine Petition gegen diesen Vertrag unterzeichnet haben, weil sie das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, dass Massen an Billigfleisch von da in die EU kommen .

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Was verstehen sie unter Gift?

      Meinen sie Mittel, wo ein Totenkopf abgebildet ist?
      Mit diesem Zeichen finden sie kein PSM, aber schauen sie mal bei der Benzin-Zapfsäule nach, dort ist ein Totenkopf abgebildet, für das Benzin das sie Tanken.
      Ein Tipp:
      Trinken sie das Zeugs nicht, ein riechen am Auspuff reicht.

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  2. bauerhans sagt

    “ ohne Menscheneinsatz “

    und wer macht die arbeit!
    biobauern arbeiten auch so,nur dass die natürliche pflanzenschutzmittel nehmen.

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  3. fingerphilosoph sagt

    Wenn „traditionell“ nichts anderes heißt, als dass der Hof vom Vater auf den Sohn vererbt wird, dann ist das keine Leistung, die ich als Verbraucher honorieren werde. Das ist mir definitiv zu wenig. Was habe ich als Verbraucher davon, wenn ein Hof in der 5. oder 10. Generation weitergegeben wird? Gar nichts. Und was sagt das über die Qualität der Produkte aus? Auch nichts.

    Wenn von „Werte bewahren“ die Rede ist, dann geht es nicht um die Vermögenswerte wie Gebäude, Stallungen oder Traktoren, dann sind Werte gemeint, von denen die Gesellschaft insgesamt was hat. Und da würde ich schon gern mal wissen, welche Werte der Bauer in dieser Hinsicht denn überhaupt bewahrt hat.

    „Ökologisch wirtschaften“ kann es nicht sein, denn wenn der Bauer generell ökologisch wirtschaften würde, wäre das eine Selbstverständlichkeit, für die der nun neuerdings ökologisch wirtschaftende Bauer kein zusätzlich Geld verlangen könnte. „Ökologisch wirtschaften“ ist ja nun das Kriterium, worin sich dieser Bauer eben von den anderen unterscheidet. Und es ist ja so, dass diese Idee nicht mal von den Bauern selber kam. Diese Idee des ökologisch Wirtschaftens kam doch von den Grünen. Also ist „ökologisch Wirtschaften“ eben gerade kein Wert, den der Bauer bewahrt hat.

    Dasselbe gilt für Tierschutz und Tierwohl. Das sind doch eben gerade Werte, die der Bauer offenbar nicht bewahrt hat. Wenn jetzt Bauern auf diesen Zug aufspringen und plötzlich ökologisches Wirtschaften und/oder Tierwohl verkaufen, dann geben sie damit im Namen aller Bauern zu, dass diese Werte eben verloren gegangen sind und jetzt gerade neu entdeckt werden. Und das wirft kein besonders gutes Bild auf die Bauern.

    Was sind dann die Werte? Höhere Erträge sind es auch nicht, denn die höheren Erträge sind den Forschungsanstalten, Saatgutherstellern oder Traktorfirmen zu verdanken. Ich habe mir sagen lassen, dass so gut wie kein Bauer noch selber für sein Saatgut sorgt. Seine Kühe lässt er vom Tierarzt besamen. Also auch bloß wieder Werte, die verloren gegangen sind bzw. ausgelagert wurden.

    Vorsorge für Notzeiten? Auch kein Wert, der bewahrt wurde, denn Europa verfügt im Gegensatz zu China und Amerika offenbar nicht mehr über nennenswerte Notreserven.

    Und was die Qualität angeht: Gibt es da nicht strenge Vorschriften, die von irgendwelchen Ämtern an die Bauern herangetragen werden? Dann sind es eben auch hier nicht die Bauern, die die Qualität bewahren, sondern die Ämter, die dafür sorgen, dass der Gesellschaft dieser Wert erhalten bleibt. Wozu bräuchte man diese Vorschriften, wenn die Qualität ein Wert wäre, den der Bauer von sich aus bewahren will?

    (Ja, ich weiß, dass viele Vorschriften auch hirnrissig sind, aber das jetzt nicht das Thema. Es gibt jedoch offenbar Vorschriften, die absolut notwendig sind, damit der Verbraucher überhaupt gesundes Essen bekommt. Und das heißt im Umkehrschluss, dass dem Bauern im Grunde die Gesundheit des Verbrauchers doch herzlich egal ist. Also ist gesundes Essen auch kein Wert, den der Bauer bewahrt.)

    Sind die Werte etwa pure Mengenangaben: 68 Millionen schlachtreife Schweine pro Jahr, 24 Millionen Tonnen Weizen, 11 Millionen Tonnen Gerste usw.? Tja, wenn bloß die Mengen zählen und die Qualitätsstandards durch fremde Institutionen gesichert werden, dann ist das doch nichts anderes als Industrieproduktion. So funktionieren Fabriken.

    Ja, das ist jetzt provokativ. Aber ich würde schon gern wissen, welche Werte der Bauer denn tatsächlich bewahrt, die für die Gesellschaft und nicht bloß für den Hoferben einen Nutzen haben.

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    • bauerhans sagt

      „Tierwohl.“

      ist auch so ein künstlicher begriff,der weismachen soll,tierhalter gehen nicht so gut mit ihren tieren um,weil bilder in medien auftauchten,wo tiere im dreck lagen.
      flugs werden kriterien erfunden,60% der tierwohlkosten dem tierhalter zugesagt,wenn er denn bei der verlosung erfolgreich war.
      der tierhalter macht mit,weil er angst hat,vom markt zu fliegen.

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      • fingerphilosoph sagt

        Bauerhans, es sind Bauern, die auf diesen Zug aufspringen und jetzt „Tierwohl“ als käufliches Produkt anbieten, und das macht die Sache prekär. Es sind doch Bauern, die mit ihren Tierwohlgeschichten andere Bauern an den Pranger stellen.

        Wären es bloß gefakte Fotos, müsste der Bauer doch keine Angst haben, vom Markt zu fliegen.

        Das ist doch weit mehr ein Problem zwischen Bauern und Bauern als ein Problem zwischen Bauern und NGOs.

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        • Inga sagt

          Nicht die Bauern, sondern der LEH wirbt mit „Tierwohl“

          Ein normaler Bauer verkauft nie an den Endkunden, außer bei Direktvermarktung.

          Bauer Willi verkauft auch nicht das Mehl, das auf seinem Feld gewachsen ist.

          Ein anderer Bauer verkauft auch nicht sein Fleisch oder Wurst, die in seinem Stall gewachsen sind!
          Außer bei Direktvermarktung.

          Die Milchprodukte, die du im LEH siehst, werden nicht vom Bauern direkt verkauft.

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        • fingerphilosoph sagt

          Heute Morgen ist mir ein schöner, wenn auch fiktiver Vergleich eingefallen, der das Problem darstellt.

          Mal angenommen, es tritt plötzlich ein Seniorenresidenz-Betreiber auf, der mit „Klientenwohl“ wirbt. Auf die Nachfrage hin, was „Klientenwohl“ denn sein soll, erfahre ich, dass in dieser Klientenwohl-Residenz jeder alte Mensch ein Frühstück mit Brot, Marmelade und Butter bekommt. Meine allererste Frage ist: „Ja, ist das denn nicht eine Selbstverständlichkeit, dass JEDER alte Mensch auch in einem NORMALEN Altenheim ein Frühstück bekommt?“

          Und dann wird mir folgendes gesagt:
          „Nein, das ist schon lange nicht mehr so. Aus Kostengründen wird in einem NORMALEN Altenheim jedem alten Menschen bei Aufnahme gleich eine Magensonde gelegt, und da bekommt er dreimal täglich automatisch alle nötigen Nährstoffe zugeführt. Aber wir in unserer Klientenwohl-Seniorenresidenz haben gemerkt, dass das den Leuten gar nicht gut tut, deshalb servieren wir wieder ein Frühstück mit Brot, Butter und Kaffee. Aber das kostet jetzt natürlich extra, weil das ist natürlich arbeitsintensiv, wenn jemand das Frühstück austeilen und die leeren Teller wieder einsammeln muss.“

          Das, was ich für eine Selbstverständlichkeiten gehalten habe – ein Frühstück, das ich riechen, schmecken und genießen kann – ist also gar nicht selbstverständlich. Das ist plötzlich zu einem Luxus geworden, den sich nur noch reiche Leute leisten können.

          Tja, und da tut sich dann plötzlich ein Abgrund auf. Die ganzen Altenheime, die mir bislang als NORMAL erschienen sind, werden plötzlich monströs, denn in diesen Altenheimen sind offenbar Prozesse NORMAL geworden, die ich persönlich absolut nicht gut heißen kann. Ich bin über diese NORMALEN Altenheime entsetzt. Da ändert sich auch nichts dran, wenn man mir dann sagt, dass jeder alte Mensch doch alle notwendigen Nährstoffe bekommt.

          Von diesem Moment an sind mir ALLE Seniorenresidenzen und Altenheime suspekt, ganz unabhängig davon, ob es sich jetzt um eine mit oder ohne Klientenwohl handelt. Und das wird auch nicht besser, wenn das NORMALE Altenheim sich dann plötzlich TRADITIONELLE SENIORENRESIDENZ nennt.

          Das Vertrauen in diese ganze Branche ist schwer lädiert, wenn nicht gar futsch. Daran ändert sich auch nichts, wenn dann ein Altenpfleger namens Willi auftritt, der nicht müde wird zu behaupten, dass die Altenpfleger in der Bevölkerung wahnsinnig hohes Vertrauen genießen.

          Es ist auch völlig wurscht, ob da noch ein Altenheim- und Seniorenresidenz-Verband auftritt, der auch noch irgendwas behauptet. Der kann da auch nichts mehr retten.

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            • fingerphilosoph sagt

              Was ist an dem Vergleich nicht gut? Du bist doch sonst nicht so sprachlos ….

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            • Mark sagt

              „Was ist an dem Vergleich nicht gut? Du bist doch sonst nicht so sprachlos ….“ Meine Zeit, hier zu kommentieren ist leider sehr begrenzt und zwangslaüfig meist auf den späteren Abend focusiert. Leider bist Du zu diesem Zeitpunkt meist schon nicht mehr aktiv, AdT hat da mehr Durchhaltevermögen.
              Du beschreibst die Zustände im Bereich der Altenheime, welche sich im Zeitablauf angeblich verschlechtert haben und wie eine Seniorenresidenz den alten angeblich guten Zustand wieder herstellt und dies als Fortschritt verkauft. Dies überträgst Du auf die Initiative Tierwohl, als Fazit ist für Dich jegliches Vertrauen „futsch“. Allerdings verlief die Entwicklung in der Tierhaltung eben nicht so, wie Du sie bei den Altenheimen dargestell hast. Die Tierhaltungsbedingungen haben sich im Zeitablauf, von mir aus von Kriegsende bis heute, dramatisch verbessert, und das ohne Tierwohlinitiative. Ich mit meinen 75 Jahren haben sie noch gesehen, die alten Kuhställe mit „Schwanzfütterung“ und Anbindehaltung, die Ketten am Hals der Tiere eingewachsen und mit Eiter umgeben, dunckel niedrig und feucht und die Wände salpeterig, Die Schweine gehalten in dunklen „Löchern“, verdreckt etc.pp. Die gute alte Zeit war eben nicht so, wie sich viele dass heute erträumen. Auch Weidehaltung war füher nicht so verbreitet wie oft dargestellt. Im Vergleich dazu führen die Nutztiere heutzutage ein wahres Luxusleben! Ausnahmen bestätigen die Regel, genau diese Ausnahmen werden gerne herangezogen, um die heutige Tierhaltung zu diffamieren. Wenn das so ist, wie von mir dargestellt, wozu dann die Intitative Tierwohl. Und hier bin ich bei Dir, die Intitative Tierwohl trägt eher dazu bei, Vertrauen zu zerstören als zu bilden. Zum einen suggeriert sie, dass der Status quo so schlecht ist, dass diese notwendig sei. Zum andern propagiert sie Massnahmen, die einerseits lächerlich sind (Standartspielzeug für Schweine etc), zum andern werden Massnahmen gefordert, die den Tieren am Ende des Tages selbst Schaden (Bsp. Kupierverbot bei Ringelschwänzen, Kastenstandverbot, Ächtung von Spaltenböden und idealisieren von Stroheinstreu etc pp). Und nun das Wichtigste, die Verbesserung der Haltungsbedingungen für Nutztiere wurden von den Tierhalter entwickelt und umgesetzt, also von denen die tagtäglich mit den Tieren umgingen. Die Initiatve Tierwohl geht den Vorstellungen infantiler Pseudotierschützer nach, solcher, deren Bezug zu Tieren aus Disneyfilmen erwachsen ist. Das wird niemals funktionieren. Den Tieren wird es dadurch nicht besser gehen und die Verbraucher werden betrogen.

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            • Brötchen sagt

              Mark du hast noch eins vergessen. die Initiative tierwohl ist als Einstieg! in eine Verbesserung der haltungsbedingungen in eine Richtung die der Verbraucher mehr akzeptiert gedacht. als iniative des Bauernverbandes und des leh. es ist also falsch dargestellt das ginge von der Verwaltung oder der Forschung aus. wenn man aber wirkliche Verbesserungen erreichen will, muss man die ställe teilweise umbauen und das ist kurzfristig schwierig, Geld, Genehmigung. die Initiative war als Baukastensystem gedacht, wo man verschiedene Massnahmen wählen kann. das entscheidende ist, das es dafür etwas Geld vom leh gibt. man kann das kritisch sehen. für mich ist der grösste Mangel, das die Initiative dem Kunden nicht erklärt wurde.

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            • fingerphilosoph sagt

              Ja, was die Tierhaltung in den „guten alten Zeiten“ angeht, stimme ich dir zu. Ich erinnere mich auch an salpetrige, verschissene, stinkende und niedrige Ställe. Das gabs wirklich. Da gibt es nichts zu beschönigen.

              Aber ich erinnere mich andererseits auch an Kühe, die im Sommer draußen auf der Weide waren, an Hühner samt Gockel, die ohne Zäune in den Gärten und Höfen zugange waren, an die Schafherde und die Ziegen, denen man Kunststücke beibringen konnte. Ich erinnere mich auch an den Geruch von Stroh, Heu und Tier, wie es ihn eben auch in vielen Ställen gab. Ich erinnere mich daran, dass die Tierhalter (und auch wir Kinder) eine Beziehung zu den Tieren hatten.

              Ich erinnere mich auch daran, dass wir als Kinder damals viel dreckiger waren als die heutigen Kinder, gerade so wie die Tiere. Wir waren viel draußen, wie die Tiere. Wir konnten tun und lassen, was wir wollten, wie die Hühner auf dem Hof. Ich behaupte mal, ich war auf meine Weise glücklicher als die Sagrotan-Kinder, die es auch gab. Ich finde, dass Kinder heute eine langweilige Kindheit haben. Damit will ich sagen, Hygiene ist sicher ein wichtiger Aspekt, aber Hygiene ist nicht mit Glück und Zufriedenheit zu verwechseln.

              Was deine weiteren Gedanken zu Kupierverbot, Kastenstandverbot, Ächtung von Spaltenböden und Idealisieren von Stroheinstreu angeht, gehe ich inzwischen jedoch nicht mehr mit. Und zwar deshalb nicht, weil du da vom industriellen Prozess und nicht vom Tier her denkst. Mit dem, was du sagst, hast du Recht, wenn die industrielle Fleischproduktion die „heilige Kuh“ ist, die nicht geschlachtet werden darf. Innerhalb der industriellen Produktion ist Kupieren, Kastenstand, Spaltenboden, Beton für das Tier vermutlich tatsächlich die „bessere“ Lösung.

              Was aber, wenn die industrielle Fleischproduktion keine „heilige Kuh“ ist und mal generell auf dem Prüfstand kommt? Was ist, wenn du mal nicht vom industriellen Prozess her denkst? Dann siehst du sofort, dass Kupieren, Kastenstand, Spaltenboden, Beton nichts anderes als bloß Anpassungen bzw. Zugeständnisse an die industrielle Fleischproduktion und keineswegs wirklich zum Wohl des Tiers sind. Es sind Notwendigkeiten, die auf die industrielle Produktion zurückgehen und eben nicht auf die Bedürfnisse des Tiers. Die Notwendigkeit des Kupierens ist Folge davon, dass die Schweine viel zu wenig Platz haben, Kastenstand die Folge davon, dass sie übermästet sind, Spaltenböden und Beton, weil es leicht zu reinigen ist. Und hinter all dem steckt immer und überall die Kosten-Nutzen-Rechnung.

              Wenn du der Senioren-Residenz-Besitzer wärst, würdest du aus der Kosten-Nutzen-Rechnung heraus die Magensonde anpreisen: Die alten Leute haben alle Nährstoffe und die Flüssigkeit, die sie brauchen. Alte Leute haben oft sowieso keinen Hunger und verweigern das Essen. Alte Leute sabbern und verschmieren sich. Alte Leute sind manchmal verwirrt und aggressiv. Dann schmeißen sie den Teller auf den Boden. Und sie brauchen ewig lange, bis sie endlich fertig sind. All diesen täglichen Ärger kann man mit einer Magensonde umgehen. Alles in allem ist die Magensonde viel hygienischer und die Leute sind besser genährt. Es geht ihnen mit Magensonde also besser als mit Brot, Butter und Kaffee. Ja, das stimmt. Und trotzdem ist es falsch. Ich glaube, das weißt du so gut wie ich.

              Wenn man also will, dass etwas gut getan ist, muss man die Kosten-Nutzen-Rechnung außen vor lassen. Das tut man aber mit gutem Recht nur, wenn man etwas für sich selber tut. Für den eigenen Garten kann der Einzelne beliebig viel Aufwand treiben. Ebenso für die eigene Tierhaltung. Ich glaube, dass es der beste Weg ist, wenn jeder erst mal für sich selber sorgt, weil nur so die nötige Sorgfalt zustandekommt.

              Der Mensch ist fähig, das Beste zu geben, wenn es ihm selbst zugute kommt. Oder seiner Familie oder Leuten, die er schätzt. Es ist eine Lüge zu behaupten, dass der Mensch das Beste geben kann, wenn es bloß Leuten zugute kommt, die er nicht mal kennt. In diesem Fall bringt sich der Mensch nicht mehr ein, sondern zieht sich hinter die Kosten-Nutzen-Rechnung zurück. Und die geht eben nicht auf.

              Wir haben im Groben zwei sich bekämpfende Weltsichten: den Kommunismus und den Liberalismus. Beiden Weltsichten ist gemeinsam, dass der Einzelne sein Bestes für ANDERE geben soll. Im Falle vom Kommunismus aus Idealismus und Menschenliebe, im Fall vom Liberalismus aus der Kosten-Nutzen-Rechnung heraus. Es funktioniert beides nicht.

              Wenn man will, dass etwas gut getan ist, muss man es selber tun. So einfach ist das. Ein Anderer wird für dich nie etwas so gut tun, wie du es für dich selber tust. Und daran krankt unsere Welt. Spezialisierung und Arbeitsteilung sind weit übers Ziel hinaus geschossen. In unserer Gesellschaft kann und darf kaum noch jemand für sich selber sorgen. Jeder der arbeitet, ist heute Sklave der Gesellschaft. Zeigt sich schon daran, dass dir mindestens 50% von dem, was du selbst erwirtschaftest, weggenommen wird, ohne dass du gefragt wirst.

              Wenn aber eine Veränderung in Richtung Selbstversorgung angedacht wird, stellt sich das Problem mit der Landverteilung und den Städten. Und das ist ohne Gewalt nicht lösbar. Kommt hinzu, dass es heute wohl mehr Menschen gibt, die nicht selbst für die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse sorgen wollen als Menschen, die das wollen. Und das Problem ist auch nicht lösbar.

              Solange diese Probleme jedoch nicht gelöst werden, hast Du Recht mit dem, was du sagst, denn diese ungelösten Probleme sind gleichbedeutend mit industrieller Produktion.
              Industrielle Produktion ist die logische Konsequenz davon, dass zuviele Leute nicht selbst für die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse sorgen wollen oder können.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Seniorenresidenzen und Altenheime gibt es, weil Kinder von Pflegebedürftigen lieber dummes Zeugs quasseln, als für die Eltern da zu sein.

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            • bauerhans sagt

              weils überwiegend kleinfamilien gibt,die so eingespannt sind,dass pflege nicht leistbar ist und weil senioren selten ihren lebensabend planen bzw. sich leisten können.

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            • fingerphilosoph sagt

              Um beim Vergleich mit den Seniorenresidenzen und Altenheimen zu bleiben:

              Der zwingende Schluss ist, die alten Leute tunlichst nicht in ein solches abzuschieben, sondern sie daheim zu behalten und selbst für sie zu sorgen. Und oh Wunder: sogar für den Ehemaligen Landwirt scheint das die beste Lösung zu sein. 🙂

              Dann übertragen wir das schöne Beispiel auf die Landwirtschaft:

              Der zwingende Schluss ist, Selbstversorger zu werden. Genauso, wie man die alten Leute daheim behalten kann, kann Mensch sich auch selbst versorgen. Oder zumindest sich in diese Richtung bewegen. Aufgrund des Energieproblems wird uns in absehbarer Zeit auch gar nichts anderes übrig bleiben.

              Tja, und dann stellt sich raus: das wahre Problem sind die Städte und Megastädte. Denn dort kann sich niemand selbst versorgen.
              Das sieht von den Städtern aber niemand ein, und deshalb fahren wir den Karren eben gerade an die Wand.

              Und nein: ich werde nicht Vegetarier, weil ein Städter mir diese Ernährungsweise als die beste verkaufen will. Aus Sicht eines Städters mag Veganismus eine Lösung sein, aber es ist auch nur eine Schein-Lösung.

              Regional oder als Selbstversorger funktioniert Veganismus nicht. Veganismus funktioniert nur auf der Basis des globalen Transportwahnsinns. Und das ist nicht nur eine Sackgasse, sondern endet meiner Ansicht nach in einem veritablen Desaster.

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            • AdT sagt

              Als Selbstversorger gibts dann täglich Wurst und Schnitzel, die Western Diet eben. Weil bei Selbstversorgung ja so viel Reste anfallen, die man verfüttern kann.

              Warum funktioniert vegan nicht regional? Weil man dazu zwingend Avocados und Matcha-Tee vom Attila-Hildmann-Vertrieb benötigt?

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            • fingerphilosoph sagt

              Bauer Willi hat mal ausgerechnet, dass jedem Bürger in Deutschland rund 1600 oder 1700 m² Selbstversorgerland zur Verfügung stehen. Davon sind rund 400 m² Grasfläche, die nicht zum Acker taugen.
              Auf 1200 m² kannst du nicht genügend Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Ölfrüchte anbauen, um den veganischen Jahresbedarf abzudecken. Du kannst die 400 m² Grasfläche nicht ungenutzt verschenken. Und auf Gras kannst du nur Tiere halten. Kommt das Düngerproblem hinzu. Gut, man könnte die menschliche Scheiße ausbringen, aber die sind mit Industrieabfällen vermischt und oft genug sind Medikamentenreste und Hormone drin. Selbst jetzt finden sich schon zuviele Hormone im Abwasser. In unseren Breiten wird das Bevölkerungsproblem im Wesentlichen über Hormongaben gelöst und die verschwinden ja nicht einfach im nichts.

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            • AdT sagt

              Dann eben nahezu vegetarisch. Ich als Rheinläder müsste erst recht vegan leben, denn hier kann man nahezu jede Fläche als Ackerland nutzen. Gras wachsen zu lassen, wäre hier Verschwendung.

              Siehe aber hier: http://www.deutschlandfunkkultur.de/weltacker-experiment-wie-viel-anbauflaeche-braucht-ein.976.de.html?dram:article_id=333459

              Das Düngeproblem stellt sich bei Pflanzen- und Futterbau gleichermaßen. Tierhaltung hat genau so wenig einen geschlossenen Nährstoffkreislauf wie Pflanzenbau für den menschlichen Verzehr. In beiden Fällen landen Nährstoffe in der Kanalisation, ohne zurückgeführt zu werden.

              Die Nährstoffe, die in den Ausscheidungen der Tiere stecken, wurden ja vorher dem Boden entnommen. Stellt man sich vor, dass etwa 1 Drittel der Futterfläche in Fleisch und sonstige verwertbare Körpersubstanz übergingen und 2/3 in Kot und Urin (Verluste an die Luft und durch Auswaschung nicht eingerechnet), muss 1/3 der Fläche mit Handelsdünger (Minderaldünger) gedüngt werden. Die anderen 2/3, die ins Schwein rein und wieder raus gehen, quasi eine nährstoffliche Ehrenrunde, ein Nullsummenspiel, fallen ohne Tierhaltung erst gar nicht an. Auch Weiden müssen gedüngt werden.

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            • fingerphilosoph sagt

              Ein paar Monate lang funktioniert die regionale Obst- und Gemüsephase, klar. Es gibt eine Zeit, wo mehr auf dem Acker wächst, als ein Mensch verbrauchen kann, klar. Und just zu der Zeit ist das Angebot auch sehr abwechlungsreich. Wir haben hier auch die Sommerschwemme, wo die Hobbygärtner die Nachbarschaft mit Salaten, Äpfel und Kiwis beglücken.

              Aber wenn der Versuch über ein Jahr hinweg oder gar über mehrere durchgezogen wird, sieht es anders aus. Es wäre ja schon interessant zu erfahren, warum das Experiment in dem verlinkten Artikel abgebrochen wurde. Genau da, wo es interessant wird, ist da eben eine Lücke in der Erzählung.

              Als Wintergemüse haben wir hier vor allem Lauch, Karotten, zwei Rübensorten, Kürbis, Ackersalat, Kartoffeln, Rote Beete, verschiedene Kohlsorten. Wenn ich von November bis April frisch nur das auf dem Markt bekomme, will ich diese karge Auswahl schon mittels Fleisch(brühe), Speck, Wurst ergänzt haben. Ich bin nicht so asketisch veranlagt, dass ich bereit bin, auf Geschmack plus das „Stück Lebenskraft“, wie es früher mal in der Werbung geheißen hat, zu verzichten.

              Zumal ich es grundsätzlich okay finde, Tiere zu schlachten, um sie zu essen. Dass nicht die ganze Lebenszeit bis zum letzten Gebrechen ausgelebt wird, verhindert Leid. Wir Menschen haben für uns die andere Lösung gewählt, nämlich die Lebenszeit sogar über die normale hinaus noch zu verlängern. Das akzeptiere ich. Aber ich sehe nicht ein, warum ich diese Wahl auf das Tier übertragen soll.

              Wenn die Tendenz in Richtung regionale Ernährung/Selbstversorgung mit Freilandtierhaltung geht, sinkt natürlich der Fleischkonsum. Vielleicht erinnerst du dich an den Film hier bei Bauer Willi über die Bedürfnisse des Schweins mit separatem Schlaf- Fress- und Scheißplatz. Da wirst du bei 2000 m² nicht jedes Jahr ein Schwein halten können. Höchstens ein Schaf und ein paar Hühner. Dann spricht man sich eben mit seinen Nachbarn ab und teilt sich ein Schwein. Tja, und dann muss man wohl in der Rezeptekiste nach Gerichten kramen, wo alles verwertet wird. Kutteln beispielsweise. Im Endeffekt würde diese Zukunftsvision wahrscheinlich schon drauf rauslaufen, dass es bloß 1x in der Woche Fleisch gibt.

              Gegen diese Zukunftsvision gibt es allerdings ein schlagendes Argument: kaum einer will so leben. Noch nicht mal die Bauern hier auf diesem Blog. Das muss man akzeptieren. Selbst wenn der Karren dabei an die Wand gefahren wird. Die Alternative ist ein totalitäres System, und das finde ich noch schlimmer als einen an die Wand gefahrenen Karren. Das gilt auch dann, wenn das totalitäre System in smartem Gewand daherkommt und sich als Nudging äußert.

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            • AdT sagt

              Hier mal eine Autorität gegen die Bio- und Gülle-Esoterik:

              „Der Pflanze ist es schnurzegal, ob der Stickstoff, den sie braucht, aus dem Sack mit Kunstdünger kommt oder aus dem Kuhstall. Ohne Kunstdünger könnte die Landwirtschaft weltweit nur zweieinhalb bis drei Milliarden Menschen ernähren. Das bedeutet, die Hälfte der Menschheit müsste sterben. Ich frage mich, wo die Freiwilligen dafür herkommen sollen.“

              Norman Borlaug

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            • fingerphilosoph sagt

              Womit baut man Chemiefabriken und woraus macht man den Kunstdünger, wenn die fossilen Energieträger sich ihrem baldigen Ende zuneigen?

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            • AdT sagt

              Was weiß ich. Ich weiß jedenfalls, was keinesfalls die Lösung ist. S.o.

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            • Brötchen sagt

              die Energieversorgung ist noch nicht begrenzt. die heutige petrochemie könnte man auf eine kohlechemie oder kohlenstoffchemie umstellen. das ist ein alter gut! die kohle reicht noch mehr als 100 jahre. kohlenstoff kann man aus holz gewinnen.

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          • AdT sagt

            „Das Vertrauen in diese ganze Branche ist schwer lädiert, wenn nicht gar futsch.“

            Entwickelt sich da jemand zum (faktischen) Vegetarier, vielleicht Veganer?

            „Zweifel schleichen sich ein, man kratzt an der ideologischen Tapete und plötzlich kommt einem die ganze Wand entgegen. Doch zum ersten Kratzen braucht man Mut. Da hilft der Gedanke, du bis ja gar nicht abtrünnig, nein, du bis der wahre Kommunist, Christ, Ökologist oder was auch immer.“

            http://www.achgut.com/artikel/boris_palmer_vom_werden_eines_renegaten

            1+

            • Dorfmensch sagt

              @AdT und @fingerphilosoph

              Frage: Was ist „Kunstdünger“? Hat das etwas mit Musik oder Bildhauerei zu tun?

              1+

          • Inga sagt

            Das kann nur eine Idee des LEH sein, der mit Tierwohl wirbt, wie die Seniorenresidenzfirma,
            diese Firma geht direkt an den Verbraucher, den Menschen, der da drauf reinfallen soll.

            Aber unsere Produkte, wie Fleisch oder Milch werden oft verarbeitet von der Lebensmittelindustrie an den LEH und der an den Kunden, den Menschen verkauft.
            Und durch Werbung von ihm soll dann der Mensch da drauf rein fallen!

            Der Bauer, der Rohstofflieferant braucht nicht zu werben, Fingerphilosoph.

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          • Inga sagt

            Ja klar, wie bei der Autoindustrie,
            anstatt Hardware soll Software verbessert werden.
            Hat das mit dem Wesentlichen zu tun?

            also wirklich, Fingerphilosoph,

            willst du jetzt die gesamte Landwirtschaft mit den Methoden im Altersheim vergleichen?
            Schäme dich,
            hast du eigentlich von von deren Arbeitsablauf Ahnung? Das sind doch 2 ganz fremde Berufe für Dich!
            So ein Vergleich macht deutlich, dass du von beiden keine Ahnung hast und auch nicht von dem,
            was die normale Landwirtschaft für eine Rolle in unserer Volkswirtschaft hat.

            Du hast nur Ahnung vom Philosophieren, wie man Menschen um den Finger wickelt und wie man das in der Werbung ausnutzen kann.

            Seniorenheime machen das vielleicht, aber ein normaler Bauernhof doch nicht, das habe ich gestern unten schon erklärt.

            Oder glaubst du wirklich daran,dass die Bauernfamilie MÜLLER aus Bayern den ganzen Tag Jogurt rührt? Und weil da alle mithelfen müssen, wie in Bauernfamilien früher üblich, wird suggeriert, dass dabei alle von Enkelin bis Uropa mithelfen müssen.
            Eine Familie und produzieren den MüllerMilch-Joghurt für die ganze EU oder so?
            Und die Erdbeeren dazu wachsen alle bei der im Bauerngarten.

            Wer das glaubt, der hat keine Ahnung und muß auf die Werbung, bei der es ja nicht um das Wesentliche geht, hereinfallen.

            Und wehe, wenn in der Wissenschaftsdoku im Fernsehen dann zu sehen ist, dass es auf der ganzen Welt gar nicht so viele Erdbeeren gibt, dass sie für alle Joghurts der Welt reichen, deswegen muß man sich mit Aromen aus Sägespäne bedienen, dann wird aber
            auf die Bauernfamilie Müller geschimpft,
            „alles Betrug und sie täuscht uns Verbraucher, sie wickelt uns mit der Werbung um dem Finger!“

            Wer steckt hinter dieser Werbung? Wer bezahlt sie? 50 – 100.000€ in der Sendeminute.

            Kann das eine einzige Familie?

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  4. Altbauer Jochen sagt

    Hallo Friedrich ,
    Treffender kann man es nicht beschreiben,
    ich stimme dir 100 % zu,
    Bäuerliche Tradition hat nach meiner Ansicht nicht vorrangig
    mit einer bestimmten Art der Wirtschaftsweise zu tun,
    sondern mit dem Erhalt des ( Bauern) Standes und
    einer Generationsübergreifenden Denkweise .

    1+

  5. Friedrich sagt

    Traditionell heist für mich in der Generationsfolge den Hof weitergegeben. Unsere Betriebe kann man an Hand der Kirchenbücher bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückverfolgen. In unseren Nachbarländern wird der Hof verkauft. Dort ist man Stolz sagen zu können , wenn man in der 4. oder 5. Generation wirtschaftet. Unser Höfeerbrecht ist hier auch ganz anders, weil hier nur einer den Hof erben kann. Das haben wir den Regierenden um 1830/50 zu verdanken , die die Bauern von der Leibeigenschaft befreit haben und den Bauern das Land verkauft haben. Dazu haben die extra hier in Hannover die Hannoversche Landeskreditanstalt gegründet (heute Nord/LB). Die Kredite mußten mit 5% verzinst werden und hatten eine Laufzeit von 50 Jahren. Wie , ob bio oder konv. bewirtschaftet wird , ist völlig egal , hauptsache von der Familie. Traditionell heist auch das Hofes- Vermögen zu erhalten und zu vermehren. Heute kann man schon froh sein es nur zu erhalten, denn die EU hat uns wieder zu Leibeigenen gemacht. Mit bürokratischen Mitteln versucht man den Bauern das Vermögen zu entreißen und bereitet den Boden für den Verkauf an nichtlandw. Investoren. Unsere Politik hat sich zum Büttel des weltweiten Großkapitals machen lassen. Dieses Großkapital sucht händeringend einen sicheren Hafen für ihr Kapital und das ist Land. Durch die Verquickung von Kapital und Politik ist die politische Klasse heute erpressbar geworden und opfert lieber den Mittelstand , als selber zum Opfer zu werden.
    Siehe Dieselaffähre ,Bankenrettung, usw. . Wir haben heute eine Situation wie vor fast 100 Jahren , nur das für uns der „Groß Knall “ noch bevorsteht.

    7+

    • fingerphilosoph sagt

      Wenn ein Betrieb innerhalb der Familie über Generationen weitergegeben wird, dann ist das ein Familienbetrieb. Innerhalb einer solchen Familie mag es zwar Familientraditionen geben, aber der Begriff „Tradition“ greift über die Familie hinaus. Eine Tradition ist etwas, das eine Gruppe verbindet. Weihnachten zu feiern, ist bspw. eine von vielen Traditionen, die die Christen verbindet. Wie das dann geschieht, ist innerhalb der Familientraditionen unterschiedlich.

      Ein traditionsreiches Unternehmen zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es von Generation zu Generation innerhalb der Familie vererbt wurde, sondern dass dieses Unternehmen in unterschiedlichen Zeiten jeweils eine Werte bewahrende Rolle gespielt hat..

      1+

      • Inga sagt

        Ja, diese Tradition ist ja in jeder Bauernfamilie.

        Und beeinflusst nicht nur unsere Kultur, sondern bestimmt unsere ganze Volkswirtschaft.

        Siehe Bauerntradition in der DDR.

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  6. Paulus sagt

    Sachlich nüchtern betrachtet liegen der heutigen LW tatsächlich alle Elemente und Merkmale der industriellen Produktionstechnik zugrunde, egal ob bio oder konvi oder was auch immer. Gewisse Exoten und Kleinbauern die sogen. Subsistenzwirtschaft betreiben lasse ich jetzt mal außer Acht.
    Jeder wirtschaftlich denkende Betriebsleiter wird versuchen, seine ihm zur Verfügung stehenden Produktionsanlagen (Landflächen oder Stall) quantitativ auf eine, selbstverständlich auch von äußeren Umständen beeinflusste, optimale Kapazität einzustellen. Dem können sich auch z.B. die Vertreter der AbL nicht entziehen; schließlich ist auch die sogen. bäuerliche LW auf Produktivität und ökonomischen, sprich monetären Gewinn ausgerichtet.
    Damit ist diesem unseligen Kampfbegriff „industrielle LW“ doch schon mal der Schrecken genommen.

    Es gibt allerdings Unterschiede zwischen industrieller Produktion die in Fabriken und der die auf dem Acker und im Stall sattfindet. Die fabrikmäßige Produktion von Gütern welcher Art auch immer, kann ich jederzeit stoppen, kapazitiv ändern oder umstellen, je nach Marktlage, Verfügbarkeit von Rohstoffen, Entwicklungsstand, etc. …
    Und genau das geht in der LW eben nicht so einfach, zumindest nicht von jetzt auf gleich. Bei der LW kommt als Risiko erschwerend hinzu, dass diese in wesentlichen Teilen witterungsabhängig ist und Produktionsprozesse somit nur schwer oder ggf. auch gar nicht steuerbar sind.

    Das ist im Grunde schon alles und jetzt bezeichnet euch wie ihr wollt. Als Verbraucher interessiert mich das nur peripher, zumindest solange nicht dieses leicht heuchlerische Bio draufsteht.

    2+

  7. fingerphilosoph sagt

    Überall, wo Menschen anfangen, das was sie tun, nicht beim Namen zu nennen, ist etwas faul. Bauer Willi, das was du tust, ist nicht „traditionelle“ Landwirtschaft, das ist „industrielle“ Landwirtschaft.

    „Traditionell“ ist eine Subsistenzwirtschaft, in der ein Bauer 10 Menschen mit Nahrung versorgt und die auf die Großväter und Urgroßväter verweist. Diese Art von LW existiert vielleicht noch in einigen Winkeln Hinterchinas und Hinterafrikas und bei dem einzelnen Bauern aus der Bretagne, der hier neulich von einem gewissen industriellen Landwirt mit der Frage, ob Städter sich die LW etwa so vorstellen, vorgeführt wurde.

    Industrielle Produktionsmethoden bestimmen heute die LW. An die Stelle von Muskelkraft und Pferdestärken sind Maschinen getreten. Die Produktivität wird mit synthetischem Dünger und Insektenvertilgungsmittel, mit Hormonen und Antibiotika, mit neuen Züchtungsmethoden und Gentechnik gesteigert. Die verderblichen Produkte werden in riesigen Kühlhäusern gelagert und per Schiff und Flugzeug werden die landwirtschaftlichen Produkte unter irrsinnigem Energieaufwand kreuz und quer durch die Welt gekarrt. Tiere und Pflanzen werden massenreproduziert, ihre Körper werden den industriellen Erfordernissen angepasst. Und das ist nicht „traditionell“.

    Lieber Bauer Willi, ist es nicht ein permanenter Vorwurf von Dir an die NGOs, dass sie die Wirklichkeit nicht so beschreiben, wie sie ist? Wo ist jetzt da der Unterschied von Dir zu denen?

    7+

    • Andreas Müller sagt

      Dreimal ist Tradition – sagt man

      – ich glaube nicht, dass dein Vater, Großvater und dein Urgroßvater so gewirtschaftet haben – mit: Glyphosat, Chemieeinsatz, künstlichen Düngemittelmengen, Spezialisierung, Prozessopimierung, Personaleinsparung, Maschinen, GPS, Mulchsaat, keinen Tiere auf dem Hof ausser ner Katze usw.

      Dieses Branding von Dir geht nach hinten los.

      Versuch es wie der Fingerphilosoph geschrieben mit „industrieller Landwirtschaft“, das ist ehrlicher und trifft eher deinen Markenkern.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Derzeit wird von den BIO Weinbau die Zulassung von Kalium-Phosphonat gefordert,
        Kalium-Phosphonat wird synthetisch hergestellt.
        Nach den riesigen Schäden im Jahre 2016 ist die Forderung zwar verständlich, aus meiner Sicht abzulehnen. Wenn es nicht ohne geht, dann sollen die konventionell wirtschaften.
        Meine Frage ist dahingehend, ist der BIO Weinanbau mit Kalium-Phosphonat traditionell, weil Kalium-Phosphonat mal als ein Pflanzenstärkemittel angesehen wurde, oder kann man den BIO Weinbau als industrieller Weinbau ansehen?

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        • Dorfmensch sagt

          @Ehemaliger Landwirt,
          die Frage nach dem Einsatz von Phosphonaten im BIO Weinbau ist mehr als berechtigt. Ich bin da voll Deiner Meinung.
          Kalium-Phosphonat ist ein Fungizid (Kritiker der Landwirtschaft bezeichnen solche Mittel penetrant als Pestizide!) und kein Pflanzenstärkungsmittel. Man kann sich halt die Welt bzw. Natur schon irgendwie zu Recht biegen, aber bloß nicht die konventionellen Landwirte oder Winzer.
          Die Zulassungswünsche für den ökologischen Landbau haben da schon ein Geschmäckle.
          Der P-Gehalt von Phosphonaten (als Phosphit gebunden) hat übrigens keine P-Düngewirkung.

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    • Mark sagt

      Seit 10000 Jahren hat sich die Landwirtschaft stets weiterentwickelt. Die Erfindung der Bodenbearbeitung mit Hacke, Einführung des Pflugs, Nutzung tierischer Zugkraft, 3-Felderwirtschaft, Düngung und Pflanzenschutz etc.. Traditionell ist die Landwirtschaft nie stehen geblieben, sondern sie hat sich immer weiter entwickelt. In dieser guten Tradition sieht sich Willi zurecht.

      4+

      • Andreas Müller sagt

        Ihr seid so traditionell wie künstliches Fleisch, Loveparade und ein Hähnchengroßmastbetrieb – alles wie immer.

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      • fingerphilosoph sagt

        Das Schreinerhandwerk ist traditionell auch nie stehengeblieben. Trotzdem ist ein traditioneller Schreiner keiner, der an einer CNC-Maschine arbeitet, sondern einer, der mit den alten Handwerks-Techniken arbeitet.

        Entsprechend ist ein traditioneller Landwirt keiner, der moderne synthetische Düngemittel aufbringt, sondern einer, der entsprechend mit alten Techniken arbeitet. Wenn Bauer Willi traditionell arbeiten würde, könnte sein Großvater oder sein Urgroßvater den Betrieb sofort weiterführen, ohne dass Bauer Willi seinen Ahnen einarbeiten muss, und ich wage zu bezweifeln, dass Großvater und Urgroßvater sich ohne Anleitung und Schulung zurechtfinden würden.

        Wenn Bauer Willi sich „traditioneller Bauer“ nennt, ist das in meinen Augen schlicht ein Etikettenschwindel.

        Der Grund dafür ist auch klar. Wie Bauer Hans sagt: der Begriff „industrielle LW“ ist negativ besetzt, und er ist deshalb negativ besetzt, weil Tiere und Pflanzen in der industriellen LW nicht als Lebewesen, sondern als lebende Stückzahlen in einem Produktionsablauf gesehen und der Produktion angepasst werden.

        Ich bin davon überzeugt, dass es genau das ist, was die meisten Mensch ablehnen. Das ist es, was von vielen Bauern überhaupt nicht begriffen wird.

        Mit „Bio“ verbinden die Menschen, dass die Tiere wie Tiere und nicht wie lebende Stückzahlen in einer Massenproduktion behandelt werden. Dasselbe gilt für Pflanzen. Deshalb ist auch „Bio“ inzwischen zum Etikettenschwindel mutiert, weil „Bio“ gerade so Mechanisierung von Tieren und Pflanzen bedeutet.

        Der industrielle Landwirt sollte meiner Ansicht nach zu dem stehen, was er macht, und sich entsprechend auch so nennen.

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        • fingerphilosoph sagt

          Bio-Bauern, die nicht nach industriellen Kriterien wirtschaften, sollten ihre Wirtschaftsweise ruhig „nicht-industriell“ nennen und sich dadurch sowohl von Bauer Willi wie von industriell wirtschaftenden Bio-Bauern abgrenzen. Und das wäre dann eben nicht so, dass das Bio-Schwein bloß einen halben m² mehr Platz zugestanden bekommt und mit nicht gentechnisch erzeugtem Futter gemästet wird, während ansonsten alles gleich bleibt. Man könnte sich auch den ganzen Tierwohl-Schwindel sparen.

          Die Unterscheidung in „industrielle“ und „nicht industrielle“ LW würde den Finger darauf legen, worauf es ankommt.

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        • Mark sagt

          War denn Willis Urgroßvater ein traditioneller Bauer?? Der hat doch auch ganz anders gewirtschaftet als seine Vorfahren 5 Generationen vorher. D. h. Willis Urgroßvater war demnach ein industrieller Bauer.
          Mal im Ernst: der Einsatz synthetischer Düngermittel ist doch kein Indikator für industrielle Landwirtschaft, wenn der Hobbygärtner Blaukorn an seine Tomaten wirft, ist er doch auch kein industrieller Tomatenproduzent. Man wirft mit diesem Begriff so leichtfertig um sich, mir hat noch keiner schlüssig erklären können, was industrielle Landwirtschaft eigentlich ist, vorallem nicht wo sie anfängt und aufhört. Dass dies aber nichts mit bio oder konvi zu tun hat, darin sind wir uns einig.

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          • Industriell beginnt dort, wo, in welcher Form auch immer, Fremdenergie zum Einsatz kommt, also Energie, die nicht in Reichweite des Arbeiterkörpers vorliegt und nicht durch den Arbeiterkörper selbst eingesetzt wird. Spannt ein Arbeiter ein Tier zur Arbeit ein, ist das solange nicht industriell, wie auch das Tier nur über die Energie aus seinem Umfeld verfügen kann, um zu fressen. Daher ist Natur von Natur aus nicht industriell, weil Natur von Natur aus ohne Fremdenergie seit Jahrmillionen schon funktioniert.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Dann müsst ihr Städter eure Scheiße und euer Urin wieder zu den Feldern bringen, wo eure Lebensmittel herstammen.

              Da ihr eure Hinterlassenschaft mit giftigen Chemikalien vermischt,
              sind sämtliche Gedanken darüber Obsolet.

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            • Andreas Müller sagt

              Konvibauern benutzen Industrie-Dünger, chemische Pflanzenschutzmittel, Hybridsaatgut und/oder Hochleistungstiere, Industriemaschinen und arbeiten kosten- und prozessoptimiert ohne Menscheneinsatz und wollen dann traditionell sein?

              Welche Tradition soll das sein? Das ist doch wohl eher Landwirtschaft 4.0 oder die Tradition eines Automobilherstellers wie Audi mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik“

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Öko Bauern benutzen auch Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und arbeiten mit Maschinen.
              Ist ökologisch vermehrtes Saatgut nicht verfügbar, darf unter bestimmten Bedingungen auf konventionelles Saatgut zurückgegriffen werden.

              Hier eine „traditionelle“ BIO Hühnerhaltung:

              http://www.biowahrheit.de/inhalt/eier.htm

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          • fingerphilosoph sagt

            Industrielle Produktion hat folgende Merkmale: Spezialisierung, Fragmentierung in einzelne Produktionsschritte, Vermaschinisierung der einzelnen Produktionsschritte unter zunehmendem Einsatz von Fremdenergie. Und ja: Fremdenergie ist eins der wesentlichen Kriterien, an denen man industrielle Produktion erkennt, wobei allerdings nicht nur der Diesel für den Traktor oder der Strom für die Melkmaschine gemeint ist, sondern auch die Fremdenergie zur Herstellung von Traktor und Melkmaschine.

            Nicht-industrielle Produktion im Bereich der LW erkennt man an der Nicht-Spezialisierung. Der Bauer baut sowohl Getreide an als auch Rüben oder was auch immer und hält gleichzeitig Tiere, deren Dünger er wiederum auf seinem Feld einsetzt. Solche Höfe gibt es ja auch.

            Neulich war hier mal ein Brief von einer Bäuerin veröffentlicht, deren Arbeit hauptsächlich in der Desinfektion von Hühnerställen bestand und darin, Hühner im Alter von … bis … zu mästen. Ob das einzelne Huhn nun schnell oder langsam Fleisch angesetzt hat, spielte dabei keine Rolle. Die Hühner kamen und gingen chargenweise. Genau das ist industrielle Produktion.

            An anderer Stelle habe ich schon mehrfach erwähnt, dass Städte und industrielle LW sich gegenseitig bedingen. Deshalb kann die nicht-industrielle LW natürlich nur eine Nische sein. Aber es wäre eine sinnvollere Abgrenzung als „Bio“.

            Bauer Willi und seinesgleichen könnten schon damit Reklame machen, dass er als industrieller LW Lebensmittel für die Städter erzeugt und damit dass ein nicht-industrieller LW keine 150 Leute ernähren kann. Das ist ja auch okay. Deswegen muss man doch nicht unter falscher Flagge segeln.

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            • Mark sagt

              „Industrielle Produktion hat folgende Merkmale: Spezialisierung, Fragmentierung in einzelne Produktionsschritte, Vermaschinisierung der einzelnen Produktionsschritte unter zunehmendem Einsatz von Fremdenergie. Und ja: Fremdenergie ist eins der wesentlichen Kriterien, an denen man industrielle Produktion erkennt, wobei allerdings nicht nur der Diesel für den Traktor oder der Strom für die Melkmaschine gemeint ist, sondern auch die Fremdenergie zur Herstellung von Traktor und Melkmaschine.“ Nach dieser Definition gibt es in Deutschland 99,9% industrielle Landwirtschaft, weltweit (einschließlich EL) sieht es kaum anders aus. Die 150 Hühner vom Hühnermobilstall kommen und gehen auch gemeinsam (chargenweise), trotzdem kommt der „Ottonormalbürger“ niemals auf die Idee, dies als „industrielle“ Landwirtschaft zu bezeichnen.

              Der Begriff industrielle Landwirtschaft als solcher ist vollkommener Schwachsinn einschließlich aller Versuche seiner Definition. Landwirtschaftliche „Produktion“ als solche ist elementar anders als Industrieproduktion. Der Landwirt selbst produziert eigentlich gar nichts, er schafft lediglich Voraussetzungen dafür, das etwas entstehen kann, dass gewünschte natürliche Prozesse ablaufen können. Im Gegensatz zur industriellen Produktion kann der Landwirt diese Prozesse nie zur 100 % beeinflussen oder steuern, er ist immer in bestimmtem Maße von der Natur abhängig.

              Die Wortschöpfung „industrielle Landwirtschaft“ im allgemeinen Sprachgebrauch zielt letztlich lediglich auf Massenproduktion ab, insbesonders in der Tierhaltung. Fragt man nach, wo denn diese beginnt, bekommt man völlig unterschiedliche Aussagen je nach ideologischer Ausrichtung der befragten Person.

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            • fingerphilosoph sagt

              Heerscharen von Technikern und Wissenschaftlern arbeiten daran, dass diese Abhängigkeit von der Natur immer weiter zurückgedrängt bzw. letztendlich ganz abgeschafft wird. Gentechnik ist nichts anderes als der Versuch, sich mit manipulierten Organismen ein Stück weiter aus dieser Abhängigkeit von der Natur herauszulösen. Ob es gelingt, sei dahingestellt.

              Deshalb trifft es der Begriff „industrielle Landwirtschaft“ schon ganz gut. Man arbeitet daran, die Prozesse zu steuern und sie nach menschlichen Kriterien und nicht nach natürlichen ablaufen zu lassen.

              Ich kenne noch eine andere Art von LW. Eine, wo man sich das Huhn, das geschlachtet wird, aussucht. In Vietnam bspw. bietet der Bauer auf dem Markt vielleicht zwanzig oder dreißig Hühner oder Gänse an. Da suchst du dir eins aus, und erst dann wird es vor deinen Augen geschlachtet. Diejenigen Hühner und Gänse, die keinen Käufer finden, werden lebend wieder mit heim genommen. Vor der Industrialisierung der LW war das auch in Deutschland so. Bei uns im Dorf wurde nicht chargenweise geschlachtet. Wenn du in 25 Jahren tatsächlich 100 wirst, müsstest du diese Art LW doch sogar noch besser kennen als ich.

              Der Begriff „industrielle Landwirtschaft“ zielt auch darauf ab, dass der Bauer immer weniger der Gestalter und immer mehr der bloß Ausführende wird. Auch das ist ein Kennzeichen des industriellen Produktion. Derjenige, der den Produktionsprozess plant, ist mit demjenigen, der den Produktionsprozess ausführt, nicht mehr identisch. Und jetzt frage ich dich: was entscheidest du denn wirklich noch selbst, mal abgesehen davon, ob du den Hof weiterführst oder aufgibst?

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            • Mark sagt

              “ Auch das ist ein Kennzeichen des industriellen Produktion. Derjenige, der den Produktionsprozess plant, ist mit demjenigen, der den Produktionsprozess ausführt, nicht mehr identisch.“ Oh, das war in meiner Jugend vor 60 Jahren aber noch deutlich anders als heute. Die Bauern hatte Knechte und Mägde. Der Herrenbauer hat morgens die Arbeit geplant und delegiert, ausgeführt haben andere. Mit Kniebundhose und Janker hat er Nachmittags kontrolliert, ob die Arbeit vorangeht… also industrielle Landwirtschaft??? Heute ist das anders, wenn ich was plane, muss ich die Suppe selbst und alleine auslöffeln, meine Frau ist Beamtin und weder Willens noch in der Lage (was die Fähigkeit betriff 🙂 ) mitzuwirken. Meine Entscheidungsfreitheit hat sich nicht wesentlich verschlechtert, eher verbessert, wenn man mal von dem ausuferndem Ordnungsrecht absieht. Dies ist aber nicht der Industriealisierung der LW geschuldet, sondern eher der allgemeinen Regeluungswut. Was passiert, wenn man Geflügel in Deutschland auf dem Markt zur Schlachtung anbietet, konnte man unlängst im TV sehen (ich glaube, darüber haben wir schon mal diskutiert), ob man dies der Industriealisierung der LW anlasten kann, ich weiss es nicht. Schön, dass Du anerkennst, dass landwirtschaftliche Erzeugung auch heute noch von der Natur abhängig ist, im übrigen auch die, die mit Gentechnik arbeiten, denn tagesaktuell kommt die Meldung, dass die südamerikanische „Gen“sojaproduktion stark unter Trockenheit leidet.
              Um zum ursprünglichen Thema zurück zu kommen: Ja, der Begriff industrielle Landwirtschaft, was auch immer darunter zu verstehen ist, ist negativ besetzt. So wie Willi einfach zu sagen, ich bin traditioneller Bauer ist natürlich ebenso wenig korrekt ( weil er damit was anderes suggeriert als er ist). Mein Vorschlag für Willi und die anderen: Ich bin Landwirt.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              >>Ich kenne noch eine andere Art von LW. Eine, wo man sich das Huhn, das geschlachtet wird, aussucht. In Vietnam bspw. bietet der Bauer auf dem Markt vielleicht zwanzig oder dreißig Hühner oder Gänse an. Da suchst du dir eins aus, und erst dann wird es vor deinen Augen geschlachtet. Diejenigen Hühner und Gänse, die keinen Käufer finden, werden lebend wieder mit heim genommen. Vor der Industrialisierung der LW war das auch in Deutschland so. Bei uns im Dorf wurde nicht chargenweise geschlachtet. Wenn du in 25 Jahren tatsächlich 100 wirst, müsstest du diese Art LW doch sogar noch besser kennen als ich.<<

              Soll jetzt der Bauer mit 20 Hühner in die Stadt fahren und bei Bestellung die Hühner vor den Augen der zartbesaiteten Verbraucher den Kopf abhacken?
              Wer bezahlt den Notarzt mit samt dem RTW, wenn die Zuschauer reihenweise umkippen?

              Übrigens,
              in meinem Dorf gab es soweit ich zurückdenken kann, keine Zustände wie in Vietnam.

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        • Dorfmensch sagt

          @Fingerphilosoph,
          was haben Sie gegen synthetische Dünger? Bitte keine philosophische Antwort, die hilft hier nicht weiter, sondern nur eine naturwissenschaftliche! Ich bin da mal gepannt.

          Nächste Frage: Gibt es philosophische Probleme bei der Weiterentwicklung der Landwirtschaft? Diese hat es ja erst ermöglicht, dass immer mehr Leute Zeit für philosophische Fragen haben. Schreiben heute die Philosophen schon Tinte und dem Federkiel auf Pergament oder noch traditionell mit Hammer und Meißel auf Tontafeln?

          1+

          • Oh, nur EINE naturwissenschaftliche. Damit Fakten Fakt bleiben und alles ANDERE f…ed ist?!

            “Diese hat es ja erst ermöglicht, dass immer mehr Leute Zeit für philosophische Fragen haben.“

            Kann man auch anders sehen, nämlich, dass die Weiterentwicklung immer mehr Menschen philosophische Fragen stellen lässt, weil die Weiterentwicklung immer mehr Antworten schuldig bleibt.

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            • Inga sagt

              Je weniger Zeit der einzelne Mensch für Lebensmittelbeschaffung braucht, desto mehr kann er philosophieren, vorher hatte er keine Zeit dafür, auch wenn er das Bedürfnis dazu hatte!
              Philosophieren für Jedermann ist Luxus!

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          • fingerphilosoph sagt

            Mit Beginn der industriellen Landwirtschaft haben Bauern damit aufgehört, die Landwirtschaft weiterzuentwickeln. Das machen jetzt andere: Universitäten, Forschungs- und Züchtungsanstalten, Chemielabors, Saatguthersteller, Landmaschinenhersteller.

            Die Bauern benutzen, was ein ganzes Heer von Technikern und Wissenschaftlern entwickelt. Und Bauern agieren unter dem Druck von Behörden, was Haltungsbedingungen von Tieren, Qualität, Umwelt etc. angeht.

            Das sind philosophische Probleme, ja, vor allem, wenn die Bauern nicht begreifen, dass die Landwirtschaft längst nicht mehr ihnen gehört, dass sie längst nicht mehr agieren, sondern nur reagieren.

            Wenn ich mit dem Pergament und dem Federkiel mehr Leute ärgern könnte, würde ich Pergament und Federkiel benutzen. Bauern kann ich jedoch am besten auf dem Bauer-Willi-Blog ärgern. 🙂

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            • Inga sagt

              Genau richtig,
              das modern Kommunikationsmittel!

              Der Bauer melkt nicht mehr mit der Hand, sondern mit dem Melkroboter, damit das große Heer von Menschen in den Wohnblocks der Stadt auch bezahlbare Milch und Milchprodukte bekommen. Muß ja alles in Massen da sein!

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    • bauerhans sagt

      der begriff „industrielle landwirtschaft“ ist genauso negativ besetzt wie die wortschöpfung „massentierhaltung“.
      dahinter steckt eine abwertende botschaft.

      1+

      • Brötchen sagt

        Griechische traditionelle Philosophen haben auch noch in der Tonne gelegen und hatten Sklaven. diese industriellen Internetphilosophen die nicht mit Gänsekiel auf Pergament schreiben, sind doch nur industrielle Computerphilosophen. 😉

        2+

        • fingerphilosoph sagt

          Der Philosoph, der in der Tonne gelegen hat, war ein Aussteiger, ein Obdachloser gar. Deshalb war das auch kein traditioneller griechischer Philosoph, sondern ein Vorläufer der Hippies.

          Traditionelle griechische Philosophen tummelten sich auf dem Marktplatz, quatschten mit den Leuten und wandelten in Säulenhallen. Der moderne Marktplatz ist das Internet. Deshalb ist der moderne Philosoph tatsächlich ein Computerphilosoph.

          Aber ich muss mich nicht von anderen Philosophen abgrenzen, wie die Bauern das offenbar unter sich tun müssen. Ich stehe für mich selber. Es gibt nur einen „fingerphilosophen“ Deshalb brauche ich auch keine weiteren Attribute wie der „traditionelle“ Bauer oder der „Tierwohl“-Bauer oder was für ein Bauer auch immer.

          1+

      • So wie Clouds und Erneuerbare Energien EINE Lüge sind und Positives vorgaukeln sollen und Künstliche Intelligenz Ausdruck menschlicher Verdummung ist.

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  8. Ottmar Ilchmann sagt

    Vor einigen Generationen gab es das, was man heute als konventionelle Landwirtschaft bezeichnet, noch gar nicht. Vor der Einführung von Mineraldünger und synthetischen Pflanzenschutzmitteln arbeiteten alle Landwirte biologisch. Ist das vielleicht eher „traditionelle Landwirtschaft“? Wie hat zum Beispiel noch dein Großvater gewirtschaftet, Willi? Ich finde diesen Begriff mindestens genauso unklar wie die von dir kritisierten. Was spricht denn gegen „bäuerliche Landwirtschaft“? Schließlich bezeichnest du dich doch als „Bauer Willi“! Also: Mut zur Bäuerlichkeit! Im übrigen brauchen wir deutlich mehr „unkonventionelle“ Bauern, die ihren Betrieb individuell, nach den örtlichen und persönlichen Voraussetzungen, entwickeln und nicht auf vorgegebene, standardisierte „konventionelle“ Lösungen setzen.

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    • Mark Rössler sagt

      Der Trend geht zum Zweitbetrieb,
      alle nicht wirtschaftlichen Flächen werden auf Bio umgestellt, Förderung sei dank.
      Real sinkt die Zahl der reinen Biobetriebe.
      Es ist natürlich unkonventionell wenn man die Bio Förderung dazu nutzt, aber das war lange abzusehen.

      Und Großväterchen nutzte noch Quecksilber und ähnliche Wirkstoffe, die man tatsächlich als Gift bezeichnen konnte.

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      • Ottmar Ilchmann sagt

        Ob man hier von einem Trend sprechen kann, bezweifle ich. Haben Sie Zahlen für den Rückgang der reinen Biobetriebe? Würde mich wundern.
        Was Ihr Großvater genutzt hat, weiß ich nicht, ich hatte eigentlich Willi angesprochen.

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    • bauerhans sagt

      „arbeiteten alle Landwirte biologisch.“

      früher gabs diesen begriff gar nicht.
      biobauer ist auch eine wortschöpfung!
      um abzugrenzen,das gute,saubere,lebensfreundliche in den vordergrund zu stellen.

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  9. Altbauer Jochen sagt

    Traditioneller Bauer bedeutet für mich, > einer< in
    der Reihe seiner Ahnen und seiner Nachkommen zu sein.
    Das überlieferte Gute zu bewahren und weiterzugeben.
    Dabei ist gute Tradition ja nicht der Erhalt früherer "Zustände"
    sondern die Weiterentwicklung einer Lebensgrundlage
    für nachfolgende Generationen.

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