Bauer Willi
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Preisabsprache

Weil wir bei uns im Ort (7.000 Einwohner) das gerade unglaubliche Glück  haben, von 5 verschiedenen Lebensmittelketten im Umkreis von 500 Metern umringt zu sein, habe ich mich am 28. Juli gegen 20 Uhr aufgemacht, um die Preise zu vergleichen. Man will ja schließlich nicht über’s Ohr gehauen werden! Was herauskam, war erstaunlich. Seht hier das Ergebnis:

Meine Schlussfolgerungen: Eigentlich brauchen wir in Deutschland nur noch einen Lebensmittelversorger. Könnte man ja „Volks-Konsum“ nennen oder so ähnlich. Weitere Vorschläge sind erwünscht.

Wer hinter diesen identischen Preisen Absprachen vermutet, irrt gewaltig. Wir haben doch das Bundeskartellamt, dass da schön drauf aufpasst!

Blöd nur, dass der Marktleiter von Penny offensichtlich nicht richtig zugehört hat, sonst hätte die Panne bei Milch und Butter nicht passieren dürfen. Wenn das mal kein Ärger in der Konzernzentrale gibt…

Und was meint ihr? Wie findet Ihr das? Schreibt uns einen Kommentar.

Euer Bauer Willi

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61 Kommentare

  1. Milchbubi sagt

    Hallo Bauer Willi,

    zu Deiner Information:
    „MMP“ = Magermilchpulver
    „SMP“ = Süßmolkenpulver

    Beste Grüße
    vom Milchbubi

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  2. Der David sagt

    Bevor der Landwirt sich ärgert, sollte er sich mal Fragen wieso er für ein Abschaffen der Quote war? Jeder mit ein bischen Ahnung von Wirtschaft weiss doch das seit Jahren die Quote dafür gesorgt das die Milchpreise einigermaßen „gut“ waren. Diese hat dafür gesorgt dass kein Überfluss an Milch da war, der dann die Preise gedrückt hat. Ohne diese Quote wird die Menge immer weiter zunehemen und somit der Preis immer weiter fallen. Es sind jetzt gerade mal 4 Monate dass die Quote ausgesetzt wurde und man sieht jetzt schon grawierende Preisrutsche. Milch ist eine Rohware wie jede andere auch (Wiezen, PET, holz usw) und das die Milchbaueren bis jetzt mit die einzigen waren die vor Angebot und Nachfrage geschützt waren erwähnt auch keiner.

    Desweiteren auf Discounter und den Lebensmittelhandel zu klopfen ist nicht wirklich korrekt.
    Als Verbaucher finde ich es gut das ein zurückgehen der Rohstoffpreise direkt auf den Konsumenten weitergegeben wird. Viele hätten billiger eingekauft aber zum selben hohen Preis weiterverkauft. Und somit die eigenen Marge erhöht. So hat der Konsument direkt was vom so hoch gelobten „Freien Markt“

    Es kam ja auch schon Geschreien das eine neuen Richtlinie von der EU kommen soll um den Markt wieder zu regulieren.

    Liebe Milchbauern: wie man sich bettet, so liegt man. Hättet ihr doch an der Quote festgehalten….

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo David
      schön, dass es immer noch ein paar Ahnungslose wie dich gibt. Da kann man nämlich einiges erklären.
      Nicht die Landwirte waren für die Abschaffung der Quote sondern die EU-Kommission. Die Preise waren auch zu Zeiten der Quote ähnlich wechselhaft (volatil) wie jetzt. Beim Zucker sind die Bauern auch gegen die Abschaffung der Quote, aber keiner hört darauf. Sie wird auch 2017 abgeschafft. Der jetzige Preisverfall der Milch liegt auch am Russland-Embargo, das politisch gewollt war. Diese Export-Milch war von ein auf den anderen Tag zu viel im Markt. Schnell ein paar Millionen Kühe schlachten, und schon stimmts wieder, wäre jetzt deine Lösung. Geht aber nicht, wenn man morgen wieder Kälber braucht. (Das sind die Kinder von Kühen!!)
      Immer billiger ist deine Devise. Warum also die Milch nicht für 10 Cent verkaufen? Hat der Verbraucher ja was davon, dass kann er dann mehr für Urlaub, PKW und Elektronik ausgeben. Ist ja auch wichtig. (Ironie)
      Der Lebensmitteleinzelhandel ist eine caritative Einrichtung, die nur zum Ziel hat, uns Deutsche mit möglichst billigen Lebensmitteln zu versorgen, ohne jedes Eigeninteresse. (Ironie)
      Dein letzter Satz ist zynisch. Liegt aber an deinen mangelnden Wissen und ich hoffe, ich konnte zur Aufklärung beitragen.
      Bauer Willi

      2+

      • Matthias sagt

        Der Bauernverband war auch für die Abschaffung. Da gab es vor Jahren schon, damals auf dem deutschen Bauerntag in Bamberg, sogar einen Beschluss dafür! War im übrigen der einzige Verband in Europa der den Ausstieg aus der Quote mit einem Delegiertenbeschluss begrüßte!

        1+

      • Matthias sagt

        Im übrigen finde ich es nicht gut wenn oben auf der Hompage steht „Wir wollen Dialog“ und dann wird sein gegenüber gleich als „Ahnungslos“ bezeichnet. Meinungsfreiheit.

        1+

      • Der David sagt

        Hallo Lieber Willi,

        ich danke dir für den „Dialog“ aber da ich unwissend bin, bin ich froh das du meine Leuchten erhellst… (Ironie). Als jemand der im Trading geschäft von MMK uns SMP zuständig war, hatt ich warschinelich mehr kontakt zur Industrie als somancher Landwirt.
        Das mit Russland ist absolut richtig, dies bremst die Exporte und steigert die Menge welche widerum die Preise drückt. Ich hatte und habe in meinem Umfeld sehr viele Bauern und alle haben ausgebaut und vorgearbeitet um noch mehr Milch auf den Markt zu geben und somit – wie sie Meinen – mehr zu verdienen. Es gab keine Demos, keine Ausfstand, noch nicht mal gemecker gegen das Abschaffen. Das es eine politische Entscheidung war diese Abzuschaffen war klar, jedoch mit Zustimmung im Glaube an ein grösseren Verdient. Wer vom Abschaffen der Quote profitiert ist klar: die Industrie. Die kann sehr viel billiger einkaufen.

        Die Begründung die Quote hätte die Preisvariationen nicht verhindert ist nur Teilweise richtig. Sie konnte sie zwar nicht verhindern aber hat dafür gesorgt das auf Grund der Mengenbegrenzung der Preis nicht ins Bodenlose absackte. Variationen waren sehr gross (3700eur/t in Sommer 2007 -> bis 950eur/t Winter 2009 bei MMK auf 100% TM) jedoch ist der ausgezahlte Preis an den Landwirten zu diesen Momenten auch relativ stabil geblieben.

        Und eine Immer billiger sei meine Devise ist falsch und so eine Unterstellung verbiet ich mir Herr Willy. Denken Sie nicht das der Konsument von variablen Rohstoffpreisen profitieren sollte? Wollen Sie zb Immer an der Tanke 2 euro zahlen auch wenn der Barrelpreis fällt? Nein natürlich nicht. Die Differenz sollte immer wietergegeben werden und nicht von multinationalen iengsteckt werden. Ich hatte es für falsch das Hochwertige Produkte zu Dumping preisen rausgehen. Man bedenke das der Einzelhandel ja auf diesen zb 0.50eur für 250g Butter immer noch was verdient…

        Unsere Economie und Wertefestlegung besteht auf dem Prinzip der Rarität; je weniger es gibt, je teurer ist es (Preis von Orangen oder Diamanten zb. Von beiden werden jedes Jahr massig vernichtet um eine Preis zu halten. Somit je weinger milch da ist, je teurer wird sie und diese geringen Mengen treiben die Nachfrage und somit den Preis hoch.

        Aber erklären Sie mal einem Landwirt dass er mehr verdienen wird wenn alle weniger liefern… Kling paradox, ist aber so. und genau so wie im Komunismus, wird nicht jeder mitspielen und wenn 99% der Bauern weniger liefern, wird 1% nicht hören und dann die fehlende Menge nachliefern.

        Die Wurzel des Problem ist das alle Bauern geteilt sind und die Industrie Vereint. Somit gibt es keine fairen Verhandlungen, da Bauern keine einheitlichen Standpunkt vertreten (ausser natürlich dass se alle mehr Geld brauchen/wollen).

        So bauer Willi, das wars von mir, ich wünsche noch einen guten Tag, ein schönes Wochende. Geniessen sie es da es in naher Zukunft noch sehr sehr viel enger werden wird für unser Agronomen. (TTIP – Mehr Milchimporte aus US, ausbau Chinesicher Molkereien (siehe Rabobank listing) willder Markt ohne regulierung…)

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        • Bauer Willi sagt

          Hallo David, da muss ich mich jetzt entschuldigen. Nun sag aber noch einem Ahnungslosen, wer oder was MMK und SMP ist. Weiß ich echt nicht.
          Zu der Marktanalyse: Es liegt auch daran, dass wir Bauern nur Rohstoffe liefern. Dort, wo der Bauer in die Wertschöpfungskette einsteigt, sieht es ja durchaus besser aus. Mit der Mehrproduktion hast Du in Teilen recht, aber wenn die Politik mittels Embargo in einen Markt eingreift, hat der Produzent keine Chance.
          Vielen Dank für die guten Wünsche zum Wochenende, aber bei uns hier ist gerade Mittwoch und draußen warten noch etliche Hektar Weizen darauf, geerntet zu werden. Das letzte Wochenende war auch keines.
          Bauer Willi

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          • Der David sagt

            Hi Willi,

            also MMK steht für MagerMilchKonzentrat in (etwa 4x konzentriert ergibt eine art Gelée; optisch ähnlich der Kondensmilch aus der Tube ) und SMP ist die Abkürzung für SkimmedMilkPowder (in etwa 8x konzentriert resp ist Pulver). Es ist üblich grosse Mengen an Magermilch zu konzentrieren, reps zu verpulvern um günstiger zu transportieren resp bei Pulver um länger zu lagern.

            Bei dem Kunden wird dies dann mit Wasser aufbereitet oder direkt ins Produkt beigemischt. Oft um die Trockenmasse etc von Yoghurt zb. zu erhöhen und die Textur trotz weniger Fett gehalt cremig zu machen. (Der Rahm (fett anteil mit Proteinen etc.. nach dem entrahmen der Milch) ist ja dass was viel kostet und da wird sehr viel getrickst um so wenig wie möglich einzusparen)

            Es sollte aber meiner persöhnlichen Ansicht auch weinger Global gehandelt werden. Jedoch beruflich zählt natürlich der Verdienst.

            Es wunderte mich immer wie 28t MMK in den Niederlande geladen um dann zb nach Griechenland kutschiert zu werden sich lohnen konnte…. Man hätte sicherlich auch in Spanien oder Italien oder sonst einem Nachbarland sein Bedarf decken können. Es entbehrt jeglicher Logik, aber die Kosten diktieren das Geschäft. (Spediteure sind ja auch ausgepresst bis auf den letzten cent.) Desweiteren gibt es auch in Europa sehr grosse Qualitätsunterschiede und Ostware zb war immer günstiger , aber auch nicht immer die beste/frischeste (Es gibt aber überall solche und solche; will jetzt hier nicht pauschalisieren)

            Ich lobe mir auch Modele in Kooperation mit Landwirte, wie zb das Fairebel projekt in Belgien oder das Fairefrance in Frankreich. Diese geben 10 ct/L an den Landwirt weiter. Haken: nur die Landwirte die in der Fairebel/Fraifrance Gemeinschaft sind kriegen diese 10ct. Das wird dem Verbraucher aber nicht mitgeteilt und der denk er unterstützt alle Bauern. Ob es sowas in Deutschland gibt oder evtl in den Startlöchern steht weiss ich net. Jedoch haben in solchen Gemeinschaften die Landwirte sehr viel mehr Gewicht gegenüber den Einkaufzentralen was Preise angeht. Noch mehr wenn die Bevölkerung das Produkt verlangt.

            Ein Supermarkt muss nämlich auch das liefern was der Kunde will um selbt zu überleben. Und da ist dann wieder der lange Hebel auf die Discounter.

            Toi toi toi mit dem Wetter bei der Ernte! 🙂

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    • Bauer Christian sagt

      hallo David, deine Argumentation mag ja gut sein mit dem Preise weiter geben. Aber Milch ist ein hochwertiges (vom gesundheitlichen Aspekt her) Produkt, was aufwendig produziert werden muss und die Produktion aufgrund von teuren, langfristigen Investitionen nicht von heute auf morgen umgestellt/aufgelassen werden kann. UND kostet meist die Hälfte von Cola, was wiederum nur Zuckerwasser ist und ewig ungekühlt haltbar ist im gegensatz zur Milch.
      Beim Cola hat noch nie jemand übern Preis gejammert. Der teure Zucker kostet vielleicht 11Cent im Cola (ca. 11%Zucker) – gerechnet mit Endkundenzuckerpreise. Noch schlimmer ist es bei den Energy Drinks.
      Die gleiche Diskussion findet statt, wenn der Weizenpreis fällt. Dann muss das Brot billiger werden. Jedoch obwohl beim Roggenbrot 70% Roggen enthalten sind, landen je kg nur 18 Cent beim Bauern.
      Du bzw. der Verbraucher muss sich entscheiden: billigstes Essen ohne auf Umwelt, Tierwohl und soziale Standards zu achten oder eine Produktion die dem REchnung trägt.

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      • Matthias sagt

        Hallo Christian,

        wir haben nun einen weltweiten „freien“ Markt seit dem Quotenausstieg. Es gibt keinen europäischen und schon gar keinen deutschen Markt. Und dieser Markt kennt nur „wer kann am billigsten Anbieten“! Er kennt keine Produktionsstandards und auch keine Kulturlandschaft. Auch die Umweltstandards sind „dem“ Markt egal. Deshalb stehen wir nun in direkter Konkurrenz zu Amerika, Neuseeland und anderen Ländern die niedrigere Standards haben als wir. Wenn wir also keinen Einfluss auf den „Markt nehmen und Rahmenbedingungen schaffen zu denen europäische Landwirte in der Lage sind kostendeckend zu poduzieren werden wir vor harten Zeiten stehen. Es liegt an uns Bauern etwas zu ändern….

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  3. Ralf Bees sagt

    Da hat sich aber Penny einen ordentlichen Zuverdienst geleistet mit der Butter und der Milch oder ist das ein Schreibfehler?

    Ich wohne hier als sogenannter „WOSSI“ (aus dem Westen in den Osten zugezogener) in der früheren DDR und da hießen solche Läden früher KONSUM – alle Preise waren identisch – und Erich H. hatte damals schon gesagt, dass uns WESSIS der Sozialismus noch alle erhaschen wird; auf die eine oder andere Art – und nun haben wir Frau Merkel als „Nachfolgerin“ dieses ehemaligen Staatsoberhauptes die seine Pläne ganz offensichtlich verwirklicht. Oder vielleicht sind es auch die Pläne von unserem alten Naziführer der das mit dem Großdeutschen Reich nicht so richtig hinbekam – dafür haben wir bald ein großdeutsches EUROPA – natürlich ganz ohne Preisabsprachen 😉

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  4. Schweinebauer Piet sagt

    Ob da jetzt Absprachen sind oder nicht, bringt den Bauern auch nicht weiter. Für mich ist der Hauptgrund für niedrige Preise immer noch das hohe Angebot, so ist es auch gerade bei Getreide.
    Als ich noch klein war, war das Dosenbier auch überall gleich teurer und ich glaube nicht, dass die Märkte sich tagelang abgesprochen haben.

    Es gibt denke ich noch Themen, die für die Landwirtschaft wichtiger sind.

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  5. Carsten sagt

    Was sollen wir da für schlüsse draus ziehen? Das jemand noch günstiger anbieten sollte? Oder das man sich für höhere Preise „absprechen“ sollte?

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Carsten
      welchen Schluss ziehst Du denn daraus? Wir wollen ja Dialog und geben nicht die Antworten vor…
      Bauer Willi

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  6. Hapi sagt

    Zur Absprache gehören Zwei. die untereinander ihre Preise absprechen. Das ist hier nicht der Fall.

    Aldi bzw. Lidl sind lediglich die Taktgeber. Die anderen Unternehmen schauen, was die für die Preise für bestimmte Standardprodukte nehmen und passen ihre Preise auf das Niveau an, selbst wenn sie dann kein Geld mit diesen Produkten verdienen (das machen sie dann mit den Sachen, die Discounter nicht führen).

    Daran ist nichts verwerflich und es gibt auch keinen Grund für das Kartellamt, so ein Vorgehen zu sanktionieren.

    1+

  7. Uli49 sagt

    Und was ist daran bitte schlecht?
    In Zeiten von Internet und Smartphone ist es das Zeichen eines funktionierenden Marktes, wenn sich die Preise angleichen. Wenn früher zwei Tankstellen unterschiedliche Preise hatten, dann bildeten sich wegen 2 Cent Unterschied vor der einen Zapfsäule eine Schlange und gegenüber tankte niemand. Es dauerte dann mehrere Stunden, bis die teure Tankstelle ihre Preise angepaßt hatte. Heute stehen die Preise im Internet und alle Markentankstellen haben identische Preise und die freien Tankstelle liegen geschlossen etwas darunter. Das funktioniert fast immer ohne Preisabsprachen, nur durch gegenseitige Beobachtung.
    Was bringt es den Bauern, wenn sie hier mal wieder einen Sündenbock aufbauen?
    Jeder Unternehmer versucht so viel zu verdienen wie möglich, auch die Bauern. Die Handelsketten haben halt mehr Macht als die Bauern. Woher kommt das wohl?
    Grüße
    Uli

    1+

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Uli
      da bist du ja wieder, wir haben dich schon vermisst!
      Sorry, in dem Artikel war keine Wertung, sondern es handelt sich lediglich eine Marktbeobachtung. Das Beispiel der Tankstellen ist ein weiteres Beispiel für ein gut funktionierendes Oligopol.
      Wir Bauern bauen auch keinen Sündenbock auf. Dass die Handelsketten mehr Marktmacht haben als wir Bauern ist mir auch nicht neu. Woran das liegt, das wirst du mir sicher in der Antwort mitteilen. Ich bin gespannt. Liefere aber auch bitte die Lösung gleich mit, die interessiert mich nämlich brennend! Ich will nämlich mehr Geld verdienen!
      Bauer Willi

      5+

      • Uli49 sagt

        Lieber Willi,
        Du schreibst Deine Artikel, wie die Amis sagen, „tongue in cheek“. Natürlich wertest Du: die Assoziationen zu „Volks-Konsum“ sind doch beabsichtigt. Daß der Marktleiter nicht zugehört hat, impliziert ja die Preisabsprache. Du bist ein Weltmeister im Formulieren, wie ein nasses Stück Seife entgleitest Du der Diskussion. Du stellst die Handelsketten an den Pranger und behauptest hinterher blauäugig Du habest garnicht gewertet. Jetzt steh halt mal zu Deiner Meinung.

        Lösungen zur Änderung der Machtverteilung mußt Du Dir schon selbst überlegen. Eine kostenfreie Unternehmensberatung für Bauern gibt es im Internet, so viel ich weiß, nicht.
        Die Ursache der großen Marktmacht der Ketten liegt meiner Meinung nach auch daran, daß diese den Kunden ernst nehmen. Die haben das Ohr immer ganz nah am Verbraucher und registrieren jede Veränderung des Kaufverhaltens.

        Bei Dir fühle ich mich in letzter Zeit bei einigen Artikeln nicht mehr ernst genommen. Wenn man glaubt, dem Verbraucher beweisen zu müssen, daß er dumm ist, braucht man sich nicht zu wundern, wenn er weg bleibt. Ich lese hier nur noch mit wegen der guten Interviews und der Videos .
        Grüße Uli

        2+

        • Bauer Willi sagt

          Lieber Uli
          ja, du hast recht. Und zwar in den Begrifflichkeiten. Natürlich sind Worte wie „Volks-Konsum“ und das „nicht zuhören des Marktleiters “ bewusst so gewählt, aber absolut ironisch gemeint, um „auf den Punkt“ zu kommen. Schade, wenn das bei Dir nicht so ankommt. Ist wohl das Problem von Sender und Empfänger, aber so ist nun mal mein Stil und den werde ich auch nicht ändern. Ich entgleite meines Erachtens auch nicht der Diskussion sondern möchte sie damit befördern. Ich hätte ja auch schreiben können „Sauerei, wie uns die Ketten beschei..en“, das wäre dann eine Wertung gewesen.
          Und wenn ich Dich frage, wie man die Marktmacht verändern könnte, ist das mehr rhetorisch gemeint. Ich bin nicht so blöd, auch wenn ich mich manchmal so stelle.
          Was die Verbraucher angeht, so sind gerade die Artikel zum „Lieferstopp bei Real“ und dieser hier ganz überwiegend von Verbrauchern kommentiert worden. Alois und ich versuchen eine Mischung von Themen für Verbraucher und Landwirte zu finden, mal anspruchsvoller, mal auch etwas flacher. Ein Interview mit Prof. Roeb können wir halt nicht jede Woche bringen und es gibt auch Themen wie das „Interview mit dem WWF“, die, entgegen unserer Erwartungen, nicht ankommen und gelesen werden. Und es gibt Videos wie „Willi beim Unkrautziehen,“ die 10.000 mal angesehen werden, auch entgegen unserer Erwartungen. Wir können den hohen Ansprüchen eines Uli halt nicht immer gerecht werden.
          Und bitte eines nicht vergessen: Alois und ich machen diese Seite in unserer Freizeit, wir haben beide noch einen Bauernhof und eine Familie.
          Zum Schluss hätte ich noch eine Bitte: bitte mit deiner Kritik auch zukünftig nicht „hinter dem Berg“ halten sondern so wie jetzt frei äußern. Und gerne auch Vorschläge, welche Themen wir bearbeiten sollen. Was mich wirklich trifft, ist deine Aussage, dass ich den Verbraucher für dumm halte. Ich werde darüber nachdenken, im Augenblick kann ich das noch nicht nachvollziehen.
          Bauer Willi

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        • Sandra Schobel sagt

          Uli,
          welche Lebensmittelkette nimmt denn den Verbraucher ernst? Das wäre mir neu…

          Die verkaufen die Sachen nicht, weil sie so gute Menschen sind, sondern weil sie einen maximalen Gewinn erzielen müssen. Wenn’s dann hilft, sich bei diesem lästigen Kunden etwas anzubiedern, okay.

          Der Verbraucher wird manipuliert und Veränderungen geschehen, weil „der Kunde das wünscht“. Diesen Kunden habe ich bisher aber nur sehr sehr selten wirklich mal treffen können. Dass diese Veränderungen nun ein bisschen mehr Gewinn erzielt, nunja, das hat man dann wohl zähneknirschend hingenommen….

          Davon abgesehen habe ich nicht das Gefühl, dass Willi mich, den Verbraucher (oder gender-korrekt „die Verbraucherin“) nicht ernst nimmt.
          Schon mal von dem rhetorischen Mittel der Übertreibung gehört? Natürlich ist es provokant, aber so bekommt man die Leute dazu, darüber nachzudenken…

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      • Waltraud Claußen sagt

        Könnt ihr Bauern euch nicht besser absprechen? Ich schlage vor, ihr produziert weniger Milch, damit die armen Kühe nicht „verheizt“ werden müssen, weniger Getreide, damit ihr unsere Umwelt nicht mit Glyphosat vergiften müßt und weniger Fleisch, damit die Tiere artgerecht gehalten werden können. Dann gebt ihr eure Produkte teurer ab, damit die Verbraucher mal wieder zu schätzen lernen, was gute Lebensmittel sind, weil sie sich nicht mehr so viel kaufen können. Dann würde nicht mehr die Hälfte von allem weggeworfen werden und allen täte es gut.Mensch, Tier und Umwelt. ?

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        • Bauer Willi sagt

          Hallo Waltraud
          Wir dürfen uns nicht absprechen wegen des Kartellamtes. Dann gibt es was auf die Finger. Ansonsten vielen Dank für die komplette Sammlung aller Vorurteile.
          Ich habe ein viel bessere Idee: Wir Bauern produzieren keine Milch, kein Getreide und kein Fleisch. Dann würden alle Deine Wünsche in Erfüllung gehen. 🙂
          Bauer Willi

          2+

          • Schweinebauer Piet sagt

            Hallo Willi, sie hat Antibiotika vergessen. Das ist aber in der Tierproduktion seit Jahren rückläufig. Nur der böse Mensch braucht immer mehr.

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          • Matthias sagt

            Wir dürfen uns sehr wohl absprechen. Das Agrarmarktstrukturgesetz bietet uns eine ziemlich weitegehende Sonderstellung im Kartellrecht. Wir machen es nur nicht. Und ich persönlich würde mich freuen, wenn eine unserer Organisationen mal Post vom Kartellamt bekommt. Dann wären wir nämlich einen riesen Schritt weiter in der Angebotsbündelung. Und bitte keinen Zynismus. Ein „bisschen“ Wahrheit steckt im Kommentar von Waltraud schon drin. Aber es ist das „Agrarsystem“ das uns dazu zwingt. Von Idealismus kann schließlich keiner seine Familie ernähren.

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        • Palla sagt

          Das strotzt natürlich vor Vorurteilen, aber in einem Punkt hat Waltraut recht: „Dann gebt ihr eure Produkte teurer ab,..“
          Die Landwirtschaft ist wohl die einzige Branche, in der Produkte einfach abliefert werden ohne zu wissen wie der Preis dafür ist. Die Abrechnung erfolgt dann immer später und man kriegt, was nach Abzug der Kosten des Käufers übrig bleibt! Das gilt für Milch genauso wie, z.B. für Obst. Die Landwirte müssen endlich ihre Produkte verkaufen, so wie jeder Andere auch: Einen Preis festlegen bei dem ein Gewinn entsteht und ansonsten gibt es keine Lieferung!
          Das bedeutet aber leider, dass die erzeugten Produkte dann entsorgt werden würden, weil es sich ja um verderbliche Ware handelt.

          Meine Meinung dazu: Wenn es nicht kostendeckend bezahlt wird, ist es nichts wert!

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          • Bauer Willi sagt

            Hallo Palla
            Wenn ich meinen Weizen verkaufe, dann mache ich den Preis selbst, in dem ich mich im Laufe des Jahres mit Vorkontrakten eindecke oder nach der Ernte die Börse beobachte und fixiere, wenn mir der Preis gut erscheint. Mit Raps mache ich es genauso. Bei Zuckerrüben gibt es einen Mindestpreis, der kostendeckend ist und Zuschläge je nach Qualität und Ergebnis des Unternehmens. Bei Milch weiß der Landwirt auch vor der Ablieferung wie der Preis ist, leider ist er im Moment sehr niedrig, was sich aber im weitesten Sinne aus dem Weltmarktpreis ableitet. Es gibt halt derzeit überall viel Milch und ein hohes Angebot. Bei Obst weiß ich nicht Bescheid. Es gibt also in allen genannten Fällen Verträge, die erfüllt werden müssen, weil sonst eine saftige Konventionalstrafe droht. Wie wäre es denn, wenn dein Arbeitgeber am Ende des Monates sagt: mit ihrer Leistung war ich nicht zufrieden, jetzt gibt es halt weniger Gehalt. Da bist du doch auch froh, dass Du einen Arbeitsvertrag hast, oder? Ganz so einfach wie sich das ein Nicht-Landwirt vorstellt, ist es also nicht…. 🙁
            Bauer Willi

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            • Palla sagt

              1. Ich bin Milcherzeugerin! ( noch)
              2. Das Milchgeld wird immer erst im darauffolgenden Monat ausgezahlt, meist gegen Mitte des Monats. Der genaue Preis ist eine Überraschung, denn die Milchpreise die veröffentlicht werden sind die Grundpreise auf den letzten Abrechnungen. Man kennt also lediglich die Tendenz des Preises.
              Einen Mindestpreis gibts nicht . Kündigungen der Milchlieferverträge sind oft nur mit einer Frist von 18 Monaten zum Jahresende kündbar. Flexibilität-Fehlanzeige! Außerdem kündigen die Molkereien gerade selbst die gesondert abgeschlossenen Verträge für zB. gentechnikfreie Fütterung, weil sie das nicht mehr bezahlen wollen!

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  8. Die sparen doch bloss zu Gunsten des Verbrauers Ernst. So müssen sie nur gemeinsam eine Sorte EAN-Codes drucken lassen – was doch uns zugute kommt! Soll ich mal lachen?

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  9. Die Konzerne haben eigene Abteilungen die ausschließlich die Aufgabe habe die Mitbewerber zu beobachten, so dass das Kartellamt keine Handhabe hat.
    Zudem wird viel Aufwand betrieben die Mitarbeiter zu schulen, was alles unter das Kartellrecht fällt. Das Risiko von Absprachen ist viel zu groß. Denn die Strafen werden am Gesamtumsatz des Unternehmens bemessen und bei Nachweis, dass der Mitarbeiter widerrechtlich gehandelt hat, trotz Schulungen, kann die Strafe auch den Mitarbeiter direkt treffen – bis zu einem brutto Jahresgehalt.

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  10. Biobauer Andreas sagt

    Sei doch froh Willi,
    Du kannst nun die Einkaufsstätte nach ganz anderen Kriterien auswählen, sei es die Nettigkeit oder Hübschheit der VerkäuferInnen oder wo es eben den bequemsten Parkplatz für Dein FamilienSUV gibt…

    Und Du könntest ja noch mal weiter forschen, wie schaut es denn bei den Anbietern der Waren aus?

    Bei Salz und Zucker sind jeweils nur 2-3 grosse Hersteller und bei Mehl dominieren den Handel auch ein paar grosse Mühlen.

    Die Molkereigenossenschaften sind auf ca. ein Dutzend zusammengeschrumpft.
    Also hätte der Milchbauer, Rübenbauer, Getreidebauer sowieso auch keine Möglichkeit einen Abnehmer zu finden, der evtl. mehr zahlt.

    Im Gegenteil, wegen „Andienungspflicht“ kann der Milchbauer seine Milch nicht mal im grösseren Stil selber verkaufen oder z.B. von einer mobilen Käserei zu Hofkäse machen lassen.

    Wenn sich die Molkereien auf höhere Preise verständigen wollen (was bei zuviel Milch auf dem Markt immer sehr schwierig sein wird) dann schwingt das Kartellamt die Keule von Strafzahlungen wegen Preisabsprachen und Kartellbildung…

    Hast Du eigentlich beim Kartellamt Anzeige erstattet? geht auch anonym, was wohl passiert, wenn das mal sagen 10.000 Verbraucher machen würden?
    http://www.bundeskartellamt.de/DE/Kartellverbot/Anonyme_Hinweise/anonymehinweise_node.html

    2+

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Andreas
      kannst Du mir mal weiterhelfen, wie das mit der Möglichkeit der Vermarktung von Rohmilch vom Betrieb weg (Milchtankstelle) ist? Ich bin da nicht auf dem neuesten Stand. Darf der dass und in welchem Umfang.
      Das mit den Preisabsprachen unter Molkereien ist ja schon irgendwie komisch. Höre von Minister Remmel immer wieder „Ihr Bauern müsst euch zusammentun“ und dann kommt die Keule mit dem Kartellamt, wie du schon richtig sagst. Anonyme Anzeige? Wie wärs mit einen Internet-Unterschriften-Sammlung wie das die NGOs tun? ´Würdest Du mitmachen?
      Bauer Willi

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      • Biobauer Andreas sagt

        Rohmilch darf gesetzlich jeder ab Hof verkaufen (präziser: dem Ort der Milchgewinnung, es gab ein skuriles Urteil, wo einem Bauern versagt wurde einen Milchautomaten 2 km entfernt vom seinem Stall an der befahrenen Strasse aufzustellen)
        http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Urteil-Milch-Direktverkauf-nur-ab-Stall-1584076.html
        geregelt ist das in §17 Abs.4 Tier_LMHV
        (4) Abweichend von Absatz 1 darf Rohmilch ferner von Milcherzeugungsbetrieben unmittelbar an Verbraucher abgegeben werden, wenn
        1. die Abgabe im Milcherzeugungsbetrieb erfolgt,
        2. die Rohmilch im eigenen Betrieb gewonnen und behandelt worden ist,
        3. die Rohmilch am Tag der Abgabe oder am Tag zuvor gewonnen worden ist,
        4. an der Abgabestelle gut sichtbar und lesbar der Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ angebracht ist und
        5.die Abgabe von Rohmilch zuvor der zuständigen Behörde angezeigt worden ist.

        Soweit das Gesetz, also darf der Bauer auch alles an der Milchtankstelle am Stall verkaufen(war auf meinem Lehrbetrieb seinerzeit so, da kam kein Milchauto!). Wenn er nun aber einen Liefervertrag mit einer Molkerei hat gelten zusätzlich auch die getroffenen Vereinbarungen, sprich die Andienungspflicht. Immerhin hat die Molkereigenossenschaft ja auch eine Abnahmepflicht. I.d.R. dürfte ein geringfügiger Ab-Hof-verkauf toliert werden. Zu Quotenzeiten hab es die „Familienquote“ für jedermann, d.h. selbst ein Bauer, der gar keine Milchquote hatte durfte die Milchmenge von einer Kuh im Jahr selbst vermarkten (so habe ich jahrelang quotenfrei meine Kühe gemolken und verkäst)

        Zur Aktion „gemeinsame Kartellanzeige“ ist das doch eher was für deine Freunde vom Bauernwiki, da es mich als 100% Direktvermarkter nun mal so gar nicht tangiert. Aber klar bin ich solidarisch und würde mit unterzeichnen.

        Gruss vom Biobauer, der jetzt gleich ganz quotenfrei seine Ziegen melken geht

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        • Bauer Willi sagt

          Danke Andreas, du bist ja ein wandelndes Lexikon. Bin nächste Woche wieder im Fernsehen und da geht es auch um Milch. Da kann ich die Info gut gebrauchen. Und gleich die nächste Frage: Wir haben, nachdem wir die Kühe abgeschafft haben, die Rohmilch bei unserem Nachbarn gekauft und roh getrunken. Ich lebe immer noch. Warum wird da heute so ein Theater um die Rohmilch gemacht? Brauchst du mir aber erst nach dem Melken zu beantworten… 🙂
          Bauer Willi

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          • biene sagt

            Hallo Willi, wegen der Listerien die in der Rohmilch sein können wird so ein Gedöns gemacht. Bakterien die für Schwangere, Kinder, Immunschwache usw. sehr gefährlich werden können. Der Hinweis zum Abkochen ist also schon sehr angebracht. Frag mal die Amis, die kriegen regelrecht Panikattacken beim Thema Rohmilch. Davon abgesehen…am leckersten ist sie allemal…finde ich.

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            • Bauer Willi sagt

              Hallo Biene,
              siehe Antwort auf Sandra Schobel. Ich finde die Rohmilch auch wirklich lecker 🙂
              Bauer Willi

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          • Sandra Schobel sagt

            Willi,
            ich bekomme es ja immer wieder mit, es gibt durchaus Probleme mit Keimen in der Rohmilch…

            Listerien, thermophile Campylobacter, Coxiellen, MRSA, Bac. cereus, Zellzahlen…
            es gibt da schon eine Menge Möglichkeiten.

            Ist ja auch niemand mehr gewöhnt, wenn der Körper sich von Anfang an mit den Keimen auseinandersetzt, findet ja auch eine gewisse Immunisierung statt und es wird viel mehr toleriert.

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            • Bauer Willi sagt

              Hallo Sandra,
              aber warum spielte das in meiner Kindheit (die ja schon „ewig“ zurückliegt), keine Rolle? Offensichtlich hat sich mein Körper daran gewöhnt! Und wenn ich mich daran erinnere, unter welchen hygienischen Voraussetzungen (die waren damals ganz einfach so) mein Vater gemolken hat, wundere ich mich wirklich, dass ich noch lebe. Heute wird wirklich hygienisch gemolken. Und die Schweizer, wundern sich über die wenigen Löcher im Käse und geben jetzt wieder Heustaub hinzu. Seitdem passt es wieder. Woran mag es wohl liegen, dass die Zahl der Allergiekranken zunehmen? Ist doch auch mal nachdenkenswert, oder?
              Bauer Willi

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            • Sandra Schobel sagt

              So ein Immunsystem lässt sich durchaus auch trainieren ;o)

              Ich denke, es ist tatsächlich so, dass es von klein auf an alles Mögliche gewöhnt wurde und daher einfach robuster war.
              Trotzdem gab es aber auch früher oft irgendwelche Lebensmittelvergiftungen/-Infektionen, nur rannte man da nicht unbedingt gleich zum Arzt, wenn man mal Durchfall hatte.. also wusste man gar nicht, dass es grad die Campylobacter oder der cereus waren.
              Dazu ist dann eine Familie erkrtankt, vielleicht noch die Nachbarn mit, aber heutzutage zieht sowas ja oft viel grössere Kreise..

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            • bauerhans sagt

              neulich kam eine familie aus süddeutschland vorbei,die sehen wollte,wo der grossvater als landarbeiter in den 50er jahren gelebt hatte und die enkelin berichtete mir,dass die grossmutter 1951 nach der hausgeburt,durch deputatmilch vom hof meines grossvaters,an listerien gestorben war.

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          • Biobauer Andreas sagt

            Wie Sandra ja schon geschrieben hat, sind manche Keime nicht zu unterschätzen.

            Auch in meiner Kindheit gab es nur Rohmilch. Im Dorf war das „Milchhäusle“, dorthin lieferten die Bauern mit Handwägelchen ihre Milch in Kannen, sie wurde dort gewogen und kam in einen grossen Tank, Aus diesem konnte die Bevölkerung, die keine Kuh daheim hatten, dann wieder Rohmilch kaufen. Ich bin mit dieser Milch aufgewachsen und habe seit 52 Jahren ausser bei meiner Geburt also, kein Krankenhaus als Patient mehr besucht.

            Nun gab es 1989 ein kleines Mädchen das in Hamburg an EHEC gestorben ist (wir erinnern uns, die Biester aus den Sprossen…) Reflexartig wurde per Falschmeldung Rohmilch verantwortlich gemacht und ist seitdem verpönt. In Wirklichkeit war zu wenig durcherhitzes Rindfleich die Ursache.

            Jetzt haben wir ein Problem mit den Milchautomaten, sie unterliegen keiner weiteren Überwachung und ich weiss dass es in den Automaten mit der Kühlung und Hygiene in den Schläuchen eher schwierig ist.

            Ich weiss in der Regel nicht, wie sauber arbeitet der Bauer beim Melken, hat er Handschuhe oder kann schon mal Mist an die Milch gelangen, z.b. über einen unsauberen Melkbecher. Remember Coli (zu denen EHEC gehört) sind Darmbakterien.

            Dann füttert der Bauer Silage? (solche Milch würde ich NIE kaufen!) Neben der Gefahr von Botulismus durch verwesende Tote Tiere in der Silage besteht die grosse Wahrscheinlichkeit, dass duch Erdanhaftungen sich Listerien bilden. Die Kuh wird daran subklinisch krank, meist unbemerkt (faszinierend: sie bildet im Blut selbst ein Gift NOx, welches die Listerien in Schach hält) und oft wird sie Listerien Ausscheider, was wiederum für Schwangere als gefährlich gilt.

            Aber: wir müssen über Wahrscheinlichkeit reden! Es ist schon wahrscheinlich, wenn ich häufig Rohmilch oder Rohmilchkäse esse ich irgendwann mal einen Treffer lande und ein paar Stunden auf dem Klo hänge, nicht weiter tragisch 🙂 Aber vom Blitz erschlagen zu werden ist weit wahrscheinlicher als mir einen EHEC einzufangen, das HUS entwickelt und ich trotz Blutwäsche daran sterbe.

            Ich bin dennoch kein Fan von Ab-HOF Milch. Erstens ist es ja Blödsinn, wenn jeder Verbraucher mit seinem SUV täglich zum Bauern fährt und sich einen Liter Rohmilch zapft und, wie gesagt, wegen der Überwachung.

            Ich bin aber ein absoluter Fan von Vorzugsmilch. Das ist Rohmilch, für die sehr hohe hygienische Anforderungen gelten (nur halbe Zell und Keimzahlen wie üblich) und die deshalb abgefüllt im Handel verkuft werden darf. Gab es früher immer im Reformhaus, ist heute vom Aussterben bedroht, daher eine ideale Nische für pfiifige qualitätsbewusste Bauern.

            Die beste Milch Deutschlands ist m.E. eine solche Rohmilch von einem Demeterhof, die kein Kraftfutter und keine Silage füttern, deren Kühe Weidegang und Hörner haben und lange leben. Bei denen dürfen die Kälber bei den Müttern trinken und der Rest wird gemolken und als Vorzugsmilch in regionalen Bioläden verkauft. Kostet jetzt nicht 55ct wie im Beispiel, sondern ab 1,39€ Das ist es mir aber als Heilmittel wert

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            • Bauer Willi sagt

              Andreas, du läufst ja zu Hochform auf. Da vergleichen wir die Preise und ich erfahre alles über die verschiedenen Milchqualitäten! Das mit der Vorzugsmilch war mir auch so nicht bekannt, ist aber wirklich eine pfiffige Idee für pfiffige Landwirte. Und 1,39 für Demeter-Milch ist absolut akzeptabel.
              Danke für die vielen Infos.
              Bauer Willi

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            • Sandra Schobel sagt

              ich muss aber dazu sagen, dass ich Rohmilch bzw. Vorzugsmilch auch total lecker fand, damals Mitte der 80er Jahre auf dem Ponyhof – das wäre heute gar nicht mehr möglich..

              wahrscheinlich bin ich jetzt auch einfach beruflich negativ geprägt ;o)

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      • Biobauer Andreas sagt

        ein Bauer schliesst mit einer Molkerei einen Liefervertrag ab, dieser beinhaltet i.d.R. zwei Dinge, die Andienungspflicht und die Annahmepflicht über einen längeren Zeitraum (1 Jahr und mehr).
        D.h. der Landwirt muss liefern und die Molkerei muss abnehmen (auch mehr wie vereinbart). Der Bauer kann also nicht mal so einfach die Molkerei in Nachbarlandkreis beliefern, weil die besser bezahlen oder kurzfristig sein ganze Milch selber verkaufen. Die Molkerei plant seine Milchlieferung ja ein und andererseits wär ja auch doof, wenn die Molkerei zuviel Milch hat sie beim Bauern anrufen und sagen „du morgen kommen wir nicht, da brauchen wir deine Milch nicht“.

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  11. Pingback: Bauer Willi geht einkaufen: Preisabsprache? | food-monitor – Informationsdienst für Ernährung

  12. Bauer Christian sagt

    In der Schule lernt man immer: die freie Marktwirtschaft regelt den Preis und sie hat Vorteile für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette, im Vergleich zum Monopol. Doch leider wird meist auf die zweite Hälfte des Volkswirtschaftsunterrichts vergessen, wo das Oligopol auch erwähnt wird. Dies ist eben der Fall wenn nur wenige den Großteil des Marktes beherrschen. Und ein Oligopol verhält sich halt eher wie ein Monopol als eine freie Marktwirtschaft, auch wenn der Preis sich am Markt findet unter sehr wenigen Teilnehmern. Hier muss man sagen, dass das Wettbewerbsrecht in vielen Teilen eher zu lasch ist und so Großkonzerne entstehen, die mit ihrer Macht indirekt vorgeben was der Gesetzgeber zu tun hat. Beispiele gibt es genügend im angelehnten Agrarbereich: LEH, Düngermittelsektor, Saatgutsektor, Pflanzenschutzsektor, wo der freie Markt meiner Meinung nach nicht mehr wirklich richtig funktioniert bzw. indirekt in Gefahr ist ausgeschaltet zu werden.
    Ich bin für den freien Markt, aber man muss sich schon überlegen ob man die Ernährungssouveränität komplett dem freien Markt opfert (kontinentübergreifend).

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  13. Danke Bauer Willi vieleicht bekommen es die Verbraucher irgendwann mit und reagieren auch mal.Denn Lebensmittel haben halt mal ihren Preis und man kann nicht immer alles verramschen.

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