Bauer Willi
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Moderner Landwirt…

Heute mal was Philosophisches. Als ich diesen Artikel schreibe ist es Sonntag, draußen ist es neblig und kalt. Da kommt man schon mal ins Grübeln. Und ich habe mich gefragt, ob ich eigentlich ein moderner Landwirt bin…

Was versteht man unter „modern“? Wenn man was nicht weiß, fragt man den allwissenden Google, aber der kann mir diesmal nicht weiterhelfen. Auf einer anderen Seite werde ich fündig: da steht dann als Synonym: aktuell, auf dem neuesten Stand, fortschrittlich, neuartig, zeitgemäß. (wenn man das Wort auf der ersten Silbe betont (modern), steht es auch für vergammeln und verfaulen, aber das wollte ich ja nicht wissen).

„Auf dem neuesten Stand, fortschrittlich, zeitgemäß“. Ja, ich habe ein Smartphone, fahre einen relativ neuen Trecker, mache die Buchhaltung mit dem PC. Aber wer von meinen Berufskollegen macht das nicht? Das alles trifft auch für Bio-Bauern zu. Die sind nach dieser Definition auch moderne Landwirte. Das ist so, denn ich kenne welche. So komme ich auch nicht weiter…

Vielleicht versuche ich es mal mit der Umkehrung: wenn ich ein „moderner“ Landwirt bin, wer ist dann ein „unmoderner“ Landwirt? Der steht für altbacken, altmodisch, veraltet, abgemeldet und zum alten Eisen gehörig. So jedenfalls wieder das Internet. Gibt es solche Landwirte? Wenn der Trecker 20 Jahre alt ist, der Bauer „nur“ ein Handy hat, aber kein Smartphone, wenn er die Buchhaltung nicht selbst, sondern von einem anderen machen lässt, ist er dann unmodern? Das kann es also auch nicht sein…

Ja, und nun? Warum benutzen wir den Begriff? Und, bringt uns der in der Diskussion mit unseren Mitbürgern irgendwie weiter? Meine ganz persönliche Meinung: eher nicht. Was glauben Sie, wie der reagiert, wenn wir sagen, dass wir einen ganz modernen Bauernhof, bzw. einen „landwirtschaftlichen Betrieb“ mit modernen Schleppern haben? (Übrigens denkt der bei dem Begriff „Schlepper“ wahrscheinlich eher an Flüchtlinge als an unsere Maschinen.) Will der Mitbürger überhaupt moderne Landwirtschaft? Erschreckt ihn das nicht? Und grenzt der Begriff nicht auch irgendwie ab? Hier die „richtigen“ Bauern, da die „anderen“? Fragen über Fragen…

Unter einem „modernen landwirtschaftlichen Betrieb“ stellt der normale Bürger sich irgendetwas vor, dass schon sehr nahe an eine Fabrik herankommt. Alles wird automatisch gesteuert, der Betriebsleiter sitzt an einer Schaltzentrale, von der er alles lenkt und überwacht. Vorne geht was hinein, hinten kommt was heraus, dass immer gleich aussieht: normiert und fehlerlos. Abweichungen dürfen nicht vorkommen, und wenn doch, dann weg damit. Das nennt er dann „industrielle“ Landwirtschaft, die ihm nicht gefällt.

Doch so funktioniert meiner Meinung nach Landwirtschaft nicht. Wir haben es mit Lebewesen zu tun, egal ob Tiere oder Pflanzen. Die Umgebung in der sie wachsen ist nicht standardisiert, die Natur hält sich nicht an Regel,  nicht mal an den Hundertjährigen Kalender.

Die Natur ist, und das wissen Meteorologen sehr genau, im wahrsten Sinne des Wortes „chaotisch“. Ein Beispiel haben wir gerade im Rheinland erlebt: Es hat zwei Monate fast nicht geregnet. Um Kartoffel ernten zu können, wurden die Felder beregnet. Ich habe das in 40 Jahren vorher noch nicht erlebt. Nachdem alle Felder beregnet waren und mit der Ernte begonnen werden sollte, regnete es in 2 Tagen 35 mm. Jetzt waren die Felder zu nass. Das sagt mir aber keiner vorher. Ich muss so reagieren, wie es mir zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Entscheidung treffen muss, als logisch und vernünftig erscheint. Und nicht zu entscheiden ist auch keine Option, die Kartoffeln müssen aus der Erde. Ähnlich in der Tierhaltung: Die Kuh kalbt wann sie will, die Sau ferkelt wann ihr danach ist. Da gibt es keine Norm, das ist Natur!

Irgendwie sind wir Bauern eigentlich alle unmodern. Wir verlassen uns auf unsere Erfahrung, lernen aus Fehlern, versuchen es anders als mit den bisher gemachten Erfahrungen und machen möglicherweise damit wieder neue Fehler. Wenn ich es so recht bedenke sind wir eher Forscher, die immer wieder etwas ausprobieren, um zu einem besseren Ergebnis als vorher zu kommen oder einfach ein bisher nicht gekanntes Problem zu lösen. Kein Mensch käme auf die Idee zu fragen, ob Forscher modern sind. Klar, werden Sie sagen, wenn es keine Forscher gäbe, würde sich die Menschheit nicht weiterentwickeln.

Haben Forscher ein gutes Image? Ich weiß nicht. Wenn ich mit Mitbürgern rede, finden sie Forschung richtig und wertvoll, wenn es ihrem eigenen Vorteil dient. Ansonsten lehnen sie Fortschritte eher ab, vor allem, wenn sie ihnen intransparent vorkommen, wenn sie die selbst nicht mehr begreifen können.

Interessant auch , dass bei bestimmten Technologien nichts hinterfragt wird. Haben Sie schon mal von einer Bürgerinitiative gehört, die sich gegen die Einführung der neuen 4HD-Technologie beim Fernseher wendet? Sie wissen nicht, was 4HD ist und wie das funktioniert? Ich auch nicht, aber das Bild ist gestochen scharf. Irgendwann will ich auch so ein Ding haben…Aber Gentechnik lehnen wir ab…

Ich schweife ab. Moderne Landwirtschaft. Ich weiß nicht, ob dieser Begriff in der Kommunikation mit unseren Mitbürgern eher schadet als nützt. Oder wie seht ihr das?

Euer Bauer Willi,

der nicht weiß, ob er ein moderner Landwirt sein will.

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64 Kommentare

  1. Alois Wohlfahrt sagt

    Die Frage nach dem „modernen Landwirt“ ist eine Frage nach dem Selbstbild, das wir oder ich als Landwirt habe. Sehe ich meine Zukunft darin, alle fortschrittlichen Möglichkeiten (oder sage ich Versuchungen) anzuwenden oder will ich die Tradition meiner Vorfahren bewahren? Möglicherweise wollen wir Landwirte beides: Einerseits sehen wir uns nach wie vor in der Rolle des Ernährers, der immer bestrebt ist den Ertrag aus dem Boden und die Leistung seiner Tiere zu erhöhen, weil dies jahrhundertelang in der bäuerlichen Tradition richtig war. Andererseits haben wir nun aber enorme technische Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und verwandeln mit deren Anwendung den früheren Mangel in eine heutige Überproduktion, die uns die Rentabilität unserer Arbeit kaputt macht.
    Ist nun der technische Fortschritt der Übeltäter? Ich denke nicht. Das Problem sehe ich darin, dass der technische Fortschritt im Wesentlichen von den Bauern nur für die Produktion eingesetzt wird. Würde die Autoindustrie z.B. High-Tech nur für die Produktion einsetzen, käme sie nicht weit. Nein, sie wenden diese Technologien selbstverständlich auch für Werbung, Vertrieb, Marketing, Logistik Vernetzung etc. an. Am Beispiel der aufkommenden Digitalisierung können wir derzeit sehr gut sehen, dass sich am traditionsverhaltenen Rollenbild des Landwirts leider nichts ändert. Weithin wird die „Landwirtschaft 4.0“ beworben. Vor allem von Anbietern aus dem vorgelagerten Bereich um den Landwirt bei der Produktion zu unterstützen. Ich bin überzeugt, dies wird ein Erfolgsmodell werden. Aber wahrscheinlich mehr für die Anbieter als für die Landwirte. Doch möchte ich der anbietenden Industrie keinen Vorwurf machen. Ich kann selbst entscheiden, für was ich den Fortschritt einsetze. Wenn ich die „Landwirtschaft 4.0“ auch z.B. für Vermarktung nachfrage, dann werden auch entsprechende Produkte entwickelt und angeboten.
    So halten sich die meisten Landwirte für modern, wenn sie High-Tech zur Produktion einsetzen. Und finden es normal sich bei der Vermarktung der eigentlich mittelalterlichen Methode des „Ablieferns“ zu bemächtigen.

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  2. Andreas sagt

    Das modernste was in der Landwirtschaft oder mit der Landwirtschaft gemacht wurde, war „Bio“gas. Es ist ein Thema von Gestern aber interessant deshalb, weil Bauern nicht mal merken wenn sie sich ihr eigenes Grab schaufeln. Wie gesagt, Geschichte weil der Staat den Wahnsinn wieder gestoppt hat.
    Ein schöner Beitrag dazu und ein Beleg dafür, dass man Medien (Spiegel/NDR) doch mal braucht weil Agrarmedien zu blöd sind:
    http://www.spiegel.tv/filme/ndr-45min-biogas/

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    • Stadtmensch sagt

      Danke für den Link. Ab Minute 31:10: Umnutzung von Grünland in Energiepflanzen-Acker verursacht in einem Jahr 20 Mal mehr Emissionen klimarelevanter Gase, als innerhalb von 20 Jahren durch dessen Biogasnutzung eingespart werden! Welche Art der Landwirtschaft ist wohl geeignet, um Kohlenstoff im Boden zu halten bzw. zu mehren? Irgendwie ist er ja mal da rein gekommen (der Kohlenstoff in den Boden)! Ich weiß – ist wieder alles nur dummes Gequatsche von Besserwissern.

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      • bauerhans sagt

        „Umnutzung von Grünland in Energiepflanzen-Acker“

        kurzumtriebshölzer sind nicht für biogas,sondern für die heizung gedacht.

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  3. Friedrich sagt

    Moderne ,konventionelle,bio,industrieelle, nachhaltige Landwirtschaft,vielleicht auch noch Massentierhaltung, sind doch alles Bezeichnungen die Medien ,NGOs, BUND usw. um Schlagworte zu finden für Einschaltquoten, Auflagen ,Mitglieder oder Spenden. Das kommt von den 10% der Leute die sich auf Kosten Anderer profilieren wollen , vielleicht auch Anstöße zur Verbesserung geben wollen. Bei 90% der Bevölkerung geht das alles vorbei. Hauptsache der Bauch ist voll. Groß nachgefragt wird da nicht . Bei einem Nahrungsmittelskandal ist der kleine Fleischerladen oder Hofladen dann gut , aber wenn alles wieder beruhigt ist , gehts wieder in den Supermarkt. Ob nun 750 Mill. oder 50 Mill. Schweine /Jahr geschlachtet werden , wird alles hingenommen. Alles redet vom Klimawandel,aber wer hat die klimafreundlichen Atomkraftwerke abgestellt und die Kohlekraftwerke , die über 40% unseres Stroms liefern, angelassen ? Da kommt doch die Frage auf, da man wohl mit der Atomkraft mehr Angstmache betreiben kann , als mit Kohlkraftwerken. Darum scheint es wohl auch zu gehen. Mit Angst bei den Leuten läßt sich viel erreichen. Deshalb ist man jetzt auch bei der Landwirtschaft nach der Atomangst angekommen. Mit Ernährung , Nahrungsmitteln und Tierhaltung kann man sich jetzt gut beschäftigen. Die Energiewende gibt nicht mehr viel her, gerade auch deshalb , weil durch das EEG die Energie immer unbezahlbarer wird und man mit der Verspargelung der Landschaft lieber nichts mehr zu tun haben will. Also muß in anderen Gebieten die Germanangst verbreitet werden. Wenn ich jetzt wieder auf Willis Text oben komme , kann ich sagen , daß wir nur andere ,sprich Grüne Worte für unser Tun sagen müßen und dann sind wir alle Biobauern. So einfach geht das. Habe selbst in einem Vortrag meinen Betrieb vor Kirchenvertretern vorgestellt , aber alles mit Worten aus dem heutigen Wortschatz der Grünen,NGOs, usw. . Dann war ich halt ein halber Biobauer ohne irgend etwas falsches erzählt zu haben. Das kommt an . Die Bösen sind aus der Sicht der Zuhörer dann die Anderen.

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  4. Sandra Harms sagt

    modern,altmodisch,zeitgemäß,ewig gestrieger, neumodisch… wie auch immer, man ist doch letztlich so wie man sich fühlt, und letztlich ist es doch auch egal was mant tut,wie man es tut oder womit man es tut. Denn die leute reden trotzdem….. man muss diese frage für sich selbst beantworten wenn man eine antwort darauf haben will.

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    • ja schon, Sandra,

      aber in der Landwirtschaft hat die Industrie mit politischer Hilfe die Moderne diktiert!

      Und die Industrie will Massenproduktion, egal Autos oder Bauklötze, aber mit lebendigen Sachen, wie Tiere und Pflanzen geht das schlecht!

      Also billige Stückzahl!
      Eben seelenlos und rücksichtslos!
      Aber Tiere vertragen das schlecht und die übrige Natur auch, deswegen leidet sie.

      Die Massenverbraucher danken es!

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  5. So berechtigt die grundsätzliche Frage auch ist, so finde ich diesen Beitrag enttäuschend spitzfindig. Warum den Begriff „modern“ nicht einfach in einer neutralen, beschreibenden Weise und nicht wertend nutzen? Modern wäre demgemäß z.B. so, wie der größte Teil der Produktion erfolgt. Ob die Art der Produktion ideal ist, sei dahin gestellt. Natürlich kann man dennoch sagen, dass es auch eine unmoderne Produktion gibt, in der etwa Kühe mit Anbindehaltung gehalten werden. Man könnte letzteres zwar auch als traditionell bezeichnen, aber das wäre etwas euphemistisch. Und wieder andere Landwirte kann man als innovativ beschreiben. Auch das muss nicht immer besonders positiv interpretiert werden. Innovativ bedeutet eben, dass man auch manchmal auf’s falsche Pferd setzt.

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  6. rebecca sagt

    Die Anwort liegt sicher in der Mitte. Ein Bäcker den ich kenne backt nach handwerklicher Tradition. Also ohne Backmischungen und Teiglingen. Aber mit modernsten Maschinen(außer dem Backofen), er nutzt das Internet für Werbung und Vertrieb.

    Ich würde ihn als modernen Bäcker und guten Handwerker sehen der stolz auf seine Fähigkeiten ist und sein kann. Der aber auch die Grenzen des Wachstums sieht ab denen er seine handwerklichen Traditionen und arbeitsweisen nicht mehr realisieren kann.

    Modern ist heute für viele ein Synonym geworden welches grenzenlose Gier umschreibt. Jeder strebt völlig richtig nach einem guten Auskommen. Aber es gibt eine Grenze ab der sich die Frage stellt, noch mehr und dafür Prinzipien Traditionen aufgeben. Oder unter beibehaltung dessen das bestmögliche Ergebnis erzielen.

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    • Wie dieser Bäcker arbeitet, das ist die neue Moderne mit weniger Industrie.

      Er stellt handwerklich (altmodisch) und gesund (neumodisch) her, denn auch hier ist die schnelle und „moderne“ Massenherstellung mit künstlichen Zusätzen fatal, wie man erkannt hat.

      Man merkt es an der Qualität und am Geschmack.

      Das Korn hat in sich was die modernen künstlichen Zusatzstoffe auch haben, nur es braucht Zeit, um es zu entfalten, aber diese Produktionsweise ist zu teuer.

      Und warum ist die in handwerkweise hergestellte Backqualität teurer?
      Man kauft eben die Brötchenanzhhal, die man braucht für je 50€, ist ebventeuell billiger wie eine 10er Packung Billigbrötchen, die auch nochh im Backofen mit Stromkosten aufheizen muß und die andere Hälfte wegschmeißt.

      Welche Backmedthode ist nun heutzutage moderner?
      Welches Brötchen würde man seinem 10 Monate altem Baby lieber geben?

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  7. bauerhans sagt

    „und das Tier mit seinen Bedürfnissen und Wesen in den Mittelpunkt stellen… “

    ein hybridschwein möchte in ruhe fressen,dann schlafen,dann kacken,dann wieder fressen usw.
    wenn die bedingungen nicht in ordnung sind,gibts diverse probleme: schwänzeknabbern,ohrenknabbern,angriffe auf artgenossen,worunter natürlich das wachstum leidet.
    spielzeuge oder stroh oder einen erlebnisstall brauchen die tiere nicht,ABER NUR,wenn alles in ordnung ist: futter,klima,buchtengrösse und auch der ferkelerzeuger seine sache im griff hat und nicht,wie mir passiert,dass ferkel mit angeknabberten ohren geliefert ,die als QUALITÄTSFERKEL bezeichnet wurden.

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  8. Andreas Müller sagt

    Das ist zu einfach. Ich esse Fleisch und Eier und Milch. Aber warum nicht einmal die Beille des gehaltenen Tieres aufziehen. Die Intensivhaltungsmethoden erinnern mich eher an…

    das Tier wird als Produktionsmittel hochoptimiert mit allen Finessen und mit Blick auf die Zahlen. Nachhaltigkeit betrachtet mindestens auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen… weltweit und regional

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    • Walter Parthon sagt

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      Klimaschutz? Mit Vergnügen!
      Umweltministerin Barbara Hendricks schert die deutsche Landwirtschaft gern über einen groben Kamm. So sagte sie der Berliner Morgenpost: „Das Problem ist die industrielle Massentierhaltung. Für die Fläche, die in Deutschland verfügbar ist, gibt es einfach zu viele Rinder und Schweine. Das belastet Böden, Grundwasser und Klima. Hier gilt es umzusteuern.“
      Weniger Tiere, weniger Fleisch, weniger Ställe, vor allem: weniger industrielle Bauern. Das ist die Lösung für das Weltklima. Wir möchten antworten:
      Sehr geehrte Frau Hendricks.
      Das Klima ist für uns ein Thema: Die Landwirtschaft ist vom Klimawandel am stärksten betroffen. Veränderungen des Wetters wirken sich unmittelbar auf den Pflanzenbau aus. Deshalb tun wir etwas fürs Klima:
      Glaubt man „Ihrem“ Umweltbundesamtes, so haben die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen von 1990-2014 um 15 % abgenommen (11.628.000 t CO2-Äquivalente).
      Glauben Sie nicht uns. Aber bitte glauben Sie sich doch selbst!
      Durch effizientere Düngung, Zuchtfortschritte und optimiertes Futter haben wir die Methanemissionen in dieser Zeit um ein Viertel heruntergefahren. Das ist doch eine tolle Leistung!
      Dabei halten wir nicht immer mehr, sondern immer weniger Tiere. Das hat etwas mit Leistung zu tun. Denn unsere Kühe geben mehr Milch. Von 1990 bis 2014 stieg die Milchleistung um 60 %.
      Das Klima ist begeistert, Sie sollten es auch sein! Denn damit verringern wir die Methanemissionen je Liter Milch erheblich.
      Helfen Sie uns dabei? Neue Ställe wären ein wichtiger Schritt!
      Ach, noch etwas: Auf die Landwirtschaft entfällt ein Anteil von 7,3 % an den gesamten Treibhausgasemissionen (2014). Die Methanemissionen der Rinder betragen davon 3,6%.
      Zum Vergleich:
      – Energiewirtschaft: 38%,
      – Verkehr 18%,
      – verarbeitendes Gewerbe: 13%.
      Das wussten Sie nicht? Aber jetzt! Und wir machen weiter!
      Aber bitte merken sie sich: Kühe sind keine Klima-Killer! Sie erzeugen Nahrungsmittel auf 4,7 Mio. Hektar Grünland. Ganz nebenbei dient das Grünland der Artenvielfalt und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem es Kohlenstoff im Boden bindet.
      Das wissen Sie doch, oder?
      Sie meinen: „Wer kann heute sagen, wie viel Fleisch die Menschen in 20, 30 Jahren essen wollen? Im Moment zeigt der Trend eher nach unten.“
      Vielleicht sollten Sie den Bürger ermuntern, mehr Milch zu trinken. Das würde dem Klima – und dem Menschen – gut tun!
      Mit Vergnügen erwarten wir Ihre Antwort,
      Ihre Bauern

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          • Andreas Müller sagt

            Früher haben meine Großeltern 1 Schwein geschlachtet – für die ganze Familie – jetzt schlachtet jeder Deutsche (inkl. Kinder, Babys, Vegetarier, Moslem, Greis) sozusagen 9 Schweine – Gratulation!

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            • Andreas Müller sagt

              aus dieser Perspektive ist Fleisch eigentlich immer noch zu teuer!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Wie viele dänische Schweine werden durch den dänischen Fleischgigant Danish Crown in Deutschland geschlachtet?

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          • Malte Voerste sagt

            Soweit ich weiß werden in Deutschland pro Woche ungefähr 1 Mio Schweine geschlachtet. Deshalb lande ich dann eher bei 52 Mio Schweineschlachtungen pro Jahr. Der Rest an 750 Mio Tiere sollten neben Rindern hauptsächlich Geflügel sein mit einem geringeren Gewicht.

            1+
          • Erst lesen, dann schreiben! 750 Mio. Tiere sind ungleich 750 Mio. Schweine!!! Entsprechend des genannten Artikels werden in D jährlich nur 58 Mio. Schweine geschlachtet. Ein Viertel der Ferkel dafür wird importiert. „Früher“ wurde übrigens zwar etwas weniger Fleisch konsumiert, dafür war es fetter und wurde mit wesentlich mehr Futter produziert!

            2+
        • Mark Rössler sagt

          Der Fleischatlas ist ein trauriges Kapitel in der Reihe Menschen zu ideologischen Mitläufern zu erziehen.
          Der ist so dermaßen fehlerhaft, dafür kann man sich nur fremdschämen.

          Warum produziert man dort Lebensmittel, wo die am effektivsten wachsen?
          Der Export ist heute klimafreundlicher als das ineffektive erzeugen auf der knappen Fläche.
          Warum ist Brasilien der größte Weizenimporteur der Welt und bei Soja und Mais der größte Exporteur?
          Weil Weizen dort nicht die Erträge bringt und die Fläche verschwendet wäre.
          Warum ist Brasilien der größte Erzeuger für Kaffee und Europa der größte Importeur?

          Warum exportiert Deutschland Autos, es wäre doch sinnvoller die regional in Afrika herzustellen?

          5+
  9. Andreas sagt

    Unter „moderner Landwirtschaft“ verstehe ich die Ausnutzung modernster Technik und aller Mitteln. Maximal modern wäre, wenn ich mir von Saatgutfirmen „modernes Maissaatgut“ andrehen lasse, wo ich den Mais später mit Fungiziden behandeln muss. Unmoderne Sorten brauchen das nicht. Ich habe noch nie Mais mit einem Fungizid gespritzt.

    Nein, Bauer Willi, Modern/unmodern ist kein Kriterium. Schlau und Nachhaltig gegen Dumm und Abhängig. Das ist für mich die Frage wo wir uns hin entwickeln.

    Bei so Gruppen wie Bauernwiki wird eine Art „Pseudo-Wissenschaftlichkeit“ nach innen und außen verbreitet, die klar in die Abhängigkeit führt. Ein neues Sponsoring erleben wir z.B. bei Preisverleihungen wie dieser Ceres Award.
    Wir erleben eine Arbeitsteilung. Umweltverbände attackieren die Landwirtschaft. Die unsicher gewordenen Bauern unterwerfen sich der industriellen Gewinnmaximierung der vor und nachgelagerten Industrie. Echte Bauern mit Rückgrat haben wegen der „modernen“ Kommunikationstechnik wenig Chancen wichtige Ämter zu erlangen und so ist der „moderne Bauer“, der mit Smart Phone und nicht immer mit viel Verstand.

    Eine Ausnahme könnten Willi und Alois darstellen. Die sehen nicht die Zukunft darin zu wachsen und den Nachbarn platt zu machen sondern die stehen doch eher für „moderne Nachhaltigkeit“.
    MODERNE NACHHALTIGKEIT in der Landwirtschaft könnte eine neue Strategie sein.

    4+
  10. Wie Du richtig schreibst, ist der Ansatz wirklich eher philosophisch zu sehen. Schließlich war jede heutige Tradition erst einmal eine Innovation. Der Begriff „modern“ wurde seit jeher inflationär umgangssprachlich verwendet. Wir leben halt seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden schon in modernen Zeiten. Moderne hat halt Tradition. Denn der „State of the art“ ist morgen schon veraltet, war es vielleicht schon, als wir davon erfuhren.
    So kann die aus unserer Sicht modernste Form von Ackerbau und Viehzucht von denjenigen Menschen, die wir für rückständig und unaufgeklärt halten, auch als unmodern bezeichnet werden. Eben weil diese aus ihrer eigenen Sicht „modernen Menschen“ sich einen Schritt weiter sehen, wenn sie eine Rückkehr zur „traditionellen“ Landwirtschaft fordern. Aus deren Sicht ist traditionell eben modern. Und nein, auch diese Menschen können den angestrebten zeitlichen Zustand „So! muss Landwirtschaft“nicht definieren. Wollen sie auch gar nicht.
    Weil, es ist Sprache, SIR!

    3+
    • Bauer Willi sagt

      Ja, es ist Sprache. Und mittels Sprache kommunizieren wir, vermitteln Fakten und erzeugen Gefühle. Interessant finde ich den Begriff „traditionell“: Tradition bedeutet für mich, es so zu machen, wie es meine Vorfahren auch schon gemacht haben. Das drückt sich auch in dem Begriff „Agrarwende“ aus. Eben eine Rückkehr. Aber ist das nicht eine Illusion?
      Bauer Willi

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      • Für diese Menschen ist es keine Illusion, denn für sie liegt in der Tradition die Zukunft. Und wir sprechen zwar die gleiche Sprache wie sie, interpretieren aber die Begriffe unterschiedlich. Was ist bäuerlich? Was ist praxisgerecht? Was ist zum Wohle der Tiere? Ich sehe gerade ein Problem darin, dass wir immer alles fachlich und wissenschaftlich korrekt erklären wollen, während die Andersdenkenden in erster Linie Bilder mit sehr wenigen Worten sprechen lassen. Wir haben die letzten zwei Jahre so viel erklärt, aber man hat uns nicht verstanden? Vielleicht liegt es daran, dass das Erklären in Textform von vielen Menschen mittlerweile als „unmodern“ empfunden wird?

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  11. Andreas Müller sagt

    Dann helfe ich gerne mit Definitionen weiter: konventionelle Landwirtschaft, intensive Landwirtschaft, Agrarindustrie, technologisierte Landwirtschaft

    Modernität liegt im Auge des Betrachters und ist ein „fluechtiger“ Begriff.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Auch der Begriff „konventionelle Landwirtschaft“ ist eigentlich nicht korrekt. Nach dem Duden bedeutet konventionell „herkömmlich, „gebräuchlich“. Synonyme dafür sind laut. Duden sogar „althergebracht“ usw. http://www.duden.de/rechtschreibung/konventionell
      Die Frage ist für mich, was wir in der Kommunikation mit diesen Begriffen erreichen? Oder erreichen wollen?
      Die Branche feiert den Begriff „Moderne Landwirtschaft“ ständig medial. Aber wen spricht der Begriff an? Oder wen stößt er sogar ab?

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      • Andreas Müller sagt

        Ich finde Intensive Landwirtschaft auch treffender oder hochtechnisiertes Land- und Agrarmanagement…

        Gewinnmaximierung durch Flaechenoptimierung

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        • Andreas Müller sagt

          Landwirt produziern halt keine Fernsehen sondern durch und mit beseelten und Lebewesen

          1+

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