31 Kommentare

  1. Thea S sagt

    Ein Hofladen bietet (oder sollte bieten) nur Regionales und Saisonales, also Obst und Gemüse, Milch, Eier aus eigener Produktion oder von Nachbarn. Schon wenn Fleisch- und Backwaren angeboten werden, kommen die von anderen Lieferanten aus dem weiteren Umkreis (unsere Bauernscheune im Bergischen bezieht aus auch z.B. aus Schleswig-Holstein, Hessen, Ostfriesland, Bayern). Sie ist halt auch nur ein LEH. Und man braucht auch anderes, Mehl, Zucker, Butter, Öl, Seife, Salz, Toilettenpapier, Spülmittel etc., oder auch Bananen, Orangen, Trauben und nicht regionales oder saisonales Gemüse (Steckrüben im Winter sind zu langweilig). Da gehe ich doch gleich zu einem Supermarkt, wo ich alles bekomme. Für das ständige Herumfahren habe ich weder Zeit noch Lust. Es geht nicht um „Discounter“, sondern um das, was man zum täglichen Leben alles braucht.

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    • Paulus sagt

      @Thea S,
      es ist in der Tat so, dass Hofläden keine wirkliche Alternative sind. Wir haben einen gut sortierten Hofladen in unmittelbarer Nähe den wir auch schätzen. Da gibt es aber auch schon mal Pfifferlinge. Wo die herkommen weiß jeder, Osteuropa-Metro-Hofladen …
      Meine Frau ist auch schon zum SB-Verkauf von Willis Sohn gefahren, weil sie auf mein Anraten Auberginen, Paprika und Gemüsezwiebeln aus dessen Anbau kaufen wollte. Die gab es aber gerade nicht; also wieder zurück zum Hofladen. Da gab es aber auch keine Auberginen und so blieb dann doch nur der REWE-Markt. Resultat = etliche km und Zeit vergeudet und eine schlecht gelaunte Frau die sich das nicht noch einmal antut. Ich habe nach einem 12 Std. Tag dann auch keine Lust mehr auf der Mandoline zu spielen um die häusliche Atmosphäre zu entspannen. Hofläden werden im Marktgeschehen wohl eine Nische bleiben.

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  2. Lieschen Müller sagt

    Und trotzdem merke ich immer wieder, dass ich die Zusammenhänge nicht nachvollziehen kann: ein Stück Butter soll jetzt 1,99 kosten, gut. Damit hätten die Landwirte das, was sie wollen: der Verbraucher zahlt. Und schwimmen denn nun die Milchbauern im Geld? Haben sie gerade wenigstens ein bißchen Luft um mal eine kleine Reserve aufzubauen oder Schulden zu tilgen? Wer hat denn jetzt den Vorteil vom hohen Butterpreis?

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    • Ich seh das so sagt

      Ich würde es umgekehrt sehen: Vom Verbraucher wird jetzt der Wahrheitsbeweis für Aussagen erbracht, die er bei jeder Umfrage von sich gegeben hat: Wir würden gerne mehr zahlen, wenn …
      Vieles von dem was von diversen Seiten ohnehin gefordert wird, spielt nun zusammen: a) Es gibt weniger Kühe, weil lange Zeit die Milchpreise für den Bauern völlig unzureichend waren. Jetzt sind diese Preise zwar auch noch nicht dort, wo neben der Kostendeckung vielleicht auch ein Arbeitslohn oder (Gott behüte) ein Gewinn rausschaut, aber immerhin besser geworden. Daß diese erst wenige Wochen dauernde Phase höherer Preise schon ausreicht die Verluste der (jahre)langen Billigphase auszugleichen oder gar schon Reserven anzulegen wage ich mal massiv zu bezweifeln.
      b) Die Milchmengen sind durch weniger Kühe geringer und etwa durch gewünschte, kraftfutterlose oder -reduzierte Sommer(wiesen)fütterung hat diese Milch weniger Fettgehalt. Dadurch sinkt die Fettmenge die für Nicht-Trinkmilchprodukte mit Standardfettgehalten verfügbar ist (Käse, Butter ….)
      c) Die Lebensmittelverarbeiter setzen – wie öffentlich verlangt -statt minderwertiges und umweltzerstörendes Palmfett/-öl wieder vermehrt hochwertiges Milchfett ein. Diese erhöhte Nachfrage hat wie überall seine Auswirkungen auf den Preis.

      Somit werden etwa diese 3 öffentlichen Forderungen ansatzweise wirksam und umgesetzt. Und dadurch kommen die Bauern in die Nähe von gewinnabwerfenden Preisen, der Handel setzt seine üblichen 40% Handelsspanne drauf, die Einfuhren von Palmöl gehe zurück und der Kunde kann sich ausnahmslos und guten Gewissens darüber freuen, welche positiven Auswirkungen seine bislang nur mündlich abgegebene Ausgabenbereitschaft nach sich zieht.
      Somit haben vom Bauer bis zum Konsumenten alle einen Vorteil vom höheren Butterpreis.
      Bleibt abzuwarten, wie lange es dauert, bis Gewerkschaften und Konsumentenverbände auftreten und den Menschen wieder einreden, wie arg doch die Inflation und der Verbraucherpreisindex durch die höheren Lebensmittelpreise steigen und es wird sicher dann medial wieder so rüberkommen, daß nur die Bauern davon profitieren. Wetten ….

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      • Hans-Jürgen Gresch sagt

        Zitat von Ich sehe das so“somit haben vom Bauern bis zum Konsumenten alle einen Vorteil vom höheren Butterpreis“ Ich sehe das etwas anders. Bei 36 Cent/Kg abgelieferter Milch die der Landwirt erhält ist wieder einmal der Lebensmitteleinzelhandel der große Gewinner. Was die Molkereien vom LEH erhalten wissen wir nicht ,dass bleibt schön verborgen.

        Der Brandenburgbauer

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  3. Zenzi sagt

    Für die Leute die im Discounter einkaufen weil es eben „billig&gut“ ist, ist der Spruch unlogisch. Warum sollte ich am Wochenende nochmal Geld bei dir ausgeben wo ich die Woche über doch schon alles Lebenswichtige besorgt habe? Deine Quadratur des Kreises funktioniert nicht. Ausser du bietest besondere Dinge an, die im Discounter nicht erhältlich sind. Aber das sind dann auch nur Randerscheinungen. Du suchst doch nur `nen flotten Spruch für deine Tassen, gell?

    Der Film von Arte über die Fleischvermarktung zeigt das Dilemma gut auf: https://www.arte.tv/de/videos/064368-000-A/armes-schwein-fettes-geschaeft/
    Ob Huhn oder Schwein, die Landwirte produzieren für den Discounter und mind. 20% fürs Ausland. Deutschland ist dafür seit Seehofer durch Subventionen und Gesetzgebungen anderen EU -Ländern bevorzugt.

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    • Lieschen Müller sagt

      Ja, wer am Donnerstag mit dem Auto für eine ganze Woche einkauft, braucht nichts mehr. Es ist ein ganzer Themenkomplex: nur wenige Menschen kochen, die Leute wollen am Wochenende „Spaß haben“ anstatt kochen, besondere Dinge sind schwierig zu beschaffen, also verzichtet man drauf. Den Unterschied schmeckt sowieso fast niemand. Wochenmärkte haben nur vormittags auf. Ein einziger Laden mit regionalen Lebensmitteln würde wieder einen unheimlichen Rattenschwanz an Autoverkehr nach sich ziehen. Wenn ich einen Kleingarten habe, muss ich im Sommer sowieso kein Gemüse kaufen, und so weiter und so fort. Ich für mich sehe meinen Weg, aber ich sehe keine Lösung für „die Gesellschaft“ eines ganzen Landes, geschweige denn der Welt.

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      • rebecca sagt

        Lösungen gibts schon. Aber keine einfachen. Und denen steht Scheu vor Veränderungen, Ignoranz, Faulheit, Dummheit, stures festhalten an eingefahrenen Verhaltensweisen..etc gegenüber.

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    • bauerhans sagt

      ARTE: was soll schon dabei rauskommen,wenn zwei französinnen sich über deutsche schweineproduktion unterhalten.
      stark ist der vergleich mit schweden,wo aber auch deutsches schweinefleisch verkauft wird.

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  4. bauerhans sagt

    wenn die erbtante zum sonntagsfrühstück kommt,werden 5 eier im hofladen gekauft.
    die eier im sonntagskuchen sieht ja keiner,die sind vom discounter.

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    • Ja, für die Direktvermarkter. Das sind rund fünf Prozent aller Betriebe. Die anderen sind nach wie vor am Ende der finanziellen Nahrungskette. Schöner Spruch, aber letztlich ein bisschen sehr eigennützig. Meine Nachbarin (selber Direktvermarkterin) sagt: Wer beim Discounter kauft, tötet Bauern.

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    • Mr Tom sagt

      Und trotzdem bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Ob nun alle beim Hofladen einkaufen, oder alle zum Discounter gehen.

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          • Lieschen Müller sagt

            Dann müsste doch sofort der Preis beim Milchbauern steigen, tut er aber nicht. Ich habe etwas von 35 cent gelesen, sie hätten gerne 40 cent. Und das heißt dann auch wieder, Produktion steigern, in spätestens 2 Jahren ist wieder zuviel Milch da.

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            • Bauer Willi sagt

              Zu diesem Thema kommt morgen was. Artikel ist gerade fertig geworden.
              Bauer Willi

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        • Ich seh das so sagt

          Schon lustig die Frau Wirtschaftsredakteurin: Wenn die Preise steigen, können nur die bösen Kartelle daran schuld sein, aber wenn sie fallen, …… ?
          Kann man ja nicht schreiben, daß dann die Kartelle das tun (die wären dann ja dann plötzlich gute), man kann auch nicht schreiben, daß die unsichtbare Hand des Marktes das macht oder so (das wäre ja irgendwie Hokuspokus oder so was ähnliches). Wenn sie fallen, haben also nur die guten Konsumentenschutzverbände, die starken Arme der Gewerkschaften et. al. den bösen Unternehmern und den gierigen Bauern gezeigt, wie man Preise drücken kann, damit mehr Geld für anderes übrig bleibt…. oder so. Kommt ihnen das bekannt vor ? (Siehe oben, was passiert, wenn man nicht Preise drückt)

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    • Solange eine flächendeckende Zupflasterung mit Discountern und Supermärkten als alleinige Lösung zur Nahversorgung angesehen wird, liegt die Ursache für das dahinsiechen von Landwirten vielleicht eh wo anders. Da, wo keine Versorgungslücken gesehen werden, weil es als normal angesehen wird und gewünscht ist, alle 50 Meter einen LEH/Markt in rot, gelb-blau oder weiß-blau etc. zu etablieren, braucht man nicht mit Alternativen zu kommen.

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      • Lieschen Müller sagt

        Doch, das sehe ich auch so. Und das schlimme ist, es gibt kein klares Ursache-Wirkungsprinzip, sondern eine Art „Verstrickung“.

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        • Ich seh das so sagt

          „Verstrickung“ ist das nicht. Man nennt das ganz offiziell positive und negative Effekte von modernen, offenen, arbeitsteiligen Volkswirtschaften.

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      • bauerhans sagt

        vom verkauf der flächen an discounter haben hier einige ihre betriebe erweitert,modernisiert.
        von denen gibts welche,die sich jetzt öffentlich hinstellen und das „zupflastern“ von ackerland kritisieren.

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        • Lieschen Müller sagt

          Was verkauft man dann das nächste Mal, wenn es etwas zu modernisieren gibt? Oder geht man davon aus, dass es kein nächstes Mal geben wird?

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Verkaufen kann man nur einmal!

            Wenn der Betrieb die Investitionen sich nicht leisten kann, dann wäre aufhören besser.

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          • bauerhans sagt

            „Was verkauft man dann das nächste Mal…“

            hier ist einer,der dringend darauf wartet,ein,zwei bauplätze zu verkaufen,damits konto wieder ausgeglichen werden kann.

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    • Das ist mir zu pauschal, zu negativ und passiv (auch im grammatischen Sinn) formuliert. Nenn doch mal Ross und Reiter. Außerdem: Alternativen kommen immer von den Rändern. Es gibt ja bereits sehr viele Ansätze.

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    • Es gibt eine ganze Reihe von Ansätzen. (Marktschwärmer, Marktzeit, Wochenmärkte, kleinere (Bio)-Läden, die diversen FoodCoops oder auch SoLaWis. Funktioniert auch alles sehr gut, im überschaubaren Rahmen, was auch den jeweiligen Konzepten geschuldet ist.

      Um die Nahversorung auch nur dezent umzukrempeln (mehr bio, mehr regional, mehr saisonal) müsste an vielerlei
      Stellschrauben gedreht werden.
      Geht man von dezentralen Lösungen aus, beginnt es schon bei verfügbaren Flächen. Es gibt nur wenige geeignete Flächen für dezentrale LEH Konzepte und die Mieten sind oft recht ansehnlich hoch.
      Leisten können sich das meist nur Ketten. Folglich wird die Nahversorgung mit den unterschiedlichen Ketten immer dichter. Ein ähnlicher Effekt , wie in vielen anderen B2C Branchen, die auf Filialkonzepte setzen. Es wird eintöniger und gleichförmiger.

      Die passive Semantik war durchaus Absicht.

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    • Andreas Achtziger Und nicht zu vergessen, dass die Konsumenten dann auch bereit sein müssen, sich auf die Alternativen einzulassen. Oft ist es schlicht und einfach Bequemlichkeit, weil so ein Supermarkt halt alles bietet. Lebens- und Waschmittel… 😉

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