Bauer Willi
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Exporte nach Afrika – wirklich Wahnsinn?

Mir lässt die Diskussion um die Exporte von Deutschland (und der EU) nach Afrika keine Ruhe. In dem Film „Der Wahnsinn mit dem Weizen“ wird dies ja thematisiert. Doch was ist nun richtig oder besser? Wie sehen Lösungen aus, die Afrika wirklich helfen?

Es ist richtig, dass nahezu alle Länder, also nicht nur Deutschland oder die EU, Weizen nach Afrika exportieren. Derzeit dürften die größten Exporteure von Getreide vor allem Russland, die USA oder auch Kanada sein. Dies ist logisch, denn dort wächst aufgrund der klimatischen Verhältnisse eben so viel Getreide, so dass ein Export möglich ist.

Angebot und Nachfrage

In einer Welt, die von Angebot und Nachfrage gesteuert wird, findet dieses Getreide einen Preis, für den es vom Abnehmer gekauft wird. Der billigste Produzent gewinnt den Wettbewerb um den Kunden. Wenn also ein afrikanischer Getreidehändler preiswert Getreide einkaufen will, wird es sich auf dem heimischen Markt zuerst umsehen. Wenn Getreide auf anderen Märkten günstiger ist, wird er dort einkaufen. Das ist logisch und jeder von uns wird sich bei gleicher Qualität eines Produktes so entscheiden. Der Verkäufer wird es an denjenigen Käufer abgeben, der ihm seinen gewünschten Preis zahlt. Auch dies ist logisch und aus meiner Sicht in keiner Weise moralisch verwerflich. Folglich landet deutscher, französischer, russischer und amerikanischer Weizen eben auch auf dem afrikanischen Markt.

Durch Subventionen verbilligt?

Es wird oft die These aufgestellt, dass deutsches Getreide (gilt auch für andere Ackerfrüchte) durch Subventionen verbilligt wurde und nur deshalb nach Afrika exportiert werden kann. Richtig ist, dass der deutsche Bauer für sein Getreide in etwa den Weltmarktpreis erhält, denn die Börsen in Paris und Chicago laufen nahezu gleichsinnig. Die Zahlungen der EU beziehen sich auf die Fläche, unabhängig davon, welche Kultur dort angebaut wird. Von daher besteht meines Erachtens kein Zusammenhang von deutschen Subventionen (tatsächlich sind es europäische Zahlungen) und Exporten nach Afrika.

Nun könnte man dies ja bezweifeln. Was wäre also, wenn die EU-Subventionen gestrichen würden? Ganz einfach: der deutsche Landwirt hätte ein geringeres Einkommen, denn zu dessen Abfederung tragen die Flächenprämien ja bei. Am für Käufer und Verkäufer entscheidenden und an den Börsen ablesbaren Preisen für Getreide würde sich nichts ändern, folglich auch nicht an möglichen Exporten nach Afrika. Oder habe ich da was übersehen oder nicht bedacht? Wenn ja, bitte ich um Aufklärung.

Hohe Preise – gut oder schlecht?

Nun könnte man ja die Preise für exportiertes Getreide in afrikanische Länder künstlich verteuern. Man könnte sie zum Beispiel im Exportland mit einem Aufschlag versehen, der an der Grenze gezahlt werden muss. Oder die afrikanischen Länder erheben einen Importzoll und kassieren diesen Zoll für sich. Einige Länder tun dies. Dann wäre ausländisches Getreide teurer. Doch wozu führt das? Die Bevölkerung im eigenen Land müsste mehr zahlen und die Ware würde verknappt. Die Frage ist aber, wer sich teurere Importe leisten kann? Für die Reichen, vielleicht auch noch für den Mittelstand wäre das vermutlich kein Problem. Aber was ist mit den ärmeren Bevölkerungsschichten? Würden sie auf heimisches Getreide (Hirse, Reis) ausweichen? Das wäre in der Tat für den afrikanischen Bauern von großem Vorteil, weil er jetzt ein höheres Einkommen mit all seinen positiven Folgen hätte. In wieweit durch die infolge höherer Nachfrage sicherlich steigenden Preise die Bevölkerung einen Vorteil hätte, bzw. ob die durch Importzölle vereinnahmten Gelder zur Verbilligung für die ärmere Bevölkerung ausreichen oder überhaupt verwendet werden, wage ich zu bezweifeln.

Was wäre, wenn die Bevölkerung auch Weizen essen möchte? In einem wären sich also deutsche, europäische und afrikanische Bauern einig: hohe Getreidepreise sind gut, sogar sehr gut. Für den Konsumenten ist es schlecht. Ich erinnere nur an den Aufschrei, als das Päckchen Butter um 60 oder 70 Cent teurer wurde.

Kartoffeln oder Weizen?

Mein Kollege in Ägypten oder Marokko (beides in Afrika) baut derzeit (im März) auf seinen Flächen Kartoffeln für den europäischen Markt an. Im April kommt er damit auf den Markt und erlöst hier sehr viel Geld, weil es bei uns genügend Kunden für Frühkartoffeln aus Ägypten gibt. Soll er auf seinen Flächen im Nildelta also besser Getreide anbauen, für das er weniger erlöst? Es macht doch Sinn, dass er das anbaut, für das er am meisten bekommt. Wer würde das nicht so machen?

Darf man aber nun sagen, dass er ägyptische Kartoffelbauer mit seinen Exporten dem deutschen Kartoffelbauer den Markt für seine Kartoffeln kaputt macht. Das ist nämlich so. Wenn die ersten Frühkartoffeln auf den Markt kommen, sinken fast regelmäßig die Preise für die deutschen Lagerkartoffeln.

Warum eigentlich immer Afrika?

Was mir in der Diskussion immer wieder auffällt, ist die nicht zu verleugnende Tatsache, dass Politiker, bestimmte Organisationen oder auch die Medien immer wieder ihren Focus auf Afrika legen. Wann hat man mal was darüber gelesen, dass Exporte von Getreide die Märkte in Indien, Pakistan oder Bangla Desh zerstört hätten? Ich kann mich nicht erinnern. Kann es nicht sein, dass in vielen afrikanischen Ländern sehr instabile politische Verhältnisse herrschen? Das Korruption und Vetternwirtschaft eine große Rolle spielen? Auf wirtschaftspolitische Entscheidungen in so manchen Staaten Afrikas, wie die durch mutwillige Enteignungen erst herbeigeführte Versorgungsprobleme oder Hungersnöte soll in diesem Zusammenhang auch hingewiesen werden. Sie wurden dann durch Getreidelieferungen -auch aus Europa- oft über Jahrzehnte gelindert. Ich bin nicht der Überzeugung, dass der Ruf nach Auflösung von bestehenden gegenseitigen agrarischen Handelsbeziehungen einen positiven Einfluss auf die Versorgungslage Afrikas haben. aber ihr dürft mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Was ist richtig, was falsch?

Die Nordhalbkugel hat klimatisch günstige Voraussetzungen für Getreide und andere Feldfrüchte und entsprechend große Anbaugebiete. Da dort mehr wächst, als die heimische Bevölkerung verzehrt, wird es in Länder exportiert, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht genügend Getreide für die eigene Bevölkerung herstellen. Würde man diese Exporte, mit welchen Maßnahmen auch immer, unterbinden, würde in den Ländern mit Unterversorgung ein Mangel entstehen. In den Ländern, die mehr als den eigenen Verbrauch produzieren, würden die Preise fallen und die Güter in andere Verwendungen als den Nahrungsmittelbereich wandern (z.B.  erneuerbare Energie). Doch auch das wird kritisiert. Jetzt möge man mir bitte erklären, wie der richtige Weg aussehen soll. Ich bin da etwas ratlos.

Euer Bauer Willi

 

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73 Kommentare

  1. AS sagt

    Lieber Bauer Willi,

    tatsächlich haben Sie etwas übersehen. Die entkoppelten Zahlungen haben eine produktionssteigernde Wirkung. Bitte lesen Sie diese Studie dazu:
    Witzke, Harald; Noleppa, Steffen; Schwarz, Gerald (2010): Decoupled
    Payments to EU Farmers. [Online]. Berlin: Department of Agriculture.
    Available at: http://ageconsearch.umn.edu/bitstream/59853/2/wp90.pdf

    Volkswirtschaftlich gibt es keinen Nachweis dafür, dass entkoppelte Subventionen die Produktion nicht steigern.

    Beste Grüße,
    AS

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  2. Monique sagt

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Bin heute über den nachfolgenden Artikel gestossen den ich gerne hier einbringen möchte:
    http://norberthaering.de/de/buchtipps/877-beating-the-odds
    Er hat zwar nicht mit Weizen etwas zu tun aber mit der Entwicklung von Ländern. Ich selber bin nicht davon überzeugt, dass die Länder ihr Enwicklungs-Wohl so stark im Welthandel finden sollten. Der Transport frisst enorme Energiemengen. Gut, es gibt auch Arbeitsplätze aber Ressourceneffizienz sieht für mich anders aus. Der Ansatz ist für mich, mehr als logisch, und zwar so logisch, dass ich mich frage, wieso das nicht so umgesetzt wird? Das Etikett „Entwichlungspolitik, Zusammenarbeit, Armutsbekämpfung, Fluchtursachenbekämpfung,..“ stimmt NICHT mit dem Inhalt der Pakete überein weil es um ganz andere Ziele geht und zwar von Anfang an.

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  3. Eckehard Niemann sagt

    Wie wäre es denn mit folgender naheliegender Strategie der Ernährungssouveränität:
    Wirklich ernsthafte, massive Hilfe beim Aufbau einer heimischen, bäuerlichen Landwirtschaft (und Getreide-Erzeugung) in den afrikanischen Ländern, geschützt durch Importzölle. Was denn sonst?! Abhängigkeit der Ernährung der Menschen von den schwankenden Preisen und Mengen auf den Welt-Getreidemärkten (je nach Ölpreis und Rentabilität der Ethanol-Erzeugung)??
    Lieber „Bauer Willi“, wie kommt es bloß, dass Du diese Strategie nicht selber erwähnt und vorgeschlagen hast …

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    • Mark Rössler sagt

      Mir war so, als ob es der gleich ausgerichteten Medien auch nicht wirklich passt, wenn sich afrikanische Länder darum bemühen die Selbstversorgung in den Griff zu bekommen?
      Werden Länder wie Tansania nicht ebenso missachtet oder gar angegriffen in den deutschen Medien?

      Warum werden nicht die Länder erwähnt in Afrika, die die Landwirtschaft auf stabile Beine gestellt haben? Es gibt da mittlerweile eine ganze Reihe an Ländern.
      Anscheinend passen diese dann wieder nicht ins Weltbild…

      3+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Importzölle verteuern die Lebensmittel auch für die Ärmsten der Armen. Man solle nicht glauben, mit einen etwas höherem Preis für die Einheimischen Bauern ist das Problem gelöst.
      Es müssen moderne Strukturen in der Landwirtschaft geschaffen werden, was jedoch mit einem massiven Arbeitsplatzverlust einhergeht. Diese Lebensmittel müssten auch vom Land in die Städte transportiert werden, was eine moderne Infrastruktur benötigt.

      Dann sollte man noch bei den Herren der Schöpfung in deren Köpfen verankern, dass man die Arbeit nicht nur den Frauen überlassen muss.

      1+
  4. Friedrich sagt

    @ Paulus. Du hast natürlich Recht, aber ich schaue mir das jetzt schon seit über 50 Jahren an
    und am Grundproblem hat sich nichts geändert. Sicherlich konnten wir den Hunger abmildern, medizienische Hilfe leisten, die Bildung steigern , usw., aber die von mir genannten Dinge haben sich nicht geändert. Wenn ich z. B. den Sudan sehe. Dort hat der Norden gegen den Süden gekämpft. Die UNO hat dann dem Sudan geholfen zu teilen um endlich Verbesserung zu erreichen. Kaum war der Südsudan selbstständig ging der Bürgerkrieg dort im Süden um Macht und Geld los. So geht das schon so lange ich denken kann. Irgendwann müßen die Afrikaner auch lernen sich selbst zu befrieden. Leider geben die lieber Geld für Waffen aus , als für ihre Bevölkerung , oder die Regierenden leben in totalem Luxus usw. . Nur nach Geld aus den Industriestaaten zu rufen und dann das Geld verballern kanns einfach nicht sein. Wir können nicht immer alles , was am Boden bekriegt wurde , wieder aufbauen. Afrika muß eben selbst Verantwortung tragen lernen. Schade , daß diese Auseinandersetzungen immer die Schwachen trifft und wir moralisch gefordert sind ,zu Helfen. — In diesem Durcheinander kann ich kaum erkennen , was ich mit meinem Weizen als deutscher Bauer mit diesen Problemen zu tun habe . Weder habe ich Einfluß, wenn der Weizen an den Landhandel oder Genossenschaft verkauft ist , wohin der Weizen weiter vermarktet wird, noch kann ich festlegen , daß der Weizen nicht nach Afrika gehen darf. Das entscheidet immer der Exporteur. Habe aber noch nie eine Demo gegen die Exporteure gesehen , sondern nur gegen die Bauern.

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  5. Es steht nicht in unserer Macht, die Probleme Afrikas oder anderer Erdteile zu lösen. Die Natur wird eine Lösung finden, wir werden sie auch nicht daran hindern können. Es wäre vernünftiger, das eigene Land vor den Auswirkungen auswärtiger Konflikte und Krisen zu schützen, damit afrikanische oder amerikanische Probleme nicht zu europäischen Problemen werden. Die Natur wird auch Weizenex- und Importe wieder begrenzen, wenn das Erdöl alle ist.

    4+
      • Bauer Willi sagt

        Und jetzt? Wie geht es weiter? Welthandel abschaffen? Wer kennt die Lösung? So hilft mir der Artikel auch nicht weiter….
        Bauer Willi

        1+
        • Philipp sagt

          Die Lösung ist, dass es keine gibt. Zumindest keine einfache. Man (die Politik, Verbraucher und Unternehmer) kann an vielen kleinen Stellschrauben drehen, um die Situation auf dauer zu verbessern. Perfekt, ausgeglichen oder gerecht wird es nie…. Aber vielleicht für einige besser. Im Welthandel gilt auch der Spruch: Des einen Leid, ist des anderen Freud.

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        • Lieschen Müller sagt

          Aber das ist wenigstens mal die Sicht eines Ökonomen aus Afrika. Und er sagt, WTO abschaffen, lieber wieder bilaterale Beziehungen: „kleine Boote“.

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      • Wie sollen arme Länder auch ohne Abschottung aus eigener Kraft Strukturen aufbauen, die sie von den Industrienationen unabhängig machen würden? Nur: Wir können den anderen nicht Importe verbieten, wir sind allenfalls für die eigenen Importe zuständig. Wenn der Welthandel wegen der wachsenden Ungleichgewichte zu riskant wird, sollte sich jedes Land unabhängiger von Importen zu machen versuchen. Willis Umbauprogramm für die Landwirtschaft wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die USA haben wegen ihrer überbordenden Verschuldung nach jahrzehntelangen Außenhandelsdefiziten gar keine andere Wahl mehr und gehen mit gutem Beispiel voran.

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  6. Friedrich sagt

    Ich laß mir von den Gutmenschen kein schlechtes Gewissen mehr machen. Solange Leute wie Mugabe und andere nur mit Korruption , Unterdrückung und der Hungerwaffe ihr Unwesen treiben und die multinationalen Konzerne dort rigoros die Rohstoffe mit Schmiergeldern an die Machthaber ausbeuten, aber auch die Waffenexportländer dort ihre Geschäfte machen , brauch ich mir als deutscher Bauer das nicht anziehen. Bei Getreide sind wir Nettoimporteur. Was kann ich dazu , daß unsere Verbraucher nur die guten Sachen vom Hähnchen essen und der Rest nach Afrika und Asien geht.Ebenso beim Schweinefleisch.
    Afrika ist ein reicher Erdteil , aber solange die Machthaber nur an sich und nicht an die eigene Bevölkerung denken , sind dort Hopfen und Malz verloren. Mit unserer Entwicklungshilfe haben wir einige Leute schlau machen können um zur Selbsthilfe zu kommen, aber wegen der politischen Umstände hauen die Schlauen dort ab und landen bei uns als Wirtschaftflüchtlinge. Ist es richtig diese Leute aufzunehmen , statt das diese Leute lieber ihre Länder mit aufbauen ? Begehen wir mit der Aufnahme hier nicht ein Verbrechen gegenüber den verbleibenden Leuten in Afrika ? Wozu machen wir denn die Entwicklungshilfe , wenn die Leute da abhauen die wir schlau gemacht haben ?

    3+
    • fingerphilosoph sagt

      „Geht es den Afrikanern durch die mehr als eine Billion Dollar Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten gezahlt wurden, tatsächlich besser? Nein, im Gegenteil: den Empfängern der Hilfeleistungen geht es wesentlich schlechter. Entwicklungshilfe hat dazu beigetragen, dass die Armen noch ärmer wurden und sich das Wachstum verlangsamte … Die Vorstellung, Entwicklungshilfe könne systemische Armut mindern und habe dies bereits getan, ist ein Mythos. Millionen Afrikaner sind heute ärmer – nicht trotz, sondern aufgrund der Entwicklungshilfe. Elend und Armut sind nicht beseitigt worden, sondern haben sich weiter verschlimmert. “ (Dambisa Moyo, Dead Aid).

      Wenn die Dame recht hat, dann zahlt sich Gutmenschentum nicht nur nicht aus, sondern bewirkt das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist.

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      • bauerhans sagt

        das geld versickert durch korruption und ist meist bilateral verknüpft,
        d.h. wir geben euch,ihr kauft bei uns (waffen).

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    • Paulus sagt

      @Friedrich
      Wir haben sie eben nicht schlau gemacht sondern bis heute dumm gehalten. Das mag ein Relikt der Kolonisation und damit verbundener Missionierung sein. Warum sonst verkünden höchste Würdenträger einer bestimmten Glaubensgemeinschaft dort die Botschaft, wachset und mehret euch. Das mit gefalteten Händchen nickende Negerkind auf dem Sammelkasten von Adveniat wurde durch zeitgemäße Sammelmethoden ersetzt. Mehr ist seit mind. 60 Jahren der Hilfe für Afrika nicht herausgekommen.
      Das afrikanische Problem betrifft uns unmittelbar. Davor die Augen zu schließen und es weiter wie bisher zu versuchen ist nicht zielführend. Es gibt kluge Afrikaner, denen ich selbst schon begegnen durfte. Die haben ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihren eigenen Landleuten, wie zu vielen selbsternannten europäischen Gutmenschen auch. Deren teils drastische Aussagen möchte ich hier nicht wiedergeben.
      Mit dem Schlaumachen sollte man tatsächlich mal anfangen, statt dumme Reportagen über Weizen aus Deutschland zu drehen. Afrika hat (Südafrika ausgenommen) ein gewaltiges Bildungs- und somit Mentalitätsproblem und genau das fällt uns auf die Füße. Ohne Aufklärung und Bildung wird es bis in alle Ewigkeit auch bei Bad Governance mit all den bekannten Folgen bleiben.
      Als ich studierte kamen locker 20% meiner Kommilitonen aus Asien und Südamerika, jedoch keiner aus Afrika. Das hat sich, zumindest an der RWTH, nach meiner Wahrnehmung bis heute nicht geändert.

      Was ich damit sagen möchte, es betrifft dich sehr wohl, direkt oder indirekt, werter Friedrich.

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  7. Harald Müller sagt

    Ägypten, weltgrößter Weizenimporteur, importiert Getreide zum Weltmarktpreis und subventioniert es noch weiter, damit auch die Ärmsten in der Bevölkerung satt werden.
    Die Bevölkerung Ägyptens hat sich übrigens seit den 1950ern auf 80 Mio Einw. verdreifacht.

    Und trotz der Lage am Mittelmeer kommen kaum Flüchtlinge von dort nach Europa.
    Man stelle sich mal vor, was dort (bzw. an den „Toren“ Europas) abgehen würde, wenn Ägypten kein Getreide mehr importieren würde.

    „Sollen sie ihr Essen doch selbst anbauen; Fläche haben sie ja genug!!!“ (*Gedankenspiel*)

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    • Die werden sich auch noch in Bewegung setzen, ist nur eine Frage der Zeit. Aus welchen Einnahmen soll denn eine ägyptische Regierung den wachsenden Nahrungsmittelbedarf einer wachsenden Bevölkerung auf Dauer subventionieren?

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      • Inga sagt

        Haben die keine Industrie?

        Aber Öl haben ise, oder?Ü
        Und wen den Erlös daraus vertun oder -frühstücken, dann bauen sie sich ja ein Entwicklungsland auf, oder?

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      • Mark Rössler sagt

        Ägypten wird sich mit der geringen landwirtschaftlichen Fläche und dem Klima nie mit Weizen selbst versorgen können.

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        • Brötchen sagt

          rechnen Sie mal die Einwohner auf die importmengen, das sind Tropfen. ich vermute, das die Exporte über Entwicklungshilfegelder o.ä. laufen.

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  8. Lieschen Müller sagt

    VW hat in Brasilien auch riesige Montageanlagen. In China dürfen nur in Joint Ventures hergestellte Autos verkauft werden. In Indien stellt Tata selbst billige Autos her. In Australien (was kein Schwellenland ist) werden keine Autos mehr hergestellt.
    Also bei Autos ist das ganze sehr stark reglementiert!

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  9. fingerphilosoph sagt

    Der eigentliche Wahnsinn besteht darin, dass in dem Artikel auch nicht ein einziger Gedanke auf den Transport verschwendet wird, gerade so, als ob der Weizen sich von selbst aus Russland, Europa oder Kanada nach Afrika beamen würde. Tut er aber nicht.

    Auf dem Weltmeeren fahren derzeit 45.000 Supertanker herum, von denen jeder einzelne so viel Dreck wie ca. 1 Million PKWs macht. Was diese Supertanker transportieren? Richtig, Weizen. Steht an vierter Stelle nach Erdöl, Kohle und Eisenerz.

    Aber hallo: der Peak Oil war 2006. Die Erdölvorräte, womit diese Supertanker betrieben werden, werden von Jahr zu Jahr weniger. Wenns hoch kommt, reichen sie vielleicht noch 40 (!) Jahre.

    Es ist absoluter Wahnsinn, jetzt Strukturen und Abhängigkeiten aufzubauen, die in der nächsten oder übernächsten Generation schon nicht mehr funktionieren. Kurzsichtiger gehts ja überhaupt nicht.

    Womit wollt ihr die Supertanker künftig betreiben? Mit einem Windrad? Haha. Oder wollt ihr den Weizen wieder mit Segelschiffen transportieren? Habt ihr mal ausgerechnet, wieviel Segelschiffe ihr braucht, um die Menge Weizen zu transportieren, um die es geht? Wie viele Schiffsmannschaften?

    Oder läufts eben doch darauf hinaus, dass jedes Land künftig Atomreaktoren betreiben muss, wobei dann waffenfähiges Plutonium anfällt, sodass jeder Staat nebenher auch noch ein paar Plutoniumbomben bauen kann? Denn mit der alten Generation von Atomreaktoren kann man das bevorstehende Energieproblem auch nicht lösen. Da braucht es eben diese neuen double-fluids, und die sind eine Weiterentwicklung von Schnellen Brütern, deren Bau man nicht ohne Grund eingestellt hat.

    Ja, das ist absoluter Wahnsinn!

    3+
    • Bauer Willi sagt

      Jetzt fehlt nur noch die Lösung…
      Alle Exporte stoppen? Auf Nahrungsmittelhilfe verzichten? Und falls Weizen wirklich an vierter Stelle der Transportgüter steht, warum ist das dann so? Doch wohl, weil es irgendwo gebraucht wird. Da hätte ich gerne Antworten.
      Die Transportkosten sind übrigens im Verhältnis zum Warenwert vernachlässigbar.
      Bauer Willi

      1+
      • Lieschen Müller sagt

        Die Lösung besteht darin, die Menschen weltweit zur Familienplanung anzuhalten. Und regionale Ernährungsstrukturen aufzubauen, mit dem, was dort wächst. Die Lösung bedeutet: keine Frühkartoffeln aus Ägypthen, keine Avocados aus Israel, keine Heidelbeeren aus Peru.
        Die Lösung bedeutet auch, die Lügen vom „demografischen Wandel“ und die Angst vor einer „alternden Gesellschaft“ endlich einzustellen.

        1+
        • Inga sagt

          Warum ist der Demographische Wandel eine Lüge?

          Ja, die regionalen Ernährungsstrukturen sind wirklich umweltfreundlich für Mensch und Ökologie.

          Aber die afrikanischen regionalen Ernährungstrukturen sind nicht gut für unsere Volkswirtschaft oder die Global-Player wie Nestle & Co.

          Also um auf den Erhalt von Mutter Erde zu bauen, müssen wir westl. Welt darauf verzichten.

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          • Lieschen Müller sagt

            Weil er als Bedrohung aufgebaut wird, dessen einzige Lösung in „mehr Kinder“ und mehr Zuwanderung gesehen wird. Aber mehr Menschen machen mehr Probleme und fressen die Ressourcen der Erde nur noch schneller auf.

            2+
            • Inga sagt

              Deswegen sollen die Zuwanderer (wenn nicht aus Kriegsgebieten) ja zu Hause bleiben und ihr Land aufbauern und die Regionalen PFlanzen da anbauen, damit die Gegend ökologiesch bleibt.

              Und wenn die Landwortschaf tdann mal ökologisch richitg ist udn dann fehlen noch Nahrungsmittel, dann kann ja WEizen von usn dorthin inportiert werden.

              Habe zwar mal gehört, dass die Produkte aus Weizen auch den Menschen dort besser schmecken, als die aus Hirse!?!

              Dann wird es wieder ein Problem, weil die eigenen Felder dann da verwüsten, denke ich.

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      • fingerphilosoph sagt

        Es geht nicht um die Transportkosten, sondern um die Energie, die für die globalen Transporte von Lebensmitteln benötigt wird. DAS ist das Problem, nicht das Geld.

        Es ist ja nicht so, dass Afrika unfruchtbare Böden hat. Sondern dass die Leute Weizen essen wollen oder sollen, der dort nun halt mal nicht wächst.

        Ich glaube, dass es für sinnvolle Lösungen bereits zu spät ist. Bzw. dass der Mensch nicht fähig ist, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.

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        • Mark Rössler sagt

          Die Tonne Getreide, das in Schleswig Holstein geerntet wurde und in Schiffsterminals verbracht wird, anschließend mit dem Schiff in westafrikanische Häfen angeliefert wird kann in der westafrikanischen Mühle weniger Energie auf dem Buckel haben als das einheimische Getreide dort, das mit LKWs quer durchs Land kutschiert wurde.

          Soja aus Südamerika hat in Nordeuropa meist weniger Energieverbrauch je Tonne wie Donau-Soja.
          Man darf auch nicht nur den Energieaufwand je Tonne für den Transport sehen, die Betrachtung muss schon ganzheitlich stattfinden.
          Angefangen von der Feldarbeit und Ernte bis zum abladen beim Endkunden je Tonne.
          Schlechte Erträge durch schlechtere klimatische Voraussetzungen der jeweiligen Kultur werden mit viel Einsatz/Energie bezahlt.
          Es sollte das dort angebaut werden, was global betrachtet, den effektivsten Ertrag an diesem Standort ermöglicht.
          Weizen sollte in unserer Region angebaut werden, Soja in geeigneteren.
          Ohne spezielle ausgerichtete Subventionen (zB Eiweißpflanzenstrategie) ist der Anbau ökonomisch nicht machbar, ökologisch dazu noch kompletter Unsinn.

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    • bauerhans sagt

      „wollt ihr den Weizen wieder mit Segelschiffen transportieren?“

      tatsächlich laufen versuche,containerschiffe mit segeln zu bestücken.

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      • fingerphilosoph sagt

        Wenn das mit den erneuerbaren Energien funktionieren würde, hätte man mit dem Erdöl gar nicht angefangen.

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  10. Stef sagt

    Danke für die Ausführungen und Erweiterungen für dieses »Weizenexport-Thema«. Finde ich total wichtig und wertvoll!
    Vorweg: Einfache Lösungen gibt es in diesen Falle nicht.
    Für mich stimmt die zugrunde liegende Logik nicht: Wir fahren in unserer »entwickelten« Welt ein bestimmtes Wirtschaftsmodell, welches sich irgendwann durchgesetzt hat (oder durchgesetzt wurde). Und gehen implizit davon aus, dass es »das Richtige« ist. Für uns. Für alle. Könnte es sein, dass dieses Modell die Basis unserer vieler Probleme ist? Resssourcenausbeutung, Verschwendung, Abfallproduktion, Ausbeutung von Kinderarbeit, geringere Rechte für Frauen, usw. usf. Ich will nicht alles auf dieses Modell beziehen, aber ich denke dass unser »größer, schneller, weiter« und »die Nachfrage bestimmt den Preis«, in der Form, in der es bei uns ausgeführt/gelebt wird, ein grundlegend nicht zukunftstaugliches Modell ist. Also kann ich doch nicht genau mit diesem Modell Ansätze verteidigen, die fragwürdig sind und zu großen »Nachteilen« in nicht so entwickelten Ländern führen. Würden wir alle Kosten in diesem Preis berücksichtigen, dann könnte das Modell vielleicht noch hinhauen. Aber da ein guter Teil der Kosten externalisiert wird, ist das eine Milchmädchenrechnung, welche letzten Endes zum Nachteil zukünftiger Generationen, der Umwelt, und, wie in diesem Falle, der afrikanischen Bauern führt.
    Ich sehe »uns« in der Verantwortung zu lernen, wie wir anders denken – und dann handeln – können. In Verantwortung und Verständnis, Verbundenheit, mit Menschen, die anders leben, andere Ressourcen haben, andere Traditionen, andere Anbaumethoden, andere Wirtschaftsmodelle (Subsistenzwirtschaft, Tauschhandel, kleinräumig, vielfältig). Und da ist mir »Nachfrage bestimmt den Preis« absolut unzureichend…

    2+
    • bauerhans sagt

      was unsere materielle versorgung angeht,ist unser modell unschlagbar.

      gestern abend wurde über ukrainische textilfirmen berichtet,die für deutsche modefirmen herstellen.
      die näherinnen beklagten den geringen lohn,der chef die lohnvorgaben seiner deutschen kunden.
      eine bluse,die dort für 3 bis 5€ nählohn hergestellt wird,hat hier einen preis von 70€.
      eine alternative gibts dort nicht.

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  11. Altbauer Jochen sagt

    Wenn die EU Zahlungen weggehen wird nicht die Erntemenge
    sinken, sondern die Bauernmenge.
    Die Erntemenge wird dann von Kapitalanlegern in großen
    Agrarunternehmen erzeugt.
    Eine Frage: Gäbe es überhaupt genug Erzeugung in allen
    afrikanischen Ländern um die Menschen satt zu bekommen ?
    Ich glaube auch dort würde sich eine „andere“ Landwirtschaft entwickeln
    -wo das Klima es hergibt.
    Und die Kleinbauern würden im inneren Konkurrenzkampf
    wie überall die Verlierer sein.
    Die Frage von Korruption, religiösem Wahn und ethnischen
    Konflikten steht einer guten Entwicklung doch oft im Wege.

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  12. Brötchen sagt

    wenn die Subventionen Eu weit weggehen wird vielleicht die Erntemenge sinken und der Preis steigen. wir haben ja weltmarktpreise plus transportkosten, plus zoll, plus eventuelle abschottungsauflagen. bei Afrika muss man vorsichtig sein, da könnte Korruption auch eine Rolle spielen. bzw. über die Mengen und guter Kunde und s.w. werden ja auch Geschäfte gemacht. es ist ja nicht nur der Preis. wenn man von freien Partnern ausgeht, dann steht es doch jedem Partner frei zoll bzw. einfuhrbeschränkungen zu erheben. man kann pol. einen Handel verbieten. da würde ich den Ball an die Politik spielen, dafür können die Lw nicht verantwortlich gemacht werden.

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