Bauer Willi
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Exporte Hühnerfleisch Afrika

Welche Mengen an Geflügelfleisch exportiert Deutschland eigentlich nach Afrika? Das wollte ich mal wissen und habe mir beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft die Zahlen besorgt. Zu Geflügel zählen nicht nur Hühner, sondern auch Puten, Gänse und Enten. Und die Summe von allem habe ich genommen. Das waren 2016 rund 491.000 t.

2014 exportierte Deutschland davon 40.967 t nach Afrika, 2016 waren es 17.219 t. Von dieser Menge gingen 3.942 t nach Südafrika, das sind rund 23%. Weitere größere Importländer sind Ghana und Benin. In nahezu allen  Ländern hat die Menge abgenommen, lediglich Mauretanien und die Kapverden verzeichnen eine Zunahme. Da die Kapverden mittlerweile ein beliebtes Urlaubsziel geworden ist, könnte die Zunahme damit erklärt werden.

Im Jahr 2016 betrug die Bevölkerung von Afrika 1,216 Milliarden Menschen.

Auf den Markt gelangt das Fleisch durch Händler, die Geflügelfleisch in Deutschland aufkaufen. Exporterstattungen werden nicht gezahlt. In Ländern wie Kamerun, Nigeria und Senegal, die ein Importverbot ausgesprochen haben, ist die Produktion von einheimischen Geflügel zwar geringfügig gestiegen, es besteht seitdem aber eine Versorgungslücke, die zum einen zu Schmuggel aus den Nachbarländern, zum anderen zu hohen Preisen führen, so dass sich breite Bevölkerungsschichten kein Geflügelfleisch leisten können und deshalb z.T. Wilderei betreiben. Übrigens grenzt Benin an Nigeria….

Deutschland hat bei Geflügelfleisch eine negative Handelsbilanz. Einem Export von 491.000 t (davon 90% innerhalb Europas) steht ein Import von 661.000 t gegenüber. Diese negative Handelsbilanz hat in den letzten Jahren zugenommen (2014: Export 542.000 t, Import 597.000).

Dies sind die Fakten.

Frau Göring-Eckhardt (Grüne)  sagte in einer Fernsehsendung am 4.9. 2017: » Der somalische Bauer kommt zu uns,  weil seine Hühnerfarm pleite gegangen ist, weil hoch subventioniertes Rest-Hühnerfleisch von uns in Afrika ankommt.« 2016 wurden 8,3 t nach Somalia exportiert, von 2010 bis 2015 wurde kein Geflügelfleisch dorthin exportiert.

Lesenswert auch der nachfolgende Artikel aus „Zeit-Online“. (auf die Überschrift klicken)

Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich die Wahrheit langfristig durchsetzt und erwarte gespannt das Ende der Koalitionsverhandlungen.

Euer Bauer Willi

 

An den Hühnchen liegt es nicht

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164 Kommentare

  1. Eckehard Niemann sagt

    Der häufige Hinweis auf die Importe aus Brasilien und den USA ist irrelevant, weil es sich bei dem von Drittlandskonzernen belieferten Marktsegment um gefrorene Billigstware vor allem für den Einsatz bei Fertiggerichten handelt, dessen Belieferung für die hiesigen Hähnchenkonzerne ohnehin ruinös und damit uninteressant wäre.

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  2. Eckehard Niemann sagt

    Zitat aus der Studie von Handelsblatt Research Institute: GEFLÜGELWIRTSCHAFT WELTWEIT:

    … Mit Blick auf die Ausfuhren der einzelnen EU-Staaten (inklusive inter-EU-Handel) gibt es eine Besonderheit zu beachten. Die hohen Ausfuhren der Niederlande (872.000 Tonnen) – sie sind 2,7-mal höher als die deutschen – sind darauf zurückzuführen, dass zum Beispiel Teile der deutschen Erzeugung nicht in Deutschland geschlachtet, sondern zur Schlachtung in die Niederlande gebracht werden. Somit tauchen sie statistisch in der deutschen Erzeugung auf (in der hier abgebildeten FAO-Statistik werden Ausfuhren von Lebendtieren zur heimischen Erzeugung gezählt, Einfuhren von Lebendtieren abgezogen), allerdings in den niederländischen Fleischausfuhren, wenn das Schlachtgut wieder außer Landes gebracht wird. Ähnliches gilt auch für die Ausfuhren Belgiens….

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  3. Eckehard Niemann sagt

    Lieber „Bauer Willi“, wenn man den Blick nicht ganz bewusst-schönfärberisch auf die deutschen Exporte beschränkt, sondern die EU-Exporte betrachtet (auch von Geflügelkonzernen, die EU-weit und auch in Deutschland aktiv sind), dann sieht das Bild schon ganz anders aus. Lieber „Bauer Willi“, ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das nicht gewusst hast. Und wenn Du es gewusst hast, warum dann dieses Ablenkungsmanöver? Und wenn Du es nicht gewusst hast, warum dann nur die Info von der Agrarindustrie? Schade eigentlich – mal wieder…

    Pressemeldung vom 7.9.2017; EU-Hähnchenfleisch überschwemmt Afrikas Märkte
    Brot für die Welt: Handel mit Afrika fair gestalten.

    Die Europäische Union (EU) und die Bundesregierung haben afrikanischen Staaten Unterstützung beim Aufbau einer eigenen Wirtschaft zugesagt. Billigexporte von Geflügelfleisch aus der EU lassen einheimischen Produzenten jedoch kaum Chancen. Brot für die Welt appelliert an die Bundesregierung, sich in der EU für Änderungen der bestehenden Wirtschaftspartnerschaften einzusetzen und die Handelsbeziehungen mit Afrika fair zu gestalten.

    Im vergangenen Jahr hat die EU ihre Exporte von Geflügelfleisch nach Afrika auf 680 Millionen Kilogramm erhöht. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber 2015. Da der Verkauf der in Europa begehrten Hähnchenfilets bereits gewinnbringend ist, wurden die Ausfuhrpreise von Hähnchenteilen auf durchschnittlich 0,75 Euro pro Kilogramm gedrückt. Mit diesen niedrigen Preisen können afrikanische Geflügelproduzenten nicht mithalten. Mit den 500 Millionen Euro, die Afrika für Fleischimporte zahlt, könnten mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze in der Hühnermast, im Futtermittelanbau, im Zwischenhandel und in der Schlachtung geschaffen werden. Die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sagt: „Die EU muss, wie die Bundeskanzlerin auf einer G20-Veranstaltung versprochen hat, Afrika neue faire Handelsbeziehungen anbieten.“ Dazu gehöre, dass sich Staaten vor EU-Billigexporten schützen können müssen. Füllkrug-Weitzel: „Am besten wäre es, die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der EU mit Afrika auszusetzen und neue faire Abkommen zu verhandeln.“

    Liberia importiert Geflügelfleisch aus Europa für nur 0,48 Euro pro Kilogramm. Auf dem Markt in der Hauptstadt Monrovia kostet ein Kilo Hähnchenschenkel allerdings 2,50 Euro. Francisco Marí, Agrarhandelsexperte von Brot für die Welt, sagt: „Da kann kein einheimischer Geflügelmäster mithalten, und weil die Konkurrenz fehlt, wird der EU-Billigpreis noch nicht einmal an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. So machen Importeure und die EU- Schlachtindustrie das große Geschäft auf dem Rücken der Kleinmäster in Afrika.“

    Die meisten Geflügelfleischexporte der EU gingen 2016 nach Südafrika, Benin und Ghana. Deutsche Ausfuhren sind laut Statistik zurückgegangen und werden vermehrt über das Hauptexportland Niederlande abgewickelt. Die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) sollen Afrika zollfreien Marktzugang in die EU gewähren, im Gegenzug dürfen 80 Prozent der EU-Exporte ohne Zoll in Afrikas Märkte ausgeführt werden. Bisher ist nur ein regionales Abkommen ratifiziert worden. Mit vier weiteren Ländern und einer Region sind Übergangsabkommen abgeschlossen worden. Die restlichen 40 afrikanischen Staaten haben als ärmste Staaten bereits ohne Abkommen ihren EU-Marktzugang.

    Pressekontakt: Renate Vacker, Tel. 030 65211 1833, renate.vacker@brot-fuer-die-welt.de

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    • Mark Rössler sagt

      „ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das nicht gewusst hast. “

      Ich kann mir vorstellen, Sie haben die Kommentare hier nicht gelesen oder verstanden.

      Und wieder muss ein Land herhalten, dass traditionell nicht sonderlich interessiert ist an der Nutztierhaltung: Liberia.
      „The livestock sub-sector plays a minimal role in the Liberian economy, accounting for about 14% of the agricultural GDP (Rhissa, 2007; Koikoi, 2011). Most of the animals are owned by traditional farmers who use local, less productive animal breeds and inappropriate techniques. Thus household-based chicken, goats, ducks, pigs, sheep and cattle rearing predominates (FAO, 2005, 2011a; Koikoi, 2011; SFNS, 2010). These farmers have access to few inputs, and receive limited or no government support services. No dairy production is undertaken in Liberia for commercial purposes (Koikoi, 2011). Total Livestock Units declined during the civil war from 1990-2003, but the numbers had more than recovered by 2010. Demand for livestock products greatly outstrips domestic supply; as a result imports of livestock products and live animals are high. An estimated 19,580 heads of cattle (N’Dama and Zebu), 750 Sahel goats and 1500 sheep are imported from Guinea, Cote d’Ivoire and Mali annually for slaughter (Koikoi, 2011). In 2009, some 11 million metric tons of meat valued at about US$ 4.3 million were imported (according to FAOSTAT imports of 9.6 M tonnes of meat were valued at 9.7 M US$ in 2009).“

      Quelle:
      http://www.fao.org/ag/agp/agpc/doc/counprof/liberia/liberia.htm

      Erschütternd, wie die AbL sich dafür einsetzt, den Afrikanern vorzuschreiben was die gefälligst essen sollen. Bei Reisimport, der in Liberia wirtschaftlich stark zu Buche schlägt, da fällt kein Wort drüber, stammt ja nicht von hier und ist egal.

      In Liberia lebt man vom Fischfang und nicht von Hühnern, trotzdem hat sich die Produktion von Geflügel in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Reicht aber eben nicht für die Bedürfnisse der Verbraucher.

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  4. Ottmar Ilchmann sagt

    Mich würde mal eines interessieren: Ganz unabhängig von der Frage, ob der Export von Geflügelfleisch nach Afrika ethisch problematisch oder völlig in Ordnung ist: Wie hoch ist die Wertschöpfung aus diesen Exporten, die wirklich beim Erzeuger in Deutschland bzw. Europa ankommt? Ich meine jetzt nicht die exportierenden Firmen, sondern den Bauern, der Hähnchen mästet. Ist es für die Bauern wirklich sinnvoll, auf diesen Exportmärkten in scharfer Konkurrenz zu anderen Produzenten aus Brasilien oder Südostasien ihr Glück zu suchen bzw. es von ihren „Partnern in der Wertschöpfungskette“ suchen zu lassen? Ich vermute, es wird ähnlich sein wie bei der Milch. Auch hier ist ein Export für deutsche Molkereien in Drittländer nur möglich, wenn die Erzeugerpreise für die deutschen Milchbauern sich auf Weltmarktniveau bewegen. Deshalb bedingt Weltmarktfähigkeit, zumindest für billige Massenware, ein Preisniveau, das deutsche Bauern unter massiven Kostendruck bringt. Dieser Kostendruck zwingt dann wiederum zu Produktionsmethoden, die uns die gesellschaftliche Akzeptanz kosten. Ein Teufelskreis, von Vorteil nur für diejenigen, die unsere Produkte abnehmen. Ich befürchte übrigens, Willi, dass der Zuckersektor der nächste sein wird, der im Namen der Weltmarktfähigkeit vor die Wand gefahren wird.

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Ottmar,
      ich habe hier nur den Ausschnitt Afrika gewählt. 90% der Exporte bewegen sich innerhalb Europas. Übrigens beläuft sich der Export nach Asien in ähnlicher Größenordnung wie nach Afrika. Unsere Handelsbilanz verschlechtert sich zunehmend. ich kann also nicht wirklich erkennen, dass wir uns bei Geflügel in einem scharfen Wettbewerb mit z.B. Brasilien bewegen. Wenn meine Zahlen stimmen, importiert Afrika 1,2 Mio. t Geflügelfleisch. Da sind unsere 17.000 t doch eher vernachlässigbar. Bei Milch ist das wahrscheinlich anders, da kennst Du Dich besser aus.
      Was den Zucker angeht: Ich habe ein 20 Jahre altes Sägerät, sonst nichts spezifisches für Zuckerrüben. Da ist es für mich relativ einfach, aus dieser Produktion auszusteigen. Und ich denke, dass das die Zuckerunternehmen wissen und auch die Anbauerverbände sind relativ stark.
      Bauer Willi

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  5. Berthold Lauer sagt

    Wir können doch oft bestimmte Sachverhalte hier bei uns in Deutschland nicht objektiv beurteilen, weil wir auf Informationen angewiesen sind. Und die kommen im Idealfall aus mehreren verschiedenen Quellen, aber immer mit dem subjektiven Einfluss der Informierenden. Wir filtern dann das heraus, was für uns am plausibelsten, angenehmsten oder unserer Überzeugung am naheliegensten ist.
    Wie wollen wir also die Ernährungssituation in „Afrika“ objektiv beurteilen können. Alle zugänglichen Informationen sind in meinen Augen interessengeleitet! Wovon reden wir, wenn wir „Afrika“ sagen. Das ist ja kein homogener Kontinent! Da gibt es von westlichen Luxus bis zu unvorstellbarem Hunger und Armut alles.
    Meine Kenntnisse beruhen auch nur auf Berichten und Dokumentationen, aber ich ich erlaube mir trotzdem ein paar Anmerkungen: Wer soll denn in den Problemregionen Nahrungsmittel produzieren??? Die Menschen fliehen vor Bürgerkriegen, marodierenden Banden, Dürre etc in die Städte. Aus Selbstversorgen werden so Versorgungsbedürftige!
    Selbst wenn etwas produziert, fehlt die Infrastruktur, um es bis in die Städte gelangen zu lassen. Wo die Strukturen da sind oder geschaffen werden, da wird für den Export produziert (und wenn es nur die bekannten Schnittblumen für den europäischen Markt sind). Woher sollen die Menschen das Geld haben um Nahrung so zu bezahlen, dass für produktionswillige Bauern auch ein Anreiz zur Produktion besteht? Woher sollen sie die Sicherheiten für politische Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen nehmen, die nun einmal notwendig sin, wenn jemand investieren will? Ich glaube, die paar tausend t Hühnchenfleisch sind in vielen Regionen das geringste Problem.

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    • Paulus sagt

      Während die gute Frau KGE bedeutungsvolle Worte von sich gegeben hat, war ich im Auftrag meiner Company und der DEG mehrmals in Afrika unterwegs. Aufgrund eigener Erfahrungen kann ich sagen, dass die Mär von den europäischen Schlachtabfällen schlicht Unsinn ist. Es gibt dort selbst in entlegenen und armen Gebieten so etwas wie eine halbwegs funktionierende LW. Wenn allerdings 20 bis auf die Knochen abgemagerte Rinder für einen afrikanischen Mann mehr Ansehen und Wohlstand bedeuten als 2 halbwegs gut genährte, weil allein die Anzahl entscheidend ist, hat uns das kaum zu interessieren. Ähnlich ist es mit der Fertilisationsrate. Wenn eine Frau nicht dauernd schwanger ist, wird auch von Frauen schlecht über ihren Mann geredet.
      Während die Damen mit dem 6. Kind auf dem Rücken und dem 7. im Bauch auf dem kargen Acker malochen, dösen die Männer im Schatten vor sich hin, palavern oder begeben sich in den nächsten … naja. Ich bin nun wirklich der Letzte, der unseren afrikanischen Mitmenschen die Teilhabe an unserem Wohlstand missgönnt.
      Für deren Steinzeitliches Verhalten und Denken fühle ich mich jedoch nicht verantwortlich. Die Ursachen für das Elend in den Staaten Afrikas sind grundsätzlich andere als jene, die uns hier so gerne von den selbsternannten Gutmenschen und den NGO‘s verkauft werden.
      Mit einem frühmittelalterlichen Gesellschaftsmodell, verbunden mit “ bad governance“ kommen die Afrikaner nie und nimmer auf einen grünen Zweig. In den Metropolen haben sich alle, vorwiegend französische und japanische Industrieunternehmen die dort in Fertigungsstätten investiert haben, weitgehend wieder zurückgezogen. Die Gründe dafür sind allein in der afrikanischen Mentalität zu suchen.
      Ich durfte kluge und gebildete Afrikaner kennenlernen; deren Aussagen fielen derart drastisch aus, dass ich sie hier nicht wiedergeben möchte.
      Wenn auch nur ein Bruchteil der gigantischen Vermögen, welche afrikanische Despoten und deren Clans auf Schweizer und Londoner Banken horten, den eigenen Volkswirtschaften incl. Bildungswesen und Geburtenkontrolle etc. zugutekommen würde gäbe es kein afrikanisches Problem.
      Und wir diskutieren hier auf Anregung einer entrückten Theologin ohne Abschluss über in paar Kühlcontainer oder max. eine Schiffsladung/a mit europäischem Geflügelfleisch, verteilt auf nahezu einen ganzen Kontinent, während wir gleichzeitig afrikanische Produkte und vor Allem Rohstoffe in ungleich höherem Wert importieren. Unabhängig aller Statistiken, merkt eigentlich keiner wie absurd und bescheuert diese Debatte ist?

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      • bauerhans sagt

        was paulus hier beschreibt,hatte ich in den 1990er jahren von entwicklungshelfern gehört.
        in einer WDR sendung,wo eine musiklehrerin aus köln nach afrika auswandern wollte,weil sie dort schon vor 30 jahren gewesen war,aber dann doch wieder zurück kam,war das fazit dieser frau:
        afrika hat sich nicht entwickelt in den letzten 30 jahren,im gegenteil,die sind noch nachlässiger und unzuverlässiger geworden.

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  6. Friedrich sagt

    Frau Göring-E. bedient mal wieder die Gutmenschen. Präses der ev. Kirche hätte die GRÜNE nie werden dürfen. Als Wahrheitsverdreherin schon lange nicht. — Aber das nur nebenbei. Die afrikan. Staaten könnten alle mit Außenschutz die Importe steuern. Tun sie aber nicht. Die westliche Produktion ist so effizient , daß fast kein Entwicklungsland da mithalten kann. Gute Schulbildung, Berufsausbildung ,effiziente Logistik,Weiterverarbeitung
    ,Marketing und Exportmanagment tragen zur sehr preiswerten Urproduktion bei. All das fehlt in diesen Ländern, aber auch der politische Wille , der mehr auf Machterhaltung und pers. Bereicherung beruht. Wenn wir diesen Ländern nicht helfen wird das ewig so bleiben.
    Beginnen muß das alles mit täglich gesichertem Essen und Schulbildung für alle. Das ist ein langer Weg.

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    • Mark Rössler sagt

      Deutschland gehört zu dem Staat, der mit die meisten Gelder für Entwicklungshilfe in Afrika zahlt.
      Problem an diesen Hilfsprojekten ist meist der falsche Gedanke, was zu geschehen hat.
      Somit bleiben viele Teile Afrikas bei einer altertümlichen Landwirtschaft, die in der Vergangenheit dort schon oft zu wenig Erzeugt hat. Bei dem momentanem Bevölkerungswachstum wäre es dringend geboten dort auf Modernisierung der Landwirtschaft zu setzen.

      „Der durch den Bürgerkrieg aus Syrien vertriebene Genforscher Mahmoud Solh lässt sich nicht unterkriegen. Er erzählt von seinem Bestreben, die Landwirtschaft Afrikas zukunftssicher zu machen.“
      https://www.novo-argumente.com/artikel/die_alten_samen_der_zukunft

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  7. @ Herr Böhrer,

    meine Frage geht dahin, ob die Aussage, durch Importverbote afrikanischer Länder komme es zu einer Versorgungslücke bei Hähnchenfleisch, auch von den Versorgungslückenerkennungsexperten in der Vertriebs- und Marketingabteilung der Hähchenverarbeiter stammt. Schließe ich nur auf eine Versorgungslücke, weil ein importiertes Produkt durch Handelsbeschränkungen nicht mehr angeboten und nicht durch ein vergleichbares inländisches Produkt ersetzt wurde? Dass die Situation in vielen afrikanischen Ländern verschärft ist, ist mir durchaus bewusst. Aber nur weil ein bestimmtes Handelsgut, ein Nahrungsmittel mit hohem Proteingehalt, durch eine Regierungsintervention nicht mehr erhältlich ist, heißt das auch in Afrika nicht zwingend, dass eine Proteinunterversorgung eintritt oder sich verschärft.

    Ich denke, uns ist beiden klar, dass mit Vorurteilen über das „Land Afrika“ gern auf vielen Seiten gespielt wird. Wir sollten uns nicht immer gegenseitig ideologische Verblendung vorwerfen. Es ist unter Volkswirtschaftlern, die Freihandel für das beste Mittel zur weltweiten Wohlstandsmehrung ansehen, weitgehend Konsens, dass in Volkswirtschaften schwach ausgeprägte fundamental wichtige Wirtschaftszweige geschützt werden müssen. Zu diesen darf die Landwirtschaft gezählt werden. Die Urproduktion ist die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft aus eigener Kraft, Ernährungssouveränität die Voraussetzung für ein Mindestmaß an Selbstbehauptung (nicht alle Länder können dafür Atomsprengköpfe entwickeln).

    Das erkennt auch die WTO an und gesteht selbst der EU einen besonderen Agraraußenschutz (Marktordnung) zu. Denn wenn selbst die wirtschaftlichen Grundlagen einer Volkswirtschaft nicht ausreichend gegeben sind, kann auch das meistbegünstigende Freihandelsprinzip des komparativen Wettbewerbsvorteils nicht greifen, da dann nämlich überhaupt kein Wettbewerbsvorteil vorhanden ist.

    Göring-Eckhardt hat im Grunde mit falschen Angaben ein richtiges Prinzip beschrieben. Nur weil es von einer Grünen stammt, ist das Prinzip nicht grundfalsch, ebensowenig wie es pauschal richtig ist. Man sollte nicht einem Pawlowschen Hund ähnlich auf einen bestimmten Reiz gleich die Phrasendreschmaschine anwerfen, auch wenn der Reiz seinerseits eine Phrase ist.

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    • Jochen Böhrer sagt

      Nach Angaben von „Brot für die Welt“ betragen die Produktionskosten für Geflügelfleisch in Afrika 1,80 bis 2,50 Euro/kg. Greenpeace nennt sogar 3,50 Euro. Das Monatseinkommen einer Person in Burkina Faso beträgt ca 50 Euro, in Kamerun 100 Euro. Bei vielen , vor allem kinderreichen Familien oder Familien ohne Arbeit ist es noch wesentlich niederer. Da stellen sich dem vernünftig denkenden Menschen zwei Fragen: WIESO um alles in der Welt ist die Produktion in einem Niedriglohnland doppelt so teuer wie bei uns? Und wie soll sich eine typische Großstadtfamilie (Afrika hat 50 Millionenstädte) das einheimische Fleisch leisten können? Die erste Frage ist einfach zu beantworten: Die meisten Entwicklungshilfeorganisationen leben vom Elend in der Welt und versuchen deshalb, das Elend zu wahren. Indem sie den Ländern eine fortschrittliche Lasndwirtschaft verwehren und altertümliche ineffektive Produktionsmethoden fördern.

      6+
      • Ja, Exporte führen dazu, dass die Preise für die in den Zielländern erzeugten Güter gedrückt werden. Das kann die inländische Produktion in den Zielländern beleben (Produktivitätszugewinne, Angebotsausweitung, geringere Preise) und damit zur Bekämpfung von Armut und Mangelernährung beitragen – vorausgesetzt, das Ventil für die Einfuhren in den Zielländern wird nicht überdreht, die Einfuhrmengen vorausschauend gesteuert Komma wie das übrigens auch die Agrarmarktordnung der EU für sich vorsieht.

        Die Mächtigen in den afrikanischen Ländern haben hier besonnen zu handeln und dürfen keine zu großen Augen beim Einfuhrzoll bekommen. Anders als die Binnenwirtschaft, wo viel an der Steuer vorbeigeht, können Zolleinnahmen in hohem Umfang schattenwirtschaftsfest gemacht werden, da die Einfuhren an Häfen und Flughäfen zentral kontrolliert werden können. Sichere schnelle Einnahmen für die Mächtigen also. Wenn die PHW-Gruppe in Afrika verdienen will, sollte sie sich nicht allein auf die Weisheit der dortigen Regierungen und ihre Einfuhrbestimmungen verlassen.

        Nach der Logik aber, dass Nahrungsmittelexporte für die Bekämpfung von Armut und Mangelernährung ggf. hilfreich sind, könnte es besser sein, eher landwirtschaftliche Rohstoffe als Fertig- und Halbfertigwaren (ich meine Fleisch) aus der EU auszuführen. Denn so kann ein größerer Teil der Wertschöpfung in den Zielländern stattfinden und zunächst dort der Markt entscheiden, was mit den Rohstoffen geschieht (Tiermast oder Herstellung von Teigwaren für noch mehr Menschen, die proteinmäßig auch nicht zu verachten sind). Aber daran haben die Verarbeiter in der EU kein Interesse. Die Wertschöpfung übernehmen sie naturgemäß am liebsten selbst. Erst einmal so viel wie möglich produzieren und dann schauen, wo es am meisten Geld bringt. Notfalls nimmt Afrika ab, was nicht optimal vermarktet werden kann, immerhin noch mehr als kostendeckend.

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  8. Ottmar Ilchmann sagt

    Hast du auch europaweite Zahlen zum Geflügelexport, Willi? Die Betrachtung nur des deutschen Anteils in einem gemeinsamen EU-Markt greift zu kurz!

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Ottmar, die habe ich und schon unter einem anderen Kommentar verlinkt. Europaweit sieht es anders aus, aber wir reden hier von Deutschland und den Vorwürfen, denen wir Deutsche uns ausgesetzt fühlen. Einer der Haupt-Player bei Geflügel ist doch nicht Deutschland! Und wenn die Niederlande oder Polen mehr nach Afrika exportiert, welche Schlüsse ziehst Du daraus? Ein weiterer großer Player ist Brasilien und das weißt Du auch. Sollen wir Deutsche denen jetzt Vorschriften machen?

      Warum arbeiten gewisse Kreise nicht mit den Fakten? Nachdem Göring-Eckhardt mit den Zahlen konfrontiert wurde, spricht sie jetzt nicht mehr von Somalia sondern von Ghana. Was soll das? Stärkt es das Vertrauen in die Politiker? Sie war mal Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands. Stärkt es das Vertrauhen in die Kirchen? Viele Fragen für einen Sonntag….
      Bauer Willi

      5+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        Ich denke, Frau Göring-Eckardt hat ihre Informationen gerade von kirchlichen Institutionen, und zwar den Hilfswerken Misereor bzw. Brot für die Welt. Sind die auch nicht vertrauenswürdig? Wenn man diesen Fragen wirklich auf den Grund gehen will, sollte man mit deren Experten, z.B. Francisco Mari von Brot für die Welt, diskutieren. Und vor allem muss man den Kontakt zu wirklich Betroffenen suchen, z.B. afrikanischen Bauernvertretern. Ich denke, die hier angesprochenen ethischen Fragen sind zu komplex, um sie mit interessegeleiteten statistischen Zahlen der deutschen Geflügelindustrie einfach vom Tisch zu wischen. Und einer grünen Politikerin hier einen Irrtum oder meinetwegen auch eine Verfälschung nachzuweisen, finde ich nicht besonders aufregend. Sehr viele Politiker arbeiten mit Vereinfachungen und angelesenem Halbwissen, das ist kein grünes Privileg.

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      • Mark Rössler sagt

        Afrikas Bauern werden von denen ruiniert, die dort die „romantische“ Landwirtschaft erhalten wollen und es somit weiterhin Hunger dort geben wird.
        Dazu darf man die GreenNGOs zählen, Brot für die Welt, Miserior und einige Landwirtschaftsverbände aus Europa (ua die AbL) wie auch die Grünen.

        Afrika steht vor dem Untergang der Landwirtschaft, man muss sich nur das Durchschnittalter der Landwirte/-innen anschauen, die Jugend haut ab in die Städte, weil die heute oftmals nicht mehr unter solchen Bedingungen arbeiten/leben wollen.
        Afrikanische Länder, die sich von der europäischen Vorstellungswelt für Afrika trennen, zeigen das die Entwicklung der Landwirtschaft zur Ernährungssicherheit beiträgt.

        „LANDWIRTSCHAFT IN ÄTHIOPIEN :
        Auf der afrikanischen Überholspur“
        http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/landwirtschaft-in-aethipien-auf-der-afrikanischen-ueberholspur-13737683.html

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  9. Altbauer Jochen sagt

    Willi: >und erwarte gespannt das Ende der Koalitionsverhandlungen<
    Ich weiß nicht wovor mir mehr graut ,vor einem Scheitern
    oder einer Einigung !
    Da geht es um viel mehr als um ein paar Tonnen Hühnerfleisch.
    Da will jeder seine eigene Wahrheit durchsetzen !
    Das kann nicht funktionieren mit den dreien ! (vieren)

    2+
  10. Sabine sagt

    Nun, wir sollten vllt. auch anmerken, dass wir im Moment in der Geflügelproduktion weltweit ein heftiges Problem mit den Geflügelgrippe haben. Nicht nur Europa wird den Ausbrüchen nicht Herr. Ich weiß nicht wie es mit anderen Ländern in Africa ist, aber Südafrika ist schwer von der Seuche betroffen. Erst im Oktober gab es eine Krisensitzung wo ausgelotet werden sollte, ob man nicht vllt. doch die Bestände impfen sollte… mit all den Konsequenzen für den Handel. Ein Alptraum für die Gelfügelindustrie vor Ort. https://www.news24.com/Video/SouthAfrica/News/watch-egg-shortage-looms-as-bird-flu-spreads-20171004
    Nicht nur Geflügelfleisch, sondern auch Eier sind inzwischen in vielen Ländern selten und entsprechend teurer geworden.
    Das FLI in Deutschland hält an der Zugvogel-Hypothese und der Stallpflicht und besserern Hygienemaßnahmen fest, während andere Länder nicht mehr daran interessiert sind, ob und wie ihre Nutztierbestände von Zugvögeln infiziert werden. Die wollen einfach nur, dass das Sterben aufhört, bevor ihre Geflügelbauern total pleite sind und denken über eine Pflichtimpfung ähnlich der NCD-Impfung nach.
    Wie wir bei dem Fibrolin-Skandal gesehen haben, ist es selbst für die Fachverbände und Ministerien schwierig die verschlungenen Pfade der Im- und Exporte auf diesem Gebiet nachzuvollziehen, trotz Kennzeichnungspflicht und Kontrollen.
    Ich kann die Bilder von gekeulten Tieren und weggeworfenen Eiern echt nicht mehr sehen. Und ich kann die Bilder von geschmuggelten Tieren nicht mehr sehen, die vergast und/oder verbrand werden, weil die Grenzbeamten in manchen Ländern einfach nicht wissen, was sie mit dem geschmuggelten, potentiell gefährlichen Tieren tun sollen.
    Wenn wir nicht langsam zu einer internationalen Lösung kommen, wird vllt. H5N8 das Problem der Geflügelexporte auf ganz natürliche Art lösen.

    2+
  11. Danke für die Zusammenstellung.

    „In Ländern wie Kamerun, Nigeria und Senegal, die ein Importverbot ausgesprochen haben, ist die Produktion von einheimischen Geflügel zwar geringfügig gestiegen, es besteht seitdem aber eine Versorgungslücke, die zum einen zu Schmuggel aus den Nachbarländern, zum anderen zu hohen Preisen führen, so dass sich breite Bevölkerungsschichten kein Geflügelfleisch leisten können […].“

    Woher stammen denn diese Angaben? Das klingt etwas gegriffen, wie man auch sagen könnte: „Durch die Einfuhrmengenbeschränkungen, Agrarzölle und Interventionen der EU haben wir eine Versorgungslücke bei argentinischem Rindfleisch und Bioprodukten. Das führt zu Etikettenbetrug und zu hohen Preisen, so dass sich breite Bevölkerungsschichten kein argentinisches Rindfleisch und keine Bioprodukte leisten können. Jedenfalls das Iphone X noch einen Monat warten müsste.“

    Den Vergleich darf man natürlich nicht anstellen. Es geht um Afrika.

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    • „Durch die Einfuhrmengenbeschränkungen, Agrarzölle und Interventionen der EU haben wir eine Versorgungslücke bei argentinischem Rindfleisch und Bioprodukten. Das führt zu Etikettenbetrug und zu hohen Preisen, so dass sich breite Bevölkerungsschichten kein argentinisches Rindfleisch und keine Bioprodukte leisten können. Jedenfalls das Iphone X noch einen Monat warten müsste.“

      Das klingt ein bisschen wirr, da hat das Frühstücksei seine Wirkung wohl noch nicht entfaltet;-)

      1+
    • Jochen Böhrer sagt

      Der Vergleich hinkt gewaltig. Wir haben hierzulande eine ausreichende Rindfleischproduktion zu sehr günstigen und für den Verbraucher bezahlbaren Preisen. In Afrika hingegen kostet die Produktion von Geflügelfleisch mehr als in Europa und der dortigen Stadtbevölkerung steht nur ein Familieneinkommen von kaum mehr als 100 Dollar/Monat zur Verfügung. Für die gibt es nur zwei Alternativen. Günstiges Fleisch aus Importen oder GARKEINES. Solange die Entwicklungshilfe in den Händen von Ideologen ist, die den Afrikanern fortschrittliche Landwirtschaft verwehren wollen, wird sich daran auch nichts ändern.

      4+

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