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Experiment: Öffentliche Schlachtung

Wir essen Fleisch und Wurst, vergessen dabei aber, dass dafür Tiere getötet werden müssen. Der WDR hat ein sogenanntes Sozialexperiment gemacht und auf einem Wochenmarkt einen Landwirten 10 Gänse schlachten lassen. Unter den Augen der Öffentlichkeit. Keine Angst, die Schlachtung selbst wird im Video nicht gezeigt, wohl aber die doch recht unterschiedlichen Reaktionen der Passanten. Macht irgendwie nachdenklich…

https://www1.wdr.de/mediathek/av/video-experiment-oeffentliche-schlachtung-100.html

Bild: WDR

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94 Kommentare

  1. Aufklärer sagt

    Das heißt noch heute Schlachtfest und hat seine Gründe! Kinder stehen dabei, es ist völlig normal und akzeptiert.

    Vor allem in Mangelzeiten war es schön endlich was zu beißen zu haben. Schlachtfest!

    Das versteht z.B. der Veganer oft nicht, der dauersatt gemacht vom modernen konventionellen Landwirt aber moralisch ausgehungert auf Moralapostel macht und seine Scheinheiligkeit laut kreischend an jeder Ecke verkündet.

    Alte Rezepte in neuen Schläuchen. Kulte um Tiere sind so alt wie die Menschheit. Ein Glück ist das alles nicht so wichtig wie die Ernährung der Menschheit.

    Vielleicht wären Schulausflüge in Schlachtereien hilfreich? Hat der Bauer-Willi oder jemand mit damit Erfahrungen? Kontraproduktiv?

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    • Moinsen.
      Erfahrungen mit der Schlachtung direkt nicht. Aber während des Besuches der 3. Grundschulklasse meiner Lebensgefährtin auf unserem Betrieb, fragte ein Kind was mit den 3 Kühen in einer Mastbox (eine war nicht tragend geworden, die anderen hatten häufig Klauenprobleme) passieren wird. Ich war unsicher, ob die Kinder die Wahrheit akzeptieren könnten. Da kam mir meine Freundin zuvor und fragte:“Wer von euch mag Burger?“ Die ganze Truppe rief:“Oh, lecker…“ „Die Tiere werden geschlachtet und dann wird Hackfleisch für Burger daraus gemacht.“ Für die Kinder und, zu meinem Erstaunen auch für keine der begleitenden Mütter war das ein Problem.
      Der Tod, auch zur Versorgung mit Lebensmitteln, gehört zum Leben dazu.

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  2. Harmonie bedeutet in der Natur, dass der Tod dazu gehört, dass er dem Leben dient, dass das Sterbende aufgeht und aufgehoben ist im Werdenden. In der Natur bedeutet der Nahrungskreislauf Kommunion. Verbundensein mit allem, was lebt.

    In unserer menschlichen Sichtweise bedeutet Harmonie, dass der Tod radikal ausgeklammert wird. Töten auch zum Zwecke der Nahrungsaufnahme wird kritiklos mit kruder Gewalt gleichgesetzt. Gewaltlosigkeit zum absoluten Ideal erhoben. Nahrungsaufnahme bedeutet nicht länger Kommunion, sondern erhält den Ruch des Kriminellen, etwas, für das man sich schämen muss. Wer isst, macht sich in dieser Logik automatisch schuldig.

    Der verlogene Deal, sich von der angeblichen Schuld frei zu sprechen, besteht darin, dass einem Teil der Lebewesen, den Pflanzen, ihre Lebendigkeit abgesprochen wird. Sie werden zu Lebewesen zweiter Klasse degradiert, die, so wird behauptet, ja nicht fühlen können. Man weiß jedoch inzwischen, dass Pflanzen über ein chemisches Kommunikationssystem verfügen. Letztendlich hängen Gefühle sogar mehr von der chemischen als von der elektrischen Reizleitung ab. Jeder, dessen Hormone mal verrückt gespielt haben, weiß das. Mich erinnert dieser verlogene Deal an das Verhalten der Sklavenhalter, die Menschen mit schwarzer Hautfarbe das Menschsein abgesprochen haben.

    Was in Pflanzen vorgeht, wissen wir ebensowenig, wie was in Tieren vorgeht. Pflanzen sind uns fremder als Tiere, das heißt jedoch nur, dass sie sich weniger als Projektionsfläche für unsere menschlichen Bedürfnisse und Ansprüche eignen. Das heißt nicht, dass Pflanzen nichts fühlen. Tatsächlich fühlen Pflanzen, denn sie wenden sich ja dem Licht zu oder überwallen ihre Verletzungen. Und was die Ausstattung mit Erbinformation angeht, können Pflanzen mit Tieren locker mithalten. Das größte bislang bekannte Genom hat die japanische Einbeere, 50x größer als das menschliche Genom.

    Statt die Nahrungsaufnahme zu kriminalisieren und Essen, besonders Fleisch essen, zur Gewalttat zu erklären und jeden Metzger als Mörder abzustempeln, habe ich mich dafür entschieden, den menschlichen Harmonie-Begriff zu korrigieren. Nein, Essen ist keine Schuld. Essen ist nichts, wofür ich mich schämen muss. Essen ist Teilhabe. Es verbindet mich mit allem Leben, macht mich zu einem Teil des Ganzen.

    Grausam ist hingegen diese Abwertung, die die Nahrungsaufnahme in unserem Bewusstsein erfährt. Diese Reduktion auf Kohlehydrate, Eiweiße, Fette, Vitamine, die jede Teilhabe strikt ignoriert und Nahrung zum bloßen Brennstoff degradiert. Essen ist weitaus mehr als bloß der Erhalt des eigenen Körpers und Berechnungen in schnöden Kalorien.

    Ach ja, übrigens: Mit 20 Milliarden Basenpaaren hat die ordinäre Fichte immer noch 7x mehr Erbinformation vorzuweisen als der Mensch. Denkt dran, wenn ihr Pinienkerne auf euren Salat streut. Oder unterm Weihnachtsbaum eure Geschenke auspackt.

    In diesem Sinne allen frohe Weihnachten!

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  3. Hans-Günter Felser sagt

    Eine provokante Aktion des WDR, um die Diskussion anzuregen? Nun ja, wenn man eine Gans essen möchte, ist es schon besser, dass man sie vorher tötet. Wer Fleisch essen möchte, aber alles rund um die Erzeugung wegblendet, der verhält sich unreif und/oder unehrlich. Mich interessiert eher, wie es den Gänsen ergangen ist, die geschlachtet werden. Wie sie gehalten wurden, was sie gefressen haben. Das ist einmal eine Frage nach dem Tierwohl, aber auch die nicht uneigennützige Frage nach der Fleischqualität. Und natürlich sollte derjenige, der Fleisch essen möchte, ruhig mal bei der Tötung und Schlachtung zuschauen. Nicht in Ordnung finde ich es jedoch, es derart öffentlich zu machen, dass diejenigen, die aus verschiedenen Gründen kein Fleisch essen und keine Pelze tragen, unnötig in Nöte, Trauer und Seelenqual gebracht werden.

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  4. Sabine sagt

    Ich find es ja grundsätzlich gut, wenn man weiß wo sein Essen her ist, besonders bei tierischen Produkten. Schlachtenfahren ist jetzt nicht mein liebstes Hobby, aber ich mach’s, gerade der Tiere wegen. Auch wenn meine Tiere nicht auf der Liste der gefährdeten Rassen auftauchen, sind sie über die Jahre schon seltener geworden. In den letzten 2. Jahren hab ich das Gefühl, dass mehr Leute sich auf das Abenteuer Nutztierhaltung einlassen wollen. In entsprechenden Foren werden die Anfängerfragen werden jedenfalls mehr.
    Das vorne weg. Über die Aktion hab ich länger nachgedacht und wunder mich inzwischen auch immer mehr. Ist es wirklich ein Sozialexperiment/Schocker, was wir da sehen? Da laufen dann die Tränen, man ist entsetzt und man will das nicht sehen, wenn aber jemand sich auf der Autobahn zerlegt, kommen die Sanitäter vor lauter Gaffer mit laufender Handy-Cam nicht mehr durch und man muss scheinbar inzwischen Mittelstufen-Kindern erklären, warum es nicht Okay ist, dass man jemanden, der sich betrunken hat, einfach zu befummeln und das auf Handy aufzunehmen.
    Und muss man sich als WDR wirklich was trauen, wenn auf dem selben Programm in den Nachrichten Bilder von ertrunkenen Flüchtlingen, Hungernde und Verletzte aus aller Welt pünktlich zum Feierabend geliefert werden?

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  5. Astrid sagt

    Unvorstellbar grausam, aus Geldgier und (Ess-) Spaß töten wir beziehungsweise lassen wir töten.

    Karnismus bezeichnet das unsichtbare Glaubenssystem, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tierarten zu essen. Leugnung, Rechtfertigung und Wahrnehmungsverzerrung. Um uns dem Einfluss des Karnismus zu entziehen und unsere Konsumentscheidungen wirklich frei treffen zu können, sollten wir uns mit diesen auseinandersetzen.

    Die Prinzipien des Karnismus widersprechen den Grundwerten der meisten Menschen, die normalerweise die Ausbeutung Anderer nicht bereitwillig unterstützen und Gewalt gegenüber anderen fühlenden Wesen nicht billigen würden. Um diese Unterstützung dennoch zu erhalten, bedient sich Karnismus verschiedener Strategien.
    http://www.karnismus-erkennen.de/karnismus.php

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    • Paulus sagt

      @Astrid,
      wenn ich mir vorstelle, dass Sie aufgrund ihrer radikalen Einstellung weder Seife noch sonstige Körperpflegeprodukte anwenden dürfen, möchte ich ihnen eher nicht begegnen.
      Da bekommt der Spruch, von wegen eine Armlänge Abstand halten, doch eine gänzlich andere Bedeutung.

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  6. Paulus sagt

    Naja, ich habe mir das Audio im WDR 5 angehört, ein Video konnte ich leider nicht finden. Es wurde gerade mal eine einzige Gans geschlachtet nachdem sich ein Abnehmer gefunden hatte. Willis Angabe ist insofern nicht richtig. Ob der Akt der Schlachtung hinter einem blickdichten Schirm oder für jedermann ersichtlich ausgeführt wurde, ging daraus nicht hervor. Der Käufer hat auf jeden Fall einen gewissen Mut bewiesen, nicht wegen der frisch geschlachteten Gans, sondern wegen der Umstehenden, denen er sich ja nicht entziehen konnte. Eine Veganerin durfte natürlich auch nicht fehlen. Immerhin hat sie trotz Hand vor dem Mund nicht in den Brunnen gekotzt.
    Der WDR hat jedenfalls mal wieder seinen selbst aufgetragenen Erziehungsauftrag erfüllt. Ganz schwach, lieber WDR, ganz schwach!

    Als sogen. soziales Experiment empfehle ich dieser Sendeanstalt, die gleichen Menschen, die im vorweihnachtlichen Einkaufswahn durch Kölns Fußgängerzonen irren, mal mit Alten- und Pflegeheimen, Obdachlosen und sonstigem alltäglichen Elend zu konfrontieren. Da dürfte so manche*r dann wirklich kotzen.
    Nein, ich bin kein Linker.

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  7. Friedrich sagt

    Ich finde es gut , daß unsere Mitmenschen mal sehen woher das Essen kommt und wie es für den Verbraucher vorbereitet wird. Vielleicht trägt es dazu bei , daß weniger entsorgt wird.
    Inzwischen leben ja sehr viele Verbraucher und vor allen Dingen unsere Politiker in einem
    Wolkenkuckkucksheim. Nichts sehen , nichts hören , aber immer kluge Sprüche machen. Die Erstellung unserer Nahrungsmittel ist oft mit Schweiß , Dreck und viel Arbeit behaftet. Da ist es mal gut , daß den Leuten mal der Spiegel vorgehalten wird. — Auch bei der Inklusion in der Schule hören wir auch flotte Sprüche unserer Politiker ,die aber ihre eigenen Kinder in die Privatschule schicken. Soviel mal zur Doppelmoral dieser Leute.

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    • Astrid sagt

      Lebewesen sind keine Lebensmittel – und Scheiß auch nicht !
      Menschen die Tiere töten ohne zwingenden Grund sind abgestumpft.

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      • Keine Beziehung dazu haben ist doch abgestumpft, oder?

        Und das sind die meisten, denke ich, deswegen hat der WDR das auch gemacht, oder?

        Diese Konfrontation ist mal nötig.

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  8. Auf Märkten in vietnamesischen Bergdörfern wird vor den Augen des Käufers geschlachtet, um sicherzustellen, dass das Fleisch frisch ist. Da haben nämlich längst nicht alle einen Kühlschrank. Das Schlachten auf dem Markt ist da normal, eingebettet in das tägliche Leben der Leute. Ähnlich kann man sich hier den Fisch direkt am Hafen oder im Fischgeschäft vom Fachmann abschuppen und filetieren lassen. Sowohl auf dem Markt in Vietnam wie hier im Hafen habe ich dabei ein gutes Gefühl.

    Bei diesem sogenannten „Sozialexperiment“ habe ich hingegen kein gutes Gefühl. Denn hier wurde nicht geschlachtet aus der Notwendigkeit des Schlachtens heraus, offenbar noch nicht mal, um Fleischesser zu erziehen, sondern in erster Linie, um Leute vorzuführen. Hier wurden die Gänse doch nur geschlachtet, um bewusst Leute zu schocken, sie auf ihre doppelte Moral hinzuweisen, den der Natur entfremdeten Menschen vorzuführen, um einen Film über die Reaktionen von Leuten zu drehen oder dgl. Motive.

    Für mich macht es einen großen Unterschied, ob ich ein Tier töte, um dessen Fleisch zu essen, oder ob ich ein Tier aus Effekthascherei, pseudomoralischen Ansprüchen bzw. wegen Einschaltquoten oder dgl. töte.

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      • Wenn schon Ehrfurcht vor dem Leben, dann Ehrfurcht vor allen Lebensformen, insbesondere vor denen, ohne die Leben auf diesem Planeten nicht möglich wäre: Pflanzen. Wenn man Pflanzen isst, kann man auch Tiere essen. Ich sehe keinen prinzipiellen Unterschied, der den Verzehr von Pflanzen weniger grausam macht als den von Tieren.

        Wenn Lebewesen keine Lebensmittel sind, dürfen Sie auch keine Pflanzen essen.

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  9. bauerhans sagt

    wenn ich schweine zum schlachthof bringe,fahre ich langsam durchs naturschutzgebiet am stadtrand,weil viele hundehalter unterwegs sind.
    da hatten mir im winter leute hinterher gerufen:
    die tiere frieren ja!!
    (weil aus dem viehanhänger gut sichtbare dunstschwaden aufstiegen-warme tiere,kalte umgebung)
    ich hab dann zurück gerufen:
    die kommen gleich ins heisse bad!

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    • Astrid sagt

      Ihre Mitgefühllosigkeit ist unübersehbar ! – sonst könnten Sie so einen grausamen Job auch gar nicht machen.

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  10. Lieschen Müller sagt

    Ich finde es auch richtig, mir tut es auch leid um jedes Stück von so einem Tierchen, was nicht gegessen wird. Ein paar Anmerkungen zur Wiedersprüchlichkeit habe ich doch:
    Lange war es z.B. üblich, Karpfen zu Hause in der Badewanne aufzubewahren und ihn Silvester zu schlachten. Haben eigentlich fast alle gemacht.
    Kennt ihr die Geschichte von der Weihnachtsgans Auguste? Die Geschichte ist sicher 100 Jahre alt und am Ende wird die Gans nicht geschlachtet.
    Ich denke, beides hat seine Berechtigung. Und außerdem gilt: je hungriger man ist, desto eher ist man bereit sein Essen zu töten. Ist man reich und satt, kann man jemanden für diese doch unangenehme Arbeit bezahlen und muss es nicht sehen.
    Und ganz anderseits gibt es noch Länder mit öffentlichen Hinrichtungen. Das ist gruselig!

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