Bauer Willi
Kommentare 58

Deutschland, wie es isst

Der aktuelle Ernährungsreport 2018 des BMEL ist soeben erschienen.

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Ernaehrungsreport2018.pdf?__blob=publicationFile

Wie immer, beruht er auf einer Umfrage. Es wurden 1.017 Personen über 14 Jahre befragt. Ich habe mir mal ein paar Antworten herausgesucht, die ich für interessant halte:

  • 92% ist es wichtig, dass ihr Essen gesund ist, 49% wollen eine schnelle und einfache Zubereitung
  • 72% essen täglich Obst und Gemüse, 30% essen täglich Fleisch oder Wurst, 40% trinken täglich Milch oder Milchmixgetränke, 14% nehmen täglich Nahrungsergänzungsmittel zu sich
  • 57% achten auf preiswerte Nahrungsmittel, 41% auf Siegel, 78% auf Regionalität
  • 91% wünschen sich Ernährungsbildung in Schulen, 42% informieren sich über Lebensmittel im Internet
  • 9% kochen nie, 43% täglich
  • 43% essen mindestens einmal in der Woche außer Haus (Kantine, Imbiss)  74% gehen mindestens einmal im Monat in ein Restaurant
  • Wo wird hauptsächlich eingekauft? 64% Supermarkt, 35% Discounter, 11% Bioladen/Supermarkt, 7% beim Bauern/Hofladen. (Mehrfachnennung möglich)
  • bei einem Basispreis von 10 € pro Kilo, wie viel würde der Bürger für mehr Tierwohl bezahlen?  16% bis zu 12€, 52% bis zu 15€, 23% bis zu 20€, 6% mehr als 20€.
  • Was ist den Menschen an der Landwirtschaft wichtig? 69% artgerechte Tierhaltung, 59% faire Bezahlung der Mitarbeiter, 48% umweltschonende Produktionsmethoden
  • 86% sehen sich als Verbraucher in der Verantwortung, Lebensmittelabfälle zu reduzieren, 52% nutzen Lebensmittelreste besser.

Soweit einige Ergebnisse der Umfrage. Und mehr sage ich dazu nicht. Außer, dass ich die Überschrift eines Spiegel-Artikels vom 3.1.2018 bemerkenswert finde: Deutschland – Volk der Maulhelden.

Hier der Link: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrungsreport-2018-deutschland-volk-der-maulhelden-a-1186067.html

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 859 gesamt, 1 heute)

58 Kommentare

  1. Nölle sagt

    „91% wünschen sich Ernährungsbildung in Schulen“

    91% hassen ihre Kinder.

    Wie kann man das Kindern antun wollen? Sie von irgendwelchen strunzdummen Tussies mit DGE-Bescheinigung indoktrinieren lassen?

    Unterricht an staatlichen Schulen hat Ideologiefrei zu sein!

    1+
    • Inga sagt

      Ernährungskunde ist eine wissenschaftliche Disziplin,
      Die Ernährungswissenschaft oder Trophologie ist eine Naturwissenschaft, die sich mit den Grundlagen, der Zusammensetzung und der Wirkung der Ernährung befasst. Sie ist zwischen den Fächern Medizin und Biochemie angesiedelt.

      So, und warum soll es in den Schulen nicht unterrichtet werden?

      Und die Ökotrophologie untersucht die Ernährungswissenschaft mit rein naturwissenschaftlichen Methoden die Vorgänge bei der Ernährung, der Verdauung und beim Stoffwechsel insbesondere des Menschen, aber auch der Pflanzen und Tiere.
      Sogar ein Bauer muß das wissen!

      1+
  2. Gephard sagt

    Die Schlüsse, die der Spiegel zieht, sind seltsam. Er beklagt, dass die Umfrageergebnisse nicht zu den Verkaufszahlen passen. Solange aber die Verteilung der Altersklassen der Umfrage nicht bekannt ist, kann man solche Schlüsse schlicht nicht ziehen. Wenn überwiegend Jugendliche befragt wurden, sieht das Ergebnis sicher anders aus, als wenn die Mehrheit Ü60 ist.

    Der Spiegel kritisiert zurecht die Fragestellungen, vergisst bei der Beurteilung aber, dass selbst bei besseren Fragen die Befragten stets aus der Perspektive eines Idealbilds antworten werden. Dass niemand sein Idealbild voll erfüllt – wie hier einige auch abfällig lästern – sollte spätestens seit Jesus bekannt sein. Nicht jeder hat die Energie und Zeit, seine Ideale in voller Konsequenz zu leben. Das Leben ist immer von Kompromissen gekennzeichnet. Luft nach oben gibt es immer. Deshalb muss der eingeschlagene Weg aber nicht schlecht sein.

    Mag sein, dass die Umfrage ein falsches Bild zeichnet, aber sie zeigt als Tendenz, was dem „Verbraucher“ wichtig ist. Wenn es an der Umsetzung hapert, liegt das auch an den gebotenen Möglichkeiten. Es gibt zum Beispiel nicht wenige Kleinstädte, wo die einzige Einkaufsmöglichkeit der Supermarkt und vielleicht eine Tanke sind. Besonders im Norden fehlt es an Alternativen wie zum Beispiel Bioläden, die man im Süden selbst in kleinen Dörfern findet.

    Natürlich sind die Verbraucher für diese Entwicklung mitverantwortlich. Nun scheint eine gewisse Einsicht zurückgekehrt zu sein, aber die Umsetzung erweist sich als schwer. Die Alternativen sind oft nicht mehr vorhanden. Es gibt keine Wochenmärkte mehr, die Bauern im Umland beliefern nur noch Großkonzerne und dann sind da die Supermärkte, die längst den Zahn der Zeit erkannt haben und den sensibilisierten Verbraucher überall mit Regional, Bio, Tierwohl, Superfood, Marktfrische und krummen Gemüse einlullen. Da fühlen sich einige sicher bereits bestätigt und denken, ihre Einstellung hat bereits was bewirkt.

    Da ist auch viel Vertrauen im Raum. Das ist auch nötig, denn man kann sich nicht um jeden Aspekt des Lebens selbst kümmern. Das kostet viel Energie, kann enorm frustrieren oder schlicht überfordern. Wer zum Beispiel denkt, durch einer veganen Lebensweise den Tieren etwas Gutes zu tun und sich deswegen über jedes neue vegane Produkt freut, vertraut zunächst genau diesem Begriff. Erst wenn man genauer hinschaut, bemerkt man vielleicht, dass die vegane Wiesenhof-Wurst eben nicht diesem Anspruch entwachsen ist, sondern einfach nur einem Trend folgt. Wiesenhof freut sich tierisch(!) über die zusätzliche Kohle und verarbeitet natürlich weiterhin massenhaft Fleischkörper. Die weniger dogmatischen Veganer rechtfertigen die Wiesenhof-Vurst auf dem Brot mit einer Art politischen Geste: Langfristig bedeutet ihr Kaufverhalten vielleicht, dass Wiesenhof komplett auf Fleisch verzichtet. Mit so einer Argumentation verbünden sich NGOs auch mit großen Konzernen.

    Ich fasse zusammen: Das Volk hat bestellt, nun bitte liefern. 😉

    0
  3. Altbauer Jochen sagt

    Es ist doch ein Dilemma, einerseits brauchen wir Bauern
    auskömmliche Preise um zu (über)-leben, andererseits gibt es auch bei uns !
    genügend Geringverdiener die sich auch gern mal etwas mehr
    leisten möchten als „nur satt“ zu werden.
    Jeder weiß das in Deutschland die Lebensmittel relativ günstig sind.
    Das alles nur auf „Massentierhaltung“ und schlechte
    Produktionsverfahren zurückzuführen halte ich für Quatsch !
    In allen Bauernfamilien wird zäh gearbeitet ,vom Opa (bin ich)
    bis zum Enkel. Auch wir müssen alle von unserer Arbeit leben,
    uns ernähren, und ja, auch mal etwas „mehr “ gönnen dürfen.
    Dafür bringen wir uns auch mit 3 Generationen mit ehrenamtlichem Engagement für unser Heimatdorf und unsere Mitbürger/innen ein.

    3+
    • Gephard sagt

      Der günstige Preis liegt doch vor allem an der Effizienz und der (in meinen Augen) falschen Förderung. Würde man im Sinne der Gemeinwohlökonomie die Förderung an der Qualität im Umgang mit Umwelt, Tier und Menschen bemessen, würde sich der Spieß umdrehen. Dann würde die umweltfreundlichere und tiergerechtere Landwirtschaft günstiger sein als die Produkte aus ausländischen Monokuluren.

      1+
      • Inga sagt

        Warum an der falschen Förderung?

        Auch an der Entlohnung von Personal in der ernährungsverarbeiteten Handwerk oder -industrie.

        Die Bauern liefern doch nur die Rohstoffe,
        Das Getreide für Mehl
        die Zuckerrübe für Zucker
        Die Milch für Sahne, Käse und Butter usw.

        0
    • Inga sagt

      Ja und die Bauernkinder in der Schule wollen auch Nike-Schuhe und andere Markenklamotten tragen.

      Gerade wenn sie in ihrer Freizeit mehr arbeiten müssen als andere Kinder!

      0
  4. Friedrich sagt

    Hier kann man mal sehen wie das ist zwischen Reden und Tun. Die Leute haben den Mainstream dermaßen verinnerlicht , aber an der Ladenkasse wird völlig anders gehandelt. Da ist dann eben der Urlaub oder das Auto usw. eben wichtiger. Umfragen taugen heute nichts mehr . Jeder weis was er antworten muß , um sich nicht rechtfertigen zu müßen. Der Mainstreamdruck ist zu groß. Jeder redet Grünen Strom , aber kauft normalen Strommix. Alle reden gegen Glyphosat, setzen es aber im Garten ein . Alle Dorfbewohner sprechen mich an , ob man was haben könnte . Muß regelrechte Abwehrworte führen . Auch der NABU-Vorsitzende im Nachbarort redet dagegen , habe ihn aber schon öfter mit der Glyphosatspritze in der Hand gesehen. Beim Näherkommen war aber immer alles verschwunden. In seinem Garten ist kein Unkräutchen zu sehen , warum wohl ? Es gab schon mal eine Zeit wo alles gleichgeschaltet war und was kam dabei heraus ? Jedenfalls nichts Gutes. Wir sollten alle aufrichtiger sein.

    5+
    • Gephard sagt

      > Hier kann man mal sehen wie das ist zwischen Reden und Tun. Die Leute haben den Mainstream dermaßen verinnerlicht , aber an der Ladenkasse wird völlig anders gehandelt.

      Du schreibst so, als würdest du nicht dazugehören. Stimmt das so?

      > Da ist dann eben der Urlaub oder das Auto usw. eben wichtiger.

      Wen genau meinst du hier? Ich kenne genug Leute ohne Auto und auch Leute, die noch keine Weltreise hinter sich haben oder jedes Jahr fliegen.

      > Umfragen taugen heute nichts mehr.

      Habe sie das je?

      > Jeder weis was er antworten muß , um sich nicht rechtfertigen zu müßen. Der Mainstreamdruck ist zu groß. Jeder redet Grünen Strom , aber kauft normalen Strommix.

      Äh? Wir ist „Jeder“? Gibt es wirklich eine so homogene Masse?

      > Alle reden gegen Glyphosat, setzen es aber im Garten ein.

      Ehrlich? Ich kenne keinen, der es im Garten einsetzt. Nur einer macht seine Einfahrt damit schön grau.

      > Alle Dorfbewohner sprechen mich an , ob man was haben könnte . Muß regelrechte Abwehrworte führen .

      Alle? Oder gefühlt alle? Wie viele genau von wie vielen insgesamt?

      > Auch der NABU-Vorsitzende im Nachbarort redet dagegen , habe ihn aber schon öfter mit der Glyphosatspritze in der Hand gesehen.

      Aha, deswegen ist vermutlich der ganze NABU schlecht und verlogen.

      > Beim Näherkommen war aber immer alles verschwunden. In seinem Garten ist kein Unkräutchen zu sehen , warum wohl ? Es gab schon mal eine Zeit wo alles gleichgeschaltet war und was kam dabei heraus ? Jedenfalls nichts Gutes. Wir sollten alle aufrichtiger sein.

      Starkes Wort für deine Beobachtungen. Mir ist es zu stark.

      0
  5. Paulus sagt

    Was soll dieser Stuss? Ich selbst wurde schon mal am Telefon interviewt und als Anzugträger auch schon mal in D‘-dorf in einer ganz bestimmten Umgebung befragt.
    Wäre ich dort mit meiner sehr legeren oder eher abgerissenen Wochenendbekleidung
    erschienen, hätte man mich geflissentlich ignoriert. Meine Gattin hat sich auch schon mal bereit schlagen lassen und bereitwillig Auskunft gegeben.
    Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht …

    83% der 14- bis 18-Jährigen kochen gerne – ja nee ist schon klar, Fertigfraß in der Mikrowelle zu erhitzen, weil die Mama nicht zu Hause ist, hat ja auch entfernt was mit kochen tun.
    Derartige Umfragen sind wertlos. Die GfK bzw. der Artikel im Spiegel bringen es wahrscheinlich eher auf den Punkt.
    Mein Gott, in Berlin und nicht nur im BMEL scheint das Koordinatensystem wirklich aus den Fugen zu geraten.

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Wenn ich Christian Schmidt mal wieder treffe, werde ich dem sagen, dass das BMEL viel Stuss macht. Und der Paulus hätte das gesagt…
      Ich stimme Dir aber zu: so eine Umfrage hätte das BMEL nie machen dürfen. Was soll denn ein Mensch antworten, wenn er gefragt wird „wollen Sie gesunde Lebensmittel“. Mich wundert, dass da keine 100% rausgekommen sind. 8% ist es egal, ob die Lebensmittel gesund sind?? Kartoffelchips ungarisch sind übrigens gesund und Weizenbier auch. Aber nicht wenn ich mich ausschließlich davon ernähre. Was ich immer wieder versuche zu vermeiden…Die sind aber auch lecker!!
      Bauer Willi

      1+
  6. Thea S sagt

    „Was ist den Menschen an der Landwirtschaft wichtig? 69% artgerechte Tierhaltung, 59% faire Bezahlung der Mitarbeiter …“ MERKE: Das Wohl der Tiere ist wichtiger als das Wohl des Menschen in der Landwirtschaft!!

    3+
    • Gephard sagt

      Bei deiner Schlussfolgerung musst du aber auch berücksichtigen, dass die meisten mehr über die Missstände bzgl. des Tierwohls informiert sind als über die Zustände beim Umgang mit dem Personal. Zudem ist das Tier die wehrlose „Ware“, die sich selbst nicht äußern kann. Lässt sich also nicht so plump vergleichen. Ein schlecht behandelter Mitarbeiter kann vor Gericht ziehen. Die Schweine im engen Tiertransporter können nur ungehört quieken, wenn sie denn nicht stark auf Drogen* sind.

      * Dieser Beitrag kann Spuren von Überspitzung enthalten

      0
  7. HGM sagt

    Wenn es mit den Umfragen so einfach wäre, dann bräuchten wir keine Wahlen mehr und könnten uns mit Meinungsumfagen bei ca. 2000 Probanten begnügen. Wäre wesentlich billiger. Die Wahrheit erschließt sich wesentlich einfacher aus den Statistiken der Verbraucherströme. Interessant dazu das Heft der DLG-Mitteilungen 05/2017

    0
  8. bauerhans sagt

    in umfragen wird das erzählt,was man für angemessen hält.
    die grosse mehrheit kauft „gut und günstig“.

    2+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.