Bauer Willi
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Der Umbau

Wir haben in den letzten Tagen viel darüber diskutiert, wie und wohin sich die Landwirtschaft entwickeln soll. Jetzt habe ich mir mal meine eigenen Gedanken gemacht. Der Ansatz für einen Umbau ist ein völlig anderer als die bisherigen Vorschläge für eine Reform.

Da viele Mitbürger der Ansicht sind, dass die derzeitige Form von Ackerbau und Viehzucht nicht umweltgerecht und „enkelfähig“ ist, sollte der in vielen Vorschlägen zu findende Kernsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ konsequent umgesetzt werden. Alle Vorschläge gelten EU-weit.

Folgende Zielsetzungen sollen erreicht werden:

  • Erfüllung der gesellschaftlichen Forderungen zu Natur- und Tierschutz
  • Förderung der aktiven Landwirte, die die gesellschaftlichen Leistungen erbringen
  • Schutz der hohen europäischen Standards vor wettbewerbsverzerrenden Einflüssen des Weltmarktes
  • Steuerentlastung der Bürger

Flächen- oder produktionsbezogene Zahlungen (Subventionen) werden EU-weit komplett gestrichen, die dafür erhobenen Steuerzahlungen des Bürgers entfallen. Gelder bekommt nur noch der Landwirt, der Umwelt- oder Tierwohl-Maßnahmen umsetzt.

Im Ackerbau sind dies zum Beispiel Aufforstungen, Dauer-Blühweiden ohne Nutzung, Dauer-Gewässerrandstreifen, Anlage von Hecken und ähnliches. Hierdurch soll die Artenvielfalt gefördert werden. Die neu geschaffenen Umweltflächen werden einmalig vermessen, pro Hektar wird ein Betrag von 1.500 € für die Pflege (einmaliges Mulchen/Jahr) gezahlt. Bisherige Maßnahmen wie Greening, vielfältige Fruchtfolgen oder andere, überaus detaillierte Aufzeichnungen und Angaben können somit entfallen. Per Satellit wird überwacht, ob eine Maßnahme aufgegeben wurde. Die übrige Bewirtschaftung wird nicht reglementiert. Der jährlich zu erstellende EU-Antrag kann somit entfallen.

Im Bereich der Tierhaltung werden alle Maßnahmen gefördert, die den Tieren einen definierten Platzbedarf anbieten (Ausführungen je nach Tierart unterschiedlich) und ihnen Zugang zum Aussenklima verschaffen. (Beispiele: Kühe: Offenlaufstall, Schweine: Offenstall)  Für Zugang ins Freie und für Verzicht auf Spaltenboden (z.B. Stroheinstreu) wird ebenfalls ein Betrag gezahlt. So werden die notwendigen Mehr-Investitionen (über Vorab-Kalkulationen nachzuweisen) und der Arbeits-Mehraufwand abgedeckt. Betriebe, die obige Bedingungen bereits realisiert haben (z.B.  Bio-Betriebe), erhalten ebenfalls eine Zahlung, allerdings in reduzierter Höhe. Der Tierhalter hat einen Nachweis über den Verbleib der anfallenden organischen Masse (Gülle, Mist) zu führen. (eigene Flächen, Gülle- oder Mistbörse etc.)  Es gelten Höchstmengen. Betriebe, die die Tierhaltung aufgeben, erhalten eine einmalige Ausstiegszahlung. (Betrag pro Tier)

Die Finanzierung all dieser Maßnahmen geschieht nicht mehr über Steuergelder (bisherige Subventionen) sondern über ein Umlageverfahren. Da der Bürger Veränderungen im Umweltschutz und beim Tierwohl wünscht und als Konsument bereit ist, dafür an der Ladenkasse mehr zu bezahlen, werden Aufschläge auf die Produktpreise gemacht, die vom Erfasser in einen zentralen Fonds eingezahlt werden. Als Beispiel für das grundsätzliche Verfahren dient die Initiative Tierwohl. Sollten die oben genannten Maßnahmen dem Bürger nicht genügen, sind weitergehende Maßnahmen durch eine Erhöhung des Aufschlages realisierbar. Damit der Lebensmitteleinzelhandel keinen Druck auf die Erzeuger ausüben kann und die Zahlungen abschöpft,  werden gesetzliche Mindestpreise festgelegt, unter den der Basis-Erzeugerpreis nicht fallen darf  (siehe gesetzlicher Mindestlohn). Als Basis-Erzeugerpreise werden die Gestehungskosten beim Landwirt herangezogen, die auf wissenschaftlicher Basis EU-weit jährlich rückwirkend ermittelt werden und für das kommende Jahr gelten. Somit werden auch steigende Preise der Vorlieferanten zeitnah erfasst.  Auf diese Mindestpreise erfolgt der Aufschlag.Die Höhe des Aufschlages errechnet sich aus der Summe der individuellen Maßnahmen. Landwirte, die an diesen Maßnahmen nicht teilnehmen, erhalten keine Zahlungen.

Für den Bio-Bereich gelten höhere Mindestpreise. So sollen die Mehrkosten abgegolten werden. Für die Umstellung auf Bio wird eine auf drei Jahre befristete Umstellungsbeihilfe von 1.000 €/ha gezahlt. Wird der Bio-Betrieb wieder aufgegeben, ist dieser Betrag zurückzuzahlen.

Die Dieselbeihilfe wird EU-weit gestrichen. Somit werden Wettbewerbsverzerrungen vermieden und Bürokratie wird abgebaut. Kulturspezifische Sonderzahlungen seitens einzelner Länder entfallen ebenfalls EU-weit.

Zulassungen und Zulassungsverbote von Pflanzenschutz- und Tierarzneimittel gelten EU-weit einheitlich. Länderspezifische Ausnahmeregelungen sind nicht erlaubt.

Bezüglich der Nährstoffe gilt EU-weit eine einheitliche Bilanzierung. Alle in den Betrieb importierten Nährstoffe (Mineraldünger, organische Dünger, Futtermittel) sowie alle exportierten Nährstoffe (Ackerfrüchte, Tiere, tierische Produkte) sind nach einem einheitlichen Schlüssel gesamtbetrieblich  jährlich zu erfassen und zu belegen (Rechnungen, Lieferscheine etc.). Dies gilt für alle Betriebsarten (incl. Bio). Die Erfassungsmaske gilt ebenfalls EU-weit. Gegebenenfalls kann diese Hoftor-Bilanz auch in ein zentrales Register eingegeben werden. Bilanzüberhänge und –unterdeckungen werden in einem Vier-Jahres-Zeitraum gegeneinander verrechnet, um die jährlich wechselnden Erträge und Entzüge auszugleichen.

Sollte es in Folge der oben genannten Maßnahmen zur Verknappung von Lebensmitteln auf dem europäischen Markt kommen, so ist der Import vom Weltmarkt nur dann erlaubt, wenn die Produkte europäischen Standards (Umwelt, Tierwohl, Löhne, Soziales) entsprechen. Produkte, die mittels Gentechnik hergestellt wurden, in der EU nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel, verbotene Tierhaltungsformen etc. erhalten so lange ein Importverbot, bis sie den europäischen Normen entsprechen.

So, ihr wolltet ja Vorschläge von mir. Hier sind sie. Und nun könnt ihr mir sagen, was ihr davon haltet. Feuer frei! Ich bin gespannt! Und falls die neue Landwirtschaftsministerin weitere Erläuterungen wünscht: immer gerne!

Euer Bauer Willi

 

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102 Kommentare

  1. Eckehard Niemann sagt

    Lieber „Bauer Willi“,
    erst einmal finde ich gut, dass Du Dich nun auch daran beteiligst, die zukünftig notwendigen agrarpolitischen Strategien und Maßnahmen zu diskutieren und dabei selbst Position zu beziehen.

    Richtig finde ich an Deinem aktuellen Entwurf, dass man an sich den gesellschaftlichen Erwartungen zu Natur-, Umwelt- und Naturschutz (und auch zu lebendigen ländlichen Regionen mit „Bauernhöfen statt Agrarfabriken“!) nicht weiter vorbeimogeln kann (wie es die Bauernverbandsspitze mit dem Gerede vom „Mitnehmen der Verbraucher“ zur sogenannt-„modernen Landwirtschaft“ immer noch versucht.

    Richtig finde ich auch, dass die anstehenden hiesigen Veränderungen und damit das Einkommen unserer EU-Landwirte geschützt werden müssen durch eine Beibehaltung und Weiterentwicklung des EU-Außenschutzes gegen das Dumping von Drittlands-Konkurrenten mit anderen klimatischen, rechtlichen oder sozialen Rahmenbedingungen.
    Deine Forderung nach Förderung der „aktiven Landwirte“ ist zu vage, weil – nicht nur aus Sicht der allermeisten dieser Landwirte – ein aktives Vorgehen angesagt ist gegen agrarstrukturelle Verdrängung von mittelständisch-bäuerlichen Strukturen durch agrarindustrielle Strukturen und Agrarkonzerne: z.B.
    – bei der Förderung durch Kappungsgrenzen und Staffelung zugunsten kleinerer-mittlerer Strukturen,
    – durch Obergrenzen (gemäß Baugesetzbuch und Bundesimmissionsschutzgesetz),
    – durch Schließung der Lücken und Vollzugsdefizite im Grundstücksverkehrsgesetz und durch
    – gesetzliche und flächendeckende, EU-weite Verbote von Nutztierhaltungspraktiken, die durch EU-Vorgaben längst obsolet sind, die durch andere EU-Länder längst praktikabel in nationales Recht umgesetzt sind und die durch flächenverbundene mittelständische Betriebe viel besser umsetzbar sind als durch Groß-Tierhaltungsanlagen,
    – durch die Cross-Compliance-Bindung der EU-weiten Direktzahlungen an wirklich konsequente Vorgaben zu wirklichen Fruchtfolgen, Flächenobergrenzen und „gute fachliche Praxis“ (wirklich echter integrierter Acker- und Pflanzenbau).

    Diese Maßnahmen sind – bei ordnungsrechtlich-flächendeckender Umsetzung statt nur partieller Label-Ansätze – automatisch verbunden nicht nur mit gesellschaftlicher Akzeptanz, sondern mit einem Abbau der ruinösen Überschussproduktion und – wegen der Verknappung des Angebots auf den Märkten – sogar mit überproportional steigenden und damit endlich dauerhaft gewinnbringenden Erzeugerpreisen. Eine andere Strategie hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter gemeinsam mit dem europaweiten EMB-Milchbauern-Zusammenschluss erarbeitet und in der letzten Milchkrise zur teilweisen EU-Umsetzung gebracht: eine Marktbeobachtung, die bei sich anbahnenden Überschuss-Situationen durch Anreize/Prämien eine Verringerung der Erzeugung bewirkt. Mir scheinen diese sozial-marktwirtschaftlichen Instrumente sinnvoller und besser durchsetzbar als die von Dir vorgeschlagenen Mindestpreise (die übrigens nicht hauptsächlich gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel durchzusetzen sind, sondern gegenüber den viel übermächtigeren Direkt-Abnehmern der Landwirts-Produkte (Raiffeisen-, Molkerei- oder Schlachtkonzernen, die Du wieder mal nicht erwähnt hast).
    Ein solcher Umbau der Landwirtschaft bzw. eine solche Agrarwende braucht gesellschaftliche Unterstützung, insbesondere auch finanziell. Was der individuelle Verbraucher im Supermarkt zumeist beim Einkauf nicht schafft, das unterstützt er als Bürger, Wähler und Steuerzahler: staatliche Zahlungen für den Umbau und Subventionen zur Korrektur marktwirtschaftlicher Verzerrungen zugunsten von Großstrukturen. Das kann durch staatliche Zahlungen erfolgen und/oder durch Zusatz-Umlagen auf Lebensmittel. Ich bin aber gegen eine generelle Streichung der Subventionen und deren Einkommenseffekte – insbesondere der Direktzahlungen für bäuerliche Strukturen – ganz im Sinne einer vergleichbaren Strategie von Gewerkschaften für ihre Mitglieder. Das Prinzip „EU-Geld nur gegen direkte Gegenleistungen durch Naturschutzmaßnahmen“ darf die Direktzahlungen nicht ersetzen, weil sonst ja nur die Zusatzkosten erstattet werden ohne Einkommenseffekt.

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Eckehard
      es ist doch schon mal schön, dass wir uns in einigen Punkten einig sind. Was die aufnehmende Hand angeht, so dürfte klar sein, dass die die Mindestpreise auszahlen müssen. Ich habe mich also nicht „herumgedrückt“, sondern die gehören mit in die Reihe. Dass Du Dein Lieblingsthema „Zerschlagung der agrarindustriellen Strukturen“ hier anbringst, war zu erwarten. Die Größenstrukturen sehe ich allerdings als das kleinere Problem an. Was wohl alle Landwirte eint, sind die nicht auskömmlichen Preise bei gleichzeitig immer höheren Anforderungen (die Du nicht erwähnst). Das Kartell des LEH hat da doch ein leichtes Spiel und den Verbraucher freut es. So sieht er doch, dass er mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl quasi zum Nulltarif erhalten kann. Da mache ich ihm auch nicht einmal einen Vorwurf, so lässt es das derzeitige System ja auch zu. Mit einer Bindung der gesellschaftlichen Wünsche und direkter Kopplung an den Preis wie in meinem Modell würde das vom Kopf auf die Füße gestellt.

      Was die Überproduktion angeht, so wird die mit dem letzten Kapitel ebenfalls der Vergangenheit angehören. Wenn pflanzliches Eiweiß nicht mehr durch Importe abgedeckt werden kann, wird sich der gesamte Markt für pflanzliche und tierische Produkte gewaltig verschieben. Wenn zudem noch für Umweltflächen ein attraktiver Preis gezahlt wird, wird dies zusätzlich Flächen binden, die nicht für Marktfrüchte zur Verfügung stehen. Auch das gibt eine Entspannung des Marktes, vor allem wenn Flächen in den Gunstregionen aus der Produktion genommen werden.

      Wie Du vielleicht erkennen kannst, habe ich mir die Mühe gemacht, das Modell bis zum Ende zu denken. Und jetzt freue ich mich auf Deine Entgegnung. 🙂
      Bauer Willi

      1+
      • Eckehard Niemann sagt

        Lieber Bauer Willi,

        soweit sogut, trotzdem nochmals folgender wichtiger Hinweis:

        Es gibt (zumindest derzeit) KEIN Kartell des LEH, sondern vielmehr einen preis- und sogar labelmäßig scharfen Wettbewerb zwischen den Handelskonzernen.

        Deren tatsächliche Marktmacht beruht darauf, dass sie marktmäßig eine Überproduktion ihrer Zulieferer (Molkerei-, Fleisch- und andere Konzerne) nutzen können und natürlich auch nutzen.

        Wirklichen (regionalen) Monopolen oder Oligopolen sehen sich die Landwirte nicht seitens des Handels ausgesetzt, sondern zunehmend durch die Marktstellung der Molkereien und Schlachtunternehmen.

        Dagegen helfen nur: wirksame Erzeugerzusammenschlüsse, Klarheit über die eigenen Interessen statt „Wertschöpfungsketten-Partnerschaft“-Ideologien der Bauernverbandsspitze mit Raiffeisen & Co., Durchsetzung von erzeugerpreis-nützenden Strategien zur Verringerung der ruinösen Überschuss-Produktion und Weltmarkt-Orientierung.

        1+
        • bauerhans sagt

          „wirksame Erzeugerzusammenschlüsse“

          die funktionieren nur mit disziplin und wenn dadurch auf dauer kosten gesenkt oder preise stabilisiert werden,was in den 1960-80er jahren gut funktioniert hatte (schweinezyklus).
          in der letzten zeit sind ezg`s durch steuertricks aufgefallen,weil geschäftsführer ihr gutes gehalt verdienen wollten.
          da sind dann rechnungen zwischen vater und sohn beim ferkelverkauf gestellt worden,wie bei viehhändlern,um 3,7% steuerdifferenz zu kassieren,was das finanzamt aber nicht akzeptierte.

          heute gibts nichtmal viele maschinengemeinschaften,die immer kosten sparen.

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  2. Im Januar habe ich im Kino die Dokumentation „Des Lois et des Hommes“ angeguckt.
    Thema ist die Fischerei in der Irischen See, die durch die EU-Gesetzgebung praktisch verunmöglicht wurde. Damit wurde den Fischern auf den kleinen irischen Inseln die Existenzgrundlage entzogen. Die leben auf diesen Inseln vom Fischfang und was anderes ist da nicht möglich.

    Die Dokumentation erzählt die Geschichte von einem dieser Fischer von der Insel Inishboffin, John O’Brian, der in einem 14 Jahre lang dauernden Kampf von der EU für die Inselfischer das Recht zurückerstritt, wieder im Meer fischen zu dürfen. Insbesondere geht es um die Lachsfischerei.

    Der Film zeigt, dass auch ein Einzelner oder eine kleine Minderheit in diesem Dschungel von Gesetzen und Lobbyismus der EU durchaus was erreichen kann, wenn er denn einen langen Atem hat.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, sich mit dem „Umbau“ auch gleich an die entsprechende EU-Kommission zu wenden. Auf jeden Fall zeigt der Film, dass der Bürger dem Staat nicht hilf- und wehrlos ausgeliefert ist und macht Mut, auch so einen EU-Stier bei den Hörnern zu packen und aktiv zu werden.

    Der Film ist allerdings auf französisch. Der Regisseur, Loic Jourdain, ist Franzose, lebt aber wohl auf einer dieser kleinen irischen Inseln. Man kann sich mit dem also auch auf Englisch austauschen. Vielleicht kann er ja einige Tipps geben, wie man auf EU-Ebene politisch aktiv wird und dort vorgeht. Er war im Kino anwesend und man konnte noch mit ihm diskutieren.

    https://desloisetdeshommes.com/2017/08/30/le-realisateur/

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  3. altbauer peter sagt

    guter ansatz willi,werbringt es unserer politik bei ? sie verliert dann ja ein teil der

    kontrolle. die eu weite umsetzung könnte schwierig werden, aber einen versuch

    ist es allemal wert.

    altbauer peter

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Hab es eben an das Landwirtschaftsministerium geschickt. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Frage ist nur, wer das im deutschen Landwirtschaftsministerium liest? Mir wurde schriftlich mitgeteilt, dass es Minister Schmidt auf den Tisch bekommt. Warten wir ab…
      Bauer Willi

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  4. In dem „Umbau“ sind viele gute Vorschläge drin, die ich unterstützen würde. Damit kann man doch echt was anfangen. Ich hätte allerdings zwei Korrekturen:

    a) die höheren Mindestpreise für Bio können entfallen. Denn bei diesem Modell werden die Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen ja über die Umlage finanziert, und da kann ja jeder Bauer mitmachen. Und da Bio-Lebensmittel sich qualitativ ja nicht oder kaum von konventionellen unterscheiden, ist der höhere Mindestpreis nicht gerechtfertigt. Preisunterschiede können hier über den Markt im Wettbewerb ausgeklüngelt werden.

    b) als Basis-Erzeugerpreise die Gestehungskosten beim Landwirt heranzuziehen, halte ich für kritisch. Denn es ist ja der Landwirt, der die Gestehungskosten festlegt und abrechnet, und so wie ich das einschätze, wird da jeder noch ordentlich draufschlagen. Ist bspw. in Vereinen oft so, dass zum Jahresende noch alle Gelder oft auch sinnlos rausgehauen werden, damit man im nächsten Jahr dieselbe Summe wiederkriegt.

    Um wenn wir schon bei diesem Umbau sind, schlage ich zusätzlich noch die Besteuerung von Ressourcen und Energie vor. Das dürfte auch noch mal in erheblichem Maße zum Naturschutz beitragen.

    Doch, dieser „Umbau“ hat was! Ich halte das sogar für umsetzungsfähig. Chapeau!

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    • Bauer Willi sagt

      @fingerphilosoph
      zu b) stimmt so nicht. Sowohl Universitäten als auch unabhängige Beratungsunternehmen errechnen den Deckungsbeitrag (Erlöse minus variable Kosten) auf Basis von Saatgut und Düngerpreisen, Maschinenkosten (zum Beispiel KTBL-Sätze), Kosten für Versicherungen etc. Die Daten werden also nicht beim Landwirt erhoben, sondern errechnet. Das ist geübte Praxis. Auf Basis dieser für alle Seiten transparenten Daten kann der Erzeugerpreis sehr sauber kalkuliert werden. Die Fixkosten sind bei jedem Betrieb anders, die könnte man aber mit einer Pauschale abdecken. Oder auch weglassen.
      zu a) Sag das mal einem Bio-Bauer. Der sieht das aber ganz anders.
      Besteuerung von Energie haben wir schon: Stromsteuer, Kraftstoff-Steuer. Du siehst, dass ist schon fein durchdacht. Vielleicht nicht alles bedacht, aber viel scheint nicht zu fehlen…
      Bauer Willi

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      • Was b) angeht, fehlt mir der Hintergrund, um zu beurteilen, wie das bei der LW ist. Umso besser, wenn es da schon verlässliche Daten gibt. Ich kenn’s halt von einer NGO, die staatliche Gelder bezogen hat. Da wars so, dass zum Jahresende das Geld, das nicht ausgegeben worden ist, sinnlos rausgehauen wurde. Deshalb habe ich mir vorgestellt, dass auch der Bauer sinnlos Saatgut, Dünger und noch einen Traktor kaufen könnte, bloß um hohe Gestehungskosten zu haben und den Mindestpreis zu halten.

        Was a) angeht, bleibe ich dabei, dass der Mindestpreis für Bio unbedingt wegfallen sollte. Zumal Bio ja sowieso nur als Nische funktioniert, u.a. wegen des größeren Flächenbedarfs, und sich zudem der konventionellen LW rapide wieder annähert, sobald die produzierten Mengen steigen.

        Auf diese Weise würde die LW nämlich wieder damit aufhören, sich selber zu zerfleischen. Denn tatsächlich hat „Bio“ wie auch „Tierwohl“ ja ein Janusgesicht: wenn ein Bauer sagt, Bio ist gesund, bedeutet das gleichzeitig immer auch, dass konventionell eben ungesund ist. Und das ist ja nicht unbedingt richtig. Dieses „Bio“ ist doch die Ursache dafür, dass heute viele Leute glauben, die konventionelle LW würde sie vergiften. Umso besser, wenn diese Kluft innerhalb der LW wieder geschlossen wird.

        Klar haben wir schon eine Besteuerung von Energie, aber die ist trotzdem zu billig.
        Falls der „Umbau“ der LW nicht null zu null aufgeht, wäre es sinnvoll, die fehlenden Steuergelder (bspw. für die Nahrungsmittelhilfe für Einkommensschwachen) über
        die Besteuerung von Ressourcen/Energie zu regeln. Das könnte man auf bei der Herstellung energieintensive Produkte draufschlagen. Dahingehend, dass der Supergrill, von dem hier öfter mal die Rede ist, eben nicht 800,- sondern 900,- Euro kostet. Wäre zumindest ein erster Schritt aus der unsäglichen Wachstumsspirale heraus.

        Ja, ich finde das echt fein durchdacht.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          >>>Deshalb habe ich mir vorgestellt, dass auch der Bauer sinnlos Saatgut, Dünger und noch einen Traktor kaufen könnte, bloß um hohe Gestehungskosten zu haben und den Mindestpreis zu halten.<<<

          So läuft das in unserer Gesellschaft, auch in anderen Foren,
          es wird einfach die persönliche Meinung geschrieben, anstatt sich an Fakten zu halten.
          Mich kotzt das an.

          2+
  5. Insgesamt scheint ja die Zustimmung zu überwiegen, schwer zu entkräftende Argumente gegen Willis Vorschläge sehe ich hier nicht. Was mich wundert, ist die Resignation in vielen Kommentaren: „Wäre zwar richtig, ist aber nicht durchsetzbar“.

    Warum sollte sich die Landwirtschaft widerstandslos auf dem Altar des Weltmarktes opfern lassen? Vielleicht könnten sich die Verbände darauf verständigen, Außenschutz zur Vorbedingung für alle weiteren Gespräche mit der Politik zu machen. Keine Regulierung ohne Außenschutz! Wer ausschert und sich von der Politik hofieren oder kaufen lässt, soll das dann mal der Basis erklären. Es ist ja hoffentlich noch nicht so weit, dass Ihr bei der Politik um kurzfristige Liquiditätshilfen betteln müsst?

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    • Bauer Willi sagt

      Genau. Soll ich das Papier mal nach Berlin schicken? Aber zu wem? Frau Klöckner hat heute ihr mögliches Amt als Spekulation kommentiert…schon seltsam.
      Bauer Willi

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      • Schmeckt gut sagt

        Auf jeden Fall hinschicken. Das Landwirtschaftsministerium wird eh von Wirtschaftsministerium „überstimmt“, deshalb an beide Adressen. So merken sie gleich, dass auch von der Basis (von Bauer Willi 🙂 ) gute Vorschläge kommen. Jetzt bin ich mal optimistisch: Wenn dann eine Einladung zum Gespräch kommt, ist schon viel erreicht.

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        • Bauer Willi sagt

          Gerade passiert. Mal sehen, ob da eine Antwort kommt. Schließlich hat Herr Schmidt mir gesagt, dass er ein Facebook-Abonnent von mir ist…
          Bauer Willi

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  6. Friedrich sagt

    @Willi. Genau , denn heute ist jeder Euro vom Staat mit rd. 40 ct Verwaltungskosten belegt. Deshalb sollte sich jeder Bürger diese Landes überlegen zus. Leistungen vom Staat zu erhoffen. Die Politiker sagen zu allem ja und schlagen es dann auf die Abgaben der Steuerzahler drauf . Wir zahlen uns die „Guttaten“ unserer Politiker selbst. Doch das will hier keiner sehen. In den 1970er Jahren hatte man als Lediger rd. 1/3 Abzüge bei der Gehaltsabrechnung. Heute sind es 50% , warum wohl ? Jede Forderung zieht höhere Steuern und Abgaben nach sich. Die Leistungsträger zahlen und die „Bedürftigen“kassieren. So einfach ist das.

    2+
  7. Friedrich sagt

    Dieser Vorschlag würde den Bauern mehr Freiheit im sozialen und ökonomischen Bereich bringen. Auch für Umwelt , Biodiversität und Verbrauchervertrauen eine gute Sache. Dies werden aber die Verwaltungsbeamten nicht wollen , denn die würden nicht mehr gebraucht.
    Die Eu könnte die 45 Mrd. Euro im Haushalt anders verteilen. Die Verbraucher hätten endlich das was sie wollen . Weniger Steuerlast , aber mehr Ausgaben für die Nahrungsmittel. Die Mehrkosten würden nach meiner Schätzung bei 300 Mrd./Jahr liegen.Bei 500 Mill. EU-Bürgern nur 600 Euro/Jahr/Bürger. Also keine große Sache, nur einmal auf den Urlaub verzichten und alles ist klar. Hilft auch der Umwelt , da dann weniger
    geflogen wird. Das dürfte nach den aktuellen Umfragen so auch gewollt sein.

    5+
    • Bauer Willi sagt

      Hast Du die Steuerentlastung gegengerechnet? Falls nicht, würde es noch weniger. Vielleicht sogar ein Nullsummenspiel…
      Bauer Willi

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  8. Ein König in Preußen würde hier denken: Meine Bauern machen sich da vernünftige Gedanken und machen bessere und billigere Vorschläge als alle meine Beamten und Berater. Ich werde den Kremer-Schillings in den Adelstand erheben und zum Geheimrat ernennen. Mein Agrarminister soll dann einfach bei ihm abschreiben, die Beamten in den Landwirtschaftsbehörden werden zur Post oder zu Eisenbahn versetzt, die Fähigeren unter ihnen können auch als Volksschullehrer Verwendung finden, sofern sie als Unteroffiziere gedient haben. –

    Leider läuft es ja in der Demokratie anders, hier geht es nicht um Sachverstand, sondern um Mehrheiten. Wer etwas durchsetzen will, braucht entweder eine Mehrheit, oder als Minderheit einen Machthebel. In der Spaßgesellschaft sind kaum Mehrheiten für Positionen zu erwarten, die den Verbrauchern etwas abverlangen.

    Wie sieht es also mit möglichen Machthebeln aus? Minderheitenschutz? Streikrecht? Außerparlamentarische Opposition? Das Wahlverhalten von Bauern wird die Parteien nicht beeindrucken, Landwirte fallen zahlenmäßig nicht mehr ins Gewicht.

    Man sollte alles vermeiden, was immer tiefer in die Abhängigkeit führt: Staatliche Leistungen und Schulden etwa. Euer Kapital, Eure Macht ist das Grundeigentum. Wenn der Lebensunterhalt mit der Bewirtschaftung des Landes nicht mehr verdient werden kann, muß das Land verpachtet werden oder brachliegen. Das Kapital einmotten, den Lebensunterhalt beim Staat oder bei einer Bank verdienen und die Flächen für die Familie behalten. Je mehr Menschen dem Staat oder der Finanzindustrie auf der Tasche liegen, desto schneller geht der absurden Schuldenwirtschaft die Luft aus – dann kommt wieder eine goldene Zeit für Landwirte.
    Nur so als Alternative, falls die Politik nicht auf Euch hören sollte!

    2+
    • bauerhans sagt

      beim PREUSSENKÖNIG herrschte immer hungersnot,heute nicht mehr,weshalb es nicht funktionieren würde.

      1+
  9. Mark sagt

    Na ja, so ein Brainstorming ist ja durchaus legitim und die Möglicheit einer Realisierung darf zu Beginn des Stormings auch ausser acht gelassen werden. Grundsätzlich geht es ja um einen EU- weiten Umbau, nicht um nationale Alleingänge. Wenn die EU ihren Eiweißbedarf selbst produziert, wäre das Problem der Agrarexporte sofort weg und der Druck wäre aus dem Kessel. Vorausgesetzt es gäbe einen wirsamen Aussenschutz würden nach dem Wegfall von Subventionen die Agrarpreise um 50-100% steigen. Die Kosten würden vom Steuerzahler auf den Verbraucher übertragen. Mindestpreise etc und der ganze sozialistisch- bürokratische Quatsch (bloss kein Umlageverfahren!!!) sind komplett überflüssig, wenn der Markt die entsprechenden „Leitplanken“ hätte. Was notwendig werden würde ist, dass im Rahmen der Sozialhilfe für Einkommensschwache eine Nahrungsmittelhilfe bezahlt würde, damit haben wir dann den Steuerzahler wieder in der Pflicht….

    1+
    • Bauer Willi sagt

      So ist das. Siehe auch meinen Artikel „Subventionen streichen“. Wenn das Eiweiß nicht mehr aus Übersee kommt, ändert sich die europäische Landwirtschaft in einem Maße, die sich kaum einer vorstellen kann. Dann wäre in der Tat das Umlageverfahren obsolet…
      Mark, Du hast es kapiert. Und Tilman Ziegler sieht es auch so. Jetzt sind wir schon drei 🙂
      Bauer Willi

      1+
      • Schmeckt gut sagt

        Es sind schon vier:-) . Sehe es genau so. Mit einer Einschränkung: Ich sehe die Möglichkeiten zum Außenschutz als absolut notwendig, aber extrem gering an. Gestern haben wir, wie in jedem Jahr, die Fruitlogistica in Berlin besucht (die größte Obst- und Gemüsemesse der Welt). Geht man mit offenen Augen über diese Messe, erkennt man die weltweiten Verflechtungen im Handel und die Notwendigkeit, für die anhaltenden Erfolge im deutschen Export eben genau diesen Außenschutz nicht zu installieren. So wird es ja auch offensiv von unserer Kanzlerin vertreten. Dieser Schutz wird also nicht kommen. Eine klare Stimme aus der europäischen Landwirtschaft würde beim Nachdenken über einen Außenschutz sehr helfen, aber auch diese Sichtweise sehe ich nicht, weil wird untereinander viel zu zerstritten sind. Weniger „Kakkophonie“ in den öffentlichen Raum und eine Ausarbeitung der realistischen Verbesserungsmöglichkeiten würde ebenfalls helfen. Die Betonung liegt auf realistisch.

        2+
        • Unter den derzeitigen Bedingungen mag die Forderung nach Außenschutz wenig realistisch sein. Die Situation kann sich aber jederzeit sehr plötzlich völlig ändern. Schulden und Sorglosigkeit wachsen in der ganzen Welt schneller als die Einkommen und die reale Wirtschaft. Sollte sich eines Tages herausstellen, dass unsere Target-2-Forderungen ebenso uneinbringlich sind wie die meisten anderen Schulden im System, wird alles sehr schnell gehen. Dann wird jeder Staat Einfuhren besteuern, weil bei Bürgern und Unternehmen nichts mehr zu holen sein wird. Man braucht kein besonderer Kulturpessimist zu sein, um diese Möglichkeit für sehr realistisch zu halten.

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          • bauerhans sagt

            „Schulden und Sorglosigkeit wachsen in der ganzen Welt schneller als die Einkommen“

            vor jahren hatte ich bei einem ökonomen gelesen,dass das schuldenmachen noch ca.50 jahre funktionieren könnte.

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            • Kann sein, dass die kollektive Konkursverschleppung noch viele Jahre funktioniert. Ich mache trotzdem nicht mehr mit….

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          • Schmeckt gut sagt

            Es wird bei allen Überlegungen immer das „könnte, würde, sollte“ eingeworfen. Das ist mir zu schwammig. Wir leben im „Jetzt“. Sicherlich sind solche Überlegungen richtig (die Schuldenspirale mit den von Ihnen beschriebenen Auswirkungen macht mir auch ein wenig Angst) und Vorbereitungen auf ein „Danach“ sind wichtig. Wir benötigen aber kurzfristig eine Verbesserung der Situation. Sehr viele Betriebsleiter/Nachfolger sind frustriert.

            2+
            • Kurzfristige Lösungen gerne, an Vorschlägen mangelt es hier ja nicht. Aber wie können wir das durchsetzen?
              Könnten sich die Verbände und Interessenvertretungen der Landwirtschaft wenigstens auf einen gemeinsamen Kurs einigen?

              1+
            • Schmeckt gut sagt

              So sieht es leider aus. Wir Bauern ziehen gleichzeitig an den Enden des Seils, wenn es 4 Enden wären, würden wir auch die versuchen, in unsere Richtung zu ziehen. Ein großer Schritt in die richtige Richtung wäre, dem Anderen einfach mal zuzuhören, eine erreichte Verbesserung anzuerkennen und zusammen weiterzuentwickeln. Schwierig! Bin ich jetzt zu pessimistisch?

              1+
  10. Altbauer Jochen sagt

    Wir können uns noch so viele Veränderungen wünschen,
    die in diese Richtung gehen.
    Wenn der Rest der EU, die USA und China und die Russen nicht mitmachen,
    können wir damit auch nicht überleben.

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  11. Lieschen Müller sagt

    Ich finde den Grundgedanken „Steuerentlastung für den Bürger“ so nicht richtig. Die Frage ist doch immer, was mit den Steuern gemacht wird.
    Die anderen drei Forderungen würde ich als Verbraucher mit euch umsetzen.
    Auch den Weg, den du beschreibst, finde ich jetzt erstmal nicht schlecht. Man kann das doch mal 20 Jahre lang so probieren!

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  12. bauerhans sagt

    das wird sich politisch innerhalb der eu nicht durchsetzen lassen, auch weil lobbyisten beauftragt werden,dagegen zu arbeiten.

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  13. Kirsten Wosnitza sagt

    Finde ich gut Willi, dass Du Dir die Gedanken gemacht hast. Da tauchen einige Fragen auf, nur mal schnell vorab:

    Wie willst Du den Aussenschutz installieren?

    Der Vorschlag für Umweltflächen einfach zu Mulchen entspricht in keiner Weise der Notwendigkeit, ganz unterschiedliche Massnahmen mit ganz unterschiedlichen Zielen umsetzen zu müssen. Naturschutz ist nicht einfach gleich Mulchen.

    Der Vorschlag der Steuererhöhung zugunsten der Finanzierung von Tierwohl ist ja bereits lange im GEspräch. Wie willst Du ohne ein mengenwirksames Kriseninstrument Überproduktion und Marktkrisen verhindern, die die Preise immer wieder so abstürzen lassen, dass langfristige INvestitionen in Tierwohl nicht mehr geleistet werden können?

    Hätte noch viele andere Fragen, das ist nur mal auf die Schnelle. Danke

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Kirsten
      1. Aussenschutz: Audits bei den Herstellern, Analyse der Produkte usw. Wenn Soja, Baumwolle, Mais etc. mit Gentechnik in Berührung gekommen ist, darf es nicht rein. Glyphosat ebenso. Es werden eben keine Zölle erhoben, sondern die Produkte werden verweigert. Am Beispiel Käfigeier sieht man ja sehr schön, wie jede Lücke ausgenutzt wird. Für verarbeitete Produkte dürfen die noch rein. (Ich weiß auch, dass das nicht leicht ist…)
      2. Umweltflächen: Ich habe nicht alle Details beschrieben, da hast du natürlich Recht. Soll auch nur als Beispiel dienen, dass man die Flächen nicht verwildern lässt. Was mit den Flächen passieren soll läßt sich im Detail mit den Naturschützern sicherlich klären.
      3. Kriseninstrument: Dafür gibt es ja den Mindestpreis. Außerdem gehe ich davon aus, dass ein Importverbot von Soja (siehe Punkt 1.) die Tierhaltung insgesamt zurückgehen lässt, weil pflanzliches Eiweiß kaum noch importiert werden kann. Für langfristige Investitionen in mehr Tierwohl wird ja der Aufschlag erhoben. Im Detail könnte das so aussehen, dass der Tierhalter einen Investitionsplan vorlegt und aus dem Fonds dafür das Geld erhält. Du siehst, ich habe mir auch über die Feinheiten Gedanken gemacht…Ob ich an alles gedacht habe, weiß ich allerdings auch nicht… 🙂
      Bauer Willi

      2+
      • Mark Rössler sagt

        Ob die Überwiegende Mehrheit der Bevölkerung diese Wende überhaupt möchte oder akzeptiert oder ist das nur ein Stöckchen von der lauten Minderheit und Öko-PR-Industrie, das anschließend wieder etwas höher gelegt wird?

        Ich wage zu bezweifeln, dass sich eine Mehrheit für erheblich teurere Lebensmittel finden lässt, man merkt das immer gut, wenn gewisse Produkte mal kurzzeitig teurer werden. Butter, letzten Winter Gemüse haben für viel Unmut gesorgt und das nicht bei Einkommensschwachen.

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      • Schmeckt gut sagt

        Volle Zustimmung. Der LEH fordert beim Import ja schon strenge Auflagen und die außereuropäischen Anbauer und Tierhalter stöhnen und sehen dies als Importschranke (ist halt der strengste Verbraucherschutz weltweit). Wenn allerdings eine Unterversorgung des Marktes, aus welchen Gründen auch immer, auftritt, ist plötzlich wieder fast alles erlaubt und es wird importiert auf Teufel komm heraus. In diesem Moment locken nämlich sehr interessante Gewinnmargen. Die deutsche Landwirtschaft profitiert hiervon nur in ganz seltenen Fällen. Gewinnmargen und die Verteilung in den Handelswegen sollten auch definiert werden.

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      • Kirsten Wosnitza sagt

        Danke Willi
        wie Du selbst sagst aber eben nicht über alle Feinheiten. Das hat dein Vorschlag mit dem bdm Modell gemeinsam.
        Allerdings ist es etwas protektionistischer als das bdm Modell.
        Einige Elemente finde ich interessant.
        Ich frage mich schon lange warum wir es nicht hinkommen Produkte mit Kinder Arbeit zu verbieten. …
        denkst du mit seinem Modell kann der heimliche Einstieg von Investoren im landbesitz verhindert werden?

        Da das Ordnung gsrecht anziehen wird, unabhängig von der gap, wie werden diese steigenden Kosten ausgeglichen?

        Wie die ganzen Auflage zum klimaschutz ausgeglichen und ziele erreicht?

        Interessante Gedanken

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        • Mark Rössler sagt

          Mir war so, als ob in Deutschland mit der Agrarwende die Kinderarbeit auf den Höfen wieder eingeführt werden soll, wie sie bis in die 1970er normal war.
          Schule war zweitrangig, der bäuerliche Betrieb geht vor.

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          • Inga sagt

            In Hessen durfte Schule schon in den 60igern nicht mehr 2 rangig sein.

            In den 50gern gab es für das Rübenvereinzeln noch Hausaufgabenfrei, habe ich gehört.

            In den 60igern nicht mher, da bekamen nur die Heimkinder, die auf dem Bauernhof dem ganzen Nachmittag Rüben-vereinzelt oder Kartoffelgelesen haben noch Hausaufgabenfrei. Die Bauernkinder nicht. Bei uns an der Schule jedenfalls nicht!

            Mal ehrlich, war das nicht Ausnutzung der schwächsten, der Heimkinder?
            und auch der Bauernkinder, während andere im Schwimmbad lagen haben wir auf dem Feld gearbeitet.

            Ich habe mit meiner Mutter und Schwester auch Steine gelesen oder sonst was auf dem Feld, die Körbe im Kofferraum vom dreckigen Mercedes mit Anhänger Kupplung für den Viehwagen (nicht für den Wohnwagen im Urlaub), die haben wir voll gelesen und in die Hecke am Feldrand oder in die tiefen Fahrgleise auf dem Feldweg geschüttet.

            Am Waldrand lagen Großfamilien aus der Stadt auf Decken und genossen den Feierabend. Der Opa hatte ein Goggo und der Vater ein VW Käfer mit den Ziffern des Nummernschildes besticktem Kissen hinten drin.

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