Alois
Kommentare 83

Agritechnica und Agrikultur

Hier ist der Alois. In meiner Facebook-Timeline kamen in den letzten Wochen viele Postings von der Agritechnica. Ich konnte die Euphorie gut spüren, welche die Landtechnik-Schau der Superlative bei den Landwirten verbreitet. So eine „Fachmesse“ ist auch ein wohltuendes Bad in der Menge von Gleichgesinnten.

Wenn ich die bäuerliche Euphorie wahrnehme, dann kommt bei mir die Frage hoch, was denn „Otto Normalverbraucher“ dazu sagen würde. Wenn er oder Sie diese Technikshow überhaupt mitbekommt?  Denn außerlandwirtschaftliche Besucher und Berichte über die Agritechnica waren eher selten. Fakt aber ist, dass gigantische Traktoren und Maschinen auf Straßen und Feldwegen eher Befremdung als Sympathie auslösen. Auch bei unbedarften Nachbarn und Freunden, die dann durchaus nicht so gut über „diese Landwirte“ reden.

Nun kann man derlei Reaktion als Unwissenheit oder romantische Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ abtun. Aber auf der anderen Seite ist es auch unübersehbar, dass die bäuerliche Seele sich so sehr die Anerkennung der Mit-Bürger wünscht. Dann wird sehr oft auch von uns selbst der Begriff „bäuerliche Landwirtschaft“ gebraucht.

In der englischen Sprache wird Landwirtschaft mit „agriculture“ übersetzt, im französischen, italienischen und spanischen lautet die Übersetzung ähnlich. Die „Agri-Kultur“ ist als keine Erfindung der Neuzeit, sondern ein historisches Fundament der Landwirtschaft. Doch im Bezug auf die Gegenwart, springt mich dann diese Frage förmlich an: „Welche Kulturleistungen erbringt die heutige Landwirtschaft?“

Wir Deutsche, wir Demokraten, wir Europäer sind doch stolz auf unsere Hochkultur, die in gewisser Weise eine Leistungskultur ist. Dementsprechend bringt diese hochtechnisierte und effiziente Landwirtschaft genau den Beitrag, den die Leistungskultur fordert: Produktivität und Effizienz. Aber liegen wir damit richtig?

Jan Grossarth, Buchautor und Journalist der FAZ, hat zu diesem Thema einen lesenswerten Artikel mit dem Titel „Eine Frage der Kultur“ geschrieben: https://www.das-parlament.de/2017/46_47/titelseite/-/531618

Ein Zitat daraus:
Man braucht einen kulturellen Begriff von Landwirtschaft, um zu verhindern, dass die Besonderheiten dieser Branche aus dem kollektiven Gedächtnis einer urban lebenden Bevölkerung verschwinden. Es wird Landwirtschaftsfabriken geben wie Milchfabriken und Logistikcenter, unsere Kinder werden Ferienbauernhöfe sehen, die wie Streichelzoos sind. Aber es wird darum gehen, dass beide voneinander lernen, miteinander im Gespräch bleiben, trotz der Entfremdung. Das ist eine fast naive Vorstellung. Man darf sie nicht aufgeben. Hätten die Ingenieure der monströsen Putenmastanlagen der Gegenwart das Gespräch mit Bürgern aus den Städten, hätten sie den poetischen und den Kinderblick nicht aus ihren Expertenaugen verloren, wäre die industrialisierte Tiermast so nie entstanden.

Grossarth formuliert, was wahrscheinlich die meisten unserer Mit-Bürger von einer Bauernkultur erwarten. Es ist weit mehr als Effizienz und Technisierung. Der Begriff „Bäuerlichkeit“ fusst auf einer jahrhundertlang bewährten Handlungsethik, die gesellschaftlich anerkannt ist. Der Begriff „bäuerliche Landwirtschaft“ steht deshalb auch in so manchem Parteiprogramm als gesellschaftliches Ziel. Im Prinzip erwartet man von der „Bäuerlichkeit“ eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Und suhlt sich gleichzeitig im ausuferndem Wohlstand, der mit der hochproduktiven Leistungskultur erkauft wird.

Mit fortschreitendem Strukturwandel und fortschreitender Technisierung geht tatsächlich still und leise die alte Bauernkultur verloren. Wir Bauern werden einfach immer weniger und haben immer weniger Einfluss und immer weniger Bedeutung für das öffentliche Leben. Auch für uns Bauern selbst ist das ein Problem. Denn wir verlieren nicht nur unsere angestammte Identität, sondern auch die traditionelle gesellschaftliche Anerkennung der Bäuerlichkeit, die abwandert zur Folklore und zu „Ferien- und Animations-Bauernhöfen“.

Aber dafür bekommen wir eine neue Identität: Wir mutieren zum Agri-Techniker! Passt auch irgendwie besser zur Digitalisierung und zu „Farming 4.0“ 😉

Euer Alois

 

Hier ein Videorundgang von der Agritechnica

 

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83 Kommentare

  1. Hier ist ja schon fast alles gesagt worden, was man dazu beitragen kann, und dennoch: der entscheidende Schritt in der Kulturgeschichte der Menschheit war die Entwicklung vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern, das Feuer hatten die Jäger auch schon.
    Das Überleben erforderte Eigentum, Vorratswirtschaft, vorausschauendes Handeln und generationenübergreifendes Denken; die kulturellen Grundlagen jeder „höheren“ Zivilisation. Ohne solchen Urkapitalismus gibt es weder Kultur noch Zivilisation!
    Heute können wir überall aus dem Überfluss schöpfen, es scheint nicht mehr ums Überleben zu gehen. Die Erfahrung geht verloren, dass man säen muss, um ernten zu können. Wo nur noch an Raffen, Ernten und Verteilen gedacht wird, entwickelt sich die Menschheit zurück zu einer räuberischen Lebensweise. Das Erdölzeitalter hat Technisierung, Wohlstand und Überfluss hervorgebracht – und eine Lebensweise von Räubern und Plünderern. Spielt eigentlich keine Rolle, ob man das als Sozialismus oder als Kapitalismus bezeichnet. Vor 500 Jahren war es nicht viel anders, Hieronymus Bosch hat das in seinen Gemälden schön festgehalten, siehe

    http://www.liegeboxen.de/der-heuwagen-konsumgesellschaft-ohne-bauern/

    Schon der mittelalterliche Visionär meinte, dass so etwas nur in die Apokalypse führen kann. Aber jeder Einzelne kann entscheiden, ob er noch ein Apfelbäumchen pflanzen und bäuerliche Kultur an die nächste Generation weitergeben will – auch auf dem aktuellen Stand der Technik.

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    • Bauer Willi sagt

      @Tilman Ziegler
      habe Deinen Artikel vom Heuwagen erst jetzt entdeckt. Sehr gut geschrieben. So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen…
      Bauer Willi

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    • Der Zivilisationsprozess umfasst drei Phasen und jede Phase war eine ökologische Wende.

      1. die erste ökologische Wende kam mit der Domestizierung des Feuers und führte dazu, dass der Homo (zuerst erectus, dann sapiens) überall, wo er hinkam, die Großtiere ausrottete.
      Vor 60.000 Jahren war das in Australien der Fall, vor 15.000 Jahren in Amerika.
      In dieser Phase entwickelte der Mensch die Sprache.
      Vorausschauendes Handeln und generationenübergreifendes Lernen wurde schon in dieser Phase entwickelt, ohne das Landwirtschaft gar nicht möglich gewesen wäre.

      2. die zweite ökologische Wende war die Agrarisierung mit der Entwicklung der Klassengesellschaft und der Schrift. Sie führte dazu, dass großflächig Wälder gerodet wurden und Städte gegründet, Krankheiten aufkamen, sich die Lebenszeit des Menschen halbierte, er dafür aber mehr als doppelt so viele Nachkommen in die Welt setzte wie der Jäger und Sammler.

      3. die dritte ökologische Wende ist die Industrialisierung und das entsprechende Medium für den Geist ist nach Sprache und Schrift die Digitalisierung. Sie führte zum sechsten großen Artensterben, einer explosionsartigen Vermehrung der Weltbevölkerung, zu leergefischten Meeren und zum Entstehen einer Vielzahl von künstlichen Stoffen, die von Natur aus nicht abgebaut werden können.

      Ich finde es wichtig, den Zivilisationsprozess korrekt nachzuvollziehen. Der Mensch war immer ein Räuber, deshalb ist es falsch, von Zurückentwicklung zu reden. Er hat sich nie ethisch verhalten: das war immer nur ein Leitbild. Die Landwirtschaft war im 18. Jh. am Ende, weil die Wälder alle abgeholzt waren. Mit den bäuerlichen Tugenden ist es nicht so weit her, wie die Bauern das gerne hätten.

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        • Ja und? Das wäre nicht schlimm, wenn der Mensch nicht so viel Fremdenergie zur Verfügung hätte, dass im Extremfall ein Einzelner mit dem Druck auf den roten Knopf Millionen andere Menschen- und Tierleben auslöschen könnte.

          Aber sich gegenseitig vorzuheucheln, der Mensch wäre seinem Wesen nach vernünftig, selbstlos und friedlich und könnte deshalb mit der von ihm erfundenen Technik umgehen, ist dumm.

          Also ist der Mensch nicht nur emotional, egoistisch und aggressiv, sondern auch dumm. 🙂

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          • Trotzdem, lieber Fingerphilosoph: lieber ein schwaches und oft unwirksames Gegenmittel gegen das Räuberische, Aggressive, Dumme und Egoistische im Menschen als gar keines. Bäuerliche Tugenden waren eine vergleichsweise massenwirksame, weil überlebensnotwendige Ethik. Es spielt keine Rolle, ob Ethik aus Religion oder Vernunft entwickelt wird.
            Die Natur kommt natürlich auch ohne Menschen aus, aber für die Menschheit sehe ich ohne Tugenden schwarz, deshalb lieber bäuerliche Tugenden als gar keine.

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      • Ein Mensch, der sein eigenes Land als Existenzgrundlage bearbeitet, hütet und an die nächste Generation in besserem Zustand weitergeben will, ist für mich eklatant weniger Räuber als einer, der sich Fremdenergie von späteren Generationen oder anderen Völkern aneignet. Für mich ist der Bauer der Gegenentwurf zum Räuber.

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  2. Paulus sagt

    Jan Grossarth ist nach meiner Kenntnis VWLer, insofern wundert mich, dass er das Gebot oder auch Argument zur Effizienzsteigerung, wenn auch hintergründig hier in Frage stellt. Entwicklungen in technologischer Sicht, die der LW nützen und niemand schaden sind ja grundsätzlich möglich und begrüßenswert. Das was ackerbaulich unter Farming 4.0 verstanden wird kann nicht so schlecht sein.

    Wir halten im Nebenerwerb 16-18 Stck. Freilandrinder. Das ist idyllisch, irgendwie ganz schön und bezogen auf das Verhältnis GV/ha nicht nur erstrebenswert sondern auch durchaus effektiv (nicht effizient). Konservierte bäuerliche Kultur sozusagen, wie man sie wahrscheinlich nur noch selten findet. Die Kostendeckung ist deutlich > 2.
    Euphemistisch ausgedrückt: im flachen Wasser kann man nicht ertrinken.

    Effizient wäre es hingegen, auf zusammengelegten entsprechend größeren, genauso strukturierten Flächen z.B. 300 oder 500 Stck. der gleichen Rasse zu halten. Dabei würde die sogen. ländliche Idylle nicht verloren gehen. Kleinflächige, abwechslungsreiche Strukturen mit Hecken, Blühflächen und allem was sonst noch so gewünscht wird, sind bei gleicher Nutzung problemlos möglich.

    Der vermeintliche Effizienzgewinn ist leider theoretischer Natur und würde sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in monetärer Sicht negativ ausdrücken. Der Grund ist, dass die Vermarktung einen anderen als den bisherigen Vertriebsweg erfordern würde. Dann hätten wir es nicht mehr mit dem Schlachter/Metzger im Ort mit seiner festen exklusiven Kundschaft, sondern aufgrund der Menge mit Großschlachtereien und ggf. auch dem LEH zu tun. Kostendeckung wahrscheinlich < 1, im besten Fall ≤ 1 oder marginal darüber.
    Es wäre Schwachsinn so etwas anzustreben oder gar aufzubauen, egal wie man sich untereinander organisiert. Ach, was haben darüber schon diskutiert und hin und her gerechnet.

    Ein kleiner Seitenhieb noch an den geschätzten Alois. Natürlich mutiert ihr zu Agri-Technikern. Wer sonst soll denn solche Geschosse sicher führen bzw. mit all dem techn. Drum und Dran, sowie unter Wahrung aller landwirtschaftlichen Aspekte sowie Vorschriften bedienen resp. beherrschen? Ob es die Fahrer, die vor einigen Jahren noch stunden- und tagelang, vor sich hin dösend auf dem Acker hin und hergefahren sind noch gibt? In den Sendungen der Serie „Hallo Leute“ hören die sich ganz anders an.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Paulus, die Mutation zum Agri-Techniker bezweifle ich überhaupt nicht. Im Gegenteil, es muss uns allen bewusst werden. Dennoch gibt es jenseits der technisierten Produktionslandwirtschaft auch „Produkte der Bäuerlichkeit“ ,die auch mit Umsatz und Ertrag erschlossen werden können, wie uns der „glückliche Bauer Franz“ beweist. https://www.bauerwilli.com/der-glueckliche-bauer-franz/
      Es kommt darauf an, was der einzelne Bauer erkennt und dann daraus macht.
      Ich war gestern in Graz auf einer Messe der Landwirtschaftskammer Steiermark, wo der Focus auf „Neue Wege sehen – neue Wege gehen“ lag. Wer keine Möglichkeiten einer Bauernkultur sieht, entscheidet sich halt für etwas anderes. „Tausend Bauern – tausend verschiedene Lösungen“, sage ich dazu.

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      • Der Kapitalismus ist ein Meister darin, sich immer weitere, bis dahin private Bereiche des Lebens einzuverleiben, sie zu verwursten und als kommerzielle Produkte auf den Markt zu werfen. Hat es jetzt also auch die „Bäuerlichkeit“ erwischt? Kann man die jetzt also auch kaufen?

        Ich bin Darwin und den Wissenschaften ja schon beinahe dankbar dafür, dass die Seele abgeschafft wurde, bevor sie in Flaschen verpackt zum Kauf angeboten wurde.

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  3. Ich seh das so sagt

    Um eine Verbindung herzustellen zum kürzlich hier gebrachten Beitrag von der „Deutungshoheit“:
    Wo sind die Maschinenbautechniker, wo die Stallbau-Ingenieure, die all das,
    was sie uns Bauern bei solchen Spezialmessen (durchaus glaubhaft) als state of the art zur möglichen Investition zeigen, auch gegenüber der Öffentlichkeit genauso darlegen können -und nicht nur in Agrarzeitungen.

    Ich kann nicht glauben, daß Zeitungen nicht auch ein Interesse daran haben, über solche Erzeugnisse zu erfahren, die doch in beachtlichem Ausmaß auch exportiert werden. Und wenn man die Schätzungen glaubt, daß mit den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen in Deutschland bis zu 5 Millionen Menschen beschäftigt sind, kann ich mir nicht vorstellen, daß kein Interesse besteht auch darauf ab und an mal ein Schlaglicht zu werfen.

    In den meisten dieser Firmen gibt es einen PR-Manager oder eine Kommunikations-Direktorin, da würde man doch meinen, daß mindestens 500 davon (das wären 0,01% der o.a. Beschäftigten) sich täglich, na gut 1x
    wöchentlich, also bitte wenigsten 1x im Monat zu den Themen rund um ihre Produkte äußern. Aber – Fehlanzeige

    Tatsächlich kann man die jährlichen Stellungnahmen aus diesem Genre, die das Licht der nichtlandwirtschaftlichen Öffentlichkeit erreichen an einer Hand abzählen.
    Über jedes neue Kühlschrankmodell aus Germany findet sich mehr Information durchs Jahr hindurch, von den Autos aus Germany ohnehin ganz zu schweigen.

    Dieses Informationsvakuum kann man wohl sicher nicht den Medien anlasten.

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  4. Friedrich sagt

    Wir Bauern haben das Problem , daß die Industrie uns die Wirtschaftlichkeit unserer Produkte ausrechnet und darauf die Preise für z. B. Pflanzenschutzmittel, Maschinen, Dienstleistungen usw. in Rechnung stellt. Bei hohen Agrarpreisen immer Mehrkosten für uns , aber ein Preis zurück gibt es selten. Auch REWE hat den Schweinemästern nur 2 ct/kg Schlachtgewicht geboten für die Antibiotikafreiheit , aber 2 Euro/kg vom Kunden haben wollen. Im letzten Jahr war ich bei einer Frühjahrsfeldbesichtigung von der Genossenschaft eingeladen. Da gings um Krankheiten und deren Bekämpfung im Getreide. Da waren 15 Bauern und 7 Berater/Verkäufer vorhanden. Solange uns die Industrie und Gewerbe die Mehrpreise immer abnimmt kann es keine gedeihliche Landwirtschaft geben. Dazu kommt noch der Druck aus Berlin und Brüssel , also kaum eine Chance auf Veränderung. Die Bauern bekommen das Trinkgeld und die Anderen machen ordentlich Cash. Das die Politik die Bauern ständig unter druck setzt, kann man ganz klar an dem Auslaufen der Milch- und Rübenquote sehen. In beiden Segmenten sind die Preise stark gefallen. Viele Betriebe haben deshalb aufgegeben , weil der Kostendruck einfach zu hoch war. Wie soll ein Bauer in Berg- oder Moorregionen da auch noch mithalten können. Nur mit großen Flächen und Ställen ist das noch zu machen. Wenn die Politik keine Änderung herbeiführt , wird sich da auch nichts ändern. Ein Ersaufender fragt schließlich nicht mehr nach Biodiversität , Nitrat usw. .Nur eins kann auch deutlich gesagt werden , daß nur mit Gesetzen die Sache nicht zu verbessern ist. Nur mit Änderung der Rahmenbedingungen ist was zu erreichen. Das heist mehr Außenschutz , mehr Mindestpreise und mehr Anerkennung.

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  5. Der Motor hinter dem Konkurrenzkampf, mit dem die Bauern sich gegenseitig alle machen, ist die Technik. Wie kann der Bauer auf der einen Seite stolz drauf sein, dass er heute 140 Menschen satt macht, wo es früher 10 waren, und gleichzeitig über das Höfesterben jammern? Ja, hallo! Das Eine bedingt das Andere.

    Weder der Verbraucher noch der Handel ist am Höfesterben schuld, sondern die Technisierung. Wenn die Verbraucher mehr für eure Produkte zahlen würden, würdet ihr euch auf höherem Geldniveau ja trotzdem gegenseitig alle machen und drum kämpfen, statt 140 Leute 150 oder 160 satt zu machen, was logischerweise weniger Bauern bedeutet.

    Die Bevölkerung kann nun mal nicht mehr als essen. Der Verbraucher kommt euch ja sogar entgegen, indem er sich fett frisst, damit ihr eure dank Technisierung hergestellte Überproduktion überhaupt los werdet. Ihr müsst ja froh sein, dass ein Drittel eurer Produkte im Abfall landet, denn sonst gäbe es nicht mal mehr 280.000 Bauernhöfe, sondern bloß noch 150.000. Denn es gibt bei euch Bauern immer einen, der den noch größeren Traktor kauft, und dann müssen die anderen eben mithalten. Ein bisschen Selbstkritik wäre auch mal angebracht, statt immer nur auf den Handel und die Verbraucher zu schimpfen und zu jammern.

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    • Dein Kommentar trifft es eigentlich sehr gut! Selbstkritik ist etwas, was wir als Bauern mit Sicherheit noch lernen müssen. Ich sehe das aber nur als Teil des Problems. Selbstkritik fehlt mir bei Allen Beteiligten der Agrarbranche. Ich sehe eigentlich nicht ein, mich als Landwirt für alles, was in der Landwirtschaft so passiert, rechtfertigen zu müssen. Das ist nicht meine Aufgabe! Meine eigene tägliche Arbeit kann ich erklären und mitteilen, und ich muss mein handeln gegenüber der Gesellschaft verantworten können. Ich vermisse aber die Hilfe derer, die an der Landwirtschaft ihr täglich Brot verdienen, bei dieser Aufklärungsarbeit. Technik ist – wenn sie Sinnvoll angewandt wird – immer gut. Keiner will mehr mit Ochse oder Pferd übern Acker. Deshalb ein ganz klares ja zur Technik in der Landwirtschaft. Jeder entscheidet selbst, mit welcher Arbeit er seinen Lebensunterhalt verdienen will. Ich weiß nicht, ob sich meine Kinder sich für einen Beruf entscheiden, der so gnadenlos in der Öffentlichkeit steht wie der des Bauern. Deswegen braucht man sich ums Höfesterben nicht zu kümmern – das passiert einfach! Außerdem gilt eben immernoch der alte Spruch: Mit der Landwirtschaft ist kein Geld zu verdienen, aber an der Landwirtschaft…

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  6. Altbauer Jochen sagt

    Zerstörung der Bäuerlichkeit =Zerstörung der Gesellschaft,
    insofern gebe ich Alois Recht.
    Die „Gesellschaft“ existiert aber weiter ,in ihrer Weise.
    Nur die Tugenden einer bodenständigen, tradierten,
    Landbevölkerung gehen teils verloren.
    >Der bäuerliche Gedanke des Werterhalts für nachfolgende Generationen.
    >Die Familie als Bindeglied in sozialer Sicherheit untereinander.
    >Das Engagement für andere in der Lebenswelt des Heimatdorfes.
    >Verantwortungsbewusstsein für ein handeln in Selbständigkeit.
    Gewiss gibt es all dieses auch noch anderswo in der Gesellschaft.
    In der bäuerlichen Landbevölkerung gehört es aber
    zu den Fundamentalen Lebensinhalten.
    Eine“ Kapitalismuskollektivierung“-so sie denn kommen mag-
    darf uns als Menschen nicht in unseren Grundwerten klein machen !

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Millendorfer definierte Bäuerlichkeit als Geisteshaltung. Also ein Menschentyp mit Werten wie Eigenverantwortlichkeit, Nachhaltigkeit, Fleiß, Sparsamkeit, Selbständigkeit, Wirtschaftlichkeit, Lernwilligkeit, Anpassungsfähigkeit. Bäuerlichkeit strebte niemals nach Abhängigkeit. Insofern scheint wohl viel davon bereits verloren. Denn die meisten Menschen, auch viele Bauern, rufen heute dem Staat, der sie in ihrer Abhängigkeit behüten möge.

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  7. Friedrich sagt

    Die meisten Maschinen die auf der Agrit. ausgestellt sind , kann kein westdeutscher Bauer einsetzen , weil viel zu groß. Die Ausstellung ist eine Weltleitmesse, also für die Weltlandwirtschaft. Da waren Baumwollvollernter und viele andere Maschinen zu sehen , die hier in Europa keinen Einsatz finden. Auf vielen Ständen stand schon alles in russischer Schrift. — Die Bäuerlichkeit wird uns doch schon nach und nach ausgetrieben. In den sechziger Jahren ging es darum , den Leuten vom Plumpsklo in ein Badezimmer zu verhelfen , um die Lebenbedingungen zu verbessern. In dem siebziger Jahren war den Leuten die Landwirtschaft zu rückständig. Da wurde dann mit Fördergeldern die Hof- und STalltechnik zu größeren Einheiten gefördert. Gleichzeitig gingen die Agrarpreise runter , von der EWG so festgesetzt. Die Produktivität war denen in Brüssel und Bonn aber immer noch zu gering , denn man brauchte immer mehr Facharbeiter . Mit immer größeren Maschinen und Stalleinheiten waren auch immer mehr Bauern überflüssig. Mit Fördergeldern zum Ausstieg wurde das dann abgemildert. Von den über einer Million Bauernhöfen sind heute mit ständig fallender Tendenz noch rd. 280.000 vorhanden. Der biologisch- technische Fortschritt frisst jedes Jahr 2% der Höfe weg. Dazu kommt die knallharte Brüsseler und Berliner Politik, die weitere Höfe vernichtet. Von ehemals 10 sind heute rd. 140 Verbraucher geworden , die ein Bauer heute ernährt. Die Bauern sind heute bestmöglich ausgebildet. Von denen geht heute keiner mehr zurück wie sich das die Grünen vorstellen. Ein 40.000 er Hähnchenstall braucht heute rd. 900 Stunden/Jahr. Ein 1.000 er Schweinemaststall auch. Der Acker mit allen Nebenarbeiten rd. 10 Std./ha. Eine Muttersau rd. 12Std. . Die Technik, Züchtung und das Wissen haben diese enormen Leistungssteigerungen ermöglicht und jeder kann sich ausrechnen wie groß die Einheiten sein müßen, um einen Arbeitskraft zu beschäftigen. — Jede Gesellschaft bekommt die Landwirtschaft , für die sie bereit ist zu zahlen. Unsere Gesellschaft stimmt jeden Tag an der Ladenkasse darüber ab und wir Bauern liefern das , was die Gesellschaft will — billig.

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  8. Alfons Balmann sagt

    Der Wandel geht weiter. Nicht nur in der Landwirtschaft. Man kann sich über manche Entwicklungen innerhalb wie außerhalb der Landwirtschaft sorgen. Aber in der Regel wird man sie kaum aufhalten können.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Ich bin auch der Meinung, dass die technische Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Für mich als Bauer stellt sich ganz praktisch daraus aber die Frage, welche Technisierung ich mir leisten kann. Also, ob ich die Kuh in Zahlung geben muss, damit ich mir die neueste Melkmaschine leisten kann… 😉

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      • Alfons Balmann sagt

        Aber sind das die Fragen, die sich Landwirte stellen? Die Frage ist doch eher: wie kann ich sowohl günstig als auch tier- und umweltgerecht die Kuh melken – und das nicht nur morgen, sondern auch noch in zehn Jahren. Für viele Milchviehbetriebe stellt sich ja bereits heute die Frage, wo sie jemanden finden, der ihre Kühe melkt.
        Und umgekehrt: wäre es für viele junge bayerische Milchbauern, die sich über ihre Zukunft sorgen nicht vielversprechender, sich auf dem Arbeitsmarkt für Herdenmanager oder Melker in Nord- und Ostdeutschland umzuschauen, als zu überlegen, wie sie ihren Anbindestall modernisieren? Das ist auch Teil des Wandels.

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        • „….nicht vielversprechender, sich auch dem Arbeitsmarkt für Herdenmanager oder Melker in Nord- und Ostdeutschland umzuschauen, als zu überlegen, wie sie ihren Anbindestall modernisieren?“ Solche Überlegungen sollten in der Tat angestellt werden. Bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage (z.B. in Bayern) werden dann viele zu dem Schluss kommen, dass BMW und Co. vielleicht doch die bessere Wahl sind.

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          • Alfons Balmann sagt

            Es sei denn, sie möchten in der Landwirtschaft arbeiten. Eine andere Alternative ist Nebenerwerbs- oder Hobbylandwirtschaft, was bereits die Mehrzahl der bayerischen Betriebe betreibt.

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          In meiner langjährigen Beobachtung komme ich zur Überzeugung, dass viele Technikinvestitionen bei Landwirten eher einem Wunschdenken entspringen als von realen Kalkulationen. Technik ist halt auch irgendwie sexy. Sehr oft finanzieren ausserlandwirtschaftliche Einkommensquellen diese Technik. Bauern sind halt auch fleißig (ist ein Wert der Bäuerlichkeit), nur fahren sie mit der verdienten Kohle halt nicht in den Urlaub und kaufen keine Harley-Davidson, sondern leisten sich Agrartechnik, die halt begeistert…

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          • Alfons Balmann sagt

            Es wäre sicher interessant, diese These zu prüfen. Vor allem wäre interessant eine Übertechnisierung in Relation zu Betriebsgröße, Umsatz und Rentabilität zu untersuchen. Allerdings: Was ist ein Überbesatz an Technik?

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            • Die Beobachtung von Alois Wohlfahrt kann ich bestätigen. Ökonomische Überlegungen sind dabei zweitrangig. Nebenerwerbler rechtfertigen (übertriebene) Investitionen damit, dann ihnen zur Arbeitserledigung weniger Zeit zur verfügung steht und dass Maschinen, die nicht augelastet sind dafür eine längere Nutzungsdauer erwarten lassen. Dies ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen.

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  9. Aufklärer sagt

    Wer den Landwirtschaftssimulator (PC-Spiel) kennt, der weiß um die monströs-technischen Arbeitstiere der Landwirtschaft.

    Das die meisten Leute auf Fachmessen nicht auftauchen, ist wohl eher normal, würd ich sagen.

    Es kommt auf die Kommunikation an. Man nutzt diese Technik ja nur um praktischen Tierschutz zu betreiben: Sonst müssten ja arme arme Tiere die Arbeit auf den Feldern machen. 😀

    Maschinen erleichtern das Leben. Fordert einfach im Gegenzug das Wäsche waschen von Hand oder macht Kunden, die kritisch gegenüber Landwirtschaftlichen Maschinen sind, die Möglichkeit in Aussicht einen kleinen Teil des Feldes per Hand zu ernten.
    Wenn der dann mit seinem Bandscheibenvorfall einige Tage im Bett liegt, wird der auch anderer Auffassung sein und schwerem Gerät dem schweren Rückenschaden vorziehen. ;>

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  10. „Im Kern ist die Frage nach der Zukunft der Landwirtschaft, dieser kleinen, unwichtigen Branche, eine kulturelle.“ Dies ist das Fazit von Grossarths Artikel und mir stellt sich die Frage, ob dieser nicht schon in der Haltlosigkeit des kulturellen Nirvanas entschwunden ist….

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  11. „Die Wildbeuter jagten wild lebende Tiere und sammelten wild wachsende Pflanzen, die dem Homo sapiens ebenbürtig waren. Sie jagten zwar Schafe, doch sie betrachteten die Schafe deshalb noch lange nicht als minderwertig. Lebewesen kommunizierten direkt miteinander und handelten die Regeln aus, die in ihrem gemeinsamen Lebensraum herrschten. Im Gegensatz dazu lebten die Bauern davon, Tiere und Pflanzen zu besitzen und zu manipulieren, weshalb es ihnen schwerfiel, Tiere und Pflanzen als ebenbürtig zu begreifen oder gar mit ihnen zu verhandeln. Im Laufe der landwirtschaftlichen Revolution (vor ca. 10.000 Jahren) wurden die einst gleichberechtigten spirituellen Partner daher zu stummen Besitzgütern.“
    Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit, S. 256

    Tja, vor 10.000 Jahren hat der Homo sapiens die Götter erfunden, damit er sich Pflanzen und Tieren gegenüber wie Gott aufführen, sie unterwerfen und ausbeuten kann. Die Industrialisierung der Landwirtschaft ist nur ein weiterer und logischer Schritt, der uns deutlicher vor Augen führt, was es heißt, auf diesem Planeten den Allmächtigen zu spielen. Allmachtswahn heißt Abschaffung der Natur. Allmachtswahn heißt Massentierhaltung. Allmachtswahn heißt Monokulturen. Allmachtswahn heißt Verstädterung und Technosphäre.

    Nicht das Töten und Essen von Tieren und ebenso Pflanzen ist das Problem, sondern dass wir bzw. unsere Vorfahren Tiere und Pflanzen zu reiner Verfügungsmasse degradiert und ihnen den Eigenwert und die Stimme genommen haben. Die Unterwerfung und Verobjektivierung von Lebewesen verursacht das sogenannte „Tierleid“ (obwohl der Begriff Quatsch ist), nicht das Töten und Essen.

    Diese Einsicht, wenn sie denn überhaupt kommt, kommt Jahrtausende zu spät. Der Prozess ist irreversibel, weil sich die unterworfenen Tiere und Pflanzen mit dem Homo sapiens zusammen als Einheit weiterentwickelt haben. Auf die domestizierten Tiere zu verzichten, hieße, ein Teil von uns selber abzuschneiden, und den Weg zur Einsicht zu verbauen, dass auch Pflanzen Lebewesen mit einem Eigenwert sind.

    Bei der vorherrschenden Technikeuphorie nicht nur bei Landwirten, sondern auch bei Wissenschaftlern und ebenso Otto Normalverbrauchern, werden wir diesen Prozess bis zum bitteren Ende gehen. Wer ist denn dieser Otto, der SUV fährt und smarte Technik um sich herum anhäuft, Landwirte aber dazu verdonnern will, wieder die Hacke in die Hand zu nehmen und das Pferd vor den Wagen zu spannen?

    Bitter wird das Ende deshalb, weil das, was man anderen antut, auf einen selber zurückkommt. Die Unterwerfer sind am Ende die Unterworfenen. Die Allmächtigen die Machtlosen. Die Herrscher die Beherrschten. So einfach ist das.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Marian, alle wollen zurück zur Natur, aber nur nicht zu Fuß. 😉
      Fakt ist, die Landwirtschaft war tatsächlich der innovative Motor der zur Zivilisation führte. Vielleicht ist sie das immer noch? Und die moderne Landwirtschaft zeigt uns wohin die Reise geht: Massentierhaltung wird zur Massenmenschenhaltung – oder etwas humaner formuliert: Die Urbanisieruung schreitet unaufhörlich fort.

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      • Der innovative Motor, der zur Zivilisation führte, war das Feuer. Der Zivilisationsprozess ist identisch mit der Beherrschung des Feuers und der Beherrschung der Möglichkeiten, die dem Feuer immanent sind. Ohne Metallverarbeitung hätte es keine Landwirtschaft gegeben, denn mit einer Steinaxt kann man zwar dem Mammut auf den Kopf hauen, aber nicht sinnvoll den Boden bearbeiten. Der Grabstock hat seine Grenzen. Die Agarisierung ist nichts anderes als eine Möglichkeit, die dem Feuer immanent ist. Hier in diesem Blog leuchten die Bauernaugen doch vor allem, wenn von Traktoren oder neuen LW-Maschinen die Rede ist, nicht wenn über Erdbeeren, Kartoffeln oder Kühe geredet wird.

        Die Industrialisierung ist gleichbedeutend mit einer Weiterentwicklung der Möglichkeiten, die dem Feuer immanent ist. Ebenso wie die Atombombe.

        Landwirtschaft ist bereits eine Folge innerhalb des Zivilisationsprozesses, nicht der Auslöser.

        Fakt ist, wir können nicht zurück zu einer Natur, die wir in weiten Teilen bereits abgeschafft haben. Weder zu Fuß noch sonstwie.

        Fakt ist, dass ebenso wie wir das Feuer beherrschen, das Feuer uns beherrscht. Die Gläubigen der grünen Religion können diese Dynamik höchstens verlangsamen. Aber wenn du mich fragst, ich glaube, dass die Grüngläubigen die Abschaffung der Natur im Gegenteil noch beschleunigen.

        Die Urbanisierung schreitet solange fort, bis wir den Planeten einerseits in Technosphäre und andererseits in Wüste verwandelt haben. Und die meisten sind stolz darauf, dass sie ihren Kindern und Enkeln so eine Welt hinterlassen.

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        • Muss Philosophie immer in der Apokalyptik enden? Wir verwandeln die Welt nicht in eine Wüste, sondern: Der Planet wird immer grüner!
          Auf der Grundlage von Satellitenbildern im Zeitraum 1982 bis 2010 hat CSIRO festgestellt, dass der steigende atmosphärische CO2-Gehalt mit einer Zunahme der Pflanzenbedeckung um 11% in einer ganzen Reihe von ariden Gebieten in Australien, Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika korreliert ist. In Zusammenarbeit mit der Australian National University (ANU) zeigte die Studie, dass der Düngungseffekt dort auftritt, wo erhöhte CO2-Niveaus es den Blättern ermöglichen, mehr davon aus der Luft zu holen und weniger Wasser zu verdunsten oder beides während der Photosynthese.

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          • Ja, in den vergangenen Jahrmillionen wurde der Atmosphäre CO2 entzogen, das nicht wieder zurückgeführt, sondern als fossile Brennstoffe gebunkert wurde. Der Mensch befreit das CO2 und führt es in die Atmosphäre zurück. Das ist richtig. Allerdings ist der Mensch ein Wesen der Eiszeit und das Klima mit befreitem CO2 dürfte ihm nicht bekommen. Grün bedeutet auch nicht, dass da wieder Wälder sind, die Wälder verschwinden immer noch. Das ändert auch nichts dran, dass die Versiegelung immer noch voranschreitet, in Deutschland nur etwas verlangsamt. Wenn die fossilen Brennstoffe alle sind, ist es mit der Begrünung auch wieder schnell vorbei.

            Im Grunde ist es doch gar nicht so schwer. Der unmittelbare Effekt von Feuer ist zerstörerisch, und das ist der tiefere Grund, warum all unsere Technik sich im Großen Ganzen zerstörerisch auf die Natur auswirkt. Es gelingt uns auch nicht, die Zerstörung aufzuhalten, wir verlangsamen sie höchstens. Man muss schon ziemlich blind sein, wenn man das nicht sehen will.

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            • „Allerdings ist der Mensch ein Wesen der Eiszeit und das Klima mit befreitem CO2 dürfte ihm nicht bekommen.“ Wie kommen sid denn da drauf??? Die Hochkulturen der Vergangenheit enstanden in Warmzeiten und endeten jäh in Kaltzeiten!!

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            • Die Kulturen entstanden in Warmzeiten und endeten in Kaltzeiten innerhalb der Eiszeit, die bereits seit 30 Millionen Jahren andauert. Eiszeit heißt, dass mindestens einer der Pole vereist ist. Wenn alles CO2 befreit ist, ist keiner der Pole mehr vereist.

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            • Ist natürlich eine Frage der Definition, es gibt auch diese: Als Eiszeit (Glazial) bezeichnet man eine über mehrere Jahrhunderte oder Jahrtausende anhaltende Phase in der Erdgeschichte, in der es deutlich kühler ist und es zu einer enormen Ausbreitung von Gletschern in den Gebirgen und der polaren Eisschilde kommt. Die Periode zwischen zwei Eiszeiten heißt Warmzeit oder Interglazial.

              Der mit Abstand größte Teil des CO2 ist in den Tiefen der Ozeane gespeichert, steigt die globale Durchschnittstemperatur, wird hauptsächlich aus diesen CO2-Reservoirs CO2 freigesetzt. Wichtig ist zu Wissen, dass der CO2- Anstieg eine Folge des Temperaturanstiegs ist und nicht umgekehrt.

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            • Was die Freisetzung von CO2 aus den Meeren angeht: das ist ganz klar eine Folge des Temperaturanstiegs und nicht umgekehrt. Der menschengemachte CO2-Anstieg kann dabei vielleicht eine Art Katalysatorfunktion einnehmen. Das ist dann allerdings schon passiert, da das vom Menschen freigesetzte CO2 etwa 100 Jahre in der Atmosphäre verbleibt und sich akkumuliert.

              Wie man die Meere dran hindern will, bei Erwärmung CO2 abzugeben, ist mir schleierhaft. Das ist einer der Punkte, der diese ganze Klimadiskussion so unsäglich macht.

              Eine interessante Frage, warum uns eingeredet wird, wird könnten den CO2-Ausstoß beschränken und die Erwärmung damit auf zwei Grad begrenzen. Wenn wir den menschengemachten CO2-Ausstoß dann auch noch auf Null beschränken, wie es das erklärte Ziel der Klimaretter ist, müssen wir das Atmen einstellen.

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            • „Eine interessante Frage, warum uns eingeredet wird, wird könnten den CO2-Ausstoß beschränken und die Erwärmung damit auf zwei Grad begrenzen.“ Diese Frage ist in der Tat interessant, wer sie stellt ist jedoch sofort ein Leugner oder Ketzer. Die Klimareligion ist jedenfalls die absurdeste, die mir bisher begegnet ist.

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